Begrenzte Oszillatoren



Das folgende Video knüpft in 19 Minuten an den folgenden Artikel von 2016 an und visualisiert anhand aktueller Beispiele das damals Gesagte:

-> Die begrenzte Aussagekraft von preisbasierten Oszillatoren <-

Beispiele in einem Video können helfen, solche "trockenen" Themen erlebbar zu machen. Das Video zeigt hoffentlich, dass übertriebene Indikatoren-Gläubigkeit nicht der Weg zum Erfolg ist:

Ihr Hari

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Die begrenzte Aussagekraft von preisbasierten Oszillatoren



Eine der Besonderheiten dieser Plattform ist der Ansatz, den Mitgliedern grundlegende Zusammenhänge zu erklären. Und das nicht nur theoretisch, sondern immer wieder praktisch - eingeflochten in die Realität, die uns jeden Tag über die Märkte erreicht.

Dazu gibt es immer wieder Grundlagen-Artikel im Premium-Bereich, von denen ich heute mal wieder einen heraus greifen will um Ihnen zu zeigen, welche Inhalte Sie hier auch erwarten können.

Gerade im Bereich der Charttechnik gibt es leider auch medial zu viele, die einfach "bunte Linien" nachzeichnen, ohne den Kontext dessen was sie tun, verstanden zu haben. Zum teilweise schlechten Ruf der Charttechnik bzw der allgemeinen Markttechnik, hat das sicher beigetragen. Dabei ist die Markttechnik - richtig genutzt - das mächtigste und zuverlässigste Instrument das wir haben, wenn wir mit Mr. Market erfolgreich ringen wollen.

Der folgende Artikel stammt aus dem November letzten Jahres, ist aber wegen seiner grundsätzlichen Aussagen zeitlos gültig. Er wurde für den freien Bereich leicht angepasst um Referenzen zu glätten, die nur im Premium-Bereich aufzurufen sind.

Übrigens, falls Sie es noch nicht bemerkt haben, Mr-Market ist nun auch bei Twitter. Schauen Sie doch mal unter @HariMrMarket vorbei!

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Eine konkrete Frage stand vor Kurzem im Forum im Raum, nämlich in wie weit eine positive Divergenz des RSIs im Wochenchart, einen Edge in Richtung der Divergenz generiert. Sprich lohnt es sich zu kaufen, wenn der RSI eine positive Divergenz zeigt?

Ich will das als Anlass dazu nutzen, ein paar grundsätzliche Worte zu preisbasierten Oszillatoren wie dem RSI zu verlieren und auch zu thematisieren, welchen Wert Aussagen dieser Indikatoren, denn überhaupt für uns haben.

Zunächst einmal will ich das Wort "preisbasierter Oszillator" definieren, damit klar ist, was ich damit meine. Ich meine damit alle Oszillatoren (also Indikatoren, die die Bewegungen als Schwankungen zwischen zwei Extremen abbilden), die direkt auf den Preis, also die Kurse gehen.

Der RSI ist so ein Fall, ein preisbasierter Oszillator.

Die 200-Tage-Linie ist kein Oszillator, sondern eine Trendglättung.

Und das OBV ist nicht preisbasiert, da es auf das Volumen geht und auch kein Oszillator ist.

Hier geht es nun also um preisbasierte Oszillatoren, für die der RSI das bekannteste Beispiel ist.

Die erste klare und wichtige Aussagen, erscheint eine Binsenweisheit, wenn man das oben verstanden hat. Ich bezweifele aber, dass die Konsequenzen dieser Binsenweisheit allen wirklich klar sind und genau deswegen schreibe ich diesen Artikel:

Preisbasierte Oszillatoren beinhalten keinerlei neue Informationen, die nicht schon Teil des Charts selber sind.

Wie gesagt, das ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber sie ist sehr wichtig für die Schlussfolgerungen, die ich gleich ziehe. Wenn wir zum Beispiel auf den RSI schauen, ist der nichts weiter als ein abstrakte Darstellung wesentlicher Elemente des Charts selber.

Oder in anderen Worten, wenn man auf das Chart einen geübten Blick hat, beinhaltet der RSI keine Überraschungen, denn man sieht das, was der RSI indiziert, auch im Chart.

Der RSI vergleicht ja genau genommen nur im definierten Zeitraum (oft 14 Kerzen) die Stärke der Kursbewegungen. Das Überwiegen stark fallender Kerzen, sorgt dann für einen schwachen RSI, das Überwiegen stark steigender Kerzen, sorgt für einen starken RSI.

Eigentlich also eine triviale Aussage, die der RSI macht, die aber zu Fehlinterpretationen führt, wenn man dem Indikator eine übertriebene Aussagekraft zubilligt, die er nicht hat. Denn der RSI ist eben nur die abstrakte - in einen Oszillator gepresste - Darstellung des Charts selber, ohne auch nur einen einzigen Krümel neuer Information.

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Die begrenzte Aussagekraft von preisbasierten Oszillatoren



Im Forum hat unser Mitglied "Pasolini" -> hier <- dankenswerterweise eine Thematik eröffnet, die mich zu einer grundlegenden Erklärung und Einordnung veranlasst.

Nicht weil ich ihm etwas erklären will, der Artikel hier richtet sich an alle gleichermassen, sondern einfach nur, weil sein Thema ein "Trigger" für mich ist und ich mir dadurch bewusst wurde, dass ich unbedingt eine wichtige Sache heraus arbeiten muss.

