Hari Live Stream 14.01.21

Und täglich grüsst die Liquidität ZH2

Wir sehen vorbörslich einen unveränderten und seitwärts konsolidierenden Markt, so wie das schon die ganze Woche der Fall war.

Wenn man genau hinschaut, kann man sogar einen ganz milden "Suppenteller" im Future erkennen, ich habe das eingezeichnet - bärisch ist das nicht.

Für heute Abend wird Biden mit der -> Vorstellung von Details seines Stimulus-Plans <- erwartet, der bis zu 2 Billionen $ erreichen soll und bei Aktien natürlich auf Wohlgefallen trifft, bei Anleihen aber eher zu steigenden Renditen und fallenden Kursen führt.

Vielleicht gibt es danach ja einen kleinen "Sell the News" Effekt, davor sollte die freudige Erwartung heute aber weiter für einen starken Markt sorgen. Insofern grüsst mal wieder täglich die Liquidität, denn die ist maßgeblich an diesem trotz Covid bullischen Markt beteiligt.

Space - The final Frontier ZH3

Manchmal muss man schnell sein. Gestern nachbörslich kam die Information, dass die populären ARK Investment ETFs von Cathie Wood nun wahrscheinlich auch einen ARKX auflegen, der sich um die Raumfahrt und die Eroberung des Weltraums kümmert.

In kürzester Zeit sprangen nachbörslich die wenigen echten Raumfahrtaktien wie Virgin Galactic (SPCE) oder Maxar (MAXR) markant nach oben und das um bis zu 20%. Auch heute sind vorbörslich noch rund 16% bei beiden Aktien übrig!

Ich habe es sofort gesehen und kurz nach der Geisterstunde -> hier Post 348 <- und -> hier Post 43 <- entsprechende Kommentare abgesetzt.

Denn klar war auch, dass das für OHB spannend werden würde, die einen geringen Freefloat haben, markteng sind und eigentlich in ein solches Portfolio gehören.

Das Ergebnis ist: Heute ist OHB nur deswegen rund 10% im Plus:

Dabei ist ja nicht einmal klar, ob OHB überhaupt im ETF sein wird und natürlich ist es auch nicht der noch nicht existente ETF der für die Bewegung sorgt, sondern die reine Spekulation, dass es passieren wird. Genau das zeigt aber das Problem auf, denn die gleiche "Manipulation" kann eben auch ein positiver, medialer Kommentar von Cathie Wood auslösen, der dann eine Aktie hochpusht, die gleichzeitig schon im ETF liegt.

Das zieht berechtigte Kritik auf sich, ich schreibe dazu im Nachgang ein paar Worte. Hier geht es aber zunächst darum davon zu profitieren und da ist festzuhalten dass die ARK ETFs so populär geworden sind und Cathie Woods derartig medialen "Guru-Status" erlangt hat, dass die Gelder der Wallstreet in den teilweise marktengen Titeln zu erheblichen Auswirkungen führen werden.

Gerade OHB ist dafür prädestiniert, weil an der Wallstreet grundsätzlich höhere Multiples gezahlt werden als in Deutschland und OHB dümpelt immer noch eher unbekannt vor sich hin. Würde OHB an der NASADQ notieren, wäre das P/E Multiple sicher eher 30 statt aktuell 15 und der Kurs wäre doppelt so hoch. Etwas was nun auch durch solche ETFs ausgelöst werden könnte.

Die Popularität der ARK ETFs ist auch so hoch, dass auch wenn diese Schübe rein auf Verdacht ein Übertreibungselement haben, die Existenz dieses ETFs die Bewertung des ganzen Sektors sicher verbessern wird.

Unsere Aufgabe ist es daher zunächst davon zu profitieren, was uns leicht fällt, weil der ARKX doch gar nicht der erste ETF zum Thema ist.

Da gibt es schon den -> Procure Space ETF UFO <-, der aber nie so hohe Popularität erlangt hat, was nicht mit dem Inhalt, sondern mit dem guten Marketing von ARK zu tun hat.

Wer wissen will, was potentiell im ARKX sein wird und daher hochgekauft werden wird, kann und sollte sich also mal in den -> Holdings des UFO <- tummeln.

Viele wirklich reine Raumfahrtaktien gibt es nicht und die Wichtigste ist mit SpaceX leider nicht an der Börse. So werden diese ETFs mit allerlei "vom Rand" aufgefüllt, mit Unternehmen die "auch" irgendwas mit Raumfahrt machen - mit der Betonung auf "auch".

Perversion des ETF Gedankens

Ich habe über das Thema schon mehrfach ausführlich geschrieben, ganz explizit sogar hier 2017: -> Wie ETFs den Markt verzerren <-.

