Das trojanische Pferd und das Ende von Nokia

09:00 Uhr. Heute ist ein trauriger Tag für Finnland. Das Ende von Nokia ist nach meiner Einschätzung da. Lesen Sie zunächst -> hier <- erst einmal die offiziellen Nachrichten.

Warum das Ende von Nokia werden Sie fragen ? Das will ich Ihnen im Folgenden erklären, denn ich persönlich habe den Eindruck des Vollzugs einer intelligent eingefädelten Zerschlagung zum primären Wohle Microsofts, die mit dem Wechsel von Stephen Elop auf den Chefwechsel am 21.09.2010 vor fast 3 Jahren begann.

Es ist sicher nicht so, dass es schon vor drei Jahren einen festen Plan gab, der einfach nur abgearbeitet wurde und das Stephen Elop insofern nur ein Trojanisches Pferd zum Wohle Microsofts war. Zu unberechenbar sind die Entwicklungen in der Branche, als das man 3 Jahre im voraus planen könnte. Und Stephen Elop hat vielleicht vor drei Jahren einfach nur eine grosse persönliche Chance ergriffen, ohne weitere Gedanken im Hinterkopf. Aber trotzdem haben viele der Schritte Nokias in den letzten Jahren in meinen Augen primär Microsoft gedient, was ich Ihnen im Folgenden darstellen will.

Dass das Ende nun gekommen ist, war für mich absehbar. Vielleicht erinnern Sie sich ja an meinen Artikel von vor ca. 9 Monaten, in dem ich Nokia wie Blackberry als -> Tote Katzen <- bezeichnet habe und nur Facebook von den Dreien Zukunftspotential zusprach ? Bei Nokia wie Blackberry hat sich das nun bewahrheitet und die Liebe der Privatanleger zu diesen Aktien war mal wieder die typische, fehlgeleitete Liebe zu "Fallen Angels" - die klassische Honigfalle, die wir auch bei Commerzbank, Praktiker und Co. immer wieder beobachten können und die viele Privatanleger zum Schaden Ihrer Depots wohl nie ablegen werden. Auch K+S hat aktuell das Potential in die gleiche Kategorie zu fallen.

Zu verlockend sehen Aktien ja auch aus, wenn man sie von früher gut kennt und diese früher viel teurer waren. Das fühlt sich dann emotional wie ein "Rabatt" an und man meint zuschlagen zu müssen. Dass der Markt aber gute Gründe hat eine Aktie nun anders zu bewerten, wird dabei übersehen. Und der Markt ist definitiv viel klüger, als all die Laien, die sich da etwas zusammen reimen.

Klar, wer nun in den letzten Wochen mit Nokia gezockt hat, wird nun durch den Verkauf an Microsoft nette Gewinne mitnehmen können. Diese Chance einer Übernahme war immer da und habe ich auch in meinem Artikel von vor 9 Monaten als einzige realistische Chance auf Gewinne bezeichnet. Aber wie viele Privatanleger sind immer noch seit Jahren bei Nokia drin und warten auf bessere Zeiten, so wie sie bei Commerzbank gewartet haben ? Diese Aktionäre wissen nun mit Gewissheit, dass sie Ihre Verluste nicht mehr wettmachen können.

Aber zurück zum Geschehen um Nokia. Schauen wir doch mal, wie sehr die Aktivitäten der letzten drei Jahre Microsoft gedient haben:

(1)

Vielleicht erinnen Sie sich ja daran, wie ich hier in den Anfängen von Mr-Market den von Elop betriebenen Wechsel Nokias weg von den eigenen Betriebssystemen Symbian und MeeGo hin zu Windows Mobile spöttisch gegeisselt habe ? 2 Jahre später fühle ich mich mehr als bestätigt. Den aktuellen, ärmlichen Zustand der Smartphone Umsätze hätte man locker auch mit Symbian und erst Recht mit MeeGo haben können. Genügend Zeit diese Systeme weiter zu entwickeln war auch - durch die Entscheidung zu Windows Mobile zu wechseln, hat sich Nokia ja auch für mehr als ein Jahr völlig aus dem Wettbewerb verabschiedet. Genau dieses Jahr war das entscheidende, in dem die Marke endgültig ihre Strahlkraft verloren hat.

