Apple, Mosaic und Deere – Hier dreht sich was?!

Mit dem 01. März, scheinen die Märkte eine Charakteränderung vorgenommen zu haben, man fühlt sich wieder an die Jahre 2013 und 2014 erinnert, als es durch den "Bernanke/Yellen/Draghi-Put" nur eine Richtung gab: hoch.

Auch aktuell, haben wir es wieder mit einer "Buy the Rumor" Rally in freudiger Erwartung insbesondere der EZB-Sitzung am 10.03., aber auch der FED-Sitzung am 16.03. zu tun.

In Folge hellt sich das Bild des Marktes weiter auf, die klare "W" Formation im Leitindex S&P500, war dafür ja schon länger Hinweisgeber. Auffällig ist aber auch, wie viele in 2015 abverkaufte Aktien und Sektoren, mittlerweile markante Wendeformationen ausbilden, die noch einiges Potential in sich bergen.

Drei Bluechips dieser Kategorie, will ich Ihnen daher heute als "schnelle Ideen" zeigen.

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Hari Live: Märkte im Sommer, Diamond Top im S&P500, Linde

Wenn man, wie ich hier auf Mr-Market.de, mit einem geschlossenen Premium-Bereich beginnt, hat man immer das gleiche Dilemma. Die die drin sind, sehen was da so passiert und geniessen (hoffentlich) glücklich den Inhalt.

Denen die draussen sind, ist aber nicht so richtig klar was sie erwartet. Und um über die Kluft zwischen diesen beiden Zuständen eine Brücke zu spannen, muss man immer mal wieder einen Einblick gewähren.

Jetzt kann man natürlich alte Archive dafür benutzen, nur die Realität zeigt, die liest niemand mehr ernsthaft. Es gibt halt nichts Älteres als alte Zeitungen. 😉

Deshalb will ich heute mal einen anderen Weg gehen. Ich nehme vier Informationsschnipsel aus "Hari Live" aus den letzten Tagen heraus, die immer noch aktuell sind und deshalb für Sie interessant zu lesen sein dürften. Und ich stelle diese den freien Mitglieder mit 1-3 Tagen Verspätung hier im Artikel zur Verfügung. Das sollte einen Eindruck vermitteln, was sie in Hari Live erwartet. Typischerweise stelle ich am Tag so 5-15 Informationsschnipsel in Hari Live ein, manchmal nur einen Link oder Zweizeiler, manchmal einen Text, der eines eigenen Artikels würdig wäre.

Wissen sollten Sie auch, dass das Konzept von "Hari Live" auf dem Gedanken der täglichen gedanklichen Mitarbeit beruht. Der gewünschte Effekt - den Lesern eine professionelle Sicht auf die Märkte zu vermitteln - entsteht nicht durch einen einzigen "geheimnisvollen" Artikel, sondern in dem Sie jeden Tag diszipliniert den Gedankengängen und Infoschnipseln folgen, die ich dort zur Verfügung stelle. Oft sind auch einfach mal Links von anderen Seiten dabei, die ich zur aktuellen Lage wichtig finde. Und oft referiere ich in späteren Kommentaren auch darauf. Es ist also wichtig den Inhalten zu folgen.

Hari Live macht also für aktive Anleger Sinn, die aus den börslichen Kinderschuhen heraus wachsen, lernen wollen wie der schizoide Mr. Market wirklich tickt und bereit sind, die Märkte täglich zu verfolgen.

In diesem Sinne folgen nun die vier Informationsschnipsel zu den Themen "Märkte im Sommer", einer Topformation im S&P500, dem Abverkauf der Momentum Aktien und Linde, jeweils mit Datum und Uhrzeit des Erscheinens:

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Verwobene Schicksale: Kleinfeld zu Linde ? Reitzle zu Siemens ? Cromme ?

Vielleicht liegt es daran, dass ich selber mal Chef eines - wenn auch nur mittelgrossen - Unternehmens war. Vielleicht liegt es daran, dass mir bewusst ist, welchen Unterschied eine einzelne Person an der richtigen Stelle machen kann.

Aber was auch immer der Grund ist, ich schaue bei meinen langfristigen Investments ganz genau auf das Topmanagement in Vorstand und Aufsichtsrat. Genau genommen ist das neben dem Geschäftsmodell sogar mein Hauptkriterium, nachdem ich die für mich "guten" von den "schlechten" Unternehmen trenne, wenn ich über ein längeres Investment abseits von reiner Markttechnik nachdenke.

Um so ärgerlicher finde ich es immer wieder - und auch das wissen Sie aus diversen Wutreden hier im Blog - wenn den Anlegern das sture Starren auf so zweifelhafte Indikatoren wie Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) als "Value Investing" verkauft wird. Ich erinnere insbesondere an den Artikel -> Vom Irrsinn des IFRS oder warum der Buchwert kaum Aussagekraft mehr hat <- den Sie unbedingt mal lesen sollten, falls Sie das noch nicht getan haben.

Und richtig sauer werde ich, wenn dann immer wieder der ehrenwerte Warren Buffet als Testimonial für diese intellektuell äusserst dürftige Indikatorenlogik vereinnahmt wird, obwohl der sich gar nicht dagegen wehren kann. Der Verdacht, dass hier Menschen etwas verkauft werden soll ist für mich naheliegend.

Denn eines ist klar, wer sich mit Buffet beschäftigt hat weiss, welche immense Bedeutung er immer dem Management beigemessen hat. Es ist nicht übertrieben zu sagen, Buffet hat bei all seinen grossen Investments eigentlich immer eine persönliche Beziehung und persönliche Eindrücke vom Management aufgebaut. Und nur wenn er zutiefst von deren Fähigkeiten überzeugt war, setzte er seine Gelder in Gang. Es gibt wohl nur wenige Investoren, die dem Management so hohe Bedeutung zumessen wie Buffet.

Womit wir auch für unsere Investments bei dem zentralen Thema Management sind. Und nun wissen Sie ja, dass es da in Form der Linde (WKN 648300) ein Unternehmen gibt, dass ich hinsichtlich seines Geschäftsmodells für eine Perle halte und dem noch einiges zuzutrauen ist. Zu verdanken ist diese tolle Entwicklung unter anderem dem CEO Wolfgang Reitzle. Ich möchte zu ihm einfach aus einem ein Jahr alten Artikel hier auf Mr-Market.de zitieren:

"Seit 2003 verantwortet Wolfgang Reitzle das Geschäft als CEO. Er ist der lebende Beweis, dass man kein Fachmann sein muss, um als Top-Manager Erfolg zu haben. Denn als Reitzle von Jaguar, Aston Martin & Co. 2002 zu Linde kam, wusste er von Industriegasen vermutlich auch nicht sehr viel mehr als ich jetzt – nämlich fast nichts. Was er aber danach aus Linde gemacht hat, nötigt mir allerhöchsten Respekt ab. Und “nebenher” hat er seit 2009 als Aufsichtsratchef massgeblichen Anteil daran, dass das Desaster rund um Schaeffler und Continental geräuschlos bereinigt wurde. Einer der heissesten Jobs die Deutschland damals zu vergeben hatte. Bravo kann ich da nur sagen !"

