Einen Bid fangen



So liebe Mitglieder, eine spannende, aufregende und für mich aufgrund privater Belastungen sehr anstrengende Woche geht zu Ende.

Ich weiss nicht wie es Ihnen geht, ich merke wie ich mich auf Weihnachten und die ruhige Zeit des Jahreswechsels zu freuen beginne. Langsam habe ich "Flasche leer" was das Jahr angeht und auch was die Börse angeht. Ich bin froh, dass kommenden Mittwoch 14.12. mit der FED, der letzte grosse, absehbare Aufreger kommt. Dann hoffe ich in der letzten Woche vor Weihnachten auf ruhigen Handel, der mir erlaubt, ganz langsam aus dem 120% Modus auf einen gesunden 60-80% Modus umzuschalten.

Aber bis dahin liegt eben noch die FED vor uns und weiter die grosse Frage, ob dieser aus bullischer Sicht "wild gewordene" Markt, auch mal korrigieren kann.

Wenn wir uns das heutige Geschehen bisher anschauen, dann schmelzen die Indizes ja immer noch hoch. Zwar langsamer nun, aber Schub ist immer noch da und der Markt macht gar nicht den Eindruck, als ob er schon müde wäre.

Weiteres Potential bestätigen auch die neuen AAII Daten, die uns Bespoke -> gestern graphisch dargestellt hat <-.

Klar, wir haben darin eine bullische Orientierung, aber verglichen zum Indexstand, ist diese immer noch eher gering und da ist noch einige Luft, bis das Sentiment wirklich euphorisch wird.

Der S&P500 hat einen sauberen Ausbruch wie aus dem Lehrbuch vollzogen, der ist aber gar nicht überraschend. Überraschend ist der massive Schub diese Woche.

Ich hatte ja vor ein paar Tagen den Kommentar von Stockbee im Sinne -> it can bounce, but it can not sustain <- hier verlinkt.

In diesem Sinne war das zu erwarten, was ich hier im Chart nun in Lila eingezeichnet habe. Was wir aber bekommen haben, können Sie selber im blauen Kreis sehen:

Das war - zumindest für mich - in dieser Dynamik überraschend und zeigt wie stark der Markt ist und wie verzeifelt hier einige zum Jahresende noch kaufen müssen.

Nicht so überraschend, war der markante Ausbruch des DAX durch den "Deckel" bei 10.800, den habe ich ja in den Tagen vorher mehrfach avisiert. Bemerkenswert ist aber auch hier, dass es völlig an Zögern und einem Retest fehlt:

Auch das ist Zeichen eines starken Marktes und auch hier machen genau diese Gewinne nun Druck auf die, die noch unterinvestiert sind. Und das treibt wieder den Markt, eine wunderbare sich selber verstärkende Feedback-Schleife die solange funktioniert, bis alle gekauft haben, die noch nicht genügend drin sind. Erst dann kommt der "Stall".

Übrigens zum Dollar. Es sah ja sehr danach aus, dass der vielleicht eine Wende hinlegen würde und wieder zu fallen beginnen könnte. Super Mario hat das gestern aber massivst abgewürgt, wir haben den brutalen Swing ja erlebt.

Nun kann man eine Theorie aufstellen, wie sie Greg Harmon -> hier <- zeigt und dann hätten wir wohl schnell Parität im EURUSD Paar. Falls die FED kommenden Mittwoch für 2017 einen recht falkenhaften Ausblick geben sollte, würde das wohl passieren.

Auch Tiho Brkan hatte schon vor ein paar Tagen -> hier <- ein interessantes, ganz langfristiges Chart zum Dollar. Da ist auch noch Luft nach oben.

Für unsere überwiegend in Euro geführten Depots, würde das optisch gut aussehen, weil diese bei Aktien aus dem Dollarraum eher "ergrünen". In Realität wäre es aber nur eine Illusion. Wäre es so einfach, dass Abwertung zu Wohlstand führt, hätten Italiener und Franzosen vor dem Euro, mit den immer zur D-Mark abwertenden Lira und Franc auch Wohlstand gewonnen. Haben sie aber nicht, der Wohlstand entstand unter der starken D-Mark, bei Franc und Lira wurden nur die Zahlen auf den Kontoauszügen höher, der echte Wert der Vermögen der Bürger, schrumpfte relativ zu Deutschland.

Nein, permanente Abwertung ist ganz eindeutig Mist und schadet am Ende auch der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Es ist erschreckend, wie die Bürger dieses Landes, die die D-Mark so geliebt haben und diese ja auch nie in einer Abstimmung gegen den Euro getauscht haben, so etwas in 2 Jahrzehnten einfach vergessen können. Wobei, wahrscheinlich wurde der Zusammenhang einfach nie verstanden, weder damals noch heute. Ach Ihr Schweizer, was habt Ihr es gut. Lasst Euch den Franken bloss nicht ausreden. 😉

Was fällt heute noch auf?

Biotech ist *nicht* in einem Bärenmarkt, sondern schon das ganze Jahr einfach in einer volatilen Seitwärtsbewegung. Das Chart des IBB zeigt es eindeutig und heute geht es halt mal wieder hoch:

Warum wir aber eine Situation immer auf verschiedenen Zeitebenen betrachten sollten und wie leicht uns die Optik beeinflusst, kann man gerade bei Biotech wieder sehen.

Denn mit Wochenkerzen, sieht diese volatile Seitwärtsbewegung doch nach Bodenbildung aus, oder?

Mit Monatskerzen aber, ist das - Autsch - vielleicht eher eine bärische Flagge:

Wie auch immer, ich lege mich hier mal aus dem Fenster und wiederhole, was ich schon ein paar Mal gesagt habe. Eine letzte Abwärtsphase bis zur blauen Linie ist immer noch drin. Das wars dann aber, wenn der IBB die 200 erreicht, dürfte er ein ganz klarer, langfristiger Investitionskauf sein. Denn an dem Potential des Sektors über Jahrzehnte, gibt es gar keinen Zweifel.

Achtung bei Mosaic (MOS) nun, wie auch im ganzen Sektor, selbst bei K+S - Ausbruchsalarm!

Sehr interessant sieht (endlich) nun auch das Chart von Bristol Myers Squibb (BMY) aus. Hier ist Wendealarm!