Nein, der Wechsel war für mich völlig unnötig und hat primär Microsoft gedient, weil sich Nokia so selber kastriert und abhängig gemacht hat. Das Problem das Nokia hatte, war ja auch gar kein technologisches, MeeGo war gut genug. Es war primär ein Management-Problem - die Entwicklungsabteilungen waren zu behäbig und dem Wettbewerb von Apple und Google nicht mehr gewachsen. Dieses Problem hat man aber sowieso lösen müssen, der Wechsel zu Windows Mobile hat nur neue Probleme geschaffen und war aus Sicht von Nokia unnötig wie ein Kropf.

(2)

Was das "Ende von Nokia" angeht, könnten einige jetzt denken wieso, es gibt doch Nokia weiter ? Es wird doch "nur" das Smartphone Geschäft samt Patenten verkauft ?

Stimmt theoretisch, aber das verbleibende Netzwerkgeschäft hat in meinen Augen nicht das Potential dauerhaft selbstständig zu bleiben. Am Ende vermute ich, dass das Geschäft von Mitbewerbern wie Ericsson einverleibt wird und Nokia ganz vom Kurzszettel verschwindet. Man schaue auch mal am Kurs von Ericsson, wie schwierig dieses Infrastrukturgeschäft im Telekombereich ist, wo aggressive Mitbewerber aus China und Taiwan ala Huawei in den Markt drängen. Finnland ist damit sein bekanntestes Unternehmen los geworden. Eine Zeitlang wird es dort sicher noch ein Entwicklungszentrum von Microsoft geben, aber wie lange steht in den Sternen.

Vor dem Hintergrund dieser Aktion wird mir nun aber auch deutlicher, warum Nokias Managements so aggressiv Siemens aus dem NSN Joint Venture gedrängt hat. Das war nach meiner Vermutung eine nötige Voraussetzung um diesen Deal so machen zu können und hilft wiederum massiv Microsoft. Denn für den Übernehmer ist es viel einfacher, einen Teil eines börsennotierten Konzerns heraus zu kaufen, als ein komplettes Übernahmeangebot vorlegen zu müssen. Die Herauslösung von Nokia Networks aus dem Joint Venture war also vielleicht eher notwendige Voraussetzung, damit Microsoft nun diesen Schritt tun kann.

Und damit kommen wir zum dritten Punkt meiner Argumentation:

(3)

Stephen Elop - der Gedanke an ein trojanisches Pferd kann mir da schon kommen - auch wenn ich wie oben gesagt nicht an den grossen drei Jahre andauernden "Masterplan" glaube. Elop ist jetzt ein ganz heisser Kandidat auf die Nachfolge von Ballmer, der - Überraschung - vor kurzem zurück getreten ist. Damit hat Elop defacto - nicht aktienrechtlich und insofern legal - aber doch defacto mit sich selber verhandelt. Auf der einen Seite als Nokia Chef, der nun das Smartphonegeschäft an Microsoft schiebt und auf der anderen Seite als "mitgehender" neuer/alter Microsoft Mitarbeiter, der potentiell neuer CEO werden kann, aber zumindest eine sehr herausgehobene Funktion bei Microsoft haben wird.

Ich denke das "Geschmäckle" ist offensichtlich, auch wenn der Vorgang aktienrechtlich wohl legal ist. Und erneut hilft das am Ende Microsoft. Bei einer Komplett-Übernahme durch Microsoft wäre Elop aber nicht Verhandlungspartner gewesen, wie im Szenario der Herauslösung des Smartphone-Geschäftes. Bei einem Übernahmeangebot hätte sich Microsoft direkt mit den Nokia Aktionären auseinander setzen müssen. Und das wird typischerweise teuer. Sicher, auch jetzt wird Elop die Aktionäre fragen müssen, aber das ist ein weit einfacheres Szenario, als sich bei einem kompletten Übernahmeangebot mit aggressiven Mitspielern ala Icahn und Co. auseinander setzen zu müssen.

