Begrenzte Oszillatoren



Das folgende Video knüpft in 19 Minuten an den folgenden Artikel von 2016 an und visualisiert anhand aktueller Beispiele das damals Gesagte:

-> Die begrenzte Aussagekraft von preisbasierten Oszillatoren <-

Beispiele in einem Video können helfen, solche "trockenen" Themen erlebbar zu machen. Das Video zeigt hoffentlich, dass übertriebene Indikatoren-Gläubigkeit nicht der Weg zum Erfolg ist:

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

122. Grundlagenartikel – Die RRG Charts



Hallo zusammen,

nach vielfachem Wunsch versuche ich mit meinen eigenen Worten die RRG Charts den Mr-Market-Lesern näherzubringen. Auch wenn ich sagen muss, dass die Beschreibung auf Stockcharts wirklich gut ist.

Hier die Links auf die Chartschool: RRG-Charts und RRG Indikatoren

Zur Warnung: Dies wird ein kleiner Diskurs in die Schulmathematik: Kurvendiskussion 🙂

Ich hoffe, dass mit diesem Artikel das Prinzip der Relativen Stärke dem ein oder anderen bewusster wird und er in Zukunft diese in seine Investment-Entscheidung mit einschließt.

Was bedeutet Relative Stärke? Ganz plummp gesagt: eine bessere Performance als ein Vergleichswert (Aktie, Index, o.ä.). Diese Relative Stärke kann man in vielfacher Art und Weise darstellen:

a.) als übereinander gelegte Linien-Charts - der Sektor-Performance zum Beispiel: hier

Man erkennt hier im 200 Tage Vergleich, dass die Technologies ihre Performance in der Konsolidierung eingebüßt haben und aktuell Utilities und Real Estate die Sektoren der Wahl sind. Am schlechtesten waren Materials, Energy und Industrials.

b.) oder als RRG-Chart wie hier

Man erkennt hier im RRG-Wochen-Chart, dass verschiedene Sektoren im roten (lagging) und andere in blauen, grünen oder gelben Sektoren sich befinden. Die Erklärung, warum das so ist, kommt weiter unten. Generell vielleicht schon mal hier: blau und grün sind die Sektoren der Wahl. Unter Umständen auch geld. Rot ist definitiv zu meiden.

Ein weiteres Wort zu RRG-Charts: leider kann man als nicht zahlendes Mitglied nicht den vollen Umfang der Funktionalität in Stockcharts nutzen.

c.) in Form von den 2 verschiedenen Indikatoren, die ich unterem Bild dargestellt habe

Man kann neben den RRG Charts sich auch die Herangehensweise der Berechnung als Indikatoren darstellen.

Wie bekomme ich die Indikatoren in stockcharts hin?

Unterhalb des Charts gibt es die Möglichkeit, Einstellungen anzupassen. Hier kann man zum einen einen Wert im Verhältnis zu einem anderen Wert setzen (Parameter "Price"). Dies geschieht in der Zelle "Parameters". Mit der Syntax "Wertpapier:Wertpapier" erhalte ich eine Darstellung wie sich der Kurs im Verhältnis zum Vergleichspapier geschlagen hat in Form einer Linie. Hier bietet sich an horizontale Unterstützungen und Widerstände oder auch Trendlinien zu zeichnen.

Mit Hilfe des RRG-Indikators (auszuwählen unter Indicators "RRG Relative Strength") kann man unter den Parametern den Markt wählen, mit dem man das Wertpapier vergleichen will. Hier in diesem Beispiel ist der S&P 500 gewählt worden.

d) Relations-Chart (Kerze bzw. Point and Figure)

Man bekommt neben dem Indikator auch ein stinknormales Chart in Relation zu einem Vergleichswert in Stockcharts angezeigt: einfach anstatt der Aktie mit der Syntax ":" die beiden Papiere miteinander verbinden.

Das ist seit 09/2011 ein klarer Trend gegen die Emerging Markets, oder?

Und jetzt? Welche ist die beste Darstellungsvariante a) b) oder d) ? Das kann ich nicht sagen. Jede Art der Darstellung hat ihren Sinn und wird von dem einen mehr und die andere von dem anderen mehr verwendet. Ich persönlich verwende a) fast nicht.

Das RRG Chart

Gehen wir auf das Chart b) näher ein. Schauen wir es uns noch einmal genauer an:

Es gibt eine horizontale Achse und eine vertikale Achse. Horizontal ist die relative Stärke "RS Ratio" zum Vergleichs-Wertpapier dargestellt. Vertikal ist das Momentum der relativen Stärke "RS Momentum" dargestellt. Dies ist die Ableitung (Steigung) der relativen Stärke. Fällt diese schneller, ist der Wert des Momentum niedriger. Fällt sie weniger schnell, steigt das Momentum.

Exkurs:
Der ein oder andere wird sich fragen, wie die relative Stärke im RRG - Chart (rote Linie) berechnet wird. Ich muss gestehen, ich kann das auch nur vermuten:
Schauen wir uns zum Beispiel das Chart des DAX im Jahr 2015/2016 an (roter Kasten), sehen wir im RRG-Indikator eine positive Divergenz zum Indikator DAX:VBINX. Ich erkläre mir den Unterschied zwischen den beiden so, dass man im RRG Chart einen Vergleichszeitraum definieren kann (standardmäßig 1 Jahr), was im DAX:VBINX nicht geht. Wenn die aktuelle Entwicklung weniger stark ist im Vergleich zum Vorjahr, hat man eine positive Divergenz.

Wieder zum RRG Chart zurück:
Nun sieht man in der Mitte ein Fadenkreuz, in dem sich beide Achsen treffen. Man kann nun die Sektoren wie folgt beschreiben:

Sektor Leading: Relative Stärke (RS) positiv, Momentum (Mom) positiv
Sektor Weakening: Relative Stärke (RS) positiv, Momentum (Mom) negativ
Sektor Lagging: Relative Stärke (RS) negativ, Momentum (Mom) negativ
Sektor Improving: Relative Stärke (RS) negativ, Momentum (Mom) positiv

Wie kann man nun diese Information für die Marktlage verwenden? Befindet sich ein Sektor/ eine Aktie auf dem Weg im blauen Quadranten von links unten nach rechts oben gewinnt sie weiterhin an relativer Stärke. Diese ist *noch* nicht positiv, jedoch kann man je nach Verlauf annehmen, dass die Entwicklung zu einer positiven rel. Stärke führt.

Ich habe oben geschrieben "je nach Verlauf". Es gibt Aktien oder Indikatoren, die im Improving Quadranten enorm an Momentum aufbauen und steil von links unten nach links oben schießen, jedoch keine relative Stärke zeigen, Bei diesen Entwicklungen ist die Gefahr eines Rückfalls in den roten Quadranten hoch. Dagegen ist eine gesunde, stabile Durchschreitung des blauen Sektors mit einer moderaten Steigung links unten nach rechts oben eher für einen "Run" zu neuen Höhen wahrscheinlicher.

Auf der anderen Seite ist es bei Aktien und Assets, die an Momentum im grünen Quadranten verlieren wahrscheinlich, dass deren Lauf/Überperformance vorerst vorbei ist.

Hier gibt es zwei Möglichkeiten eines weiteren Verlaufs:

Der starke Index: wie es Technology dieses Jahr gemacht haben, taucht der Index in den gelben Sektor ein, holt "Luft"/ vollführt im gelben Sektor eine Schleife und startet wieder zurück in den grünen Sektor.

Der schwache Index: Weiterführung einer Kreisbewegung - nach grün kommt gelb und dann rot. Diese Entwicklung ist den "Eintagesfliegen" vorenthalten - ein kurzes aufblitzen und dann wieder in der Versenkung abtauchen.

Ein weiterer Faktor der Beobachtung ist, die Entfernung/ Größe einer Kurve relativ zu den anderen Kurven:

Wir erkennen im unteren Bild lange und kurze Kurven. Jeder weiße Kreis, der in den Linien dargestellt ist, steht für eine Woche. Sind die Punkte also weit voneinander entfernt, verändert sich das RS-Ratio oder das RS-Momentum deutlich mehr als bei anderen.

In unterem Beispiel haben wir lange Linien bei den Staples und Utilities, weil sie in den letzten Wochen eine deutliche Überperformance gegen über dem SPY gemacht haben.

Auf der anderen Seite haben wir den Financial Sektor, der eine sehr kurze Linie darstellt - heißt: er ist mehr oder weniger mit dem SPY gegangen.

Der Transfer zu dem RRG Indikator

Kommen wir nun zu meinen Beschreibungen aus meiner letzten Marktanalyse, die für den ein oder anderen nicht nachvollziehbar waren.

Ich schaue ein Kerzenchart mit unten dargestellten RRG-Indikatoren an und transferriere gedanklich dieses auf die Darstellung eines RRG-Chart.

Ein Beispiel ist unten dargestellt:

Am Beispiel des Dax erkennt man im oberen Teil, dass beide Linien im RRG-Indikator (rot und grün) sich unter 100 befinden. Dies bedeutet, der Dax ist im roten Sektor.

Weiter können wir erkennen, dass die rote Linie aktuell fast ohne Steigung ist - sie hat einen Boden gefunden. Das heißt, dass das Momentum fast auf dem Fadenkreuz stehen muss.

Da die rote Linie tief im negativen Bereich ist, kann man darauf schließen, dass im RRG Chart der DAX weit links vom Fadenkreuz entfernt ist.

Sprich, wir haben aktuell keine Entwicklung im blauen Bereich von links unten nach rechts oben.

Wie würde eine solche Entwicklung aussehen? Die grüne Kurve wäre im positiven Bereich und die rote Linie wäre stark ansteigend.

Wie wende ich das nun in der Praxis an?

Die aktuelle Sektorperformance zeigt ein Bild, dass man Staples, Healthcare, Utilities übergewichten sollte.

Interessante Rising Stars könnten Financial und Real Estate sein.

In diesen 5 Sektoren könnte man sich mal vereinzelte Kandidaten suchen.

Die restlichen Sektoren sollte man aktuell eher meiden und auf einen Trendbruch warten. Dazu gehören Consumer Disc, Technology, Materials, Energy, Communication.

