Gastkommentar: Summer’s over – DAX 8000 dank Super-Mario ?

Ein Gastartikel von Tokay

Allmählich trudeln die Urlauber aus den Sommerferien ein – einige davon werden sich sicherlich hinter ihren Desktop klemmen, sich ihr Depot anschauen und sich fragen, wie es denn nun an den Märkten weitergehen wird. Davon handelt dieser Beitrag. Ein heißer August wie kürzlich geschrieben war es in der Tat – aber doch nur meteorologisch. An den Aktienmärkten ist im vergangenen Monat nicht sonderlich viel passiert. Es scheint, als wäre dies ein Atemholen vor großen Ereignissen gewesen.

  • Soeben hat Draghi „geliefert“. Er hat auf einer Pressekonferenz die Absicht der EZB erklärt, unbegrenzt Staatsanleihen der südlichen Euroländer kaufen zu wollen und nur noch in gewissem Umfang Zinsspreads zu tolerieren. Es steht allerdings der Troika-Bericht zu Griechenland noch aus und außerdem sind demnächst Neuwahlen in den Niederlanden;
  • Es dümpelt allerdings die US-Ökonomie. Man liest bereits von einer milden Rezession. Was also wird die FED tun? Kommt QE3? Was ist mit dem „Fiscal Cliff“ und mit der gegenseitigen Blockade von Demokraten und Republikanern?
  • Was ist mit China? Was mit dem nahen Osten, Stichwort Israel/Iran?

Man muss allerdings sagen, dass die aktuellen EZB-Beschlüsse ein starkes Signal sind. Gemäß der alten Regel, nicht gegen die Notenbank zu spekulieren, kann man als Anleger nunmehr mit erheblichem Rückenwind operieren. Wenn die Zinsen der Südländer gedeckelt werden und diese Länder an ihrer Reformpolitik festhalten, ist das kurzfristige Aufwärtspotential beträchtlich.

Betrachten wir bei der Gelegenheit die Lage einmal aus einer längerfristigen Perspektive. Welchen Ertrag können uns Aktien prinzipiell bringen? Dies hängt vor allem ab von der absoluten Höhe des Gewinns und davon, wie groß der Anteil des Gewinnes ist, der ausgeschüttet wird. Es hängt außerdem ab vom Wachstum der Gewinne, von der Zinsentwicklung und von der Risikoneigung der Akteure. Hohe Marktzinsen und Risikoprämien mindern den Ertrag, dürften sich aber in sehr langer Sicht neutral, weil eher unsystematisch verhalten, so dass wir diese Komponenten in der nachfolgenden Rechnung vernachlässigen können.

  • Wie wir aus der Vergangenheit wissen, wird ein gewisser Teil der Unternehmensgewinne, sagen wir 30 bis 40 Prozent, ausgeschüttet. Man kann somit von einer Dividendenrendite von zuletzt etwa 2 bis 3 Prozent des eingesetzten Kapitals ausgehen.
  • Die Gewinne dürften langfristig so steigen wie die Volkswirtschaft selbst. Bei einer stark exportorientierten Ökonomie wie der deutschen kann man aber die Wachstumsrate getrost etwas höher ansetzen, denn es wird häufig in wachstumsstarke Regionen geliefert. Auch hier sind 2 bis 3 Prozent an realem Wachstum nicht unvernünftig, ja sogar eher konservativ.
  • Und da wir keine völlige Preisstabilität haben, ist außerdem die Inflationsrate zu berücksichtigen. Eine Spanne von 2 bis 3 Prozent kann man hier ebenfalls als plausibel ansehen.

Damit haben wir die drei Komponenten der langfristigen Aktienerträge. Diese Erträge schwanken je nach Zins- und Risikoerwartungen, und letztere sind also nicht seriös zu prognostizieren. Die drei Basiskomponenten summieren sich nach dieser Rechnung zu einem Ertrag von 6 bis 9 Prozent per annum.