Summa Summarum, perfekt getimter Deal aus Sicht von Microsoft. Die Aussagen der Deal sei Ballmer bisher "zu teuer" gewesen, halte ich für ein Ablenkungsmanöver und für bewusst erzeugten Rauch, um den Blick der Gegner zu vernebeln. Dieser Deal - inklusive Patente - ist nicht teuer für Microsoft, der ist ungemein billig. Ich bin sicher, gäbe es Nokia nicht und jemand würde Microsoft heute das gleiche Portfolio an Patenten, Mitarbeitern und Produkten andienen - genau das was Microsoft nun dringend für seine neue Strategie braucht - dann würde Microsoft auch 10 Milliarden USD zahlen. Denken Sie daran, dass Microsoft für Skype locker 8,5 Milliarden USD gezahlt hat und das ganze Smartphone Geschäft von Nokia ist für Microsoft um Faktoren bedeutender, als ein einzelner Dienst für Video-Telephonie.

Nein, das ist nach meiner festen Überzeugung ein toller Deal für Microsoft und ich vermute, die Börse wird das heute auch Microsoft mit einem Premium danken und nicht wie üblich einen Übernahmeabschlag erzwingen. Ein Mitbewerber wird erst umarmt, dann kastriert und dann der schmackhafte Teil einverleibt. Und man bekommt auch gleich einen potentiellen CEO aus dem eigenen Stall geliefert, der nun Branchen-Knowhow aufsaugen konnte, das Microsoft bisher fehlte. Und nun hat Microsoft alle Inkredenzien beisammen, um ernsthaft gegen Apple und Co. antreten zu können.

Einfach perfekt und man könnte meinen, da hätte ein genialer Mastermind im Hintergrund einen perfekten Plan durchgezogen. Wie gesagt, so einfach wird es wohl nicht sein, zu wenig planbar ist die Zukunft und in dem Geschäft sowieso, aber zumindest zeigt Bill Gates nach meiner Meinung die Züge eines genialen Autisten und hat ohne jeden Zweifel einen extrem hohen IQ. Wer weiss ? 😉

Für die Aktionäre von Nokia heisst das in meinen Augen:

Nehmen Sie die schönen kurzfristigen Gewinne (oder verringerten Verluste) mit, die Ihnen Microsoft nun gewährt und schliessen Sie mit dem Kapitel Nokia ab. Ich werde das tun.

Es war eine schöne Zeit mit Dir liebe Nokia und ich war damals einer der ersten Kunden des ersten Communicators - des ersten "Smartphones" der Welt.

Rest in Peace Nokia ! Ich werde Dich vermissen.

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Charts des Sommers – Apple mit langfristiger Bodenbildung ?

Inhaltlich etwas zu Apple (WKN: 865985) zu sagen, ist der Versuch Eulen nach Athen zu tragen. Das Unternehmen gehört immer noch zu den best beobachteten der Welt und es gibt nichts, absolut nichts, was man da als aussen stehender Beobachter Sinnvolles hinzu fügen könnte, das nicht schon geschrieben worden wäre. Deswegen lasse ich es auch, das langweilt nur.

Aber es macht Sinn auf den Chart zu schauen, denn der subsummiert die Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen all dieser Marktteilnehmer.

Und dieser Chart signalisiert gute Chancen dafür, dass Apple nun etwas unter 400 USD im zweiten Quartal einen Boden gefunden hat. Sehen Sie selbst im Chart seit Mitte 2012 mit Tageskerzen:

Apple 30.07.13

Sie sehen auch, dass der Kurs um die Bodenbildung abzuschliessen und die Wende zu bestätigen, bis nahe an 500 USD heran, also zum grünen Stern, laufen sollte. Solange das nicht geschieht, ist auch eine Seitwärtsbewegung ebenso wahrscheinlich.

Aber trotz dieser Unsicherheit könnte die Aktie wieder einen Blick wert sein. Denn der entscheidende Mitbewerber Samsung hat ja zuletzt gezeigt, dass auch er nur mit Wasser kocht und Microsoft/Nokia kommen auch nicht so richtig vom Fleck.

Und die Sorgen über potentiell sinkende Margen, nachlassende Innovationskraft und einen Smartphone-Markt der seinen Zenit überschritten hat, sind ja nun teilweise im Kurs - deshalb steht Apple da, wo es aktuell steht.

