Petrobras & Volkswagen: Non-Value

Der folgende Artikel erschien Montag 28.09.15 10:30 in Hari Live und adressiert das ganz grundsätzliche Problem eines fehl interpretierten Value-Gedankens, mit dem sich zu viele Anleger immer wieder "Anlage-Gurken" ins Depot holen und daran dann auch noch zu lange festhalten.

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Ich habe hier ja schon oft gegen einen naiven, völlig falsch verstandenen Value-Gedanken gewettert, der dummerweise gerade in Deutschland immer wieder den unbedarften Anlegern verkauft wird und dort - typischerweise auf der Suche nach "Sicherheit" - auf fruchtbaren Boden fällt.

Und das ist der Irrglaube, dass es reichen würde, auf vergangene Stärke und die damit verbundenen Parameter wie KBV und KGV nach dem Motto "je kleiner desto besser" zu schauen, um "Value-Aktien" zu identifizieren.

Ich muss hier die Argumentation warum das Unfug ist, nicht wiederholen, sie steht sehr ausführlich im Artikel
-> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und zum Zerrbild des Value-Investing <-.
Der Tenor lautet: Value-Investing funktioniert. Aber nicht so trivial und nicht so einfach für normale Anleger.

Es gibt aber aktuell einen geradezu wunderbaren Fall, um das Zerrbild zu demontieren und nein, das ist nicht Volkswagen, obwohl man das Thema auch da fest machen kann.

Es ist der brasilianische Öl- und Staats-Konzern Petrobras, der nicht nur mit dem niedrigen Ölpreis, sondern auch mit Korruption und zu grossem staatlichem Einfluss zu kämpfen hat. Und darüber wollte ich schreiben.

Dummerweise ist mir Ende letzter Woche dann Mark Dittli von der FuW im Artikel -> Der Bondmarkt-Wahnsinn <- zuvor gekommen, so dass ich die Story dahinter nun nicht wiederholen muss.

Ich will aber trotzdem noch ein paar ähnliche Sätze aus der Sicht der Aktienanlage hinzu fügen. Denn einige von Ihnen werden sich sicher daran erinnern, wie Petrobras 2010 oder 2011 gesehen wurde:

Riesig, erfolgreich, gigantische Ölfelder neu entdeckt, Teil einer dynamisch wachsenden Volkswirtschaft, gering bewertet, hohe Dividenden usw usw. Genau das war ein klassischen Beispiel für das Zerrbild des Value-Investings.

Und hier haben wir nun die US notierten ADRs zu Petrobras. Tiefer geht immer, oder? Und das soll "Value" sein?

Petrobas 28.09.15

Was ist passiert? Sie lesen es zum Teil bei Markt Dittli, aber gewisse Parallelitäten zu Volkswagen sind für mich persönlich durchaus da, wo es ja auch eine Staatsbeteiligung über das Land Niedersachsen gibt:

Grössenwahn, Korporatismus, Gemauschel und Rücksichtsnahmen zwischen Regierungen und Unternehmen und bei Petrobras zusätzlich und als I-Tüpfelchen sogar noch Korruption.

Und dann bringt das Schicksal halt plötzlich eine unerwartete Änderung der Spielregeln, wie bei Petrobras der stark fallende Ölpreis oder bei VW nun das aktuelle Geschehen, vermengt mit der Gezeitenwende der Elektromobilität.

Und es macht *Autsch* und alle schlummernden Probleme treten offen und schmerzhaft zu Tage. Was ist also eher "Value" als eine Petrobras?

Es sind Unternehmen mit einem dauerhaft stabilen Geschäftsmodell, die wachsen, agil sind und bewiesen haben, dass sie sich verändernden Umgebungsbedingungen schnell anpassen können und nicht wie die Dinosaurier beim ersten Meteoriten-Einschlag zu Grunde gehen. Und die auch nicht nur von einem Faktor wie dem Ölpreis abhängen.

Und um die zu finden, muss man sich intensiv mit dem Geschäftsmodell beschäftigen und auch nicht nur mit der Bewertung der Vergangenheit, sondern mit dem, was die Zukunft wahrscheinlich zu bieten hat. Das ist für normale Anleger kompetent fast nicht zu leisten und stellt sehr hohe Anforderungen, die weit über das Ablesen von Vergangenheits-Indikatoren wie KBV hinaus gehen.