Der DAX stand am 1. Januar 1988 bei 1.000 Punkten. Rechnet man also mit einem durchschnittlichen Wachstum von beispielsweise jährlich 8 Prozent, dann wäre am 31. Dezember 2012 ein DAX-Stand von ca. 6.850 Punkten zu erwarten. Augenblicklich(Donnerstag Abend) stehen wir bei gut 7.150 Punkten.Das Jahr 1988 ist deswegen ein sinnvoller Ausgangspunkt, weil beim vorangegangenen Crash im Oktober 1987 die Märkte zum ersten Mal in großem Umfang mit Geld geflutet wurden(damals vom gerade ins Amt gekommenen Chef der Fed, Alan Greenspan).

Diese Zahlen zeigen uns, dass wir im Augenblick keine Überhitzung vorliegen haben. Eine deutliche Unterbewertung liegt allerdings auch nicht vor. Nun wissen wir aus der Vergangenheit jedoch folgendes: Aktienkurse können längere Zeit vom normalerweise zu erwartenden Entwicklungspfad abweichen. Dies gilt insbesondere beim unerwarteten Eintreten bestimmter Ereignisse, die eine gewisse Aufwärts- oder Abwärtsdynamik in Gang setzen können. Somit können sich auch in naher Zukunft die Kurse ein gutes Stück vom langfristigen Pfad entfernen, ohne dass dies sogleich in einen Einbruch münden muss.

In dem oben vorgestellten Diagramm ist dies gut sichtbar; man vergleiche die Strecke ABC, die die Entwicklung der 90er Jahre kennzeichnet und die viel steiler ist als jener Entwicklungspfad, der unter Zugrundelegung eines gleichbleibenden Anstiegs von 8 Prozent p.a. generiert wird(gleiches gilt für die Strecke DE). Eine scharfe Korrektur ist umso wahrscheinlicher, je länger sich die tatsächliche Entwicklung vom Pfad der „Normalentwicklung“ entfernt. Besonders eindrücklich war das ab dem Jahr 2000 der Fall, als die Anleger für die Exzesse dieser „roaring nineties“ bezahlen mussten(Strecke CD und später EF während der Finanzkrise 2008). Dies ist beispielsweise für diejenigen von Belang, die auf das Eintreten bestimmter Entwicklungen spekuliert haben und daher unter Umständen etwa ihren Urlaub anstatt wie geplant in der Südsee auf Balkonien verbringen müssen. Indes sind die Tiefpunkte solcher Entwicklungen auf lange Sicht sehr profitable Einstiegsgelegenheiten. Gut zu sehen ist auch, dass die Einbrüche heftig sind, aber viel kürzer als die vorangegangenen Hausseentwicklungen.

Eine deutlich expansive Politik wird nun wahrscheinlich als Signal dafür gesehen werden, dass ein Abgleiten in eine starke Rezession von der EZB nicht zugelassen werden und in der Folge die Kurse beflügeln wird. Die EZB wird die Anleihekurse hoch, damit die Anleihezinsen tief halten und die Risikoprämien abbauen helfen.

Die Überlegungen der EZB selbst scheinen allerdings nicht ganz in diese Richtung zu gehen. Die Spreads zwischen den Anleihen der südlichen Euroländer und denen des Nordens werden von der EZB als Signal dafür interpretiert, dass die Märkte ein Auseinanderbrechen des Euro vorwegnehmen und den Transmissionsmechanismus der Geld- und Kreditschöpfung hemmen. Die EZB scheint daher entschlossen, bis an die Grenzen des ihr möglichen zu gehen, um die Märkte zu stabilisieren und durch die resultierende Liquiditätsschwemme diese Hemmungen zu beseitigen. Diese Politik ist riskant und wird insbesondere in Deutschland heftig angegriffen. Doch bergen auch die Alternativen zu dieser Strategie große Risiken. Bis auf eine Stimme – wahrscheinlich die deutsche – hat die EZB indes einvernehmlich entschieden.

