DAX, Euro und Gold. Doch keine Verrückheiten?

Ich schaue ja immer mal wieder gerne zurück um einen Blick darauf zu werfen, was denn aus Aussagen geworden ist. Zum 4. Advent letzten Jahres, also vor weniger als einem halben Jahr, habe ich Ihnen in -> DAX 15.000 und andere Verrückheiten <- drei "verrückte" Szenarien mit Charts gezeigt.

Ganz so verrückt, war das natürlich nicht gemeint, denn sonst hätte ich diese Szenarien ja nicht bewusst gezeigt. Denn in Szenarien zu denken - nicht in Prognosen, mit denen man die Emotion des "Rechthabens" verbindet - macht jede Menge Sinn. Denn Szenarien erweitern unseren Blick und machen uns bereit für die Möglichkeiten, statt uns dogmatisch in unseren eigenen Weltbildern zu vergraben.

Damals schriebe ich:

Trotzdem müssen wir uns ja auf die Zukunft vorbereiten und da kommen Szenarien ins Spiel. Wir können und sollten durchdenken, was passiert wenn. Auch das wird dann oft anders kommen, weil ein unerkannter Faktor einwirkt und die Gleichung verändert, aber selbst dann hat das Szenario noch Wert, weil wir die Abweichung erkennen können und auch daraus einordnende Schlüsse ziehen können.

Verschiedene Szenarien für die Zukunft zu haben, macht also Sinn. Auch für Anleger an der Börse. Nur sich mit einem Szenario gedanklich verheiraten, es lieben lernen und sich darin verbeissen, das sollten wir besser nicht. Wenn die Realität anders kommt, schmeissen wir das Szenario in den Müll und wechseln auf ein anderes Modell des Geschehens, dass der Wirklichkeit näher kommt. So einfach ist das.

Da Szenarien Sinn machen, kann man auch mal für 2017 durchdenken, was in 2017 im Extremfall möglich wäre. Und zu Szenarien gehört die Bedingung. Die Bedingung ist hier, einfach als Massstab zu nehmen, was uns die ganz langfristigen Charts für Signale geben, wohin sie also auf dem heutigen Wissenstand eher hindeuten.

Und nun habe ich mir mal erlaubt, im "verrückten" Szenario des DAX von damals einzuzeichnen, wo wir nun sind:

Nicht so schlecht, oder? 😉 Nun ist das nicht so schnell passiert, wie in dem Extremszenario beschrieben, aber der halbe Weg ist nun zurück gelegt und jetzt können sich viel mehr vorstellen, dass auch die zweite Hälfte noch vor uns liegt.

Im alten Artikel schrieb ich übrigens noch etwas:

Und ganz ehrlich, das Szenario, das ich persönlich in Würdigung der Gesamtlage derzeit für am Wahrscheinlichsten halte ist, dass wir nach einer massiven Rally, die im ersten Halbjahr höher führt, als wir uns heute vorstellen können, dann in 2017 ein bedeutendes Top ausbilden und in die erste echte Korrektur seit Beginn des Bullenmarktes laufen.

Mit anderen Worten, ich präferiere derzeit eher, dass wir mitten im letzten, ganz grossen Hurrah des Bullenmarktes sind, der in 2009 begann.

Aber missverstehen Sie das nicht als Crash-Prognose. Dieses Hurrah wird uns noch viel höher führen, als wir heute ahnen und heute ist nicht der Tag, sich dagegen zu stellen. Vielleicht nicht gerade auf 15.000 im DAX, aber doch zu neuen Höchstständen. Und dann wars das irgendwann in 2017.

Heute sehe ich dieses Top in 2017 nicht mehr so deutlich und rechne eher auch mit einem guten Jahresabschluss. Eben weil die Bewegung nicht so steil und übertrieben geworden ist, wie sie da im Szenario war. Die Anstiegs-Bewegung ist gesünder und damit nachhaltiger und sie hat in Form von guten Unternehmenszahlen fundamentale Grundierung. 2018 ist dann ein anderes Spiel, wenn wir zum Jahresende im DAX vielleicht den "verrückten 15.000" noch deutlich näher gekommen sind. Aber das ist eine Frage, der wir uns heute noch nicht stellen müssen.

Schauen wir auf die anderen beiden Szenarien von damals, sehen wir dass das EURUSD Szenario immer noch im Rennen ist, wenn auch noch nicht nach unten getriggert. Und bei Gold ist es zu den 1.000 USD nicht gekommen, das nun generierte niedrigere Hoch erlaubt aber durchaus, dass das nun noch nachgeholt wird.

Alles in allem kein perfektes, aber kein schlechtes Bild für drei extreme Szenarien, die bewusst provozierend als "verrückt" bezeichnet wurden. Das ist auch nicht so verwunderlich, so verrückt waren sie nämlich gar nicht und sind sie auch aktuell nicht. Denn sie fussten ja auf klaren, langfristigen Marktstrukturen und wenn der Markt zu uns spricht, sollten wir besser zuhören.

Und darin liegt auch die Botschaft dieses Artikels. Halten wir uns nicht an das, was wir glauben wollen, sondern lieber an die grossen Marktstrukturen, die uns in Charts anschreien. Die sind auch keine Garantie, sie produzieren aber bessere Ergebnisse als zu raten, weil in ihnen die aktuelle Tendenz des Marktes spricht. Die kann sich zwar immer ändern, sie läuft aber öfter weiter als dass sie sich ändert und das ist genau der Kern eines Trends.

Und denken wir in Szenarien, denn diese öffnen uns gedanklich für die Möglichkeiten, die der Markt uns bietet. Auch wenn zum Beispiel im DAX der konkrete Verlauf ein anderer war, die reine Erkenntnis letzten Dezember, dass ein sehr bullischer Verlauf in 2017 realistische Chancen hat, hätte doch unser Anlageverhalten zum Besseren verändert. Wir wären nicht mehr so leicht in Angst zu treiben und zu beeinflussen gewesen. Und wir hätten mehr Mut gehabt, die gegebenen Chancen auch zu ergreifen.