Richtig durchgedrungen bin ich nach meinem Eindruck nie, man will das auch nicht lesen, zu populär ist der ETF-Gedanke und zu leicht und verlockend ist es, mit ETFs ohne großen Aufwand ganze Segmente abzudecken.

Es ist auch schwierig zu beweisen, weil Kurse werden ja immer von vielen Faktoren beeinflusst und man kann immer nur vermuten, welchen Einfluß ETFs darauf haben.

Umso schöner ist der obige Fall rund um den neuen ARKX, weil er wie im Brennglas das Problem beweist und aufzeigt. Dass eine Aktie wie SPCE mal eben um 20% steigt, nur weil man vermutet dass ein populärer ETF in diese investieren wird, zeigt die *Perversion des ETF Gedankens* auf.

Denn ETFs sind eigentlich dazu gemacht den Markt neutral nachzubilden, die Kurse der Aktien im ETF also zu dokumentieren, aber nicht überhaupt selber zu erzeugen. Diese Neutralität ist zentraler Teil des ETF-Konzeptes, diese sollten nie zu "aktiven" Investoren werden, die die Kurse erst machen.

Am konkreten Fall können wir diese Perversion nun wunderbar beobachten, eine Kritik die den ARK ETFs von Cathie Wood auch schon an anderer Stelle berechtigt entgegengeschlagen ist, weil viele der jungen Technologiewerte halt eher markteng sind.

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass der *Star*-Status von Cathie Wood wohl verdient ist. Sie macht einen guten Job, hat den Fokus auf den richtigen Themen und kommunziert dazu aktiv mit ihren Anlegern in einer Art und Weise, wie man sich das von anderen Fonds- bzw ETF-Managern immer gewünscht hat. Sie macht also einen guten Job und hat sich redlich verdient einen guten Ruf erarbeitet.

Aber .... auch das muss gesagt werden, was sie tut ist nun wahrlich nichts Neues. Sie ist nicht die Einzige die den Wert von Innovation und Wachstum für erfolgreiche Depots entdeckt hat und gezielt solche Aktien verfolgt, wir hier machen das zum Beispiel seit es Mr-Market gibt, weil es eben schon immer zentraler Teil meines Ansatzes war.

Dass sie nun so einen *Star-Status* erlangt hat, hat viel mit Marketing zu tun und das wiederum mit der außergewöhnlichen Performance der ARK ETFS und die wiederum ..... und da liegt das Problem ..... ist wie hier bei den Space-Aktien zum Teil als selbsterfüllende Prophezeihung selbst erzeugt.

Die ARK Fonds haben also nicht so ein viel besseres Händchen als alle anderen, sie machen die Kurse reflexiv auch selber, weil Ruf und Liquidität marktenge Technologie-Werte pushen!

Das kann man durchaus auch ein "Ponzi-Scheme" nennen, die Bezeichnung ist in meinen Augen hier übertrieben und zu hart, ist aber auch nicht ohne wahren Kern, den wir gerade erleben.

Ganz seriös gesehen, dürften die ETFs von ARK eigentlich in marktenge Titel gar nicht investieren, was aber wiederum den Ansatz zerstören würde, Innovation frühzeitig zu erkennen.

Wir können das nicht ändern, unser Job ist davon zu profitieren. Wir sollten aber verstehen woher diese "Wunderperformance" der ARK ETFs auch kommt und was da passiert, damit uns auch die Risiken klar sind.

Denn dieses Momentum das die Aktien so steigen lässt, funktioniert in Krisen auch in die Gegenrichtung. Dann wird es völlig egal sein, dass vielleicht eine SPCE gar nicht von der Krise betroffen ist, sie wird trotzdem in den Kurs-Boden gerammt werden - man gebe sich da keiner Illusion hin!

Im Artikel oben von 2017 hatte ich dazu wie folgt geschrieben und diese Sätze haben heute umso mehr Gültigkeit:

Wäre die ETF-Industrie ehrlich, müsste sie also die Grösse von ETFs hart begrenzen und auch das Gesamtvolumen begrenzen das in ETFs aufgenommen wird, weil man ansonsten reflexiv das Prinzip der passiven Abbildung kaputt macht. Dem steht natürlich das wirtschaftliche Interesse entgegen, deshalb wird es nicht passieren.

Wenn man sich dann vor Augen führt, dass nach aktuellen Zahlen von Moodys -> passives Investieren mittlerweile 29% des US Marktes ausmacht <-, dann muss jedem mit Verstand klar sein, dass dieses Drittel des Marktes natürlich den Markt nicht nur passiv beobachtet, sondern ihn zu einem guten Teil macht!