Und wir wissen, dass es in Form von Siemens (WKN 723610) da ein Unternehmen gibt, dass man als Urgestein der deutschen Unternehmen bezeichnen kann, fast ein Synonym für Deutschland. Und diese Siemens schwankt jetzt seit Jahrzehnten zwischen schweren Krise - wie zuletzt in der Korruptionsaffäre - und einer eher grauen Realität, in der es gerade mal so einigermassen läuft. Nur eine Phase des Aufbruchs, eine Phase in der Siemens von Erfolg zu Erfolg eilt wie nun Linde seit Jahren, so eine Phase hat es bei Siemens schon sehr, sehr lange nicht mehr gegeben.

Und auch die Börse sieht das natürlich so, vergleichen Sie mal die Kurse von Siemens und Linde in den letzten 10 Jahren. Und dann fragen Sie sich, was - oder genauer gesagt wer - da den Unterschied macht. Oder will jemand ernsthaft behaupten, die Mitarbeiter bei Siemens seien perse dümmer oder weniger engagiert als bei Linde ? Wohl kaum, das sind sie bestimmt nicht ! Auch wenn das Geschäftsmodell unterschiedlich ist, ist der Vergleich trotzdem frappierend und beides sind klassische Industrieunternehmen. Und auch gegenüber den direkten Mitbewerbern General Electric und ABB sieht Siemens für mich nicht mehr überzeugend aus.

Und dann haben wir da noch Klaus Kleinfeld und den Aluminium Konzern Alcoa (WKN 850206), um das Triumvirat der verwobenen Schicksale zu vollenden. Klaus Kleinfeld hat sich in den USA nun grosse Reputation erworben, denn unter ihm kommt Alcoa besser durch die Krise als viele der Mitbewerber. Und Klaus Kleinfeld ist nach meiner persönlichen Einschätzung wohl nur aus einem Grund bei Alcoa, weil er damals als Siemens Chef von Gerhard Cromme heraus gedrängt wurde, obwohl Kleinfeld mit der Korruptionsaffäre nichts zu tun hatte und ihm auch bis heute nie jemand etwas Konkretes vorwerfen konnte. Lesen Sie auch -> hier <- einen alten Artikel aus der Zeit bevor Kleinfeld zu Alcoa wechselte. In meinen Augen war Klaus Kleinfeld der beste Siemens CEO, den das Unternehmen seit langem hatte und vieles was sein Nachfolger Löscher als Erfolg verbuchen konnte, basierte auf grundlegenden Entscheidungen, die noch Kleinfeld veranlasst hatte.

Irgendwie sind diese drei Schicksale also miteinander verwoben. Und um den Kreis zu schliessen, seien die lange wabernden Gerüchte erwähnt, nach denen Reitzle 2007 auf dem Höhepunkt der Krise Chef bei Siemens werden sollte. An solchen Gerüchten ist oft etwas dran, denn wenn es Unsinn ist, könnte es auch sofort hart dementiert werden. Es ist also zu vermuten, dass es damals Sondierungsgespräche gegeben hatte. Lesen Sie -> hier <-. Reitzle sagte ab, warum überlasse ich Ihrer Phantasie.

Nun wird der heute 64-jährige Reitzle im Frühjahr 2014 als Linde CEO abtreten. Nach dem was man liest, wäre er wohl auf den Chefposten im Aufsichtsrat gewechselt, alleine die "Abkühlphase" des Corporate Governance Kodex verhindert das, ein Kodex an dem der "Meister" sauberer -> Governance <-, Gerhard Cromme, in der Vergangenheit als Chef der Kommission massgeblich mitgewirkt hat.

Womit sich zwei wichtige Fragen stellen: erstens wer folgt Wolfgang Reitzle nach und zweitens wo engagiert sich Reitzle in der Zukunft ?

Vielleicht ahnen Sie jetzt worauf ich hinaus will. Deutschland sollte ein Interesse daran haben, seine besten Manager an der Spitze seiner Topunternehmen zu haben. Und ein Klaus Kleinfeld als Nachfolger von Wolfgang Reitzle bei Linde wäre in meinen Augen eine Idealbesetzung. Ob der in Amerika angekommene - und von seinem jugendlichen Drang her dort auch viel besser hinpassende - Kleinfeld das will, weiss ich nicht. Aber ein Ortswechsel wäre vielleicht gar nicht mal nötig, denn Linde hat durch die Lincare Übernahme ja nun auch in den US ein dickes Standbein und verdient abgesehen davon auch massiv am "Shale Gas" Boom mit.

Und Reitzle ? Nun ich bin mir ziemlich sicher - ohne das ich das belegen kann - dass ihn der Aufsichtsratsvorsitz bei Siemens reizen würde, wenn ihm das angedient würde. Denn wen würde das nicht reizen ? Mit Reitzle würde bei Siemens auch frischer Wind wehen und die Chance bestehen, einen neuen, dynamischen "Kleinfeld" an die Spitze des Unternehmens zu bekommen.

Nur steht dem ein Mann im Weg, Gerhard Cromme. Verwobene Schicksale - wissen Sie jetzt was ich meine ? Nach seinem Abgang bei Thyssenkrupp dürfte Gerhard Cromme in meinen Augen nur schwer von Siemens zu lösen sein, zumal der aktuelle Siemens CEO Peter Löscher ihm ja wohl seinen Posten verdankt. Ich vermute so ist auch die Nachricht zu werten, dass Wolfgang Reitzle nun Verwaltungsratpräsident beim schweizer Zementhersteller Holcim wird - sehen Sie -> hier <-.

Einer unserer besten Manager Verwaltungsrat in Zement ? Nichts gegen Zement, aber ich finde Wolfgang Reitzle kann an anderer Stelle von grösserer Bedeutung für unsere industrielle Basis sein. Ich finde es zutiefst schade, um nicht zu sagen traurig, dass wir unsere besten Manager nicht auf die wirklich wichtigen Rollen hieven können.

Und welchen Unterschied ein gutes oder schlechtes Management macht, kann man nicht nur am Chart von Linde, sondern auch an dem 10-Jahres-Chart von Siemens und Thyssenkrupp bewundern. Und ich frage erneut: sind die Mitarbeiter in diesen Unternehmen unfähiger oder weniger engagiert ? Wohl kaum.