Er stellt dabei die Frage, in wie weit eine positive Divergenz des RSIs im Wochenchart, einen Edge in Richtung der Divergenz generiert. Sprich lohnt es sich zu kaufen, wenn der RSI eine positive Divergenz zeigt?

Ich will hier nur am Rande auf die spezielle Frage eingehen, das kann weiter im Forum diskutiert werden, sondern ich will das hier als Anlass dazu nutzen, ein paar grundsätzliche Worte zu preisbasierten Oszillatoren wie dem RSI zu verlieren und auch zu thematisieren, welchen Wert Aussagen dieser Indikatoren, denn überhaupt für uns haben.

Zunächst einmal will ich das Wort "preisbasierter Oszillator" definieren, damit klar ist, was ich damit meine. Ich meine damit alle Oszillatoren (also Indikatoren, die die Bewegungen als Schwankungen zwischen zwei Extremen abbilden), die direkt auf den Preis, also die Kurse gehen.

Der RSI ist so ein Fall, ein preisbasierter Oszillator.

Die 200-Tage-Linie ist kein Oszillator, sondern eine Trendglättung.

Und das OBV ist nicht preisbasiert, da es auf das Volumen geht und auch kein Oszillator ist.

Hier geht es nun also um preisbasierte Oszillatoren, für die der RSI das bekannteste Beispiel ist.

Die erste klare und wichtige Aussage, erscheint eine Binsenweisheit, wenn man das oben verstanden hat. Ich bezweifele aber, dass die Konsequenzen dieser Binsenweisheit allen wirklich klar sind und genau deswegen schreibe ich diesen Artikel:

Preisbasierte Oszillatoren beinhalten keinerlei neue Informationen, die nicht schon Teil des Charts selber sind.

Wie gesagt, das ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber sie ist sehr wichtig für die Schlussfolgerungen, die ich gleich ziehe. Wenn wir zum Beispiel auf den RSI schauen, ist der nichts weiter als ein abstrakte Darstellung wesentlicher Elemente des Charts selber.

Oder in anderen Worten, wenn man auf das Chart einen geübten Blick hat, beinhaltet der RSI keine Überraschungen, denn man sieht das, was der RSI indiziert, auch im Chart.

Der RSI vergleicht ja genau genommen nur im definierten Zeitraum (oft 14 Kerzen) die Stärke der Kursbewegungen. Das Überwiegen stark fallender Kerzen, sorgt dann für einen schwachen RSI, das Überwiegen stark steigender Kerzen, sorgt für einen starken RSI.

Eigentlich also eine triviale Aussage, die der RSI macht, die aber zu Fehlinterpretationen führt, wenn man dem Indikator eine eigene Aussagekraft zubilligt, die er nicht hat. Denn der RSI ist eben nur die abstrakte - in einen Oszillator gepresste - Darstellung des Charts selber, ohne auch nur einen einzigen Krümel neuer Information.

Stellen wir uns beispielsweise im Chart ein "L" vor. Heisst, eine Aktie erfährt einen katastrophalen Einschlag, der sie massiv einbrechen lässt. Im Chart ist das ein brutaler Strich nach unten innerhalb von wenigen Handelstagen.

Danach ist die Aktie faktisch "tot", wir wissen fundamental, dass da nichts mehr geht und die Aktie sich nicht erholen kann. Das Chart läuft auch unter kaum vorhandenem Volumen seitwärts und bildet einen wagerechten Schenkel, das "L" eben.

Und was macht der RSI? Der steigt wieder im waagerechten Schenkel und wird, nachdem der 14er Zeitraum abgelaufen ist und der Absturz aus dem vom Indikator betrachteten Zeitfenster verschwunden ist, eine positive "Divergenz" zum Kurs indizieren.

Die Aussagekraft ist in dem Fall aber eher gleich Null, weil das eine rein mathematische Folge davon ist, dass der Absturz aus dem Betrachtungszeitraum des Indikators gewandert ist und wenn der Kurs über den 14er Zeitraum hinaus nur seitwärts geht, muss der RSI-Indikator logischerweise am Ende in Mittelstellung also bei 50 sein.

Ich halte deswegen auch die Terminologie der "Divergenz" bei preisbasierten Oszillatoren für grundlegend irreführend, weil einen falschen Eindruck erweckend.

Ich weiss, diese Terminologie wird von vielen, auch von Lehrbüchern zur technischen Analyse, bei RSI und MACD immer wieder im Verhältnis zum Chart verwendet. Ich tue das bewusst nicht, denn es gaukelt nach meiner Auffassung eine Aussage vor, die nicht existiert.

Denn eine echte "Divergenz", kann sinnvollerweise nur da sein, wo zwei verschiedene Messungen zu unterschiedlichen Interpretationen führen, die sich zu widersprechen scheinen. Das sollte ohne jede Frage aufmerksam machen.

Bei preisbasierten Oszillatoren wie dem RSI, gibt es aber keine zwei unterschiedlichen "Messungen", der RSI ist wie oben gesagt nichts weiter als der Preis (das Chart) selber, nur in anders aggregierter Form dargestellt.

Ein und das selbe Faktum - hier der Preis - kann aber genau genommen mit sich selber keine Divergenz bilden. Das klingt nun vielleicht wie Wortklauberei, ist es aber nicht, denn es weist auf einen wichtigen Umstand hin.

