Es ist Advent!

Heute will ich mal wieder ein aktuelles Thema abseits der Börse thematisieren, das aber sehr wohl Konsequenzen auch für die Klarheit unserer Börsengedanken in den kommenden Wochen hat. Gerade in den kommenden Wochen bestehen gute Chancen an den Börsen und dann wird es wichtig sein, sich zum neuen Jahresanfang sauber aufzustellen.

Denn der Advent ist da und Weihnachten nicht mehr weit und wie jedes Jahr geht in vielen Familien und Büros nun die Hektik so richtig los, die dann bei einem mit Erwartungen überfrachteten Weihnachtsfest zu oft in Enttäuschungen und Stress endet.

Dieses Jahr wird durch Covid der Druck auf die Familien mehrdimensional noch erhöht, einerseits ist es schwieriger und hektischer der vorweihnachtlichen Arbeit zwischen Lockdown, Schulausfällen und Quarantäne nachzugehen, andererseits steigen manchmal auch die Forderungen des familiären Umfeldes, dass man sich diese Weihnachten dann aber "mal endlich sehen muss" - mit der Betonung auf *muss*.

Dabei will ich ihnen falls nötig heute helfen, ein wenig Luft abzulassen und sich auf das Wesentliche zu besinnen. Ich will ihnen helfen den Mut zu finden zu ihrem Umfeld auch mal "Nein" zu sagen, um die Weihnachtsferien als den Ort der Zusammenkunft und Erholung zu schützen, der er gerade in diesem Jahr sein muss!

Wobei es dieses Jahr ja einfach ist, wenn man sich hinter Vorwänden verbergen will, statt mal klar die eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren. Die Regeln des Lockdowns verhindern schon von alleine zu stressige Grossfeste und können insofern wunderbar als Ausrede dienen.

Ich persönlich empfinde es aber immer als eine Frage der Ehre, ein gewisses Maß an Ehrlichkeit in der Kommunikation an den Tag zu legen, statt sich hinter einer billigen Fassade zu verbergen. Und was soll schlecht daran sein, das eigene Bedürfnis nach Ruhe und Abschalten mal deutlich in der Familie zu kommunizieren? Wer das nicht verstehen und respektieren will, über den lernen wir so dann ja auch etwas.

Dabei diesen sozialen "Druck" zu relativieren - den man sich manchmal auch selber macht - hat mir früher oft ein "allerliebstes" Adventsgedicht von Loriot geholfen, das sie hier im Video sehen und im vollen Wortlauf nachlesen können:

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,
Schneeflöcklein leis herniedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel,
häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.
Und dort, von Ferne her durchbricht,
den dunklen Tann ein helles Licht.

Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer,
die Försterin im Herrenzimmer.
In dieser wunderschönen Nacht,
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei des Heimes Pflege,
seit langer Zeit schon sehr im Wege.
So kam sie mit sich überein:
Am Niklasabend muss es sein.

Und als das Häslein ging zur Ruh,
das Rehlein tat die Augen zu,
erlegte sie direkt von vorn,
den Gatten über Kimm und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase,
zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase,
und ruhet weiter süß im Dunkeln,
derweil die Sterne traulich funkeln.

Und in der guten Stube drinnen,
da läuft des Försters Blut von hinnen.
Nun muss die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen,
nach Weidmanns Sitte aufgebrochen.
Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied,
was der Gemahl bisher vermied.
Behält ein Teil Filet zurück
als festtägliches Bratenstück.
Und packt sodann, es geht auf vier,
die Reste in Geschenkpapier.

Von Ferne tönt's wie Silberschellen,
im Dorfe hört man Hunde bellen.
Wer ists, der in so tiefer Nacht,
so spät noch seine Runde macht?
Knecht Ruprecht kommt auf goldnem Schlitten,
mit einem Hirsch herangeritten.
Sagt, gute Frau, habt Ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?

Die sechs Pakete, heil'ger Mann,
s' ist alles, was ich geben kann.
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise,
die Silberschellen klingen leise,
im Försterhaus die Kerze brennt,
die Glocke klingt, es ist Advent.

Diese bitterbösen Zeilen tragen durchaus Wahrheit in sich, denn manchmal wird an diesen Festtagen eine Fassade der sozialen Konformität gelebt, hinter der sich Untiefen eröffnen, die wenig mit "Beschaulichkeit" zu tun haben.

Auch bei Familie Hoppenstedt können wir den gleichen Punkt unterhaltsam bewundern, Fassade versus Realität war bei Loriot oft das pointierte Thema und da viele der jüngeren Mitglieder ihn nicht mehr kennen werden, soll das auch dazu beitragen, dass sein schwarzer Humor nicht so schnell vergessen wird.

Wobei der Besuch bei Familie Hoppenstedt ja durchaus noch zum kulturellen Inventar des Landes gehört und im ÖRR an Heiligabend in vielen 3. Programmen läuft. -> Hier bei Facebook <- kann man es schon unabhängig von Heiligabend sehen und herzlich lachen.

Früher war mehr Lametta! 😀

Was will ich ihnen mit dieser Hommage an Victor von Bülow sagen?

Dass jetzt noch die Chance besteht, sich aus dieser Hektik und den Verpflichtungen etwas zu lösen und die ruhigen Tage über Weihnachten zu dem zu machen, was sie idealerweise sein sollten. Eine Phase der Ruhe und Besinnung, eine Phase des engen Zusammenseins mit den "wirklich Lieben", mit denen die uns wirklich etwas bedeuten und die wir um uns haben wollen.

Das ganze Jahr 2020 war sehr aufregend und teilweise auch hektisch, der Druck auf die Familien war hoch und höher als in normalen Jahren, insbesondere wenn auch wirtschaftliche Sorgen mit Covid kamen oder jemand Nahestehendes in der Familie schwer erkrankt war.

Da sollte man sich - wie ich persönlich finde - an diesen wichtigen, ruhigen Tagen nicht noch zusätzlichen Druck machen lassen. Da sollte man zum Wohle der "wirklich Lieben" auch mal das "Nein-Sagen" gegenüber dritten Erwartungen lernen, ein wirklich erholsames Weihnachtsfest wird so viel wahrscheinlicher.

Und die Frage wer uns etwas bedeutet, wird eben nicht durch soziale Konventionen und auch nicht durch genetische Verwandschaft bestimmt, das ist etwas was wir ganz individuell für uns beantworten müssen. Natürlich gehören die Kinder dazu, die Eltern meistens auch, wenn auch nicht bei allen. Aber darüber hinaus wird es oft schon dünn, der Besuch der berühmten "buckeligen Verwandtschaft" kann oft in Frage gestellt werden, außer diese Menschen bedeuten uns eben wirklich etwas.