Wir werden also mit großer Wahrscheinlichkeit einen Kursschub bekommen, der die kommenden Monate andauern und Richtung 8.000 Punkte zielen wird. Sollte er allerdings nicht eintreten, so würden Erwartungen, die im Vorfeld aufgebaut wurden, korrigiert werden und der Verkaufsdruck wieder zunehmen. Da die Sentimentindikatoren jedoch eher in Moll gestimmt sind, ist zu vermuten, dass sich viele Player an der Seitenlinie befinden und der Verkaufsdruck damit eher begrenzt ist. Eine grundlegende Absicherung ist vorhanden, wenn man die Tiefs der Einbrüche 2003 und 2008 miteinander verbindet(Strecke DF). Diese grüne Linie markiert die untere, parallel zur „Normalentwicklung“ verlaufende Begrenzung. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, aber bei einem Unterschreiten dieser Linie, wie etwa im Fall einer schweren Rezession, wäre der bislang gültige Pfad der Aufwärtsentwicklung für lange Zeit gebrochen.

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Hari´s Märkte am Abend – 06.03.12 – Risk OFF – von volkswirtschaftlichen Irrlehren

22 Uhr - Handelsschluss

Na endlich möchte man sagen. Die Bären leben und haben ihre Zähne doch nicht verloren. In vielen Aktien hat man heute zum ersten Mal dieses Jahr fühlen dürfen, wie sich der schmerzhafte Biss eines Bären anfühlt. Mit dem Bruch der DAX 6800 nach unten, haben sich die Bären heute wieder meinen Respekt erworben und ich nehme sie seitdem wieder ernst.

Und - man glaubt es kaum - aber Mr. Market macht auch mal was die Mehrheit erwartet. Alles was ich bisher sehe, spricht aber dafür, dass das nicht mehr ist, als die lange erwartete Korrektur in der Aufwärtsbewegung.

Denn der kommunizierte "Auslöser" in Form von erneuten Ängsten um den griechischen Schuldenschnitt ist für mich eher ein schlechter Witz. Insbesondere dieses "überraschend aufgetauchte" vertrauliche IIF Dokument vom 18.02.12, in dem wohl vor Schäden im Bereich von einer Billion im Falle einer Pleite Griechenlands gewarnt wird, kann ich nicht ernst nehmen. Wer immer dieses Dokument in den Markt lanciert hat, dürfte wohl einen schönen Schnitt gemacht haben, denn die Wirkung 2 Tage vor dem Fristende ist nun wirklich berechenbar, wenn sie auf einen ziellosen Markt trifft, der durch das China Thema schon angeschlagen ist.

Inhaltlich gibt es zu diesem Dokument von mir auch nur zu sagen: wenn Banken nach über 2 Jahren der Vorbereitung und nach der Möglichkeit selbst Fussballer-Darlehen an die EZB abzuschieben, nun immer noch von Griechenland oder ihrem CDS Engagement in den Orkus gezogen würden, dann sollte man die verantwortlichen Manager nach meiner Ansicht wegen erwiesener Unfähigkeit und grober Fahrlässigkeit am besten gleich vor ein Schnell-Gericht stellen. Das wird aber nicht passieren, denn so unfähig wird wohl keiner sein. Das Risiko liegt schon lange primär beim Steuerzahler und wurde sozialisiert. Das IIF Dokument halte ich für Theater um die Beteiligung an der Umschuldung zu erhöhen und die Lancierung heute hat für mich ein ziemliches Geschmäckle.

Auf jeden Fall ist der heutige - teilweise brutale - Abverkauf quer durch alle Bereiche ganz typisch für eine Korrektur aufgrund plötzlich aufwallender - und damit irrationaler - Angst. Der steile Anstieg des VIX bestätigt das auch. Dabei gibt es heute keine wirklich neuen Erkenntnisse, die sich vor allem im ungewöhnlichen Bewegungen in bestimmten Segmenten zeigen würden. Hier wird einfach alles rausgeworfen und was vorher am besten lief, leidet am stärksten - Risk OFF halt.