So richtig in Bewegung, kommen heute mit Öl die "Driller" und Service Dienstleister. Die beiden Namen Seadrill (SDRL) und Rignet (RNET) habe ich hier ja schon mehrfach gezeigt. So sehen die heute aus:

Ja und zum Schluss was zum "Weinen" (oder "Freuen") für die Fraktion der Bluechip-Fans. Meine 10 Tage alte Empfehlung Disney (DIS) aus -> Giganten im Ölrausch <-, sieht nun so aus:

Heilige Fahnenstange, da hat wohl die Macht ihre Hände im Spiel, wie soll das sonst möglich sein? 😉

Vor dem Hintergrund solcher Bewegungen bei Bluechips, sei erwähnt, dass sich nun auch bei Apple (AAPL) die Waage zur Trendfortsetzung neigt:

Und selbst die gute alte Nestle, fängt heute einen markanten Bid:

Das sind alles Geschehnisse, die dafür sprechen, dass die Indizes noch viel höher steigen. Denn vergessen wir nicht, der S&P500 ist durch die "World of Donald" Aktien gestiegen, *obwohl* dabei die Dividenden-Stars eher abgegeben und korrigiert haben. Damit die Indizes weiter steigen, reicht es also aus, dass die "World of Donald" Aktie seitwärts konsolidieren und die alten Favoriten wie Apple, Disney und Nestle gleichzeitig wieder einen Bid fangen. Und *Schwupps* sind wir zum Jahresende eher bei 2.400 im S&P500.

So, jetzt verabschiede ich mich ins Wochenende um wieder im Jedi-Tempel zu meditieren. Denke Sie bitte an das -> Mean Reversion Projekt <-". So wie es sich bis jetzt entwickelt, stelle ich es mangels Masse wieder ein. Aber Sie haben ja noch eine Woche bis kommenden Freitag.

Gute Erholung wünscht

Ihr Hari

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Währungsdiversifizierung


Ich mache heute bei der Beantwortung der -> Themen, die Sie interessieren <- weiter und nehme mir eine Frage vor, die da lautet:

Mich würde interessieren, wie man sinnvollerweise sein Geld auf verschiedene Währungen verteilt, ob man viel rebalancing betreiben soll und wie man dann eine neutrale gesamt Vermögenswertberechnung anstellt von Jahr zu Jahr.

Auch hier muss ich erneut darauf hinweisen - auch wenn es vielleicht nervt - dass das Wort "man" erneut nach einer Allgemeinheit fragt, die es so nicht gibt. Denn auch bei Währungsdifferenzierung, gibt es ja unterschiedlichste Motivationen das zu tun und auch unterschiedlichste Komplexität, um es anzugehen.

Sie müssen sich immer klar machen, dass Ihre Anlagebedürfnisse weder die des Nachbarn, noch des anderen Mr-Market Mitglieds sind. Auf die Frage was "man" sollte, kann es also keine allgemeine Antwort geben, weil das Wort "man" undefiniert ist.

Eine präzise Frage an mich, definiert den Herrn "Mr. Man" also immer, dann kann ich konkretere und hilfreichere Antworten geben. Dieses Grundproblem, finde ich nicht nur hier bei dieser Frage, sondern auch bei anderen, die in der Rubrik "Themen die Sie interessieren" gestellt wurden.

Um die Antwort nun klar und konkret geben zu können, muss "man" (hier stimmt es wieder 😉 ) also ein paar konkrete Annahmen machen.

(a) Wir nehmen an, der Grund für die Differenzierung wäre das Sicherheitsbedürfnis eines mittleren Depots, das nicht alle "Eier in einem Währungskorb" haben will. Denn wenn sich eine Währung mal via Währungsreform zerlegt, will man nicht zu 100% dabei sein. Und wenn eine Währung mal massiv abwertet, will man auch nicht nur auf der Verliererseite sein.

(b) Dieser Anleger will mit den Währungen also nicht aktiv handeln. Er will einfach sicher sein, dass immer ein bestimmter Teil seines Depots immer in bestimmten Währungen liegt.

(c) Weiter nehmen wir an, das wäre ein Anleger, der im Euro-Raum wohnt und lebt und daher - was unsere Mitglieder angeht - aus Österreich oder Deutschland kommt.

(d) Und letzlich ist es ein Anleger, der keine Millionen, sondern ein paar hunderttausend Euro sinnvoll an den Märkten anlegen will und Währungsdiversifizierung betreiben will. Also ein wenig komplexer Fall, wo man nicht über exotische Währungen und über Asien nachdenkt.

Unter diesen Annahmen, könnte man das beispielhaft wie folgt angehen. Das ist ein konkretes Beispiel, ohne Anspruch dass das zwingend so sein "muss". Es soll nur die Herangehensweise konkret statt abstrakt verdeutlichen.

