Fed Entscheidung – Bernanke und die Hoffnung

Eines muss man dem FED Chef Ben Bernanke lassen, er weiss was er den Märkten sagen muss. Hätte die FED heute nichts getan, wären die Märkte wohl in den nächsten Tagen richtig abgestürzt, weil sie das als Handlungsunfähigkeit und Zerstrittenheit der FED ausgelegt hätten.
Hätte er aber sein Pulver heute mit einem vollen QE3 verschossen, wäre die Gefahr riesig gewesen, dass die Märkte nach einer kurzen Freudenrally im Oktober auch abstürzen. Denn den sicherlich weiter schwächelnden US Wirtschaftsdaten, hätte dann eine FED gegenüber gestanden, die aus Sicht der Märkte ohne weitere Optionen wäre. Ein sehr gefährliches Szenario, dass Bernanke unbedingt vermeiden musste.

Mit der Operation Twist, der Senkung langfristiger Zinsen und einer Neubalancierung der Zinskurve, hat Bernanke dagegen zwei Dinge erreicht. Er hat die Entschlossenheit der FED signalisiert einzugreifen. Und hat gleichzeitig die Hoffnung offen gelassen, dass die FED mit einem erneuten POMO Programm (Permanent Open Market Operations) mit Macht in den Markt eingreift, wenn es nötig ist. Die Bären werden sich also auch in nächsten Monaten nie zu sicher sein können, weil permanent die finanzielle Atombombe QE3 über ihren Köpfen schweben wird. Das alleine wird die US Indizes stabilisieren. Hoffnung - bzw Furcht aus Sicht der Bären - ist eben eine starke Waffe.

Schön auch anzusehen, wie die Märkte durch gezielte Informationen zum Thema Twist schon vorher auf das Ergebnis vorbereitet wurden. Die Theorie, dass Big Money die Ergebnisse der FED immer schon vorher kennt, wurde erneut bestätigt. Das die Operation Twist das wirkliche Problem der amerikanischen Wirtschaft in Form von fehlender Nachfrage (und nicht zu hoher Zinsen) gar nicht angeht, ist dabei nebensächlich. Der Eindruck der Handlungsfähigkeit der FED ist eben wichtiger, als die eigentliche Wirkung, Wirtschaft ist eben zu einem guten Stück Psychologie.

Die deutliche Schwäche heute nach der Entscheidung, die zum Börsenschluss dann noch zu einem richtigen kleinen Selloff führte, sollte man also in meine Augen trotz einem Minus von 3% im S&P500 nicht überbewerten. Zumal der Markt eine Tendenz hat, dass die erste Bewegung nach so einer Entscheidung zunächst in die falsche Richtung geht. Vielmehr sehe ich jetzt ab Morgen Donnerstag eine kleine, kurzfristige Long-Chance bis zum Quartalsende. Denn das „Window-Dressing“ der Fonds wird zum Ende des dritten Quartals wieder stark sein und das erhöht die Chance für eine Rally Ende September. Morgen 22.09.11 dürfte aber zunächst sehr schwach eröffnen, im Verlauf des Tages besteht dann aber die Chance auf einen Turnaround, der dann möglicherweise den Auftakt des Window-Dressings darstellt.

Diesem Szenario könnte natürlich vor allem wieder Europa und Griechenland in die Suppe spucken. Allerdings sehe ich kurzfristig keine Katalysatoren, die die Lage an der Euro-Peripherie kurzfristig ändern sollten – eine Pirouette des Bunga, Bunga Regierungschefs natürlich ausgenommen. Das Thema Griechenland wird möglicherweise bis Mitte Oktober am Kochen gehalten, bis endlich der EFSF scharf geschaltet ist und Europa endlich Griechenland Pleite gehen lassen könnte, ohne gleich das Bankensystem in Frankreich zum Einsturz zu bringen. Dann, Mitte Oktober, wird es wohl wieder richtig spannend um den Euro.

Ich sehe also heute Abend nach der FED Entscheidung eine kleine 60:40 Chance auf eine nette Rally bis zum Monatsende, so verrückt sich das nach 3% Minus auch anhören mag. Invalidiert würde dieses Szenario, wenn nicht spätestens am Freitag dieser Woche der Markt merklich nach oben dreht oder der S&P500 schon vorher den Bereich um 1140 von oben durchschlägt und damit aus der Flaggenformation nach unten ausbricht. Letzteres wäre ein ganz übles Zeichen, was Kursziele im Bereich 1020-1050 und beim DAX bei 4500-4800 auslösen würde.

Lassen wir uns überraschen. Wer diese Long-Chance spielen mag, sollte das nur mit guten Stops machen. Denn sicher ist nichts, ausser dass Mr. Market garantiert eine Pirouette auf Lager hat, an die wir nicht gedacht haben .....