Lassen wir mit klugen Szenarien also Luft in unser Oberstübchen herein. Diogmatische Glaubenslehren dazu, was der Markt vermeintlich "machen muss", haben am Markt nichts verloren. Der macht was er will und unsere Chance ist nicht, das zu verändern, sondern es rechtzeitig zu beobachten und erkennen!

Ihr Hari

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Jahr der Entscheidungen

Ein neues Börsenjahr liegt vor uns und es hat so begonnen, wie wir das im alten Jahr schon erwartet haben: ruhig und mit bullischem Unterton.

Schon seit November sage ich, dass bis zur Amtseinführung Trumps am 20.01.17, der Markt noch in seinem "Buy the Rumor" Wohlgefühl verharren kann. Wobei man das nicht auf den Tag genau verstehen sollte, sondern eher im Sinne "um die Amtseinführung herum", der Markt neigt dazu, Dinge schon vorher in Gang zu setzen.

Erst danach, muss aus Twitter-Zeilen dann echte Politik werden, was erhebliches Enttäuschungspotential beinhaltet. Das bedeutet aber nicht, dass daraus zwingend eine Enttäuschung werden muss, diese Zukunft ist noch nicht geschrieben und liegt im Wesentlichen in der Hand des grössten Donald aller Zeiten. 😉

Mit den Wahlen in Frankreich im Mai und in Deutschland im Herbst, dürfte dann auch die vor sich hin schwärende Frage nach der Zukunft Europas und des Euros, endlich einer Entscheidung zugeführt werden.

Gerade Frankreich ist dabei von immenser Bedeutung, während es in Deutschland ja wahrscheinlich mal wieder "alternativlos" weiter geht. Der Wahlkampf hat ja offensichtlich in diesen Tagen schon begonnen, wenn man sieht, wie sich Parteien aller Coleur, nun seit Jahresanfang unisono einer klaren Sprache bedienen, für die man noch vor 15 Monaten im berüchtigten Herbst 2015, als Rechtsextremist beschimpft worden wäre.

Was davon zu halten ist, dürfte jedem halbwegs klar denkenden Menschen offensichtlich sein: Wahlkampf eben und was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern? Egal woran wir politisch glauben, wir sollten bei der Wahl die Parteien nach ihrem Handeln beurteilen und nicht nach ihren wohlfeilen Worten.

Frankreich aber, dürfte schon im Mai der grosse Wendepunkt sein. Ein jeder Potenz beraubtes "weiter so" im Stile Hollandes, dürfte wohl nicht auf der Agenda stehen. Eher sind es zwei Alternativen, die wohl zur Wahl anstehen. Auf der einen Seite das Modell eines Europas der kulturellen Identität, dass den vielfältigen Regionen und Nationalitäten wieder Raum gewährt und diese als Stärke achtet, statt sie als Verstoss gegen die "EU-Norm" wegregulieren zu wollen. Andererseits das klare Ende des bekannten Europas und damit auch des Euros, mit unabsehbaren Konsequenzen und hoher Volatilität.

Wie das ausgeht und vor allem wie die Börse darauf reagieren wird, ist heute aber unmöglich vorher zu sehen, ebenso wenig wie im Oktober letzten Jahres, der Ausgang der US Wahl. Insofern sind alle Jahresprognosen mal wieder nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurden.

Uns hier bei Mr-Market, tangiert das bei unseren Börsenaktivitäten aber auch gar nicht, die grossen Prognosen überlassen wir denen, die ihr Geld mit Klicks verdienen.

Wir nehmen den Markt und das Geschehen in der Welt auch dieses Jahr wieder Schritt für Schritt und erzielen unsere Vorteil dadurch, dass wir uns schnell anpassen und von den Bewegungen profitieren, wohin sie uns auch immer führen mögen.

Als Staatsbürger aber, als Mütter und Väter von Kindern, denen wir eine positive, chancenreiche Welt hinterlassen wollen, ist 2017 wohl das Jahr der Entscheidungen, in dem wir unser ganzes Gewicht in die Waagschale werfen sollten, um dieses Land und diese Welt für unsere Kinder ein klein wenig zu einem besseren Ort zu machen.

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DAX 15.000 und andere Verrücktheiten

Wenn Sie hier schon länger mitlesen, dann wissen Sie, was ich von Börsen-Prognosen halte, mit denen selbsternannte Glaskugelbesitzer einen bestimmten Endstand des DAX Ende 2017 oder einen Crash vorher sagen.

Schlicht Nichts. Nada. Niente. Das ist einfach nur -> Prognosiritis, eine das Ego pflegende, ansteckende Krankheit <-.

Das Besondere der Prognose, ist ja die Tatsache, dass sich der Autor mit seiner Kompetenz dahinter stellt und sagt: so wird es werden! Zum Thema Crash-Propheten, steht dieses Fussballmatch seit 2011 ungefähr 73:0 für die Bullen, aber irgendwann werden die Crash-Propheten bestimmt auch mal ein Tor schiessen. 😉

Eine Prognose zur Konjunktur, zumindest nennen sie es so, ist auch im volkswirtschaftlichen Gutachten der "5 Weisen" im Sachverständigenrat, die dann ein Wachstum für das Folgejahr vorhersagen, dass man vielleicht genau so gut treffen könnte, wenn man eine Kommazahl zwischen 0 und 2 mit Dartpfeil auf ein Blatt Papier "erwürfeln" würde. Hat eigentlich mal jemand die Trefferquote über die letzten 50 Jahre ausgewertet?

Es gibt aber etwas, das Sinn macht. Jede Menge Sinn, weil es die Sinne schärft. Es sieht auf den ersten Blick wie eine Prognose aus, ist aber keine. Es ist ein Szenario.

Der Unterschied mag sich gering anhören und nur in einem Wort liegen, er ist aber ganz erheblich.