  • Da dieser Anleger über Haus/Wohnung, Job und privates Umfeld sowieso im Euroraum ein "Klumpen- und Lebensrisiko" hat, darf bei der Aufteilung der Währungen der Finanzanlagen, der Euro eher keine Dominanz haben.
  • Man braucht in dem Beispiel auch keine 10 Währungen, 3 oder 4 reichen und sind überschaubar. Ich rate dann auch von Versuchen im Renminbi und Yen ab, das ist für den Typus Anleger zu fremd und wenig überschaubar, dazu würde ich erst bei Millionenvermögen raten.
  • Eine sinnvolle Aufteilung könnte sein: US Dollar 50%, Euro 30%, Britisches Pfund 10% und eine Rohstoffwährung der westlichen Welt wie Australischer Dollar oder Norwegische Krone als nochmal 10%.
  • Die Dominanz des US Dollars, ist eben der Kontrapunkt zum Klumpenrisiko Euro im sonstigen Leben. Den Schweizer Franken habe ich bewusst nicht dabei, weil er mir persönlich zu stark vom Euro dominiert wird. Als alternativer Rechtsraum, ist die Schweiz für mich interessant, als Währungsraum weniger, das war früher mal anders. Aber jeder kann das alles völlig anders sehen, die 4 Währungen sind ein Beispiel, nicht mehr.
  • Wenn Ihre Geldanlagen Cash, Anleihen oder sonstige Schuldverschreibungen sind, "diversifiziert" man in diese Währungen typischerweise über ein Konto in Landeswährung, also dann in USD, GBP beispielsweise. In diesem Konto, liegen dann zum Beispiel Anleihen in dieser Währung oder eben sonstige Zinspapiere.
  • Bei Aktien ist ein Konto in Fremdwährung aus Währungs-Diversifizierungs-Gründen *nicht* nötig. Es kann aus Handels-Gründen Sinn machen, weil man die unnötigen Kosten der Konversion in Heimatwährung sparen will und es kann aus Rechtsraum-Gründen Sinn machen, weil man damit mit dem Geld eben in einem anderen Rechtssystem ist. Aber aus Währungs-Gründen, ist es nicht nötig, Aktien können aus der Sicht auch alle bei der Hausbank liegen.
  • Grund dafür ist, dass die Währung in der Ihr Depot angezeigt wird, auf das Geschäft und den Kurs der Aktie ja keinen Einfluss hat. Oder in anderen Worten, wenn Sie ein Konto in mongolischen Kukrit haben, ist Apple immer noch Apple und hängt von Umsätzen und Kosten in US Dollar, Euro, Renminbi und vielen anderen Währungen ab. Aber eben nicht vom Kukrit, auch wenn Ihr Depot darin am Ende des Jahres abgerechnet wird.
  • Eine Apple, ist also keine reine "Dollar-Aktie" und auch keine reine "Euro-Aktie". Sie notiert zwar in Ihrem Depot vielleicht in Euro und muss die Bilanzen in USD nach amerikanischem US-GAP erstellen. Aber da die Aktie ihre Umsätze in allen Währungen der Welt macht, ist es aus Währungssicht eine total diversifizierte Weltaktie ohne grosse Währungsabhängigkeiten.
  • Eine fast reine USD Aktie, wäre aber zum Beispiel eine Rohstoffaktie wie Hecla Mining, die vor allem im USD-Raum produziert und in USD ihre Produkte (Silber, Gold) verkauft.

Wichtig ist also zu verstehen:

Welche "Währung" man sich mit einer Aktie ins Depot holt, definiert nicht die Währung des eigenen Depots, nicht das Land des Brokers und auch nicht die Währung, in der das Unternehmen seine Bilanzen erstellt. Das Risiko bzw die Chance wird primär durch die Währung definiert, in der die Firma die Mehrheit ihre Geschäfte macht. In *diese* Währung, diversifiziert man mit dem Kauf der konkreten Aktie.

Ein 50% USD-Aktien-Depot ist also eines, in dem pi-mal-Daumen die Hälfte der Umsätze und Gewinne der beteiligten Unternehmen im USD-Raum gemacht werden bzw davon abhängen! Und wenn dann der Euro abkippt, werden diese Umsätze und Gewinne in Euro dargestellt mehr wert sein und damit die Aktie und das ist ja genau der Sinn der Diversifizierung!

Welchen "Rechtsraum" man sich ins Depot holt, definiert aber die Bank bzw der Broker und die Frage, welche Regulierungsbehörde hier zuständig ist.

Und um zum Abschluss noch die Frage zu beantworten, wie man dann eine neutrale Gesamtwertberechnung macht? Das ist unter den eher einfachen Annahmen oben, auch eher einfach. Es gibt zwei Ansätze:

Im einen Ansatz, will man den "Wert" in seiner Heimatwährung (hier Euro) anzeigen. Im anderen Ansatz, will man so tun, als wäre man ein "Weltbürger". In letzterem Fall, rechnet man gar nicht um, sondern Performance ist dort Performance. 20% Plus im Dollar und 0% Plus im Euro, sind dann halt 10% im Saldo, eine Umrechnung existiert nicht, weil man gedanklich sein Geld "auf ewig" in den Währungen hält und ja nie tauschen will.

Wer viel Spass am Rechnen hat, kann ja in die einzige echte Weltwährung umrechnen, die -> Sonderziehungsrechte des IMF <-. Oder man kann sein Vermögen in die älteste unabhängige "Währung" der Welt umrechnen, die seit tausenden von Jahren Bestand hat: in Gold. 😀

Will man aber alles in die Heimatwährung umrechnen, um den Vermögenswert zum Beispiel in Euro zu kennen, ist es auch ganz einfach. Bei den Aktien im Depot, macht das die Euro-Bank automatisch. Egal ob es eine USD-Aktie wie Hecla ist, der "Wert" wird in Euro ausgewiesen. Und für Konten in anderer Währung, berechnet man die Performance in Landeswährung und rechnet den Saldo dann über den Jahresabschlusskurs der Bundesbank in Euro um. Einfach, praktisch, fertig.

Achja und Rebalancing gibt es bei obigen Annahmen auch nur einmal zum Jahreswechsel, damit man pi-mal-Daumen wieder auf dem alten Prozentniveau von hier im Beispiel 50-30-10-10 ist. Das reicht bei den Anforderungen des Beispiel-Anlegers völlig aus.

Also - unter den Annahmen des Beispiels - ist Währungsdiversifizierung eigentlich ganz einfach und kein grosser Aufwand. Und einige machen es heute schon mit US Aktien, ohne es zu ahnen, weil sie sich davon verwirren lassen, dass ihre Depotwerte in Euro gezeigt werden. Das ist aber nur eine optische Darstellung, die Aktien könnten auch in Kukrit dargestellt werden und es wären immer noch die selben Apples und Birnen. 😉

Erneut, wie oben schon erwähnt, ist die Diversifizierung der Währungen ja nur *ein* Aspekt. Auch die Diversifizierung des Rechtsraums, macht spätestens bei grösseren Vermögen (ab Millionen) Sinn, sprich es sollten nicht alle Anlagen bei Instituten nach zum Beispiel deutschem Recht liegen, sondern eben auch zum Beispiel Britisches Recht oder Schweizer Recht oder vielleicht sogar noch andere Länder zum Zuge kommen.

Aber darum geht es ja in dem Artikel hier nicht, es hat aber Schnittmengen dazu. Denn wenn man sein Konto in GBP gleich bei einer britischen Bank führt, dann hat man beides gleichzeitig, die Währung *und* den Rechtsraum diversifiziert, man ist dann eben nicht mehr nur vom Geschehen in einem Land abhängig. Oder etwas flapsig, wenn hier der Staat mal seine Währungsreform macht, fehlt nur noch der britische Pass, um auf die Insel zu flüchten und da ein unbetroffenes Depot nach britischen Recht vorzufinden, das in Pfund abgerechnet wird. Es gibt dann sicher schlechtere Entscheidungen, zum Beispiel alle Eier im Korb von "Mutti" zu haben. 😉

So weit ein Beispiel, um Ihnen ein Gefühl zu vermitteln, worum es geht. Einen "Mr. Man" gibt es hier aber nicht, wie eigentlich nie bei der Geldanlage. Es gibt immer wieder nur Ihre persönlichen Anlagebedürfnisse, die nicht die Ihres Nachbarn sind. Jemand der Währungen aktiv handelt, hat andere Bedürfnisse als jemand, der nur die Eier in verschiedene Körbe verteilen will. Und ein 10 Millionen € Depot, hat andere Bedürfnisse, als ein 100.000 € Depot.