Wenn man dem aber mit geringem Aufwand ein wenig näher kommen will, dann sind das Unternehmen wie die vorgestellte -> Procter & Gamble <- und eben nicht eine Petrobras, bei der alles von einem Parameter - dem Ölpreis - abhängt. Und auch nicht Volkswagen, das kurz vor einer bedeutenden Umwälzung der Technologie, einfach zu gross und träge geworden ist und auch ohne den aktuelle Skandal schon zum Problemfall geworden ist, siehe auch meinen Artikel schon von Mitte Juli -> Problemfall Volkswagen <-.

Übrigens, wer sehen will, wie es bei Volkswagen weiter geht, findet hier auch in der FUW ein treffendes Muster: -> BP has not outperformed since the scandal <-.

Wer also unbedingt VW mag und als Aktie nun unbedingt will, kann das mit Kursen unter 100€ vielleicht mit sehr langfristigem Ansatz tun. Vielleicht. Ich persönlich mache das nicht und bin daran völlig desinteressiert, aber ein langfristiges Investment mit Einstieg unter 100€ wäre vielleicht zu verantworten.

Nur schnelle Gewinne braucht man eher nicht zu erwarten, das Thema wird nun lange und schmerzhaft Folgeschäden generieren. Und wenn das so ist, warum will man dann überhaupt VW nun näher treten? Ich will und werde es auf jeden Fall *nicht*, ausser als taktischer Trade.

Denken wir einfach an Petrobras und wie wenig Grösse und Vergangenheitszahlen bedeuten, wenn ein Gezeitenwechsel in der Welt ansteht! Und wer davon auch noch nicht überzeugt ist, kann ja mal an E.ON und RWE denken.

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Rheinmetall (703000) im Aufwärtstrend

Heute nur kurz und knapp der Hinweis, dass der Rüstungskonzern Rheinmetall (WKN: 703000) nun vom Chart her aussichtsreich aussieht:

Rheinmetall 22.04.14

Wir sehen, dass Rheinmetall eine 5-teilige Korrektur abgeschlossen und dabei genau auf die Aufwärtstrendlinie aufgesetzt hat.

Wir sehen weiter, ein auf hohem Niveau stabiles "On-Balance" Volumen, das weitere Akkumulation in der Aktie impliziert.

Wir haben das für Rheinmetall negative Gerücht, eines möglicherweise scheiternden Panzerdeals mit Saudi-Arabien, zur Kenntnis genommen und sehen, dass es im Kurs verarbeitet wurde.

Und wir wissen, dass die Geschehnisse in der Ukraine Westeuropa und die NATO nun aus der Illusion aufwecken, als ob in Europa nur noch "Blümchenkriege" möglich wären. Die Wehretats in Europa sind weit herunter geschrumpft und nach unten gibt es kaum mehr Bewegungsspielraum, wenn man die Existenz eines eigenen Militärs nicht ganz aufgeben will. Was nach dem "Wachrüttler" der Ukraine wohl kaum passieren wird.

Alles in allem ist das charttechnisch wie fundamental, wohl nicht die schlechteste Ausgangslage, um der Aktie von Rheinmetall mit mittelfristigem Horizont näher zu treten. Allerdings muss man natürlich überhaupt erst einmal bereit sein, in diesen Sektor zu investieren - diese moralische Frage muss aber jeder Anleger für sich selber beantworten.

Negativ schlägt bei Rheinmetall, wie bei allen Rüstungskonzernen, das Korruptionsrisiko und die Abhängigkeit von Staatsaufträgen zu Buche - wobei das Eine durchaus mit dem Anderen zu tun hat.

Aber für dieses Risiko gibt es Stops, die sich nun durch die Trendlinie und das Tief vom 14.04. sauber definieren lassen und damit das Risiko minimieren.

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IBEX35 oder Viva España !

Wir sind hier bei Mr. Market schon über ein Jahr am spanischen Aktienmarkt in Form des IBEX35 Index dran. Eigentlich seit sich dieser beeindruckende Doppelboden gebildet hat.