So bleibt mir nur, ein bisschen zu träumen. Kleinfeld zu Linde, Reitzle zu Siemens und Cromme weg .... das wäre für mich ein Paket, das ich lieben würde. Und dann könnte ich auch der Siemens Aktie mal wieder näher treten, was im Moment für mich kein Thema ist.

It´s the management stupid ! 😉

Ihr Hari

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DAX, S&P500 und Co. – Gedanken zum Wochenbeginn – 07.04.13

In Anbetracht der doch spürbaren Verunsicherung, die die Korrektur der letzten Tage ausgelöst hat, möchte ich am heutigen Sonntag versuchen, die Ereignisse in die notwendige Perspektive zu rücken.

Ich habe viel gelesen und mir angeschaut. Und habe nun ein Bild entwickelt. Der Markt hat am Donnerstag und Freitag zum ersten Mal seit Monaten deutlichen technischen Schaden verarbeiten müssen. In Summe hat der Dax damit schon ca. 5% vom Höchststand abgegeben. Die Indizes, die von Telecom, Nahrung und Healthcare zusammen gehalten wurden, kaschieren dabei aber mit vermeintlicher Stabilität, die zum Teil deutlicheren Einbrüche, die gerade Industrieaktien erlebt haben. Viele MDAX Werte haben deutliche Narben davon getragen.

Am Freitag Abend war dann an der Wallstreet der "Buy the Dip" Trade wieder da und der wichtige Transportsektor hat die 50-Tage-Linie zurück erobert und eine grosse Fahne ausgebildet. Allerdings war der "Buy the Dip" Trade auch nicht so eindrucksvoll, dass die Bären damit schon wieder aus dem Rennen sind. Der Freitag hat uns leider also nicht den Gefallen getan, eine klare Entscheidung herbei zu führen. Ein blutarmer Bounce ist halt alles ein bisschen und nichts so richtig.

Für kommende Woche haben wir damit gemischte Signale ohne eindeutige Tendenz. Und wenn das so ist, sollte man auch nicht versuchen zu raten, sondern abwarten, was der Markt Anfang kommender Woche wirklich macht. Der Freitag hat aber gezeigt, dass ein Zusammenbruch des Marktes wohl nicht auf der Agenda steht. Für übergrosse Vorsicht oder sogar aggressives Shorten gibt es also keine hinreichenden Indikatoren. Das wäre eine "Schuss ins Blaue" und solche Ratespiele mache ich nicht, die kosten am Ende nur Geld.

Aus Sicht der Zeithorizonte sieht meine Welt am heutigen Sonntag daher so aus:

Wer sehr kurzfristig agiert, kann Anfang kommender Woche durchaus mit einem weiteren Schwächeanfall rechnen, sollte aber trotzdem wohl anfangen, auch mal wieder selektive Kaufchancen zu identifizieren. Ein Szenario, dass ich mir gut vorstellen kann, ist ein erneuter Schwächeanfall Anfang kommender Woche, der dann gekauft wird und sich in einen neuen Anlauf zu den Höchstständen wandelt. Wonach der Markt in eine volatile Seitwärtsphase eintritt, die das 2. Quartal prägt. Kommende Woche gehen mit Alcoa auch in den US die Quartalsergebnisse los.

Wer mittelfristig agiert, tut gut daran in diesem 2. Quartal etwas verhaltener zu agieren. Es gibt gute Argumente, den kommenden Wochen ein erhöhtes Korrekturrisiko zuzuordnen. Die ruhige Aufwärtsbewegung des ersten Quartals dürfte sich wohl nicht so leicht fortsetzen. Andererseits gibt es derzeit auch keine sichtbare Gefahr eines Einbruchs ala August 2011. Eine selektive, eher defensive Aufstellung mit ausgewählten Longs, ein paar wenigen sinnvollen Shorts und relativ viel Cash, erscheint mir für die kommenden Wochen sinnvoll. Stockpicking dürft nun Trumpf sein.

Wer langfristig agiert, muss sich um all das nicht so sehr kümmern. Der Aufwärtstrend ist voll intakt und die Parameter die ihn treiben - Liquiditätsflut der Notenbanken und der Run auf "Sachwerte" - sind voll intakt. Auch wenn das 2. Quartal vielleicht etwas rumpeliger wird, sind die weiteren Aussichten für die Märkte in der zweiten Jahreshälfte gar nicht mal so schlecht.

Also bleiben Sie rational, respektieren Sie die erste deutliche Schwäche der Märkte seit Monaten als ein Zeichen an der Wand und schieben Sie das nicht aus reiner Hoffnung weg. Aber kippen Sie auch nicht vorschnell in pauschalen und ungerechtfertigten Pessimismus. Folgen Sie dem Markt. Folgen Sie den Trades die bisher funktioniert haben, denn warum sollten die plötzlich die Richtung drehen ? Sollte sich kommende Woche doch massive, nachhaltige Schwäche anschliessen, dann ist was Grösseres im Busch für das 2. Quartal. Aber da sind wir noch nicht und ich zweifele eher, ob es dazu kommt.

Ich wünsche ihnen einen schönen Sonntag Abend

Ihr Hari

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Warum billige Zykliker teuer sind – und umgekehrt

Gerne wird ja das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Anlegern benutzt, um einzuschätzen, ob eine Aktie "billig" oder "teuer" ist. Wie sehr dieses Kriterium aber bei Zyklikern in die Irre führt, will ich mit Ihnen heute besprechen.

Zyklische Aktien wie zum Beispiel Stahl, laufen ja in der Regel mit der Konjunktur in Wellen - auch Schweinezyklus genannt. Der Ablauf ist dabei immer der gleiche. Eine anziehende Konjunktur sorgt für erhöhte Nachfrage. Das treibt bei bestehendem Angebot die Preise und die Gewinne der Unternehmen. Was wiederum zur Kapazitätsausweitung und Investitionen der Zykliker führt - siehe die neuen Stahlwerke von ThyssenKrupp. Diese Kapazitätsausweitungen werden solange vom Markt aufgesogen, solange die Nachfrage weiter steigt, was wiederum zu erneuten Kapazitätsausweitungen führt.

Irgendwann steigt die Nachfrage nicht mehr, die Kapazität steigt aber weiter, weil diese Investionen ja Jahre brauchen bis sie den Markt erreichen. So trifft dann am Höhepunkt der Konjunktur eine seitwärts laufende oder leicht fallende Nachfrage auf immer weiter steigende Kapazitäten, was zwangsläufig den Preis ins Bodenlose drückt. Der sinkende Preis sorgt für die Abschaltung oder Aufgabe von Kapazitäten, solange bis die Nachfrage nicht mehr fällt und eine wieder steigende Nachfrage auf immer noch fallende Kapazitäten trifft. Und so setzt sich eine neue Runde des Schweinezyklus in Bewegung.