Und auch die vorweihnachtliche Hektik in den Betrieben spielt eine Rolle, kann aber auch manchmal umgangen oder veringert werden, wenn man eine gewisse Kompromisslosigkeit an den Tag legt, mit der man sich nicht immer Freunde macht, die aber zum Schutz des eigenen Seelenheils in großer Hektik nötig ist. Nicht immer ist das in Betrieben möglich, wer am Jahresende zB eine Inventur machen muss, hat wenig Chancen, aber man kann es ja wenigstens mal versuchen.

Für meine Familie und mich in finanzieller Freiheit ist das glücklicherweise recht einfach, wir können uns weitgehend von der Hektik abkoppeln, nur durch unseren Sohn werden wir hereingezogen, denn auch in der Schule sollen vor Weihnachten noch Schularbeiten geschrieben werden.

Aber auch sie sind diesem vorweihnachtlichen "Irrsinn" nicht völlig hilflos ausgeliefert, es gibt viele kleine Dinge auf die man verzichten, denen man aus dem Weg gehen oder bei denen man "Nein" sagen kann, man muss nur so zu denken anfangen, statt es aller Welt gleichzeitig recht machen zu wollen!

Ich plädiere mit diesem Beitrag also für das "Nein-Sagen" vor den Feiertagen, für die Begrenzung auf die "wirklich Lieben" und dafür auch an sich selber zu denken und sich als Familie die Erholung zu holen, die nach diesem aufregenden Jahr so dringend nötig ist. Dieses Plädoyer passt zwar auch hervorragend zu den Anforderungen einer Pandemie, ist davon aber völlig unabhängig und hätte ich auch im Vorjahr so schreiben können - dieses Jahr wird es aber dringender.

Wir praktizieren das als 3er Familie schon immer und unser Sohn ist bald 13, liebt aber Weihnachten und die Feiertage immer noch, vor allem weil es die Zeit ist, in der Mama und Papa mal *richtig* Zeit und Aufmerksamkeit haben und nicht nur eingequetscht sind in einen Tagesrhythmus und allerlei Verpflichtungen. Wenn wir es der halben Welt recht machen oder das Weihnachtsfest mit Erwartungen überfrachten wollten, hätten wir diese Zeit wieder nicht!

Natürlich will ich ihnen in keinster Weise hereinreden, wie sie ihr Weihnachtsfest feiern. Machen sie das, wie es für sie am Besten ist und wenn sie Spaß und Freude an großen, aufwendigen Feiern und Festen haben, wenn sie das entspannt und erfreut statt sie zu stressen, dann ist das doch genau richtig so!

Aber ich weiss eben auch sehr genau aus vielen Gesprächen in vielen Jahren meines Lebens, dass es viele Familien gibt, die sich jedes Jahr in einen weihnachtlichen Trubel und soziale Verpflichtungen ziehen lassen, die sie eigentlich gar nicht wollen. Und denen trotzdem die Kraft fehlt, einfach mal *Nein* zu sagen und sich auf sich selber zu besinnen. Hinterher schauen sich die Ehepartner dann erschöpft an und versprechen sich, es nächstes Jahr besser und ruhiger zu machen und im folgenden Jahr ist es doch wieder unverändert hektisch.

Die Fähigkeit zu wissen was man will und das auch konsequent zu verfolgen, ist im Leben sowieso ein klarer Erfolgsfaktor, man sollte nicht ziellos durch das Leben getrieben werden. Und wenn man weiss was man will, muss man dafür links und rechts auch mal Nein sagen können, sonst kommt man nie am Ziel an.

Natürlich hört man dann auch den Vorwurf der "Rücksichtslosigkeit" gerne einmal, jeder Mensch der im Leben richtig etwas bewegt muss dafür auch Widerstände überwinden und wird den Vorwurf der Rücksichtslosigkeit früher oder später von Enttäuschten am Wegesrand hören.

Der Vorwurf ist aber in der Regel unberechtigt, weil es steht nirgendwo geschrieben, dass man es immer allen gleichzeitig recht machen muss. Es ist noch nicht einmal möglich es allen recht zu machen und wäre total kontraproduktiv, denn Fortschritt und Entwicklung geht immer mit Reibung einher und die erzeugt Hitze.

Solange sie ihre Energie ausreichend auf die Menschen richten, die ihnen wirklich etwas bedeuten und bei denen sie echte Verpflichtungen haben, solange sind sie auch nicht rücksichtslos, sondern nur fokussiert und das ist gut so. Lassen sie solche Vorwürfe dann einfach gelassen an sich abgleiten.

Also, ich wünsche ihnen allen schon jetzt einen schönen Advent und dann auch schöne Feiertage!

Die Grundlage dafür wird aber *jetzt* gelegt, in dem man diese Tage nicht mit Erwartungen und Verpflichtungen so überfrachtet, dass sie nur noch eine Fortsetzung der Terminhetze im Beruf sind.

Die Tage um den Jahreswechsel sind eine große Chance für uns alle, zu keiner Phase im Jahr kann man so viel Ruhe finden - wenn man die Ruhe zulässt.

Wenn die Rückbesinnung auf Loriot dabei helfen konnte, dann war dieser Artikel gut investierte Zeit.

Ihr Hari

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Beständiger Wandel

Am Montag vor fast 2 Wochen, am 09.11.20, hat der Markt etwas getan, was er sonst äusserst selten tut, denn es heisst völlig zurecht "zum Einstieg wird nicht geklingelt".

Aber keine Regel ohne bestätigende Ausnahme und diese Ausnahme war wohl am 09.11. und kam mit der Nachricht von der Covid-Impfung von Biontech (BNTX) / Pfizer (PFE), der ja bald danach auch die Erfolgs-Nachricht von Moderna (MRNA) folgte. Was in Summe sehr wahrscheinlich macht, dass wir im Laufe des Jahres 2021 eine Impfung haben und Covid dann im Laufe des Jahres langsam und stetig weniger wichtig für die Unternehmen wird.

Gleich an diesem Montag 09.11. habe ich die grundlegende Bedeutung erkannt und die Community deutlich darauf hingewiesen, dass dieser Tag wahrscheinlich aus Sicht der Börse den "Anfang vom Ende von Covid" bedeutet. Und dass nun endlich die Zeit gekommen ist, auch wieder einen Blick auf die schwer von der Pandemie getroffenen Sektoren wie Öl, Reise, Vergnügungsparks, Luftfahrt etc zu werfen.