Nehmen wir eine "echte" Divergenz, die des OBV zum Kurs zum Beispiel. "Echt" ist die Divergenz, weil das OBV eine Abbildung des Volumens ist und Volumen ist eine Masseinheit im Markt, die unabhängig vom Preis ist, denn das Volumen trifft keine Richtungsentscheidung.

Volumen und Preis sind also zwei wichtige, getrennte und objektive Faktoren im Markt. Der RSI ist aber nur eine andere Form, den Preis darzustellen, so wie das OBV nur eine andere Form ist, um das Volumen darzustellen.

Eine Divergenz zwischen Volumen und Preis ist also bedeutend, weil der Markt widerstreitende Signale liefert. Eine "Divergenz" zwischen RSI und Preis, ist aber nichts weiter als die Folge einer anderen Darstellung der exakt gleichen Sache.

Erneut, ich will hier keine Wortklauberei betreiben, ich habe Null Problem damit, auch für den RSI das Wort "Divergenz" zu benutzen. Ich diskutiere das hier nur, um von der Oberfläche der Worte zum Kern dessen vorzustossen, was uns preisbasierte Oszillatoren sagen können.

Und das ist eben nichts Neues, sondern einfach nur das, was das Chart sowiewso schon zeigt, nur in anderer, pointierterer Aufbereitung.

Der Wert der Oszillatoren ist trotzdem da, ich nutze die doch auch, weil sie eben bestimmte Momentum-Aspekte der Kursbewegung besser heraus arbeiten und damit leichter sichtbar machen.

Aber erneut, es ist eine Ergänzung zum Chart, eine Art Auswertung und Verdeutlichung, aber keine neue Information und daher von begrenztem Wert.

Ich will das Prinzip des "L" an zwei Beispielen klar machen.

Nehmen wir zunächst Bristol Myers Squibb (BMY), die ja massiv abgestürzt sind:

bmy-29-11-16

Wir sehen natürlich, wie der RSI abschmiert, sobald der Kurssturz von Anfang August Teil des 14er Zeitraums des RSI ist.

Wir sehen aber auch, wie der RSI wieder über 40 kriecht und sich dem Mittelwert 50 annähert, sobald die Kurse weniger stark weiter fallen.

Wir haben hier also eine "positive Divergenz" zwischen RSI und dem Kurs. Aussagekraft? Eher nicht vorhanden, denn erneut, das sieht man schon im Chart, die Geschwindigkeit des Abwärtsbröselns wird geringer. Na und? Solange da noch keine Wende im Preis ist, ist das immer noch ein fallendes Messer, RSI hin oder her.

Sie sehen auch, warum ich den Begriff "Divergenz" beim RSI so ungern verwende, eben weil er eine Aussage vorgaukelt, die nicht wirklich da ist. Denn alles hier im Bild ist nur der Kurs, die Price-Action. Und etwas kann mit sich selber keine Divergenz haben.

Richtig ist die Feststellung, dass im September/Oktober das Momentum der Abwärtsbewegung nachgelassen hat. Und wenn es dann nicht eine erneute schlechte Nachricht gegeben hätte, hätte der Kurs von BMY hier vielleicht eine Bodenbildung vollzogen.

Die "Divergenz" zwischen RSI und Kurs aber, hätte für sich alleine keine Wende indiziert. Sie hätte nur ein Abflachen des Absturzes indiziert, ein "fallendes Messer" wäre es aber immer noch.

Trotzdem hat es Wert, dieses fallende Momentum der Abwärtsbewegung so eindeutig präsentiert zu bekommen. Das ist der Wert des RSI, aber eben nur als Ergänzung zum Kursgeschehen, als Verdeutlichung, nicht als Richtungsindikator.

Ein weiteres Beispiel. Denn natürlich gilt obige Aussage für alle Zeitebenen gleichermassen, auch für Stunden oder Wochenkerzen.

Nehmen wir doch den Leitindex schlechthin und seinen grossen Absturz in 2008 in Wochenkerzen:

sp500-29-11-16

*Boom* hat es gemacht im Herbst 2008 als Lehman platzte. Und der RSI wurde logischerweise in den Boden gerammt.

Dann aber ging es am Markt extrem volatil hin und her, in Summe aber weiter abwärts. Und der RSI zeigte im Wochenchart eine positive "Divergenz", einfach weil im Verhältnis zum vorherigen Absturz nach Lehman, die Fallgeschwindigkeit geringer wurde. Das finale Tief im März kam trotzdem.

Fazit. So weit meine Erklärung zur Aussagekraft von preisbasierten Oszillatoren.

Sie sind nicht mehr, als eine andere Auswertung und Darstellung der Kursbewegungen, die man im Chart sowieso sieht.

Sie haben deswegen auch keine neuen Informationen, die das Chart nicht hat, sie arbeiten nur bestimmte Effekte des Charts besser heraus.

Ein steigender RSI bei fallenden Kursen zeigt nicht mehr, als dass die Fallgeschwindigkeit im Messzeitraum sinkt. Das ist für sich eine interessante Information und als RSI aufbereitet, kann man diese auch besser erkennen. Sie steckt aber schon im Chart und vor allem hat diese nur begrenzte Aussagekraft dazu, ob danach doch die Wende kommt.

Klar, da Kurse immer um ein "Mean" schwanken, sorgt die Mean Reversion dafür, dass die Chancen gut sind, dass bei fallendem Abwärtsmomentum auch später eine Wende folgt. Und genau deswegen, hat ein RSI Zustand über 70 oder unter 30 eine innere Aussage, die Wert hat.