Wallstreet braucht dringend ein gutes 4. Quartal

Die US Märkte haben heute erstaunliche Stärke bewiesen, der S&P500 hat am Ende mit 1204 weniger als ein Prozent im Minus geschlossen.

Dabei waren heute alle Inkredenzien für einen wirklich üblen Tag da. Eine sehr starke Vorwoche und ein Verfallstag am Freitag, der die Kurse wg Kurspflege über die Massen nach oben geschoben hatte. All das musste heute abgearbeitet werden und hätte locker für 2% Minus oder mehr reichen können.

Die Stärke am Schluss zeigt aber, dass sich niemand vor der FED traut sich Short zu positionieren. Selbst Tim Knight, der Perma-Bär von Slope of Hope hat das erste mal solange ich mich erinnern kann alle Short Positionen glatt gestellt !

Verstehen kann ich es. Denn wir haben nun die besondere Situation, dass alle drei Parteien die in den USA signifikanten Einfluss auf die Börsenkurse nehmen können wirklich dringend ein gutes 4. Quartal brauchen.

Die Regierung braucht es, weil sie wiedergewählt werden will und in den USA Renten und Wohlstand der Bürger eng mit dem Aktienmarkt verknüpft sind. Die FED braucht es, weil es ihr Auftrag ist und Bernankes Reputation und sein Platz in den Geschichtsbüchern auf dem Spiel steht. Und die Wallstreet braucht es, weil die Boni in Gefahr sind, denn ein schwieriges Jahr 2011 hat viele Hedgefonds und Institutionelle bisher unter Wasser gedrückt.

Wer stellt sich schon gerne freiwillig vor die Dampfwalze, die von diesen gleichartigen Interessen ausgeht ? Nur Griechenland und die EU kann da noch in die Suppe spucken, verständlich dass die drei Parteien auf alle erdenkliche Art und Weise versuchen den Druck auf Europa zu erhöhen um die Geldschleusen zu öffnen.

Mr. Market macht es einem nicht einfach

Tja, Mister Market macht es einem nicht einfach. Aber war das jemals anders  ?

Die Rally von Gestern wurde heute an der Wallstreet bestätigt. Nach einem starken Anstieg wurde dieser wieder abverkauft und die Indizes sogar ins Minus getrieben. Dann aber setzten sich doch die Kaufprogramme durch und es wurde mit ca. 1,5% ein guter Tag.

Positiv war, dass es auch heute den zweiten Tag keine starken Einschläge nach unten mehr gab, wie sie für Bärenphasen so typisch sind. Statt dessen kamen die starken Bewegungen nach oben, nach unten bröselte es nur. Ein sehr gutes Zeichen, das Momentum hat gedreht und zeigt nach oben.

Positiv war auch erneut, dass es wieder keinen Abgabedruck in den letzten Minuten gab. Die Longs wurden nun schon den zweiten Tage Overnight gehalten – ein ganz eindeutig positive Änderung der Marktmechanik.

Positiv war auch, dass der Gold und Silber Trade nun zerlegt wird. Gold und Silber fielen heute 4-7%, das ist fast ein Crash für Gold. Da können wir in den nächsten Tagen möglicherweise noch tiefrote Tage erleben, denn jetzt werden gerade die schwachen Hände die zuletzt gekauft haben um sich „wohl“ zu fühlen in Panik verfallen. Es ist halt mit so parabolischen Anstiegen immer das gleiche und manche lernen es nie.

Positiv ist das Zusammenbrechen des Gold-Trades, weil es bestätigt dass die grosse Angst etwas aus dem Markt weicht und Beruhigung eintritt. Und weil es mir ermöglicht bald Gold und Silber und die Minen zu viel niedrigeren Kursen wieder aufzusammeln

Denn mittel und langfristig sind die Treiber für die Precious Metals völlig intakt. Wer also mal wirklich sich etwas ins Depot legen will, dass er dann beruhigt einfach drin lassen kann, der sollte jetzt warten bis demnächst die Schlagzeilen der Medien marktschreierisch vom „Platzen“ der Gold“blase“ schwafeln. Dann kann er beruhigt kaufen, dann ist die Korrektur weit genug gelaufen. Es kann gut sein, dass wir bis dahin 1500USD wiedersehen.

In Summe sind wir also in ruhigeres Fahrwasser eingetreten mit leichter Tendenz nach oben. Das ist schon einmal eine deutliche Verbesserung gegenüber den letzten Tagen. Wer jetzt will und das Risiko aushalten kann, kann jetzt also Long im Markt sein, aber immer an den Notausgang denken !

Trotz dieses akzeptablen Followups ist der Jackson Hole Long Trade für mich nicht aktiv. Und zwar weil das Upside Heute zwar gut, aber dafür nicht gut genug war ! Denn wenn hier wirklich positive Nachrichten durchgesickert wären, dann hätten wir heute wie ein Messer durch Butter durch die 1200 im S&P500 schneiden müssen, alle anderen Inkredenzien für so eine Rally waren 100% da. Was der Markt geschafft hat, ist aber nicht
mehr als eine eher lahme bzw vorsichtige Erholung.