Dass wir da gleich am ersten Tag so sicher waren liegt am Verständnis, wodurch Kurse bewegt werden. Wie ich hier vielfach erklärt haben, werden Kurse eben durch -> Erwartungen <- bewegt, die sich in die Zukunft richten und dabei einen Zeitraum von ca. 6 - 12 Monaten, also bis zu ca. einem Jahr im engen Fokus haben.

Die Kurse von heute zeigen also, was der Markt von einer Aktie in ca. 6-12 Monaten erwartet, nicht was die Realität des Unternehmens heute in der Gegenwart ist. Dieser Unterschied ist zentral und wer den nicht versteht, wird auch nie die Bewegungen des Markes verstehen können.

Natürlich steht den Unternehmen nun objektiv ein anstrengender Covid-Winter bevor und die oben genannten Sektoren werden in den kommenden Monaten weiter schwer getroffen sein. Mit den Kursen bepreist der Markt aber, was er nächsten Sommer/Herbst 2021 erwartet und da hat die berechtigte Aussicht auf Impfungen natürlich einen ganz wesentlichen Effekt.

Seit diesem 09.11. hat eine erneute Sektoren-Rotation an den Märkten stattgefunden, die weit gelaufenen Covid-Gewinner im NASDAQ sind in Korrektur-Bewegungen gewechselt, Sektoren und Aktien dagegen, die schwer unter Covid leiden, sind zum Leben erwacht.

Schauen sie nur als Beispiel mal auf Hexcel (HXL), einen Spezialisten für Verbundwerkstoffe (Composite-Material) im Flugzeugbau, wie die Aktie nun zu fliegen begonnen hat. Das Unternehmen ist natürlich stark von Boeing (BA) und Airbus (AIR) abhängig und natürlich hat sich aktuell in diesen Wochen in den Auftragsbüchern rein gar nichts an der Baisse geändert.

Die Aussicht aber auf ein Ende der Pandemie, der Blick auf 2021 lässt die Kurse schon heute massiv steigen. It´s the expectation stupid!

Umgedreht sieht die Geschichte aber bei den Impfaktien aus, wer glaubt die Nachricht dass die Impfungen kommen, sei nun der Katalysator für weitere Gewinne, hat auch den Mechanismus des Marktes nicht verstanden.

Die Erwartungen waren schon in den Kursen, jetzt wird sich der Fokus darauf richten, dass wahrscheinlich nur die ersten 2-3 Anbíeter im Rennen das große Geld machen können und alle anderen zu großen Teilen auf den Investitionen sitzenbleiben.

Schauen sie im Weekly wie Biontech (BNTX) und Moderna (MRNA) auf die Nachricht reagiert haben und wann die Aktien gestiegen sind - im Vorfeld! Das Thema ist überwiegend "gegessen", "it´s the expectation stupid!

Diese Erkenntnis, dass eine Impfung in 2021 kommt, hat aber natürlich Auswirkungen auf den ganzen Markt. Und deswegen ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, ab dem man die zurückgebliebenen Sektoren auch wieder eines Blickes würdigen darf - nicht im April diesen Jahres.

Wer sich im Frühjahr Öl-Aktien wie Shell ins Depot gelegt hat, weil diese ja "so billig" seien, hat sich nur nervige Verluste ins Depot geholt, während mit den "stay at home" Tech-Aktien absehbar viele Verdoppler möglich waren.

Ob Öl-Aktien noch ein langfristiges Investment sind, ist äusserst fraglich - ich halte solche Aktien seit vielen Jahren nicht mehr als Investment - aber zumindest als Trade ist jetzt mit der erneuten Rotation die Zeit gekommen auch mal wieder in die zurück gebliebenen Sektoren zu schauen - aber eben nicht im letzten Frühjahr.

Damit will ich auch hier im freien Bereich schon wieder schliessen. Die Kunst für mittel- und langfristige Anleger ist jetzt, von einer reinen Fokussierung auf die Covid-Gewinner wegzukommen und eine balanciertere Aufstellung zu finden.

Viele der Techaktien werden fraglos weiter zu den langfristigen Gewinnern gehören, weil die dahinterliegenden Trends zwar von Covid beschleunigt wurden, aber viel grundlegender sind. Und nicht jeder der verprügelten Sektoren wird schnell wieder zu alten Tagen zurückkehren, weil Covid auch Dinge dauerhaft verändern wird - so zum Beispiel den Anstieg von verteilter Heimarbeit und von Videokonferenzen.

Niemand sollte nun also seine Depots 180 Grad auf den Kopf stellen, wer Wachstum und dauerhaft steigende Kurse im Depot will, muss weiter vor allem auf den NASDAQ schauen.

Aber nicht jeder Covid-Gewinner wird seine Gewinne in die Zeit danach retten können, die Hersteller von Masken sollten dafür ein sehr einfaches Beispiel sein. Wer jetzt also den erneuten Wandel, die erneute Rotation der Märkte nicht sehen kann und will, wird den gleichen Fehler wie im Frühjahr erneut machen.

Beständig ist am Markt eben nur der Wandel und es sind und bleiben die Erwartungen, die Kurse bestimmen! Die Gegenwart ist dagegen "kalter Kaffee". 😉

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Bidens Aktien richtig verstanden

Die US Wahl rückt näher, eine gute Woche, dann wird es ernst.

Zum Wahlausgang will ich mich nicht an der Raterei beteiligen, nur darauf hinweisen, dass die Erfahrung von 2016 den Wählern und Demoskopen noch in den Knochen steckt. Wenn sie wieder einen Fehler machen, dann wahrscheinlich eher einen Neuen, als den gleichen Fehler noch einmal. Überraschend sind eben eher die Dinge mit denen niemand rechnet und nicht, was man nach einer Vorerfahrung schon auf dem Radar hat.

Zeitgleich mit der näher kommenden Wahl, schwellen nun aber auch die Artikel zu Bidens möglicher Wahl deutlich an, die im Sinne "diese Aktien müssen sie kaufen wenn Biden Präsident wird", die Favoriten der möglichen neuen Präsidentschaft thematisieren.

Das macht ja auch Sinn, nur kommt es teilweise zu spät und vor allem verkennen diese Artikel gerne, dass der Markt das ja auch alles schon längst weiss.

Mal konkret, am 15. Juli habe ich der Comunity mit dem Artikel -> Bidens Aktien <- einen ersten Überblick gegeben.

Selbstverständlich hat der Artikel unter anderem auch die absehbare Präferenz der Demokraten für "Clean Energy" und damit für Aktien wie NextEra Energy (NEE), Enphase Energy (ENPH) oder die Solarwerte generell thematisiert.

Und selbstverständlich war da auch klar, dass die Ölwerte eher "Trump Werte" sind, das zu wissen erfordert wirklich keine Raketenwissenschaft, sondern war und ist offensichtlich.