Auch Artikel hat es immer wieder gegeben, so zuletzt am 01.08. unter dem Titel -> IBEX35 vor dem Ausbruch <-.

Genau dieser Ausbruch hat sich nun bewahrheitet und für mich stellt der spanische Aktienmarkt eine der interessantesten Gelegenheiten im Universum der Indizes dar, um mit langfristigem Zeithorizont deutlich zu profitieren.

Das ich Spanien aus den Euro-Ländern des Mittelmeeres so heraus greife liegt daran, dass das Land nicht diese politische Lähmung wie Italien besitzt und bei allen Problemen die auch Spanien mit Korruption hat, doch am Ende immer noch vergleichsweise funktionierende staatliche Institutionen besitzt, zumindest wenn man es relativ mit Griechenland vergleicht.

Gleichzeitig ist Spanien durch eine Rosskur gegangen, die zwar im Binnenmarkt noch zu keinen grossen Verbesserungen geführt hat - wiewohl auch dort erste Pflänzchen blühen - die aber zunächst den exportorientierten Unternehmen bessere Wettbewerbsfähigkeit verschafft hat. Und mittlerweile zeigen auch die Daten zur industriellen Produktion langsam nach oben.

Auch kulturell muss man positiv sagen, dass die Spanier ein stolzes und zur harten Arbeit bereites Volk sind. Und der brutale Einbruch fusste ja auch nicht perse auf breiter gesellschaftlicher Korruption und Misswirtschaft wie in Griechenland, er fusste auf einer Immobilienblase, die durch die Verzerrungseffekte des Euros hervor gerufen wurde und nicht dem einzelnen spanischen Bürger anzulasten ist.

So hat Spanien in meinen Augen alle Voraussetzungen, um nach dieser Rosskur wieder Hoffnung zu schöpfen, wenn die Politik nun nicht in der Eurozone das grosse Chaos anrichten sollte. Und genau das kann man auch am IBEX35 bewundern, hier im langfristigen Wochenchart:

IBEX35 24.09.13

Sie sehen, dass man die über ein Jahr andauernde Seitwärtskonsolidierung nach dem Doppelboden 2012, im Nachhinein auch als zwei Bullenflaggen interpretieren kann. Der am 01.08. im Artikel indizierte Ausbruch hat nach Lehrbuch stattgefunden, inklusive Re-Test des Flaggen-Ausbruch von oben am 30.08.

Das sieht sehr gut aus und aus langfristiger Perspektive erscheint mir der IBEX35 als eine der attraktivsten Wetten im Universum der Indizes. Kurzfristig ist ein Re-Test der Ausbruchszone von oben durchaus denkbar.

Um das Bild dabei in eine grössere Perspektive zu stellen, zeigen ich Ihnen nun auch noch den IBEX35 im Chart mit Monats-Kerzen. Eine Darstellung die höchst selten zu sehen ist, die bis 1994 zurück reicht und interessante Einblicke ermöglicht.

IBEX35 24.09.13 Monat

Sie sehen sofort die Parallelität der Strukturen. Wie der IBEX35 2003 aus den Tiefs heraus kam und nun heute wieder, hat grosse Ähnlichkeit.

Ich bin in meinem Investmentdepot auf jeden Fall im IBEX35 auf der Long-Seite dabei. Die Risiken liegen primär im politischen Bereich der Eurozone. Und eine sinnvolle Absicherung dagegen, wäre ein Stop unter dem Retest vom 30.08.. Wenn der Ausbruch Bestand hat, sollte der IBEX35 nicht mehr unter 8200 tauchen.

Von diesem Risiko abgesehen - ohne Risiko gibt es auch keine Chancen - spricht aber viel dafür, dass ich in den kommenden Monaten und Jahren noch öfters aus vollem Halse rufen kann:

Viva España ! 😉

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Neue Setups – Neue Chancen

Fünf Setups haben wir ja derzeit im Setup-Monitor des Premium-Bereiches laufen, von denen sich vier positiv entwickelt haben, während eines immer noch nicht ausgelöst wurde.

Mit dem heutigen Tag lösche ich all diese Setups, um Raum und Aufmerksamkeit für neue Themen zu schaffen. Das bedeutet nicht, dass diese Setups nun inaktiv wären. Im Gegenteil, da sind welche dabei, die noch lange das Potential für schöne Gewinne haben.