Der nächste grosse Markt wird mit Sicherheit die Integration "smarter Geräte" in Kleidung und auch Körper. Das was wir heute als Smartphone in der Hand halten, wird in 10 Jahren in Form spezialisierter Geräte Teil unserer "intelligenten" Kleidung oder angeflanscht an unseren Körper sein. Und Apple hat mit seinem Ruf und seiner Qualität die allerbesten Chancen auch diesen Markt zu dominieren. Eine "iWatch" ist da nur ein klitzekleiner Startpunkt in diese Richtung. Denn je näher die technischen Geräte unserem Körper kommen und je mehr diese mit uns integriert agieren, desto stärker werden wir Menschen dabei auf Qualität und Design wert legen, genau die Bereiche, in denen Apple unangefochten führt.

Und wer heute noch von dem K+S Desaster geschockt ist, dem möchte ich sagen: lassen Sie sich davon nicht den Blick verstellen und hinter jedem Baumstamm ein K+S Szenario erwarten. Solche Situationen wie heute sind die absolute Ausnahme bei Bluechips in den grossen Indizes. Es gibt sie ebenso, wie es scharze Schwäne gibt, aber man sollte die Ausnahme nicht zum Massstab der Wahrscheinlichkeiten machen, dann sollte man sowieso besser den Tag im Bett bleiben. 😉

Ganz rational sieht dieser Chart für mich durchaus chancenreich aus. Und auch hier sind die Stops ganz klar definiert und falls Apple mal wie K+S zum Handelsstart um 20% fallen sollte, dann hat es wahrscheinlich irgendwo einen Atomkrieg gegeben, denn selbst der Tod von Steve Jobs hat das nicht vermocht. Das ist das Restrisiko, mit dem wir halt leben müssen, wenn wir uns im Aktienmarkt bewegen.

Allerdings ist auch klar, dass grosse Gewinne bei Apple wahrscheinlich nur dann drin sind, wenn Tim Cook beweisen kann, dass dem Konzern auch ohne Steve Jobs die Innovationskraft erhalten geblieben ist. Wird dieser Beweis nicht endlich diesen Herbst angetreten, hat man zwar immer noch keine grossen Risiken nach unten, aber wohl auch begrenzte Chancen nach oben.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Nokia Chartupdate – Topbildung voraus ? – 14.02.13

Heute möchte ich ein kurzes Chartupdate zu Nokia (WKN 870737) mit Ihnen teilen.

Lassen wir doch die ganzen Spekulationen um den Erfolg der Lumia Linie mal beiseite. Vergessen wir auch mal, dass jeden Tag die Nachricht um die Ecke kommen kann, dass Nokia von einem grossen Player wie Apple, Microsoft, Google (Motorola) oder Samsung übernommen wird.

Das ist übrigens das Szenario, mit dem ich früher oder später bei Nokia rechne - durchaus zum Vorteil der Aktionäre. Das Nokia in 3 Jahren von heute noch selbstständig ist, halte ich persönlich eher für unwahrscheinlich. An die Zukunft auf eigenen Beinen glaube ich langfristig eher nicht mehr, dafür hat Nokia zu viele Marktanteile verloren und hat auch finanziell nicht mehr die Kraft für grosse Sprünge.

Nur ist es müssig darüber zu spekulieren, weil man das "ob" und vor allem das "wann" einer möglichen Übernahme sowieso nicht vorher weiss. Bestenfalls kann man es an ungewöhnlichen Kursbewegungen vorher riechen. Lassen wir doch daher alle diese Spekulationen um die Zukunft mal beiseite und schauen, was uns die reale Price-Action sagt.

Schauen Sie also mit mir auf das Tageschart:

Nokia 14.02.13

Ich denke die Botschaft ist eindeutig. Die Price-Action sieht sehr nach einer temporären Topbildung aus. Und die entscheidende Linie (Nackenlinie) dürfte die Unterstützungszone rund um 2,8EUR sein.