Was ich Ihnen hier klar machen will ist aber, dass diese Aussage auch im Chart schon steckt, wenn man geübte Augen hat.

Und wenn man nun eine belastbare, statistische Analyse machen würde, ob eine "Divergenz" des RSI im Wochenchart eine kleine Präferenz für den folgenden Kursverlauf generiert, würde ich sagen: Ja!

Eine kleine Präferenz schon aus dem ganz einfachen Grund für den man keinen RSI braucht, das nämlich wenn nach einem Absturz das Abwärtsmomentum abflaut, die Chancen auf eine Wende langsam steigen, einfach weil die Mean Reversion ein universelles Prinzip darstellt.

Für sich alleine, reicht das aber in keinem Fall, wie wir an obigen Beispielen sehen. Der RSI ist einfach nur *ein* kleiner Indikator, ein Baustein in einem komplexen Gesamtbild, das intelligent gewürdigt werden will.

In der Funktion bestimmte Informationen heraus zu arbeiten, haben preisbasierte Oszillatoren also Wert für uns. Einen eigenen Mehrwert, also Informationen hinzuzufügen, die das Chart ohne sie nicht hat, liefern sie aber nicht.

Das Volumen, das wäre ein Fall einer hinzu gefügten Information, die einen eigenen Mehrwert hat, preisbasierte Oszillatoren sind das nicht.

Noch zum Abschluss ein Wort zum Versuch, aus solchen einzelnen Indikatoren einen klaren Edge zum Markt zu generieren. Ich sehe das wegen der Reflexivität eher nicht. Wäre es möglich unter Betrachtung eines einzelnen, preisbasierten Indikators, einen im Einzelfall belastbaren Edge zu generieren, würde es jeder tun, womit der Edge per Definitionem nicht mehr existieren könnte.

Die Betrachtung einer charttechnischen Lage, ist also *immer* die intelligente Wertung unterschiedlichster Faktoren, die in einen Kontext gestellt werden müssen, der viel mit Erfahrung und Mustererkennung zu tun hat. Genau deshalb, wird man besser darin, je mehr man den Markt und seine Muster beobachtet.

Eine Abkürzung für diesen mühsamen Weg, den "heiligen Gral der technischen Analyse" sozusagen, gibt es nicht - zumindest kenne ich ihn nicht.

Ich selber halte mich daher von allen Versuchen fern, einzelne Indikatoren zu tief analysieren zu wollen. Denn je tiefer man gräbt, desto tiefer kommt man in den undefinierbaren Sumpf des Beobachterproblems. Auch wenn die Farne an der Oberfläche attraktiv und synchron im Wind schwanken, in der Tiefe des Bodens der selbstreferentiellen Märkte, findet man eher keinen Granit, sondern Sumpf.

Indikatoren sind Hilfsmittel. Der Kern ist der Preis und sonst gar nichts.

Ich bin und bleibe am Markt opportunistischer "Wolkenspringer". Wenn andere noch heraus finden und "gründeln" wollen, ob das Gesicht in den Wolken denn "echt" ist, bin ich schon weiter gesprungen und labe mich an einem neuen, frischen Gesicht woanders. 😉

Ihr Hari

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Gewürzte Charts – von Oszillatoren und Indikatoren



Wenn Anleger beginnen, sich mit technischer Analyse zu beschäftigen, entdecken Sie fasziniert eine Unmenge an Indikatoren und Oszillatoren, die sie in Charts sehen oder die ihnen in Lehrbüchern nahe gebracht werden.

Jeder dieser einzelnen Parameter hat eine spezielle Bedeutung und das weckt Reflexe in uns, den "heiligen Gral" der Börsenindikatoren zu finden. Wäre ja auch toll, einfach nur auf ein paar Indikatoren zu schauen und *schwupps* sagen die einem, was zu tun ist. 😉

Gerade Menschen mit einem Hintergrund als Ingenieur sind ja darauf gepolt, Dinge so lange zu verfeinern und an Details zu feilen, bis diese perfekt geworden sind. Und so macht man sich voller Elan daran, all diese Oszillatoren und Indikatoren in die eigenen Charts und in eine sich entwickelnde Strategie aufzunehmen.

Leider ist der Markt nicht wie beispielsweise ein Motor, an dem man tatsächlich so lange an Details feilen kann, bis man in Perfektion das Maximum aus der Physik heraus geholt hat. Und leider führt der Versuch, durch eine grosse Menge an Indikatoren und Signalgebern das Anlage-Ergebnis zu verbessern, eher zum Gegenteil. In der Regel werden Strategien so zu komplex und Charts sind dann so mit Linien und Symbolen überladen, dass das Wesentliche dabei unter zu gehen droht.

Mit diesem Beitrag, will ich daher auf ein paar wichtige Dinge und Prioritäten hinweisen, in der Hoffnung, einige von Ihnen von unnötigen Sackgassen bei der Entwicklung abzuhalten:

Das Wichtigste, das Allerwichtigste, nach dem lange nichts kommt, ist immer die Price-Action selber. Also Volumen und Kurse, die wir real im Chart sehen können.

Jede erfolgreiche Strategie, muss auf diesen realen Kursbewegungen aufbauen. Oszillatoren und Indikatoren sind dagegen nichts weiter als "Gewürze" bei einem leckeren Essen. Gewürze alleine, machen den Magen nicht voll, ohne den Inhalt im Kochtopf sind Gewürze für sich nichts wert.

Und ein Essen wird auch nicht dadurch besser, dass man jedes Gewürz aus dem Küchenschrank durcheinander in den Topf gibt. Nein, oft ist eine kleine, triviale Prise Salz alles, was ein gutes Essen braucht!

So ist es auch bei allen Indikatoren und besonders bei den Oszillatoren, die ja sowieso nur ein abstrakte Ableitung der Price-Action sind. Schon alleine deshalb, kann es keinen Mehrwert generieren, zu viele Oszillatoren gleichzeitig einzusetzen, denn am Ende zeigen die alle das Gleiche an.

Aber auch bei Indikatoren, die andere Marktparameter visualisieren, schafft zu viel keinen Mehrwert, sondern nur Verwirrung.

Denn erneut, wie beim Gewürz, schafft der Indikator alleine kein belastbares Signal. Erst die reale Price-Action in Kombination mit einem Indikator, kann ein sinnvolles Signal geben.

Nehmen wir das On-Balance-Volumen als Beispiel. Dessen Signale sind in der Regel ohne Belang. Wenn aber das OBV eine Divergenz zum Kurs zeigt und der Kurs gerade eine Wendebewegung vollführt, kann das OBV ein hervorragender Indikator sein um zu überprüfen, ob diese Wende substantiell ist oder bald wieder in sich zusammen fällt. Das OBV hat also nicht immer Bedeutung, sondern nur als "Gewürz" in bestimmten Situationen.

So ist es eigentlich mit allen Indikatoren. Man muss immer von der Price-Action selber ausgehen und wenn man da etwas Interessantes sieht, kann man einen geeigneten Indikator zu Rate ziehen, um die Situation heraus zu arbeiten.

Damit dieser Artikel nicht zu lang wird, will ich Ihnen daher einfach mal summarisch sagen, wie nach meiner Erfahrung erfolgreiche Trader mit Charts und Indikatoren arbeiten.

Nun sind Menschen und Strategien sehr unterschiedlich und es mag immer die Ausnahme von der Regel geben. Aber ich zumindest kenne keine Ausnahme, alle Trader, zu denen ich bisher Kontakt hatte und denen ich Kompetenz und Erfahrung zubillige, werden Ihnen Ähnliches sagen wie folgt. Das ist kein Beweis, weil meine Menge statistisch nicht relevant ist, aber zumindest ein Indikator, in welche Richtung Sie denken sollten:

(1) Fokus

Konzentrieren Sie sich auf Indikatoren, die eine wirklich Ergänzung für die speziellen Situationen darstellen, die Sie handeln wollen! Wer sich beispielsweise auf Trendfolge spezialisiert, braucht andere Indikatoren als jemand, der Reversals handeln will. Indikatoren haben wie Gewürze für sich alleine keinen Wert, erst durch das, was man mit ihnen wie durch eine Lupe heraus arbeiten will, bekommen sie Bedeutung. Die allgemeine Frage nach den "optimalen" Indikatoren, ist also ohne Kontext sinnlos.

(2) Weniger ist Mehr

Konzentrieren Sie sich auf wenige Indikatoren, die sie wirklich beherrschen. Zu viele gleichzeitig, verschmieren das Bild nur und verbessern es nicht. Das ist wie zu grosse Diversifizierung, wenn man die übertreibt, kann man gleich den MSCI World kaufen.

(3) Struktur und das Wesentliche

Das Wichtigste ist, dass Sie die Struktur der Price-Action im Chart heraus arbeiten und daraus Schlussfolgerungen ableiten. Der Indikator hilft dann nur, dieses Bild zu "würzen". Wenn Sie ohne Indikatoren keine Struktur entdecken können, hilft Ihnen ein Korb an Indikatoren auch nicht weiter. Konzentrieren Sie sich in der Darstellung auf das Wesentliche, das Sie handeln wollen.

Soweit kurz die drei wichtigen Regeln, die ich wie gesagt bei allen erfolgreichen Tradern gesehen habe, zu denen ich jemals Kontakt hatte.

Nun findet man im Web ja immer wieder so überladene Charts mit unzähligen Indikatoren und Linien kreuz und quer. Für mich ist das eher ein negatives Zeichen, statt ein Qualitätsmerkmal.

Sicher, Laien kann man damit beeindrucken, aber für mich wirft es sofort die Frage auf, ob der Trader das Wesentliche überhaupt noch sieht oder ob er nur Eindruck schinden will.

Erneut, ich will gar nicht ausschliessen, dass es da draussen die Ausnahme gibt, den sehr erfolgreichen Trader, der gerade so überladene Charts und Indikatoren-Bündel sinnvoll zum eigenen Vorteil einsetzen kann. Die Regel ist das mit Sicherheit nicht.

Die Regel ist eher, dass solch überladene Darstellung Indiz dafür ist, dass noch keine ausreichend ausgeformte Strategie existiert.

Fazit:

Gehen Sie nicht in die Falle zu glauben, dass Ihre Börsenaktivitäten besser werden, weil Sie noch mehr Indikatoren darauf werfen oder Ihre Strategie bis ins kleinste Details verfeinern. Dem ist nicht so!

Was Ihnen hilft, ist wenige Hilfsmittel perfekt zu beherrschen und nicht ganz Viele nur ein bischen.

Worauf Sie sich konzentrieren sollten, ist also das Wesentliche, fokussieren Sie sich auf die Struktur der Charts selber und betrachten Sie Indikatoren als Beiwerk.

Denn am Ende, um zum Bild des Jägers mit dem Speer zurück zu kommen, kommt es nur auf diese Zehntelsekunde an, in der der Arm den Speer mit Wucht wirft. Alles andere drum herum ist nur Beiwerk. In dieser Zehntelsekunde aber, muss die Bewegung sitzen. Und das geht nur mit Fokus und Konzentration auf das Wesentliche.

Ihr Hari

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Charts des Sommers – S&P500 – Würden Sie diesen Chart shorten ?

Heute möchte ich Ihnen in einem Beitrag zum S&P500 typische psychologische Fallen vermitteln, in die wir menschliche Anleger und Trader typischerweise tapsen, wenn wir einen Top im Markt treffen wollen.

Schauen wir dazu auf das Chart des Leitindex S&P500 (hier der Future), auf dem wir das Hoch vom 22.05.13 sehen, das Tief vom 24.06.13 und den erneuten Anstieg auf Hochs bis zum heutigen Zeitpunkt.

Trendfortsetzung oder Doppeltop, werden sich viele jetzt wieder fragen und es wird einigen in den Fingern jucken, diese Markt nun zu shorten.

S&P500 18.07.13

Da sitzt er nun also, "Hans Anleger". Privatmann, gebildet, börseninteressiert ... aber immer noch von Emotionen zu stark beeinflusst, die ihm permanent einflüstern, was der Markt nun wegen diesem und jenem machen müsste. Und sein Ego füttern, wenn es denn mal zufällig klappt. Und wegschauen und verdrängen und so sein Ego schützen, wenn es - wie so oft - nicht klappt.

Und diesen "Hans Anleger" gibt es nicht nur bei charttechnisch orientierten Anlegern. Nein, bei denen die sich naiv für etwas "besseres" halten, weil sie ja nur auf "fundamentale" Daten gehen und diesen "Hokuspokus" mit Charts nicht mitmachen, ist dieser Effekt sogar noch schlimmer. Dort entblöden sich viele noch nicht einmal der Einbildung, den zukünftigen Effekt einer aktuellen ökonomischen Entwicklung besser als alle anderen (die den Markt bilden) einschätzen zu können. Es fühlt sich halt so toll für das Ego an, klüger als die "dumme Masse" zu sein - nur macht es die Taschen später nicht voll, aber das ist eine andere Geschichte. Und dann hat man auch schon wieder ein anderes Thema gefunden um sich gut zu fühlen und daran zu wärmen. 😉

Zurück zu Hans Anleger, der diesen Runaway-Move im S&P500 seit November 2012 sieht und sich immer und immer wieder denkt: "Das kann so nicht ewig weiter gehen". Recht hat Hans Anleger, das Dumme ist nur, der Zeitpunkt wann es endet ist unbestimmt. 😉

Da Hans Anleger durchaus erste Erfahrungen hat, mit Oszillatoren wie dem RSI umgehen kann und auch ansonsten aus den Charts einiges heraus lesen kann, startet er also an Punkt (1) den ersten Short-Versuch. Durchaus nicht ohne Logik und das konnte man machen.

Leider beliebt Mr. Market aber nicht, sich entsprechend der Annahmen von Hans Anleger zu verhalten. Und da Hans Anleger auch weiss, wie wichtig Verlustbegrenzung ist - er ist also wirklich schon ein fortgeschrittener Anleger mit gutem Grundwissen - steigt er mit einstelligem Verlust aus dem Trade wieder aus. So weit so gut und völlig in Ordnung. Bisher kein grober Fehler.

Da Hans Anleger ja aber seine Überzeugung nicht ablegt, wird mit den weiter steigenden Kursen die Überzeugung nur stärker. Das "kann" nicht mehr so weiter gehen. Also versucht er es bei (2) und (3) erneut mit entsprechend negativem Ergebnis.

Und nun beginnt der eigentliche psychologische Fehler. Nun ist Hans Anleger gefrustet und um sich und sein Selbstbewusstsein zu schützen, schaut er nun ganz bewusst woanders hin und würdigt den S&P500 erst einmal keines Blickes mehr. Das ist ein unbewusster psychologischer Schutz-Reflex, den man überhaupt erst einmal in die Bewusstseinsebene hoch heben muss.

So passiert es, dass Hans Anleger den grossen ersten Einschlag gar nicht mitbekommt und erst bei (4) zur Kenntnis nimmt. Nun greift der zweite psychologische Fehler, sofort kommt der Gedanke: "Mist, Absturz verpasst. Das lohnt sich jetzt nicht mehr." Unbewusst bestätigt sich Hans Anleger also die Entscheidung, auf den S&P500 nicht mehr zu schauen.

Und so hat Hans Anleger keinerlei Chance, den ersten wirklich guten Punkt zu bemerken, an dem das CRV - ohne raten zu müssen - für einen Short spricht. Es ist der Punkt (5) nach dem auslaufenden Rebound. Auch so ein Rebound ist keine Garantie für einen Short, nichts ist eine Garantie im Markt, aber in so einer Struktur sind die Chancen sehr hoch, dass es zumindest eine zweite deutliche Abwärtsphase gibt.

Was also ist der psychologische Fehler ?

Erstens der Versuch die Zukunft zu erraten ! Das funktioniert einfach nicht ! Die Shorts (1) - (3) waren zwar nicht völlig unlogisch, aber sie waren trotzdem raten. Denn noch hatte der Markt nicht die Richtung gewechselt und ein Oszillator wie der RSI ist keine Garantie.