Das Szenario hat nämlich keinen Wahrheitsanspruch. Es beschreibt eine Variante zukünftiger Entwicklungen unter vielen und nennt die Voraussetzungen dafür, dass diese eintreten können. Es ist also eine Wenn->Dann Beziehung und das ist eine ernst zu nehmende Sache.

Szenarien für die Zukunft gibt es daher viele, die Zukunft ist ja auch vielschichtig. Wer hat sich denn vor einem Jahr vorgestellt, dass der Brexit real wird, "The Donald" US Präsident wird und der S&P500 danach auf Allzeithoch steht?

Ich sage es Ihnen: Keiner. 🙂 Welchen Wert haben also pseudo-exakte Prognosen? Sie ahnen es: Auch keinen. Einfach weil die Zukunft noch nicht geschrieben ist. Und auch 2017 ist noch nicht geschrieben.

Trotzdem müssen wir uns ja auf die Zukunft vorbereiten und da kommen Szenarien ins Spiel. Wir können und sollten durchdenken, was passiert wenn. Auch das wird dann oft anders kommen, weil ein unerkannter Faktor einwirkt und die Gleichung verändert, aber selbst dann hat das Szenario noch Wert, weil wir die Abweichung erkennen können und auch daraus einordnende Schlüsse ziehen können.

Verschiedene Szenarien für die Zukunft zu haben, macht also Sinn. Auch für Anleger an der Börse. Nur sich mit einem Szenario gedanklich verheiraten, es lieben lernen und sich darin verbeissen, das sollten wir besser nicht. Wenn die Realität anders kommt, schmeissen wir das Szenario in den Müll und wechseln auf ein anderes Modell des Geschehens, dass der Wirklichkeit näher kommt. So einfach ist das.

Da Szenarien Sinn machen, kann man auch mal für 2017 durchdenken, was in 2017 im Extremfall möglich wäre. Und zu Szenarien gehört die Bedingung. Die Bedingung ist hier, einfach als Massstab zu nehmen, was uns die ganz langfristigen Charts für Signale geben, wohin sie also auf dem heutigen Wissenstand eher hindeuten.

Da haben wir im Premium-Bereich vor drei Tagen getan und nun zeige ich Ihnen hier daraus mal drei Charts für 2017:

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Prognosiritis – eine das Ego pflegende, ansteckende Krankheit

An einem langen Wochenende wie nun über Ostern, haben wir ja Gelegenheit, uns mal ein paar grundsätzliche Gedanken zu machen. Auch zu unserem Verhalten als Marktteilnehmer und zu den Gründen, warum sich der Börsenerfolg bei einigen von uns vielleicht nicht so einstellt, wie diese sich das wünschen.

Dabei gibt es doch ein paar Standardfallen, in die unsere Gehirne besonders gerne gehen. Und eine davon ist die von mir etwas hämisch so genannte "Prognosiritis", eine ansteckende Krankheit, die mit Selbstüberschätzung einher geht und in der wir uns einbilden, die Zukunft vorher sehen zu können. Typischerweise sogar noch besser als der Markt, hinter dem letztlich die geballte Intelligenz vieler anderer Marktteilnehmer steht.

Die Krankheit ist deshalb so ansteckend, weil sie unser Ego pflegt. Es fühlt sich einfach gut an, sich selber zu den "Wissenden" zu zählen, weil man alle anderen damit herab setzen kann. Man muss nur in die Foren der grossen Medien schauen, da findet man sie alle, diese von "Prognosiritis" heimgesuchten Selbstdarsteller, die alle ganz genau wissen, warum die Zukunft so oder so sein "muss" und diesen Glauben mit entsprechender Bugwelle vor sich her tragen.

Dummerweise "muss" die Zukunft gar nichts und unser Hirn hat einen so massiven -> Referenzeffekt <-, dass wir uns die Zukunft letztlich immer nur als Fortschreibung schon bekannter Entwicklungen vorstellen können. Das ist ja auch kein Wunder, wie soll man sich denn etwas vorstellen, was man sich noch nicht vorstellen kann?

Und deshalb machen diese ganzen Zukunfts-Prognosen selbst ernannter "Experten" eher blind für die Realität, denn wenn wir uns einmal gedanklich mit einer Prognose identifiziert haben, suchen wir nur noch selektiv nach Nachrichten, die diesen unseren Bias bestätigen.

Genau das ist der Grund, warum es Marktteilnehmer gibt, die 2009 angefangen haben gegen den Markt zu wetten, weil sie dem Anstieg nicht trauen und damit bis heute nur dann aufgehört haben, wenn sie ihr Depot endgültig geschrottet haben.

Futter für das Ego sind dabei die diversen "Crash-Gurus", die immer dann dem Bias wieder neue Nahrung geben, wenn der Anleger endlich mal angefangen hat, sich mit der Realität der steigenden Märkte zu befassen.

Auch die Community der Anhänger des gelben Gottes (auch "Gold-Bugs" genannt) unterliegt diesem Mechanismus. Praktisch jeden Monat seit Jahren, kann man in den diversen Quellen lesen, dass Gold ja nun "bald" zum "grossen Anstieg" ansetzen wird und man den auf keinen Fall verpassen darf.

Irgendwann wird das auch mal eintreffen, nur hat man dummerweise vorher jahrelang die wahren Gewinne verpasst. Und das nur, weil das Ego es nicht zulassen wollte, von dem einmal gefassten Glauben abzuweichen.

Die Wahrheit ist aber, Prognosiritis ist eine Krankheit und schädlich für das Depot. Und niemand kennt die Zukunft, die sogenannten "Experten" schon gar nicht. Es gibt für diese Wahrheit auch einen wissenschaftlichen Unterbau, man darf die Welt nur nicht mehr als Menge simpler Kausalbeziehungen begreifen.