Ich habe bewusst die vermeintliche Topbildung im August 2012 markiert, um zu zeigen, dass diese Entwicklung nicht zwingend zu einem Bruch durch die Unterstützung bei 2,8EUR führen muss. Es ist sehr wohl vorstellbar, dass die Unterstützung hält und die Akie nach einer Seitwärtsbewegung durch irgend eine Nachricht doch wieder Fahrt nach oben aufnimmt - wie eben im November 2012 durch die Nachrichten der gut ankommenden Lumia-Linie.

Entscheidend ist aber diese 2,8 EUR im Auge zu behalten. Denn wenn diese Zone nachhaltig durchbrochen wird, sollte man nicht den Helden spielen, sondern sich lieber wieder mit Kursen in der 2 EUR Region anfreunden.

Nicht mehr als das sagt uns dieses Chart. Es spricht im Moment wenig dafür, hier blind auf die eine oder andere Richtung zu wetten. Man sollte ruhig im Auge behalten, ob die Unterstützung zu halten scheint. Eine ungesicherte Long-Position drängt sich bei dieser Lage auf jeden Fall nicht auf !

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Hari´s Märkte am Abend – 11.04.12 – Nokia bricht ein, ThyssenKrupp leidet

22 Uhr - Handelsschluss

Wie erwartet erholten sich die Märkte heute etwas von den gestrigen, schweren Einschlägen. Der S&P500 konnte zeitweise den 50er Moving Average bei 1371 zurück erobern und der DAX stieg bis über 6700, bevor er zum Handelsschluss etwas zurück fiel.

War es das schon mit der Korrektur ? Kann sein, aber ehrlich gesagt, ich bin noch nicht überzeugt. Die heutige Stärke war nach der überverkauften Markttechnik wenig überraschend und ist nach Art und Umfang noch nicht ausreichend, um zwingend ein Ende der Abwärtsbewegung auszurufen. Im S&P 500 ist auch eigentlich noch ein technisches Ziel bei 1351 abzuarbeiten, falls das noch passiert, würde es den DAX sicher unter 6600 drücken. Auf der anderen Seite kann man das heutige Marktverhalten auch als "Bullenflagge" interpretieren, die dann Morgen nach oben aufgelöst würde.

Im Ergebnis hatten wir heute weder genug Stärke um dieser besondere Bedeutung beizumessen, noch weitere Schwäche, die einen fortgesetzten Absturz indizieren würde. Wir hatten heute eine Beruhigung, das alleine ist schon latent positiv, mehr aber auch nicht.

Insofern bleibe ich verhalten, habe gestern selektiv hier und da ein bisschen zugekauft, halte aber den wesentlichen Teil meines Pulvers noch trocken und war heute eher inaktiv. Mehr gibt es heute auch nicht zum Markt zu sagen, abwarten und Tee trinken ist das Gebot der Stunde.

Ein ganz übles Kapitel des heutigen Tages schrieb Nokia (WKN 870737). Überraschend gab Nokia bekannt, dass im 1. Quartal die Margenziele für die Smartphones verfehlt werden. Man könnte das flapsig übersetzen als: "Nokia bekommt in dem Markt kein Bein mehr auf die Erde". Der Markt reagierte entsprechend und strafte Nokia mit einem Minus von bis zu 18% ab. AUA !

Als ob das nicht genügen würde, kam heute noch eine Katastrophen-Nachricht hinzu, die gut ins traurige Bild passt. Nokia hat scheinbar den US Marktstart seines Lumia 900 Smartphones vergeigt. Das letzten Sonntag in den USA eingeführte Gerät hat wohl einen Softwarefehler und kann laut Nokia die Datenverbindung verlieren. „Um den 16. April“ soll es eine Software geben, die den Fehler behebt, gleichzeitig zahlt Nokia 100 USD Entschädigung, womit das Gerät wohl zum Zuschussmodell wird.

Schlimmer gehts nimmer, kann man da nur sagen und so kann man sich einen Ruf auch nachhaltig ruinieren. Bei so einem entscheidenden Anlauf im wichtigsten Markt einen derartig grundlegenden Fehler zu produzieren, zeugt für mich von schweren Verwerfungen in der Organisation und ruiniert den Ruf der Marke. 15% Minus bei Handelsschluss sind da in Anbetracht der heutigen Nachrichten noch harmlos.