Da ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass die Spitzen der Wallstreet schon längst den Tenor der Ansprache von Bernanke in Jackson Hole kennen, lässt das nur einen Schluss zu:

Bernanke wird für keine Überraschung sorgen, er wird weder enttäuschen, noch wird er ein konkretes QE3 ankündigen. Er wird statt dessen warme Worte finden und die Hoffnung auf ein QE3 am Leben erhalten, nicht mehr und nicht weniger. Das ist das wahrscheinliche Ergebnis, was uns Mr. Market mit seinem Verhalten im Moment andeutet. Jackson Hole wird also potentiell ein „Non-Event“. Damit habe ich aber auch keinen Edge bei der Einschätzung was der Markt dann nächste Woche macht und damit macht es auch keinen Sinn das Risiko zu gehen sich während bzw vor der Rede schon zu positionieren.

Zusammengefasst heisst das für den DAX:

Vorbehaltlich der „üblichen“Überraschungen wie das nun Italien endgültig Pleite ist, haben wir definitiv ruhiges Fahrwasser mit positiver Tendenz bis Freitag. Wer das spielen will kann das in meinen Augen tun, wenn er seine Defensive nicht vernachlässigt. Der Markt sagt uns aber, dass er vor Bernanke auf weitere Zusammenbrüche wohl verzichten wird.

Was danach passieren wird, dafür gibt die jetzige Datenlage nichts her, was einem einen echten Vorteil verschaffen würde. Dazu nur zwei grundsätzliche Anmerkungen:

1. Gegenbewegungen in Bärenmärkten dauern eigentlich immer ein paar Wochen und beginnen immer so zögerlich wie heute. Insofern ist es gut möglich (nicht sicher!) dass wir nun einen ganz guten September bekommen der uns im DAX wieder in die oberen 6000er bringen kann.

2. Es spricht nach wie vor fast alles dafür (in meinen Augen nach wie vor 80:20), dass wir uns in einem Bärenmarkt befinden. Sprich die unter 1. beschriebene temporäre Stärke wird irgendwann auslaufen und dann folgt das ganz dicke Ende und wir sehen noch viel tiefereKurse als Heute.

Viel Glück und gutes Gelingen für Morgen !

Von wegen Debt Ceiling Panik

Ich glaube nicht, dass der Markt wg der Debt Ceiling Debatte so abgestürzt ist. Das Thema ist schon lange durch, der Markt schaut schon weiter in die Zukunft. Der Markt macht sich massive Sorgen um die weltweite Konjunktur. Nach schlechten Daten aus den USA, nervös machenden Nachrichten aus China, nach unten drehenden Indikatoren in
Deutschland und den nun anstehenden und nicht gerade Konjunktur fördernden Einsparungen in den USA gibt es allergrösste Sorge, dass die USA wieder in die nächste
Rezession abkippen und die Weltwirtschaft mit den USA.

Deshalb wird auch der DAX schon so brutal abverkauft, viel mehr als der S&P500, denn der DAX und MDAX würde unter einer abflauenden Weltkonkunktur am meisten leiden ! Gestern hatten wir im DAX intraday einen Verlust von nahezu 5%, das hatte schon Crash-Charakter ! Deshalb ist auch de Dollar relativ stark – flight to safety !

Der Markt schaut aktuell ganz panisch auf die Wirtschaftsdaten und die am Freitag anstehenden Arbeitsmarktdaten werden dabei wieder ein Katalysator sein. Für Freitag 14.30 Uhr kann sich schon jetzt jeder auf massive Volatilität einstellen.

Aufgrund der aktuell massiv überverkauften Lage kann man eigentlich von einer kleineren Rally heute oder Morgen ausgehen. Aber dann wird es wieder sehr spannend und der Freitag wird uns die Richtung der nächsten Wochen weisen. Wenn wir am Freitag abkippen und S&P500 1250 von oben durchschlagen, dann sind “all Long Bets off” und wir müssen uns auf harte Zeiten einstellen. Der DAX würde dann wieder die Zone
6300-6500 ins Visier nehmen, an der er lange von unten geknabbert hat und die
er auch während des Erdbebens von oben kurz touchierte. Wenn die Arbeitsmarktdaten dagegen positiv ausfallen, sind die Inkredenzien für eine Sommerrally da.

Harte Zeiten aber nur ein paar Wochen, bis dann Ben Bernanke im Herbst im Anblick der einbrechenden Kurse wieder QE3 (es wird so nicht heissen aber das gleiche sein) ankündigt. Wie ein Kokainsüchtiger wird der Markt sich das sofort die Nase hochziehen und ein paar Monate positiv lachend und angekifft durch die Gegend rennen. Einer
Jahresendrally steht dann nichts im Weg.