Diese Erkenntnis im Juli, hat uns ermöglicht zum Beispiel im Clean Energy Sektor an solchen Bewegungen teilzuhaben, wie híer bei den Sektor-ETFs iShares Clean Energy (ICLN) und Invesco Solar (TAN).

Ich habe mir erlaubt, den 15.07. mal zu markieren:

Sie sehen, was danach passiert ist und sie sehen, wie massiv das Volumen angeschwollen ist. Große Adressen haben sich also danach in den Sektor eingekauft.

Und damit kommen wir zum Kern dessen, was ich ihnen hier und heute vermitteln will. Denn warum ist das wohl so? Warum haben sich die großen Adressen dann eingekauft?

Eben weil die nicht dümmer als wir sind. Weil der Markt auch weiss, was wir wissen. Weil die Erkenntnis, dass Clean Energy ein Biden Sektor ist, auch im Juli jeder haben konnte.

Und jetzt frage ich sie noch einmal: Was glauben sie welchen Wert es hat, wenn jetzt ein paar Tage vor der Wahl Artikel auf die "grandiose" Idee kommen, ihren Lesern diesen Sektor als Biden-Sektor zu empfehlen?

Der Punkt ist, das hat der Markt schon zu guten Teilen verarbeitet, der Kuchen ist also schon zumindest teilweise aufgegessen.

Ich sage bewusst *teilweise*, weil ja noch erhebliche Unsicherheit über der Wahl liegt und der Markt also auch noch nicht voll auf diese Aktien setzen kann.

Wenn Biden also klar gewinnen sollte, kann es gut sein, dass dieser Sektor dann noch einmal einen deutlichen Freudensprung macht, weil die letzten Nachzügler die das erkennen, die Aktien dann als Letzte in der Nahrungskette auch noch kaufen.

Dann spätestens aber dürfte der Sektor erst einmal reif zumindest für eine Konsolidierung sein, weil eben jeder der sich einkaufen will, das schon getan hat - die Mehrheit schon vorher, wie die Charts klar sagen.

Kurse steigen eben, wenn -> die Nachfrage überwiegt <- und wenn alle schon gekauft haben, die kaufen wollten, geht die Nachfrage zurück.

Das bedeutet nicht, dass der Sektor dann wieder ernsthaft fallen muss. Viele Faktoren wirken auf die Kurse und eine allgemeine Rally nach der Wahl hebt alle Boote, auch diese Sektoren. Es heisst nur, dass ein guter Teil der Chancen schon verfrühstückt wurde.

Man muss jetzt auch unbedingt den Zeithorizont auseinanderhalten. Denn es spricht viel dafür, dass der Clean Energy Sektor auch langfristig eine gute Performance hinlegen wird, egal wer die Wahl gewinnt. Und wenn später die richtige Gesetzgebung von der neuen Administration kommt, dann kann der Sektor durchaus nach einer Pause weiter steigen, weil diese Gesetzgebung ist dann ja wieder eine Neuigkeit. Das ist eben eine mittel- und langfristige Zukunft, die noch nicht geschrieben ist.

Ich speche hier aber über das kurzfristige Geschehen um die Wahl und da hat der Sektor nun kein besonders gutes Chance/Risiko-Verhältnis mehr. Denn die Erwartung eines Biden-Sieges ist vermutlich zu guten Teilen in den Kursen und reicht vielleicht noch für einen finalen Freudenschub vor einer Konsolidierungsphase. Ein Trump-Sieg dagegen würde wohl einigen Druck auf den Sektor machen.

Der Markt weiss eben mehr als wir oder zumindest genau so viel - auf keinen Fall aber weniger! Wer 7 Tage vor der Wahl glaubt mit der Erkenntnis dass Solar ein "Biden-Sektor" ist noch einen Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern zu haben, glaubt auch ernsthaft dass der Rest des Marktes nur aus Dummbeuteln besteht, die 2 und 2 nicht zusammenzählen können.

Merke:

Die richtige Erkenntnis zu spät zu haben, ist am reflexiven Markt leider oft nur eine andere Formulierung für "falsch". Der Markt als die gebündelte Erwartung aller Marktteilnehmer, weiss in der Regel mehr als wir und wir tun als Anleger gut daran, das nie zu vergessen.

Kurse werden auch nicht von Nachrichten gemacht, Kurse werden durch das Delta der Erwartungen gemacht, Erwartungen die durch Nachrichten beeinflusst werden.

Wie ich ihnen erst diesen Mai in -> Der Markt und die Erwartungen <- ausführlich geschrieben habe gilt:

Was schon erwartet wurde, kann die Kurse kaum mehr bewegen.

Starke Kursbewegungen entstehen dagegen bei echten Überraschungen, bei denen die Erwartungen schnell und hart angepasst werden müssen, wie 2016 nach Trumps Wahl. Erinnert sich noch jemand, wie Carl Icahn schnell von der Wahlparty verschwand um Kaufaufträge zu platzieren? 😉

Was wir oben in den Charts sehen, ist teilweise die Anpassung von Erwartungen, als Bidens Sieg in den Umfragen wahrscheinlicher wurde. Nicht nur, viele Faktoren wirken auf die Kurse, aber auch!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Von Konsequenz – Wann man verkaufen muss



Wir sprechen oft über Setups und richtige Einstiege, wir sprechend über Techniken wie Stops, mit denen wir unser Risikomanagement gestalten.

Aber wissen wir eigentlich wann wir verkaufen *müssen*, mit der Betonung auf *müssen*?

Und vor allem, ist uns klar, dass es dafür eine universelle Antwort gibt? Eine Antwort, gegen die wir andauernd verstossen und auch deswegen in unangenehme Situation geraten?

Eine universelle Antwort für alle Arten von Handelsgeschäften, von Intraday-Trades bis zu mehrjährigen Investments, kann natürlich nur generisch sein - ist aber trotzdem wichtig.

Diese Antwort ist sehr schlicht und einfach. Hier ist sie:

Grund des Einstiegs und Grund des Ausstiegs bilden eine logische Einheit, das eine folgt aus dem anderen.

Für Stops habe ich Ihnen das Prinzip in einem Grundlagen-Artikel schon nahe gebracht:

-> Grundlagen der Stops III - Das Spiegelbild der Strategie <-

Darin heisst es:

Stop sind also immer das Spiegelbild der Strategie.

Wer keine Strategie und kein Setup hat, kann auch keine sinnvollen Stops haben!

...

Denken Sie also daran, wenn Sie sich das nächste Mal den Kopf zermartern, wo Sie denn nun den Stop hinsetzen sollen. Denn wenn Sie diese Frage plagt, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass das nur ein Indiz für ein weit schwerer wiegendes Problem ist: fehlende oder mangelnde Strategie!