Sagen wir es mal klar und deutlich: Der ETF Ansatz als passiver Beobachter geht gerade am eigenen Erfolg zugrunde und wird ad absurdum geführt - mit unbekannten Folgen für Märkte und Anleger.

Beobachtung kann eben nur gelingen, wenn sie das Beobachtungsobjekt nicht beeinflusst. Mittlerweile beeinflussen und bestimmten ETFs aber zunehmend den Markt. Am Beispiel ZBRA, RAVN und ROBO habe ich beispielhaft gezeigt, wie das real ablaufen kann. Bei 29% passiver Vehikel im Markt ist klar, dass das Problem sehr grundsätzlich ist.

Die Dominanz des passiven Investierens in ETFs führt also dazu, dass der Markt seine Fähigkeit die *einzelnen* Geschäftsmodelle individuell zu bewerten wieder einbüsst. Wenn man so will, wird der Markt wieder ineffizienter.

Für uns als Anleger ist das auch Chance, denn man muss in der neuen Welt nur noch die grossen "heissen" Trends identifizieren, die mit ETFs abgefackelt werden und da aufsatteln. Es vergrössert aber auch massiv die Risiken, denn wenn in einer Krise alle ihre ETFs verkaufen wollen, wird das ein Blutbad, wie wir es noch nie gesehen haben und vor dem man sich nirgendwo verstecken kann.

Wie schnell das gehen kann, davon haben wir am 24.08.15 eine erste Vorahnung bekommen, ich bin ganz sicher, es war erst ein Anfang. ETFs unbedarften Anlegern als Mittel des "sicheren" Investierens anzudienen, ist also in Wirklichkeit das Handeln mit Gefahrengütern und früher oder später wird es den Anlegern auf die eine oder andere Art und Weise vor die Füsse fallen.

Die Flut der schönen neuen ETF-Welt hebt also *alle* Boote, so sie in ETFs vertreten sind. Und senkt alle Boote in der Krise. Vergessen wir die Macht dieses neuen Mechanismus nie, eine Macht die in den kommenden Jahren noch wachsen wird.

Weitere ARKX Kollateraleffekte ZH3

Weitere Kollateraleffekte des neuen ARKX sind heute neben den schon erwähnten MAXR und SPCE unter anderem auch zu bewundern bei:

Aerovironment (AVAV) - teilweise, es gibt auch eine interessante Übernahme die den Kurs beeinflusst:

Kratos Defense & Security (KTOS)

Loral Space & Communication (LORL)

Aktien des Tages ZH3

TSM Semiconductor (TSM)

TSM liefert die -> erwartet superben Zahlen <-, der weltgrößte Chipfertiger dokumentiert damit seine Dominanz, dokumentiert damit aber auch das "Klumpenrisiko" das sich die westliche Welt schafft, wenn sie alle Fertigungsaktivitäten bei diesen wenigen Produzenten wie TSM (Taiwan) oder Samsung (Korea) konzentrieren würde:

Maxar Technologies (MAXR)

Warum wissen wir 😀

Acacia Communications (ACIA)

Hier ist der blaue Kreis im Chart sehr wichtig, ohne würde man es kaum sehen. Grund ist die -> Übernahme durch Cisco (CSCO) <-

Was man auch im Chart sieht ist, dass die Nachricht schon vorher gesickert ist und erwartet wurde, ein Fall für die SEC?

Crispr Therapeutics (CRSP)

Sunpower (SPWR)

Was für eine rhythmische Bewegung seit September!

Kann man kaufen / Allianz / ZH3 ZH4 ZH5

Mal ganz was Langweiliges. Auch das gehört dazu und bildet die Basis von Investment-Depots.

Hier die Allianz als Beispiel für *kann* man kaufen, muss nicht, aber nichts spricht so richtig dagegen.

Kann man aus Sicht von ZH3 kaufen:

Kann man aus Sicht von ZH4 kaufen:

Kann man aus Sicht von ZH5 kaufen, sie müssen sich nur Covid als Anomalie wegdenken und sie bekommen eine wunderbar schaukelnde Aufwärtsbewegung:

Und kann man aus Sicht der Dividende sowieso kaufen.

Der Dollar an der Wegscheide EURUSD ZH3

Bei EURUSD steht heute eine Wegscheide an, bei der Bidens Bekanntgabe der Details des Stimulus wahrscheinlich richtungsweisend ist.

Im Sinne der Trendfolge ist eine Auflösung nach oben marginal zu präferieren, sehr groß ist diese Präferenz aber nicht, beides ist gut denkbar und die Reaktion auf den Stimulus könnte den Unterschied machen:

Wird der Me(ä)rz kommen? / UNFI / ZH4

Der SPX eiert vor sich hin, aber der Index sagt wenig aus und das Bild ist weiter extrem heterogen und ein "Stockpicker-Markt":

Die Indizes erzählen schon dehalb nur einen Teil der Geschichte, weil es jede Menge starke Rebounds und Setups bei kleineren Aktien gibt, nicht nur bei Space, sondern in vielen Sektoren mit Nachholpotential.