Leider sind unsere Gehirne aber evolutionär auf solche Kausalbeziehungen trainiert, das Verständnis für einen reflexiven Markt und für komplexe, selbstreferenzielle Systeme, müssen wir uns dagegen erst mühsam und gegen unsere eigenen Instinkte erarbeiten. Genau deshalb ist Börsenerfolg auch für uns so schwierig.

Ich habe den Hintergrund im grundlegenden Artikel -> Reflexivität - die wichtigste abstrakte Börsenerkenntnis überhaupt <- dargestellt und ich kann Ihnen nur *dringend* empfehlen, diese Artikel intensiv zu lesen.

Denn wenn Sie begriffen haben, was die Reflexivität bedeutet und warum der Markt sich unter der Beobachtung von uns allen zwangsläufig selbstreferenziell verändert, können Sie über einfache Ursache->Wirkung Prognosen zum Markt nur noch herzlich lachen.

Und Erfolg am Markt hat entgegen der landläufigen Meinung absolut *nichts* damit zu tun, über die Zukunft das grosse Ratespiel zu betreiben. Erfolg hat viel mehr mit Beobachtung der Realität zu tun und damit ernst zu nehmen und intensiv zu verfolgen, was real ist.

Ich schreibe meinen Lesern daher die folgenden Zeilen immer und immer wieder und das bringt es auf den Punkt:

Wir sollen handeln, was wir real im Marktgeschehen sehen und nicht das, was wir gerne sehen würden.

Nun wollte ich zum Thema heute eigentlich gar keinen langen Artikel schreiben, auch wenn es schon wieder einige Worte geworden sind. Ich wollte vielmehr zumindest teilweise auf Texte zurück greifen, die ich schon in Hari Live mit den Mitgliedern geteilt habe. Und wurde unter anderem bei einem Artikel vom Mittwoch 09.07.14 09:40 fündig, den ich damals einen Tag nach dem sensationellen 7:1 Sieg der deutschen Fussball Nationalmannschaft gegen Brasilien geschrieben habe.

Lesen Sie also vom Tag nach dem 7:1 Sieg und von Zukunftsprognosen, die vor 25 Jahren erstellt wurden:

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Das was gestern in Belo Horizonte passiert ist, war so etwas wie ein "schwarzer Schwan". Ein Ereignis, das sich schlicht niemand vorstellen kann. Mich würde mal interessieren, ob irgendein Spassvogel dieses Ergebnis bei den Londoner Buchmachern konkret getippt hat. Wobei das 7:1 dem Ereignis ja gar nicht gerecht wird, 5:0 nach 30 Minuten gegen den Rekordweltmeister trifft den "schwarzen Schwan" weit präziser. Und hätte die deutsche Mannschaft da nicht aufgehört und in der zweiten Hälfte nicht nur noch locker gekickt, hätte es auch zweistellig werden können.

Gerade gestern habe ich auch einen weiteren Artikel gefunden, der wunderbar zum Thema Prognosen passt. Sie wissen vielleicht, dass ich mich schon in der Vergangenheit über die vergangenen Prognosen sogenannter "Zukunftsforscher" lustig gemacht habe. Und selbst echte Fachleute, die wissen worüber sie reden, sollten besser keine konkreten Zukunftsprognosen machen. Denn wie sagte der IBM Chef Thomas Watson 1943 so schön : "I think there is a world market for maybe five computers." 😉

Nun haben Sie es hier im Artikel -> Was das WSJ 1989 von der Welt in 25 Jahren erwartete <- noch einmal schwarz auf weiss.

Lesen Sie das unbedingt mal, es ist lustig und interessant. Und der wichtigste Punkt wird am Ende erwähnt: "Damit verfolgten sie die in den 1980er Jahren etablierten Denkmuster weiter."

Genau das ist das Problem. Mit Zukunftsprognosen, können wir Menschen die etablierten Denkmuster und Weisheiten in die Zukunft linear fortschreiben. So wurde aus der erfolgten Mondlandung halt die zwangsläufige Marslandung und ähnliches. Wir sind aber völlig blind, was die grossen Umbrüche, Überraschungen und neuen Entwicklungen angeht. Die aber bestimmen letztlich die Zukunft. So wäre die Welt ohne den Fall des eisernen Vorhangs ohne Frage heute eine andere. Und wer wollte den vorhersagen ?

Wenn Sie also mal wieder von jemandem lesen, wo der DAX 2015 oder 2018 stehen wird, blättern sie weiter. Und fühlen Sie sich auch bei den vermeintlich sicheren Anlagen, nie völlig sicher. Die Solarthematik ist bei mir aktuell so ein Thema. Ich bin völlig von der guten Zukunft des Sektors überzeugt und trotzdem macht mich gerade das aufmerksam und ich werde nicht nachlässig werden, diese Weltsicht immer wieder auf den Prüfstand zu stellen.

Es schadet überhaupt nicht, über die Zukunft nachzudenken. Im Gegenteil, sich verschiedene Szenarien zurecht zu legen, ist sinnvoll und macht das Leben später leichter. Der Fehler liegt aber im Unterschied zwischen einem Szenario und einer Prognose. Im ersten Fall ist es eine Möglichkeit unter vielen. Man hat sie im Auge, mehr aber auch nicht. Und wenn es anders kommt, dann ist es auch ok. Im anderen Fall ist es aber eine Festlegung, hinter die man typischerweise sein Ego und manchmal sogar seine Reputation stellt. Eine Festlegung, die einen daher dann auf fatale psychologische Art und Weise bindet.

Bleiben Sie also locker opportunistisch im besten Sinne des Wortes und akzeptieren Sie die Überraschungen des Marktes gelassen als eine Selbstverständlichkeit und als Chance. Dann wird es Ihnen leichter fallen, dem Markt profitabel zu folgen.

Ihr Hari

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S&P500 – Vom irgendwann kommenden Crash und der Mutter aller Trendkanäle

Der Crash kommt ? Irgendwann bestimmt. 😉

Mit dieser sarkastischen Feststellung, will ich meinen ersten Beitrag nach meinem Urlaub einleiten und mit Ihnen einen Blick auf den Leitindex S&P500 werfen.

