Das neue Phone ist die Watch

Der folgende Artikel ist von kleinen redaktionellen Änderungen abgesehen, so schon vor 2 Monaten im Premium Bereich erschienen.

Vor 2 Monaten hat ja Apple seine neuen Smartphones vorgestellt und schnell war die Presse voll mit den Berichten zum -> gesättigten Markt, der Apple in andere Geschäftsfelder zwingt < -.

Auch aktuell gehen ja mal wieder Sorgen um Apples Absatzzahlen um, weil es Berichte von schlechten Zahlen von Zulieferern beim iPhone Xr gibt.

Nun sind ja bekanntermaßen "Prognosen besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen", aber diese Prognose vom gesättigten Smartphone-Markt wird ja nun so stark überall herumgereicht, dass sie einfach richtig sein muss. Millionen Lemmingen können sich doch nicht irren, oder doch? 😉

Nun, dieser etwas spitze Satz zeigt schon, dass ich da eine ganz andere Sicht habe und diese Sicht möchte mit Ihnen nun auch im freien Bereich teilen.

Ich erlaube mir also einen Blick in unsere Zukunft 5-10 Jahre von jetzt und bin gespannt, ob Sie diesen Blick teilen können. Wenn ja, wenn ich im Kern richtig liege, eröffnet das nämlich eine ganze Reihe hoch attraktiver Investitionschancen, wir müssen nur auf die richtigen Themen schauen.

Bevor ich meine Erwartung mit Ihnen teile, möchte ich Sie aber bitten den folgenden Artikel zu lesen: -> Apples Abschied vom Handy < -. Denn dieser Artikel ragte vor 2 Monaten für mich aus einem Meer des immer gleichen Geschreibsels heraus, da hatte ich mal das Gefühl, dass ein Redakteur das eigene Hirn angeschaltet hat, statt nur die immer gleichen Standardsätze von Reuters abzuschreiben.

Aber der Autor geht in meinen Augen nicht konsequent und weit genug und das will ich nun tun.

Smartphones heißen Smartphones, weil sie ursprünglich um die Funktion des Telefonierens, also den kommunikativen Kontakt, herum gebaut wurden - was Videotelefonie durchaus einschliesst. Heute schon sind "Smartphones" aber viel mehr, es sind eigentlich kleine, mobile Computer und auch leistungsfähige Spiele kommen mit der aktuellen Generation endlich in Reichweite, siehe unter anderem -> Elder Scrolls Blades < - das gezielt für IOS und Android entwickelt wurde.

Diese Entwicklung wird massiv fortschreiten und sich weiter beschleunigen und mit zwei weiteren, schon weit fortgeschrittenen Entwicklungen, vermutlich zu einer disruptiven Veränderung der Welt der "Personal Computer" führen. Einer Veränderung, die so in aller Schärfe die Mehrheit wohl noch nicht auf dem Radar hat.

Gemeint ist damit erstens die digitale Übertragung von Bildschirmsignalen über kurze Strecken per Funk. Schon heute -> geht das < -, das Thema ist aber noch nicht standardisiert und leistungsfähig genug - das wird aber kommen.

In der Zukunft braucht es also keine feste Verbindung zwischen Computer und Display mehr wie beim klassischen Notebook, sondern ein mobiler Computer - heute "Smartphone" genannt - kann über kurze Strecke auf jedem Riesendisplay seine Inhalte anzeigen - ohne Kabel.

Zweitens ist es die fortschreitende Spracheingabe, sowie die Möglichkeit Fingerbewegungen im 3D-Raum zu erkennen, die die Verwendung von mechanischen Tastaturen zunehmend zurückdrängen und bis auf Spezialanwendungen und Vielschreiber wie mich, wohl ablösen wird.

Beides zusammen führt zu folgender ersten Behauptung:

In gut 10 Jahren von jetzt, wird es kaum mehr klassische PCs mit ihren großen Gehäusen und kaum mehr klassische Notebooks geben. Das was wir heute "Computer" nennen, wird weitgehend ausgestorben sein.

An diese Stelle treten "Persönliche Smartdevices" im Formfaktor heutiger Smartphones mit eigenem Display, die sich mit jedem größeren Display oder wahlweise Datenbrillen per Kurzstrecken-Funk verbinden lassen, wenn man mehr Übersichtlichkeit bei der professionellen Arbeit erzielen will.

Die Eingabe erfolgt dabei je nach Anwendungsfall per Spracheingabe oder via eingeblendeter Tastatur, auf der man "in der Luft" tippt - die 3D-Technik die heute rudimentär für "Face-ID" verwendet wird, wird die Fingerbewegungen in Tastendrücke umwandeln.

Das was Sie heute "Smartphone" nennen, wird also ein noch viel leistungsfähigerer Computer sein, den Sie irgendwo hinlegen und mit einem optischen Darstellungsdevice Ihrer Wahl damit arbeiten. Keine Kabel, keine Mäuse, keine Tasturen. Sprache und Fingergesten "in der Luft" oder auf einer beliebigen, gescannten Oberfläche, die dann wie eine Maus funktionieren.

Nun werden einige einwenden, dass die leistungsfähigsten Grafiklösungen immer ein Kühlungsproblem haben, und daher nie im Formfaktor "Smartphone" sein werden. Das Argument zieht aber in meinen Augen nicht. Erstens ist es ja schon heute so, dass wir nur über ein paar Jahre Fortschritt reden, bis das was gestern noch aktiv mit Lüftern gekühlt in zwei Slots eines PCs thronte, in gleicher Leistung in einem Smartphone zu finden ist. Schauen Sie sich die Leistungsfähigkeit der Grafikeinheiten der iPhone Xs an, das ist beeindruckend und kann problemlos in den Wettbewerb mit großen Grafikkarten treten, die nun einige Jahre alt sind.