Nein, der Setup Monitor hat ja einen Sinn. Und der ist nicht monatelang den selben Trends zu folgen, das können Sie dann selber ohne mich, sondern Sie an das Arbeiten mit Setups zu gewöhnen. Und mit den eher ruhigen letzten Wochen habe ich Ihnen gezeigt, dass das Arbeiten mit solchen Setups keineswegs hektisch und von permanentem Rein- und Raus geprägt sein muss.

Insofern entlasse ich die aktiven Setups nun in Ihre individuelle Obhut und stelle Ihnen heute schon zwei Neue vor. Weitere werden in der nahen Zukunft folgen. Schauen wir uns das im Detail an.

Weiterlesen ...Neue Setups – Neue Chancen

Die absurde Diskussion um Austerität versus Wachstum in der Eurozone

Schaut man in die Presse und sieht, was selbst höchste Politiker bis hin zu Staatspräsidenten so von sich geben, könnte man ja meinen, als gäbe es eine wichtige ökonomische Diskussion, die man als "Austerität versus Wachstum" umschreiben könnte.

Ich kann mit dieser Diskussion wirklich nichts anfangen. Sie ist für mich persönlich einfach lächerlich und absurd und wer sich nicht entblödet, dabei nur auf einer Seite der Medaille zu argumentieren, der ist für mich sowieso nicht ernst zu nehmen. Und um das zu erkennen, muss man nicht einmal Ökonom sein. Dafür reicht einfach ein durchschnittlicher IQ und eine Prise Realismus.

Denn an dieser Stelle ist die Wirklichkeit ganz einfach: Wir brauchen Beides ! Austerität und Wachstum ! Und das Eine kann ohne das Andere gar nicht funktionieren. Der vermeintliche Gegensatz ist konstruiert, um medial damit das eigene politische Süppchen zu kochen. Mit der Realität hat der vermeintliche Gegensatz aber nichts zu tun.

Nehmen wir doch mal den menschlichen Körper. Nehmen wir einen Menschen der jeden lieben Tag verfettet und vollgefressen in seinem Sessel hängt, drei leere Chips-Tüten daneben und die Fernbedienung in der Hand, unfähig sich selber aufzuraffen und mit seinem Leben etwas Sinnvolles anzustellen. Und nun soll dieser Mensch wieder fit und gesund werden.

Glauben Sie, es würde reichen, ihm nur die Chipstüten wegzunehmen und ihn ansonsten weiter im Sessel vegetieren zu lassen ? Nur mit dem Unterschied, dass er nun auch noch hungert ? Wird das den Menschen glücklicher, erfolgreich und gesünder machen ? Wohl kaum, nur mit dem Einsparen von Nahrung wird man gar nichts bewirken. Man wird den Menschen nur noch mehr frustrieren und unglücklich machen. Und sobald er dann irgendwo eine versteckte Chipstüte in die Hand bekommt, wird er sie gierig hinein stopfen. Und der Körper wird im Jojo-Prinzip noch fetter werden.

Faktum ist also, Einsparung und Reduktion alleine machen nicht gesund. Im Gegenteil, man kann sich auch tot hungern ! Und in der Wirtschaft ist es nicht anders. Gerade auch weil Wirtschaft auf Psychologie beruht und die Menschen brauchen einfach etwas Positives, wonach sie streben können. Hoffnung ist eine weit unterschätze Währung !

Bevor jetzt hier aber Vertreter der französischen Regierung jubilieren einen Deutschen zu finden, der reine Sparsamkeit schwachsinnig findet, muss ich klar stellen, dass das Gegenteil ebenso absurd ist.

Denn glauben Sie ernsthaft, dieser verfettete Mensch würde gesund werden, wenn man nichts an seiner Nahrungsaufnahme und seinem Lebensstil ändert und dem Menschen dafür nur teure Fitnessprogramme anbietet, ihn also massiv fördert ? Das Geld dafür könnte man auch gleich das Klo runter spülen oder zu einer Zigarre rollen und rauchen. Es ist völlig verschwendet. Denn ein derartiger Körper kann gar keine Freude bei Bewegung erleben. Und wird deshalb die teuren Programme bestenfalls halbherzig annehmen und nach drei Versuchen wieder fallen lassen. Und wieder Chips vor dem Fernseher mampfen, um im Bild zu bleiben.