Und das gerade die deutschen Industriewerte am meisten leiden ist auch nichts Neues, es liegt schlicht daran, dass die Investoren der Wallstreet in jeder Korrektur zunächst die ausländischen Werte verkaufen. Deshalb fällt der DAX auch wieder viel stärker als der S&P 500. Kennen wir alles aus dem letzten Herbst.

Bleibt die Frage WANN und WO man in diesen Markt wieder einsteigen sollte. Denn sobald diese Korrektur ausläuft - unter der Annahme, dass es bei einer kurzen Korrektur bleibt - bekommt man möglicherweise den sichersten Einstieg seit Jahresanfang, weil dann gerade ein reinigendes Gewitter hinter uns liegt.

Was das "WANN" angeht, rechne ich am morgigen Mittwoch eher noch nicht mit der Wende. Für eine sofortige V-förmige Wende fehlt es Morgen unter Umständen am Katalysatoren und nach diesem langen Anstieg, wäre eine mehrtägige Korrektur auch äusserst normal. Ausserdem wird bei einigen institutionellen Investoren heute wohl erst einmal überlegt und morgen dann möglicherweise noch einmal auf den "SELL" Knopf gedrückt.

Erst ab Donnerstag wird es wohl interessant. Denn am Donnerstag haben wir die Entscheidung um die Umschuldung Griechenlands und die EZB Sitzung und am Freitag die US Arbeitsmarktdaten. Ich halte das nach meinem heutigen Erkenntnisstand für einen möglichen, groben zeitlichen Rahmen der Korrektur, also mit einem möglichen Ende im Bereich Donnerstag bis Montag kommende Woche. Jedes dieser Ereignisse hat das Potential, nach dem heutige Abverkauf das Signal zur Rally nach oben zu geben. Sollte der Donnerstag enttäuschen und von erneuten Abgaben geprägt sein, reichen am Freitag möglicherweise schon durchschnittliche Arbeitsmarktdaten für eine Erleichterungsrally.

Zum "WO" habe ich mich in Sachen DAX schon geäussert. Eine erste Auffangzone ist bei ca. 6650, die Marke die ich heute früh um 10 Uhr schon nannte und an der der Markt heute auch konsequent zunächst zum Stehen kam, bevor er in der Schlussauktion dann doch darunter schaute. Ob diese Marke aber morgen im echten Handel hält, ist für mich zweifelhaft, dafür ist sie auch nicht ausgeprägt genug. Viel wohler fühle ich mich bei der massiven Unterstützung oberhalb 6400 und es würde mich eher wundern, wenn wir im Rahmen dieser Korrektur da einfach durchfallen. In diesem Fall müsste man dann wohl auch die Frage stellen, ob es wirklich nur eine simple Korrektur der Aufwärtsbewegung ist. Aber an dieser Stelle sind wir noch lange nicht, denn solange wir oberhalb DAX 6400 drehen, ist für den Aufwärts-Trend eigentlich nichts passiert.

Und was die richtigen Aktien für einen theoretischen Rebound wären, ist auch leicht zu beantworten, denn für eine nachhaltige Sektorrotation halte ich die Aufwärtsbewegung noch für zu jung. Kaufenswert sind also in meinen Augen die klassischen Industrie-Werte, die in den letzten Wochen am besten gelaufen sind und nun in der Korrektur auch am stärksten verprügelt werden. Viele Qualitätsaktien die wir hier in den vergangenen Wochen besprochen haben, wurde heute um 5-7% nach unten geprügelt. Wenn da in den kommenden Tagen noch ein Schub nach unten kommen sollte, haben wir in meinen Augen bei einigen Titeln attraktive Kaufkurse.