Ein Kandidat, der im Aufkommen war, jedoch die Stärke nicht weiterführen konnte ist Industry - ebenfalls zu meiden.

Wie findet man nun einzelne Kandidaten?

Zum einen könnte man sich ein Sektor-RRG-Chart aufrufen mit Hilfe des Drop-Down-Menü im RRG Chart (siehe unten)

Dieses Chart kann man Filtern. Alle Unternehmen, die von der RRG-Performance nicht gut aussehen, werden aus dem Chart gelöscht. Es bleibt folgendes Bild stehen:

Aus diesen Unternehmen könnte nun ein möglicher Kandidat gesucht werden.

Eine andere Alternative ist, die einzelnen Sektoren und deren Charts durchzugehen.

Weitere Fragen? Einfach melden.

Euer

Hullahuppi

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Was sagt uns die Shortquote?


Im Forum im Thread -> Was soll Lehrer Bömmel erklären <- war vor Kurzem eine Bitte, der ich gerne nachkommen will:

Hallo Hari, vielleicht magst Du mal generell etwas zum Thema „Shortfloat“ bei Aktien sagen. Die Höhe des Shortfloat einer Aktie ist beispielsweise bei Finziv für jedermann zugänglich. Wann macht es Sinn diese Information gezielt zu nutzen oder überhaupt zu berücksichtigen.

Ganz grundsätzlich will ich an dieser Stelle daran erinnern, dass ich solchen Input sehr schätze. Ich schreibe lieber zu Themen, von denen ich weiss, dass zumindest einer unter Ihnen diese erklärt haben möchte, als dass ich mir immer aus den Fingern sauge, was Sie vielleicht interessieren "könnte".

Wenn Sie Themen haben, die ich adressieren soll, lassen Sie mich das also wissen. Nicht alles kann und werde ich machen, aber der Input an sich ist wertvoll. Genau zu diesem Zweck gibt es nun wie jeden Sommer auch -> hier wieder einen neuen Thread <-.

Nun zum Thema. Das ist nämlich viel einfacher als es scheint.

Damit Sie verstehen, worum es bei der Shortquote (Shortfloat) - also der Menge der Aktien die leerverkauft sind - überhaupt geht, ist ganz, ganz wichtig, dass Sie das Wissen besitzen, das Ihnen Lehrer Bömmel schon im folgenden Artikel nahegebracht hat:

-> Grundlage des Shortens - Wat is en Dampfmaschin? <-

Heisst konkret, eine leerverkaufte Aktie wurde ganz regulär am Markt geliehen und dann verkauft, nur dann kann sie den Status "leerverkauft" haben. Wenn die Short-Quote steigt, wurden also *vorher* schon Aktien verkauft, sprich es muss ein erhöhter Abwärtsdruck schon dagewesen sein.

Das sieht man nicht immer im Kurs direkt, denn wenn auch genügend Käufer da sind, ist es letztlich ein Distributions-Szenario. Aber Kurse haben es zumindest deutlich schwerer zu steigen, während die Shortquote steigt, denn erneut - das sind normale Verkäufe.

Der Unterschied gegenüber dem normalen Verkauf liegt eher in dem, was danach kommt. Wenn man eine Aktie die man besitzt, einfach verkauft, entsteht daraus in Folge keinerlei Verpflichtung. Der Verkauf ist abgeschlossen und man kann machen was man will und muss im folgenden Leben nie mehr in die Nähe dieser Aktie kommen.

Eine Aktie die leer verkauft wurde, begründet aber die Pflicht, diesen Leerverkauf früher oder später wieder einzudecken, es ist also ein offener Wechsel, dessen zweiter Teil zwingend kommt, nur der Zeitpunkt ist unklar. Und wenn so ein Leerverkauf eingedeckt wird, ist das am Markt einfach ein Kauf und treibt damit ebenso den Kurs, wie die eröffneten Leerverkäufe den Kurs gedrückt haben.

Das also noch einmal als Grundlage für das, was nun folgt.

Die Shortquote ist also letztlich ein Sentiment-Indikator. Sie beschreibt den Prozentsatz der Aktien aus dem "Free Float", die leerverkauft wurden, sprich bei denen Marktteilnehmer von weiter fallenden Kursen ausgehen.

Eine hohe Shortquote ist also gleichbedeutend mit einem sehr negativen Sentiment, mit sehr negativen Erwartungen eines relevanten Teil des Marktes.

Wichtig ist dabei erneut sich klar zu machen, dass diese Aktien schon verkauft wurden, aus einer hohen Shortquote erwächst also keineswegs zwingend hoher Abgabedruck in der Zukunft. Im Gegenteil, es zeigt wie viele Aktien schon verkauft wurden, es erklärt also eine potentiell negative Marktphase der Vergangenheit.

Und an dieser Stelle kann ich dann die erste Aussage zum Thema loswerden:

Aussage 1:

Eine Shortquote für sich alleine, sagt außer als Sentimentaussage zunächst einmal gar nichts von Relevanz, was nicht schon im Kurs wäre. Denn erneut, um die Quote zu erhöhen, musste in der Vergangenheit verkauft worden sein und das sieht man auch im Kurs.

Ein direkter Timingindikator ist die Shortquote also nicht. Und wenn eine Aktie stark fällt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass in dem Zeitraum auch die Shortquote hoch gegangen ist - ein Abbild des Kurses eben.

Hat dieser Indikator also keinen Wert? Oh doch und zwar im Sinne einer Divergenz bei Tops und Bottoms, aber nur bei Betrachtung des Verlaufs der Short-Quote über die Zeit!

Zunächst einmal müssen wir unterscheiden, warum und von wem Aktien leerverkauft werden. Ich sehe da drei Gruppen.

Gruppe 1 sind die opportunistischen Trader, zu denen auch ich gehöre. Die sehen einen Kurs fallen und satteln auf die Bewegung mit einem Leerverkauf auf.

Die sind in dem Sinne neutral zu sehen, als dass sich aus ihrem Verhalten kein Edge für den Beobachter erzielen lässt. Die machen einfach das, was der Markt sowieso macht - verkaufen. Und wenn die Bewegung ausläuft covern sie wieder. Alles was die machen, findet sich im Kursverlauf und fertig. Die können wir also ignorieren.

Gruppe 2 sind die "meinungsstarken Anleger", böse Zungen sagen auch die Schafe, die darauf warten geschoren zu werden. Die finden sich vor allem bei wenigen sehr bekannten "Themenaktien", die permanent durchs mediale Dorf getrieben werden - Tesla ist so ein schönes Beispiel. Diese Gruppe hat keinerlei erhöhtes Wissen gegenüber dem Markt und weiss nur, was alle wissen. Sie hat aber ein starke Meinung, hält sich für den großen, weisen Börsenhelden und glaubt deswegen gegen den Markt auf Trendwenden setzen zu müssen und shortet daher gerne in Stärke hinein.

Diese Gruppe ist eher ein Kontraindikator, denn mit "Meinung" ist am Markt kein Blumentopf zu gewinnen. Diese Gruppe findet sich aber bei unbekannten Aktien eher nicht auf der Short-Seite, dazu haben die keine Meinung, zu Tesla und Co. aber um so mehr.

Gruppe 3 ist das "Smart Money" und die nehmen wir ernst. Die wissen aufgrund eines fundamentalen Edge manchmal über die Aktie, was die Mehrheit noch nicht sieht und weiss. Und weil sie etwas wissen, eröffnen sie grössere Short-Positionen zum Beispiel in eine Topbildung hinein.

Im Chart sehen wir das dann als "Distribution". Die Kurse schwanken unter erhöhtem Volumen und kommen nicht vom Fleck und das liegt daran, dass die massiven Verkäufe des "Smart Money" noch von genügend zu spät gekommenen Anlegern aufgesogen werden, denen gerade der Schwarze Peter ausgehändigt wird, sie wissen es nur nicht, weil sie Distribution nicht erkennen können.

Und damit sind wie bei Aussage 2 und 3, denn es gibt zwei Szenarien jeweils an den Wendepunkten, an denen der Verlauf der Shortquote uns im Sinne Divergenz wichtige Informationen profitabler Art geben kann.

Aussage 2:

Abweichend von Aussage 1, kann uns der Verlauf der Shortquote eine bald bevorstehende Abwärtsphase indizieren.

Und zwar dann, wenn bei einer gut gelaufenen Aktie eine Art Topbildung im Chart möglich wird, wir immer wieder Distributionskerzen sehen - siehe -> Video - Hari sag mal, was ist Distribution? <- - und parallel dazu in der Distributionsphase die Shortquote deutlich hoch geht!

Wenn das dann idealerweise noch keine "Themenaktie" ala Tesla ist, zu der jeder eine Meinung hat, sondern ein Wert der keine große mediale Welle macht, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass hier "Smart Money" fundamental etwas weiss und auf fallende Kurse setzt!

Und dann tun wir gut daran, uns schnell aus so einer Aktie zu bewegen!

In der Anfangphase einer Abwärtsbewegung, wenn die Shortquote also relativ nahe an den Höchstständen der Aktie steigt, ist das also eher ein bärischer Indikator, den wir ernst nehmen sollten. Dass die Quote dann bei fallenden Kursen weiter steigt, ist nicht so verwunderlich, da kommt ja auch Gruppe 1 ins Spiel. Aber die Anfangsphase steigender Shortquoten ist ein wunderbar bärischer Indikaktor der Beachtung verdient - außer es handelt sich um eine "Themen-Aktie" mit Meinungskampf in den Medien.

Aussage 3

Und am Boden gilt die Entsprechung zu Aussage 2, nur noch profitabler. Denn wenn die Shortquote schon hoch ist und das Sentiment für eine Aktie extrem schlecht, bleibt diese gerne weiter hoch, weil nun eben auch die zu spät Kommenden aufmerksam werden und ins gleiche Horn tröten und damit das Covern des "Smart Money" ausgleichen. Auch das ist wieder ein Distributions-Szenario.

