Linde – Von guter und schlechter Marktkommunikation

Der folgende Artikel zu Linde war Teil meines gestrigen Marktberichtes am Nachmittag im Premium-Bereich.

Ich möchte noch einmal zum Thema Linde zurück kehren. Die Aktie war wegen ihres stabilen Geschäftsmodells und ihres von mir geschätzten CEOs Wolfgang Reitzle, lange einer meiner Favoriten aus Investment-Sicht. Vorsichtig wurde ich dann mit dem personellen Übergang von Wolfgang Reitzle zu Wolfgang Büchele, wie unter anderem in dem folgenden Artikel von 2014 thematisiert: -> Whats next Linde? <-

Im Premium Bereich hatte ich am 01.12. nach der -> einkassierten Prognose <- zuletzt fest gestellt, dass es nun keinen Grund mehr gibt, sein Kapital in Linde zu binden. Denn besonders ärgerlich war für mich, dass kurz vorher bei den Quartalszahlen, davon noch keine Rede war. Seit dem ist die Aktie gefallen und gefallen.

Es sprint aber viel zu kurz, für diesen Einbruch nur schlechte Umstände der Weltkonjunktur und operative Gegenwinde verantwortlich zu machen. Denn bei der Tiefe der Verärgerung des Marktes, spielt nach meiner Ansicht mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die massive Enttäuschung über eine dürftige Marktkommunikation seitens Linde eine Rolle.

Und das ist für mich Anlass, mal wieder etwas in Erinnerung zu rufen, was leider zu wenig zum Thema gemacht wird. Es sind nämlich einzelne Menschen an der Unternehmensspitze, die oft einen erheblichen Unterschied machen. Und gerade am Fall Linde, kann man das sehr gut sehen:

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Linde (648300) wird langfristig wieder interessant

Der folgende Hinweis erschien schon am Mittwoch 06.08.14 10:00 in Hari Live

Mitglieder, die länger dabei sind wissen, wie sehr ich die Aktie von Linde im Sinne eines Investments mag. Ein hervorragendes, stabiles Geschäftsmodell, eine intelligente Akquisition von Lincare in den USA, die neues Geschäftspotential erschliesst und in Wolfgang Reitzle ein CEO, von dem ich sehr viel halte und den ich für einen der besten CEOs halte, die Deutschland zu bieten hat.

Dann aber wurde klar, dass Wolfgang Reitzle gehen würde und mit Wolfgang Büchele kam ein unbeschriebenes Blatt. Dummerweise kann Reitzle wegen der von Herrn Cromme massgeblich gestalteten Corporate Governance Regeln, aber auch nicht sofort an die Spitze des Aufsichtsrates wechseln, was dem Unternehmen hier sicher gut getan hätte.

Da so Wechselphasen aber immer problematisch sind und das neue Management gerne erst einmal mit einem bilanziellen "Grossreinemachen" beginnt, bin ich dann bei Linde schon 2013 temporär ausgestiegen um den Wechsel abzuwarten. Und das war auch nicht falsch, seit einem gutem Jahr ist bei Linde nicht mehr viel zu holen, was die Kursentwicklung angeht. Ich habe die Problematik unter anderem in dem Artikel -> Whats next Linde? <- - aber auch schon in 2013 in Hari Live - mehrfach erklärt.

Nun aber liegt der Wechsel drei Monate hinter uns. Und Linde hat erste Quartalszahlen unter Büchele geliefert und auch von Büchele weiss man nun mehr und hat erste Eindrücke seines Wirkens.

In Summe drehen damit die Signale für mich wieder auf Grün. Der neue CEO macht einen guten Eindruck und es kann zwar immer noch sein, dass da noch ein "Reinemachen" und eine Strategieänderung kommt, die bisherigen Aussagen sprechen aber eher für eine beständige und konsequente Fortentwicklung des erfolgreichen Geschäftsmodelles, das Wolfgang Reitzle initiiert hat.

Schauen wir auf das langfristige Chart, sehen wir eine wichtige Unterstützung und ansonsten die Seitwärtsbewegung seit gut einem Jahr - Ausdruck der Unsicherheit rund um den Wechsel:

Linde 06.08.14

Wenn man nun diese Unterstützung fest im Auge hat, wird Linde für mich nun also wieder Thema für den Einstieg. Ich werde voraussichtlich den Tiefpunkt der aktuell laufenden Marktkorrektur zu nutzen versuchen, um wieder eine Initialposition im Investmentdepot aufzubauen. Und werde diese dann nach Kursentwicklung sukzessive erweitern, solange diese Unterstützung nicht in Gefahr gerät.

