Marktupdate – 28.09.12 – Von DAX und Gold – Die wichtigen Lehren des Marktes

09:00 Uhr

Heute möchte ich ein paar Lehren aus dem gestrigen Tag ziehen. Sie haben den gestrigen, sehr spannenden Tag ja anhand meines Artikels und der "Live Tips" gut Schritt für Schritt nachvollziehen können. Und Sie bemerken sicher auch, dass ich einer der ganz Wenigen bin, die schon "vorher" mit einer Tendenz den Kopf heraus strecken, statt hinterher klug daher zu reden - was jeder kann.

Welche Schlüsse sollte man in meinen Augen aus dem gestrigen Tag ziehen ?

Markttechnik funktioniert !

Sie haben ja meine Prognose gestern gesehen und ich habe ja auch wieder die Skepsis bei vielen von Ihnen gespürt, weil ich damit gegen die "gefühlte" Situation stand. Auch in anderen Blogs war eher Verzweiflung ob der plötzlich schlechten Nachrichtenlage zu spüren. Verzweiflung und Ärger, die einem den Blick für die Chancen verstellt. Denn diese Emotionen sind immer prozyklisch und damit schon in den Kursen enthalten. Diese Emotionen sind der grösste Feind auf dem Weg zum Erfolg !

Aber wie vorhergesagt kam dann die Wende. Und sie kam genau aus den vorhergesagten Gründen und genau zum erwarteten Zeitpunkt. Schlechte Nachrichten wurde positiv gewertet, nicht weil sie positiver wurden, sondern weil der Markt nach Tagen der Schwäche nun positiv denken wollte. Und das konnte man an der Art wie der Markt auf die 14.30 Uhr Daten reagierte schon ablesen.

Wenn ich gestern also wieder auf den Punkt den Ablauf des Tages antizipierte habe, dann lag das nicht daran, dass ich eine Glaskugel habe. Es lag daran, dass ich rational die Fakten der Markttechnik zur Leitlinie meines Handelns gemacht habe, statt mich von Emotionen treiben zu lassen.

Nachrichten beeinflussen Kurse zwar, sie machen sie aber nicht. Ein Unterschied, den man unbedingt begreifen muss. Wer glaubt in die Richtung der Nachrichten traden zu können, wird ganz schnell arm werden. Denn Mr. Market antizipiert Nachrichten schon im Vorfeld. Was also zählt, ist nicht die Nachricht, sondern die schon eingepreisten Erwartungen im Angesicht der Nachricht.

Bauernregeln funktionieren !

Sie erinnern sich daran, dass ich an dem Reversal von Gold und Öl vorgestern Abend ein folgendes Reversal des Aktienmarktes festmachte ? Genau so ist es gekommen, ziemlich genau 24 Stunden nachdem Gold und Öl ihre Tiefststände sahen.

Der Vorlauf dieser beiden Assets bei Wenden im Markt ist eine klassische Bauernregel, empirisch aus Erfahrung bewiesen, aber nicht rational begründbar. Aber man tut gut daran, solche Regeln zu beachten - ganz pragmatisch so lange, bis sie nicht mehr funktionieren.

Übrigens: zu erkennen, dass beispielhaft Gold vorgestern eine bedeutende Wende hinlegte, ist keineswegs eine Geheimwissenschaft. Das hätten Sie problemlos auch gekonnt und massiv davon profitieren können. Schauen Sie mit mir doch mal auf das 30 Minuten Chart von Gold (XAUUSD):

Am späten Abend des 26.09.12, also vorgestern, habe ich meine beim "Swing High" vom 24.09. taktisch aufgelösten Positionen wieder gekauft und sogar noch oben drauf gelegt. Sie erinnern sich sicher an -> den <- Artikel vom 24.09.12.

Und jetzt frage ich Sie, wer sieht jetzt die Wende bei Gold ? Eben: nun wohl alle. 😉 Worauf sich die Frage anschliesst, warum Sie das nicht schon vorgestern Abend oder spätestens gestern Morgen gesehen haben und eingestiegen sind ? Möglicherweise weil Sie nicht so genau hingeschaut haben, sich aber statt dessen mit ihren Gefühlen, ihrer Angst und ihrer Gier, beschäftigt haben. Woraus sich wieder die Lehre ableitet, die ich hier gebetsmühlenartig mehrfach die Woche herunter leiere: Folgen Sie dem Markt !

Ich weiss, ich höre mich jetzt hier wie ein Oberlehrer an und die mag keiner mit ihrer Rechthaberei. Aber ich betreibe diesen Blog um Ihnen zu mehr Erfolg am Markt zu verhelfen. Und wenn Sie nicht aufhören zu raten und sich vom allgemeinen Sentiment prozyklisch beeinflussen zu lassen, wenn Sie nicht anfangen einfach dem Markt und seinen Signalen zu folgen, wird das nichts werden mit ihrem Erfolg ! Hier Süssholz zu raspeln, macht ihr Depot nicht dicker !