Insofern erübrigen sich heute auch Kommentare zu Einzelaktien, das heutige "Meer in Rot" birgt für mich keine grossen Überraschungen was Einzelbewegungen angeht. Wenn überhaupt ist zu bemerken, dass die gestern massiv verprügelten Rohstoffwerte heute nur noch mässig im Rahmen des Marktes abgaben. Der gestern von mir am Beispiel Rio Tinto skizzierte Punkt, könnte also näher rücken.

Warten wir also einfach ab, wann und wo der Markt dreht und versuchen wir diese Korrektur optimal für unser Depot auszunutzen.

Was das Thema Iran angeht, kann ich mir gut vorstellen, dass im Weissen Haus als Kompromiss zwischen beiden Positionen nun ein letzter diplomatischer Versuch vereinbart wurde und entsprechende Aktivitäten entfalten sich ja gerade in Form von erneuten Atomverhandlungen. Sollte auch dieser diplomatische Versuch scheitern, vermute ich, dass die US aber Israel Unterstützung für einen Militärschlag zugesichert haben. Und ich denke auch, wie schon seit Monaten, dass Israel nicht nur blufft, sondern diesen Schlag auch führen wird.

Hoffen wir also, dass der Iran den Ernst der Lage und die allerletzte Chance zur friedlichen Lösung endlich erkennt. Denn eigentlich ist doch alles ganz einfach, niemand spricht dem Iran das Recht zur friedlichen Nutzung der Atomenergie ab. Lässt er also ohne Bedingungen und mit aller Offenheit internationale Inspektoren ins Land, wäre der Konflikt wohl schnell gelöst. Und wenn man den permanenten Beteuerungen Irans zur rein zivilen Nutzung der Kernenergie Glauben schenkt, gäbe es ja auch keinerlei Problem internationalen Inspektoren überall Zugang zu gewähren. Ich befürchte aber, man hat doch etwas zu verbergen. Und Israel kann und wird nicht zulassen, dass eine Regierung die Israel die Existenzberechtigung abspricht, Atomwaffen in die Hand bekommt.

Insofern halte ich die Tage und Wochen nach dem Scheitern der jetzigen - wahrscheinlich letzten - diplomatischen Initiative für die wirklich kritische Zeit. Diese Woche geht der Kelch des Krieges aber wahrscheinlich noch einmal an uns vorbei.

Zum Schluss noch ein ganz anderes Thema, das aber gut zu dem heutigen Tag passt: Die Volkswirtschaftslehre mit ihren Irrlehren. Denn glauben Sie wirklich, es gäbe heute objektive neue Erkenntnisse im Markt, aufgrund derer wir gerade heute "höchst effizient" korrigieren und nicht schon gestern oder vorgestern ? Glauben Sie wirklich dieses Verhalten des Marktes heute sei rational und es basiere auf effizienter Informationsverarbeitung, dass wir heute bei vielen Qualitätsaktien um 5-7% nach unten rauschen, aber eben nicht gestern ?

Ihnen wird nicht entgangen sein, dass ich mir immer mal wieder eine deutliche Spitze gegen die traditionelle Volkswirtschaftslehre erlaube. Besonders die Adepten der "Efficient Market Hypothesis" (EMH) haben es mir schon seit Jahren angetan, die es ja immer noch schaffen für derartige Ergüsse Nobelpreise zu bekommen. Und falls Sie sich in dem Thema nicht so auskennen, dabei handelt es sich nicht um eine obskure Theorie, sondern um einen der Grundpfeiler der gängigen volkswirtschaftlichen Lehre in den letzten Jahrzehnten.