Hier ist mit United Natural Foods (UNFI) so ein Beispiel, wie es sie derzeit viele im Markt gibt:

Es ist leicht zu sagen, dass der Markt eine Pause braucht und zunehmend korrekturreif ist, ja das ist er. Es ist aber schwer so ein Momentum zu brechen, weswegen es auch durchaus noch ein paar Wochen hochgehen kann, bevor dann unvermeidlich eine schärfere Entladung einsetzt.

Eine Entladung, die wie der erste Schnee natürlich trotzdem bei vielen "völlig unverhofft" kommen wird, damit konnte man ja nicht rechnen. 😛 Ich hoffe sie gehören dann nicht dazu, meine Projektionen kennen sie seit Wochen.

Heute haben wir wie gesagt mit Bidens Ankündigung seines Stimulus-Pakets eine Wegscheide, die je nach Inhalt zu einem Sell-the-News Effekt führen könnte.

Weniger marktrelevant, aber für uns als Bürger Deutschlands bedeutend ist aber, was in der CDU am Samstag passiert, wenn die Partei einen neuen Vorsitzenden wählt.

Ich rechne mit Laschet, das "Establishment" hat sich deutlichst positioniert und im Hintergrund sind auch sicher diverse Absprachen getroffen worden. Ich vermute dass auch Röttgen ein Angebot hat, um die Stimmen des Aussenseiters in einer möglichen Stichwahl Laschet zukommen zu lassen.

Vielleicht hat es seitens Laschet sogar eine Absprache und Rollenverteilung mit Söder gegeben, der zuletzt erstaunlich freundlich gegenüber Laschet kommuniziert hat.

Das Partei-Establishment rund um Merkel will eindeutig den Aussenseiter Merz nicht und ich rechne daher auch eher nicht damit, dass der Merz kommt, der März schon, der dauert aber noch.

Dabei hilft, dass es innerparteilich derzeit nicht die großen Konflikte gibt, die ein Außenseiter an der Basis als personfizierte Alternative nutzen könnte. Die Pandemie sediert die Partei ein wenig, das nutzt eher Laschet denn einem Außenseiter.

Und ganz ehrlich, so wenig ich von Laschet halte, so wenig halte ich auch von der Führungsfähigkeit von Merz. Er hatte seine große Chance gegen eine schwache AKK und hat diese versiebt, ich vermute übermorgen ist das Kapitel Merz für die CDU abgeschlossen und wenn er es doch wird, bin ich wirklich und ehrlich überrascht - dann hätten wir eine völlig offene Lage mit großer Spannung.

Es wäre so überraschend, weil es einem Aufstand der Parteibasis gleichkäme, die Merz wohl favorisiert. Genau dafür ist die CDU aber nicht bekannt, die auch immer genügend Pöstchen hat, um wackelige Funktionäre ruhig zu stellen.

Aber wie auch immer, für uns als Bürger ist das wichtig, weil damit die Kanzlerfrage indirekt entschieden wird, für die Börsen ist das ein Nebenthema, weil deutsches Geld keine wirkliche Relevanz im Markt hat.

Ich schließe diese Schreibwoche damit, wir lesen uns wie immer am Sonntag mit dem Wochenausblick zur KW3, in der Biden dann Präsident wird.

Machen sie es gut!

Ihr Hari

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Gold und Dollar in unerwarteter Richtung

11:00 Uhr. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie es der Markt schafft, genau das zu tun, was die Wenigsten erwarten.

Es ist aber auch logisch, dass es so sein muss, denn in Richtung der erwarteten Bewegung sind ja alle schon positioniert und insofern können sich auf diesem Pfad nur noch schwerlich neue Käufer finden. Das ist die verflixte Reflexivität der Märkte, Märkte die letztlich nur die Spiegelbilder unserer Wünsche, Hoffnungen und Ängste sind. Und deswegen kämpfen wir auch letztlich gegen uns selber, wenn wir gegen den Markt ankämpfen.

Nun haben wir wieder neues Anschauungsmaterial für diese unheimliche Fähigkeit des Marktes. Gestern ist endlich das Debt Limit vom Radar verschwunden und nun kann der Markt uns seine neuen Karten zeigen. Er muss sich nun entscheiden, wie es zum Jahresende weiter geht und ob er nun in bestimmten Sektoren eine fundamentale Wende vollzieht.