Hinzu kommt aber, dass die Not für mehr Grafikleistung mMn langsam abflachen wird, weil mehr als 4K für das menschliche Auge sowieso keinen Unterschied mehr macht. Sicher dann wird 3D kommen und andere Themen wie aktuell Raytracing, aber ich gehe schon davon aus, dass der Vorsprung "aktiv gekühlter" Grafikeinheiten mit immer kleineren Produktionsverfahren langsam schwindet und letztlich kein Kaufkriteríum für normale Consumer-Anwendungen mehr darstellen wird. Nur noch Spezialanwendungen werden einen aktiv gekühlten Chip benötigen.

In dieser Welt in 10 Jahren sind "Computer" also mobile Schnittstellen zur Dateneingabe und Ausgabe im Smartphone-Formfaktor, mit genügend Leistungskraft für alles, was ein normaler Anwender braucht. Unser "Notebook", unseren "PC" werden wir also immer "am Mann" in der Jackentasche haben können und damit weit flexibler sein als heute.

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Muss man als Euro-Anleger seine Dollar Positionen absichern?



Im Forum der Community sind auch immer wieder grundlegende Fragen, die es Wert sind, in einem Artikel beantwortet zu werden.

Erfahrene Anleger haben oft den positiven Wunsch, ihr diversifiziertes Depot auch in den Währungen der Welt auf mehrere Beine zu stellen. Dazu haben wir hier schon Vieles besprochen.

Was aber, wenn jemand den gegenteiligen Wunsch hat? Was wenn der Besitz ausländischer Währungen auch als Risiko betrachtet wird und nicht nur als Chance zur Diversifizierung? Es gibt ja sogar von Fonds- oder ETF-Abietern oft spezielle "währungsgehedgte" Varianten, die diesen Wunsch befriedigen. Was ist davon zu halten?

Was also, wenn der Anleger sich fragt, ob er sich vor Währungsschwankungen absichern oder diese zumindest etwas abmildern sollte? Da halten viele Anleger doch US Werte in Euro und ein starker Euro bringt dann Kursgewinne manchmal wieder auf Null.

Sollte sich so ein Anleger also mit Währungsabsicherung (Hedging) beschäftigen?

Um die Frage aufzurollen, muss ich zunächst etwas ganz Grundsätzliches wiederholen. Denn jeder ist der Meinung er wüsste was eine Währung ist, aber ist das wirklich so?

Denn wenn wir den "Wert" einer Sache betrachten, müssen wir diese in einem Maßstab betrachten. Bei den Arabern gab es mal eine Zeit, in der alles in Kamelen ausgedrückt wurde, auch der Wert von Menschen. Dieses provokante Beispiel einer Währung, der Kamel-Währung, dient jetzt nicht nur der Auflockerung, sondern hat trotzdem Sinn, denn die "Kamelwährung" war eben auch eine, in ihr wurde Wert ausgedrückt.

Und genau darin liegt das Dilemma von Währungen. Wenn wir uns als Bürger des Euros oder des Schweizer Franken, oder in Deutschland sozialisiert mit der stabilen D-Mark, über den Wert einer Sache unterhalten, drücken wir das immer implizit in unserer Währung als "objektivem Maßstab" für Wert aus. Und das ohne darüber nachzudenken und ohne uns bewusst zu machen, dass es ein höchst schwammiger Wertmaßstab ohne jede Objektivität ist.

Wenn also ein typischer Anleger sieht, dass die Kursgewinne an der Wallstreet durch einen steigenden Euro in seinem Euro-Depotausweis fast auf Null gebracht werden, schliesst er daraus, dass das nicht gut ist und er gegensteuern muss. Diese "Null" scheint also als objektiver Wertmaßstab wahrgenommen zu werden. Aber ist das wirklich so?

Wären wir dagegen Bürger eines Entwicklungslandes und hätten einen persönlichen Erfahrungshorizont darin, dass die eigene Währung permanent an Wert verliert und gleichzeitig eine Hochinflation herrscht, wie zum Beispiel in Brasilien, würden wir ganz anders reden. Wir würden dann versuchen den Wert einer Sache in einer stabileren Währung auszudrücken und diese als Wertmaßstab benutzen - dem US Dollar zum Beispiel.

Also, den Wert einer Währung kann man immer nur in einer anderen Währung ausdrücken. Deshalb gibt es Währungspaare, wie wollte man auch den Wert des Euro in Euro ausdrücken, das Ergebnis wäre immer nur 1. Gold kann man als XAUUSD also in Dollar ausdrücken, den Euro als EURUSD in Dollar und so weiter.

Was passiert also, wenn ein Asset - zum Beispiel eine Aktie - in Euro gerechnet fällt und gleichzeitig in Dollar gerechnet steigt, eben weil EURUSD stark steigt? Ist das Asset dann mehr "wert" oder "weniger" wert oder spielt das gar keine Rolle?

Die Antwort ist keineswegs so einfach wie es scheint, sie liegt vielmehr im Auge des Betrachters.

Aus Sicht einer fiktiven Weltwährung wie der -> Sonderziehungsrechte des IWF < -, also aus Sicht von jemandem der theoretisch in den wichtigen Ländern der Welt mit Lokalwährungen kauft, hat sich der objektive Wert des Assets kaum verändert, denn in der "Weltwährung" ist er gleich geblieben. Die beste Entsprechung dieser "Weltwährung" ist übrigens Gold mit seiner vieltausendjährigen Geschichte.