Der Grund für diesen Effekt liegt also in der zeitlichen Disparität zwischen der Entwicklung der Nachfrage und der Entwicklung der kapitalintensiven Produktionskapazitäten.

Schauen wie uns nun einmal an, wie sich die Aktien der Zykliker und das KGV entwickeln. Und hier haben wir auch eine massive Disparität zwischen den Gewinnschätzungen und dem Kursverlauf, die von unerfahrenen Anlegern immer wieder falsch interpretiert wird. Denn die Gewinnschätzungen laufen der Wirklichkeit um Monate nach. Die Kursentwicklung läuft aber der Konjunkturentwicklung vor, weil der Aktienmarkt ein ausgezeichneter konjunktureller Frühindikator ist.

Am Höhepunkt des Booms werden die Gewinne der Zykliker in die Folgejahre fortgeschrieben, was auf dem Papier zu sehr geringen KGVs führt. Auf dem Höhepunkt sehen die Aktien also "billig" aus. Und wenn dann der Frühindikator "Mr. Market" schon zu fallen beginnt, werden die Kurse optisch nur noch billiger, was viele veranlasst, dann 20% unter dem Zyklushoch die Aktien für "sehr billig" zu halten. Sie sehen aber nur so aus, weil die Gewinne des Aufschwungs einfach fortgeschrieben wurden. In Wirklichkeit hat der Absturz gerade erst begonnen.

Umgedreht ist es am Tiefpunkt. Der Tiefpunkt ist typischerweise dadurch gekennzeichnet, dass die Firmen kein Geld mehr verdienen, weil der Marktpreis ins Bodenlose gefallen ist. Genau dann werden die Entscheidungen getroffen Kapazität abzubauen und aus dem Markt zu nehmen. Und genau dann sehen die KGVs extrem hoch aus, da sind 50 oder 60 durchaus möglich - was kein Wunder ist, wenn die Firmen kaum mehr Geld verdienen. Genau dann stabilisiert sich aber der Marktpreis und die Gewinne beginnen wieder zu fliessen, was die KGVs dann ganz schnell wieder in normale Regionen bringt.

Abweichend von dem was unerfahrene Anleger erwarten würden, gilt also:

-> Der beste Zeitpunkt einen Zykliker zu verkaufen ist dann, wenn die Aktie optisch billig aussieht und die Kurse aber schon fallen und sich gerade ein neuer Abwärtstrend etabliert.

Genau in diesem Moment kauft Otto Normalanleger aber, weil die vermeintlich billigen Kurse den "Buy-the-Dip" Reflex auslösen.

-> Der beste Zeitpunkt einen Zykliker zu kaufen ist dann, wenn die Aktie optisch teuer aussieht und die Kurse aber wieder steigen und sich gerade ein neuer Aufwärtstrend etabliert.

Genau in diesem Moment traut sich Otto Normalanleger aber nicht zu kaufen. Vielmehr ist der Kursanstieg bei so "hoher" Bewertung für ihn das Signal, nun endlich seine Verluste zu realisieren und endgültig auszusteigen, nachdem er den gesamten Absturz bis dahin brav ausgesessen hatte.

Hari´s Märkte am Abend – 10.04.12 – Vom Tag der Abrechnung

22 Uhr - Handelsschluss

Mein "Red Alert" von Freitag war offensichtlich mehr als gerechtfertigt. Und erneut war völlig irrelevant, was am Vormittag im DAX passiert ist. Das Hin und Her des DAX am Vormittag ist an so bewegten Tagen dem Spielen kleiner Kinder vergleichbar, bevor dann am Nachmittag endlich die Erwachsenen in Form der Wallstreet kommen, die die ernsten Dinge des Lebens angehen.

Denn der DAX machte heute Vormittag oberhalb 6700 erste Stabilisierungs-Versuche und erste Käufer steckten ihren Kopf aus ihren Verstecken. Aber dann kam die Leitbörse Wallstreet und die riss den DAX dann bis fast 6600 herunter. Im S&P 500 haben wir nun eine Reihe von Marken durchschlagen und haben die 1351 als nächstes Ziel vor Augen.

Dabei kaschieren die Indizes noch die Stärke der Abwärtsbewegung, denn in den meisten Depots dürfte es wesentlich schlimmer als in den Indizes aussehen. Grund ist, das die gross kapitalisierten Titel noch vergleichsweise stabil bleiben und so die Indizes zusammen halten, während in der zweiten Reihe teilweise massiv abverkauft wird. Viele Aktien notieren nun wieder auf den Niveaus des letzten Herbst, so als ob es nie eine Erholung gegeben hätte.

Besonders übel für uns deutsche Anleger ist an der Situation, dass in den US Indizes noch gar nicht viel passiert ist und diese noch jede Menge Fallhöhe besitzen, während wir im DAX heute schon bei 6600 stehen.

Trotzdem sollten wir nach meiner Ansicht nun nicht zu sehr in Trübsal verfallen. Denn zumindest der DAX ist nun klar überverkauft und sitzt bei 6600 auf einer Unterstützung. Auch wenn noch ein Schwall bis 6400 herunter sehr gut vorstellbar ist, glaube ich, dass wir uns nun langsam wieder Kaufkursen bei deutschen Aktien nähern.

Es gibt in meinen Augen nur ein Szenario, in dem das aktuelle Niveau keine mittelfristigen Kaufkurse wären. Und das wäre der Fall, wenn der Markt dann trotz Notenbank-Intervention immer weiter fällt und damit die letzten Bastionen - die Notenbanken als "Lender of the last Resort" - auch ausfallen. Wenn dieser Tag kommt, dürfte das an den Börsen einem Armageddon gleichen, gefolgt von dem Reset des Währungssystems, den ich sowieso irgendwann in den kommenden Jahren erwarte.

Aber ich glaube wirklich nicht, dass dieser "Tag der Abrechnung" schon so nahe ist und schon dieses Jahr ansteht. Vorher werden wir die Methode "Dicke Bertha" wohl noch mehrfach mit steigender Verzweiflung der Handelnden beobachten dürfen, bevor dann auch die Wirkung des stärksten Medikaments nachlässt und das Unvermeidliche naht. Schon im ersten Weltkrieg konnte die "Dicke Bertha" den Deutschen letztlich auch nicht zum Sieg verhelfen. Und ich glaube nicht, dass man durch einen Papiergeld-Regen, die substantiellen Probleme grosser Teile der Eurozone wird lösen können - weder die Überschuldung, noch den Mangel an Wettbewerbsfähigkeit. Bis dahin werden wir aber wohl noch viele Rallys erleben und deshalb habe ich heute leicht zugekauft und werde das bei weiterer Schwäche in den nächsten Tagen auch weiterhin Zug um Zug tun.