Denn ich halte die EMH - als immerhin diplomierter Wirtschaftswissenschafter, aber vor allem als erfahrener Beobachter von Märkten - für eine dogmatisch verengte Irrlehre, die schon lange hätte im Müllkorb landen müssen. Es ist nur deshalb nicht passiert, weil sich diese Herren nach meiner Ansicht nicht dazu bequemen wie eine wirkliche Wissenschaft zu agieren und ihre Hypothesen einer rationalen Überprüfung mit der wissenschaftlichen Methode zu unterziehen. Da suhlt man sich lieber über Jahrzehnte im Wohlwollen anderer Apolegeten der gleichen Irrlehre und erfreut sich an gegenseitiger Bestätigung, statt den einzigen wirklich objektiven Richter anzurufen: Mr. Market. Denn der würde ein klares Urteil sprechen, genau das ist aber scheinbar das Problem.

So werden auf derartige, schon lange empirisch falsifizierte Ideologien - denn um nichts anderes handelt es sich für mich - fröhlich abgehobene mathematische Modelle darauf gesattelt, auf Basis derer nicht nur arme Studenten gequält und Nobelpreise eingeheimst werden, sondern noch schlimmer auch Risiko-Modelle der Finanzindustrie aufgebaut werden. Die "Güte" dieser Modelle konnten wir ja vor erst kurzem in Sachen Lehman beobachten. Mathematisch gesehen sind diese Modelle ja auch durchaus anspruchsvoll, aber auch ein Haus kann so stabil konstruiert sein wie man will, wenn das Fundament auf Sand steht, ist all der Aufwand sinnentleert.

Dabei hat die EMH ja durchaus auch ihre interessanten und bedenkenswerten Ansätze und nicht alles an der EMH ist Unfug. Das Problem entsteht eher durch den dogmatischen Wahrheitsanspruch, verbunden mit der Weigerung eine wissenschaftliche Falsifizierung ernst zu nehmen. Dogmatismus und Wissenschaft sollten eigentlich ein Widerspruch in sich sein, bei bestimmten Volkswirten ist diese Erkenntnis aber scheinbar noch nicht angekommen.

Glücklicherweise mehren sich nun langsam die Stimmen der Kritiker aus der Wirtschaftswissenschaft, die sich nicht mehr länger blind diesen Irrlehren anschliessen wollen. Paul Krugman ist schon länger so einer und nun auch Thomas Straubhaar, dessen sehr lesenswertes Interview zum Thema ich Ihnen daher -> hier <- auf keinen Fall vorenthalten will.

Seien Sie also sehr kritisch, wenn Sie in Medien von irgendwelchen Volkswirtschaftsprofessoren - die sich gerne auch mal "Weise" nennen lassen - mal wieder abstrakte Vorhersagen im Diktus der Alternativlosigkeit hören. Denn wie Thomas Straubhaar richtig bemerkt, sind diese Dogmatiker mit ihrem Wahrheitsanspruch in Deutschland noch der Mainstream an den Universitäten. Und wenn Ihnen jemand erzählen will, dass Märkte in der Regel effizient seien, weil alle relevanten Informationen angemessen eingepreist seien, dann suchen Sie sich ganz schnell einen anderen Gesprächspartner, denn Ihr Gegenüber hat absolut keine Ahnung wovon er redet, Professor hin oder her ! Es ist eine Schande, dass unzählige deutsche Studenten auch im Jahr 2012 immer noch nur dann gute Noten erzielen können, wenn sie diesen Irrlehren folgen.

Vielleicht werden Sie sich fragen, warum ich bei dem Thema so aggressiv und gnadenlos reagiere. Ganz einfach, weil wir gerade eine grundlegende Krise unseres an sich ausgezeichneten Wirtschaftssystems erleben, die noch schlimme Folgen für kommende Generationen haben kann, weil sie Radikalen, Spinnern und längst vergessenen Ideologien wieder Wasser auf die Mühlen liefert. Und diese Krise wurde ganz grundlegend gerade von diesen Theorien der "effizienten Märkte" befeuert. Letztlich baut das, was man das "angelsächsische Finanzsystem" nennt, zu einem guten Teil auf diesen Irrlehren auf. Und es macht mich wütend, dass man dafür immer noch Nobelpreise bekommt, statt geächtet zu werden.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen auch noch ein kleines, aber ebenso unterhaltsames wie lesenswertes Buch empfehlen: Kenneth Galbraith: Eine kurze Geschichte der Spekulation. Dieser schon 1990 veröffentlichte Klassiker spannt den Rahmen von der Tulpenblase des 17. Jahrhunderts bis Heute, ist ungeheuer lehrreich und von jedermann zu verstehen - in meinen Augen ein Muss für jeden, der an den Märkten unterwegs ist. Wer danach immer noch an effiziente Märkte glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !
Ihr Hari