Vor der Debt Limit Diskussion war die Überlegung logisch, dass der Dollar durch die Unsicherheit geschwächt wird - wir konnte das ja im EURUSD Kurs schön beobachten - und gleichzeitig Gold eine temporäre Stütze erfährt, weil Gold das ultimative Krisenmetall ist - inbesondere wenn die Weltleitwährung ein strukturelles Problem hat. Nach der strukturellen Lösung dieser Debt Limit Belastung, sollte sich diese Korrelation dann wieder umdrehen. Und da Gold selbst mit dieser Stütze nicht richtig vom Fleck kam, war es logisch anzunehmen, dass sich danach der Absturz fortsetzt.

So habe auch ich lange gedacht und das hier kommuniziert, denn das ist logisch. Allerdings weiss ich auch, dass letztlich der Preis der ultimative Richter ist und ich kenne die Fähigkeit des Marktes gut, das Unerwartete zu tun. Und mir war klar, dass das Sentiment in Gold so schlecht ist wie lange nicht, selbst die Gold-Bugs zweifeln und es scheint, als ob sich der ganze Markt in eine Richtung lehnt. Was aufgrund der Reflexivität impliziert, dass diese Richtung nicht mehr eintreten kann - zumindest nicht sofort, wenn alle damit rechnen.

So habe ich schon gestern die positive Bewegung und die sich aufbauende inverse Schulter-Kopf Formation bei Gold bemerkt und in Hari Live kommunziert. Auch die Schwäche des Dollar habe ich heute früh bemerkt und alle "Long Dollar" Wetten sofort glattgestellt.

Und nun schauen Sie mal im Chart mit Stundenkerzen, was Gold gemacht hat:

Gold 17.10.13

Diese Bewegung ist keineswegs irrational. Denn machen Sie sich bitte klar, dass die "Long Dollar nach Lösung" Logik von einem Szenario ausging, in dem eine saubere Lösung für das Debt Limit gefunden wird. Das ist aber nicht der Fall, die Blechkanne wurde erneut nur wieder etwas die Strasse herunter gekickt. Und die "Short Gold" Logik ging davon aus, dass das Tapering zwar aufgeschoben ist, aber nun bald kommen wird. Auch das scheint nun aber nicht der Fall, zu gross ist der konjukturelle Schaden durch die politische Schlacht in Washington. Und zu guter Letzt hat die Herabstufung der USA durch die chinesische Ratingagentur hier möglicherweise als Katalysator mitgewirkt.

Ich sage ja immer, wir sollen auf den Markt hören und ihm folgen. Und Mr. Market sucht nun gerade die neue Richtung. Die sichtbare Bewegung entspricht einer neuen Interpretation des Marktes und die lautet so:

1. Tapering wird es in 2013 nicht geben. Frühestens 2014 wenn überhaupt.
2. Eher wird durch die FED beim Stimulus nachgelegt, weil die Konjunktur nicht vom Fleck kommt.
3. Der politische Gridlock in Washington bleibt bestehen und der nächste Kampf um den Jahreswechsel wird noch giftiger ausfallen.

In Summe setzt der Markt also auf noch mehr Droge, noch mehr Stimulus, noch mehr von allem, was letztlich die Währung entwertet. Der "Race to the bottom" ist in vollem Gange.

Das scheint das Bild der Marktteilnehmer zu sein, die jetzt Gold hochkaufen und den Dollar verkaufen. Ob die sich damit durchsetzen, müssen wir sehen. Das sind nur die ersten Bewegungen und es dauert wohl ein paar Tage, bis sich die neue Richtung etabliert und am Markt durchgesetzt hat. Und die ersten Bewegungen weisen nicht immer in die richtige Richtung.

Insofern können diese Bewegungen durchaus eine Eintagesfliege sein, die sofort negiert wird, sobald die Marktelefanten heute Nachmittag das Spielfeld betreten. Aber trotzdem sollten wir diese Bewegungen erst nehmen. Es sind die ersten Vorboten der Neuorientierung des Marktes nach dem Debt Limit Chaos.

Und zum Jahresende werden wir nur dann Geld verdienen können, wenn wir diese Neuorientierung schnell verstehen und unsere Aufstellung gedanklich flexibel danach ausrichten. Gegen den Markt kann man kein Geld verdienen, die Strassen im südlichen Manhattan sind gepflastert mit den Leichen von Leuten, die klüger als der Markt sein wollten.

Hier im Premium Bereich will ich Ihr Guide sein, diese neuen Trends frühzeitig zu erkennen und profitabel daran teil zu haben.

Ihr Hari

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Bernanke reloaded ? – S&P500 on stairway to heaven ?

Déjà-vu ! Da sind wir also wieder, wo wir seit November 2012 dank Ben Bernanke schon so oft waren. Denn es läuft immer gleich:

Der Markt steigt und ist auf Höchstständen. Dann kommt etwas Sorge hinein, dass es dieses mal "der" ultimative Top sein könnte. Auslöser für die Sorge kann alles mögliche sein, das ist letztlich egal. Denn das Ergebnis ist auch immer klar, um an ein Bonmot aus dem Fussball anzuknüpfen:

"Börse ist ein einfaches Spiel, tausende kluge Leute wetten auf die Kurse, und am Ende gewinnt immer die FED." 😉

Wir haben diese V-förmigen Wende durch Einfluss der FED jetzt seit dem November 2012 - als Bernanke seinen Stimulus auf 85 Milliarden pro Monat hochdrehte - geschlagene 5 mal immer identisch erlebt. Langsam sind wir alle wie pawlowsche Hunde darauf progammiert. Eine V-förmige Wende, wie es sie in den prähistorischen "Vor-Fed-Zeiten", also sozusagen in der Steinzeit der Börsen, höchst selten gegeben hat.

Schauen Sie doch einfach mal auf das Chart des weltweiten Leitindex S&P500 mit Tageskerzen:

S&P500 20.09.13

Beeindruckend dieser Trend oder ? Mit perfekter Zyklizität kommen diese V-Wenden, weswegen nun wahrscheinlich alle, inklusive Joe Sixpack und Max Müller, genau auf das identische Muster wetten werden. Was 5 mal klappt, wird doch auch 6 mal klappen, oder ? Und die Wahrheit ist: ja, die Wahrscheinlichkeit dafür ist ziemlich gross.

Und jetzt berücksichtigen Sie bitte, dass genau dieser Bernanke gerade hat verlauten lassen, dass sich die FED noch nicht traut, einen Abbau des Stimulus zu beginnen, weil die ökonomischen Daten noch zu schlecht seien.

Hallo ? Hatte Börse nicht früher - Sie wissen schon, in der Börsen-Steinzeit - genau mal was mit ökonomischen Daten zu tun ? Warum steigen die Börsen und steigen, wenn die ökonomische Entwicklung nach Ansicht der Notenbanken nicht ausreichend ist ? Wie passt dieses Chart mit der wirtschaftlichen Realität auch in den USA zusammen ?

Die Antwort ist offensichtlich: gar nicht. Das ist ein Markt auf Steroiden. Steroide, die vom Dealer "Notenbank" ausgegeben werden. Und alle fragen sich: kann das ewig so weiter gehen ?

Nein, natürlich nicht. Mit jedem weiteren Schub wird das böse Ende nur härter. Stellen Sie sich nun mal vor, die FED würde den Stimulus nun wegnehmen. Dann würden Sie aber einen Luftballon platzen hören ! Die Reaktionen auf vage Andeutungen eines Tapering waren ja schon ein Vorgeschmack und dieses Chart zeigt auch klar, was dann der S&P500 machen würde: zurück auf Los ! Was wohl kaum wirklich schlimm wäre, die 1350 von November 2012 spiegeln viel eher die wirtschaftliche Realität wieder und sind immer noch historisch gesehen "gute" Kurse.

Nur was nützt uns dieses Wissen ? Gar nichts, denn bis es so weit ist, kann der Markt noch 5 weitere solcher V-förmigen Rebounds vollziehen und bei 2000 stehen. Und bis dahin können noch Jahre vergehen. Es nützt einfach nichts zu wissen, dass es "irgendwann" mal ein böses Ende nimmt. Will man in der Gegenwart Geld verdienen, muss man mit dem Trend gehen, solange er existiert. Und der Trend ist offensichtlich - bis er irgendwann überraschend bricht. Vielleicht ist dieser Tag schon bald, vielleicht auch erst 2015 - wir wissen es nicht.

Übrigens habe ich bewusst die beiden blauen Kreise eingezeichnet. Sehen Sie die perfekte Parallelität der Bewegungen aus dem April Boden und aus dem August Boden heraus ? Selbst die kleinen Korrekturzonen sind identisch.

Was wir da sehen ist eine klassische 1-2-3-4-5 Bewegung im Aufwärtstrend, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass wir gerade in Konsolidierung 4 sind und uns der finale Schub dieses Zyklus noch bevor steht, bevor dann eine Korrektur einsetzt. Aber das nur am Rande.

Wenn Sie sich jetzt fragen, ob diese Entwicklung sich durch die/den neuen FED Chef ändern würde, habe ich einen vielleicht überraschenden Gedanken für Sie:

Wer hat den gesagt, dass Bernanke gehen will ? Er selber nie und ich bin sicher, er will bleiben und seine Strategie zu Ende bringen und so in die Geschichtsbücher der grössten Notenbankchefs aller Zeiten eingehen. Nein, es war Obama der einen anderen Kandidaten wollte. Und es war Obama, der die Andeutungen zum Ende der Amtszeit von Bernanke machte.