Wer nun aber auf Verlusten sitzt weil er zu spät eingestiegen ist, sollte sich aber auch nicht der Hoffnung hingeben, dass diese aktuelle Schwäche ganz schnell wieder vorbei ist. Natürlich ist das möglich, aber eher unwahrscheinlich. Denn nun ist viel technischer Schaden entstanden, und ich rechne ja seit Ende März sowieso damit, dass das ganze 2. Quartal eher schwierig wird und wir uns noch mehrfach in diesen Kurs-Regionen bewegen werden.

Das von mir hier Ende März skizzierte Szenario einer sehr volatilen Seitwärtsbewegung, die sich aber wie eine ausgewachsene Korrektur anfühlt, ist offensichtlich voll in Kraft. Und in Anbetracht der bevorstehenden Frankreich-Wahl sowie der Unsicherheit um die weiteren Massnahmen der FED rechne ich nicht damit, dass sich die Volatilität schnell wieder legt, sondern rechne mit ihr bis in den Juni hinein. Dann besteht aber eine Chance auf einen schönen, ruhigen Börsensommer.

Kurzfristig sehe ich gute Chancen für einen "Bounce", der uns im DAX dann wieder über 6700 führen könnte. Allerdings dürfte der DAX morgen Vormittag erst einmal in Schockstarre verharren und am frühen Nachmittag ist mit erneuter Schwäche zu rechnen, da die Wallstreet wohl noch die 1351 abzuarbeiten hat. Danach, im morgigen späten Handel der Wallstreet könnte aber vielleicht auch dort eine Gegenbewegung einsetzen. Verändert könnte das Szenario werden, wenn Alcoa (WKN 850206) heute nach Börsenschluss überraschend gute Zahlen und vor allem einen optimistischen Ausblick liefern würde. Wie es um Alcoas Zahlen steht, werden wir bald wissen.

[Nachtrag 22:15 Uhr: Alcoa hat mit 94 Millionen USD Gewinn gute Zahlen für das Q1 geliefert und einen positiven Ausblick abgegeben. Nachbörslich ist die Aktie im Moment 5% im Plus. Dem sowieso verprügelten "Materials" Sektor sollte das Morgen Auftrieb geben. In wie weit es dem gesamten Markt hilft, werden wir sehen.]

Nach den Verlusten der letzten Tage bekam heute ST Microelectronics (WKN 893438) mit 7% Minus noch einmal richtig einen "auf den Deckel", nachdem in einem Rechtsstreit mit NXP Semiconductors nicht nur 59 Millionen € zu zahlen sind, sondern das Ergebnis auch die Marge schmälert. Ich habe zu Kursen unter 5,4€ nun zugekauft, da für mich ST Micro nach wie vor eine mittel- und langfristig attraktive Aktie ist. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man mit ST Micro defacto eine indirekte Wette auf den Erfolg der grössten Kunden Ericsson, Nokia und HP eingeht, die ja alle derzeit Probleme haben.

LED Marktführer Cree (WKN 891466) war heute mitten im schwachen Markt zeitweise 5% im Plus, am Ende standen immer noch 3,5% Plus auf dem Kurszettel ! Und das nachdem Cree bekannt gab, dass die Preise für die Strassenlicht-LEDs halbiert werden. Ja, Sie haben richtig gehört, eine Preissenkung führt bei Mr. Market zu Begeisterung. Offensichtlich erhofft man sich nun wesentlich höhere Absatzzahlen, weil LEDs nun direkt mit den normalen Leuchten konkurrieren können. Und höherer LED-Absatz ist natürlich auch gut für Aixtron (WKN A0WMPJ), die heute relative Stärke zeigten.

Nicht zu übersehen war auch, was heute bei Gold (XAUUSD) um 18.30 Uhr herum passierte. Der Kurs schien Richtung 1630 USD abzukippen und in dem Moment kamen grosse Käufe in den Markt, die den Goldpreis in wenigen Minuten bis 1660 USD hochschoben. Ich bin noch nicht in der Lage das zu werten, beobachte es aber mit Aufmerksamkeit. Denn in den letzten Monaten, während der Abwärtsbewegung, war es genau umgekehrt: die schnellen Bewegungen kamen nach unten. Dann robbte sich der Kurs wieder etwas nach oben, bevor es wieder *bamm* nach unten ging. Zuletzt am 03.04.12.

Wenn sich dieses Muster nun ins Gegenteil wandelt, könnte das einen Trendwechsel einläuten. Natürlich liegt die Erklärung nahe, dass es sich einfach um eine Verlagerung in den "Safe Haven" in Anbetracht des abstürzenden Marktes handelt. Ich halte diese Erklärung aber nicht für zutreffend. Dafür war die Bewegung zu schnell und zu stark und die Märkte hatten auch schon vorher abgegeben, ohne das Gold profitieren konnte.

Das Apple (WKN 865985) auch heute lange wieder im Plus war und am Ende nur 1% abgab, muss man ja wohl nicht weiter erwähnen. Wer in den letzten 12 Monaten sichere Gewinne wollte, hätte nur Apple und Staatsanleihen kaufen müssen. So einfach kann Börse sein, hinterher ist man halt immer klüger. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was in den Indizes passiert, wenn diese Apple Parabola mal brechen sollte .....

Wenn Sie meinen Markteinschätzungen hier auf Mr-Market.de in den letzten Wochen gefolgt sind, dürften Sie wie ich nun einigen freien Cash an der Seitenlinie haben. Ich werde mich von der nun zwangsläufig folgenden medialen Weltuntergangslyrik nicht verrückt machen lassen und habe mir Kauflisten zusammen gestellt, die ich bei weiter fallenden Kursen Zug um Zug umsetzen werde. Was immer Sie nun mit ihrem Geld vorhaben, ich kann nur dazu raten sich einen schriftlichen Plan zu machen. Denn sonst läuft man Gefahr durch die Medien so emotional beeinflusst zu werden, dass man nicht mehr in der Lage die notwendigen Schritte konsequent umzusetzen.

Ich wünsche Ihnen (trotzdem) einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 28.03.12 – Am Scheideweg – Umfrage

22 Uhr - Handelsschluss

Wie sagte ich vor knapp 2 Wochen frei nach Han Solo : "Ich habe da ein ganz mieses Gefühl". Dieses Gefühl habe ich heute wieder und da es letztes Mal wie oft bei Gefühlen eher ein Kontraindikator für den Markt war, besteht ja noch Hoffnung. 😉

Aber was der Markt heute gemacht hat, gefällt mir nicht. Jeder Anstieg Richtung DAX 7100 wurde sofort wieder abverkauft, so als ob jemand sich bei jeder Gelegenheit von Aktien trennt. Was ich im Markt derzeit sehe, kann zwar eine Konsolidierung vor einem weiteren Anstieg sein, aber ebenso gut auch eine Distribution, bei der die Aktien von den institutionellen Anlegern in die Hände der Privatanleger wechseln, typischerweise wäre das dann ein Zeichen einer Topbildung mit folgendem Absturz.