Aus Sicht von jemandem aber, der alle Kosten in Euro begleichen muss, hat sich die Kaufkraft des Assets (der Wert) für anderen Waren verringert, wobei das auch nur teilweise für Waren gilt, die auch im Euro hergestellt werden. Denn wenn die Ware aus dem Dollarraum eingeführt wird, hat sich der Preis bei der Einfuhr verringert, was in einer theoretisch ideal preisreagiblen Welt, den "Wertverlust" des eigenen Zahlungsmittels komplett ausgleicht.

Aber wie auch immer, wenn man im Euroraum Ausgaben hat und diese mit dem Wert des Assets begleichen will, ist der "Wertverlust" subjektiv real.

An dieser Stelle haben wir daher auch den ersten Fall, für den eine Währungsabsicherung Sinn macht und auch von Firmen genutzt wird. Eine Firma die ihre Waren ins Ausland verkauft und mit den Einnahmen die Gehälter ihrer Mitarbeiter bezahlen will, will sich vielleicht nicht von Währungsschwankungen abhängig machen und "hegded" daher ihre zukünftigen Verkäufe. Das ist übrigens das Kernthema des Futures und Optionsmarktes, aus diesem berechtigten Bedürfnis heraus, die Zukunft schon heute absichern zu können, ist er ursprünglich entstanden.

Für einen privaten Anleger wäre das aber nur ein relevantes Szenario, wenn dieser seine laufenden Ausgaben für Leben und Wohnen aus nicht in Euro notierenden Einnahmen bestreiten müsste. Dann wäre ein Gedanke an Währungshedging sinnvoll, denn für den Preis von nicht unerheblichen Gebühren schliesst man dann Währungsrisiken aber auch Chancen aus.

Für einen privaten Anleger der im Euroraum lebt und arbeitet und durch die Arbeit genug verdient, um seinen Ausgaben zu bestreiten, besteht dieser Grund und damit der Bedarf an Währungsabsicherung aber eher nicht!

Gäbe es denn einen anderen Grund Auslandswährungen abzusichern - zu "hedgen"? Ja, bei Klumpenrisiken, wenn man zu stark von den Währungsentwicklungen abhängig ist und die Risiken nicht tragen kann.

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FAAMG und das Blasengefasel

Das Gefasel über "Blasen" ist ja in den letzten Jahren zur Manie der Medien geworden. Jeder der glaubt, etwas zum Markt verzapfen zu müssen, hüllt sich in gewichtiges Raunen und identifiziert irgendwo eine neue "Blase" und natürlich den bald folgenden Crash gleich mit dazu.

Damit ist ihm das wohlgefällige Kopfnicken aller sicher, die schon immer wussten, dass Börsen nur Zockerbuden sind und Aktien viel zu riskant. Man kann sich damit auch den Habitus des erfahrenen Marktbeobachters geben, wer von 2000 reden kann, muss ja scheinbar schon einige Erfahrung haben, auch wenn man damals in Realität noch die Schulbank drückte und Amazon für einen neuen Ego-Shooter hielt.

Natürlich sind nicht alle Gedanken zu "Blasen" völliger Unfug, natürlich gibt es in einigen Bereichen bedenkliche Entwicklungen, die zu thematisieren sind. So zum Beispiel zu den -> Wachsenden Gefahren des Indexierens <-, die ich auch schon mehrfach, so auch bei Tichy in -> Algos, ETFs, Robo Adviser und ein Truthahn-Leben <- thematisiert habe.

Aber die Penetranz und Persistenz des aktuellen Blasen-Geredes, offenbart den medialen Zweck des wohligen, den Click befördernden Schauders, der auch bei Horrorfilmen das Publikum in die Kinos lockt.

Und es offenbart eine gedankliche Fixierung auf die Vergangenheit, die mal wieder den Blick auf die Möglichkeiten der Zukunft verstellt. Wer diesem Gerede folgt und sich davon anfixen lässt, hat garantiert seit 2009 keinen Erfolg im Markt.

Besonders schön sichtbar wurde das Muster die letzten Wochen, als vermehrt wieder Vergleiche des NASDAQ mit dem Jahr 2000 laut wurden und die grossen Bluechips, die man als FAAMG (Facebook, Amazon, Apple, Microsoft, Google) zusammen fassen kann, neue Kurshöhen erklommen.

Um es ganz deutlich zu sagen, diese Vergleiche der FAAMG Kurse mit der 2000er New Economy/Internet Blase sind grober Unfug. Und wer sich davon beeinflussen lässt, ist selber schuld und sollte dringend seine Medienwahl hinterfragen.

Ich will Ihnen das ganz unzweideutig beweisen. Hier ist das Chart des NASDAQ Composite über 20 Jahre, von 1997 bis 2017. Sie können das Chart anklicken und vergrössern, wenn Sie wollen:

Wir sehen die 2000er Internet-Blase. Und wir sehen, dass der NASDAQ 15 Jahre brauchte, bis er diese Niveaus wieder erreichte, dann 2 Jahre konsolidierte und zögerte und nun nach 17 Jahren nach oben über die alten Niveaus hinwegzieht.

Nun muss man wissen, dass die gross kapitalisierten FAAMG Aktien einen erklecklichen Teil der NASDAQ Kapitalisierung ausmachen. Schauen wir doch also mal, wie die sich entwickelt haben am Beispiel Apple und Google. Sie können aber auch gerne die anderen Namen nehmen und kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Wir sehen schnell, dass diese Unternehmen ihre Umsätze und Gewinne um zwei und dreistellige Faktoren erhöht haben. Waren diese Unternehmen in 2000 noch jenseits von Gut und Böse bewertet und nahmen viel zu viel Zukunft vorweg, sind sie nun sauber in die Bewertungen hinein gewachsen.

Sie können auch andere Indikatoren der Gegenwart nehmen und werden schnell erkennen, dass die FAAMG Aktien bezogen auf ihre Gewinnqualität und ihr weiteres Wachstum im Vergleich zu anderen Bluechips derzeit zwar hoch, aber noch angemessen bewertet sind.

Der ganze Markt hat eben derzeit ein erhöhtes Bewertungsniveau, nicht nur FAAMG, das hat aber in Breite mit der Niedrigzinspolitik der Notenbanken zu tun und rein gar nichts mit einer "Tech-Blase".

Und die FAAMG Aktien waren in den letzten Monaten auch etwas zu schnell zu weit gelaufen, wie ich Ihnen das ja vor 3 Wochen in -> Liebesaffäre mit Big Tech <- hier geschrieben habe. Die Korrektur der vorletzten Woche war also logisch und erwartbar und es kann auch sein, dass noch einmal 5-10% Korrektur über den Sommer drin sind. Und auch eine schärfere Korrektur ist theoretisch immer drin, dann aber aus anderen Faktoren die wir heute noch nicht kennen.

Ein grundlegende "Blase" bei den Bewertungen dieser FAAMG Aktien aber, ist schlicht dummes Zeug - man muss sich fragen was die, die davon reden, eigentlich geraucht haben.

Richtig ist etwas ganz Anderes, das wir im Premium-Bereich schon letzten Sommer unter ->Apple, Google und Co - Die neuen Nestles? <- thematisiert haben:

Diese grossen Techkonzerne sind die Wegbereiter eines grundlegenden Wandels der Art wie wir wirtschaften, es sind die neuen Dominatoren und sie haben eine Dominanz erreicht, wie sie IBM Anfang der 80er Jahre hatte.

Sicher kann man sich fragen, ob diese Dominanz lange zu halten ist, bei IBM war das damals nicht der Fall. Aber eine Blase? Ich bitte Sie, das ist als Argument derzeit nicht mal satisfaktionsfähig.

Man kann dem Markt viel vorwerfen, auch Verzerrungen, Überbewertungen und Schieflagen. Aber in einer Blase sind FAAMG nicht, die sind so gut und gewinnstark, wie es die Kurse ausdrücken.

Und wenn man der Markttechnik folgt, ist dieser Ausbruch von 2017 über die alten Hochs im NASDAQ eher der Beginn einer grösseren Bewegung, als eine Überdehnung am Ende. Zu den disruptiven Veränderungen unserer Welt, unter anderem durch die Digitalisierung, würde es passen.

Wenn man so will, war der Markt in 2000 übertrieben visionär, es wird erst jetzt das Realität, was damals in die Kurse hineingeträumt wurde.

Und Blasen werden sich an der Börse auch wieder bilden oder haben sich schon gebildet, aber genau da, wo niemand darüber fabuliert. Eine medial beackerte Blase ist, bevor diese geplatzt ist, eigentlich ein Widerspruch in sich.

Ihr Hari

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Liebesaffäre mit Big-Tech

Ich will heute noch eine kurze Botschaft loswerden.

Egal ob Sie privater Anleger, Vermögensverwalter oder Fondsmanager sind, wenn Sie ein breit gestreutes, wohl selektiertes Depot besitzen, werden Sie in diesem Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich hinter den US Indizes hinterher hinken.

Machen Sie sich nichts daraus, Sie haben nichts falsch gemacht.

Der Grund ist vielmehr im Markt begründet, der mal wieder einen zu starken Herdentrieb zeigt. Denn während der breite Markt schon seit Wochen eigentlich konsolidiert, werden die Indizes primär von wenigen grossen Aktien wie beispielsweise den FAANG-Aktien oben gehalten, konkret also Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google (Alphabet). Aber auch Microsoft oder NVidia steigen und steigen, man kann einfach sagen, der Markt hat eine Liebesaffäre mit diesen "Big-Tech" Aktien entwickelt.

Wie auf alle Liebesaffären, wird aber auch hier eine Phase der Ernüchterung folgen und wenn man aktuell bei Blomberg liest, wie -> massiv übergewichtet die Funds Manager bei FAANG sind <-, dann dürfte der Zeitpunkt der maximalen Begeisterung nicht mehr so weit entfernt sein. Nicht heute oder morgen, wohl aber vielleicht über den Sommer.

Und dieser Zeitpunkt der maximalen Begeisterung, wenn alle die kaufen wollten gekauft haben, ist auch der Punkt an dem die Kurse den temporären Höhepunkt erreichen und zu konsolidieren beginnen. Wie extrem die Indizes auf diesen wenigen Aktien basieren, zeigt auch dieses Chart von Bespoke eindrücklich: -> Five large stocks account for nearly half of 2017s gains <-

Machen Sie sich also nichts daraus, wenn Ihre Depots seit Wochen Wasser treten, während S&P500 und Nasdaq steigen und steigen. Sie sind in guter Gesellschaft fast aller professioneller Anleger die Aktien bewusst selektieren - ausser denen eben, die schon länger primär auf FAANG alleine setzen.

Wenn Sie wissen wollen, wie lange das noch so weiter geht, weiss ich es natürlich auch nicht. Ich weiss aber auch, dass das Window-Dressing zum Quartalsende immer ein Thema ist. Bis Ende Juni könnte dieser Trade also durchaus weiter unterstützt sein, weil alle auch noch dabei sein wollen, denn wer nicht dabei ist, hängt in der Performance hinterher und muss sich am Quartalsende Fragen stellen, warum er zu blöd war diesen offensichtlichen Trade zu sehen.