Die Antwort ist also wie immer: "It depends". Und genau dafür übrigens, ist das -> Mentoring <- da.

Vielleicht hat es ja aber trotzdem ein wenig geholfen.

Ihr Hari

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Was uns „All Inclusive“ über den Wert des Euros sagt

Hier ein weiterer, persönlicher und sehr treffender Beitrag unseres -> Kolumnisten <- "StockPix" aus den "PixedEmotions".

Ein Beitrag zum Schmunzeln ebenso, wie zum Nachdenken!

Viel Spass beim Lesen:

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Der Wert des Euros lässt sich zur Zeit gut am Publikum einer Ferienanlage auf Mallorca ausmachen.

Seit meiner Zeit als Student habe ich mal wieder eine Pauschalreise gebucht. Der Grund sind meine beschäftigungsintensiven Kinder, die uns in den vergangenen Jahren dermaßen gefordert haben, dass nicht mal ansatzweise an Erholung zu denken war. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, haben wir auch das Kästchen "all inclusive" bei der Buchung angekreuzt. Die Hauptzielgruppe -ich dachte dabei an Familien mit Kindern- dieser Kategorie haben wir billigend in Kauf genommen. Wenn schon, dann richtig!

Ich will vorwegnehmen: Grundsätzlich fühle ich mich in der Umgebung der "einfacheren" Leute ganz wohl. Als Bauingenieur ist man da eh hart im nehmen. Problematisch wird es, wenn ich mich verängstigt zum Buffet schleichen muss, um nicht nur von der Tattoo-Dichte einzelner Gäste erschlagen zu werden. Der ein oder andere Brite erschien mir dahingehend recht resolut 😉

Worauf ich hinaus will: Es war zu beobachten, dass die deutschen Teilnehmer vornehmlich der gebildeten Mittelschicht (Akademiker, Beamte, Freiberufler etc.) zuzuordnen sind. So gar nicht passend zu den, vornehm ausgedrückt, recht einfach gestrickten britischen Gästen, deren schweres Pfund (ich meine die Währung) die Veranstaltung zu einer Abart der norddeutschen Butterfahrt reduziert.

Es passt letztendlich nicht zusammen, was da aufeinander prallt. Der Billigurlaub der einen, ist die hart ersparte Ferienreise der anderen. Dabei kann sich das britische Proletariat in diesem unfairen Wettkampf als Sieger betrachten. Der deutsche Bildungsbürger schaut bedröppelt aus der Wäsche.

Vermutlich fühlte sich zu früheren Zeiten manch Spanier mit seiner Peseta in der Tasche genau so, wenn der deutsche Pauschaltourist mit der Deutschen Mark die ganze Bar aufkaufte.
Da blieb nur die Flucht in eine harte Währung, deren Suche ja nun mittlerweile, da sich die Notenbanken im Weichspülgang befinden, nahezu aussichtslos erscheint. Die starke Volatilität am Devisenmarkt wird wohl auch die aktuellen Währungsverhältnisse nicht auf ewig bestehen lassen. Gönnen wir den Briten also ihren derzeitigen Billigurlaub.

Aber ich will mich insgesamt gar nicht beschweren, denn die Kinder sind gesund geblieben, kamen voll auf ihre Kosten und gaben uns die Ruhe zur Erholung, die wir ganz dringend benötigten. Die Börsen liefen in die von mir favorisierte Richtung -den Hedge hatte ich rechtzeitig geschlossen- und der Sachverhalt des schwachen Euros rückte in den Hintergrund, denn bezahlen brauchten wir ja eh nichts mehr. All inclusive sei dank! 😉

Dennoch: Verstärkt hat sich bei mir der Gedanke, dass die Diversifizierung des Vermögens auf verschiedene Währungsräume unverzichtbar geworden ist. Sei es in Form von Aktien, Fonds oder Geldreserven. Edelmetalle stellen in realer Form auch einen ganz eigenen Währungsraum dar, den man nicht vernachlässigen sollte. Von Immobilien halte ich berufsbedingt eher weniger.

Inwiefern real grenzüberschreitende Maßnahmen sinnvoll sind, muss jeder für sich entscheiden, denn wichtig ist auch, dass man schnellen Zugriff hat. Die Steuerehrlichkeit nicht zu vergessen!

Ich mach noch eine Woche frei und begebe mich dann für ein paar Tage beruflich in die Schweiz. Die harten Währungen scheinen mich in diesem Monat zu verfolgen. Ein Zeichen?

Let’s Pix it!

Ihr StockPix

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Leverage kills – Von Selbstüberschätzung und Tail Risks

Der folgende Artikel erschien schon Freitag 10.07.15 14:10 in Hari Live

Nach Europäern, die im Januar kreditfinanziert gegen den scheinbar "sicher" durch die SNB begrenzten Franken gewettet und sich dabei blutige Nasen geholt haben, trifft es nun Chinesen, für die "sicher" war, was die Regierung promoted hat:
-> Wie der Sozialismus Chinas Börsen retten soll <-

Wenn etwas scheinbar "sicher" ist, ist es am Markt in der Regel ganz besonders gefährlich. Eine Regel ist dabei universell: Leverage (hier Kredithebel) kills.

Denn wer nur eingesetzt hatte, was er tatsächlich besessen hat oder zumindest bereit zu verlieren war, ist nun zwar auch unter Wasser, kann aber vergleichsweise ruhig und gelassen abwarten, ob die Kurse nicht wieder zurück kommen.

Wem nun aber der "Margin Call" droht, weil der Kredithai zur Zurückzahlung drängt, ist nackt und dann nicht mehr dabei, wenn es später wieder hoch geht.