Rheinmetall, iRobot und der Iran

Der Markt hat ja eigentlich immmer recht, aber keine Regel ohne Ausnahme und eine solche Ausnahme sehe ich persönlich gerade bei Rheinmetall (WKN 703000). Heute ist Rheinmetall wieder recht schwach und wenn man sich den Chart anschaut, dann hat Rheinmetall gegenüber anderen Industrie-Konzernen noch eine Menge nachzuholen. Grund der Unterperformance ist offensichtlich, dass der Markt Sorgen davor hat, dass die ganzen Sparmassnahmen in den Staaten der westlichen Welt zu geringeren Rüstungsausgaben führen. Völlig verfehlt ist der Gedanke sicher nicht, aber in meinen Augen doch übertrieben.

Denn erstens ist Rheinmetall weltweit aktiv und hat gerade im Nahen Osten eine Menge Chancen, der in Anbetracht der aggressiven Politik des Irans gerade vor einer gewaltigen Rüstungsspirale steht. Zweitens haben Schulden die Staaten noch nie gehindert für Rüstung Geld auszugeben, das völlig überrüstete Griechenland ist da so ein klassisches Beispiel. Drittens sind Radfahrzeuge und leichte Panzer wie die von Rheinmetall nicht nur im Militär, sondern in vielen Ländern auch bei der Polizei im Einsatz, Uno-Truppen eingeschlossen und derartige Einsätze werden eher steigen. Und last but not least ist Rheinmetall in seinem zweiten Geschäftssegment ein normaler Automobilzulieferer, mit der Option mit diesem Geschäft sogar an die Börse zu gehen.

Alles in allem genügend Argumente, warum ich Rheinmetall bei 43€ immer noch für einen Kauf halte. Kurzfristig kann die Aktie natürlich auch mal eben um 5% fallen, aber mittelfristig bin ich sehr zuversichtlich das wir wieder Kurse über 50€, wenn nicht 60€ sehen. Zu guter Letzt ist Rheinmetall im Depot sicher auch eine ganz gute Absicherung gegen einen Irankrieg, denn der Titel sollte im Falle des Falles sehr stabil bleiben, möglicherweise sogar steigen. Ich bin deswegen schon länger bei Rheinmetall investiert.

Apropos Iran und die Strasse von Hormus, was ich -> hier <- ja schon am 18. November letzten Jahres in einem eigenen Artikel thematisiert hatte als daran noch niemand glauben wollte, schiebt sich nun in einem klassischen Eskalationsablauf unerbittlich Richtung Krieg. Wenn nicht ein Wunder passiert - und an Wunder glaube ich nicht - wird Iran nicht nachgeben. Und Israel wird nach meiner Erwartung angreifen, weil sich Israel der stillschweigenden Sympathie der meisten arabischen Staaten sicher sein kann und ein Angriff bei allen Risiken immer noch das kleinere aller Übel ist.

Denn über die Satelliten wie die Hisbollah befindet sich Israel doch heute schon defacto im Krieg mit Iran. Ich sehe nur einen internen Umsturz im Iran als einzige Hoffnung, mit dem die Kleriker die Riege um Ahmadinedschad absetzen, mit der sie nach dem was aus dem Land dringt sowieso schon einen internen Machtkampf austragen. Gut für den Frieden wäre es, denn der Iran des Klerus ist eher nach innen gekehrt, der Iran Ahmadinedschads aber aggressiv mit Machtanspruch im Nahen Osten. Wetten würde ich auf dieses "Wunder" aber nicht, so sehr ich mir das für die Welt und all die Menschen wünsche, die bei einem derartigen Konflikt verletzt oder getötet würden.