Denn leider nützt es uns nichts zu wissen, dass der Crash irgendwann kommt, da der Zeitpunkt die entscheidende Frage ist. Und den Zeitpunkt kennt eben niemand, gerade nicht all die Crash-Gurus, die mit diversen Prognosen um Aufmerksamkeit heischen.

Deren System ist ebenso schlicht wie effektiv. Sie bedienen das ebenso menschliche, wie naive Bedürfnis, jemanden zu finden, der einem die Zukunft weissagt. Das System der Wahrsagerei hat schon vor hunderten Jahren auf den Rummelplätzen funktioniert, warum soll es nicht in der Gegenwart funktionieren ? Und wenn man die Bedürfnisse der Menschen bedient, kann man damit Aufmerksamkeit erreichen und so Umsatz machen - so funktioniert das.

Und so sagen all die selbsternannten Gurus im Kampf um Aufmerksamkeit allerlei voraus, was sie ebenso wenig wissen, wie der Rest der Menschheit. Für uns ist die einzig sinnvolle und depotschonende Art und Weise damit umzugehen aber, dieses mediale Rauschen auszuschalten und zu ignorieren. Wenn Sie eine Sache aus diesem Blog mitnehmen sollten, dann die Tatsache, dass konkrete Zukunfts-Prognosen an den Märkten Unfug sind. Das man aber trotzdem aktiv von den Märkten profitieren kann - das aber nur, in dem man konsequent den Signalen des Marktes folgt und nicht, in dem man klüger als der Markt sein will. Denn das sind wir in 99% der Fälle nicht. Markterfolg hat also damit zu tun, das wahrzunehmen was real passiert und seine Entscheidungen darauf zu basieren. Was man dagegen glaubt, was passieren wird oder sollte, ist eher wertlos.

Es gibt wohl kaum ein besseres Chart, um das klar zu machen, als das langfristige Chart des Aktien-Leitindex S&P500 seit 2011. Bestaunen Sie mit mir "die Mutter aller Trendkanäle" seit dem Doppelboden im Herbst 2011, der durch die Eurokrise geformt wurde:

S&P500 07.07.14

Und, waren Sie die ganze Zeit dabei ? Wenn man dieses Chart anschaut, sollte man ja meinen, es war leicht diese Bewegung mitzunehmen, die nicht weit von einer Verdoppelung! des weltweit grössten Aktienindex entfernt ist.

Leicht war es aber nicht, im Gegenteil! Es war sauschwer, denn andauernd wurde man mit Sorgen bombardiert und kamen berechtigte Zweifel auf, ob die Bewegung nachhaltig ist. Der Markt kletterte eine "Wall of Worry" und wir waren mittendrin. Hinterher ist immer gut "klugschnacken", mittendrin war es aber gar nicht einfach, immer voll mitzugehen und auch ich hatte Phasen, in denen ich vorsichtig wurde. Ich war aber immer mehr oder weniger stark dabei, gleichzeitig aber oft nach unten gut abgesichert.

"Dabei mit Reissleine" war sozusagen das Motto, mit dem ich die Mr-Market Mitglieder in den letzten 2 Jahren hier durch diese Bewegung begleitet habe. Und das ist auch für die Zukunft das richtige Motto - "kontrollierte Offensive" würde man das wohl im Fussball nennen. 🙂

Diese Vorsicht und die offenen Augen und Ohren für Gefahren sind auch richtig und sehr wichtig. Falsch ist es aber, sein Handeln am Markt direkt und unmittelbar nach diesen Ahnungen zu richten. Unser Handeln sollten wir nur nach dem richten, was real in der Price-Action sichtbar ist und nicht nach dem, was wir uns für die Zukunft einbilden.

Ich weiss es ist schwer, aber eine der Schlüsselfähigkeiten für Börsenerfolg ist, sich mit dem Unwissen über die Zukunft gelassen abzufinden und statt dessen alle Energie auf die richtige Interpretation der sichtbaren Signale der Gegenwart zu richten.

Wer das geschafft hat, hat diese eindrucksvolle Bewegung weitgehend mitgenommen, denn der Trend wurde nie gebrochen. Wer aber auf all die Einflüsterungen gehört hat und permanent den Markt in die Zukunft prognostizieren wollte, hat diese Bewegung garantiert weitgehend verpasst und noch schlimmer, sich teilweise dagegen gestellt. Und einige davon, haben daraus nichts gelernt und erfreuen sich auch heute noch an allerlei Weissagungen über den bald kommenden "grossen Crash". Irgendwann wird er ja auch mal kommen und dann kann man mit grossem Ego "siehste" sagen. Dumm nur, dass man vorher eine Verdoppelung des Depots verpasst hat, aber das sind ja Petitessen im Anblick der grossen Prognose. 😉

Was sagt uns dieses Chart also für die Gegenwart und die kommenden Sommermonate, wenn man die obigen Prinzipien konsequent anlegt ?

Erstens zeigt uns das Chart, dass der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten bisher ungebrochen ist und bis heute 07.07.14 nichts zwingend indiziert, dass wir hier und heute nun das Top sehen. Jetzt werden das einige wieder als Prognose lesen, weil sie diesen Reflex in Prognosen zu denken, so gewohnt sind. Aber nein, ich prognostiziere gar nichts, ist stelle nur den Zustand des Marktes am 07.07.14 fest. Es ist also durchaus möglich, dass der S&P500 bei ca. 2000 ein Top ausformt. Es ist gar nicht mal unwahrscheinlich.