Dieser andere Kandidat mit Namen Larry Summers wurde Obama nun aber aus der Hand geschlagen. Und was bringt es Obama nun, Bernanke gegen Janet Yellen auszutauschen, die nicht nur eine identische Strategie wie Bernanke verfolgen dürfte, sondern mit der - nach dem was man hört - Obama ebenso wenig klar zu kommen scheint, wie mit Bernanke und vielen anderen Persönlichkeiten.

Vor diesem Hintergrund habe ich mit grosser Aufmerksamkeit die gestrige Bemerkung unseres weisen Freundes Warren Buffet gelesen, der bekanntermaßen einen exzellenten Draht zu Mr. Obama hat: -> Buffet says Bernanke should stay <-.

Mit so etwas wagt sich der gute Warren nur dann öffentlich heraus, wenn die Frage tatsächlich auf der Agenda steht, so viel ist klar. Erstaunlich, dass es noch niemand auf dem Radar zu haben scheint, dass Bernanke vielleicht eine weitere Amtszeit bekommt. Mit Buffets Äusserung hat das für mich eine gute Wahrscheinlichkeit bekommen. Und den überraschenden Verzicht auf jedes Tapering gestern, kann man auch als Bewerbungsschreiben interpretieren, wenn man will.

Und was würde der Markt machen, wenn er hört, dass der gute Helikopter Ben bleibt ? Er würde es lieben, weil der Markt liebt Beständigkeit, zumal wenn diese Beständigkeit immer neue leckere Würstchen zum Fressen gibt. Womit wir bei Phase 5 der aktuellen Aufwärtsbewegung wären und der Kreis sich schliesst.

Schauen wir also mal, ob der alte, weise und gut vernetzte Mann mal wieder was hat läuten hören und der ewige Ben uns vielleicht erhalten bleibt. Und ob der Markt auf einer ewigen Leiter bis in den Himmel klettert.

In diesem Sinne wünsche ich weiter viel Spass dabei, gegen die FED zu wetten, wir sehen uns dann in der Suppenküche ! 😯

Ihr Hari

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Eine dramatische Börsenwoche – Teil 2: To Taper or not to Taper

Der für die Börsen wichtigste Moment der Woche dürfte der Mittwoch Abend sein. Um 20 Uhr kommt die FOMC Aussage, in der die Entscheidung zum potentiellen Tapering enthalten sein dürfte. Ab voraussichtlich 20.30 Uhr spricht dann Ben Bernanke in einer Pressekonferenz und zuletzt waren immer das die Momente gewesen, in denen ein paar Worte den Markt massiv bewegt haben.

Richten Sie sich als am Mittwoch Abend auf sehr hektische und volatile Bewegungen ein. Denn die Märkte wissen, dass die Reaktion auf den FED Entscheid mit hoher Wahrscheinlichkeit den Ton der Märkte zum Jahresende bestimmen wird.

Der Marktkonsens ist dabei ein "Alibi-Tapering" von 10-15 Milliarden USD. So dass am Ende immer noch ein gewaltiger monatlicher Stimulus von 70-75 Milliarden USD übrig bleibt. Kommt die Aussage so wie erwartet, werden die Märkte wohl zunächst leicht positiv - weil erleichtert - reagieren.

Überraschende Abweichungen von diesem erwarteten Alibi-Tapering, werden dagegen zu erheblichen Ausschlägen führen. Denn damit rechnet schon deshalb niemand, weil alle davon ausgehen, dass Bernanke seinem(r) Nachfolger(in) nicht die Politik präjudizieren will.

Bei der Frage wie der Markt auf diese Abweichungen reagiert, gibt es aber einen Konsens, der in meinen Augen verfehlt ist. Dieses Missverständnis findet sich auch in den immer wieder zu hörenden Annahmen wieder, dass die Liquiditätsversorgung der Notenbanken unmittelbar zu Inflation führen müsste und deshalb auch Gold stützen müsste. Erst recht verfehlt sind aber die platten Behauptungen der Gegenseite, dass die Tatsache, dass wir nun seit Jahren keine relevante Inflation haben, der Beweis sei, dass die Notenbankpolitik nicht inflationär wirke.

Denn völlig übersehen wird dabei die Funktion der Banken als Intermediäre zwischen der Notenbank und der realen Wirtschaft. Es ist schon richtig, eine deutliche Erhöhung der Geldmenge führt früher oder später zur Inflation - das aber nur, wenn die Geldmenge auch den Wirtschaftskreislauf erreicht. Genau das passiert aber nicht, denn die Multimilliarden der Notenbanken versickern (noch) primär in den Bilanzen der Grossbanken und werden eben nicht an die Realwirtschaft ausgereicht. Erst wenn sich das ändert, wird aus der Geldmenge auch Inflation entstehen. Und da die Banken beim richtigen Katalysator ihre Politik auch schnell umstellen werden, kann diese inflationäre Entwicklung auch ganz schnell kommen.

In dem komplexen Spiel der Refinanzierung der Banken, spielt Gold dabei die Rolle eines "Collateral" (eines Pfands bzw. einer Sicherheit). Ich kann jetzt aus Platzgründen hier nicht im Detail aufdröseln, wie bei den Grossbanken die Bewegungen in den Bilanzen aussehen und ich will auch auf keinen Fall behaupten, dass ich das alles verstehe. Wer tut das schon ? 😉 Aber ich habe ein paar Vermutungen und gedankliche Modelle, ohne sie beweisen zu können, zumal Bank sicher nicht gleich Bank ist. Und wenn Sie wissen wollen, in welche Richtung die gehen, dann sollten Sie diesen brillianten Blog Beitrag -> Gold hit with another collateral shortage <- lesen, den ich den Premium-Mitgliedern schon am Sonntag gezeigt habe. Lesen Sie auch die voran gegangenen Beiträge mal, wobei die Beiträge schon hohe Anforderungen an das Verständnis stellen und nicht für jedermann geeignet sind.

Etwas pauschal zusammen gefasst kann man also sagen: Ein starkes Tapering am Mittwoch wäre möglicherweise eher gut für Gold. Also invers zu dem, was man gemeinhin erwarten würde. Dass das so ist, können Sie auch nachvollziehen, wenn Sie sich in den letzten Jahren anschauen, was wann in Folge der QEs stieg und welche Assets gefallen sind. Und was sich nun geändert hat.

Auch heute früh konnten Sie den inversen Zusammenhang schon beobachten. Der Goldpreis war auf dem Weg nach oben, als die Nachricht vom Rückzug Summers als FED Chef kam. Damit wird Yellen wahrscheinlicher, die den Weg Bernankes nach Meinung der Märkte noch aggressiver fortsetzen würde. In Folge schiessen die Indizes nach oben und der Goldpreis verliert seine temporäre Stärke wieder.

Was ich Ihnen mit diesem Beispiel sagen will ist, dass die Dinge nicht so simpel sind, wie sie von all denen verkauft werden, die die Rolle der Banken als zentrale Drehscheibe der Geldversorgung nicht verstehen. Der Markt wird defacto im Grossbankensystem gemacht und das ist seit Lehman nicht besser und transparenter, sondern noch schlimmer und mächtiger geworden. Glauben Sie mir, ich gehöre zu denen, die am meisten an der Unfähigkeit unserer Politik verzweifeln, dieses Geschwür endlich aus dem Körper der Welt heraus zu schneiden. Siehe auch mein Beitrag zur Legende von der "bösen" Spekulation.

Wichtig ist also weniger, wie viel Geld die FED in den Markt kippt. Wichtig ist, was die Grossbanken in ihren Bilanzen und in ihrer Geschäftspolitik daraus machen. Und das Ergebnis dieses Umformungsprozesses durch das Bankensystem erreicht dann die Realwirtschaft und die Finanzmärkte. Und bewegt dort die Kurse. Das ist die traurige Realität. Gelernt hat die Politik aus Lehman nichts, die unheilige Allianz und gegenseitige Abhängigkeit zwischen den Staaten und der Grossfinanz, die die Staatsanleihen erwirbt und damit die Staaten finanziert, ist durch die Politik der Notenbanken eher noch stärker geworden. Und es war genau diese unheilige Allianz zwischen Politik und Bankensystem - in dem Fall zum Thema Hypothekenkredite - die die Krise 2008 erst aufgebaut hat.

Richten Sie sich also am Mittwoch auf ein paar Überraschungen ein, die Dinge sind nicht so wie es oberflächlich scheint. Und wenn Sie wie ich die Hoffnung haben, irgendwann mal wieder "freie Märkte" zu erleben und endlich ein Ende dieses Marktes auf Steroiden zu erleben, dann müssen Sie wie ich auf ein grosses Tapering hoffen. Denn auch wenn es kurzfristig dann mal in den Indizes rumpelt, langfristig muss diese Droge raus aus dem System, nur so können die Märkte ihre wirkliche volkswirtschaftliche Aufgabe ausführen: die Preisfindung für Unternehmen und Anleihen.

Und nur so bleibt uns ein zweites Lehman oder Schlimmeres erspart.

So weit zu dieser extrem spannenden Woche. Schnallen wir uns also an und im amerikanischen würde man sagen: "Brace for Impact !"

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