Faktum ist also, wenn die Grundlage nicht da ist, bringen Wachstumsanreize gar nichts. Auch das ist so in der Wirtschaft. Wenn die Wirtschaft durch Bürokratie und Steuer- bzw. Regulierungs-Lasten erdrückt wird, ist es sinnlos, weisse Salbe zu verschmieren und irgendwelche Wachstumsprogramme aufzulegen. Die "süssen" Teile dieser Programme werden mit genommen, in den Mund gestopft und dann macht man weiter wie bisher.

Und deshalb braucht Europa beides. Die "Verfettung" des obigen Bildes ist dabei in vielen Ländern des "Club Med" ein übergrosser, ineffektiver und teilweise korrupter Staatsapparat, der wie Mehltau auf der Wirtschaftskraft des Landes liegt und letztlich die Menschen aussaugt. Darüber hinaus oft geschlossene Arbeitsmärkte und Branchen die von Bünden und illegalen Absprachen dominiert werden und sich gegen Wettbewerb und Wandel wehren. Und ebenso eine Kultur des gesellschaftlichen Egoismus, in der das Gemeinwohl im Wortschatz nicht vorkommt und jedes Individuum bereit ist, das Gemeinwesen - und damit letztlich den Nachbarn - gnadenlos zu "bescheissen", um einen eigenen Vorteil daraus zu ziehen.

In Ländern wie Griechenland kann man da nur sagen, der Fisch stinkt vom Kopf und "die da oben" machen "denen da unten" vor, wie man den eigenen Vorteil um jeden Preis maximiert. Nur ist das keine Entschuldigung für "die da unten", sich ebenso moralisch windschief zu verhalten. Genauso wenig wie ein Hoeness die ebenso verwerfliche Schwarzarbeit des kleinen Mannes legitimiert. Und es ist schon gar keine Rechtfertigung dafür, in Deutschland den Sündenbock zu suchen, nur um das eigene gesellschaftliche Versagen zu kaschieren.

Und dieses Fett zu reduzieren geht eben nicht ohne Schmerzen wie Entlassung und nicht ohne (Gehalts-) und (Bürokratie-) Verzicht. Wer den Menschen etwas anderes erzählen will lügt in meinen Augen !

Leider gibt es in Demokratien eine Besonderheit, die erzwingt, dass Austerität am Anfang des Prozesses stehen muss. Denn in Demokratien gewinnen immer die, die den Menschen schöne Versprechungen machen. Mit der Ansage von Mäßigung, Verzicht und Training ist noch niemand gewählt worden, auch nicht in Deutschland. Deshalb können Demokratien diese schmerzhaften Schritte nur dann angehen, wenn die Lage für jeden spürbar kritisch und dramatisch ist. Erst die Krise in der Realität gibt in einer Demokratie denen die Oberhand, die für einen schmerzhaften Wandel eintreten.

Deswegen gibt es auch keine andere Wahl, als in Europa erst die strukturellen und schmerzhaften Massnahmen anzugehen, bevor man dann auch fördern kann und den Blick auf Wachstum richten kann und muss. Bevor man den Menschen Hoffnung gibt. Zu frühe Hoffnung raubt die Kraft endlich mal hart in das eigene Fett zu schneiden. Erst Austerität und danach Wachstumsanreize ist in Demokratien leider eine zwingende Reihenfolge. Versucht man es anders herum, wird Austerität ausfallen und nichts wird sich an den Grundlagen ändern, die die Krise hervor gerufen haben.

Schaue ich persönlich auf die südlichen Länder der Eurozone, sehe ich da mit Spanien und Portugal zwei Nationen, die schon harte und strukturelle Änderungen auf den Weg gebracht haben. Diese Länder waren und sind bereit, ihre Chipstüten wegzuwerfen, zu trainieren und sich selber aus dem Loch zu befreien. Beide Länder brauchen jetzt Wachstumsanreize und die Bevölkerung braucht eine Perspektive. Das haben sich diese Gesellschaften verdient und dort einfach mit reinem Sparen weiter zu machen, führt in die Katastrophe und hat keinen Sinn.

