Was die US Arbeitsmarktdaten für die Märkte bedeuten

Da kommen heute um 14.30 wieder einmal die US Arbeitsmarktdaten und die Märkte zittern in ängstlicher Erwartung. Wie kann es sein, dass solche Daten - die noch dazu erhebliche Fehlerquellen haben und oft nachträglich revidiert werden - die Märkte so sehr bewegen ?

Der Grund liegt nicht in den Daten begründet, sondern in den Schlussfolgerungen, die die Marktteilnehmer daran knüpfen. Und damit in den Erwartungen an die Zukunft, die sich durch die Daten adaptieren. Wir wissen ja, Börsenkurse sind die Summe der Erwartungen der Marktteilnehmer. Eben nicht der Realität der Gegenwart, sondern der Erwartungen an die Zukunft.

In einer Welt der freien Märkte, wäre das alles nun ganz einfach. Gute Arbeitsmarktdaten würden für anziehende Konjunktur sprechen und die Kurse würden auf breiter Front steigen. Und im umgekehrten Fall fallen. Schön wärs, wenn die Welt noch so wäre.

Ist sie aber nicht, denn dieser Markt ist so massiv von Politik und Notenbanken beeinflusst und verzerrt, dass die Interpretation der Daten weit schwieriger ist. Dummerweise hat dann die US Notenbank FED auch noch ihre eigene Politik des leichten Geldes genau an diese Arbeitsmarktdaten geknüpft, was die Nervosität des Marktes gut verständlich macht. Jeder andere Drogensüchtige wäre auch höchst nervös, wenn er die Sorge hätte, das sein Drogenlieferant plötzlich ausfallen könnte und die Versorgung mit Steroiden nicht mehr sichergestellt ist.

Und so werden die heutigen Arbeitsmarktdaten Auswirkungen auf den Ton der nächsten Wochen an den Märkten haben. Geht die Rally weiter oder setzt nun eine echte Korrektur ein ? Oder bewegen wir uns volatil zur Seite ?

Wie die Daten selber aussehen, ist dabei völlig unbestimmt und jede Spekulation darüber sinnlos. Auch die schon am Mittwoch und Donnerstag veröffentlichten Arbeitslosendaten, lassen keinen zuverlässigen Rückschluss zu, wie die Vergangenheit mehrfach bewiesen hat. Was wir aber ein wenig antizipieren können, ist wie der Markt auf die Daten reagieren wird.

Wir haben ja gestern im S&P500 gesehen, wie bei Erreichen des technischen Ziels von 1598 - das aus dem "Diamond Top" resultierte - sofort aggressiv gekauft wurde. Viele Marktteilnehmer haben scheinbar mehr Sorge davor den nächsten Dip zu verpassen, als sich gegen einen Absturz abzusichern. Das ist ja auch verständlich und passt perfekt in den "Recency Bias" der Menschen, denn über Monate wurde immer der belohnt, der aggressiv jeden Dip kaufte. Warum also soll es dieses Mal anders sein ?

Und deshalb kann man davon ausgehen, dass dieser "Buy the Dip" Strom auch nach den Arbeitsmarktdaten wieder einsetzen wird, wenn .... ja wenn .... bei den Daten nicht allzu viel passiert. Kommen die Daten also mehr oder weniger im Bereich der Erwartungen heraus und bestätigen eine langsame, anämische aber doch positive Entwicklung, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieser Dip wieder gekauft wird.

Kritisch wird es bei beiden Extremen. Es spricht viel dafür, dass zu gute Daten ebenso schlecht sind, wie zu schlechte Daten.

Zu gute Daten würden bedeuten, dass die Angst vor einem Ausstieg der FED massiv wächst. Und dieser potentielle Drogenentzug wird zu Gewinnmitnahmen führen, denn jeder weiss, warum die Indizes so hoch stehen. Bestimmt nicht wegen einer sensationellen Konjunktur. Zu gute Daten könnten auch bei Gold wohl zu einem erneuten Einbruch führen.

Zu schlechte Daten wäre noch dramatischer. Denn es könnte so interpretiert werden, dass der FED trotz der massiven Liquiditätsinjektionen die Lage entgleitet. Das wäre wohl ein Horrorszenario für die Märkte im Sinne "all bets off". Und es ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, denn auch in Europa sieht man doch wie die Grenzen der Notenbankpolitik aufgezeigt werden.

Fazit:

Wer nun gut investiert und Long im Markt ist, muss wohl hoffen, dass die Arbeitsmarktdaten im Rahmen der Erwartungen bleiben und weder nach unten wie nach oben grosse Abweichungen zeigen. Alles andere wäre hoch riskant.

Ich selber habe meine eigene Analyse beherzigt und bereite mich auf den Sommer vor. Sprich mein Exposure zum Markt ist deutlich reduziert und so kann ich den heutigen Ausgang gelassen betrachten.

Ihr Hari

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Hari Live: Märkte im Sommer, Diamond Top im S&P500, Linde

Wenn man, wie ich hier auf Mr-Market.de, mit einem geschlossenen Premium-Bereich beginnt, hat man immer das gleiche Dilemma. Die die drin sind, sehen was da so passiert und geniessen (hoffentlich) glücklich den Inhalt.

Denen die draussen sind, ist aber nicht so richtig klar was sie erwartet. Und um über die Kluft zwischen diesen beiden Zuständen eine Brücke zu spannen, muss man immer mal wieder einen Einblick gewähren.

Jetzt kann man natürlich alte Archive dafür benutzen, nur die Realität zeigt, die liest niemand mehr ernsthaft. Es gibt halt nichts Älteres als alte Zeitungen. 😉

Deshalb will ich heute mal einen anderen Weg gehen. Ich nehme vier Informationsschnipsel aus "Hari Live" aus den letzten Tagen heraus, die immer noch aktuell sind und deshalb für Sie interessant zu lesen sein dürften. Und ich stelle diese den freien Mitglieder mit 1-3 Tagen Verspätung hier im Artikel zur Verfügung. Das sollte einen Eindruck vermitteln, was sie in Hari Live erwartet. Typischerweise stelle ich am Tag so 5-15 Informationsschnipsel in Hari Live ein, manchmal nur einen Link oder Zweizeiler, manchmal einen Text, der eines eigenen Artikels würdig wäre.

Wissen sollten Sie auch, dass das Konzept von "Hari Live" auf dem Gedanken der täglichen gedanklichen Mitarbeit beruht. Der gewünschte Effekt - den Lesern eine professionelle Sicht auf die Märkte zu vermitteln - entsteht nicht durch einen einzigen "geheimnisvollen" Artikel, sondern in dem Sie jeden Tag diszipliniert den Gedankengängen und Infoschnipseln folgen, die ich dort zur Verfügung stelle. Oft sind auch einfach mal Links von anderen Seiten dabei, die ich zur aktuellen Lage wichtig finde. Und oft referiere ich in späteren Kommentaren auch darauf. Es ist also wichtig den Inhalten zu folgen.

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In diesem Sinne folgen nun die vier Informationsschnipsel zu den Themen "Märkte im Sommer", einer Topformation im S&P500, dem Abverkauf der Momentum Aktien und Linde, jeweils mit Datum und Uhrzeit des Erscheinens:

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