Ich weiss, ich weiss, immer wenn ich so etwas schreibe, erklären mir manche - je männlicher und jünger desto wahrscheinlicher 😉 - dass man das ja nicht so hart sehen muss und sie persönlich aber, das im Griff hätten.

Darauf kann ich dann nur die Schultern zucken und mit meiner ganzen Erfahrung und Autorität sagen: FALSCH!

Das ist wie beim Truthahn vor Thanksgiving, für den ist auch alles in Ordnung und er hat alles im Griff, bis ihm der Hals umgedreht wird. Plötzlich und unerwartet sozusagen. 😉

Männer, jung noch dazu, neigen einfach zur Selbstüberschätzung. Diese Selbstüberschätzung hat auch einen evolutionären Sinn, denn ohne den Mut sich etwas zuzutrauen und sich sozusagen auf einen Säbelzahntiger zu stürzen, wäre die Menschheit schon verhungert. Deshalb setzt man in jungen Jahren, wenn man vor Energie fast platzt, auch gerne das Auto gegen den Baum. 😉 Mir ist das zwar nicht passiert, dafür habe ich aber in Selbstüberschätzung andere Dinge gemacht, die nicht weniger idiotisch waren. Ich weiss also schon, worüber ich da rede.

Und es fehlt vielen ganz eindeutig die Phantasie, was alles schief gehen kann und nach Murphy auch irgendwann schief gehen wird. Die berühmten "schwarzen Schwäne" und ihre Auswirkungen eben, die spezielle Ausprägungen des allgemeineren Begriffs vom -> Tail Risk <- sind.

Wo steht zum Beispiel geschrieben, dass nicht in 10 Minuten eine massive, von einem Staat gesteuerte, Cyberattacke gegen die NYSE beginnt, deren Ziel nicht der "Denial of Service" (DoS) ist, sondern deren Ziel Chaos ist, weil Kurse willkürlich beeinflusst werden?

In dem folgenden Chaos würde Schlimmeres passieren, als beim Franken Anstieg im Januar. Da würden Margin Calls durch das System laufen, die es zum völligen Zusammenbruch bringen. Und alle, die das ja dann "im Griff" zu haben glaubten, würden sehr schmerzhaft aus ihrer selbstgefälligen Kontrollillusion aufwachen.

Auch hier wären natürlich auch die Anleger ebenso betroffen, die nicht gehebelt auf Kredit (mit Leverage) gewettet haben. Aber auch hier ist wieder der entscheidende Unterschied, ob man nach den Events weiter leben kann, oder aus finanzieller Sicht das Schicksal des Truthahns teilt.

Denn auch dieses Chaos wird durch Eingreifen der staatlichen Organe im Nachgang irgendwie bereinigt werden. Kurse werden zurück gerechnet werden und am Ende wird sich eine halbwegs akzeptable Lösung finden.

Wer nur mit Geld dabei war, das er wirklich hatte und/oder entbehren kann, kann diese Bereinigung abwarten, ohne dass die Existenz in Frage steht. Diese Anleger haben keinen Druck und keine unmittelbare Not. Sicher wird da auch jede Menge Sorge um das Kapital sein, aber es gibt eben keinen sofortigen Exitus.

Wer aber über seine eigene Finanzkraft hinaus mit Kredit spekuliert hat, der ist schlicht "platt". Und wenn Monate später Ausgleichszahlungen kommen und Kurse zurück gerechnet werden, ist das für diese armen Seelen zwar nett, löst aber das Problem des geplatzten Kredites nicht mehr.

Der entscheidende Unterschied, ist also wie beim Truthahn, dass man unbedingt das kurzfristige Fallbeil verhindern muss! Denn dann hat man auch die Chance, später bei wieder steigenden Kursen oder im Zuge einer Regelung wieder zu profitieren.

Wer aber mitten im Absturz vom Fallbeil getroffen wird, ist danach schlicht: tot!

Also: Leverage kills. Davon bin ich fest überzeugt. Und es gibt auch keinen Grund auf Kredit zu spekulieren. Ich mache es jedes Jahr vor, dass man auch ohne Leverage gute Performance erzielen kann. Und wer ein zu kleines Depot hat und glaubt, das mit Hebel aufpeppen zu müssen, um das grosse Rad zu drehen, ist mit Verlaub naiv. Denn ein Hebel wirkt in beide Richtungen und zu glauben, man würde sicher die richtige Richtung treffen, ist das Zeichen grosser Selbstüberschätzung.

Mir ist klar, dass es wohl Einige gibt, denen diese Worte nicht gefallen werden. Aber es gibt wenig, wovon ich so überzeugt bin.

Und wenigstens wird man nie sagen können, ich hätte nicht eindringlich davor gewarnt.

Weitere Worte dazu finden sich hier:
-> Leverage can kill <-

Natürlich hat der Artikel recht, wenn er sagt: "Leverage itself doesn’t kill people, people kill people. And people who don’t understand leverage or abuse it will inevitably get killed by it."

Am Ende sind es natürlich immer die Menschen, die die Verantwortung tragen. Ein Gewehr tötet auch nicht, sondern der Mensch, der damit schiesst tötet.

Und wenn man die Sache wirklich "im Griff" hat, kann man auch Leverage selektiv und sinnvoll einsetzen, weil man sich immer über das reale Gesamtrisiko im Klaren ist, mit dem man im Markt unterwegs ist.

Für sehr erfahrene Trader und Anleger, kann Leverage also Sinn machen. Aber sehr erfahrene Spezialisten können auch im sonstigen Leben mit Gefahrengütern hantieren, die bei Normalbürgern zu schweren Gesundheitsschäden führen würden. Diese Profis versuche ich hier nicht zu adressieren, die wissen schon was sie tun.

Um aber den Punkt für alle normalen Anleger und Nicht-Profis unzweideutig klar zu machen und gerade die zu erreichen, die sich in der Sonne der eigenen Selbstgefälligkeit räkeln, formuliere ich es hier aber bewusst etwas überspitzt und plakativ:

Leverage kills!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Hari Live – Archiv 01.02.15 – 07.02.15

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Hari Live - Archiv 01.02.15 - 07.02.15

Freitag 06.02.15 17:30 - Wochenabschluss

So liebe Mitglieder, für mich ist hier diese Woche weitgehend "Finito" - kurze Links und Hinweise wie immer ausgenommen.