Dann haben wir mit Italien und Griechenland zwei Länder, in denen das Thema Korruption besonders schwerwiegend ist. Diese Länder haben mit ersten Änderungen angefangen, sind aber bisher nicht sehr weit gekommen. Und natürlich wird von den lokalen Politikern etwas anderes erzählt, aber die Kernprobleme im Bereich Arbeitsmarkt und öffentliche Verwaltung sind in meinen Augen bestenfalls angekratzt. Und der viel gelobte Monti hat leider mehr mediale Bugwelle, als echte harte Änderungen bewirkt. Die Ursachen der Misere sind dort aber nicht ausreichend aufgearbeitet und hier schon wieder das Ende von Anpassungsbestrebungen auszurufen, wäre deutlich verfrüht. Jeder Euro der Förderung, würde im derzeitigen Zustand nur erneut wieder versickern.

Und dann haben wir mit Frankreich den schlimmsten Fall von allen, denn dort wird sich noch in Verweigerung geübt, der Verweigerung die harte Realität anzuerkennen, dass man die Wettbewerbsfähigkeit weitgehend verloren hat und in einer grossen Illusion lebt, die das Vermögen der jungen Generation verfrühstückt. Frankreich will bildlich gesprochen seine Chipstüten noch nicht loslassen und es gibt auch noch keine Akzeptanz für die Notwendigkeit harter Massnahmen. Aussagen aus diesen Reihen, dass mit Austerität nun Schluss sein müsste, sind für mich einfach lächerlich. Man hat noch nicht einmal angefangen, sich aus dem weichen Sessel aufzuraffen ! Man stellt ja sogar die Existenz eines weichen Sessels in Frage !

Und damit niemand denkt, hier urteile ein typisch arroganter Deutscher nur über andere, es gibt dann noch ein Land, Deutschland. Das glaubt alles richtig gemacht zu haben und anderen Lehren erteilen zu können. Und übersieht dabei, dass es gerade dabei ist alles zu verspielen. Denn dieses Land kann trotz rekordhoher Steuereinnahmen und niedriger Arbeitslosenzahlen immer noch nicht mit den Einnahmen haushalten und will wieder den einfachen Weg wählen, in dem sich der Staatssektor noch mehr Steuer-Chips-Tüten in den Rachen schiebt, statt endlich mal anzufangen für eigene Fitness zu sorgen und das Geld der Bürger sinnvoll und sparsam auszugeben. Und diese Gier und Masslosigkeit bei der Staatsquote, für die das Programm der Grünen nur das offensichtliche Fanal ist, legt jetzt schon den Samen für den kommenden Niedergang, wenn die Welt aus konjunkturellen Gründen mal nicht so nach deutschen Exportgütern schreit. Denn dieser Niedergang trifft dann auf noch mehr unbezahlbare Versprechungen und noch mehr unbezahlbare Pensionslasten als heute schon.

In Summe ist die Ökonomie eines Turnarounds aber ganz einfach und immer gleich, in einem einzelnen Unternehmen wie in einem ganzen Land. Es braucht immer beides: Erstens Sparsamkeit und Reform in Form einer Fitnesskur für die Gesellschaft und zweitens Hoffnung und Wachstum, die Motivation damit Menschen mit Optimismus aufstehen und positiv den Tag angehen.

Wenn jemand Ländern wie Spanien und Portugal, die schon so harte Schnitte hinter sich haben, nun Hoffnung auf Wachstum verweigern will, wäre das fahrlässig und dumm. Das wäre dann tatsächlich "Brüning Reloaded" und eine Sünde an Europa.

Und wenn jemand in Ländern wie Italien, Griechenland und erst recht Frankreich nun davon faselt, dass schon genug der Anstrengungen erfolgt wären, ist das für mich einfach nur dummes Geschwätz, das von eigenem Versagen ablenken soll. Dort ist man bestenfalls auf dem Weg der notwendigen Anpassung, aber keinesfalls am Ende.