Zweitens ist der Fehler, nach mehreren Fehlversuchen in die Verdrängung zu wechseln um das eigene Ego zu schützen und damit die Augen vor dem zu verschliessen was weiterhin passiert. Denn genau dann ist oft genug das beste Chance-Risiko-Verhältnis im Markt ! Oft hatte man eigentlich recht, nur nicht genügend Geduld.

Drittens ist der Fehler, nach der ersten verpassten Bewegung sofort zu denken das wäre es schon gewesen. Wenn sich ein Trend dreht, dann gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mindestens einen Versuch zu den alten Hochs zurück zu kommen. Erst wenn auch dieser Versuch scheitert, entsteht wirklich eine Gelegenheit für einen Short.

Versuchen Sie sich statt dessen andere Denkstrukturen anzugewöhnen. Beim Betrachten einer bestimmten Chartstruktur muss Ihr Augenmerk darauf liegen, was die Wahrscheinlichkeiten sind, die in einer gegenwärtigen Struktur begründet sind. Erfolg am Markt beruht nicht auf wilden Prognosen für eine unbestimmte Zukunft. Er beruht auf einem intelligenten Spiel mit Wahrscheinlichkeiten und Risikomanagement ! All das Grübeln wann der Top kommt, hätte man sich in dem Beispiel sparen können, wenn man einfach auf den ersten Einschlag gewartet hätte. Der Markt sagt einem schon was er will, man muss nur hören.

Wenn Sie also irgendwo wieder so ein Banner anblinkt, wo Ihnen der "Crash 2013" oder "200% Gewinn" von einem selbst ernannten Guru geweissagt wird, machen Sie einen grossen Bogen darum. Ausser Sie sind gerne ein Schaf, das von anderen geschoren wird. Dann wünsche ich einfach viel Vergnügen bei der Rasur. Ihr Geld ist am Ende ja auch nicht weg, es hat halt nur ein anderer - das ist bestimmt tröstlich. 😉

Wenn aber nach einem heftigen, ersten Einschlag der teilweise Rebound kommt, der dann ausläuft, dann sollten Sie ganz wach und aufmerksam sein, denn das sind die Momente, in denen gute Chancen auf der Short-Seite liegen könnten.

Also noch einmal meine Frage, würden Sie diesen Chart des S&P500 heute nun shorten ?

Ihr Hari

PS: Und damit das ganz klar ist. Ich kann über diese psychologischen Mechanismen deshalb so gut schreiben, weil ich sie alle am eigenen Leib kenne und erlebt habe. Und so auch Chancen verpasst und Verluste produziert habe. Die Leistung die Sie bringen müssen, ist sich Ihre eigenen psychologischen Prozesse in die Bewusstseinsebene zu heben und dann Mechanismen, Systeme und Tricks zu entwickeln, mit diesen umzugehen.

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Anlage- und Trading-Methodik für Berufstätige – Mehr Erfolg mit einer Stunde pro Tag

Treue Leser erinnern sich sicher, dass ich Ihnen -> hier <- den "heiligen Gral" der Geldanlage nahe gebracht hatte.

Und Sie erinnern sich sicher, dass dieser "heilige Gral" in der Fähigkeit begründet liegt, überhaupt eine systematische Methode zu entwickeln. Das er also in Methodik und Disziplin zu suchen ist !

Jetzt war das sicher nicht das, was die hören wollten, die immer noch an den Weihnachtsmann glauben und hoffen, dass Ihnen irgend jemand im Finanzmarkt wirklich "heisse Tips" kostenlos liefern wird, die sie dann nur passiv konsumieren müssen. Wer daran noch glaubt, braucht aber hier nicht weiter lesen und ist in diesem Blog sowieso falsch.

Wenn Sie aber zu den anderen gehört haben, die auf meinen Artikel damals mit wohlgefälligem Nicken reagiert haben, stelle ich Ihnen nun eine zugegeben böse Frage:

-> Und ? Haben Sie was geändert ? Haben Sie nun ein klare Methodik, die Sie diszipliniert ausführen ? 🙂

Ich weiss, könnte ich Ihnen nun in die Augen schauen, würden viele dem Blick ausweichen. Es gibt ja auch so viele, mehr oder weniger gute Ausreden, warum man das, was man eigentlich richtig findet, gerade im Moment dann doch nicht machen kann. 😉

Eine sehr beliebte Ausrede ist dabei, dass man ja mit einem normalen Job gar nicht die Zeit hat, sich so intensiv um die Märkte zu kümmern. Das beruht auf der Annahme, dass es darum gehen würde, permanent auf die Kurse zu starren.

Nur ist diese Annahme grundfalsch und eine Ausrede. Und das gilt insbesondere für Mitglieder dieses Blogs, denn denen liefere ich ja täglich schon eine professionelle Sicht auf die Märkte, die viele zeitraubende Analysen erspart. Wer am Tag nur eine Stunde für die Märkte aufwendet und die richtigen Quellen für Marktinformationen hat, kann auch in einer Stunde mit Methodik und Disziplin erfolgreich sein, man muss nur einmal überhaupt damit anfangen. Zu oft auf die Kurse zu starren, schafft für normale Anleger keinen Vorteil, im Gegenteil.

Natürlich muss man sich mit nur einer Stunde stark begrenzen, Aktien-Picking macht dann nur begrenzt Sinn, grössere Watchlisten auch eher nicht. Aber wenn man sich auf wenige Positionen und auf das Wesentliche konzentriert, ist Erfolg sehr wohl möglich.