Die mittel- und langfristigen Folgen eines solchen Angriffs kann niemand seriös abschätzen, das hängt schlicht vom Verlauf ab. Aber kurzfristig ist für uns Anleger klar, dass die Börsen weltweit massiv abstürzen werden. "Gewinner" werden ein paar Rüstungsfirmen, aber vor allem der Ölpreis sein. Und daher möchte ich Sie hier noch einmal daran erinnern, wie sinnvoll ich es finde im Moment Ölkonzerne im Depot zu haben, die genau nicht im Nahen Osten, sondern in politisch weit entfernten Regionen aktiv sind. Vier Namen fallen mir da sogleich ein, die kanadische Suncor (WKN A0NJU2) mit ihren Ölsanden, die norwegische Statoil (WKN 675213) mit ihrem Nordseeöl, die spanische Repsol (WKN 876845) mit ihren Ölfunden in Argentinien - die übrigens im Moment auch vom Chart her attraktiv aussieht und zum Schluss der brasilianische Staatskonzern Petrobas (WKN 899019 für die Vorzüge) mit seinen riesigen Vorkommen im Atlantik. Leider ist die Petrobas-Aktie in Deutschland sehr illiquide.

Wichtig ist auch zu verstehen, dass ein Iran-Konflikt deshalb das Potential hat den Markt massiv zu bewegen, weil Mr. Market die Risiken derzeit noch ignoriert und nach dem Motto "alles nur Gerede" mit den Schultern zuckt. Man merkt das Risiko etwas beim starken Ölpreis, das war es dann aber auch schon. Sobald sich das ändert und Mr. Market plötzlich eine Problemwahrnehmung entwickelt, werden sich die Kurse massiv in Bewegung setzen und dazu ist nicht einmal ein echter Angriff notwendig - es reicht die Erwartung, dass es zu einem kommt.

Passend zum Thema Rüstung möchte ich Ihre Aufmerksamkeit heute auch noch auf eine ebenso spannende wie heisse Wachstums-Aktie richten: den US Roboterhersteller iRobot (WKN A0F5CC) dessen Website Sie -> hier <- finden. Sie haben sicher schon mal von dem Staubsaugerroboter "Roomba" gehört, bei uns zu Hause fährt er übrigens fröhlich in der Küche herum und wir möchten ihn nicht mehr missen. Wir haben ihm den Namen "R2" nach "R2D2" aus Star Wars gegeben, weil er ähnliche Fiepslaute von sich gibt. Aber neben dem zivilen Geschäft stellt iRobot auch Spezialroboter für das Militär und den Katastrophenschutz her, zum Beispiel um Bomben zu entschärfen. Und dieses Geschäftssegment ist nun von Kürzungen des Verteidigungsetats betroffen, weswegen der Vorstand vor kurzem die Guidance zurück nehmen musste. Als Folge hat es den Kurs von iRobot im wahrsten Sinne des Wortes zerlegt, wie Sie im folgenden Chart sehen können.


Source: Finviz.com

Eine interessante Frage ist nun, ob das nicht vielleicht eine hervorragende Gelegenheit ist, um in eine höchst spannende Aktie mit einem innovativen Geschäftsfeld einzusteigen. Denn das Roboter ein massiver Wachstumsmarkt sind und uns zunehmend riskante oder lästige Aufgaben abnehmen - und das nicht nur auf dem Mars - dürfte wohl unstrittig sein. Und iRobot hat seine Umsätze ebenso wie seinen Gewinn weiter gesteigert - es handelt sich hier also um ein schon heute profitables Wachstumsunternehmen. Ihre Meinung zum Thema würde mich interessieren.