Und wenn jemand in Deutschland glaubt, wir seien so toll und bei uns sei alles anders, dem sei gesagt: es gibt einen Grund, warum bei uns die Dinge besser sind. Weil wir eine erfolgreiche, international wettbewerbsfähige Wirtschaft mit motivierten, loyalen und kreativen Mitarbeitern haben. Und wer an dieser Grundlage aus ideologischen Gründen zündelt, ist nicht ganz klar im Kopf !

Und wenn jemand die ganze Eurozone in einen Topf wirft und nicht in der Lage ist die Situation der Länder einzeln zu betrachten, verabschiedet er sich als ernst zu nehmender Gesprächspartner.

So weit meine Meinung zum Thema.

Und finden Sie nun, dass dieser Artikel nur Offensichtliches wiederholt hat ? Dann sind Sie nicht alleine, ich finde das auch !

Umso erstaunlicher ist dann doch wohl diese für mich lächerliche Kontroverse in Europa, in der zwei Dinge in Gegensatz gesetzt werden, die immer, egal ob im Körper oder in der Wirtschaft, gleichberechtigt angegangen werden müssen:

Fordern und Fördern,
Zuckerbrot und Peitsche,
Schlankheit und Training,
Abwerfen von Ballast und das Setzen der Segel,
Austerität und Wachstum !

Über die Details, das Ausmass und den Zeitpunkt, kann man sich füglich streiten. Aber doch nicht über das Prinzip !

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Das Beste für Griechenland – ein Kommentar aus tiefstem Herzen

Mr. Market macht ganz ruhig weiter, wo er letzte Woche aufgehört hat. Diese Ruhe am Markt will ich daher nutzen, um Ihnen hier meine ebenso harte, wie klare persönliche Meinung zum Thema Griechland darzustellen.

Die folgenden Zeilen sind also bewusst höchst subjektiv und in "Klartext" formuliert:

Man sollte meinen, jedem müsste klar sein, dass Griechenland einfach Pleite ist und egal wie hoch der Schuldenschnitt ausfällt nicht wieder auf die Füsse kommt. Ich gehe sogar noch weiter, selbst wenn es einen 100%igen Schuldenschnitt gäbe, würde Griechenland das nicht zu einem Neuanfang nutzen können. Worüber wird dann eigentlich in Brüssel und Athen überhaupt verhandelt, frage ich mich ?

Denn das Griechenland des Jahres 2012 ist für mich ein "Failed State", in dem es an den einfachsten Grundvoraussetzungen fehlt um wieder auf die Beine zu kommen. Korruption, Vetternwirtschaft, Lokalfürsten in den Behörden und der Mangel an Durchgriff der oberen Behörden bilden eine fatale Mischung mit einem Mangel an Zivilgesellschaft, an Gemeinwohl-Denken bei den Bürgern, die lieber ihr eigenes Schäflein ins Trockene bringen, als sich gemeinsam für das Gemeinwohl zu engagieren. Jeder Euro der in dieses kaputte und schon längst gescheiterte System gesteckt wird, ist in meinen Augen sinnlos vergeudet. Da wäre es besser, man würde sich aus den Euroscheinen ein paar Zigarren drehen und die anzünden, dann hätte man wenigsten etwas davon.

Wen es interessiert, der schaue mal -> hier <- auf den Korruptionsindex von Transparency International, in dem Griechenland Mühe hat, sich von Burkina Faso abzusetzen. Und dabei zeigt der Index noch ein zu positives Bild, denn wenn ein von Korruption geplagtes Land wenigstens eine funktionsfähige Administration hat, dann muss man zwar ein paar Leute schmieren, kann sich dann aber darauf verlassen, dass das Anliegen auch abgewickelt wird. In Griechenland fehlt beides, Transparenz und eine funktionsfähige Verwaltung. Das Ergebnis kann nur ein Desaster sein ! Und wer glaubt, dass ich hier übertreibe, der sei daran erinnert, dass selbst die OECD die öffentlich sicher eher diplomatisch schön färbt, zu einem harten Ergebnis kommt, das Sie -> hier <- nachlesen können