Topping Prozess oder Anlauf zu neuen Höchstständen ?

Keine Ahnung, beides ist möglich und man sollte gedanklich offen sein. Ich habe aus grundsätzlichen Überlegungen eine Tendenz für ein gutes 4. Quartal und einen Lauf zu neuen Höchstständen. Das ist aber definitiv keine Prognose, sondern nur die Wertung der Wahrscheinlichkeiten der mir im Moment vorliegenden Fakten. Und Fakten können sich ändern.

Es wird für mich wichtig sein zu sehen, wie der Markt auf die bald anstehende Quartalssaison reagiert um den Blick aufs Jahresende schärfer einstellen zu können. Eine gewisse Schwäche Mitte Oktober (im DAX durchaus bis knapp unter 7000) würde mich weder überraschen, noch meine grundlegende Sicht deswegen in Frage stellen.

Ist Gold und Silber schon zu weit gelaufen ?

Das könnte man meinen, wenn man die Gewinne sieht, die sich seit Juli kummuliert haben. Hier habe ich aber aufgrund diverser Analysen eher die gegenteilige Meinung. In meinen Augen war gestern Tag 1 eines neues Zyklus, der durch die seichte Korrektur mit dem folgenden "Swing-Low" von vorgestern seinen Abschluss fand.

Nun könnten uns möglicherweise mehrere Wochen starken Momentums im Sektor bevorstehen. Ein "heisser Herbst" sozusagen, was die Edelmetalle angeht. Ich bin seit vorgestern Abend im Sektor wieder massiv investiert und bin insbesondere bei 51 USD wieder massiv in den GDX gesprungen. Nun werde ich die Gewinne laufen lassen. Um das sicher zu stellen, werde ich die Stops weit entfernt lassen, selbst auf die Gefahr hin, dass ich am Ende einen guten Teil der Gewinne wieder verliere. Aber im Sektor erscheint mir das Risiko, einen massiven "Runaway-Move" zu verpassen nun höher. Und Sie wissen ja, Gewinne sollte man laufen lassen, nur Verluste müssen begrenzt werden !

Und jetzt geniessen Sie mit mir das Ende eines sehr guten Quartals. Anfang kommender Woche reviewen wir dann unsere Anfang Juli ausgewählten "Sommer Aktien". @ "Jacky", es wäre toll, wenn Du uns nach Handelsschluss mit den Daten zum Ende September versorgen könntest.

Nächste Woche werde ich dann auch noch etwas intensiver in das 4. Quartal hinein schauen. Ich wünsche einen erfolgreichen Tag !

Ihr Hari

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16 Gedanken zu “Marktupdate – 28.09.12 – Von DAX und Gold – Die wichtigen Lehren des Marktes”

  1. @ Ramsi, ich habe heute morgen ein paar taktische Shorts aufgenommen, weil mir die mangelnde Stärke des Marktes nicht gefiel. Wir hätten eigentlich höher eröffnen müssen, wenn da mehr „Druck“ auf der Leitung gewesen wäre. Insofern nein, überrascht nicht, zumal bei 7280 gar nichts passiert ist.

    Ob das über die Wallstreet hinweg hält, werden wir sehen. Ich rechne heute eher mit einem unspektukalären Tag und einem Close zum Quartalsende irgendwo um DAX 7300, aber wie gesagt: wir werden sehen.

  2. Allmählich wird’s im DAX wieder spannend. Ich denke, die 7.250/7.260 kristallieren sich als Wegscheide für die weitere Entwicklung heraus. Behauptet sich der DAX dort, dann bleibt die Rally weiter intakt. Geht es aber dynamisch runter – womöglich befeuert durch einen ungünstigen Newsflow – dann könnte es im DAX deutlich unter 7.000 gehen – temporär zumindest.

    Ich habe aber nach wie vor die Grundüberzeugung, daß der Markt sich auf die Dauer mit Nullzinsen für Kurzfristanlagen nicht zufrieden geben und früher oder später in die großen Publikumswerte strömen wird. Bleibt nur die Frage, ob direkt oder über Umwege. Der Bondzyklus ist zu Ende – da ist definitiv nichts mehr zu holen. Deswegen kann es passieren, daß die Indizes trotz rückläufiger Gewinne steigen werden. Und ansonsten hängt es mal wieder an der Nachrichtenlagebezüglich der Peripherieländer.

    Außerdem heute den Blog „never mind the markets“ gelesen. Man findet dort heute eine brillante Analyse über China. Man kann sie nur jedem wärmstens zur Lektüre empfehlen, ebenso die anderen Beiträge dort.

  3. @ Ramsi

    was ist eigentl. aus deinem Trade im DAX bei 7282 (wenn ich das richtig im kopf hab) geworden? hast du den noch intraday geschlossen?

    i bin nämlich gestern dann bei 92 noch rein und werd mir heute abend etwas nettes darüber in mein tagebuch schreiben, warum ich meinen verdammten stop nicht nachgezogen hab, obwohl ich mir heute früh – wie hari und du auch – dachte: wir müssten schon höher sein, damit kurzfristig noch was geht…

    so ein unnötiges minus

    greeZ

  4. sehr sehr aufreibend, dass was da gerade passiert.
    Hari, wie kann das den sein, dass man so einen Verfall erlebt, wo doch alle so bullish gestimmt sind? Ich kann mir das nur so vorstellen, dass alle diejenigen, die vor der Korrektur long waren, nun ihre Verluste begrenzen und bei der leichten Erholung raus sind. Ansonsten grenzt das ganze sehr an Kursmanipulation durch Institutionelle. Die sind wie immer die ersten die verkaufen und lösen alle Stops aus…

    Grüße

  5. Es ist schon interessant: Noch vor wenigen Monaten waren China-Baeren die ganz boesen China-basher. Ausgebuht wurden sie, keiner wollte es hoeren. Seit kurzem hat sich das Sentiment nun aber gewandelt und China-Baeren sind jetzt en vogue, vertreten sogar die Mehrheitsmeinung. Wer sich gerne ein bischen mehr zu China’s Problemen belesen will, sucht nach Patrick Chovanec. Von dort aus ergeben sich dann weitere Quellen.

  6. CDO, ich habe mit einer kleinen Rallye der nächsten Tage gerechnet, die wohl so nicht gekommen ist. Also wurde ich wie beschrieben bei 52 ausgestoppt…. aber es kommt ja auch darauf an, über welchen Zeitraum du den Trade eingehen wolltest. Bei einem Trade über ein paar Stunden hättest du wohl nachziehen können, denke ich. Bei einer mehrtägigen Sache wie bei mir hätte ich auf ein höheres Tief warten müssen, welches nicht gekommen ist

  7. @ TradinGuy, wenn alle in eine Richtung denken, passiert immer das Gegenteil 😉 Kursmanipulation sehe ich nicht. Einfach nur Gewinnmitnahmen zum Quartalsende. Gibt je genug zum mitnehmen.

  8. @Hari, schön dass immer andere ihre Gewinne mitnehmen 🙂
    Ich hoffe ich komme auch mal in den Genuss. Aber bis dahin heisst es wohl Lehrgeld zahlen.

  9. Srinivasan Mallika vom Board of Directors bei AGCO hat im September ganz sportlich 334000 Aktien von AGCO zu Kursen im Bereich zwischen 44 und 46 $ gekauft. Der Chart sieht auch recht ansprechend aus, die Zahlen ebenfalls. Was ich vermisse, ist eine Dividende, aber ich neige dazu hier ein Auge zuzudrücken und zuzugreifen, allerdings nicht ganz im Stil des guten Mallika, also hofft nicht darauf, dass ich ein Extra – Momentum erzeuge.

    Will mich jemand aus dringenden Gründen davon abhalten?

  10. Ich nicht – Agco ist wie hier geschrieben eine meiner Lieblingsaktien im Bereich Agrar. Ich halte die gerade auch.

  11. Wenn die Börsenweisheit stimmt „Haussen sterben in der Euphorie“ und das Gegenteil davon auch, dann müssten wir eigentlich positiv gestimmt sein. Für die Bären steht es momentan laut cognitrend 51:24(rekordverdächtig!). Der ganze Pessimismus müsste demzufolge schon weitgehend in den Kursen drinstecken.

  12. Ich frage mich nur, wer bei diesem Sentimentverhältnis bei den hohen Kursen noch kaufen soll – vor dem Hintergrund, dass ein Grossteil der short eingestellten Teilnehmer während der Rally der letzten Woche rausgekegelt wurde, sich eindecken musste und damit die Kurse weiter trieben und die Optimisten schon länger massiv investiert sind?

    Die Bären werden sicherlich im Moment keine 180° Wendung machen und bei Kursen > 7.000 kaufen (zumal auch das bearishe Sentiment schon fast als trotzig von Cognitrend bewertet wurde) und die Bullen haben ja schon.

  13. Im Vergleich zum Volumen der Jahre 2004-2007 ist das derzeit doch relativ mager, also ich denke da ist noch genug Cash in der Hinterhand, welches bei besser werdendem Umfeld hereinfließt, sei es von Professionellen oder später dann Privatanlegern.

  14. @Holgersen, wenn das so wäre, wie Du schreibst, hätten die Kurse letzte Woche steigen müssen; tatsächlich sind sie aber unter Druck geraten. Warum das so war, wird auf der cognitrend-webseite einleuchtend beschrieben, es funktionierte offenbar über Call-Optionen, die zum Quartalsende ausgeübt wurden. Und wie von Cognitrend geschrieben, es gibt so wenig Optimisten wie selten.

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