Sie lösen das Problem dann auch nicht, in dem Sie "irgendwohin" einen Stops setzen. Sie lösen es nur, in dem Sie sich klar darüber werden, warum Sie diese Position eingegangen sind, was Sie davon erwarten und wann diese Erwartungen sich eindeutig als unzutreffend heraus gestellt haben. Genau das nennt man ein Setup. Wer ein präzise definiertes Setup hat, hat auch einen logischen Stop.

Das Prinzip ist aber universell und auch ganz logisch, denn egal ob Sie Daytrader oder Investor sind, es gab ja einen Grund, warum Sie eine Position eingegangen sind, Sie haben damit eine Erwartung verbunden.

Und diese Erwartung hängt wiederum von Kriterien oder Geschehnissen ab, die entweder eintreffen oder eben nicht.

Ihre Trade oder Ihr Investment ist genau dann gescheitert, wenn diese Erwartungen sich als falsch heraus gestellt haben! Das ist der Moment, an dem man verkaufen *muss* und sich die Lage nicht mit Hopium schön reden darf.

Bei einem Daytrader, der vielleicht gerade den Schub nach einer wichtigen Nachricht spielt, ist es die Erwartung, dass die Nachricht zu einer direktionalen Bewegung führt. Diese Bewegung will er dann mitnehmen, bis sie dreht. Er *muss* verkaufen, wenn entweder der Schub nicht kommt oder der Schub ausläuft. Beide Bedingungen sind das Spiegelbild der Absicht, mit der der Trade eröffnet wurde.

Bei einem SwingTrader, der eine mehrwöchige Ausbruchsbewegung spielen will, ist es die Erwartung, dass die Bewegung nun nicht mehr unter das Ausbruchsniveau zurückfällt und nach oben Fahrt aufnimmt. Und deshalb *muss* er verkaufen, wenn das passiert, was nicht passieren darf.

Bei einem Positionstrader, der eine mehrmonatige Mean-Reversion einer verprügelten Aktie spielen will, liegt die Erwartung vor, dass die Aktie eine Bodenbildung abgeschlossen hat und die Tiefststände nicht mehr sehen wird. Deshalb *muss* er verkaufen, wenn die Aktie doch zu neuen Tiefs läuft.

Bei einem Investor, der eine Aktie wegen ihres stabilen Dividendenwachstums kauft, *muss* diese Position in Frage gestellt und nach einiger Zeit verkauft werden, wenn das Wachstum verschwindet und das Management von seinem stabilen Pfad abweicht und das Geld für sinnlose Projekte zu verschleudern beginnt.

Bei einem Investor, der eine Aktie wegen ihres herausragenden Managements und dessen Track-Records kauft und lange halten will, *muss* diese Position in Frage gestellt und nach einiger Zeit verkauft werden, wenn dieses Management unter dubiosen Umständen das Weite sucht oder es zu Machtkämpfen kommt, die das Unternehmen belasten.

Ich könnte mit beliebigen Beispielen weitermachen, das Prinzip ist universell. Die Absicht und die Erwartungen, mit denen man eine Position eröffnet, sind auch die Kriterien, wann diese Position zu schliessen ist.

Nun werden aufmerksame, treue Leser einwenden, dass ich ja selber manchmal Trades umwidme. Ich steige zum Beispiel mit der Absicht eines kurzfristigen Swing-Trades ein und wenn das funktioniert und die Aktie Stärke zeigt, schliesse ich die Position nicht am ursprünglich beabsichtigten Ziel, sondern lasse sie als Positionstrade mit weitem Trailingstop weiterlaufen.

Diese Umwidmung ist kein Problem und legitim, wenn sie *bewusst* und rechtzeitig in einer Phase der Stärke vorgenommen wird. Eine Position kann sich also durchaus von einem in einen anderen Charakter entwickeln. Der Punkt an dem man verkaufen *muss*, ändert sich dann auch mit der geänderten Strategie, weil die Annahmen und Erwartungen nun andere sind, als vorher. Das Spiegelbild ist immer noch da, nur in einem anderen Spiegel.

Faktisch ist ein Umwidmung identisch dazu, ein Setup erfolgreich zu verkaufen und die gleiche Aktie eine Sekunde später für ein anderes Setup neu zu kaufen.

Der einzige Zeitpunkt, zu dem man das aber machen darf, ist in einem Moment der Stärke, wenn Dinge besser funktionieren, als man erwartet hat.

*NIE* aber, wirklich *NIE*, darf man das in einem Krisenmoment machen und sich damit die Lage schönreden und so zB einen Trade in ein Investment umwidmen!

Denn wenn eine Aktie die Erwartung nicht erfüllt und nicht macht, was sie ursprünglich sollte, dann *muss* man gnadenlos verkaufen!

Und wissen Sie was? Genau an dieser Stelle wird permanent Schindluder betrieben und sich selbst belogen, weil unser Affenhirn Verluste nicht realisieren will und lieber hofft.

Manchmal bekomme ich Fragen, wo denn nun bei einem bestehenden Trade ein Stop zu setzen wäre. Meine Antwort kennen Sie dann:

Erkläre mir Deine Strategie, Deine Absicht bei dieser Position, dann kennst Du Deinen Stop sofort selber!

Denn der Ausstieg muss immer das Spiegelbild der Strategie sein. Und wenn man die Strategie in einer Phase der Stärke ändert, ist es immer noch das Spiegelbild - der neuen Strategie.

Wer als Trader also wissen will, wo der eigene Stop hingehört, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Absichten des Trades nicht gut genug definiert.

Wer als Investor unsicher ist, wann er eine Aktie wieder verkaufen soll, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Absichten des Investments - das "Warum" - nicht gut genug definiert.

Denn wenn man das "Warum" kennt, weiss man auch wann Schluß zu sein hat und was man ignorieren kann, weil es das "warum" nicht in Frage stellt.

Besonders oft findet man dieses Fehlverhalten bei den Anlegern, die etwas kaufen, weil sie irgendwo in einem Magazin etwas gelesen haben oder weil irgendjemand was gesagt hat. Das ist nie eine Grundlage, weil es dann zu oft keine klar definierten Absichten und Erwartungen, also keine Strategie gibt. Und wenn es die nicht gibt, wissen die Anleger dann auch nicht, wann sie zu verkaufen haben.

Aber das ist keine Schwäche weniger Einzelner, sondern eher eine Art Massenepedemie, die die Mehrzahl der Anleger befallen hat. Wenn Aktien nicht machen was sie sollen, werden sie schön geredet und Hopium geatmet, statt konsequent zu sein. Und wenn Trades schon nach 2 Tagen wegkippen, werden sie schon im Minus zum langfristigen Investment umgewidmet.