Ich glaube aber immer noch nicht daran, dass die Indizes schon vor dem Quartalsende wirklich zusammen klappen und denke, dass diese verteidigt werden. Insofern könnten Morgen und Freitag mal wieder eher starke Tage werden. Trotzdem sind bei mir nun seit heute alle Warnlampen an ! Auch das so eindeutige Setups wie der Ausbruch bei Gold keine Fortsetzung finden, sondern sofort wieder wegbröseln, ist ungewöhnlich und ein schlechtes Zeichen. Auch die Cup&Handle Formation im S&P500 von gestern, wurde heute gleich wieder negiert. Das alles macht mich nachdenklich.

Und zu allem Überfluss könnte es sein, dass sich im S&P500 gerade eine grosse Schulter-Kopf-Schulter Formation bildet, deren rechte Schulter sich nun durch ein paar gute Tage zum Quartalsende bzw Quartalsanfang formen würde und deren Ziel dann in der Grössenordnung von S&P500 1360 läge. Im DAX wären das dann wohl Kurse um die 6700. Die hier schon mehrfach besprochenen Makrorisiken der Wahl in Frankreich und des Thema Iran brauche ich ja nicht mehr weiter erwähnen.

Und wem das noch nicht reicht, erinnern Sie sich, wie mich letzte Woche Dirk Müller mit DAX 8000 auf Focus-Money anlächelte ? Heute sticht mir "Starstratege" Folker Hellmeyer (wie wird man das eigentlich, ist das ein Ausbildungsgang ? ;-)) mit dem Zeigefinger fast ins Auge und rechnet laut Schlagzeile vor:" DAX steigt bis 2014". Keine Sorge, es ist das Jahr gemeint und nicht der Kurs. 😉 Ich glaube ja sogar, das der Mann Recht hat, denn das Umfeld sehe ich mittel- und langfristig positiv für Aktien und auch mit dem Inhalt des Artikels gehe ich im Kern d’accord. Und auch die genannten DAX 10000 sind bis 2014 gar nicht mal mutig, ehrlich gesagt wäre ich eher überrascht, wenn wir die bis 2014 nicht sehen. Aber der Zeitpunkt zu dem solche Jubelartikel erscheinen, macht mich doch mal wieder sehr, sehr nachdenklich.

Auf der Habenseite des Marktes steht aber nach wie vor eine gewaltige Liquiditätsversorgung, faire Bewertungen und ein im langfristigen Blick immer noch wenig euphorisches Sentiment, so dass ich unabhängig von der kurzfristigen Entwicklung im April und Mai, nach wie vor mit weit höheren Kursen als heute zum Jahresende rechne.

Ganz übel steht es übrigens aktuell um den Rohstoffsektor, die Aktien bluten geradezu aus und davon ist der ganze Sektor querbeet betroffen. Seit Wochen macht es immer nur "drip, drip, drip" bei geringen Umsätzen. Man kann da langsam schon von einem Bärenmarkt reden, denn wir sind nun wieder auf den Niveaus des letzten Herbstes angekommen. Und wer zum Beispiel bei den Kohlewerten dachte, dass die Titel nun nicht mehr fallen können, wurde heute ganz übel eines besseren belehrt, wieder ging es um 3-4% nach unten.

Schauen wir uns beispielhaft mal Freeport McMoran (WKN 896476) an, eigentlich bin ich für Kupfer recht optimistisch, der Forward P/E liegt bei nur 7 und erst heute gab es wieder eine Hochstufung durch Analysten - aber der Kurs macht nur "drip, drip, drip" nach unten, heute wieder 4% Minus.


Source: Finviz.com

Grund für diese Schwäche ist natürlich die Sorge um China, aber wie ich schon -> hier <- vor 2 Wochen fragte, ist es eine für uns ganz entscheidende Frage wer hier falsch liegt, die Rohstoffe oder die Industrieaktien ! Am 14.03. bei obigem Artikel, hatte ich in die Industrieaktien noch mehr Vertrauen und rechnete mit einer Anpassung der Rohstoffwerte. Schaue ich mir den Markt nun 2 Wochen später an, ist diese Sicherheit verflogen.

Denn die Charts der Rohstofftitel haben nun bedenkliche Formen angenommen. Und ich bin sicher, dass wir da vor einer ganz starken Bewegung stehen, in die eine oder andere Richtung. Entweder schnappen wir an einem Tag um 10% nach oben oder wir werden kräftig abstürzen.

Auf jeden Fall kann einer nicht recht haben, die Kurse der Rohstoffaktien ala Rio Tinto, Freeport, Alcoa & Co. passen definitiv nicht zu den Kursen der Industrieaktien ala BMW, Linde & Co. Und das macht mich zunehmend unruhig.

Da ein starkes Quartalsende uns ja nun scheinbar nicht geschenkt wird, gibt es also zwei widerstreitende Szenarien die ich für gut möglich halte und über die ich Sie gerne abstimmen lassen würde:

Szenario (1) läuft ähnlich wie das letzte Quartalsende vor 3 Monaten. Schon vor dem Quartalsende wird umgeschichtet und umgebaut und mit Beginn des April kommt dann noch einmal ein grosser Schub in den Markt, der uns bis Mitte/Ende April noch bis 7500 im DAX hoch schiebt. Auch letztes Quartal haben wir endlos auf die Jahresendrally gewartet, sie kam dann so richtig als Jahresanfangsrally im Januar. Wenn Szenario (1) Recht hat, erleben wir gerade eine Konsolidierung um die 7000er und 1400er Marke herum, die die Grundlage für den nächsten Schub liefert.

Szenario (2) bedeutet, dass wir gerade eine Topbildung für das Frühjahr erleben, die durch Distribution von den Institutionellen zu den Privaten geprägt ist. In diesem Szenario wird der S&P500 die Schulter-Kopf-Schulter Formation voll ausbilden, in dem er in den beiden letzten Tagen des Quartals und Anfang April noch leichte Stärke zeigt, dann geht es im April deutlich nach unten.

Und ja ich weiss, es gibt natürlich noch ein drittes Szenario, das wir einfach volatil seitwärts laufen. Aber ich möchte gerne, dass Sie für den April eine klare Tendenz bullish/bearish aussprechen, weil wir dadurch am meisten lernen.

Eine spannende Frage, zu der ich hier nun um Ihre Meinung bitte. Um abzustimmen zu können, müssen Sie bei Mr-Market.de registriert sein, was ganz leicht und schmerzfrei -> hier <- möglich ist.