Das sieht in meinen Augen nun ganz finster aus bei Nokia und das einzig Positive, das mir nun zu dem Titel einfällt ist, dass nun wohl alle die Nokia verkaufen wollen, endgültig draussen sind. Insofern könnte nun kurzfristig eine technische Gegenbewegung möglich sein. Ich werde aber nicht versuchen diese zu spielen und bin froh, dass ich beim Unterschreiten der 4€ Linie durch meinen Stop schon vor Wochen aus dem Titel gekommen bin.

Denn diese Nachricht wirft in meinen Augen nun weit tiefergehende Fragen nach der prinzipiellen Profitabilität von Nokia auf. Und damit steht mittelfristig auch die Überlebensfähigkeit im Markt im Raum. Denn im Massengeschäft der Emerging Markets, in denen Nokia immer noch grosse Volumina mit einfachen Handys absetzt, ist der Preisdruck auf die Margen ja nun auch nicht gerade klein.

Nokia steht nun auf der einen Seite neben einer Marke "Apple", die eine Macht darstellt und auf absehbare Zeit den Markt dominieren sollte. Und auf der anderen Seite steht der aggressive Technologie-Riese Samsung, der alle wesentlichen Technologien im Haus hat und praktisch nichts zukaufen muss, was einen hohen Spielraum bei aggressiven Preiskämpfen gewährt. Wo da Nokia zur Spitze durchstossen will, ist derzeit schwer vorstellbar.

Circa ein Jahr ist es nun her, dass Stephen Elop den Schwenk hin zu Microsoft bekannt gab. Diesen Zeitablauf vor Augen, sind die bisherigen Ergebnisse in meinen Augen wenig überzeugend, denn wenn man so einen gewaltigen Schritt bekannt gibt, sollte man dann auch bald liefern können. Sicher, derzeit ist Nokia nicht mehr viel mehr wert, als alleine das Patentportfolio ausmachen dürfte. Insofern sichert das den Kurs nach unten ab. Aber ob das in Anbetracht der immer weiter schwindenden Kraft der Marke "Nokia" alleine ein Grund für eine Investition ist, wage ich nun zu bezweifeln.

Lange bin auch ich ja davon ausgegangen, dass Nokia wieder auferstehen kann. Und vor einem halben Jahr, vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft 2011, habe ich die Lage bei Nokia auch als weit hoffnungsvoller eingeschätzt. Da hatte Nokia auch eine Chance und ein Erfolg im Weihnachtsgeschäft hätte den Ruf wieder stabilisieren können. Da hätte man liefern müssen und als dem Markt klar wurde, dass Nokia das nicht ausreichend hinbekommt, begann auch die Reise abwärts vom Bereich um 5€, die nun mit fast 3€ einen traurigen Tiefpunkt erreicht.

Der heutige Tag, den ich als Offenbarungseid empfinde, erzeugt da bei mir nun ein tiefgehendes Fragezeichen und ich sehe nun wenig Grund, rein auf Verdacht und Hoffnung Kapital in Nokia zu binden. Eigentlich sind die Lumia ja schöne Geräte, aber eigentlich reicht halt nicht, sie müssen auch funktionieren und technologisch etwas zu bieten haben. Die Geschwindigkeit des Duos Microsoft/Nokia lässt also offensichtlich deutlich zu wünschen übrig, wie man so gegen Apple und Samsung bestehen will, bleibt für mich im Dunkeln. Und wie ich über den Erfolg der "Metro" Strategie bei Microsoft denke, habe ich ja -> hier <- deutlich gemacht.

Ich werde mir das "Spektakel" um Microsoft und Nokia auf jeden Fall weiter nur von der Seitenlinie anschauen. Sollten die beiden doch noch ihre Hausaufgaben zusammen bekommen und langsam wieder Marktanteile gewinnen, ist noch genug Zeit auf den Zug aufzuspringen. Das so eine Bewegung über Jahre geht, kann man ja gerade gut bei Apple beobachten.