Ab Juli ist dann aber ein neues Spiel, dann gilt wieder der kluge Satz, dass wenn alle das Gleiche denken, niemand richtig denkt.

Ich bitte das aber nicht als generelle Skepsis diesen Aktien gegenüber zu verstehen. Im Gegenteil, ich habe diese Aktien schon letzten Sommer im Premium-Bereich zu den "neuen Nestles" erklärt und dazu geraten, aus langfristigen Gesichtspunkten nun auf diese umzuschichten: -> Apple, Google und Co. - Die neuen Nestles? <-. Wer das damals getan hat, hat immense Gewinne generiert.

Aber was zu schnell zu viel ist, ist zu viel. Und es scheint, als ob dieser Trade nun in die Phase der öffentlichen Wahrnehmung eintritt, ab der er noch ein paar Wochen hat und dann wird ein temporärer Höhepunkt erreicht.

Danach haben alle Stockpicker dann auch wieder die Chance die Indizes zu schlagen. 😉

Und die grossen Tech-Aktien bleiben weiter gute Investments - nach einem Rücksetzer.

Ihr Hari

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Apple, Mosaic und Deere – Hier dreht sich was?!

Mit dem 01. März, scheinen die Märkte eine Charakteränderung vorgenommen zu haben, man fühlt sich wieder an die Jahre 2013 und 2014 erinnert, als es durch den "Bernanke/Yellen/Draghi-Put" nur eine Richtung gab: hoch.

Auch aktuell, haben wir es wieder mit einer "Buy the Rumor" Rally in freudiger Erwartung insbesondere der EZB-Sitzung am 10.03., aber auch der FED-Sitzung am 16.03. zu tun.

In Folge hellt sich das Bild des Marktes weiter auf, die klare "W" Formation im Leitindex S&P500, war dafür ja schon länger Hinweisgeber. Auffällig ist aber auch, wie viele in 2015 abverkaufte Aktien und Sektoren, mittlerweile markante Wendeformationen ausbilden, die noch einiges Potential in sich bergen.

Drei Bluechips dieser Kategorie, will ich Ihnen daher heute als "schnelle Ideen" zeigen.

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Warum der VW-Skandal vom Himmel geschickt wurde – und was das mit Apple zu tun hat

Der folgende Artikel erschien Dienstag 20.10.15 16:40 in Hari Live und wurde für den freien Bereich etwas erweitert, um den Kontext zu erhalten

Tim Cook gibt dem WSJ ein ausführliches Interview, in dem er faktisch Apples Interesse am Automarkt bestätigt:
-> Massive Change in car industrie <-

Sicher hat er damit nichts Konkretes gesagt, aber jemand in seiner Rolle müsste und würde ein Interesse an einem Markt wohl dementieren, wenn da gar nichts dran wäre. Wenn der Apple Chef aber von einem "massive Change" in der Autoindustrie redet, der auch Quereinsteigern Chancen eröffnet, dann ist das für mich die deutlichste Interessensbekundung, die man nur machen kann, ohne Konkretes zu sagen.

Als deutscher Automanager, sollte man nun mal langsam unruhig werden. Treue Leser wissen ja noch, wie ich schon vor 3,5 Jahren hier -> Die Zukunft des Automobils <- und vor 2,5 Jahren hier -> Eine Ohrfeige für Winterkorn, Piech, Zetsche und Co. <- die deutschen Automanager deutlich und massiv aufs Korn genommen habe, die sich schon nach meinem damaligen Eindruck, zu sehr in Selbstgefälligkeit und Trägheit gesonnt haben.

Insofern ist der Skandal bei VW für die deutsche Autoindustrie am Ende vielleicht vom Himmel geschickt worden. Denn ohne den Skandal, hätte man wohl noch 2-3 Jahre weiter gewurschtelt, bis es wirklich zu spät gewesen wäre und die neuen Wettbewerber im Sinne Google, Apple und Co. irgendwann das Feld des autonomen, elektrischen Fahrens betreten.

So aber weckt der Skandal aus der Selbstgefälligkeit auf, schwemmt Leute weg, denen scheinbar der Professorentitel wichtig war, die aber nach meinem Eindruck keine mutige, der Zukunft zugewandte Modellpolitik hinbekommen haben. Und so schafft der Skandal die Chance für die ganze Industrie, gerade noch rechtzeitig das Ruder mit Macht in Richtung Zukunft herum zu reissen.

Wenn es den Skandal nicht gegeben hätte, hätte man ihn also erfinden müssen. Wer immer das Ding tatsächlich in Bewegung setzte, hat am Ende der deutschen Autoindustrie eher einen Gefallen getan, davon bin ich mittlerweile überzeugt. Denn nun weht der "Wind of Change" und das ist gut so!

Apple aber, ist für mich als Aktie mittelfristig weiter attraktiv.

Ich weiss zwar immer noch nicht, warum der Markt Apple mit einem Malus bei der Bewertung belastet, denn Apple wird schlechter bewertet, als vergleichbare Bluechips.

Nehmen wir eine Microsoft, der billigt der Markt aktuell ein Forward P/E von 15 zu, Intel eines von 14 und Apple aber nur eines von 11!

Nun kann ich völlig verstehen, dass der Markt Skepsis hat, ob Apple seine Margen und seine Stellung dauerhaft halten kann. Und auch Skepsis hat, ob das Wachstum dauerhaft zu halten ist.

Ich teile diese Skepsis und für so ein cashflow-starkes Unternehmnen wie Apple, würde das dann auch nicht mehr als ein P/E von 14-16 rechtfertigen, wie bei Intel, Microsoft und vielen anderen vergleichbaren Bluechips auch.

P/Es von 20 und mehr, sind einfach stark wachsenden Unternehmen vorbehalten und da muss man sich bei Apple schon fragen, wo starkes Wachstum nun schnell herkommen soll. Bei allen Zukunftschancen im Bereich Pay oder Wearables oder später im Automobilbereich, schnelles hohes Wachstum ist da eher nicht.

Warum der Markt Apple keinen Bewertungsbonus mehr gibt, kann ich also sehr gut verstehen und das ist auch völlig in Ordnung. Warum aber so ein massiver Malus existiert, bleibt mir rätselhaft. Denn bei einem P/E von 15 wäre Apple eher bei 150 USD im Kurs und nicht bei aktuell gut 110!

Ich verstehe das nicht und habe noch keine gute Erklärung dafür gehört. Klüger als der Markt bin ich bestimmt nicht, aber auch bei angestrengtem Nachdenken fällt weder mir, noch den Mitgliedern der Community, ein überzeugender Grund für diesen Malus ein, der Apple schwächer bewertet als Intel und Microsoft, zwei Unternehmen mit durchaus relevanten Zukunftsfragezeichen, mitten in der strategischen Repositionierung.

Und insofern ist es mir auch mittlerweile egal. Ich schaue einfach auf die Price-Action und richte mich nach der.

Und was ich da heute sehe ist, wie die Aktie in Bewegung gerät und diese Struktur nach oben erzeugt und dabei auch wieder über 20- und 50-Tage Linie steigt. Ich habe schon schlechtere Ausgangslagen gesehen, als das:

AAPL 20.10.15

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Apple, der Markt und die Erwartungen

Heute ein paar Zeilen im Nachgang der Quartalszahlen von Apple, die gestern zu einem deutlichen Kurs-Minus an der Börse geführt haben.

Überall liest man nun Unverständnis darüber, warum der Markt eine Apple Aktie so abverkauft, nach dem diese ja objektiv ganz ausgezeichnete Quartalszahlen abgeliefert hat, die man kaum besser machen kann.

Selbst im Handelsblatt, dass ja theoretisch der Hort von Finanz- und Börsenkompetenz sein sollte, versteigt sich der Herausgeber Gabor Steingart im -> heutigen "Morning Briefing" <- zum für mich ziemlich platten Satz: "Dieser Kursverlust sagt nichts über Apple aus, aber viel über die Investoren. Die Börse ist der einzige Ort, an dem Verrückte wie Propheten behandelt werden."

Ach Gottchen, da ist es wieder, dieses nicht ausrottbare Märchen, dass "die Börse" etwas Abstraktes sei, "herum spinnen" würde und die Realitäten nicht sehen würde. Und übrigens, das mit den "Verrückten als Propheten" findet sich noch in vielen anderen Bereichen des Lebens, aber das Thema will ich nun hier nicht vertiefen. 😉

Das Gegenteil ist aber bei der Börse der Fall, es gibt kaum einen besseren Frühindikator. Sie reagiert schneller und oft klüger, als wir es als Individuen in der Regel können und die Selbstüberschätzung, klüger als der Markt zu sein, ist der garantierte Weg zu Verlusten und Scheitern.

Aber auch überall in anderen Medien, konnte man dieses Unverständnis zur Marktreaktion auf Apple gestern wieder lesen und ich habe da mehrfach nur meine Hände vor dem Gesicht zusammen schlagen können, als ich die immer gleichen Texte dazu las.

Deshalb nun ein erneuter Versuch, auf ganz einfache Art und Weise zu erklären, wie wir Menschen agieren und wie deshalb der Markt zwangsläufig auch agiert. Denn ein Markt - nicht nur die Börse, auch andere Märkte - wird von Erwartungen geprägt.

In Grossbuchstaben, von ERWARTUNGEN! Die Zahlen und Fakten der Gegenwart, sind dagegen schon wieder Vergangenheit und kalter Kaffee - ausser sie verändern auch die Erwartungen.

Und der Markt ist auch nicht abstrakt, sondern besteht aus uns. Ja aus uns! Denn wir sind die, die mit unseren Handlungen die Kurse machen - plus ein paar Algorithmen, die aber von "uns" programmiert wurden. 😉

Nehmen wir also zwei hypothetische Beispiele um zu zeigen, wie wir agieren und wie deshalb zwangsläufig auch der Markt agiert:

Grundstücksverkauf

Nehmen wir an, Sie besitzen ein Grundstück, das Sie bald mal zu Geld machen wollen. Die Preise für Grundstücke steigen und steigen aber in Ihrer Umgebung und Sie haben keinen zeitlichen Druck und brauchen das Geld nicht sofort.

Was machen Sie? Sie warten mit dem Verkauf.

Ein halbes Jahr später kommt eine Marktanalyse zum Immobilienmarkt und die weist schon wieder deutlich gesteigerte Grundstückspreise aus und kein Indiz für eine Trendwende.

Was machen Sie? Sie warten.

Noch ein halbes Jahr später das gleiche Spiel. Wieder höhere Preise.

Was machen Sie? Sie warten.

Dann plötzlich eine Analyse, die erneut höhere Preise aufzeigt, Sie erleben nun die höchsten Grundstückpreise der Geschichte. Eigentlich ein Grund zum Jubeln! Aber da gibt es in dieser Studie diese feinen Hinweise, dass der Nachfragedruck auf die Makler abnimmt und auch aus Ihrem Freundeskreise hören Sie Signale von Leuten, die von anderen Regionen schwärmen, in denen das Leben auch schön und vor allem billiger sei. Sie hören sozusagen die "Flöhe husten".

Was machen Sie? Sie verkaufen nun!

Warum? Wegen der Erwartungen! Weil die Flöhe husteten. Nicht weil der Immobilienmarkt wirklich eingebrochen ist. Denn objektiv sind die Preise jedes Mal gestiegen. Aber Ihre Erwartungen bestimmen eben Ihr Handeln!

Was dann tatsächlich danach passiert, ist dass ein paar Monate nach dem Sie verkauft haben, ein grosser Konzern mit tausenden Arbeitsplätzen sich bei Ihnen in der Region nieder lässt. Und die Grundstückspreise steigen weit über Ihren Verkaufspreis.

Da Sie aber klug sind, ärgern Sie sich nicht. Denn das konnte man zum Zeitpunkt Ihrer Entscheidung nicht wissen. Ihr Handeln aber war damals aufgrund der Erwartungen rational und richtig.

Hochspringer

Sie sind Sportmanager und verdienen Ihr Geld damit, Talente zu finden und diese zu lukrativen Verträgen zu führen und daran mit zu verdienen. Sozusagen wie Willi Weber und Michael Schumacher.

Derzeit haben Sie den Dauerweltmeister im Hochsprung unter Vertrag, der den Wettbewerb seit Jahren dominiert. Beständig und zuverlässig produziert der Höhen von 2.40 Meter und mehr und ist unangefochten.

Dann gibt es da auch noch den jungen, 17-Jahre alten aufstrebenden Hochspringer, der grosses Potential zu haben scheint, dessen Rekord noch bei 2,20 Meter steht, aber er ist ja erst 17!

Im Sommer nun gewinnt Ihr Klient die Olympischen Spiele und springt dabei Weltrekord. Er steht auf dem Höhepunkt des Erfolges, höher scheint es nicht mehr zu gehen.

Da Sie ihn aber gut kennen wissen Sie auch, dass die Wehwehchen langsam los gehen, Jahrzehnte harten Trainings fordern halt ihren Tribut.

Für welchen Sportler interessieren Sie sich nun als Manager mehr. Für den der 2,40 springt oder den der 2,20 springt?

Die Antwort dürfte klar sein. Es sind die Erwartungen, die Ihr Handeln bestimmen.

Aber auch hier kann Ihre Erwartung sich im Nachhinein als falsch heraus stellen. Der junge Sportler hat bald danach einen Unfall und wird zum Sportinvaliden. Und der Champion, überwindet durch Umstellung des Trainings seine Wehwehchen und dominiert den Wettbewerb noch 5 Jahre, in denen ein anderer Manager mit ihm reich wird.

Apple

Und genau das ist nun das Problem der Quartalszahlen von Apple.

Apple hatte als "Dauersieger" die Anleger darauf konditioniert, die bewusst niedrig gehaltenen Prognosen, dann bei den Quartalszahlen jedes Mal in den Boden zu stampfen und deutlich zu übertreffen.

Nun ist das zum ersten Mal seit langer Zeit nicht passiert. Und die Prognosen sind noch vorsichtiger geworden.

Und das ruft wie beim Hochsprung-Weltmeister und wie bei dem Gerede Ihrer Freunde zu den Immobilienpreisen Fragezeichen hervor. Und da alle gerne am Hochpunkt verkaufen wollen, wie Sie mit Ihrem Grundstück auch, rennen alle gleichzeitig schnell zum Ausgang. Und das produziert so einen Tag wie gestern bei Apple.

Ist das nun übertrieben oder werden die schnellen Verkäufer am Ende bei Apple doch Recht haben? Das kann nur die Zukunft zeigen, wer behauptet er wüsste es heute, leidet unter Selbstüberschätzung.

Wenn Sie mich fragen, glaube ich auch, dass die Reaktion zwar verständlich, aber etwas übertrieben ist. Ich bin immer noch optimistisch, was Apples weitere Kursentwicklung angeht, aber ich verstehe solche Bewegungen und respektiere sie.

Und ich bin weit davon entfernt im Brustton der Selbstgewissheit zu sagen, dass ich klüger als der Markt bin und der Markt "spinnen" würde.

Wie soll das auch wahr sein, denn der Markt sind wir - Sie und ich und viele andere, die auch Intelligenz haben und denken können.

Letztlich zeigt der Markt also nur das Verhalten, das auch wir, die Marktteilnehmer, in so Situationen zeigen. Wir leiten unser Handeln aus den Erwartungen an die Zukunft ab und nicht aus den Fakten der Gegenwart.

Und diese Denkstrukturen führen bei Apple zu Kursbewegungen. Die objektiven Gewinne des alten Quartals sind dagegen kalter Kaffee und haben keine Relevanz für unser Handeln mehr, ausser die Zahlen verändern durch Überraschungen auch unsere Zukunfts-Erwartungen.

Wer diesen Mechanismus versteht, nimmt die gestrige Kursbewegung bei Apple ohne grosse Verwunderung zur Kenntnis. Und wer ihn nicht versteht, ist dazu verdammt, an der Börse immer auf der falschen Seite zu stehen.

Da bleibt mir nur angelehnt an Clintons berühmtes "It´s the economy stupid!" zu sagen:

"It´s the anticipation stupid!"

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Apple und die US Indizes an der Klippe

Vor einer guten Woche, hatte ich im Artikel -> Mr. Gnadenlos und das wahre Risiko <- schon darauf hingewiesen, dass die mittelfristigen Risiken in den US Indizes und im Speziellen im Leitindex S&P500 steigen.

Nun hatten wir gestern sogar noch ein fieses "Reversal des Reversals", denn der Dienstag brachte im Sinne "Turnaround Tuesday" eigentlich alle Parameter eines beginnenden Rebounds, wurde aber am gestrigen Mittwoch unter dem Druck von Grexit, China und einer über Stunden geschlossenen New York Stock Exchange, vollständig wieder abgegeben.

Die Price-Action im S&P500 wird daher immer fragwürdiger, das Chart zeigt deutlich, wie riskant die Lage nun ist:

S&P500 09.07.15 3

Wer jetzt also nur auf Griechenland starrt und eine Auflösung des Dramas für Käufe nutzen will, könnte damit auf mittelfristige Sicht deutlich zu kurz springen. Denn damit befindet man sich im massiven Konsens im deutschen Markt, alle warten darauf, den Grexit dann wieder als Kaufgelegenheit nutzen zu wollen. Und was alle erwarten, kann am Markt nur schwer eintreffen.

Ein denkbares und für den fiesen Mr. Market sehr typisches Szenario, wäre daher eine kurze Erleichterungsrally im DAX, die dann aber schnell von den wichtigeren Problemen im Rest der Welt aufgefressen wird. Stellen Sie sich nur mal vor, in China würde der Absturz weiter gehen und das Vertrauen der Bevölkerung erschüttern. Unsere Autobauer würden es wohl in den Absatzzahlen als Erste merken und der DAX in Folge auch.

Und mit den hektischen, dirigistischen Maßnahmen zur "Stützung" des Marktes, machen die chinesischen - nur dem Namen nach noch "kommunistischen" - Kader alles nur schlimmer, weil sie das Vertrauen untergraben und sich dem Risiko aussetzen, die eigene Machtlosigkeit deutlich zu machen. Und wenn Vertrauen bricht, dann geht es schnell und massiv nach unten. Eine Herde von Marktteilnehmern, die von Panik in eine Abwärts-Stampede getrieben wird, hält wirklich in ihrem Lauf, "weder Ochs noch Esel auf". Das müssen die Chinesen wohl noch lernen - Vertrauen ist das Zauberwort, nicht operative Hektik!

Deshalb ist es für uns nun so wichtig, auf die US Indizes zu schauen, denn wenn die nun zur ersten harten Korrektur seit über drei Jahren ansetzen sollten, wird sich der DAX dem nicht entziehen können!

Kurzfristig ist das Sentiment in den US nun aber so sauer geworden, dass eine positive Gegenbewegung in den nächsten Tagen, vielleicht auch im Zuge einer Auflösung des griechischen Dramas, ganz gute Chancen hat. Was danach kommt ist die Frage und da sieht die Marktmechanik im mittelfristigen Blick wirklich nicht mehr gut aus.

Will man den Zustand eines Marktes einschätzen, lohnt es sich dabei auch, einen Blick auf die führenden Aktien und deren Strukturen zu werfen und wer wäre da besser geeignet, als *der* Bluechip schlechthin: Apple.

Wir sehen im Chart schnell, dass bis zum 28.04. (dem blauen Pfeil) alles nach einer positiven Fortsetzung des Aufwärtstrends wie aus dem Lehrbuch aussah. Das böse Reversal am 28.04., hat dann aber alles verändert und seit dem ist der Wurm drin:

AAPL 09.07.15

Wir sehen auch, dass Apple nun im wahrsten Sinne des Wortes "an der Klippe" steht und die nun deutlich sichtbare Divergenz im On-Balance-Volumen, macht keine guten Gefühle. Eine diffuse Nachrichtenlage mit negativen Nachrichten zur Apple Watch, macht die Lage nicht einfacher. Diese Nachrichten sind nicht wegen der absoluten Zahlen bedeutend, dafür ist der Umsatz der Apple Watch zu gering. Sie haben aber Bedeutung, weil sie am Nimbus der Unbesiegbarkeit von Apple kratzen.

Trotzdem gehe ich auch bei Apple eher davon aus, dass wir hier nicht direkt durchfallen, sondern es nun kurzfristig erst einmal eher nach oben geht. Danach wird es aber wirklich riskant und wenn eine solche Gegenbewegung wieder verkauft werden sollte, muss man bei Apple, wie bei den US Indizes, von einer echten Korrektur ausgehen, die dann auch am DAX nicht vorüber gehen wird.

Fazit:

Die mittelfristige Lage in den US Indizes sieht zunehmend wackelig aus. Noch ist nichts entschieden und auch eine erneute Auflösung nach oben ist denkbar. Wir dürfen durch das griechische Gezappel aber auf keinen Fall blind für diese Entwicklungen werden, denn die sind für DAX und Co. am Ende wichtiger als die Frage, auf welche Art und Weise nun weitere Steuermilliarden in Griechenland verbrannt werden. Denn dass es dazu kommt, ist völlig klar. Die Frage ist nur, ob für ein Programm, das sowieso nicht eingehalten wird oder für humanitäre Rettungsmassnahmen, die von Teilen der Gesellschaft gar nicht gewollt werden, weil man ja "so stolz" ist.

Wir dagegen sollten als rationale und professionell agierende Marktteilnehmer "stolz" sein, wenn wir diese schwierige Marktphase weiter unbeschadet überstehen, denn die ist nicht ohne und voller versteckter Risiken. Wer dabei Hilfe braucht, sollte sich der Mr-Market Community anschliessen.

Ihr Hari

PS: Übrigens, wir haben einen weiteren Kolumnisten an Bord, schauen Sie -> hier <-. "Nun sind wir fünf!" kann ich also dankbar im Stile von "Chris", dem Anführer der -> glorreichen Sieben <- sagen. 😉

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