Welches Szenario erleben wir derzeit im Markt

    Ergebnis der Umfrage - Teilnehmende Leser: 19

  • Szenario 1 - Konsolidierung und im April geht es weiter hoch (53%)
  • Szenario 2 - Topbildung und im April geht es abwärts (47%)

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Ganz egal was nun passiert, eines ist in meinen Augen aber definitiv der Fall und sollte nicht übersehen werden: derzeit haben wir erhöhte Risiken im Markt, höher als die gesamten letzten drei Monate. Absolut sind die Risiken noch nicht extrem und sicher nicht auf dem Niveau des letzten Herbst, aber Vorsicht ist nun bestimmt geboten.

Ich habe heute begonnen, mein gestern skizziertes Risiko-Reduktionsszenario in Bewegung zu setzen und habe erste Positionen verkauft und andere nun eng abgesichert. Denn viel tiefer als um die 6960 im DAX sollten wir nun nicht mehr fallen, dann steigt die Gefahr einer grösseren Korrektur in meinen Augen deutlich.

In so einer entscheidenden Phase ist es für mich auch nicht sinnvoll, zu viel über einzelne Titel nachzudenken. Viel Wert hatte es heute ja sowieso nicht, heute wurde einfach querbeet alles verkauft. Nur eine Aktie war heute wieder im Plus, Apple (WKN 865985). 😉 Es scheint mir so, als nähern wir uns im Markt einer Phase, in der es mal wieder vor allem wichtig ist, die nächste grosse Bewegung zu erhaschen.

Deswegen konzentriere ich mich nun darauf und habe dabei den Rohstoffsektor fest im Blick. Ich denke die nahe Zukunft des ganzen Marktes entscheidet sich hier. Sollte der Rohstoffsektor tatsächlich eine anstehende Konjunkturschwäche antizipieren, dürften für den DAX bald harte Zeichen anbrechen. Sollte die Sorge um China aber unbegründet sein, haben viele Rohstoffaktien nun ein Potential von schnellen 10-20% nach oben. Ich weiss nicht was passieren wird, aber ich weiss, dass sich der Markt nun am Scheideweg befindet. Seien Sie wachsam !

Zum Abschluss habe ich noch einen netten Spruch von Warren Buffet, der mir heute im Kirkreport in die Augen gesprungen ist:

"The market, like the Lord, helps those who help themselves. But, unlike the Lord, the market does not forgive those who know not what they do." - Warren E. Buffett

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend,
Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 21.03.12 – Tag 2 der Konsolidierung – Siemens und die Macht des Gerhard Cromme

21 Uhr - Handelsschluss

Erneut agiert der Markt heute wie erwartet. Im S&P500 haben wir heute die 1400 von oben getestet und im DAX waren wir nur minimal von der 7000er Marke entfernt. Aber erneut kam dann Kaufinteresse in den Markt, weswegen für mich der in den letzten Tagen beschriebene Setup immer wahrscheinlicher wird. Mit jedem Tag den wir auf diese Weise konsolidieren, ohne wirklich nach unten wegzubrechen, steigen für mich die Chancen, dass sich dann eine starke Bewegung nach oben zum Quartalsende anschliesst. Diese Bewegung werde ich dann aber zum temporären Ausstieg nutzen, denn der Markt ist nun zu schnell zu weit gelaufen, eine scharfe Korrektur in den nächsten Monaten ist in meinen Augen unvermeidlich. Die Frage ist nur, ob diese Korrektur eher bei DAX 7200 oder DAX 7500 startet.

Ich lasse mich bisher von der aktuellen Schwäche nicht nervös machen, sondern nutze diese um mich zu repositionieren und vorzubereiten. Nachdem wir heute aber nicht weit von den Marken 1400 und 7000 weg gekommen sind, könnte es Morgen einen erneuten Test der Marken geben. Noch nicht einmal ein kurzer Taucher unter DAX 7000 würde mich aber nervös machen, wenn er im Laufe des Handelstages wieder über 7000 gekauft würde. Erst eine Bewegung unter DAX 7000, die ohne grosse Gegenwehr der Bullen dann auch unter 7000 schliesst, würde mich doch zu mehr Defensive veranlassen. Denn dann dürfte man die Frage stellen, ob wir vielleicht doch schon den kurzfristigen Top gesehen haben.

Kommen wir also gleich zu den Einzelaktien, denn an der grundlegenden Strategie zum Markt gibt es keinen Änderungsbedarf.

Ein Quentchen Glück war natürlich dabei, gestern im Anstieg nach der Pressekonferenz bei der Metro (WKN 725750) Gewinne mitzunehmen. Denn heute war Metro mit zeitweise Minus 4% der schwächste Wert im DAX. Scheinbar hat der Markt ein bischen länger gebraucht, um zum Schluss zu kommen, dass die Aussagen des neuen Managements wenig inspirierend waren. Immerhin hat der neue CEO Olaf Koch aber heute laut "Directors Dealings" Mitteilung 20.000 Metro Aktien zu knapp unter 30€ gekauft. In Summe also ein Investment von fast 600.000€, das man durchaus als positives Signal werten darf.

Dagegen hat ein Analyst der Citigroup heute mit seinem Sell-Rating für Metro und einem herab gesetzten Kursziel auf 22,5€, für mich so etwas wie das maximale Risiko der Metro definiert, sollte es dieses Jahr weiterhin keinerlei positive Nachrichten geben. Ich halte es aber eher mit dem Management als mit den Analysten und werde darüber nachdenken wieder einzusteigen, sobald die aktuelle Bewegung nach unten ausgelaufen ist. Denn bei der Metro dürfte nach meiner Ansicht schon eine einzige positive Nachricht - zum Beispiel zum Thema Kaufhof - ausreichen, um den Kurs deutlich nach oben zu bewegen.

Weniger perfekt war dagegen mein gestriger - Herrn Francioni geschuldeter - Ausstieg bei der Deutschen Börse (WKN 581005) bei etwas über 50€, denn der Titel war heute ohne grosse Nachricht bis auf über 51€ im Plus. Mitgeholfen hat dabei wohl ein positiver Kommentar der Commerzbank, der gegen 15 Uhr den Markt erreichte. Allerdings lautet das Kursziel der Commerzbank nur 54€, was sich ja weitgehend mit meinem -> hier am 10.02 <- genannten maximalen Kursziel von 55€ deckt. Ich sehe meinen leicht verfrühten Ausstieg daher erst einmal gelassen.

In der FTD gab es -> hier <- einen Artikel zur Personalpolitik von Gerhard Cromme in Sachen Aufsichtsrat bei Siemens (WKN 723610). Damit wird das Bild einer möglichen Annäherung von ThyssenKrupp (WKN 750000) und Siemens deutlicher, auch in der Capital soll Morgen dazu ja ein Artikel erscheinen. Sie als Leser dieses Blogs konnten davon aber -> hier <- schon am 14.02.12 lesen, in einem Artikel, in dem ich mich sehr kritisch mit dem Thema aus der Sicht von ThyssenKrupp auseinander gesetzt habe. Auf die Dementis aus den Unternehmen gebe ich dabei eher wenig, denn die Vorstände dürften auch nicht wissen, was Herr Cromme im stillen Kämmerlein alles so plant - wie sollen sie auch. Nur ein hartes Dementi von Herrn Cromme selber wäre für mich überzeugend, genau das habe ich aber bisher nicht feststellen können.