Stark waren heute die Stahlwerte rund um Salzgitter (WKN 620200) und Klöckner (WKN KC0100), die heute nicht nur von den guten Alcoa-Zahlen profitierten, sondern ja auch technisch mehr als ausgebombt sind. Vor diesem Hintergrund ist der Anstieg heute aber auch nicht mehr als eine kleine Gegenbewegung, auch wenn die Stahlkonjunktur in Deutschland wieder anzuziehen scheint. Der Preisdruck aus China liegt aber wie Blei auf diesen Werten. Sollte sich der Häusermarkt in China weiter abschwächen, dürfte uns dieser Preisdruck auch noch länger erhalten bleiben.

Für Stahlkocher wie ThyssenKrupp (WKN 750000), die zusätzlich zur schwierigen Marktlage noch mit selbst verursachten operativen Problemen und Verlusten kämpfen, sind das keine guten Nachrichten. Da fühle ich mich in einer finanziell soliden Aktie wie Salzgitter wesentlich wohler. Und wer es etwas internationaler mag, kann zum Marktführer Arcelormittal (WKN A0M6U2) greifen. Arcelormittal hat übrigens seine Erzminen nicht verkauft und baut diese im Moment weiter aus. Damit ist Arcelormittal von den grossen Erzförderern rund um Vale oder Rio Tinto weitgehend unabhängig und hängt mit seiner Marge nicht derart eingequetscht zwischen "Baum und Borke" wie ThyssenKrupp.

In dem Zusammenhang erinnere ich an meinen kritischen Artikel -> Vom Donnerhall zum Anlagenbauer <- zu den Fehlgriffen der Verantwortlichen bei ThyssenKrupp. Der Verkauf der eigenen Erzminen von 2001 ist dabei für mich auch so eine strategische Fehlleistung der "grossen Restrukturierer", mit der ein derartiges Traditionsunternehmen überhaupt erst den wilden Preisschwankungen bei Erz ausgesetzt wurde.

Ich habe dazu mal -> hier <- die Pressemitteilung von 2001 heraus gekramt, mit der der Verkauf der brasilianischen Erzminen des Thyssenkrupp Konzerns an Vale bekannt gegeben wurde. Heute liest sich das für mich wie ein Auszug aus dem Kuriositätenkabinett, ich zitiere Ekkehard Schulz: "Diese Transaktion ist ein Schritt zur Wertschaffung für ThyssenKrupp Stahl und den gesamten ThyssenKrupp Konzern. Sie ist ein weiterer Baustein in unserer Strategie des wertorientierten Managements".

Bravo, kann ich da nur sarkastisch sagen, das prozyklische Timing ist aller Ehren wert - Verkauf der Erzminen auf dem Tiefpunkt, bevor dann eine langjährige Hausse bei den Roherzen einsetzte, die Rio Tinto, Vale und Co. in ungeahnte Höhen katapultierte und den Wert der verkauften Minen vervielfachte. Und der Neubau der beiden Stahlwerke in Amerika, die nun solche Probleme machen, wurde ja auch prozyklisch mitten im Höhepunkt der Stahlkonjunktur beschlossen. Wenn es einen Preis für das schlechteste Timing gäbe, die Herren Cromme und Schulz hätten in meinen Augen gute Chancen auf eine Nominierung. Es wäre ja eigentlich lustig, wenn nicht durch diese Fehlgriffe die Gefahr bestünde, dass Deutschland seinen einzigen Stahlkonzern von Weltruf mit 150 jähriger Geschichte verliert.

Und auch wenn Herr Cromme in der Pressemitteilung nicht erwähnt wird, er bildete laut -> ThyssenKrupp Homepage <- bis September 2001 mit Ekkehard Schulz eine Doppelspitze bei ThyssenKrupp, bevor er dann in den Vorsitz des Aufsichtsrates wechselte. Es ist schon erstaunlich, wie er es geschafft hat, dass von solchen Entscheidungen nichts an ihm persönlich hängen geblieben ist und er so zu einer der mächtigsten Personen der deutschen Wirtschaft aufsteigen konnte. Eines muss man Herrn Cromme lassen, ein Händchen für Machtpolitik hat er mit Sicherheit.

Zum Abschluss noch ein exzellenter, kurzer Artikel, der so gut und treffend ist, dass ich Ihnen die Lektüre wärmstens ans Herz legen möchte ! Es dauert nur 2 Minuten und hält uns als Anleger den Spiegel vor. -> There is a difference between knowing and doing <-

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari