Ahnungen von 2020



Was ist denn jetzt los, der Hari macht Prognosen?

Nein, wirklich nicht, ich weiss genausowenig wie die Börse in 2020 läuft, wie die Meteorologen nun das Wetter von 2020 kennen. Man kann Ahnungen haben, das wars dann schon.

Trotzdem macht es vielleicht Sinn, Sie an meinen "Ahnungen" teilhaben zu lassen, denn aus diesen Erwartungen schöpfe ich dann ja auch Anlagekonsequenzen, je näher das Jahresende kommt.

Und zu wissen, wie ich aktuell über 2020 denke, erlaubt Ihnen dann auch eher zu verstehen, warum ich in bestimmter Art und Weise agiere.

Natürlich kann und wird sich diese Sicht ändern, je näher das Jahresende kommt, weil mir mit jeder Woche einfach viel mehr Information zur Verfügung stehen. Vielleicht denke ich im November daher ganz anders über 2020 als heute, aber was ist meine Sicht heute?

Ganz einfach, ich bin skeptisch und erwarte eher ein schwieriges Jahr, aber auch keine Baisse.

Gleichzeitig bin ich aber zum Jahresende 2019 weiter optimistisch, meine Haltung kann man also ungefähr so beschreiben: Ich habe vor nun zum Jahresende 2019 kräftig Gewinne einzusammeln und dann in 2020 vom Markt mehr Abstand zu halten.

Warum diese Skepsis?

Ich habe eigentlich nur ein Kernargument dafür, die US Präsidentschaftswahl.

Ich habe diesen März in -> Trumpologie <- schon einmal versucht ein wenig nach vorne zu schauen und habe da betont:

Ich vermute also, bei den Demokraten wird sich ein "Gegenmodell" zu Trump durchsetzen, kein "langweiliger", moderater, potentiell einender Kandidat der Mitte, sondern jemand, der auf einen groben Klotz einen groben Keil setzen wird.

.......

Das Dumme ist, es wird in den Umfragen trotzdem "Spitz auf Kopf" stehen und die Stimmung aufgeheizt und toxisch sein. Und die Börse wird das Risiko einpreisen müssen, dass eine Ocasio-Cortez oder wer auch immer es schafft und auf einen radikalen Trump nun die nicht weniger massive Gegenreaktion kommt.

Das kann der Markt nicht lieben, er wird es lange zu ignorieren versuchen, bis es "matters" und dann wird es ungemütlich. Ein Sieg Trumps wäre dann wieder eine Rally wie 2016, nicht weil die Markteilnehmer Trump lieben - die Mehrheit der Pros hält Trump wohl auch für charakterlich indiskutabel - sondern weil man mit seiner Politik gut leben kann.

Fazit:

Ich denke die Auswahl des demokratischen Kandidaten, ist der alles entscheidende Faktor in der Gleichung der US Präsidenten-Wahl.

Sollten es die Demokraten wider Erwarten schaffen, eine(n) wählbaren, respektablen und trotzdem jung und frisch wirkenden Kandidaten der Mitte aufzustellen, wird es nicht nur der Markt goutieren, sondern kann die/der fast nicht verlieren, weil ein zweites Mal gibt es die Überraschung nicht und viele die heute schwanken, werden für eine wählbare Alternative dankbar sein und still ihr Kreuzchen machen und sich dann wieder ihrem Leben zuwenden.

Ich rechne aber nicht damit, die Polarisierung die von Trump ausgeht, steht dem entgegen. Je stärker Trump polarisiert, desto eher wird er Gegenkandidaten bekommen, die auf der Gegenseite eine ähnliche Tonlage anschlagen. Wenn man so will, ist die Polarisierung also eine Falle für die Demokraten, in die sie aber vermutlich gehen werden, weil die Wut der Lauten einfach zu groß ist und die Stummen eben stumm bleiben.

Es ist bei Eskalationen eigentlich immer so, wenn sich eine Seite radikalisiert, haben auf der Gegenseite die Moderaten ganz schlechte Karten.

Für den Fall, wird spätestens in 2020 - vielleicht früher - ein Tag kommen, an dem der Markt an den Sieg von jemanden zu glauben beginnt, der Amerikas offenen Kapitalismus "einhegen" und "begrenzen" will.

Egal wie man dazu politisch steht - eine soziale Marktwirtschaft ist ja wahrlich eine gute Idee - der Markt dürfte es nicht mögen und eine Angstreaktion zeigen.

Was bedeutet, dass 2020 börsentechnisch wohl ein sehr tückisches Jahr werden wird, der politische Einfluß wird immens sein und die Erregung noch höher als 2016, als Trump für viele nur eine Witzfigur war und nicht ausreichend ernst genommen wurde.

So sehe ich das immer noch, wenn sich bei den Demokraten ein(e) eher linke(r) Kandidat(in) durchsetzt, wird der Tag in 2020 kommen, an dem der Markt deren Sieg für realistisch erachtet und das kann von den aktuellen Niveaus zu erheblichen Abgaben führen. Eine Elisabeth Warren, so wie sie sich heute im Wahlkampf rhetorisch darstellt, wird der Aktien-Markt eher nicht mögen.

Aber unabhängig davon, wird eine offene Feldschlacht geschlagen, in der praktisch jeden Tag irgendetwas angekündigt wird, was sich auf den Markt auswirken wird. Das wird das Jahr 2020 extrem "tricky" und tückisch machen.

Und diese potentiell sehr volatile Phase, trifft auf Notenbanken, die ihr Pulver gerade jetzt schon verschiessen. Und die FED wird auch immer mehr im Zentrum des politischen Kampfes stehen, was ihre Freiheiten weiter einschränken wird.

Im Moment haben wir doch ein "Goldilock-Szenario", was den Stimulus angeht, wo und wie genau soll das in 2020 gesteigert werden, wenn der Markt mal zu fallen beginnt? Stellen Sie sich nur das politische Getöse vor, wenn die FED 6 Monate vor der Wahl Trump aus Sicht der Demokraten mit einer kräftigen Zinssenkung "zu retten" versucht?

Zusätzlich haben wir ja immer noch diese Rezessions-Fragezeichen, irgendwann wäre mal eine fällig, auch wenn sie vielleicht nur kurz bleibt. Aktuell sehe ich diese nicht, aber 2020 ist lang.

Summa Summarum ist wegen dieses mit Sicherheit extrem harten Präsidentschaftswahlkampfs, mit einem eher schwierigen Börsenjahr zu rechnen. Und auch wenn in Europa nicht gewählt wird, wenn die US Wirtschaft Schnupfen hat, hat Deutschland Grippe und kann sich dem nicht enziehen.

Damit stellt sich die Frage, warum ich trotzdem gelassen bin und zwar mit massiver Volatilität und nur schwierig zu erzielenden Gewinnen rechne, aber nicht mit einem großen Einbruch?

Dafür ist das langfristige Bild des S&P500 maßgeblich und Sie wissen, wie sehr ich mich nach dem Spiel auf dem Platz richte.

Und dieses Bild sagt eher, dass ein mehrjähriger Bullenmarkt gerade erst begonnen hat, die Bewegung von Februar 2018 bis heute ist nämlich überwiegend als klare Korrektur in der Aufwärtsbewegung zu werten:

Natürlich wird 2020 nicht so glatt laufen, wie oben gesagt, erwartet ich eher zwischen April und November ein schwieriges halbes Jahr, das ziemlich volatil daher kommt und in dem nicht viel zu holen ist.

Aber dieses volatile halbe Jahr, ist eben eingebettet in eine grundlegende, bullische Ausbruchsbewegung - einen mehrjährigen Bullenmarkt, den die wenigsten in seiner Gewalt so schon auf dem Radar haben.

So....

Das sind meine Ahnungen für 2020 - keine Prognosen, nur Ahnungen. Jetzt wissen Sie, wie ich aktuell denke. Je näher 2020 kommt, desto mehr wird sich dieses Bild verfestigen oder ändern.

Auf die Frage, wen die Demokraten aufstellen, habe ich immer ein waches Auge, wie in -> Trumpologie <- beschrieben gilt in meinen Augen:

Ich denke die Auswahl des demokratischen Kandidaten, ist der alles entscheidende Faktor in der Gleichung der US Präsidenten-Wahl.

Abhängig von dieser Entwicklung, wird der US Markt in 2020 wackelig werden oder entspannt bleiben.

Von Europa erwarte ich übrigens in 2020 nichts, einfach ein "Weiterdümpeln". Draghi hat sein Vermächtnis hinterlassen, Lagarde wird es nicht auf den Kopf stellen, sondern weiterführen.

Und ein Aufbruch Europas in die Freiheit, mit einer Politik der technologischen Exzellenz, einer gemeinsamen Aussenpolitik und einem Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit, verbunden mit der Eindämmung von Bürokratie und zentralistischer Gängelei, ist nicht einmal ansatzweise vorstellbar, weil dafür nicht nur die Politiker fehlen, sondern auch die Mehrheiten in der Bevölkerung.

Und solange man sich der Lebenslüge des Euro nicht stellen will, sind durchgreifende Änderungen und eine Erfrischungs-Spritze für Europas Wirtschaft sowieso unrealistisch.

Europa ist und bleibt kompliziert und ohne echtes gemeinsames Ziel, hinter der hohlen Fassade der Sonntagsreden. Ein selbst gefesselter Riese sozusagen, das wird wohl auch in 2020 so bleiben.

Was könnte dieses Europa, in dem Vielfalt eine massive Stärke sein könnte, nur für eine Durchschlagskraft entfalten, wenn es sich hinter einem gemeinsamen Ziel versammeln könnte? Davon darf man träumen, aber es ist derzeit nicht realistisch.

Europa könnte weltpolitisch problemlos in der Liga von US und China spielen, ja wäre diesen in wichtigen Teilen voraus. Es ist aber von Klein-Klein, Bürokratie und Versorgungsdenken kastriert, ein "alter" Kontinent, der verlernt hat, "nach dem großen weiten Meer zu streben", wie es China und die US kulturell weiter tun.

Die Musik in der westlichen Welt wird also weiter in den US spielen, auch 2020. Zu Chinas Entwicklung in 2020 habe ich derzeit keine Meinung, zu unklar ist, wie sich der Konflikt mit Amerika entwickelt und zu wenig weiss ich über die internen Strömungen in der Bevölkerung, die durch die nahezu 100%ige Informationskontrolle und den Schleier der Parteipropaganda von aussen nicht zu erkennen sind.

Geniessen wir also das Jahresende 2019, falls es so positiv wird, wie ich aktuell vermute. 2020 muss kein schlechtes Börsenjahr werden, schwieriger und weniger profitabel als 2019, wird es aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit!

Ihr Hari

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Endlich ein Ende abzusehen



Guten Morgen!

Zwei Monate über den Sommer, haben wir nun der Marktstarre zugeschaut. Nun hatten wir diese Sommerstarre ja schon seit Frühjahr prinzipiell erwartet, ich erinnere zum Beispiel an den Artikel -> Sommerstarre statt Sell in May <-, da soll noch einer sagen, wir wären davon überrascht worden. Das war eher prophetisch.

Und kaum neigt sich die Sommerstarre dem Ende zu, müssen wir wieder warten. Dieses mal auf die nervigen Notenbanken, die einerseits sehr kursbewegend sind und daher nicht ignoriert werden können, andererseits aber weit überwiegend heisse Luft produzieren.

Insofern ist es eine Freude, diese Woche sagen zu können, dass ein Ende des Wartens abzusehen ist. Wenn am Mittwoch Bank of Japan und FED hinter uns liegen, hat der Markt freies Fahrwasser bis zum Jahresende und wird sich vor allem auf die US Präsidentschaftswahl als Aufreger stürzen.