Und da aller Anfang schwer ist, liefere ich Ihnen nun - ganz kostenlos - eine konkrete Anleitung zu einer Anlage- und Trading Methodik für den normal berufstätigen Teil der Anleger.

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DAX und S&P500 – Wie lange steigen die Indizes im Runaway-Move weiter ?

Die grossen Indizes steigen und steigen. Jeder Dip wird gnadenlos gekauft, die Geldflut der Notenbanken deckt die konjunkturellen Probleme zu und sorgt für eine Vermögenspreisinflation an den Märkten.

Da stellt sich die wichtige Frage, woran könnte man denn erkennen, dass diese Bewegung zu Ende geht ? Gibt es Methoden, die einen davor warnen, als letzter auf die Party zu kommen ?

Zunächst einmal sei gesagt, dass die klassischen Oszillatoren in solchen Bewegungen kaum Aussagekraft mehr haben. In solchen Phasen laufen diese am Anschlag und laufen länger am Anschlag, als es ein falsch aufgestelltes Depot aushält.

Und ich habe noch eine schlechte Nachricht, es gibt keine - zumindest kenne ich keine - Technik, mit der man den exakten Top und Wendepunkt eines Runaway-Moves zuverlässig vorhersehen kann. Es gibt nur einen Erfahrungswert und der lautet, dass dieser Punkt höher liegt als sich die grosse Mehrheit vorstellen kann. Bedeutet, mit Rationalität ist man eigentlich immer zu früh draussen.

Es gibt bei diesen Bewegungen aber ein Muster und das zeichnet sich dadurch aus, dass die Korrekturen zuverlässig von ähnlicher Grössenordnung in ähnlichen Abständen kommen. Und dieses Muster kann man nutzen.

Ich möchte Ihnen dieses Muster am aktuellen Chart des Leitindex S&P500 zeigen. Schauen Sie mit mir auf das Tageschart der gesamten Anstiegsbewegung seit November 2012:

S&P500 10.05.13 Runaway-Move

Sie sehen, dass die Korrekturen sich immer im Bereich von ca. 50 Punkten bewegen. Sie sehen auch den immer ähnlichen Abstand zwischen den Korrekturen. Sie sehen weiter, dass jeder Korrektur ein temporäres "Exhaustion Top" voraus geht, also eine dynamische Bewegung, der die Kraft ausgeht.

Und Sie sehen jedes Mal da ein V-förmige Reversal, dass eigentlich recht selten ist, hier aber signalisiert, dass da unter der Decke eine Macht (Notenbank) am Werk ist, die immer wieder den Nachbrenner unter den Kursen zündet.

In Summe wie ich finde ein sehr eindrucksvolles Bild, das die Struktur dieser Bewegung deutlich macht. Und da der S&P500 der weltweite Leitindex ist, kann man in ihm die Struktur auch am deutlichsten heraus arbeiten. Im DAX wird diese Struktur durch andere Faktoren überlagert, letztlich folgt aber auch der DAX dem Geld der Wallstreet.

Nun können wir aus dem Bild aber auch etwas lernen und bekommen damit grobe Anhaltspunkte, wie wir mit der aktuellen Bewegung umgehen sollten:

Der Abstand zwischen den Korrekturen zeigt, dass der jetzige Anstieg möglicherweise noch Luft nach oben hat. Er ist im Rhythmus der Bewegungen auf jeden Fall noch nicht weit genug gelaufen, auch wenn nun viel dafür spricht, dass die Dynamik der Bewegung nachlässt. Ca. 1650 im S&P500 sind aber ein sinnvolles kurzfristige Ziel, das sich auch aus der Höhe der Umkehrstruktur ableitet.

Danach ist mit steigender Wahrscheinlichkeit mit einer erneuten Korrektur zu rechnen. Und dabei ist entscheidend, ob es sich wieder um eine ca. 50 Punkte Korrektur handelt oder ob sich daraus mehr entwickelt. Unter der Annahme einer Bewegung bis 1650 in der nahen Zukunft, wäre der Bereich um 1600 im S&P500 also entscheidend. Wie sich der Markt dort verhält - nachdem er erneut um ca. 50 Punkte korrigiert hat - gibt uns die wichtigen Informationen. Die eingezeichnete Trendlinie macht diesen wichtigen Bereich deutlich.

Fazit:

Den Top eines solchen Runaway-Moves zu treffen ist nahezu unmöglich und eher Glück. Es können noch drei weitere dieser Wellen kommen und niemand kann voraussagen, was die letzte Welle ist. Trotzdem sind wir nicht im völligen Blindflug, denn wir wissen was *nicht* passieren darf, wenn die Bewegung weiter andauern soll.

Wesentlich bedeutender ist deshalb, wie sich der Markt *nach* einer 50 Punkte Korrektur verhält. Sollte er zum ersten Mal seit November 2012 nicht zu einem V-förmigen Reversal ansetzen, muss man dann davon ausgehen, dass die Bewegung seit November 2012 am Ende ist. Und dann steigt das Risiko eines scharfen Einbruches immens, weswegen man diese Situation besser auf der Seitenlinie beobachtet.

Mit einem händisch jeden Tag gepflegten Trailing-Stop, kann man diese Struktur schön abbilden und absichern. Und solange der Stop nicht getroffen wird, lässt man die Gewinne laufen und spart sich das Grübeln darüber, wo der Top sein könnte. Denn denken Sie immer daran: er ist in der Regel höher, als Sie sich vorstellen können. 😉

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