Objektiv ernst nehmen können wir dieses Szenario aber erst dann, wenn der Index diesen Trendkanal nach unten verlässt. Und darauf blind spekulieren sollte man nicht, Sie sehen doch selbst, wie oft diese Spekulation in den letzten drei Jahren in die Hose gegangen ist, oder ? Aber schon klar, dieses Mal wird alles anders und dieses Mal sind wir klüger als der Markt. Wirklich ? 😉

Zweitens zeigt uns das Chart, dass sich der Index an der oberen Begrenzung des Trendkanals befindet und auch schon länger am oberen Rand des Bollinger Bandes. Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr lange tragbar und eine Korrektur im Rahmen des Trendkanals - also bis ca. 1900 im S&P500 - hat in den kommenden Wochen gute Chancen.

Im ganz grossen Bild ist die Lage der Gegenwart also recht einfach: Nichts indiziert am 07.07.14 zwingend ein direkt bevorstehendes Ende der Rally an den Aktienmärkten. Gleichzeitig spricht viel dafür, dass man im S&P500 in den kommenden Wochen nun nach oben nicht mehr viel erwarten darf und eine Korrektur im bestehenden Aufwärtstrend gut denkbar ist. So schlicht und so klar ist die Lage.

Übrigens gilt die Aussage so nur für den S&P500, dem über 2000 temporär mal die Luft ausgehen sollte. Der DAX sieht für mich diesen Sommer interessanter aus, dazu aber im Premium-Bereich.

Und noch ein übrigens, denkbar ist auch ein Szenario, in dem es nun diesen Sommer trotzdem zu einer massiven Rally kommt. Der Liquiditätsdruck dafür ist da. Das sollten wir uns aber nicht wünschen, denn das hätte dann den Charakter einer Übertreibungsphase und die würde die Lage in den Herbst hinein wirklich explosiv machen. Wer also ein Interesse daran hat, dass dieser Trendkanal noch viele Monate weiter ruhig hochschiebt, dem ist nun mit einer Konsolidierung bzw kleinen Korrektur im S&P500 gut gedient.

So weit die aktuelle Lage. Wenn jetzt aber jemand denkt, um einem bösen Einbruch aus dem Weg gehen zu können, müsse man doch in die Zukunft schauen, kann ich nur widersprechen. Erinnern Sie sich doch bitte als Beispiel an den Sommer 2011, als die Eurokrise begann. Der DAX mäanderte lange zwischen 7000 und 7500 und dann kam diese eine Woche, in der der S&P500 im Zuge der Debt Limit Thematik einzubrechen begann. Der Einbruch war massiv und deutlich und zerschlug die damaligen technischen Unterstützungen. Es gab ein klares Exit-Signal, das man nur hätte beachten müssen, dann wäre man 80-90% der folgenden Abwärtsbewegung aus dem Weg gegangen.

Wenn man von einem harten Flash-Crash absieht - der als Restrisiko einfach ebenso stoisch ertragen werden muss, wie das Risiko, dass uns der Himmel auf den Kopf fällt - dann wird auch der zukünftige "Crash" sich wieder durch klare technische Brüche ankündigen. Und wer diese respektiert, wird wieder dem grössten Teil der Abwärtsbewegung aus dem Weg gehen können. Wer aber permanent vorher klüger als der Markt sein will, wird auf dem Weg dahin viele Chancen verpassen.

Respektieren wir also diesen eindrucksvollen Trendkanal im S&P500 - solange er da ist. Solange ist der Trend unser Freund !

Ihr Hari

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DAX-Betrachtung: Prognosen, Projektionen, Prophezeiungen

DAX-Betrachtung: Prognosen, Projektionen, Prophezeiungen

Ein Gastkommentar von Tokay

Das Jahr 2014 hat begonnen und so gibt es auch dieses Mal keinen Mangel an Deutungen für die Zukunft, insbesondere für die Börsenzukunft(Nein, wir bemühen heute nicht Karl Valentin.. ;-)). Lohnen sich denn diese ganzen Spekulationen ? Mir scheint, das was in der Öffentlichkeit an Vorhersagen herumgereicht wird, ist nur wenig geeignet, Licht ins Dunkel der Marktprognose zu bringen. Dabei ist die Frage an sich von großer Bedeutung, denn wer keine Vorstellung davon hat, wie es an der Börse künftig laufen wird, der sollte sich lieber von ihr fern halten. Es sei denn, er hängt jenen Wachstums- oder Crash-Gurus an, welche für alles und jedes eine Vorhersage parat haben. Eine Prophezeiung ist eine auf religiöse Überzeugungen gestützte Vorhersage. Als solche kann man die diversen Vorhersagen über den angeblich unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des „Scheingeldsystems“ durchaus auffassen. Das Weltfinanzsystem indes hat sich gegenüber solchen Vorhersagen als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen, und wer auf den Zusammenbruch vertraut hat, der hat in der jüngeren Vergangenheit eine Menge Gelegenheiten verpasst. Wir sollten die Apokalypse vielleicht erst einmal vertagen.

Zurück zu etwas profaneren Dingen: Im „Handelsblatt“ waren zu Jahresanfang Prognosen der Volkswirte großer Banken zu lesen. Als Konsens der Schätzungen ergab sich, dass der DAX gegen Jahresende 2014 gut über 10000 Punkten stehen müsse. Jedoch ergaben derartige Schätzungen in den Vorjahren stets, dass man in Baissejahren die Börsenzukunft zu optimistisch einschätzte und in Haussejahren zu pessimistisch lag. Demnach sind Zweifel daran erlaubt, ob wir die genannten 10000 plus x DAX-Punkte zum Jahresende tatsächlich sehen werden. Ich halte das für eher unwahrscheinlich.

Warum das so ist, hat heute der Schweizer Finanzprofessor Erwin Heri in dem Blog -> Journal21 <- treffend dargestellt. Wetterprognosen können heutzutage mit großer Genauigkeit gestellt werden. Bei Börsenprognosen müsste das eigentlich ähnlich sein. Anders als bei den Börsenkursen ist es dem Wetter jedoch egal, wie die Leute auf Prognosen reagieren. Denn wenn die Zunft der Prognostiker einen Anstieg vorhersagt, werden die Börsenteilnehmer ziemlich umgehend auf solch rosige Zukunftsaussichten reagieren. Diese Aussichten werden entsprechend zeitnah verarbeitet und die Prognose alsbald invalide werden.