Wenn jetzt gleichzeitig der Kurs aber eine Bodenbildung formt und die Shortquote weiter auf hohem Niveau ist, ist die Chance für einen sehr profitablen Short-Squeeze sehr hoch.

Denn wer so spät noch Short ist, weiss in der Regel auch nicht mehr als der Markt, Profis dagegen covern irgendwann. Wer so spät noch Short ist, legt also seine Hand unter eine Guillotine, denn wenn die Kurse nun steigen, steigt der Druck auf die Shorties exponentiell. Und deren Versuche sich zu retten treiben die Kurse doppelt und dreifach, weil man dazu ja real kaufen muss, nur gibt es kaum jemanden, der noch verkaufen will!

Das nennt man einen Short-Squeeze und wie übel der selbst bei Bluechips für die Shorties werden kann, haben wir vor Jahren bei den Stämmen von VW gesehen.

in der Spätphase einer Abwärtsbewegung, ist eine trotzdem immer weit oben bleibende Shortquote also eher ein Kontraindikator und leckeres "Wild", das die Bullen nur zu gerne aufs Horn nehmen.

Ein Problem bei der Umsetzung gibt es dann noch, denn jetzt wäre es ja schön, wenn man die Shortquote wie Kurse täglich als Indikator verfolgen könnte. Kann man aber nicht, weil diese je nach Börsenplatz zwar regelmässig, aber eben nicht jeden Tag heraus gegeben wird.

Im NASDAQ zum Beispiel, erfolgt das zweimal im Monat, hier ist das -> Publication Schedule <-

Den Verlauf der Shortquote als Indikator kann man also sinnvoll nur bei langfristigen Charts zB mit Wochenkerzen benutzen, bei denen man grundlegende Wenden erkennen will. Für einen kurzfristigen Trader liefert der Wert dagegen wenig Aussagekraft.

Fazit:

Die Shortquote ist ein Sentiment-Indikator, der etwas über den Pessimismus im Markt zur Aktie aussagt. In der Regel findet sich dieses Sentiment aber schon in den Kursen und hat insofern keine direkt direktionale Bedeutung.

An den Wendepunkten aber, im Zusammenspiel mit Distribution, kann die Shortquote im Sinne einer Divergenz besonders eindrucksvoll eine Wende indizieren.

Eine deutlich steigende Shortquote im Bereich einer im Chart denkbaren Topbildung mit Distribution, ist ein ernstes Warnsignal, dass da jemand im Markt mehr weiss als wir.

Gleiches gilt für eine sich deutlich abbauende Shortquote bei einer sich andeutenden Bodenbildung mit Distribution, auch da muss man davon ausgehen, dass jemand im Markt mehr weiss als wir.

Eine störisch hohe Shortquote bei einer Aktie aber, die deutlich zu steigen beginnt, begründet eine außergewöhnliche Chance für die Bullen, einen höchst profitablen Short-Squeeze zu erleben.

Am Ende ist es also wie immer der Verlauf und der Kontext, der an der Shortquote interessant ist - nicht der einzelne Wert zu irgend einem Zeitpunkt. Aber das ist mit allen Indikatoren so und einfach die Regel. Den einfachen Indikator im Sinne "drauf schauen und Gewinn machen" gibt es nicht, alle Indikatoren bedürfen der intelligenten Wertung.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Wochenausblick KW28


Thema der Woche

Letzten Freitag hat der Markt nach den guten US Arbeitsmarktdaten die Kurve nach oben genommen:

50-Tage-Linie zurück erobert, 20-Tage-Linie zurück erobert, 2740 zurück erobert. Das sieht recht gut aus und man kann für den Aktienmarkt wirklich sagen, dass die Stimmung derzeit skeptischer und sorgenvoller als die Lage ist.

Schauen wir auf den Fear & Greed Index von Freitag nach der starken Rally. Optimismus sieht anders aus, oder?

Dabei sind die Wirtschaftsdaten in den US überwiegend weiter gut, siehe weiter unten der Hinweis der Woche.

Dass trotzdem nun wieder in epischer Breite in jedem Medium über die sich langsam invertierende Zinskurve diskutiert wird, als ob das nicht jeder Profi sowieso sehen würde, ist das typische Geraune der Bären, das seit Jahren alle 1-2 Monate das Thema wechselt und mit dem man sich nur den Weg verstellt im Hier und Jetzt das Richtige zu tun. Vor einem echten Handelskrieg müssen wir da aktuell viel mehr Sorge haben, vor China ebenso.

Ich habe das Thema -> hier im Post 30 im Forum <- adressiert. Das Thema der inversen Zinsstrukturkurve ist wichtig, ist legitim und durchaus als ernst zu nehmendes Warnsignal zu interpretieren, für unsere Entscheidungen diesen Sommer, hilft es aber trotzdem herzlich wenig.

Ganz grundsätzlich hat dazu James DePorre am Wochenende einen schönen Post gechrieben: -> Should you worry about a bear market? <-

Zitat:

There is absolutely no doubt that we will see a nasty bear market at some point. It is the nature of the stock market and anyone that doesn't embrace that fact is in for a very painful experience.

The important issue isn't whether or not there will be a bear market but what we should do about it. Should we start preparing for that disaster in 2020 that Barron's tells us is coming? Should we start preparing right now for a market meltdown created by the simmering trade wars?

The issue that is at the heart of these questions is to what degree should market players try to predict and anticipate what will occur down the road.

For many pundits the holy grail of their profession is predicting turning points. In fact it is such a sought after goal that there have been thousands of incorrect predictions of a market crash for each one that turned out correctly.
The big problem here is one of timing. I can predict with absolutely certainty that there will be a bear market but, unlike Barron's, I have no idea when it will happen. Simply predicting disaster down the road is totally useless for those of us trying to navigate the market today.

All you really need to know about market timing predictions is that there is no one. There's not a single person that has consistently called the twists and turns in the market with any great level of precision. Some get lucky and make big calls but it is a product of luck and not skill.

The key to market timing isn't prediction and anticipation. The key to being a good market timer is awareness and reaction. The traders that make great timing calls are simply reacting to conditions as they change. They don't try to pretend that they know what is going to happen. They just acknowledge the current reality and act upon it.

Sic! Verwenden wir also unsere wertvolle Energie besser darauf, sofort zu erkennen, wenn der Markt wirklich zu fallen beginnen. Da ist die Energie besser und profitabler aufgehoben als bei den Diskussionen, wann denn die nächste Rezession in den US kommt, die fraglos in den nächsten Jahren mal kommen wird.

Bei den medialen Perma-Bären ist es seit 2009 ganz einfach. Die die ehrlich nach dem Prinzip "I put my money where my mouth is" verfahren, sind heute Pleite oder haben zumindest massive Verluste. Die anderen, die nur reden aber nicht danach im Depot handeln, sind sowieso nicht ernst zu nehmen. Warum lassen sich so viele dann davon beeinflussen?

Ich sage es Ihnen, es ist unser Affenhirn, das darauf (zu Recht) gedrillt ist, den Löwen hinter dem nächsten Mangrovenbaum zu antizipieren. Und das ist eine immens wichtige Fähigkeit, die unser Überleben sichert. In der Savanne ist es aber auch so, dass 10x einem Mangrovenbaum zu Unrecht aus dem Weg gegangen zu sein, keinen Nachteil schafft. Das gleiche Prinzip aber auf die Börse angewandt, verschafft zielsicher Verluste.

Ich kann nur immer wiederholen, dass es am Markt ein riesiger Unterschied ist, Recht zu behalten und dieses vom Timing auch profitabel umsetzen zu können. Zu früh ist eben auch nur ein anderes Wort für Falsch!

Was also spricht derzeit dagegen, dass der SPX nun erst einmal zur oberen Begrenzung dieser Rang läuft?

Die Antwort ist recht wenig. Mein Blick auf den Markt ist also weiter:

Mit Blick auf die nächsten 2 Wochen besteht die Chance auf fortgesetzte Stärke.

Mit Blick in den Frühherbst sollten wir davon ausgehen, dass wir in der Seitwärtsrange verbleiben und wir am Ende (August oder September) noch einmal einen angstmachenden Einbruch bekommen, nur um alle Furchtsamen abzuschütteln.

Mit Blick zum Jahresende, sind die Chancen weiter gut, den SPX bei 3.000+ zu erleben.

All das sage ich mit minimalen Änderungen im Kern schon seit Monaten, kein Grund diese Sicht nun zu ändern.

Chart/Grafik der Woche

Passend zum oben Gesagten liefert -> Doug Short auf Advisory Persepctives <- jede Woche hervorragende ökonomische Sichten auf den Markt.

Hier sind die "Big Four", die großen Vier der ökonomischen Daten im Überblick über die Zeit:

Und dann empfehle ich noch, einen Blick auf die vorlaufenden Wirtschaftsindikatoren (Leading Indikators") zu werfen:

-> Leading Indikators Overview <-

In Summe bleibt da nur eine Frage: Wo ist das Problem?

Sicher gibt es Risiken, eine echte Eskalation eines Handelskrieges ist so ein Risiko, die Eurozone und China sind andere. Aber in Summe bleiben die ökonomischen Ampeln auch Grün. Und wann gab es je Börsenzeiten ohne Risiko?

Ereignis der Woche

Diese Woche geht die neue Quartalssaison los, noch verhalten, aber doch mit einigen bekannten Namen. Wir haben:

Montag: Intercept (ICPT)

Dienstag: Pepsico (PEP)

Mittwoch: FACC AG (FACC), Kvaerner, Yum! Brands (YUM)

Donnerstag: Aerorjet Rocketdyne (ARJD), Bang&Olufsen, Delta Airline (DAL), Gerresheimer, Südzucker

Freitag: Citigroup (C), Infosys, JP Morgan (JPM), Wells Fargo (WFC)

Chance und Risiko der Woche

Den größten Hebel bei den Indizes, hat in dieser Woche wohl mal wieder der DAX, weil er auch sehr stark auf konjunkturelle Probleme regiert.