Der S&P500 hat den Abwärtstrend geknackt, allerdings befürchte ich, dass auch der erst einmal nicht viel weiter kommt und uns mit so einem halbgaren Ausbruch rätselnd ins Wochenende schicken wird.

Der DAX dagegen kommt nicht vom Fleck und seit drei Tagen hat sich das Bild der Überperformance der europäischen Märkte wieder gewandelt und die US Indizes beginnen besser auszusehen.

Ob das nun an Grexit, Ukraine, der FED Erwartung oder was auch immer liegt, weiss ich nicht und ist auch letztlich egal. Wichtig ist, das zu bemerken und bei den Handlungen zu beachten.

Gold hat sich für den massiven Einbruch unter 1250 USD entschieden, der uns von seiner Dynamik her durchaus auch noch einmal unter 1200 USD führen kann. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich dann eine um so interessantere Kaufgelegenheit auftut.

Meine Blicke sind heute Abend nach Moskau gerichtet. Ich habe nach meiner Analyse der Motivationen und Spielräume eigentlich wenig Hoffnung, aber manchmal passieren ja Wunder und es ist doch eine durchgreifende Änderung möglich. Ich hoffe sehr, denn sonst wird das Thema noch ziemlich übel werden. Und auch wenn es vom dumpf polternden Senator McCain bis zu Typen wie Dugin jede Menge Leute da draussen gibt, die für alles vermeintlich einfache und meist mit Gewalt verbundene Lösungen haben, ist die Wirklichkeit eben nicht so einfach und einseitig.

Das gilt auch für Menschen, die sich ein differenziertes Denkvermögen durch ausschliesslichen Dauerkonsum von Fox News oder Russia Today verkleistern lassen. Ich schaue ab und zu mal in beide rein und bin immer wieder fasziniert, wie identisch die beide mit ihrer nur oberflächlich kaschierten Propaganda operieren. Die klassische Methodik, mit der hinter einer Fassade scheinbarer Objektivität die Vorurteile der Zuschauer bedient werden, ist für mich wie klebriger Honig an den Fingern. Hast Du einen Sender gesehen, hast Du den anderen auch gesehen, Du must nur die Vorzeichen ändern und plötzlich ist da ein DejaVu.

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Hari Live – Archiv 11.01.15 – 17.01.15

Premium gross

Hari Live - Archiv 11.01.15 - 17.01.15

Freitag 16.01.15 22:05 - EZB Gerüchte

Es gibt noch eine interessante Entwicklung zum Anleihen-Kaufprogramm der EZB. Dass es kommt, ist fast sicher.

Nach Informationen der Financial Times, soll es aber auf deutschen Druck Diskussionen um einen Kompromiss geben. Das Anleihenkaufprogramm soll so gebaut sein, dass es die nationalen Notenbanken sozusagen auf eigene Rechnung machen und das Risiko der Anleihenkäufe nicht mehr vergemeinschaftet wird.

Wenn das so kommt, wäre es ein Knaller. Die deutsche Wirtschafts-Presse hat davon bis heute Abend noch nichts mitbekommen, die Redakteure sind ja im Wochenende und die wachhabenden Praktikanten können die FT nicht lesen. 😛

Wie das funktionieren soll ist mir rätselhaft, denn die gemeinsame Haftung ist ja gerade das, was eine gemeinsame Währung und Notenbank auszeichnet. Und wie Vereinbarungen auf Papier dann gegen die realen Scherkräfte helfen sollen, wenn eine einzelne Notenbank dann mit ihren Verpflichtungen untergehen sollte, ist mir ebenso schleierhaft, wie die Frage, wie man das überhaupt abgrenzen will.

Ich kann mir solche Gedankengänge aber trotzdem vorstellen, denn es wäre typisch politische Logik. ProForma bleibt die EZB so als Fassade erhalten, defacto übernehmen bei dem Thema aber die einzelnen Notenbanken das Ruder, was einer situationsbezogenen Auflösung gemeinsamer Haftung gleichkommt.

Typisch Politik, typisch kompliziert, typisch Europa. 😉 Irgendwie passen solche Gedanken zur Konsensmaschine EU.

Wir werden nächste Woche sehen, ob wirklich was dran ist. Schlafen Sie gut!

Freitag 16.01.15 16:55 - Wochenabschluss

So liebe Mitglieder, ich mache nun meinen Wochenabschluss hier in Hari Live, auch wenn an der Wallstreet noch Bewegung ist und noch einiges passieren kann.

Es war eine sehr spannende, aber auch sehr harte Woche. Zeitweise war ich hier richtig auf dem Sessel "festgetackert", so viel war los und zu schreiben.

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Pfingsten 2013 – Die Ruhe Europas vor dem heissen Herbst

Pfingsten steht vor der Tür und leitet an den Börsen langsam die ruhigere Sommerphase ein. Die Strassen sind heute hier schon halbleer, halb Bayern flieht in vorgezogene Sommerferien. Eine Gelegenheit die ich nutzen möchte, um mit Ihnen ein paar emotionale Gedanken meinerseits zur Lage in Europa zu teilen.

100 Jahre ist nun der Sommer 1913 her. Ein Sommer, den meine Grosseltern noch als Kinder erlebt haben. Ein Sommer der oberflächlichen Ruhe und Gelassenheit, die Welt schien damals an der Oberfläche noch in Ordnung und fest gefügt. Man hätte damals meinen können, Europa sei in Bernstein gegossen, alles war wie es sein sollte - so schien es zumindest. Dabei waren unter der Decke schon all die Spannungen spürbar, die sich ein Jahr später so furchtbar entladen würden.

Ein Jahr später zerplatzte Europas alte Welt wie ein Spiegel, in den man einen Backstein geworfen hatte. Was sich anschloss, waren zwei Weltkriege, unsägliches Leid und brutaler Umbruch, an dessen Ende im wahrsten Sinne des Wortes kein Stein mehr auf dem anderen stand. Die Folgen dessen, was nach diesem letzten Sommer des alten Europas passierte, beschäftigen uns noch heute. Und niemand, absolut niemand, konnte sich 1913 vorstellen, wo die Welt schon Jahre später stehen würde.

Heute, 100 Jahre später, beschleicht mich ein ähnliches Gefühl einer unwirklichen Ruhe, so wie wenn sich der Himmel schon gelb in Erwartung des kommenden Gewitters färbt, während die Luft noch warm und ruhig wirkt.