Deswegen bin ich überzeugt: Das Beste für Griechenland und Europa wäre jetzt die totale Pleite. So schlimm das kurzfristig ist, es birgt die Chance, dass das Land mit einem Schlag korrupte Beamte, vollgefressene Lokalfürsten und in mittelalterlichen "Zünften" abgeschottete Berufe los werden kann. Denn die Griechen sind genauso Menschen wir wir und haben ebenso wie wir einen Sinn für Anstand und Fleiss. In jedem Land gibt es die "Faulen" und "Korrupten", das ist keineswegs ein rein griechisches Problem, die sind in Deutschland genau so vorhanden. Der Unterschied ist, in Griechenland sitzen diese Leute scheinbar zu oft an den Schalthebeln des Systems. Und gegen so ein verrottetes System kann man sich als normaler Bürger nicht wehren, nur irgendwie durchmogeln, egal wie viel Anstand man selber hat. Auch in Deutschland gab es ja schon Zeiten, in denen "Durchmogeln" das einzige war, was ein aufrechter Bürger noch tun konnte. Und so lange ist das gar nicht her. Insofern sollte man Respekt vor dem einzelnen griechischen Bürger haben und nicht alle über einen Kamm scheeren, nur weil sie das Pech hatten in einem kaputten System aufgewachsen zu sein.

Das kaputte System in Griechenland aber, das muss in meinen Augen weggeschwemmt werden, damit auf den Trümmern etwas Neues entstehen kann. Und dieses System hat auch unsere Solidarität nicht verdient, der aufrechte griechische Bürger aber sehr wohl ! Jeder Rettungsversuch aus Europa sichert aber nur das Überleben der alten Eliten, die dem Land den jetzigen Zustand eingebrockt haben. Griechenland braucht deshalb in meinen Augen eher eine Revolution als eine Rettung. Einen echten Neuanfang zum Wohle Griechenlands und Europas. Und eine richtige Pleite mit revolutionärem Umsturz würde dabei helfen, weil nur so die alten Fürsten vom Thron gestossen werden.

Und wir Deutsche sollten uns deshalb auch nicht von indiskutablen Nazi-Vergleichen abschrecken lassen, mit denen die helfende Hand dann auch noch gebissen wird. Wir sollten trotzdem versuchen das Richtige für Griechenland zu tun. Derartige Propaganda verbreiten eben nicht "die Griechen" per se, sondern genau Teile der Nomenklatura an den Schalthebeln und Fleischtöpfen. Und das aus gutem Grund. Denn wenn man einen externen Sündenbock aufbaut, wird so der Blick von den eigenen dreckigen Händen abgelenkt. Das "Haltet den Dieb" Prinzip ist halt universell. Insofern ist diese Propaganda in meinen Augen nichts weiter als kalte innenpolitische Machtstrategie und sollte von uns einfach ignoriert werden. Ein Grund mehr aber, diese ganze Klasse nun mit einer grossen Flut wegzuschwemmen.

Das Positive ist, aus Sicht von Europa ist Griechenland in seinem Elend ein Einzelfall. Kein anderes Land liegt vergleichbar in Scherben, soweit ich das überblicken kann. Schauen wir zum Beispiel auf den nächsten Wackelkandidaten Portugal, dann finden wir da eine funktionsfähige Administration, Menschen denen das Wohl des Landes am Herzen liegt und eine breite Bereitschaft der Bevölkerung, notwendige Änderungen anzugehen. Griechenland und Portugal trennen in meinen Augen Welten und für Portugal kann man deswegen durchaus hoffnungsvoll sein. Wenn das Land die nächsten Monate übersteht, geht es auch wieder aufwärts.

In Griechenland aber ist in meinen Augen nun: Game Over ! Macht bitte endlich das mit Strom aus der Eurokasse gespeiste Kunst-Licht aus, damit der engagierte Teil der griechischen Bevölkerung sich dann nach kurzer aber finsterer Nacht, voll Hoffnung auf die Morgendämmerung eines neuen Staates freuen kann !

Und das wäre sinnvoll eingesetztes Steuergeld: den Griechen in dieser Morgendämmerung beim Aufbau eines neues Staates zu helfen. Das wäre gelebte Solidarität, die weit sinnvoller ist, als Zigarren aus Euro-Scheinen zu rauchen ! Griechenland braucht einen Neuanfang und einen Marshall-Plan, keine Rettung !