Man kennt die Bestimmungsgründe der Aktienkursentwicklung zur Genüge: Die Gewinne der Unternehmen, die Zinsentwicklung, die Entwicklung der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im aller weitesten Sinne. Diese Parameter stehen jedoch nicht still. Sie verändern sich ständig. Und weil sie sich ständig ändern, ändert sich auch die Erwartungsbildung.

Wenn es richtig ist, dass der DAX die Entwicklung der wirtschaftlichen Aussichten voraus nimmt, und wir wollen den Stand des DAX für Ende 2014 vorhersagen, dann wollen wir praktisch vorhersagen, was die Mehrzahl der Marktteilnehmer für 2015 vorhersagen wird. Eine Vorhersage der Vorhersage sozusagen. Da die Mehrzahl der Bestimmungsgründe sich aber erst in der Zukunft herausbilden wird, kann man diese heute unmöglich kennen. Der Aktienmarkt selber spiegelt dieser Vorhersagen bereits heute wieder. Eine Prognose für den DAX-Stand am Jahresende ist daher ein eher verzweifeltes Unterfangen.

Es macht daher wohl eher Sinn, die Erwartungshaltungen, so wie sie derzeit bestehen, erst einmal als gegeben hinzunehmen und diese in die Zukunft zu projizieren. Wenn sich die Sachverhalte, auf denen die Erwartungen basieren, ändern, so werden diese geänderten Erwartungen demnächst ihren Niederschlag in den Kursen finden, und es genügt für den Augenblick vollauf, sich an der tatsächlich zu beobachtenden Kursentwicklung zu orientieren. Das bedeutet aber keineswegs, dass die heutige Kursentwicklung prognostische Qualitäten hätte. Der DAX selber „weiß“ nicht und kann es nicht wissen, wohin er sich in Zukunft entwickeln wird. Aber man kann sich an den heute herrschenden Erwartungen orientieren und für eine Weile fortschreiben. Das wäre dann eine Projektion. Und zu so einer Projektion kommen wir nun – wir haben sie hier schon mehrfach gezeigt, zuletzt im Dezember:

01.02.2009 bis 16.01.2014

Es hat sich im Vergleich zum Dezember wenig geändert; die Aufwärtsentwicklung des DAX hält weiterhin an. Wenig überraschend eigentlich, denn die Rahmenbedingungen sind im Wesentlichen gleich geblieben. Solange es nicht nennenswert unter 9000 Punkte geht, bleibt der Aufwärtstrend intakt und wir bewegen uns mehr oder minder zügig Richtung 10000 Punkte. Eine Zwischenkonsolidierung ist denkbar (und gar nicht einmal unerwünscht), sie könnte sich Richtung 9500 Punkte bewegen(Punkt F). Dann dürfte auch die Entscheidung darüber fallen, ob die dynamische Haussebewegung sich entlang der Linie ABCF fortsetzt oder in eine spürbar gemächlichere Entwicklung entlang der Linie DEF mündet.

Ein bisschen Prognose wollen wir aber dennoch betreiben: Im vergangenen Jahr haben wir anhand der sogenannten 5-Tage-Regel gemutmaßt, dass 2013 ein gutes Aktienjahr werden könnte. Genauso ist es gekommen, wie so erstaunlich oft in den letzten mehr als zwanzig Jahren. In 2014 haben wir in den ersten fünf Tagen ein leichtes Minus zu verzeichnen. Also wird 2014 kein so gutes Börsenjahr? In der Tat nicht, wenn man der Regel Glauben schenkt. Oder handelt es sich nicht vielleicht doch eher um Koinzidenz denn um Kausalität? Denn in Gegenden beispielsweise, wo überdurchschnittlich viele Storchennester zu finden sind, sind die Geburtenzahlen ja höher als sonst wo. Ein kausaler Zusammenhang dürfte da jedoch nur schwer herzustellen sein....

Fünf Tage Regel

Tokay

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Wie Sie 2014 zu Ihrem besten Börsenjahr machen

Hier in Südbayern ist heute noch Feiertag, was aber weder die deutschen, noch die weltweiten Börsen interessiert. Und deshalb interessiert es mich auch weniger und hier auf Mr-Market.de, beginnt mit der ersten vollen Börsenwoche im neuen Jahr auch wieder der Normalbetrieb.

Schon letzte Woche haben wir ein paar bemerkenswerte Bewegungen im Markt gesehen, die in ihrem Richtungswechsel, für einen Jahreswechsel nach starken Trends gar nicht mal ungewöhnlich sind.

Die Indizes korrigierten leicht, Gold zog an, der ganze Minen und Rohstoffsektor (Metals & Mining) war vergleichsweise stark und auch der Dollar neigte zur Stärke.

All das sind Gegenbewegungen zu den dominanten Trends des Jahres 2013 und insofern nicht überraschend. Ob diese aber in 2014 dauerhaft tragen, muss sich erst zeigen. Es ist völlig verfehlt, in diese ersten Bewegungen im volumenarmen Handel der ersten Tage zu viel hinein zu interpretieren. Erst diese Woche werden die "A-Teams" wieder an den Handelsplätzen der Wallstreet sitzen und Ende dieser Woche sind wir sicher klüger, mit welcher Grundstimmung das Jahr 2014 aus dem Bett steigt.

Typisch für ein neues Jahr sind ja auch gute Vorsätze und insofern freue ich mich, dass über den Jahreswechsel hinweg eine Reihe neuer Leser zum Premium-Bereich dazu gestossen sind. Und gerade Anleger, die in 2013 mit ihrer Performance nicht zufrieden waren, haben sich für 2014 bestimmt vorgenommen, das nun alles besser wird.