Dieses Gefühl einer untergehenden Welt, wird auch schön von Tolkien im "Herrn der Ringe" durch die Worte "Galadriels" vermittelt. Was kein Wunder ist, denn Tolkien (1892 geboren) war ein Kind dieser Zeit, in der das alte Europa unterging : "
Die Welt ist im Wandel
Ich spüre es im Wasser.
Ich spüre es in der Erde
Ich rieche es in der Luft.
Vieles, was einst war, ist verloren, da niemand mehr lebt, der sich erinnert.

Jetzt werden Sie denken: ja spinnt denn der Hari ? Ist er jetzt zum neuen Nostradamus geworden ?

Definitiv nein. Erstens steht uns in Europa kein neuer Krieg bevor, zumindest kann ich mir das nicht vorstellen. Und zweitens bin ich sehr optimistisch, was die Entwicklung der Welt als Ganzes angeht. Die Welt ist auf einem guten Weg und es gibt keinen Grund für Weltuntergangsromantik. Machen wir doch die Menschen und ihr Wohlergehen - ihr Leben in Freiheit und Wohlstand - zum Massstab und vergleichen 1913 mit 2013. Dann sehen wir schnell, wie positiv sich diese Welt verändert hat. Und ich bin voller Optimismus, dass die Welt das weiter tun wird. Dafür sorgt schon der technologische und kulturelle Fortschritt, der gerade in Deutschland immer gerne mit Skepsis betrachtet wird, ohne den wir aber noch Leibeigene eines Landvogtes wären.

Dieses voraus geschickt, beschleicht mich beim Blick auf Europa und Deutschland aber doch das Gefühl einer untergehenden Welt, die noch an der Oberfläche verzweifelt an ihrer Normalität festhält. Man könnte dazu viel schreiben, woher dieses Gefühl kommt, ich will nur zwei aktuelle Ereignisse beispielhaft heraus greifen.

Da haben wir auf der einen Seite den französischen Staatspräsidenten, der sich - wenn man den Medien -> hier <- glauben darf - nicht zu schade ist zu behaupten: "Die Finanzkrise ist hinter uns, die Ursachen sind behoben." Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich jetzt laut lachen.

Wir haben aber natürlich auch unsere Bundeskanzlerin, mit Ihrer ebenso verfehlten Logik der "Alternativlosigkeit". Und das bei einem Kernthema der Gestaltung unserer Zukunft, wirklich DER Frage unserer Generation. Und wir haben unzählige Parteisoldaten, die einfach nachplappern und damit gedankenlos das genaue Gegenteil von dem verkünden, was 50 Jahre lang seit Adenauer unter der Überschrift "eine starke Währung ist gut für Deutschland" das Mantra jeglicher bundesdeutscher Regierungspolitik war.

Wir haben also auf der einen Seite eine Politik, die sich den realen Problemen in eine Phantasiewelt entzieht und glaubt, wenn man nur immer wieder und ausreichend das eigene Mantra beschwört, würde ja alles gut. Gerade wir Deutschen haben ja eine traurige Tradition darin, über den rational vertretbaren Punkt hinaus an einer Überzeugung fest zu halten. Ich will dafür gar nicht die Reichskanzlei bemühen, sondern Honeckers "Vorwärts immer, Rückwärts nimmer" ist doch das viel schönere und passendere Zitat dieser Scheuklappenpolitik.

Und auf der andern Seite haben wir eine unglaubliche, unter der Decke brodelnde Wut im deutschen Bürgertum. Eine Wut, die medial nicht richtig an die Oberfläche tritt, weil ihr bisher das Vehikel fehlte, um sich zu artikulieren. Und weil die Presse in "diesem unserem Lande" eben doch eine teilweise Symbiose mit der Politik eingegangen ist - alleine der dominante öffentlich-rechtliche Rundfunk sorgt schon dafür. Das ist ja kein Wunder, wenn 65 Jahre lang letztlich die gleichen Parteien die Macht im Staate inne haben.

Diese Wut zeigte sich bisher eher in Resignation und in Form von immer weiter steigenden Nichtwählerzahlen. Mit der "Alternative für Deutschland" hat diese Wut nun aber einen Katalysator bekommen. Und einen treffenden Blick auf das Brodeln unter der scheinbar ruhigen Oberfläche erlaubt beispielsweise das, was aktuell im Handelsblatt passiert ist.

Da hat das Handelsblatt ein Interview mit Bernd Lucke, dem AfD-Chef gebracht und das unter eine - nunja, etwas populistisch überspitze - Überschrift gesetzt, die die AfD in Richtung NPD rückte. Nicht unüblich im "Kostenlos-Web", in dem man um Aufmerksamkeit ringen muss, aber deswegen keine hinreiche Entschuldigung. Insofern eigentlich geschenkt und nichts Überraschendes, der Artikel als solcher war aber überwiegend in Ordnung, da habe ich schon Schlechteres gelesen.

Darauf hin brach ein "Shitstorm" von Lesern des Handelsblatts los, den man teilweise hier nachlesen kann: -> Unverschämte und dreiste Beleidigung <-. Und die Leser des Handelsblatts entstammen im Schnitt ja schon dem, was man gemeinhin "gebildetes Bürgertum" nennt.

Und es gab eine (für mich persönlich) kleinkarierte Reaktion des Handelsblatt Chefredakteurs, die man hier nachlesen kann: -> Liebe AfD Freunde <-

Wäre ich der Verleger, würde ich den Mann sofort ablösen, denn auch wenn man inhaltlich schon seiner Meinung sein kann, ist es für eine Führungskraft ein absolutes "NoGo", den eigenen, nicht völlig grundlos empörten Kunden, mit einem beleidigten "you made my day" sozusagen den virtuellen Mittelfinger entgegen zu strecken.

Warum erzähle ich Ihnen diese Anekdote ? Weil sie bezeichnend für die wirkliche Stimmung in Deutschlands Bürgertum unter der Decke der "Alternativlosigkeit" ist. Und weil sie zeigt, wie offen die Nerven schon jetzt liegen. Schauen Sie einfach, was auch in anderen seriösen Publikationen wie der FAZ von gebildeten Bürgern geschrieben wird. Die unterdrückte Wut ist gewaltig. Und diese Wut sucht ein Ventil. Und nicht die Wut ist verwerflich, sondern die, die sie in einer für unser aller Zukunft entscheidenden Frage hervor rufen, weil sie sich einer ernsthaften Beschäftigung mit der Realität verweigern.

Zur Sache wissen Sie, dass ich kein Mitglied der AfD bin und auch keines werde. Wie ich auch kein Mitglied einer anderen Partei werde. Und das ich keineswegs alles gut und richtig finde, was die AfD vertritt. Das ich es aber massiv begrüsse, dass diese vermeintliche Alternativlosigkeit nun aufgebrochen wird und wir endlich über diese entscheidende Zukunftsfrage diskutieren. Dem Eindruck es mit "Blockparteien" zu tun zu haben, konnte man manchmal wirklich haben, wenn man von allen Parteien des Bundestages diese identischen Glaubenssätze zum Thema Euro hörte - einem Thema das hochkomplex und eben keineswegs "alternativlos" ist.

Und Sie wissen, dass es für mich persönlich offensichtlich ist, dass dieser Euro - so wie er ist - eine völlige Fehlkonstruktion ist und uns ökonomisch zwangsläufig um die Ohren fliegt. Die einzige Frage ist, wann das passiert und ob wir damit geordnet umgehen, oder ob die Realität eine ungeordnete, chaotische Auflösung erzwingt. Und mit jedem Monat der "Alternativlosigkeit", wird das Risiko der ungeordneten Krise erhöht. Insofern ja, dieser Euro ist für mich der Spaltpilz an Europa. Und insofern liege ich in dieser Frage nahe an dem, was die namhaften Ökonomen, die die AfD mitgegründet haben, auch vertreten.

Möchte ich deshalb die D-Mark zurück. Nein, nicht notwendigerweise. Und Deutschtümelei und einen Rückfall in rein nationalstaatliches Denken möchte ich schon gar nicht. Gerade auch deshalb muss dieser Euro weg, weil er nationalstaatliche Egoismen und die alten Schubladen des alten Europas der Weltkriege befördert. Nein, ich möchte gerne eine starke, stabile Währung - egal wie sie heisst - und würde es sehr begrüssen, wenn es ein "Taler" eines Kern- oder Nord-Europas wäre, das kulturell besser zueinander passt und sich wirklich als echter integrierter Wirtschaftsraum vereint. Was dann zwangsläufig auch die Aufgabe nationaler Souveränität bedeutet.

Wenn ich diesen "Taler" aber nicht bekommen kann - und es spricht viel dafür, dass im aktuellen Europa so eine Entwicklung ohne einen Bruch unmöglich ist (was wieder an Frankreich liegt) - dann leben wir in Deutschland nach meiner Überzeugung mit einer neuen D-Mark weit besser. Die Schweiz macht es uns doch als Antithese vor unseren Toren vor, was von der Rhetorik des "Untergangs der deutschen Wirtschaft" in diesem Fall zu halten ist. Der Schweizer Franken ist völlig überbewertet und lastet schwer auf der schweizer Wirtschaft. Und die vergleichsweise kleine Schweiz hat viel geringere Möglichkeiten als ein Deutschland, das durch Binnenkonjunktur zu kompensieren. Und trotzdem, vergleichen Sie mal Arbeitslosenraten oder eben den Wohlstand und die Vermögen der Bevölkerung. Haben Sie das Gefühl, man lebt schlecht in der Schweiz ? Muss man noch mehr dazu sagen ?

Womit wir wieder zu diesem Gefühl kommen, das ich aktuell in mir drin habe. Dem Gefühl eine Welt zu beobachten, die sich in einer trügerischen Ruhe sonnt, bevor sich die Zukunft wild und dynamisch Bahn bricht. Das Gefühl nun ein paar Wochen des Sommers vor mir zu haben, bevor uns Krise und Chaos wieder einholen.

Denken Sie an diese Wut, die da latent im Bürgertum brodelt. Die manchmal noch als Resignation daher kommt, eine Resignation die sich aber schnell in Aggressivität wandelt, wenn sich dafür ein Katalysator bietet.

Denken Sie an die kommende Bundestagswahl. Denken Sie daran, wie die Börsen der Welt auf die Umfragen starren werden. Denn in Deutschland entscheidet sich die Zukunft des Euros. Denken Sie daran, was die Handelsprogramme der Grossfinanz machen werden, wenn die AfD in den Umfragen steigt und steigt. Denken Sie daran, wie sich dadurch das Haupt der Eurokrise wieder erhebt und wie es ausgeschlachtet werden wird, um Sündenböcke zu suchen. Denken Sie daran, wie hier im Lande die Stimmung giftig werden wird, wenn die Pfründe der vorhandenen Parteien in Gefahr geraten.

Vor uns liegt ein heisser Herbst. So viel ist sicher. Und wenn in diesem Prozess etwas schief geht, dann kann es auch einen Knacks geben, der weit über Deutschland hinaus geht. Und die weltweiten Börsen werden darauf in einer Art und Weise reagieren, gegen die die Sorgen um Griechenland ein laues Lüftchen waren. Und die Notenbanken werden versuchen, die Dosis der Medizin zu erhöhen und noch aggressiver Geld aus dem Helikopter werfen.

Der Einsatz steigt auf jeden Fall. Für uns in Europa geht es in den kommenden Monaten und Jahren ums Ganze. Und wenn überhaupt etwas alternativlos ist, dann die Zwangsläufigkeit, mit der uns die ökonomische Realität in Europa in diese Entscheidung hinein treibt. Denn die Realität lässt sich eine Zeit lang mit Plakaten nach dem Motto "Vorwärts zum x-ten Parteitag" überkleistern, irgendwann bricht sie sich aber Bahn.

Womit ich mit dem absurdesten Satz enden möchte, den ich seit langem gelesen habe:

Die Finanzkrise ist hinter uns, die Ursachen sind behoben.

Amen !

Geniessen wir deshalb diesen Sommer 2013. Wir werden die Ruhe brauchen. Der Herbst kommt mit Stürmen. Denn die Welt ist im Wandel ...

Ihr Hari

PS: Und ich beginne mit dem "Geniessen" am Pfingstmontag. Das ist ein normaler Handelstag, aber ich werde ihn überwiegend als Feiertag geniessen. Rechnen Sie also mit einer Meldung in "Hari Live", aber nicht mit einem Artikel. Am Dienstag bin ich wieder voll da. Wir sprechen uns auf jeden Fall vorher am Sonntag im Premium Bereich bei den "Sonntag Links".

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