Der steht vor der hier markierten Frage, die sehr bedeutsam ist:

Sehr bedeutsam, weil das den Weg für die SKS freimachen würde, oder eben nicht:

Was erwartet meine nicht vorhandene Glaskugel hier? Eher dass der "logische" Pfad in die SKS nicht so leicht beschritten wird, weil das "zu einfach" wäre und der DAX macht es selten einfach. Hier könnte also diese Woche eine Überraschung nach oben kommen. Vielleicht drehen wir schon in die SKS, aber erst bei 12.800 - nur um maximale Verwirrung zu erzeugen. 😉

Hinweis der Woche

Bei EURUSD sieht es immer mehr danach aus, als ob nun eine kurze Stärkephase im Euro folgt, die dann die rechte Schulter bildet.

Hier ist der Ablauf so wie es meine nicht vorhandene Glaskugel vermutet:

Index der Woche

Wie sinnlos es dieses Jahr war, sich ängstlich hin und herwerfen zu lassen, zeigt uns eindrucksvoll der TecDAX.

Wir sehen dieses Megaphone, das ich hier besprochen habe und das auch prompt zu einer großen Bewegung geführt hat. Wir sehen den Fakeout nach oben, dann den nach unten und nun waren wir am Freitag genau da, wo wir Mitte Januar schon waren und heute geht es wieder hoch:

Gelassenheit und Ruhe ist 2018 das Geheimnis derer, die in diesem Markt noch ganz gute Ergebnisse erzielen. Den Swings hinterher zu laufen, hat dagegen ebenso zuverlässig zu Verlusten geführt, wie auch sich von den diversen Säuen beeinflussen zu lassen, die die Bären alle paar Wochen neu durchs Anlagedorf treiben.

Und wissen Sie was? Auch wenn diese Woche ganz gut aussieht und wir vielleicht erst einmal weiter hoch gehen, sehe ich keinen Grund, warum das nicht bis in den Herbst so volatil seitwärts weitergehen soll.

Ihr Hari

Disclaimer:

Der Wochenausblick ist ein im Jahr 2018 wöchentlich wiederkehrendes Format, dessen Sinn, Inhalt und Logik -> hier <- erläutert wurde.

Die Weisheit der Advance / Decline (AD) Line



Im Frühsommer 2016, als der Markt so richtig aus der grossen Konsolidierung seit Anfang 2015 abzuheben begann, habe ich im Premium-Bereich mit den Mitgliedern einen Indikator geteilt, den ich immer mal wieder bemühe um zu schauen, ob der Markt langfristig noch "gesund" ausschaut oder sich in eine Richtung eine Divergenz ergibt.

Damals im Juni war eine klare bullische Divergenz im Indikator vorhanden, der Markt signalisierte grosse innere Stärke und was daraus geworden ist, wissen wir nun im Nachhinein, eine der längsten und gnadenlosesten Aufwärtsbewegungen der Börsengeschichte.

Nun ist ein Indikator nur ein Indikator, Sie wissen auch hier im freien Bereich aus mehreren meiner letzten Artikel, dass ich im Sommer 2016 auch aufgrund anderer Parameter recht bullisch war. Aber ein brauchbarer Indikator ist besser als keiner und deshalb möchte ich auch Sie hier im freien Bereich mal an diesem Indikator schnuppern lassen und bitte Sie, diesen folgenden Artikel vom 09. Juni 2016 mal mit den Augen des Rückblicks zu betrachten.

Im Anschluss daran, zeige ich Ihnen dann was der Indikator für die Gegenwart sagt und das wollen Sie doch ganz besonders wissen, oder?

Alle Charts übrigens mit Dank von -> Stockcharts.com <-

-----------------------------
Artikel Premium-Bereich vom 09.06.16

In den "Hari Notizen" im freien Bereich, hatte ich heute auf die -> New 52-week-highs in S&P500 <- hingewiesen, eine Liste die Aktien zeigt, die ein neues 52-Wochen-Hoch geschafft haben.

Gestern waren das 47 Aktien, oder fast 10% des S&P500. Das ist klarer Ausdruck guter Marktbreite und im bullischen Sinne auf der mittelfristigen Ebene bestätigend. Über das, was der S&P500 heute oder morgen macht, sagt das aber nichts aus.

Auf einen weiteren "Breadth-Indikator" will ich heute auch kurz eingehen, der manchmal auch gute Dienste leistet, in die gleiche Richtung wie die "52-Week-Highs" zeigt und unter anderem darauf hingewiesen hat, dass wir nun gute Chancen für neue Allzeithochs haben.

Das ist der Advance/Decline (AD) Indikator, der ganz simpel die Anzahl der steigenden Aktien, der Anzahl der fallenden Aktien gegenüber stellt. Lesen Sie eine genaue Erklärung hier: -> Advance-Decline Line <-

Manchmal sind es die einfachsten Indikatoren, die die besten Signale liefern, man muss sie nur wahrnehmen und zu werten wissen. Schauen Sie mal hier, wir haben oben die kumulative A/D Linie und darunter den S&P500 zur Referenz, beide seit 2014:

AD 09.06.16

SPX 09.06.16

Jetzt ist mein Vergleich zum S&P500 nicht ganz fair, weil um ganz präzise zu sein, müsste man die AD Line mit dem vergleichen, worauf diese hier im Chart berechnet wird und das ist der NYSE Composite Index (NYA), der etwas umfangreicher, als der S&P500 ist. Da der aber hier kaum bekannt ist und kaum andere Ergebnisse produziert als der S&P500, habe ich Letzteren zum Vergleich genommen. Die Aussagen ist in beiden Fällen identisch.

Wie sehen die klare, positive Divergenz, die die AD-Line seit Februar diesen Jahres hat. Ich habe bewusst mit einer blauen Linie die jeweils obere Begrenzung heraus gearbeitet, um auf einen Blick zu zeigen, dass die kumulative AD Linie und der S&P500, eigentlich ein hohe Parallelität haben.

Das ist ja auch nicht so verwunderlich, denn wenn der Index steigt, steigen auch die enthaltenen Aktien. Die Frage ist immer nur, wie stark der Index die Einzelbewegungen optisch dämpft.

Seit Februar diesen Jahres aber, läuft die AD Linie in einer deutlichen Divergenz nach oben weg. Das können wir so übersetzen, dass der Index an der Oberfläche ruhig und träge erscheint, unter der Decke aber viel mehr Aktien steigen, als fallen.

Und das ist wiederum nur möglich, wenn wenige grosse Titel bremsen, viele mittlere Aktien aber schon im neuen Bullenmarkt sind.

Interessant ist in dem Zusammenhang, dass der Russel 2000 Small Cap Index (RUT), gegenüber dem S&P500 hinterher hinkt. Man kann also nicht einfach sagen, dass kleine Aktien besser laufen als grosse. Ausserdem sind im S&P500 ja gar keine so richtig kleinen Aktien.

Nein, die starke AD Linie sagt eindeutig, dass auch mehr mittlere steigen, als der S&P500 auf den ersten Blick sichtbar macht. Das genau ist gute Marktbreite!

Nun sind so Indikatoren immer interpretationsfähig und man kann solche Daten leicht unterschiedlich interpretieren, aber dieses Bild weist recht eindeutig auf einen starken Markt, der im Inneren gesund erscheint. Genau genommen, ist die positive Divergenz zum NYA oder zum RUT, in denen mehr kleine Aktien sind, sogar noch grösser. Den S&P500 mit Divergenz zu schlagen, ist im Moment also die härteste Nuss und auch das schafft aktuell die AD Linie.

So richtig "gemerkt", habe ich das aber auch erst vor ein paar Wochen, als sich auch meine Stimmung aufhellte. Denn es braucht Zeit, bis die Divergenz des Indikators so richtig sichtbar wird und das ist auch kein Indikator, auf den ich täglich schaue.

Aber trotzdem ist es doch faszinierend, wie hier eine augenscheinlich wichtige Information auf einfachster Datenbasis vor unserer Nase war. Und die lautet:

Die US Märkte sind unter der Decke stärker, als sie oberflächlich erscheinen. Dabei wirkt der S&P500 ja auch an der Oberfläche keineswegs schwach.

Faszinierend. Sie sehen, es lohnt sich, immer mal wieder über den Tellerrand zu schauen.

Ihr Hari

--------------------------------

So, das war damals im Frühsommer 2016, ein klares Indiz, dass der Markt grosse innere Stärke hatte. Sollten wir nun nahe einer Topbildung sein, müsste dieser Indikator in die Gegenrichtung deuten.

Die kumulative AD-Line sollte dann schwächer sein, als der Index selber. Das würde darauf hindeuten, dass der Markt innerlich schwächer ist als es scheint, weil er dann nur noch von wenigen grossen Werten zusammen gehalten würde - ein Umstand den man oft (nicht immer aber oft) bei Tops finden kann.

Nun schauen Sie mal, was die aktuellen Daten im Vergleich zeigen:

Man braucht keine Lupe um zu erkennen, dass die AD-Linie immer noch mindestens so gleichmässig, eher stärker als der breite Markt selber nach oben strebt.

Das heisst eindeutig, dass aus Sicht der Marktbreite die aktuelle Bewegung keine Erschöpfungszeichen zeigt und auch keine Topbildung zu erkennen ist, ein Umstand den auch andere technische Parameter zeigen und auf dem ich ja immer herumreite, um wenigstens ein paar von Ihnen aus den Klauen der permanenten Weltuntergangspropheten zu erretten, die seit nun 8 Jahren die Depots ihrer Jünger zerstören.

So ein Indikator ist wie gesagt keine Garantie, es gibt Szenarien, in denen er eine Wende nicht rechtzeitig erkennen könnte. Und eine 5-10% Korrektur steht im Übrigen in keinem Widerspruch zu diesem Indikator, die wäre in dieser Dimension so irrelvant das kaum zu erkennen und im Übrigen völlig normal, dieser Indikator ist sehr träge und zeigt das ganz grosse Bild.

Aber es ist eben ein weiterer Baustein in einer ganzen Reihe technischer Indikatoren, die noch keine grundlegende Wende im Bullenmarkt andeuten. Das mag sich in ein paar Wochen oder Monaten ändern, heute ist es aber noch so!