Im Zusammenhang mit "heisser Luft" denke man nur an die FED, die schon vor über einem Jahr begonnen hat, den Markt auf eine Zinserhöhung vorzubereiten. Und was ist passiert? Jämmerliche 0,25%, heraus gepresst im Dezember letzten Jahres, rein der Gesichtswahrung wegen.

Dann kam erneut die Rhetorik, von 2 bis 4 Erhöhungen wurde am Jahresanfang im vielstimmigen medialen Geschnatter der FED-Mitglieder geredet. Und was haben wir bekommen? Bisher keine. Und das obwohl die Gelegenheiten dafür sehr gut waren und der Markt im 2. Quartal sogar gezeigt hatte, dass er mit einer weiteren Zinserhöhung seinen Frieden gemacht hatte. Aber eine einzige Anomalie bei den Arbeitsmartkdaten hat im Frühjahr gereicht, die FED ängstlich zurück zucken zu lassen. Soviel zur "Forward Guidance", ich finde diese ökonomischen Projektionen einfach nur lächerlich.

Und nun? Nun sind die Wirtschaftsdaten auch nicht anders als im Frühjahr - durchwachsen eben, die Konjunktur in den US läuft, aber mit angezogener Handbremse und Fragezeichen.

Und wieder reden FED-Mitglieder in die Mikrophone, um den Markt auf eine Zinserhöhung vorzubereiten. Wird sie dieses Mal kommen?

Eigentlich nicht. Wenn wir einen, aber wichtigen Faktor beiseite lassen, erscheint fast sicher, dass die Erhöhung diese Woche wieder nicht kommt. Yellen wird genau so übervorsichtig sein wie immer, das ist scheinbar genetisch verankert. Alle werden weiter davon faseln, dass man weitere Daten abwarten müsste und passieren wird genau Null und Nichts!

Eigentlich ist das Ergebnis schon klar und dann könnte man nun - zum Beispiel bei den Edelmetallen - sagen, dass wir nun Kaufkurse vor uns haben.

Aber dieser Herbst ist anders. Diesen Herbst ist US Präsidentschaftswahl. Und das macht eine Entscheidung bei der November-Sitzung kurz vor der Wahl praktisch unmöglich. Aber auch im Dezember, kurz nach der Wahl und potentiell mit Trump im Amt, ist es hoch problematisch.

Wenn die FED und Yellen ihr Gesicht wahren wollen und nicht als Schwätzer dastehen wollen, haben sie eigentlich nur noch den kommenden Mittwoch zur Verfügung. Denn an den wirtschaftlichen Daten, hat sich gegenüber dem Jahresanfang, als man noch von 4 Erhöhungen redete, kaum etwas geändert.

Noch verschlimmert wird die Ecke, in die Yellen die FED mit ihrer Zögerlichkeit manövriert hat nun dadurch, dass -> Trump das Thema FED aufgreift <- und diese damit so oder so zum Teil des Wahlkampfes wird. Trump hat auch schon angekündigt, dass unter ihm Yellen Geschichte ist.

Dieser Umstand, diese Sackgasse in die Yellen die FED manövriert hat, ist das einzige Problem, dass die Einschätzung des Mittwoch schwierig macht. Ohne das würde ich klar sagen: Keine Zinserhöhung.

Aber die FED hat nun nur die Wahl, entweder als Institut des hohlen Geredes dazustehen oder eine Zinserhöhung durchzusetzen, von der nicht alle überzeugt sind. Was ist schlimmer? Ich weiss es nicht.

Wenn Sie mich fragen, sehe ich das Risiko einer Zinserhöhung am Mittwoch auf jeden Fall etwas höher als der Marktkonsens, der derzeit scheinbar nur wenig über 10 Prozent liegt. Ich würde eher 30/70 sagen, aber auch das ist eine klare Aussage, dass wir mit der höheren Wahrscheinlichkeit am Mittwoch *keine* Änderung bekommen werden.

Aber auch wenn keine Änderung kommt, kann der Markt damit endlich nach vorne blicken und die Notenbanken mal für ein paar Monate hinter sich lassen. Das dominante Thema wird dann schnell die US Präsidentschaftswahl werden und da ist schon jetzt absehbar, dass das zu hoher Volatilität führen wird.

Schauen wir mit Blick auf den Herbst doch mal auf die langfristigen Charts mit Wochenkerzen von S&P500, DAX und Gold. Und versuchen wir dabei nun mal all das Wissen, die Sorgen und Ängste und tausend Details aus unserem Kopf zu verbannen, die unsere Markteinschätzung beeinflussen.

Verkomplizieren wir den Blick auch nicht durch tausend Indikatoren und vermeintlich "exakte" Analyse, die im reflexiven Markt sowieso nur eine Chimäre ist.

Schauen wir einfach mal, was uns Angebot und Nachfrage duch Charts in ein Bild gegossen, auf einen Blick als deutliche Botschaft senden. Denn davon sollten wir erst einmal ausgehen.

S&P500

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Der S&P500 hat einen glasklaren Ausbruch aus einer über einjährigen Konsolidierung vollzogen. Was wir aktuell erleben, ist in diesem Bild nicht mehr als der klassische Retest, der letzte Einstiegspunkt vor dem grossen Abflug also.

Solange die aktuelle Korrektur nicht wieder durch die Nackenlinie nach unten durchgeht, ist der S&P500 also mittel- und langfristig bullisch zu werten.

DAX

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Der DAX war schwächer als der S&P500 und hat über ein Jahr abwärts konsolidiert. Das allerdings geordnet und in einer Struktur, die im grossen Bild an eine bullische Flagge erinnert.

Nun ist auch der DAX nach oben ausgebrochen und der Abwärtstrend seit April 2015 steht in Frage. Und auch hier kann man die aktuelle Korrektur eher als Retest werten, solange es nicht nachhaltig durch die 10.000 nach unten geht. Auch der DAX ist also in diesem Bild mittel- und langfristig bullisch zu sehen.

Gold

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Gold hat den Abwärtstrend seit 2012 mit Anfang diesen Jahres klar gebrochen, egal wie man die Trendlinien zeichnet. Nun haben wir auch eine recht deutlich sichtbare, bullische Flagge vor uns, die in Richtung auf die Zone um 1.500 USD zum Jahresende weist. Auch Gold sieht also mittel- und langfristig eher bullisch aus.

Das sagen die langfristigen Charts auf den ersten Blick.

Die Auswertung: Bullisch - Bullisch - Bullisch!

Und die Stimmung im Markt dazu: Skeptisch, Vorsichtig, Zurückhaltend!

Nun wissen wir alle, dass so ein Blick auf so ein Chart nicht alles ist. Es ist aber auch nicht wertlos, einfach mal wieder aus dem Wust der Detailsorgen heraus zu steigen und das grosse Bild zu betrachten. Auch wenn dieser Blick bestenfalls eine 60/40 Indikation generiert, hat es Wert. Es gibt aber unzählige Ereignisse, die dieses Bild deutlich verändern können und Charts zeigen immer nur die Vergangenheit.

Trotzdem finde ich die Auswertung bemerkenswert. Und vor dem Hintergrund der sehr skeptischen Marktstimmung, die weit von Euphorie entfernt ist, existieren damit immer noch gute Chancen auf der mittelfristigen Long-Seite. Das dürfen wir bei aller Sorge um Trump & Co. nicht aus den Augen verlieren.

Heute und Morgen dürfte vor den Notenbanken eher wenig Bemerkenswertes an den Börsen passieren. Auch die Menge der Wirtschaftsdaten ist eher spärlich.

Dann aber, ist endlich ein Ende abzusehen. Ein Ende mit Schrecken im Sinne Zinserhöhung? Mir persönlich wäre das lieber, als der aktuelle Schrecken ohne Ende. Mit böser Zunge könnte man auch sagen, es ist ein Coitus Interruptus, den die FED da permanent vor jeder Sitzung aufführt. All zu viele stehen da meines Wissens nicht darauf und der ist eher aus der Not geboren. 🙂

Zum Abschluss noch ein wichtiger administrativer Hinweis. Ich muss leider immer mal wieder an das Thema erinnern.

Bitte achten Sie darauf, dass die E-Mail Adresse die Sie hier angegeben haben auch funktioniert. Ich merke bei den Erinnerungen für eine Verlängerung wieder vermehrt, dass im letzten Jahr von den Mitgliedern benutzte E-Mails plötzlich nicht mehr funktionieren und meine Erinnerung mit Fehlern zurück kommt. Und das obwohl das Mitglied weiter regelmässig dabei ist. Besonderes "beliebte" Kandidaten sind dafür die kostenlosen Adressen bei GMail und Co.

Bitte bedenken Sie:

Ich kontaktiere Sie immer und automatisch über die E-Mail, die Sie bei der letzten Anmeldung/Verlängerung benutzt haben. Wenn sich Ihre E-Mail im Laufe des Jahres ändert, reicht es nicht, das ins Profil zu schreiben, sie sollten mir dann eine kurze Info schicken. Ich habe keine automatische Überwachung installiert, die mir sofort sagt, wenn jemand etwas an seinen Daten im System ändert. Wie ich überhaupt keinerlei Mitgliederüberwachung installiert habe und ausser Ihrem letzten Login-Datum keine weiteren Statistiken pflege.

Das nur erneut zur Erinnerung!

Ihr Hari

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Präsidentschaftswahl in den USA: Gibt es Auswirkungen auf den Aktienmarkt ?

Im kommenden November wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Als Anleger fragt man sich, ob das Auswirkungen auf die Entwicklung des Aktienmarktes haben könnte. Ich habe daher einige Erkenntnisse zusammengetragen, die vielleicht zur Beantwortung dieser Frage beitragen. Es gibt ja einige verbreitete Regeln über den Zusammenhang zwischen US-Präsidentschaftswahl und Börse. Was taugen diese Regeln ?

Regel 1: Wahljahre sind gut für den Aktienmarkt

Das stimmt, der Median des Ertrags aus dem S&P 500 lag in Wahljahren bei 11,8 Prozent, verglichen mit dem kumulierten Jahresertrag des S&P 500 in den Jahren 1896 bis 2012 von 5,2 Prozent. Medianertrag bedeutet, in der einen Hälfte der Fälle war der Ertrag höher, in der anderen Hälfte war er geringer.

Der obige Fall gilt aber nur, wenn ein Republikaner oder ein amtierender Präsident gewählt wurde. In diesen Fällen gab es mehrheitlich in der Tat zweistellige Jahreszuwächse im S&P 500. Gewann ein demokratischer Amtsneuling, gab es keine Zuwächse; der mediane Rückgang lag bei 0,4 Prozent. Warum das so ist, wird weiter unten erklärt.

Ideal für Wahljahre sind republikanische Amtsinhaber, der mediane Aktienertrag liegt dann bei 15,6 Prozent jährlich. In 2016 jedoch wird ein ein neuer Präsident gewählt. Und der scheidende ist ein Demokrat.

Regel 2: Republikanische Präsidenten sind gut für den Aktienmarkt

Tatsächlich läuft die US-Börse im Wahljahr signifikant besser, wenn ein Republikaner zum Präsidenten gewählt wird. Sie wächst dann meistens mit zweistelliger Rate; der mediane Ertrag 1900-2012 lag bei 12,4 Prozent. Über die gesamte Amtsperiode eines Präsidenten hinweg gesehen schneiden demokratische Präsidenten dagegen besser ab. Der Aktienertrag liegt dann bei 6,0 Prozent jährlich, bei Republikanern sind es nur 3,8 Prozent.

Republikanischen Präsidenten wird eine größere Nähe zu „Big Business“ nachgesagt. Typisch für Republikaner ist eine wirtschaftsliberale Politik im Innern, aber eine protektionistische Politik nach Außen. Dies liegt im Interesse der republikanischen Wählerklientel - „Main Street“ wählt republikanisch. Entsprechend sind die Erwartungen im Wahljahr freundlich.

Die Probleme treten dann auf, wenn der Wirtschaftsmotor und damit der Aktienmarkt nicht mehr rund läuft. Die laissez-faire-Politik republikanischer Präsidenten verkehrt sich dann ins Gegenteil. Immer, wenn es zu einem überhitzten Bullenmarkt kam, war ein Republikaner im Amt. Immer, wenn der darauffolgende Bärenmarkt sein Tief erreichte, war ein Demokrat im Amt. Offenbar ist in solchen Zeiten das Verlangen nach einer aktiveren Rolle des Staates größer, was von den Demokraten in der Regel nachdrücklicher vertreten wird als von den Republikanern. Das führt dazu, daß in der Vierjahresbetrachtung die Demokraten besser abschneiden als die Republikaner.

Regel 3: Neugewählte Präsidenten sind nicht so gut für den Aktienmarkt

Im Wahljahr stimmt das in den allermeisten Fällen. Bei Amtsinhabern lag der Medianertrag im Wahljahr bei 13,4 Prozent jährlich, bei Amtsneulingen aber nur bei 6,1 Prozent.

Ist der gewählte Präsident Republikaner, spielt es für seine Bilanz vier Jahre später keine Rolle, ob er schon im Amt war oder nicht. Bei den republikanischen Amtsinhabern gab es einen Medianertrag von 3,8 Prozent jährlich, bei republikanischen Amtsneulingen waren es plus 4,3 Prozent pro Jahr.

Dagegen ist ein demokratischer Amtsneuling über die gesamte Amtszeit gesehen klar positiv für den Aktienmarkt; seit 1900 gab es in solchen Fällen mehrheitlich zweistellige Zuwächse pro Jahr (Medianertrag 11,6 Prozent), so zuletzt bei Bill Clinton während seiner ersten Amtszeit 1993 bis 1996 und bei Barack Obama 2009 bis 2012. In den Wahlperioden demokratischer Amtsinhaber gab es Zuwächse von 5,2 Prozent pro Jahr, was genau dem langjährigen Ertrag entspricht.

Die Politik des Amtsinhabers ist den Marktteilnehmern vertraut, sie haben gelernt, ihn und seine Politik einzuschätzen. Dieser genießt einen Vertrauensvorschuß, den er indes nicht immer einlösen kann. Über den Amtsneuling sind die Erwartungen dagegen unsicher, man weiß noch nicht so genau, was er vorhat. Doch wird ein neuer Präsident meist deswegen gewählt, weil die Wirtschaft sich unter der alten Regierung zuletzt abwärts entwickelt hat ("It's the economy,stupid", Wahlslogan von Bill Clinton). Dem neuen Präsidenten, zumal von der anderen Partei, wird zugetraut, daß er einen Politikwechsel einleitet, welcher der Wirtschaft auf die Sprünge hilft. War der neue Präsident ein Demokrat, war diese Einschätzung in der Vergangenheit meistens zutreffend, denn vier Jahre später stand der S&P 500 deutlich höher.

Regel 4: Die Amerikaner werden nicht gerne immer von derselben Partei regiert

Das stimmt, nach acht, allerspätestens nach zwölf Jahren ging das Weiße Haus bisher an die jeweilige Gegenpartei über. Die großen Ausnahmen waren Franklin Delano Roosevelt und Harry S. Truman. Roosevelt wurde dreimal wiedergewählt, davon zweimal während des Zweiten Weltkrieges.

Regel 5: Läuft die Börse gut, wird die Regierungspartei bestätigt; wenn nicht, wird sie abgewählt

In sieben Fällen seit 1900 stand der S&P 500 vier Jahre nach der Wahl tiefer als zum Zeitpunkt der Wahl. In fünf Fällen wurde die Regierungspartei abgewählt. In zwei Fällen wurde der Amtsinhaber trotz schwacher Börse wiedergewählt. Der eine Fall war Franklin D. Roosevelt 1940 kurz vor dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg. Der zweite Fall war George W. Bush 2004, als die Börse sich gerade vom Absturz der Jahre 2000 bis 2002 erholte.

In der nachfolgenden Tabelle haben wir eine Übersicht über alle diese Zahlen. Die Namen republikanischer Präsidenten sind rot unterlegt, die Namen der demokratischen Präsidenten sind blau unterlegt.

US-Präsidentenwahl und Börse

Was bedeutet das alles nun für die Präsidentenwahl 2016 ?

Barack Obama scheidet aus dem Amt. Er kann nicht wieder gewählt werden. Nach heutigem Stand sind Hillary Clinton und Donald Trump die Kandidaten. Sollte sich ein Sieg durch Donald Trump herauskristallisieren, dürfte dies den S&P 500 in 2016 beflügeln. Ein absehbarer Erfolg Hillary Clintons würde wahrscheinlich den Verlauf des S&P 500 in 2016 dagegen beeinträchtigen.

Allerdings würde der US-Aktienmarkt über die darauffolgenden vier Jahre gesehen wohl besser abschneiden, wenn Hillary Clinton gewinnen würde. Eine Trump-Präsidentschaft könnte dagegen unter Umständen mit einem Rückgang bei den Aktien einhergehen. Ausschlaggebend für den Aktienmarkt ist, welche Positionen die Kandidaten vertreten und welche Erwartungen die Marktteilnehmer damit verbinden.

Ich vermute, daß Donald Trump, sollte er sich durchsetzen, seiner populistischen Rhetorik zum Trotz klassisch republikanische Positionen vertreten wird. Das heisst, er würde als Präsident Regulierungen für Unternehmen lockern und diese steuerlich entlasten. Außerdem hat er eine restriktive Handelspolitik angekündigt. Für deutsche Unternehmen wäre das nicht unbedingt positiv. Aber die Amerikaner, auch Trump, dürften generell an guten Beziehungen zu Europa und zu Deutschland interessiert sein, so daß man das vielleicht nicht zum Nennwert nehmen sollte. Seine allgemeinpolitischen Forderungen sind natürlich geeignet, die Spannungslage in der Welt zu vergrößern.

Hillary Clinton wird wohl eher, nicht ganz glaubwürdig, eine Politik vertreten, die sich an den Interessen der von ihr vertretenen Wählerkoalition orientiert. Man sagt Hillary Clinton Nähe zur Wall Street nach, so daß man dort mit einer Präsidentin Clinton gut würde leben können. Es wäre wohl Kontinuität zur jetzigen Politik zu erwarten, sicherlich kein Neuanfang. In einer krisengeschüttelten Welt wie der heutigen wäre das nicht die schlechteste Aussicht.

Doch gibt es in Amerika wie bei uns eine größer werdende Anzahl wütender Wähler, die glauben, daß die Dinge in die falsche Richtung laufen. Diese Wähler könnten am Ende den Ausschlag geben. Hierin läge die Chance von Trump, sollte er nominiert werden, denn er könnte glaubhaft einen Neuanfang vertreten. Doch ist Amerikas Lage wirklich so verfahren, daß es einen solchen Neuanfang benötigte ? Kein geringerer als Warren Buffett sagte zuletzt, es sei in den vergangenen zweihundertvierzig Jahren ein schrecklicher Fehler gewesen, gegen Amerika zu wetten. Und jetzt sei kein guter Zeitpunkt, damit zu beginnen. Wir werden es erleben, wenn am 8. November 2016 die amerikanischen Wähler ihr Urteil sprechen.

Marktupdate – 14.10.12 – DAX & Co.: Vom Weg des maximalen Schmerzes

14:30

Am heutigen Sonntag Nachmittag möchte ich ein paar Gedanken über die kommende Börsenphase mit Ihnen teilen.

Das der Markt sich derzeit in einem Patt zwischen Bullen und Bären befindet, haben wir hier ausreichend thematisiert und ist offensichtlich.

Das nach Auflösung eines derartigen Patts sich meistens eine dynamische, volatile Bewegung anschliesst, ist statistisch wahrscheinlich und bei regelmässigen Lesern von Mr-Market.de bekannt.

Nur wie wird es konkret weiter gehen ? Das ist wohl die 100-Millionen-Dollar Frage.

Sehr kurzfristig, sollten wir dabei zwei Faktoren nicht übersehen:

Erstens hatten wir am Freitag einen signifikanten "Buying on Weekness" Tag für den SPY (=S&P500). Und übrigens auch einen für den íShares MSCI Brazil. Diese Indikatoren sind nicht perfekt als Voraussage, liefern aber statistisch doch ganz gute Ergebnisse, wann Big Money seinen Fuss in den Markt stellt. Möglicherweise spielt bei Big Money auch ein Rolle, dass wir am Montag und Dienstag in Summe zusammen ca. 10 Milliarden POMO Buy Operations der FED im Markt haben. Die Chance auf einen erneuten Bounce ist definitiv da.

Es könnte also gut sein, dass wir Anfang dieser Woche noch einmal ein oder zwei starke Tage erleben. Zur Vorsicht gemahnt dabei aber der gewaltige "Selling on Strength" Print bei Apple am Freitag. Damit drückt Big Money ganz klar aus, dass die Schwäche von Apple vielleicht noch nicht vorbei ist. Und mit Schwäche bei Apple, kann der NASDAQ nicht stark sein.

Die generellen Faktoren, die zum Jahresende für höhere Kurse sprechen sind weiter aktiv, ebenso wie die Verunsicherung, die bis Anfang November von der Präsidentschaftswahl in den USA ausgehen wird. In Summe bleibt uns also nichts weiter als abzuwarten und uns eine Strategie für die verschiedenen Szenarien zurecht zu legen.

In solchen Situationen hat es sich für mich bewährt, mir den "Weg des maximalen Schmerzes" zu vergegenwärtigen.

Also die Marktbewegungen, mit denen die wenigsten rechnen und die das Maximum an Marktteilnehmern auf dem falschen Fuss erwischen würden. Denn gerade weil niemand so positioniert ist, haben diese Bewegungen die fiese Eigenschaft besonders gerne einzutreffen. Vielleicht erinnern Sie sich ja auch noch, dass ich im Juli einen starken Anstieg im 3. Quartal als Weg des maximalen Schmerzes skizziert hatte, eben weil sich das damals nahezu niemand vorstellen konnte. Wir wissen ja nun, was passiert ist. 😉

Hier ist also, was ich dem fiesen und hinterhältigen Mr. Market durchaus zutraue. Stellen Sie sich vor:

.... wir würden Anfang dieser Woche dynamisch hoch laufen und im DAX wieder an 7400 knabbern, so dass alle Bullen denken das war es jetzt mit der Korrektur und die Bären ihre Shorts schliessen um dem Markt hinterher zu hechten. Dann, gegen Ende der Woche kippt der Markt ohne neue Höchststände zu erreichen. Der DAX fällt in 2-3 blutigen Tagen bis knapp unter 7000, der S&P500 unter 1400.

Das Heulen und Zähneklappern würde gross sein. Die Bullen wären in neuen, gerade eingegangen Positionen gefangen und sofort unter Wasser. Das schlimmste was einem passieren kann. Die Bären würde sich die Haare raufen, dass sie kurz bevor der Markt dann wirklich fällt, aufgegeben und ihre Shorts glatt gestellt haben. Und die Medien würden von Analysen überquellen, dass das nun definitiv eine Topbildung sei und Kursziele irgendwo zwischen 6400 und 6700 ausrufen.

Die Bären würde in diesem Moment also bei ihren Shorts nachlegen und die Bullen würden anfangen die Verluste zu realisieren und auszusteigen.

In dem Moment, in dem sich alle sicher sind, dass wir das Top des Jahres 2012 schon gesehen haben und es nun nach unten geht - In dem Moment wo der DAX unter 7000 schaut, in ca. 1-2 Wochen also - beginnt der Markt dann nach oben zu drehen. 🙂 Er steigt dynamisch, erreicht neue Jahres-Höchststände und schiebt und schiebt gnadenlos weiter bis zum Jahresende, das wir mit historischen Höchstständen bei 8500 im DAX und 1600 im S&P500 erreichen.

So würde es Mr. Market schaffen alle - Bullen wie Bären - abzuwerfen und zu zwingen in der entscheidenden Phase den Kursen verzweifelt hinterher zu hechten, was genau die Dynamik der dann folgenden Aufwärtsbewegung begründet.

Nettes Szenario oder ? Und definitiv aktuell der Weg des maximalen Schmerzes.

Für neue Leser muss ich nun den Disclaimer einfügen: das ist keine Prognose meinerseits ! Im Gegenteil, exakt genau so wird es wohl kaum kommen. Und trotzdem macht es jede Menge Sinn, sich dieses Szenario in einer gedanklichen Übung mal ernsthaft zu vergegenwärtigen.

Denn das Szenario macht uns die Volatilität bewusst, die möglicherweise vor uns liegt. Und es erlaubt uns, uns innerlich darauf vorzubereiten. Denn es ist einer der bekanntesten Fehler von Anlegern, dass sie gerade nach längeren Phasen der Bewegung in eine Richtung, die Fähigkeit von Mr. Market zu wilden Swings (die Volatilität) massiv unterschätzen.

Denken Sie also mal intensiv über das Szenario nach und wie Sie mit Ihrem Depot damit umgehen würden. Wenn Sie dafür - für den Weg des maximalen Schmerzes - eine sinnvolle Strategie haben, dann können Sie die Entwicklung der börslichen Herbststürme ziemlich gelassen beobachten.

Denn dann wissen Sie: Sie werden nicht in Panik verfallen, wie so viele andere ! Sie werden sich von Mr. Market nicht emotional hin und her werfen lassen ! Und Sie werden nicht genau im falschen, emotionalen Moment auf den Kauf- bzw Verkaufsknopf drücken ! Denn Sie haben eine Strategie, der Sie gelassen folgen werden.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

* Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- und unsere Gedanken zur -> Fairness <- ! *

Hari´s Märkte am Abend – 22.02.12 – Frankreich und die Glaskugel

22 Uhr - Handelsschluss.

Die Orientierungsphase und Konsolidierung des Marktes dauert wie erwartet an.

Ich habe schon oft erwähnt, dass man in Korrekturen oder Konsolidierungen mehr über den Markt lernt, als bei ein paar Prozent Anstieg mehr oder weniger. Und dieser Markt ist ganz ruhig, geradezu gelassen und korrigiert auf breiter Front ohne jede Hektik oder Angst.

Dieses Verhalten sollte man als positives Zeichen werten. Denn es gibt zwei Gründe warum ein Markt unerwartet crashartig abstürzen kann:

(1) Durch ein überraschendes, exogenes Ereignis ala Fukujima. Dergleichen kann immer und jederzeit passieren, auch in den nächsten 5 Minuten nachdem ich den Artikel hier Online gestellt habe. Das ist einfach das normale Risiko des Lebens und wer sein Geld diesem Risiko nicht aussetzen will, sollte gar nicht an der Börse sein.

(2) Aus innerer Nervosität heraus, die dann einen kleinen Schmetterlingsschlag des Schicksals zu einem wasserfall-artigen Absturz werden lässt, weil dann alle gleichzeitig zum Ausgang rennen. Derartige Nervosität und die damit einhergehende Volatilität haben wir ja letzten Herbst eindrücklich erlebt. Aber derartige Nervosität entsteht nicht aus dem Nichts innerhalb einer Stunde. Und sie vergeht auch nicht in einer Stunde. Die muss wachsen, weil bestimmte Risiken sich langsam in die Wahrnehmung des Marktes hinein fressen.

Und deshalb muss man das derzeitge Marktverhalten positiv werten. Sicher ist (1) jederzeit möglich, aber (2) ist im Moment definitiv nicht vorhanden und wenn doch wieder solche Nervosität entsteht, wird man die vorher bemerken und sich entsprechend darauf einstellen können. Hohe Volatilität ist ein Prozess und kein singuläres Ereignis, das einen "mal eben" überraschen kann.

Ich weiss, dass fast alle technischen Indikatoren derzeit mehr oder weniger laut "Korrektur" schreien. Das zu erkennen erfordert aktuell nun wirklich keinen Doktor in Raketentechnik, sondern nur eine halbwegs scharfe Brille um RSI, MACD, Stochastik etc ablesen zu können. Und vielleicht kommt eine grössere Korrektur auch jetzt, obwohl mir mein Instinkt sagt: "jetzt noch nicht, aber später". Aber wenn sie kommt, dann bin ich überzeugt, dass derzeit noch so viel Geld an der Seitenlinie genau auf diese Korrektur hofft und wartet, dass sie schnell wieder vorbei sein wird.

Umgekehrt wirkt der Markt aber auch nach oben ziemlich müde. Ich glaube also nicht, dass 2 Tage als Konsolidierung ausreichen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir nun ein oder zwei Wochen in einer Seitwärtsbewegung mit leicht fallender Tendenz verharren, weil Mr. Market diese Zeit einfach braucht, um wieder Kraft für den nächsten Schub nach oben zu sammeln.

Wenn wir übrigens beim Instinkt sind, kann ich mir vorstellen, dass der nächste wirklich Angst machende Aufreger für den europäsichen Markt die Präsidentschaftswahl in Frankreich sein wird, die den ersten Wahlgang am 22. April hat. Denn was man vom Kandidaten der Sozialisten Francois Hollande hört - Absichten wie die Rentenreform zurück zu drehen und das Einstiegsalter wieder auf 60 zu setzen oder den Fiskalpakt in Europa neu zu verhandeln - wird Mr. Market massiv Angst machen.

Nicht wegen den Auswirkungen solcher Politik in Frankreich - sollen die das doch innenpolitisch machen, was sie davon haben werden sie schon merken. Sondern wegen der Sprengkraft auf die gerade gewonnene Einigkeit innerhalb der Euro-Zone. Denn ein Frankreich, dass von Deutschlands Seite weicht und fröhlich die Politik des Geldausgebens auf Pump in den EU Gremien forciert, lässt Deutschland nur die Wahl zwischen Syphilis und Tripper. Syphilis wenn Deutschland im Euro bleibt und damit endgültig zum Zahlmeister Europas wird. Wir gehen dann also mit 67 oder 69 in Rente, damit Hollande seine Wahlversprechen finanzieren kann. Letztlich würde es ein paar Jahre dauern, aber eine deutsche Regierung die da mitmacht, würde auch bei uns dann weggefegt. Und Tripper, wenn Deutschland das nicht akzeptiert und dann aber den Euro zwingend verlassen muss, was wiederum den Euro sprengen und Deutschland als "bösen, unsolidarischen Verräter" stigmatisieren würde.

Und um den naheliegenden Einwurf gleich zu beantworten: natürlich bin auch ich der Überzeugung, dass alles was Hollande jetzt im Wahlkampf sagt, hinterher nicht so heiss gegessen wird. Auch ein Hollande wird sich letztlich den fiskalischen Realitäten beugen müssen. Aber das ist hier nicht der Punkt, denn Mr. Market wird eben vor der Wahl schon in massive Unruhe geraten, wenn der Vorsprung von Hollande vor Sarkozy deutlich und seine Rhetorik zum Europa und dem Euro unverändert bleibt. Dann wird der Markt schon Anfang April das mögliche Szenario eines Zerfalls der Euro-Zone einpreisen. Denn Mr. Market handelt die Zukunft und wartet keine Wahlen ab !

Um mal meine beschlagene Glaskugel für das mittelfristige Bild zu bemühen, kann ich mir also gut vorstellen, dass der Markt nach der derzeitigen Konsolidierung noch einen kräftigen Schluck nimmt und deutlich über die 7000 im DAX schiesst. Auch 7500 sind bis Anfang April sicher machbar. Dann aber, ab ca. Mitte März, mit dem Näherrücken der französischen Wahl, immer nervöser wird und letztlich im April in einen grösseren Korrekturmodus wechselt. Denn die Wahl in Frankreich und damit erneut die Existenzfrage der Eurozone hat allemal das Potential, der nächste schwere Aufreger für Mr. Market zu werden.

Ich verfolge ja den amerikanischen Markt und die Kommentare in Presse und Blogs sehr aufmerksam. Das in der französischen Wahl steckende Risiko für die Eurozone ist derzeit noch kein Thema an der Wallstreet, ich bin aber sicher: das kommt noch !

Das nur als Gedankenanstoss, Sie wissen ja: auch meine Glaskugel funktioniert nicht wirklich. Aber es schadet nicht, sich gedanklich auf solche möglichen Szenarien einzustellen. Handeln sollte man aber bitte nicht auf Verdacht, sondern erst, wenn der Markt mit seinem Verhalten ein solches Szenario ganz real bestätigt. Und die Signale die uns Mr. Market in dieser Konsolidierung bisher sendet lauten nach wie vor: Vorteil für die Bullen ! Es wäre in meinen Augen nicht klug, sich auf Verdacht gegen diese Signale zu stellen.

Was die Einzelaktien angeht, gehen Sie einfach mal durch die heutigen Kurslisten und schauen Sie, welche deutschen Aktien heute im Plus oder nur minimal im Minus waren. Da werden Sie auch einige Titel (Stichwort: Rheinmetall, Continental, Daimler etc) finden, die wir hier schon explizit besprochen haben. Relative Stärke in einer Konsolidierung ist ein sehr wichtiges Zeichen, das eine Menge über zukünftige Chancen aussagt. Insofern ist diese Übung heute sehr sinnvoll.

Auch bei einem meiner langfristigen Favoriten, der in Deutschland erstaunlicherweise trotz 120.000 Mitarbeitern und 20 Milliarden € Jahresumsatz kaum bekannten Schneider Electric (WKN 860180), geht es nun richtig nach oben. Das Unternehmen bewegt sich primär im Bereich der Energieverteilung und der Automation, wobei Schneider Electric zunehmend einen Schwerpunkt im intelligenten Gebäudemanagement ausbildet. Energiesparende Gebäude und automatisierte Gebäudetechnik sind dank steigender Energiepreise einfach ein wachstumsstarker Zukunftsmarkt und Schneider Electric dort der Marktführer in Europa. Erst heute hat das Management sich vorsichtig und zurückhaltend zum Geschäftsverlauf in 2012 geäussert und was macht der Kurs statt dessen ? Er steigt um rund 5% 😉 Das ist das typische Zeichen, das bei einem substanzstarken Unternehmen scheinbar alle schlechten Nachrichten schon eingepreist sind. Auch der Chart sieht ausgezeichnet aus, auch wenn man nach oben nun keine Wunderdinge erwarten darf. Schauen Sie einfach mal selber drauf.

Und Gold hat die gestern erwähnte positive Tendenz heute eindrucksvoll bestätigt. Wir haben mit ca. 1778 USD geschlossen und da ist definitiv was im Gange ! Meine Nase hatte scheinbar den richtigen Riecher und manchmal lohnt es sich halt auch, einfach derselben zu folgen.

Zu Einzelaktien aus Deutschland gibt es ansonsten bedingt durch die gleichmässigen und geordneten Abgaben im Markt heute auch herzlich wenig, was ich nun unbedingt erwähnen müsste. Also lasse ich es heute mal dabei, hole mir einen Rotwein und geniesse einen Abend, an dem mir auch die Börse Raum zur Entspannung gewährt.

Bis Morgen !
Ihr Hari