DAS IST ALLES GRUNDLEGEND FALSCH!!

Verwenden Sie lieber Energie darauf, Ihre Absichten eines Trades bzw eines Investments klar zu definieren. Wenn Sie genau wissen, *warum* Sie machen was Sie machen, wissen Sie zwangsläufig auch, wann diese Annahmen sich als falsch heraus gestellt haben.

Einstieg und Ausstieg müssen eine Einheit sein. Beides gehört zusammen, denn die Verbindung sind die Absichten, die Strategie. Wenn man die aber gar nicht kennt, kann man auch nicht wissen, wann Schluß mit Lustig sein muss.

Dieses Prinzip der Konsequenz ist so einfach und trotzdem wird so oft und gnadenlos dagegen verstossen - in der Regel zum eigenen Nachteil. Unser Vincent kann uns vielleicht mal eine Idee davon vermitteln, warum das bei Menschen so ist und warum Konsequenz für uns so schwer ist.

Ihr Hari

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Warum das KGV kein Timing-Indikator ist

Es ist traurig wenn man sieht, an wie vielen Stellen unbedarfte Anleger immer wieder und immer wieder mit Sätzen penetriert werden, die ungefähr so lauten:

Die Aktie ist mit einem KGV von soundsoviel Prozent zu teuer (bzw billig)

Dieser Satz und alle Abwandlungen davon, ist aber reiner Quatsch - Punkt! Wer solche Sätze für sich alleine schreibt, impliziert damit direkt, daß er/sie besser weiß als der Rest des Marktes, was für eine Aktie die angemessenen Gewinnerwartungen sind. Viel Glück mit dieser Hybris, eines verspreche ich, zu Erfolg im Depot wird es nicht führen.

Denn das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) einer Aktie, spiegelt die Gewinnerwartungen des Marktes in die Zukunft wieder und nichts sonst. Also das Vielfache des Gewinns, das ein theoretischer Gesamtunternehmenskäufer für das Unternehmen aktuell bereit wäre zu zahlen.

Bei Unternehmen, denen man ein starkes Wachstum zubilligt, ist der Wert natürlich viel höher, als bei Unternehmen die nicht wachsen oder sogar schrumpfen. Wer wollte nicht eine Google im Jahr 1998 aufkaufen, oder? Eine Xerox dagegen eher nicht. Diesen Unterschied der zukünftigen Entwicklung, spiegelt das KGV wieder.

Ein kleines KGV ist also nicht Ausdruck einer "billigen "Aktie, sondern Ausdruck negativer Markterwartungen an die zukünftigen Gewinne. Und ein hohes KGV ist Ausdruck hoher Wachstums- und Gewinnerwartungen, sonst nichts. Man schaue noch einmal auf diesen Artikel zu Amazon aus 2016, nun ist der Kurs noch viel höher: -> Amazon - der Beweis für die Klugheit des Marktes <-

Das KGV ist also nichts weiter als eine Ist-Aufnahme der Erwartungen, die der Markt in der Gegenwart an den Gewinn eines Unternehmen hat.

Der obere Teil des KGV, der Kurs, wird dabei immer vom Markt brandaktuell ermittelt und stellt zu jedem Zeitpunkt die Summe der Erwartungen der Marktteilnehmer dar. Der untere Teil des KGVs aber, der Gewinn, wird aber auf Basis von manchmal mehrere Monate alten Daten - dem letzten Quartals-Gewinn bzw letzten Gewinn-Forecast nämlich - berechnet, womit das KGV in besonderen Fällen sogar völlig veraltet sein und auf die falsche Fährte führen kann, dazu unten mehr für Zykliker.

Abgesehen davon, eine Ist-Aufnahme der Erwartungen, kann immer richtig oder falsch sein, der Markt kann die Lage überschätzen, unterschätzen oder richtig sehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt die Risiken unterschätzt, ist bei einem KGV von 100 keineswegs größer als bei einem KGV von 10, auch wenn unser Affenhirn uns so etwas einflüstert. Und die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt die Chancen unterschätzt, ist ebenso bei einem KGV von 10 nicht größer, als bei einem KGV von 100. Beides sind nur rechnerische Grö0en, die sich jederzeit verdoppeln oder halbieren können.

Ich könnte das nun mit endlosen Charts im Stile Amazons belegen oder mit "Gurken", die mit KGV von 6 immer weiter fallen und am Ende Pleite gehen. Die Friedhöfe der Börsen sind voll mit solchen Aktien. Ich brauche aber hier nichts zu beweisen, entweder Sie erkennen die Wahrheit darin, oder lassen es bleiben.

Was ich Ihnen aber noch zur Unterstützung des Themas in Erinnerung rufen will, ist ein alter Artikel aus dem Jahr 2012 - ja diesen Blog gibt es mittlerweile schon mehr als 6 Jahre. 😉

Er heisst -> Warum billige Zykliker teuer sind und umgedreht <- und erklärt am Beispiel einer speziellen Art von Aktie, wie das KGV völlig falsche Signale geben kann, wenn es nicht richtig verstanden wird.

Hier ist der Artikel im vollen Wortlaut noch einmal:

Gerne wird ja das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Anlegern benutzt, um einzuschätzen, ob eine Aktie "billig" oder "teuer" ist. Wie sehr dieses Kriterium aber bei Zyklikern in die Irre führt, will ich mit Ihnen heute besprechen.

Zyklische Aktien wie zum Beispiel Stahl, laufen ja in der Regel mit der Konjunktur in Wellen - auch Schweinezyklus genannt. Der Ablauf ist dabei immer der gleiche. Eine anziehende Konjunktur sorgt für erhöhte Nachfrage. Das treibt bei bestehendem Angebot die Preise und die Gewinne der Unternehmen. Was wiederum zur Kapazitätsausweitung und Investitionen der Zykliker führt - siehe die neuen Stahlwerke von ThyssenKrupp. Diese Kapazitätsausweitungen werden solange vom Markt aufgesogen, solange die Nachfrage weiter steigt, was wiederum zu erneuten Kapazitätsausweitungen führt.

Irgendwann steigt die Nachfrage nicht mehr, die Kapazität steigt aber weiter, weil diese Investionen ja Jahre brauchen bis sie den Markt erreichen. So trifft dann am Höhepunkt der Konjunktur eine seitwärts laufende oder leicht fallende Nachfrage auf immer weiter steigende Kapazitäten, was zwangsläufig den Preis ins Bodenlose drückt. Der sinkende Preis sorgt für die Abschaltung oder Aufgabe von Kapazitäten, solange bis die Nachfrage nicht mehr fällt und eine wieder steigende Nachfrage auf immer noch fallende Kapazitäten trifft. Und so setzt sich eine neue Runde des Schweinezyklus in Bewegung.