Der Vorsatz ist lobenswert, kann aber nur Realität werden, wenn man auch ehrlich den Fehlern des Jahres 2013 ins Auge schaut. Wir haben das hier im Forum über den Jahreswechsel in den Threads der "grössten Erfolge und Misserfolge 2013" getan.

Allen anderen dagegen möchte ich nahelegen, 2014 zu dem Jahr zu machen, in dem Sie sich endlich von alle den Prognosen und Weissagungen frei machen, mit denen Sie so gerne in den Finanzmedien überschwemmt werden. Glauben Sie mir, diese ganzen "Prognostiker" wissen es auch alle nicht und haben genauso wenig eine Glaskugel wie ich. Dieses permanente Prognostizieren bewirkt aber im negativen Sinne, dass sich die Anleger nicht ausreichend mit dem "Hier und Jetzt" beschäftigen, weil ihnen statt dessen ja die glorreiche Zukunft geweissagt wird. Das macht zwar kurzfristig die Seele glücklich, füllt aber nicht das Depot.

Aber nur im "Hier und Jetzt", in der Gegenwart, werden die Gewinne gemacht, die ihren Depotstand heben. Ein guter Vorsatz für das Jahr 2014 wäre also, sich mehr mit dem zu beschäftigen, was an den Märkten ist und weniger mit dem, was man sich wünscht oder andere weissagen, die der ansteckenden Krankheit der "Prognosiritis" unterliegen.

Und einen weiteren guten Vorsätz gäbe es: bei einem Anlagehorizont von Monaten oder einem Jahr endlich damit aufzuhören, sich über "Bewertungsfragen" Gedanken zu machen. Denn diese sind auf dieser Zeitebene völlig bedeutungslos. Nur mit einem Anlagehorizont von Jahren bekommen Bewertungsfragen eine gewisse Relevanz, nur haben die wenigsten Anleger die Geduld und die dafür zwingend notwendige intime Kenntnis der Unternehmen, um über Jahre geduldig darauf warten zu können, dass der Markt erkennt, was man schon lange vorher selber zu sehen glaubt.

Gerade das Jahr 2013 sollte das überdeutlich gemacht haben. Denn die sensationelle Rally des Jahres 2013 beruhte eben nicht auf wesentlich steigenden Gewinnen der Unternehmen. Es war vielmehr eine Ausweitung der Multiples, die der Markt den Unternehmen zubilligt. Auf gut Deutsch, der Markt hielt in 2013 eine höhere Bewertung von Aktien für gerechtfertigt.

Und das ist auch höchst rational, denn die Bewertungen von Aktien befinden sich eben nicht im luftleeren Raum und es gibt deswegen auch gar keine "absolut" zu hohen oder zu niedrigen Bewertungen. Bewertungen von Unternehmensgewinnen befinden sich immer in einem gesamtwirtschaftlichen Kontext.

Sicher kann man für Bewertungsmultiples so etwas wie langfristige historische Mittel bilden und einen gewissen Sinn hat der Vergleich damit. Aber erstens generieren diese eben keine Aussagekraft für die nächste Monate, bestenfalls für viele Jahre kann man daraus einen gewissen Honig ziehen. Und zweitens basieren alle diese Bewertungen immer auch auf dem grundlegenden Wirtschaftssystem. Wenn das nicht mehr vergleichbar ist, weil sich zum Beispiel eine neue Abart des Korporatismus und Staatsinterventionismus durchsetzt, werden auch die Bewertungen auf Jahre nicht mehr mit denen vergleichbar sein, die zu anderen Zeiten vom Markt gewährt wurden.

Schauen wir auf die Gegenwart, sollten wir daher mit klarem Verstand erkennen, dass Aktien im langjährigen Massstab zwar nicht mehr billig, aber auch nicht deutlich überteuert sind. Und im Vergleich zu vielen anderen Anlageklassen, wie Festgeld, Anleihen, Immobilien, Kunst oder Oldtimer, sind Aktien sogar vergleichsweise günstig. Dafür sorgt die finanzielle Repression, die von den Notenbanken ausgeht.

Und deshalb wäre es keineswegs überraschend, wenn auch 2014 ein gutes Jahr für Aktien würde. Sicher nicht so gleichbleibend positiv wie 2013, auf eine starke Korrektur mittendrin sollte man sich schon gedanklich einrichten, aber am Ende dominieren derzeit immer noch die gleichen Kräfte, die schon 2013 die Aktienmärkte befeuerten. Auf jeden Fall ist es völlig sinnlos, aus der Tatsache, dass die Indizes auf historischen Höchstständen schweben, zwingend abzuleiten, dass diese deshalb nun fallen müssten. Der reine Indexstand sagt gar nichts aus.

Solange Aktien bei der Geldanlage die Einäugigen unter den Blinden sind, kann diese Rally also durchaus noch weitergehen. Denn wie gesagt, die absoluten Bewertungsmultiples haben für den Zeithorizont von Monaten keinerlei Prognosekraft ! Viel wichtiger ist dagegen, in welchem Umfeld sich die Aktienanlage bewegt. Und das ist nach wie vor positiv und es gibt keinen Indikator - auch nicht von den dominanten Notenbanken - der darauf hinweist, dass sich das kurzfristig ändert.

Werden Sie also für 2014 im positiven Sinne opportunistisch, machen Sie sich frei von all den Prognostikern, Crash-Propheten und Perma-Bullen und folgen Sie einfach dem, was der Markt tatsächlich macht. Und wenn der Markt ernsthaft zu fallen beginnt und die Käufer ausbleiben, dann wird man das als aufmerksamer Beobachter merken. Und auf die Seitenlinie treten. Solange das aber nicht passiert, haben die Bullen nach wie vor unser Vertrauen verdient. "The trend is your friend .... until it ends".

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gutes Händchen im Börsenjahr 2014. Und wenn Sie sich nicht sicher fühlen, wie und mit welchen Techniken Sie dem Markt folgen können und wie Sie eine Trendwende erkennen können, dann stossen Sie zur Mr-Market Community hinzu !

Ihr Hari

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