Mich macht die Machtpolitik des Herrn Cromme auch weiterhin nachdenklich, denn unabhängig von der Person Cromme - zu der ich mir mangels persönlicher Bekanntschaft kein Urteil erlauben kann - ist mir da nun zu viel Macht in einer Person vereinigt. Weswegen für mich weder Siemens noch ThyssenKrupp zu den Aktien gehören, in denen ich langfristig investiert sein möchte. Denn dieser Drang zu immer grösseren Fusionen schafft in meinen Augen keine Werte für die Aktionäre und keinen Vorteil für die Volkswirtschaft, weder bei der Deutschen Börse noch bei ThyssenKrupp oder Siemens.

Bei diesen Grossfusionen spielt für mich zu oft das Ego der Handelnden eine gewichtige Rolle, leider auch immer wieder zum Nachteil der Unternehmen - wer erinnert sich in Sachen Daimler noch an die "Hochzeit im Himmel" ? Und als "grosser Vereiniger" der beiden ruhmvollen Konzerne ThyssenKrupp und Siemens wäre ein Platz in den Geschichtsbüchern wohl ebenso sicher, wie Ruhm zur Lebenszeit. Unklar ist aber leider, ob eine solche Vereinigung nicht am Ende dann Deutschland ganz von derartiger Industrie entkernen würde. Denn auch die von Herrn Cromme 1999 massgeblich mit beförderte Fusion von Thyssen und Krupp hat am Ende im Sinne 1+1 leider nicht wie erhofft 2,5, sondern eher 1,5 ergeben, wie wir ja an ThyssenKrupp und seinen Problemen heute unschwer erkennen können.

Ich bedauere immer noch, dass der engagierte Klaus Kleinfeld unter Aufsichtsratchef Cromme als CEO von Siemens abtreten musste, obwohl ihm nie auch nur eine Kleinigkeit im Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal angehängt werden konnte. Sein Nachfolger Peter Löscher konnte dann vieles von dem ernten, was Kleinfeld bei Siemens angestossen hatte und Kleinfeld ist heute als CEO von Alcoa (WKN 850206) einer der ganz wenigen Deutschen, die einen der grossen amerikanischen Konzerne im Kernbereich führen und mit den grossen Namen von Obama bis Buffet verkehren.

Erstaunlich, das dieser Klaus Kleinfeld in Deutschland kaum bekannt ist, denn in den USA ist er ausserordentlich angesehen und hat damit geschafft, was nur den allerwenigsten Deutschen gelingt. Ich habe ein gut geschriebenes Portrait des Comebacks von Klaus Kleinfeld -> hier <- in der Capital von 2010 gefunden, das ich Ihnen wirklich ans Herz legen möchte - es lohnt sich zu lesen. Denn dieser Artikel geht über Kleinfeld hinaus und erhellt gut geschrieben wesentliche Unterschiede der deutschen und amerikanischen Geschäftswelt. Vielleicht, das ist meine höchst subjektive Vermutung, war Klaus Kleinfeld einfach zu unabhängig, selbstständig und gut vernetzt - und damit zu gefährlich - um als Siemens CEO weiter gewünscht zu sein.

Ob die grosse politische Korrektheit, mit der Siemens aus meiner Sicht heute sein sehr fokussiertes Geschäft definiert, wirklich ein langfristig erfolgreicher Weg ist, muss sich erst noch zeigen - ich persönlich betrachte diese Verengung des Geschäfts auf weniger Felder in Anbetracht der permanenten Umbrüche in der Welt mit Sorge. Das es Siemens schon seit über 150 Jahren gibt, war immer das Ergebnis einer sehr breiten Aufstellung, wie sie eine GE oder eine Toshiba heute noch haben, kein Geschäftsfeld war je dauerhaft erfolgreich - auch nicht bei Siemens. Diese Breite hat zwar mal kurzfristig Rendite gekostet, den Konzern aber durch unzählige schwere Umbrüche gelotst. Das bedeutet nicht das man alles mitschleppen muss, Breite hat aber einen Wert und der lautet: Stabilität.

Aktuell ist die Siemens-Aktie in meinen Augen durchaus attraktiv bewertet, da Siemens auf die derzeit politisch "angesagten" Themen im Bereich Cleantech und Energie setzt, weswegen ich eine kurzfristige Investition bei Kursen unter 80€ gut nachvollziehen kann. Langfristig sind für mich die strategischen Fragezeichen unter der Ägide Löscher/Cromme aber eher grösser als kleiner geworden.

Einen riesen Sprung von über 4% nach oben machte heute Mittag der spanische Ölkonzern Repsol (876845), nachdem die Verstaatlichung der Beteiligung an YPF seitens des argentinischen Staates vom Tisch sein soll. Sollte sich das bestätigen - der Markt ist in Anbetracht der unberechenbaren politischen Volten da zu Recht noch skeptisch - dürfte Repsol noch weiteres Potential nach oben haben, da der Kurs schon länger unter dem Thema leidet.

Schon gestern war auffällig, wie die Goldminen trotz schwachem Goldpreis nach oben drehten und auch heute bleibt der Kurs vieler Goldminen-Aktien stabil. Die dazugehörigen ETFs wie der GDX verzeichnen deutliche Mittelzuflüsse - siehe -> hier <-. Ich bin gestern zum Kurs von 32,6€ bei Barrick Gold (WKN 870450) wieder eingestiegen, um diese Bewegung zu spielen. Ob das eine dauerhafte Trendwende bei den Goldminen ist, betrachte ich aber als keineswegs sicher, ich persönlich rechne noch nicht damit. Denn solange die normalen Aktienmärkte so gut laufen, wird weiter Geld aus den "Risk Off" Anlagen im Bond- oder Edelmetall-Bereich abgezogen. Erst wenn es wieder Angst machende Einschläge oder deutliche steigende Inflationszahlen gibt, wird sich das Blatt wenden. Dann haben die Minen allerdings nach der langen Schwächeperiode einen grossen Aufholbedarf, der voller Chancen steckt.

Ich persönlich schleppe mich seit Wochen, wie meine ganze Familie, mit einer nicht enden wollenden Kette von Infektionen der Atemwege durch die Gegend, weswegen ich jetzt auch aufhöre, mich aufs Sofa lege und Ihnen einen schönen Abend wünsche !

Ihr Hari