Der Grund für diesen Effekt liegt also in der zeitlichen Disparität zwischen der Entwicklung der Nachfrage und der Entwicklung der kapitalintensiven Produktionskapazitäten.

Schauen wie uns nun einmal an, wie sich die Aktien der Zykliker und das KGV entwickeln. Und hier haben wir auch eine massive Disparität zwischen den Gewinnschätzungen und dem Kursverlauf, die von unerfahrenen Anlegern immer wieder falsch interpretiert wird. Denn die Gewinnschätzungen laufen der Wirklichkeit um Monate nach. Die Kursentwicklung läuft aber der Konjunkturentwicklung vor, weil der Aktienmarkt ein ausgezeichneter konjunktureller Frühindikator ist.

Am Höhepunkt des Booms werden die Gewinne der Zykliker in die Folgejahre fortgeschrieben, was auf dem Papier zu sehr geringen KGVs führt. Auf dem Höhepunkt sehen die Aktien also "billig" aus. Und wenn dann der Frühindikator "Mr. Market" schon zu fallen beginnt, werden die Kurse optisch nur noch billiger, was viele veranlasst, dann 20% unter dem Zyklushoch die Aktien für "sehr billig" zu halten. Sie sehen aber nur so aus, weil die Gewinne des Aufschwungs einfach fortgeschrieben wurden. In Wirklichkeit hat der Absturz gerade erst begonnen.

Umgedreht ist es am Tiefpunkt. Der Tiefpunkt ist typischerweise dadurch gekennzeichnet, dass die Firmen kein Geld mehr verdienen, weil der Marktpreis ins Bodenlose gefallen ist. Genau dann werden die Entscheidungen getroffen Kapazität abzubauen und aus dem Markt zu nehmen. Und genau dann sehen die KGVs extrem hoch aus, da sind 50 oder 60 durchaus möglich - was kein Wunder ist, wenn die Firmen kaum mehr Geld verdienen. Genau dann stabilisiert sich aber der Marktpreis und die Gewinne beginnen wieder zu fliessen, was die KGVs dann ganz schnell wieder in normale Regionen bringt.

Abweichend von dem was unerfahrene Anleger erwarten würden, gilt also:

-> Der beste Zeitpunkt einen Zykliker zu verkaufen ist dann, wenn die Aktie optisch billig aussieht und die Kurse aber schon fallen und sich gerade ein neuer Abwärtstrend etabliert.

Genau in diesem Moment kauft Otto Normalanleger aber, weil die vermeintlich billigen Kurse den "Buy-the-Dip" Reflex auslösen.

-> Der beste Zeitpunkt einen Zykliker zu kaufen ist dann, wenn die Aktie optisch teuer aussieht und die Kurse aber wieder steigen und sich gerade ein neuer Aufwärtstrend etabliert.

Genau in diesem Moment traut sich Otto Normalanleger aber nicht zu kaufen. Vielmehr ist der Kursanstieg bei so "hoher" Bewertung für ihn das Signal, nun endlich seine Verluste zu realisieren und endgültig auszusteigen, nachdem er den gesamten Absturz bis dahin brav ausgesessen hatte.

Das Fazit ist, dass das KGV für sich alleine kein Timing-Indikator ist. Punkt. Es kann zusammen mit anderen Informationen eine hilfreiche Information zur Entscheidungsfindung liefern, aber nur wenn man versteht was es ist:

Eine Ist-Aufnahme der Gewinn-Erwartungen des Marktes an eine Aktie und sonst gar nichts!

Ihr Hari

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Italienische Erwartungen



Guten Morgen!

Zunächst einmal will ich erneut daran erinnern, dass es heute durch eine kleine OP bei mir um 14 Uhr keinen regulären Wallstreet-Stream gibt. Wenn es mir gut genug geht, melde ich mich aber gegen 18 Uhr mit einer kurzen Sicht auf den Markt. Ab Morgen läuft alles ganz normal, inklusive Wallstreet Stream.

Wenig überraschend, gibt es heute früh wenig Neues zu berichten. Die Wallstreet liegt ja noch im Schlaf und auf einen anämischen Tag am deutschen Markt, schließt sich ein ebenso anämischer Morgen an.

Aber das wird sicher ab Mittag anders, die Wallstreet hat heute die Voraussetzungen für größere Bewegungen, denn der Markt muss sich nun entscheiden, ob er doch noch einen Retest vollziehen oder direkt zu den Hochs durchstarten will:

Urban Carmel hat die Lage gestern - wie immer sehr lesenswert - analysiert: -> Weekly Market Summary <-

Der Tenor lautet wie folgt und deckt sich völlig mit meiner Marktsicht:

In summary, the rebound in US equities has been strong enough and persistent enough to suggest that it has further to run. Sentiment and volatility backwardation support that view. However, a low retest over the coming weeks is still a viable risk.

Der DAX eröffnet heute mit leicht positivem Ton, ich würde da aber nichts hinein interpretieren, wie das Chart oben impliziert, ist weitgehend offen wie die US Märkte die Woche beginnen.

Ganz interessant ist heute vielleicht ein Blick rund um die Welt und die Frage, was der Nikkei so treibt. Schauen wir mal selber im ganz langfristigen Bild mit Monatskerzen:

Das sieht sehr bullisch aus, grosse Konsolidierung 2015-2017 und nun Ausbruch und gerade eben erfolgter Retest. Wie präzise das ein Retest genau auf das Ausbruchsniveau von 2015 war, zeigt ein Blick auf die Wochenkerzen:

Für mich ist das klar ein eher bullisches Bild und da der japanische Aktienmarkt zu den wichtigsten der Welt gehört, ist das ein weiterer Baustein im Bild, dass der Bullenmarkt fortbesteht.

Interessant ist vielleicht auch, was im italienischen MIB40 vor der Parlamentswahl am 04.03.18 geschieht. Die Brüsseler Politik hat da ja einige Sorge vor einem Sieg der 5-Sterne-Bewegung, der Markt und der Euro scheinen aber eher unbesorgt.

Wir sehen einen relativ starken MIB40, der aus Sicht von 2018 immer noch im Plus steht und damit den superschwachen DAX klar schlägt, der völlig abgeschmiert ist:

Das ist doch erstaunlich oder? Aber selbst wenn wir auf Wochenkerzen wechseln und das ganze Jahr 2017 betrachten, sehen wir wie viel stärker und strukturell bullisch der MIB40 zum DAX ist:

Wenn wir dagegen 2016 vergleichen, war es genau umgedreht. Wenn wir nun unser Wissen in die Waagschale werfen, dass am Markt ja Zukunft gehandelt wird, dann macht dieses Chartbild eine klare Aussage über die Erwartungen, die ausländische Investoren hinsichtlich Deutschland haben.