In Summe wird Linde also mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zu einem Investment für mich. Zur Eile beim Einstieg gibt es aber keinen Grund, den kann man wohl gelassen in dieser zweiten Jahreshälfte auswählen.

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Von Reitzle zu Büchele – what´s next Linde ?

Es ist immer wieder faszinierend, welche frappierenden Parallelitäten manchmal bei Kursentwicklungen entstehen und wie diese trotzdem unentdeckt bleiben.

Jetzt haben solche Parallelitäten nur begrenzte, reale Aussagekraft und sind vor allem optisch einprägsam. Und trotzdem haben sie einen Wert. Sie schärfen nämlich die Sinne für Möglichkeiten.

Und am Markt ist es darüber hinaus tatsächlich so, dass ein Muster das schon mehrfach aufgetreten ist, gute Chancen hat erneut aufzutreten. Eben weil das Muster auf dem Handeln der Marktteilnehmer beruhte und diese ändern ihr Handeln nur langsam.

Nun springt mir beim Gas Spezialisten Linde AG (WKN: 648300) so ein Muster ins Auge.

Treue Leser wissen ja, wie sehr ich die Aktie gemocht habe und wie lange ich da glücklich und zufrieden mitgeschwommen bin. Zu einem guten Teil beruhte das auf der Person von Wolfgang Reitzle, den ich für einen der fähigsten Manager halte, den deutsche Unternehmen zu bieten haben.

Nun hat Reitzle aber einen Nachfolger in Form von Wolfang Büchele, der ab Mai das Zepter übernimmt. Und Reitzle kann erst nach einer zweijährigen Abkühlphase an die Spitze des Aufsichtsrates wechseln. Und in Folge der im Kern sehr sinnvollen Lincare Übernahme, kommen auch Probleme an die Oberfläche.

Dabei ist so ein Interregnum mit dem Wechsel von einem langjährigen Chef zum Nachfolger, sowieso selten eine gute Zeit in einer Aktie zu sein. Zu oft entstehen Verwerfungen und der neue Chef hat auch ein Interesse daran, erst einmal alles potentiell Problematische aus den Bilanzen zu holen und auf den Tisch zu legen. Weil wenn er das konsequent am Anfang macht, wird ihm das inhaltlich nicht zugerechnet. Darüber hinaus bekommt er für sein späteres Wirken einen tiefer gelegten Massstab. "Grossreinemachen" ist für neue Manager also auch in gut gepflegten Stuben, eine sinnvolle erste Amtshandlung.

All das macht mich sowieso erst einmal skeptisch, was Linde angeht. Und ich werde mich der Aktie erst wieder nähern, wenn Wolfgang Büchele fest im Sattel sitzt und mal ein paar Quartalsergebnisse abgeliefert hat.

Aber nun zurück zu den Mustern und schauen Sie mit mir mal auf das langfristige Chart der Linde AG mit Monatskerzen:

Linde 21.02.14

Die Parallelität springt ins Auge. Wir haben zwei Aufwärtstrend von ähnlicher Dauer und Verlauf. Wir haben einen "Buckel" in der Anfangsphase des Trends, eine klare und scharfe Korrektur mittendrin und eine kleinere Korrektur in der zweiten Hälfte. Und wir haben eine klare Abflachung der Aufwärtsbewegung und ein Auslaufen des Aufwärts-Momentums.

Beim letzten Mal hat es dann irgendwann *Boom* gemacht und es ging im Zuge der 2008er Krise scharf nach unten. Jetzt heisst das wirklich nicht, dass das zwangsläufig nun auch so kommen muss - wie oben gesagt, solche Parallelitäten sind nett, sollte man aber nicht überbewerten.

Aber zusammen mit den obigen Überlegungen, muss man sich wirklich die Frage stellen: "What´s next Linde ?" Und ich kann da im Moment nichts sehen, was mich dazu verleitet, mein Kapital da nun zu binden.

Lassen wir mal 2014 ins Land gehen und Herrn Büchele mal ein paar Quartale wirken. Dann kann man immer noch über einen Einstieg nachdenken.

Linde ist und bleibt ein tolles Unternehmen ! Aber auch bei tollen Unternehmen, kann man mal ein wenig Pause machen......

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