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Wie wir das neue Börsenjahr 2018 antizipieren können



Wie wir das neue Börsenjahr 2018 antizipieren können? Im Sinne "Wissen" und "Prognose" gar nicht, langfristige Wirtschafts- und Börsen-Prognosen sind Blödsinn, dass sich Kohorten von Volkswirten damit beschäftigen, macht es nicht besser.

Dabei gäbe es einen ganz einfachen empirischen Test. Diese Prognostiker müssten Ihr Kapital auf diese Prognose setzen, also mit der Brieftasche ihrem Mund folgen. Falls dann einer davon reich geworden ist, höre ich mir seine Prognosen danach gerne an. 😉

Warum das so sein muss und objektiv gar nicht anders sein kann, wurde hier - Stichwort unter anderem Reflexivität - oft und hinlänglich thematisiert und soll heute nicht Thema sein.

Thema ist dagegen, dass wir nicht ganz ohne Indikatoren sind, wenn wir bereit sind den Signalen des Marktes Gehör zu schenken.

Denn treue Mitglieder werden sich erinnern, wie skeptisch ich zum Jahreswechsel 2015/2016 wurde, so dass ich uns frühzeitig auf die Seitenlinie gebracht habe, bevor der Einbruch Januar 2016 so richtig einsetzte.

Treue Mitglieder werden sich auch daran erinnern, wie entspannt ich zum Jahreswechsel 2016/2017 war und frühestens zu Trumps Amtseinführung Ende Januar ein Problem erwartet habe, so kam es dann auch, es ging erst mal weiter hoch.

Warum war das so? Schauen Sie doch selber mal auf die beiden Charts, dann sehen Sie schon.

Das hier war 2015/2016:

Jetzt sehen es alle. Da war das Hoch schon Anfang November und danach hat der Markt nur noch leicht abwärts gebröselt und tiefere Hochs und Tiefs gebildet. Auf gut Deutsch, das Window Dressing, das Interesse sich den Jahresabschluss nicht zu versauen, hat gerade noch gereicht den Markt so eben zusammen zu halten. Wir hatten also eine ausgefallene Jahresendrally und ein Gewürge um die Niveaus zu halten. Dann kam 2016, was kommen musste.

Das hätte jeder sehen können und vorsichtig werden, ich hab es gesehen. Das lag vor unserer Nase, man musste nur hinschauen und das ernst nehmen. Und sicher hätte es anders kommen können, es kann immer anders kommen, das passt aber gut zu der Musterdiskussion im Forum, unser Job ist uns nach der dominanten Interpretation zu richten.

Und nun 2016/2017:

Hier ist keine Gefahr im Chart zu sehen. Wir haben einen starken Aufwärtstrend bis Mitte Dezember, der dann in eine stabile Seitwärtskonsolidierung übergeht, das klare Zeichen einer Trendfortsetzung.

Nichts gab hier Ende 2016 Warnsignale, einer kleiner Dip um Weihnachten wurde sofort wieder gekauft. Also konnte man ganz entspannt in den Jahreswechsel gehen und das war richtig so.

Und wie wird nun 2018?

Wenn Sie die Zeilen oben verstanden haben, kennen Sie die Antwort: Fragen Sie mich in 3 Wochen nochmal, wenn ich sehe wie die Jahresendrally läuft oder nicht läuft. Wenn Sie aber genau selber hinschauen, brauchen Sie mich nicht einmal. 😉

Sehen Sie, das ist das ganze Geheimnis. Und wissen Sie warum das trotzdem schwierig ist? Weil wir verflixten Affen zu oft trotzdem nicht danach handeln, weil wir immer klüger sein wollen als das, was uns dick und fett in den Charts anstarrt. 😉

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Akkumulationsverteilungslinie ADL – ein hilfreicher Volumenindikator



Wir haben ja das On Balance Volumen (OBV) mittlerweile fest in unsere Methodik aufgenommen. Und wenn Sie sich an den Artikel -> Die begrenzte Aussagekraft von preisbasierten Oszillatoren <- erinnern wissen Sie, dass das Volumen als Indikator eine weit höhere Bedeutung hat, als ein x-beliebiger Indikator der nur wieder darstellt, was sowieso schon im Price-Chart enthalten war.

Heute will ich Ihnen mit der -> Accumulation Distribution Line (ADL) <- einen Indikator nahe bringen, der eine Weiterentwicklung des OBV darstellt.

Weiterentwicklung insofern, als die ADL das Volumen preisgewichtet darstellt, je stärker also der Kurs in eine Richtung ausschlägt, desto stärker wird das Volumen gewertet. Das macht Sinn, weil der Volumenbalken ja immer ein "Mischbalken" ist, jedem Verkauf steht ja ein Kauf gegenüber. Erst die Tendenz der Kerze sagt dann darüber etwas aus, ob das Volumen unter Kauf- oder Verkaufsdruck entstanden ist und wie intensiv dieser Druck war.

Der ADL Indikator ist bitte *nicht* mit dem AD Indikator (auch WAD - Williams AD genannt) zu verwechseln, der -> hier <- erklärt ist und auch nicht mit anderen Abarten wie von mir im Artikel -> Die Advance Decline (AD) Linie <- dargestellt.

Alle diese letzteren Indikatoren sind reine Preisindikatoren, sie stellen also nur den Chartverlauf der Kerzen anders aggregiert dar. Der hier thematisierte ADL Indikator dagegen, basiert auf dem Volumen und damit auf der einzigen "Wahrheit" im Markt, die neben dem Preis ganz grundlegende Bedeutung hat.

Nun könnte ich Ihnen hier viel Theoretisches zum ADL Indikator erzählen, das können Sie aber unter den Links und mit eigener Suche selber finden, wenn Sie daran interessiert sind.

Hier will ich Ihnen wieder den Wert in der Anwendung zeigen und zwar am konkreten Beispiel zweier langfristiger Charts. Denn der ADL Indikator bezieht wie das OBV seinen Wert aus der Divergenzanalyse zum Kurs selber. Wenn der ADL Indikator signifikant vom Kursverlauf abweicht, geht wie beim OBV eine Warnlampe an und man sollte genau hinschauen.

SP500 ETF SPY

Den SP500 betrachten wir über den grössten ETF SPY, weil wir damit belastbare Volumendaten bekommen. Was wie hier über die letzten Jahre sehen, ist hoch interessant:

Wir sehen, dass wir aktuell beim Doppeltop eine recht hohe Parallelität zwischen Kurs und ADL Indikator haben. Insofern lässt sich daraus kein eindeutiger Honig ziehen. Wenn man ganz genau hinschaut, findet man vielleicht eine minimal negative Divergenz, die für sich alleine aber noch nicht bedeutend ist.

Richtig interessant ist aber das Bild der grossen 2015/2016er Konsolidierung im grossen Aufwärtstrend. Wir haben ja nun erlebt, was daraus wurde, ein massiver Ausbruch seit Trumps Sieg eben.

Das Witzige ist, der ADL Indikator hat es mit einer massiven, eindrucksvollen Divergenz schon gewusst, dass sich hier ein grosser Ausbruch anbahnt. Das ist doch mal bemerkenswert!

Goldminen ETF GDX

Das zweite heisse Eisen, die Goldminen, sind bei Betrachtung mit dem ADL auch faszinierend:

Wir sehen, wie der ADL in 2015 den Ausbruch aus dem grossen Boden ganz eindeutig mit einer massiven, positiven Divergenz bestätigt hat. Wir sehen aktuell aber auch eine deutliche, negative Divergenz, die allen Bullen Warnsignal sein sollte!

Einschränkend sei aber dazu gesagt, dass diese aktuelle Divergenz im GDX nur mit Wochenkerzen zu sehen ist, mit Monatskerzen verschwindet sie. Die Divergenzen bei SPY und GDX in 2015, haben dagegen aber auf beiden Zeitebenen Bestand. Auch das ist eine wichtige Information, man sollte solche Divergenzen immer aus zwei verschiedenen Zeitebenen überprüfen. Wenn das zum gleichen Ergebnis kommt, ist es sehr ernst zu nehmen. Wenn nicht, setzt das die Aussagekraft herab, denn rechnerische Anomalien sind auch hier möglich, wie bei allen Indikatoren.

Im Saldo sehen wir aber, der Indikator hat Wert. Viel Wert sogar und einfach zu nutzen ist diese Linie auch. Probieren Sie doch mal ein wenig damit herum und überlegen Sie, ob Sie den Indikator nicht in Ihre Überlegungen einbauen wollen.

Ich will nur daran erinnern, dass kein Indikator, wirklich *keiner*, für sich alleine schwarz/weiss die richtige Kursentwicklung weissagen kann. Alle Indikatoren, auch die ADL, bedürfen der Interpretation im Kontext und liefern bestenfalls bei einer Mehrheit der Fälle, brauchbare Signale. Aber selbst wenn die Wahrscheinlichkeit von Setups damit nur marginal verbessert würde, wäre es den Aufwand wohl wert.

Ob Sie diese ADL oder das OBV vorziehen wollen, überlasse ich Ihnen. Beide zusammen machen aber, weil zu ähnlich, keinen Sinn. Bei der Markttechnik gilt eben nicht, dass mehr Analyse immer mehr bringt. Wichtiger ist, wenige Indikatoren auch richtig zu beherrschen und zuverlässig interpretieren zu können.

In diesem Sinne rate ich immer zur Selektion und Fokussierung.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Die begrenzte Aussagekraft von preisbasierten Oszillatoren



Im Forum hat unser Mitglied "Pasolini" -> hier <- dankenswerterweise eine Thematik eröffnet, die mich zu einer grundlegenden Erklärung und Einordnung veranlasst.

Nicht weil ich ihm etwas erklären will, der Artikel hier richtet sich an alle gleichermassen, sondern einfach nur, weil sein Thema ein "Trigger" für mich ist und ich mir dadurch bewusst wurde, dass ich unbedingt eine wichtige Sache heraus arbeiten muss.

Er stellt dabei die Frage, in wie weit eine positive Divergenz des RSIs im Wochenchart, einen Edge in Richtung der Divergenz generiert. Sprich lohnt es sich zu kaufen, wenn der RSI eine positive Divergenz zeigt?

Ich will hier nur am Rande auf die spezielle Frage eingehen, das kann weiter im Forum diskutiert werden, sondern ich will das hier als Anlass dazu nutzen, ein paar grundsätzliche Worte zu preisbasierten Oszillatoren wie dem RSI zu verlieren und auch zu thematisieren, welchen Wert Aussagen dieser Indikatoren, denn überhaupt für uns haben.

Zunächst einmal will ich das Wort "preisbasierter Oszillator" definieren, damit klar ist, was ich damit meine. Ich meine damit alle Oszillatoren (also Indikatoren, die die Bewegungen als Schwankungen zwischen zwei Extremen abbilden), die direkt auf den Preis, also die Kurse gehen.

Der RSI ist so ein Fall, ein preisbasierter Oszillator.

Die 200-Tage-Linie ist kein Oszillator, sondern eine Trendglättung.

Und das OBV ist nicht preisbasiert, da es auf das Volumen geht und auch kein Oszillator ist.

Hier geht es nun also um preisbasierte Oszillatoren, für die der RSI das bekannteste Beispiel ist.

Die erste klare und wichtige Aussage, erscheint eine Binsenweisheit, wenn man das oben verstanden hat. Ich bezweifele aber, dass die Konsequenzen dieser Binsenweisheit allen wirklich klar sind und genau deswegen schreibe ich diesen Artikel:

Preisbasierte Oszillatoren beinhalten keinerlei neue Informationen, die nicht schon Teil des Charts selber sind.

Wie gesagt, das ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber sie ist sehr wichtig für die Schlussfolgerungen, die ich gleich ziehe. Wenn wir zum Beispiel auf den RSI schauen, ist der nichts weiter als ein abstrakte Darstellung wesentlicher Elemente des Charts selber.

Oder in anderen Worten, wenn man auf das Chart einen geübten Blick hat, beinhaltet der RSI keine Überraschungen, denn man sieht das, was der RSI indiziert, auch im Chart.

Der RSI vergleicht ja genau genommen nur im definierten Zeitraum (oft 14 Kerzen) die Stärke der Kursbewegungen. Das Überwiegen stark fallender Kerzen, sorgt dann für einen schwachen RSI, das Überwiegen stark steigender Kerzen, sorgt für einen starken RSI.

Eigentlich also eine triviale Aussage, die der RSI macht, die aber zu Fehlinterpretationen führt, wenn man dem Indikator eine eigene Aussagekraft zubilligt, die er nicht hat. Denn der RSI ist eben nur die abstrakte - in einen Oszillator gepresste - Darstellung des Charts selber, ohne auch nur einen einzigen Krümel neuer Information.

Stellen wir uns beispielsweise im Chart ein "L" vor. Heisst, eine Aktie erfährt einen katastrophalen Einschlag, der sie massiv einbrechen lässt. Im Chart ist das ein brutaler Strich nach unten innerhalb von wenigen Handelstagen.

Danach ist die Aktie faktisch "tot", wir wissen fundamental, dass da nichts mehr geht und die Aktie sich nicht erholen kann. Das Chart läuft auch unter kaum vorhandenem Volumen seitwärts und bildet einen wagerechten Schenkel, das "L" eben.

Und was macht der RSI? Der steigt wieder im waagerechten Schenkel und wird, nachdem der 14er Zeitraum abgelaufen ist und der Absturz aus dem vom Indikator betrachteten Zeitfenster verschwunden ist, eine positive "Divergenz" zum Kurs indizieren.

Die Aussagekraft ist in dem Fall aber eher gleich Null, weil das eine rein mathematische Folge davon ist, dass der Absturz aus dem Betrachtungszeitraum des Indikators gewandert ist und wenn der Kurs über den 14er Zeitraum hinaus nur seitwärts geht, muss der RSI-Indikator logischerweise am Ende in Mittelstellung also bei 50 sein.

Ich halte deswegen auch die Terminologie der "Divergenz" bei preisbasierten Oszillatoren für grundlegend irreführend, weil einen falschen Eindruck erweckend.

Ich weiss, diese Terminologie wird von vielen, auch von Lehrbüchern zur technischen Analyse, bei RSI und MACD immer wieder im Verhältnis zum Chart verwendet. Ich tue das bewusst nicht, denn es gaukelt nach meiner Auffassung eine Aussage vor, die nicht existiert.

Denn eine echte "Divergenz", kann sinnvollerweise nur da sein, wo zwei verschiedene Messungen zu unterschiedlichen Interpretationen führen, die sich zu widersprechen scheinen. Das sollte ohne jede Frage aufmerksam machen.

Bei preisbasierten Oszillatoren wie dem RSI, gibt es aber keine zwei unterschiedlichen "Messungen", der RSI ist wie oben gesagt nichts weiter als der Preis (das Chart) selber, nur in anders aggregierter Form dargestellt.

Ein und das selbe Faktum - hier der Preis - kann aber genau genommen mit sich selber keine Divergenz bilden. Das klingt nun vielleicht wie Wortklauberei, ist es aber nicht, denn es weist auf einen wichtigen Umstand hin.

Nehmen wir eine "echte" Divergenz, die des OBV zum Kurs zum Beispiel. "Echt" ist die Divergenz, weil das OBV eine Abbildung des Volumens ist und Volumen ist eine Masseinheit im Markt, die unabhängig vom Preis ist, denn das Volumen trifft keine Richtungsentscheidung.

Volumen und Preis sind also zwei wichtige, getrennte und objektive Faktoren im Markt. Der RSI ist aber nur eine andere Form, den Preis darzustellen, so wie das OBV nur eine andere Form ist, um das Volumen darzustellen.

Eine Divergenz zwischen Volumen und Preis ist also bedeutend, weil der Markt widerstreitende Signale liefert. Eine "Divergenz" zwischen RSI und Preis, ist aber nichts weiter als die Folge einer anderen Darstellung der exakt gleichen Sache.

Erneut, ich will hier keine Wortklauberei betreiben, ich habe Null Problem damit, auch für den RSI das Wort "Divergenz" zu benutzen. Ich diskutiere das hier nur, um von der Oberfläche der Worte zum Kern dessen vorzustossen, was uns preisbasierte Oszillatoren sagen können.

Und das ist eben nichts Neues, sondern einfach nur das, was das Chart sowiewso schon zeigt, nur in anderer, pointierterer Aufbereitung.

Der Wert der Oszillatoren ist trotzdem da, ich nutze die doch auch, weil sie eben bestimmte Momentum-Aspekte der Kursbewegung besser heraus arbeiten und damit leichter sichtbar machen.

Aber erneut, es ist eine Ergänzung zum Chart, eine Art Auswertung und Verdeutlichung, aber keine neue Information und daher von begrenztem Wert.

Ich will das Prinzip des "L" an zwei Beispielen klar machen.

Nehmen wir zunächst Bristol Myers Squibb (BMY), die ja massiv abgestürzt sind:

bmy-29-11-16

Wir sehen natürlich, wie der RSI abschmiert, sobald der Kurssturz von Anfang August Teil des 14er Zeitraums des RSI ist.

Wir sehen aber auch, wie der RSI wieder über 40 kriecht und sich dem Mittelwert 50 annähert, sobald die Kurse weniger stark weiter fallen.

Wir haben hier also eine "positive Divergenz" zwischen RSI und dem Kurs. Aussagekraft? Eher nicht vorhanden, denn erneut, das sieht man schon im Chart, die Geschwindigkeit des Abwärtsbröselns wird geringer. Na und? Solange da noch keine Wende im Preis ist, ist das immer noch ein fallendes Messer, RSI hin oder her.

Sie sehen auch, warum ich den Begriff "Divergenz" beim RSI so ungern verwende, eben weil er eine Aussage vorgaukelt, die nicht wirklich da ist. Denn alles hier im Bild ist nur der Kurs, die Price-Action. Und etwas kann mit sich selber keine Divergenz haben.

Richtig ist die Feststellung, dass im September/Oktober das Momentum der Abwärtsbewegung nachgelassen hat. Und wenn es dann nicht eine erneute schlechte Nachricht gegeben hätte, hätte der Kurs von BMY hier vielleicht eine Bodenbildung vollzogen.

Die "Divergenz" zwischen RSI und Kurs aber, hätte für sich alleine keine Wende indiziert. Sie hätte nur ein Abflachen des Absturzes indiziert, ein "fallendes Messer" wäre es aber immer noch.

Trotzdem hat es Wert, dieses fallende Momentum der Abwärtsbewegung so eindeutig präsentiert zu bekommen. Das ist der Wert des RSI, aber eben nur als Ergänzung zum Kursgeschehen, als Verdeutlichung, nicht als Richtungsindikator.

Ein weiteres Beispiel. Denn natürlich gilt obige Aussage für alle Zeitebenen gleichermassen, auch für Stunden oder Wochenkerzen.

Nehmen wir doch den Leitindex schlechthin und seinen grossen Absturz in 2008 in Wochenkerzen:

sp500-29-11-16

*Boom* hat es gemacht im Herbst 2008 als Lehman platzte. Und der RSI wurde logischerweise in den Boden gerammt.

Dann aber ging es am Markt extrem volatil hin und her, in Summe aber weiter abwärts. Und der RSI zeigte im Wochenchart eine positive "Divergenz", einfach weil im Verhältnis zum vorherigen Absturz nach Lehman, die Fallgeschwindigkeit geringer wurde. Das finale Tief im März kam trotzdem.

Fazit. So weit meine Erklärung zur Aussagekraft von preisbasierten Oszillatoren.

Sie sind nicht mehr, als eine andere Auswertung und Darstellung der Kursbewegungen, die man im Chart sowieso sieht.

Sie haben deswegen auch keine neuen Informationen, die das Chart nicht hat, sie arbeiten nur bestimmte Effekte des Charts besser heraus.

Ein steigender RSI bei fallenden Kursen zeigt nicht mehr, als dass die Fallgeschwindigkeit im Messzeitraum sinkt. Das ist für sich eine interessante Information und als RSI aufbereitet, kann man diese auch besser erkennen. Sie steckt aber schon im Chart und vor allem hat diese nur begrenzte Aussagekraft dazu, ob danach doch die Wende kommt.

Klar, da Kurse immer um ein "Mean" schwanken, sorgt die Mean Reversion dafür, dass die Chancen gut sind, dass bei fallendem Abwärtsmomentum auch später eine Wende folgt. Und genau deswegen, hat ein RSI Zustand über 70 oder unter 30 eine innere Aussage, die Wert hat.

Was ich Ihnen hier klar machen will ist aber, dass diese Aussage auch im Chart schon steckt, wenn man geübte Augen hat.

Und wenn man nun eine belastbare, statistische Analyse machen würde, ob eine "Divergenz" des RSI im Wochenchart eine kleine Präferenz für den folgenden Kursverlauf generiert, würde ich sagen: Ja!

Eine kleine Präferenz schon aus dem ganz einfachen Grund für den man keinen RSI braucht, das nämlich wenn nach einem Absturz das Abwärtsmomentum abflaut, die Chancen auf eine Wende langsam steigen, einfach weil die Mean Reversion ein universelles Prinzip darstellt.

Für sich alleine, reicht das aber in keinem Fall, wie wir an obigen Beispielen sehen. Der RSI ist einfach nur *ein* kleiner Indikator, ein Baustein in einem komplexen Gesamtbild, das intelligent gewürdigt werden will.

In der Funktion bestimmte Informationen heraus zu arbeiten, haben preisbasierte Oszillatoren also Wert für uns. Einen eigenen Mehrwert, also Informationen hinzuzufügen, die das Chart ohne sie nicht hat, liefern sie aber nicht.

Das Volumen, das wäre ein Fall einer hinzu gefügten Information, die einen eigenen Mehrwert hat, preisbasierte Oszillatoren sind das nicht.

Noch zum Abschluss ein Wort zum Versuch, aus solchen einzelnen Indikatoren einen klaren Edge zum Markt zu generieren. Ich sehe das wegen der Reflexivität eher nicht. Wäre es möglich unter Betrachtung eines einzelnen, preisbasierten Indikators, einen im Einzelfall belastbaren Edge zu generieren, würde es jeder tun, womit der Edge per Definitionem nicht mehr existieren könnte.

Die Betrachtung einer charttechnischen Lage, ist also *immer* die intelligente Wertung unterschiedlichster Faktoren, die in einen Kontext gestellt werden müssen, der viel mit Erfahrung und Mustererkennung zu tun hat. Genau deshalb, wird man besser darin, je mehr man den Markt und seine Muster beobachtet.

Eine Abkürzung für diesen mühsamen Weg, den "heiligen Gral der technischen Analyse" sozusagen, gibt es nicht - zumindest kenne ich ihn nicht.

Ich selber halte mich daher von allen Versuchen fern, einzelne Indikatoren zu tief analysieren zu wollen. Denn je tiefer man gräbt, desto tiefer kommt man in den undefinierbaren Sumpf des Beobachterproblems. Auch wenn die Farne an der Oberfläche attraktiv und synchron im Wind schwanken, in der Tiefe des Bodens der selbstreferentiellen Märkte, findet man eher keinen Granit, sondern Sumpf.

Indikatoren sind Hilfsmittel. Der Kern ist der Preis und sonst gar nichts.

Ich bin und bleibe am Markt opportunistischer "Wolkenspringer". Wenn andere noch heraus finden und "gründeln" wollen, ob das Gesicht in den Wolken denn "echt" ist, bin ich schon weiter gesprungen und labe mich an einem neuen, frischen Gesicht woanders. 😉

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Mein Vater Indikator



Mein Vater ist nun 79 Jahre alt. Er hat damit schon das statistische Durchschnittsalter seiner Generation übertroffen und obwohl er seit locker 30 Jahren jeden Tag darüber jammert, wie schlecht es ihm gesundheitlich geht, ist er für sein Alter überdurchschnittlich fit, ohne echte körperliche Einschränkungen.

Und auch im Kopf ist noch alles in Ordnung, sicher - aus dem was mit 50 eine sympatische Marotte ist, wird mit 80 dann ein nerviger Tick - aber auch das ist eher völlig normal und kein Grund zur Sorge.

Alles in Ordnung also mit meinem Vater. Und da der Name "Schulte" in Westfalen und Niedersachsen ein Allerwelts-Name wie "Müller" ist und ihn daher niemand wird identifizieren können, kann ich auch offen hier über ihn reden, ohne damit seine Anonymität preiszugeben. Betrachten wir ihn also als ein "Rohmodell", für einen bestimmten Anlegertypus - denn genau darum und um die Verhaltensmuster dieser Anleger, geht es mir hier im Artikel. Mein Vater ist da nur Katalysator und schillerndes Beispiel.

Unser Verhältnis als Vater-Sohn ist auf der Beziehungsebene nicht das Beste, warum das so ist, gehört aber nicht hier her. Aber auf der Sachebene können wir nach wie vor vernünftig miteinander reden, wir haben einen Modus Operandi, mit dem wir ganz gut miteinander klar kommen - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

So ist auch Geld immer mal wieder Thema. Mein Vater weiss grob was ich mache, mehr als grob aber nicht, weil er hat kein Internet und will auch keins haben. "Das brauche ich nicht mehr", ist auch so ein Satz, den ich seit vielen Jahrzehnten kenne, in seiner Ignoranz und Engstirnigkeit hasse und nur noch ignoriere, weil ich mich in jüngeren Jahren darüber genügend und sinnlos aufgeregt habe.

Ich muss das voraus schicken, damit klar ist, dass er wirklich keinen blassen Schimmer davon hat, was ich inhaltlich schreibe. Er kann sich das auch gar nicht vorstellen, Internet und Computer sind alles "Böhmsche Dörfer" für ihn, seine Welt besteht nach wie vor aus eher linken bzw linksliberalen, klassischen Zeitschriften wie Spiegel oder Zeit, wie schon vor 40 oder 50 Jahren. Insofern weiss er schon, dass ich was von Börse verstehe, kann das aber überhaupt nicht einordnen und werten gegenüber dem, was er in Zeitungen liest.

Und mein Vater ist das Urbild eines risikoaversen, zutiefst struktur-konservativen Menschen. Das ganze Leben in einem Job im öffentlichen Dienst, das prägt. Sein Leben besteht aus permanenter, bewusster Beschränkung auf den schon bekannten Horizont - nur ja nichts Neues! - und alles vermeidend, was auch nur ansatzweise mit Unsicherheit und offenen Fragen oder neuen Erfahrungen einher geht.

Was das für seine Geldanlage bedeutet, dürfte klar sein. Festgeld, Tagesgeld, Münzen, eine Immobilie. Hauptsache "sicher" und wenn vom Staat "garantiert", um so besser.

In dem ich das so schreibe, sehen Sie schnell, dass ein paar Dinge für die ich stehe, unter anderem auch eine Antithese zu meinem Vater sind. So etwas gibt es öfter, die Psychologen unter uns, werden jetzt lächeln. Wir sind eben alle nicht nur das Produkt unserer Gene, sondern auch unseres Umfeldes und das, was wir dann in späteren Jahren, aus eigener, bewusster Entscheidung zu unserem Charakterbild hinzufügen, ist eher das krönende, abrundende I-Tüpfelchen, als die Grundierung unseres Ichs.

Ich hätte mich vielen der herausfordernden Erlebnisse, die mich auf meinem Weg extrem weiter gebracht haben, vielleicht auch nicht mutig geöffnet, wenn ich nicht die Antithese zu Hause gehabt hätte als ein "Vorbild", wie ich garantiert *nie* werden wollte. Insofern kann ich meinem Vater für seine risikoaverse Lebenshaltung dankbar sein. Wenn ich Pech habe, geht es bei meinem Sohn dann wieder in die Gegenrichtung. 😉

Ab und zu, wenn es mir wirklich fast ins Auge sprang, habe ich mal versucht, ihn für solide Standard-Aktien - Typus Dividenden-Aristokrat - zu öffnen. Ich erinnere mich an Gespräche in 2009, 2010 und auch 2011 nach der Eurokrise und ich weiss auch, dass ich 2009 ganz präzise General Electric (5 -> 30 USD heute) und Johnson & Johnson (40 -> 120 USD heute) mit ihm besprochen habe. Aber keine Chance. Das ist ja alles Teufelszeug und nur für Zocker und ausserdem kommt der grosse Absturz ja noch. Schon klar - wieder so jemand mit einer Glaskugel, der Crash-Gurus liest. 😉

Sie sehen, mein Vater ist das perfekte Abbild des deutschen "Anlegers". Risikoavers bis ins Extrem, voller Einbildung etwas von Finanzen zu verstehen und gleichzeitig aber bereit, versprochenen Zinsen ala Prokon hinterher zu rennen. Hauptsache man kann sich "sicher" fühlen.

Nach Prokon hat er mich übrigens jahrelang alle paar Monate mal gefragt, ich konnte es ihm aber jedes Mal ausreden. Die Prokon-Pleite zu erleben, konnte ihn aber auch nicht in seiner Weltsicht erschüttern, Johnson & Johnson war immer noch "Teufelszeug". Auch 2014. 😉

Also, mein Vater ist eigentlich ein hoffnungsloser Fall was Aktien angeht. Der typische deutsche "Anleger" eben, wie er millionenfach da draussen ist. Und ich betone das erneut, er ist heute geistig fit und völlig beieinander, nicht anders, als er schon immer war. Vielleicht etwas extremer in seinen Marotten, aber das ist wie gesagt das Alter. Sie werden gleich verstehen, warum ich seine geistige Fitness so betone.

Und dann telefoniere ich diesen Sonntag mit ihm und falle fast vom Stuhl. Wir schreiben das Jahr 2016, er ist 79 Jahre alt und er hat durch den Verkauf des Hauses Geld, das er anlegen muss und sieht, dass es keinen Zins mehr gibt. Und ich sage ihm seit Monaten klipp und klar, es gibt auch keinen "sicheren" Zins mehr, im Sinne seiner Definition von "Sicherheit". Und erkläre ihm, woran das liegt und ja, das kann er nachvollziehen, davon hat er ja auch schon in Spiegel und Zeit gelesen.

Und dann sagt er mir völlig überraschend am Telefon, dass er diese Woche ein Gespräch mit einem Bankberater hat und nun passive Aktienfonds kaufen wolle. Und ich solle ihm doch mal erklären, was ein ETF sei.

Krach, Schepper, Boom!

Das war das Geräusch, als mein Stuhl mit mir umgekippt ist und ich mit dem Rücken auf dem Boden aufgeschlagen bin. Es hat mich fast zerrissen.

Jetzt, im Jahr 2016 will mein Vater Aktien kaufen, der diese seit Jahrzehnten nicht wollte und Johnson & Johnson und General Electric in 2009 Teufelszeug fand. Jetzt in 2016 bei S&P500 2.140. Schluck!

Ich habe mich dann eher bedeckt gehalten, denn ich bin ja froh, dass ich nicht drin hänge und daher am Ende auch nicht schuld bin. Denn ich würde im Jahr 2016 jemandem wie meinem Vater nicht mehr zu Aktienfonds raten. Von 2009 bis 2011 habe ich das aus Überzeugung getan, aber nicht 2016. Wer heute kauft, muss wissen, was er tut. Ich sage nicht, dass man heute nicht mehr kaufen kann, aber das ist nun eher etwas für erfahrene Anleger mit dem Finger am Abzug und nichts mehr für Aktien-Anfänger.

Aber ich habe ihm zumindest einmal in deutlichen Worten abgeraten es jetzt sofort zu tun und ihm geraten zu warten, bis der Markt mal 10-20% korrigiert und in seinen Zeitungen von dem Wort *Crash* die Rede ist und dann erst zu seinem Bank-Berater zu gehen.

Nützen wird es nichts, er wird diese Woche kaufen, das weiss ich jetzt schon. Und nehmen wir mal an, der Markt würde nun nach der US Wahl um 20% korrigieren, dann würde mein Vater panisch am Tiefpunkt verkaufen und "Teufelszeug" rufen. Auch das ist völlig klar und auch darin, ist er völlig normal und Rohmodell für viele Anleger.

Uff!!

Warum erzähle ich Ihnen diese lange, persönliche Geschichte?

Weil mein Vater wie oben gesagt, das perfekte Abbild, des risikoaversen, eher ahnungslosen deutschen Durchschnitts-Anlegers ist. Übrigens hat er mich im Gespräch auch gefragt, ob er denn bei den ETFs so Aktien wie Rüstung oder Chemie vermeiden könne - liebe -> Ethik-Fonds <-, hier kommt ein dankbarer Kunde. 😛

Warum ich Ihnen das hier so lang und breit und persönlich erzähle ist also, dass das was ich mit meinem Vater gerade erlebe, genau das ist das, was im -> Crack-up Boom <- passiert. Genau das!

Menschen wie "Schulte-Senior", wollen mit 79 Jahren Aktien kaufen, weil sie vom fehlenden Zins bei normalen Anlagen dazu getrieben werden. Mich hat es wie gesagt vom Stuhl gehauen!

Stellen wir uns doch nur vor, die Inflation würde nun wirklich in Gang kommen. Und die Abermillionen von Anlegern, die ihr Geld immer noch auf Konten und im Festgeld herum stehen haben werden merken, dass ihre Netto-Rendite deutlich negativ ist, weil die Inflation viel höher ist. Wie werden die reagieren mit ihren Billionen Anlagegeld? Was werden die tun, um ihr Erspartes zu retten?

Die einen werden sich dem nächsten Prokon an den Hals werfen, das ist klar. Hauptsache mit dem Schild "nachhaltig" und "ökologisch" und einem hohen nominalen Zinssatz versehen, ein Wohlfühlinvestment halt, bis es dann explodiert.

Die nächsten werden mit Macht noch einmal in Immobilien drängen. Nachdem der Boom des letzten Jahres dieses Jahr im Hochpreissegment etwas abflaut, kommt dann noch einmal ein Schub aus dem Gefühl der "letzten Chance" heraus.

Und wieder andere werden anfangen Aktien zu kaufen, weil sie keine Alternative mehr sehen. Das ist die Milchmädchen-Hausse, das ist der Crack-Up Boom. Oder bei mir eben der Vater-Indikator.

Wir wissen, dass alle diese unbedarften Anleger, im irgendwann kommenden nächsten Absturz, bei dem wir nur das Jahr nicht kennen, eine Menge Geld verlieren werden und die nicht vorhandene Aktienkultur in Deutschland dann neue Tiefsstände erreichen wird. Alles "Teufelszeug" eben.

Stimmen von Leuten wie mir die sagen: "Nicht Teufelszeug, sondern eher ahnungslose Anlage-Lemminge", werden erneut wirkungslos verhallen, wie schon nach dem Jahr 2000. Und alle die Aktien in 2000 toll fanden, konnten 2003 dann nicht mehr kaufen. Es gibt eben Dinge, die ändern sich nie.

Bis dahin aber, bis zum Absturz, kommt erst der Crack-Up Boom. Das zumindest sagt nun mein "Vater-Indikator". Und wenn uns der Markt vorher noch den Gefallen tut, mal 10-20% zu korrigieren, ist das wahrscheinlich ein Geschenk für uns.

Dieses mich wahrlich "erschütternde" Erlebnis, wollte ich mit Ihnen teilen. *Mein* 79 Jahre alter Vater kauft nun zum ersten Mal in seinem Leben Aktien und dann noch via ETF.

Das will uns etwas sagen. Mir sagt es nur: Schluck!

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Advance / Decline (AD) Line



In den "Hari Notizen" im freien Bereich, hatte ich heute auf die -> New 52-week-highs in S&P500 <- hingewiesen, eine Liste die Aktien zeigt, die ein neues 52-Wochen-Hoch geschafft haben.

Gestern waren das 47 Aktien, oder fast 10% des S&P500. Das ist klarer Ausdruck guter Marktbreite und im bullischen Sinne auf der mittelfristigen Ebene bestätigend. Über das, was der S&P500 heute oder morgen macht, sagt das aber nichts aus.

Auf einen weiteren "Breadth-Indikator" will ich heute auch kurz eingehen, der manchmal auch gute Dienste leistet, in die gleiche Richtung wie die "52-Week-Highs" zeigt und unter anderem darauf hingewiesen hat, dass wir nun gute Chancen für neue Allzeithochs haben.

Das ist der Advance/Decline (AD) Indikator, der ganz simpel die Anzahl der steigenden Aktien, der Anzahl der fallenden Aktien gegenüber stellt. Lesen Sie eine genaue Erklärung hier: -> Advance-Decline Line <-

Manchmal sind es die einfachsten Indikatoren, die die besten Signale liefern, man muss sie nur wahrnehmen und zu werten wissen. Schauen Sie mal hier, wir haben oben die kumulative A/D Linie und darunter den S&P500 zur Referenz, beide seit 2014:

AD 09.06.16

SPX 09.06.16

Jetzt ist mein Vergleich zum S&P500 nicht ganz fair, weil um ganz präzise zu sein, müsste man die AD Line mit dem vergleichen, worauf diese hier im Chart berechnet wird und das ist der NYSE Composite Index (NYA), der etwas umfangreicher, als der S&P500 ist. Da der aber hier kaum bekannt ist und kaum andere Ergebnisse produziert als der S&P500, habe ich Letzteren zum Vergleich genommen. Die Aussagen ist in beiden Fällen identisch.

Wie sehen die klare, positive Divergenz, die die AD-Line seit Februar diesen Jahres hat. Ich habe bewusst mit einer blauen Linie die jeweils obere Begrenzung heraus gearbeitet, um auf einen Blick zu zeigen, dass die kumulative AD Linie und der S&P500, eigentlich ein hohe Parallelität haben.

Das ist ja auch nicht so verwunderlich, denn wenn der Index steigt, steigen auch die enthaltenen Aktien. Die Frage ist immer nur, wie stark der Index die Einzelbewegungen optisch dämpft.

Seit Februar diesen Jahres aber, läuft die AD Linie in einer deutlichen Divergenz nach oben weg. Das können wir so übersetzen, dass der Index an der Oberfläche ruhig und träge erscheint, unter der Decke aber viel mehr Aktien steigen, als fallen.

Und das ist wiederum nur möglich, wenn wenige grosse Titel bremsen, viele mittlere Aktien aber schon im neuen Bullenmarkt sind.

Interessant ist in dem Zusammenhang, dass der Russel 2000 Small Cap Index (RUT), gegenüber dem S&P500 hinterher hinkt. Man kann also nicht einfach sagen, dass kleine Aktien besser laufen als grosse. Ausserdem sind im S&P500 ja gar keine so richtig kleinen Aktien.

Nein, die starke AD Linie sagt eindeutig, dass auch mehr mittlere steigen, als der S&P500 auf den ersten Blick sichtbar macht. Das genau ist gute Marktbreite!

Nun sind so Indikatoren immer interpretationsfähig und man kann solche Daten leicht unterschiedlich interpretieren, aber dieses Bild weist recht eindeutig auf einen starken Markt, der im Inneren gesund erscheint. Genau genommen, ist die positive Divergenz zum NYA oder zum RUT, in denen mehr kleine Aktien sind, sogar noch grösser. Den S&P500 mit Divergenz zu schlagen, ist im Moment also die härteste Nuss und auch das schafft aktuell die AD Linie.

So richtig "gemerkt", habe ich das aber auch erst vor ein paar Wochen, als sich auch meine Stimmung aufhellte. Denn es braucht Zeit, bis die Divergenz des Indikators so richtig sichtbar wird und das ist auch kein Indikator, auf den ich täglich schaue.

Aber trotzdem ist es doch faszinierend, wie hier eine augenscheinlich wichtige Information auf einfachster Datenbasis vor unserer Nase war. Und die lautet:

Die US Märkte sind unter der Decke stärker, als sie oberflächlich erscheinen. Dabei wirkt der S&P500 ja auch an der Oberfläche keineswegs schwach.

Faszinierend. Sie sehen, es lohnt sich, immer mal wieder über den Tellerrand zu schauen.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***