Es sind keine guten Erwartungen, es sind Erwartungen unsicherer Regierung, tendentiell wirtschaftsfeindlicher Politik und einer zunehmenden gesellschaftlichen Destabilisierung. Und doch, das was wir hier vor Ort erleben, kommt sehr wohl bei den großen US Investoren an, die sind gut informiert. Die interessiert aber nur die Auswirkung auf die Unternehmen und keine kulturellen Fragen. Aber auch für die Unternehmen sieht es in einer neuen Gruko der Umverteiler nicht rosig aus, die Mittelstandsvereinigung der Union hat ja schon klare Worte gefunden.

Ausserdem gibt es da ja noch den bei den Mittelmeer-Anrainern allgemein umjubelten Umstand, dass da nun eine SPD an den Schalthebeln des Finanzministeriums sitzt, die das Geld der deutschen Bürger nur zu gerne auf dem Altar Brüsseler Begehrlichkeiten opfern möchte - natürlich nur der höheren Sache wegen, das ist ja immer so. Dass dieser Umstand eher für Investitionen in Italien und gegen Investitionen in Deutschland spricht, sollte selbsterklärend sein. Wozu Minister und Kanzler ihren Amtseid schwören, dessen Sinn sie dann in das Gegenteil verkehren, kann mir mittlerweile auch niemand mehr erklären.

Hier ist, was Artikel 56 des Grundgesetzes festlegt und was unsere Minister und Kanzler schwören:

Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.

Dem Wohle des deutschen Volkes. Von anderen Völkern ist nicht die Rede. Von Migranten auch nicht. Was ja nicht das Kümmern um deren Schicksal ausschliesst, das auszuschließen, ist nie die Absicht der Verfassungsväter gewesen. Aber die Verfassung definiert eben einen Schwerpunkt des Strebens, die Hauptsorge sozusagen, für dessen Wohlergehen Politiker vor allen anderen Erwägungen verantwortlich sind. Und das ist das Wohle des deutschen Volkes, wenn Eide und Verfassung noch etwas Wert sein sollen.

Schon lange ist das aber nur noch eine Worthülse und an der Stelle sind die Grünen weit ehrlicher als CDU oder SPD, die schon 2013 die Abschaffung dieser Formel forderten: -> Steit um Eid auf deutsches Volk <-. Man kann den Grünen also nicht vorwerfen, sie würden keine klare, konsistente Position beziehen.

Ehrlich wäre, den Satz durch "Dem Wohle der europäischen Einigung" oder noch besser "Dem Wohle aller die hier leben" zu ersetzen, denn so wird es nun gelebt. Wobei dabei das Problem aufkommen würde, das "hier" zu definieren, denn dafür müsste man die Existenz von Grenzen ja zur Kenntnis nehmen.

Man sieht daran sehr schön was wirklich passiert ist, eine Ideologie des Globalismus, der geeinten Welt, hat einfach beschlossen den Sinn der Verfassung umzudeuten. Waren ja auch alles "Nazis" die Verfassungs-Väter und Mütter, wer vom "Volke" redet, steht doch sowieso in direkter Linie zum Volksgerichtshof der Nazis - oder etwa nicht?

Wobei ich selber als alter "Trekkie" diesen globalistischen Gedanken einer "geeinten Menschheit" ja durchaus gutheisse und nicht in die Welt der nationalstaatlichen Befindlichkeiten zurück will. Aber nicht so naiv und unter Ignorierung jeglicher kultureller und ökonomischer Zusammenhänge, wie das gerade geschieht. Das Projekt einer "geeinten Menschheit" ist ein langfristiges und diffiziles, das man nicht dadurch zum Durchbruch bringt, dass man nur noch von denen redet, die hier leben.

Zu große Naivität wird eher dazu führen, dass die alten nationalen Reflexe wiederkommen und sich archaische Riten und Kulturen wieder durchsetzen und mehr Schaden angerichtet wird, als Fortschritt für die Menschheit entsteht. Ein neues dunkles Zeitalter kommt eben immer im Mantel naiver, guter Absichten.

Aber wie auch immer, unsere Verfassungsväter haben anderes gewollt, aber wer sind diese dummen alten weissen Männer und Frauen der 50er Jahre schon, wenn grosse Weltenlenkerinnen das Alternativlose tun?

Auf jeden Fall scheint der Markt die Wahl in Italien ganz entspannt zu sehen. In Italien wird sowieso immer weiter gewurschtelt, das hat Tradition und eine Mitte-Rechts Regierung unter Mithilfe des "Untoten" Berlusconi, muss für die Unternehmen nichts Schlechtes bedeuten.

Übrigens, auch im deutschen Markt gibt es Aktien mir relativer Stärke, recht gut hat sich die hier im Forum schon erwähnte Kion Group mit ihren Gabelstablern gehalten. Der Aufwärtstrend ist weiter intakt und das Chartbild darf nach wie vor eher bullisch gewertet werden. Relative Stärke zum DAX ist eindeutig da:

So weit so kurz an diesem Dienstag Morgen, schauen wir, was die Wallstreet für uns in Petto hat.

Ihr Hari

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Warum „Solid Growth“ als Investment alles schlägt



Schon oft habe ich darüber gesprochen, nach welchen Aktien ich mit Vorliebe für mein Investment-Depot suche. In -> die richtigen Investments in der neuen industriellen Revolution <- habe ich das thematisiert und in vielen anderen Artikel auch.

Man kann sich dem Thema aber auch abstrakter nähern und das will ich heute tun. Denn ich predige ja immer zwei Weisheiten und habe mich schon lange gefragt, warum niemand mal nach einem vermeintlichen Widerspuch dazwischen fragt.

Weisheit 1:

Der Markt wird von Erwartungen bewegt und *nur* von Erwartungen. Der einzige Grund eine Aktie heute zu kaufen ist die Annahme, daraus in Zukunft einen positiven Ertrag ziehen, entweder in Form von Kursgewinnen oder Ausschüttungen. In jedem Fall ist es aber eine positive Erwartung, die den Kauf auslöst. Ob eine Aktie im letzten Jahr gute Zahlen hatte, ist also ohne Relevanz für uns. Ob wir aus den Zahlen die Erwartung ableiten können, dass diese nächstes Jahr *noch* besser werden, ist die entscheidende Frage die die Kursentwicklung bestimmt.

Weisheit 2:

Der Markt ist in der Regel klüger als wir, er weiss mehr und schätzt die Zukunft besser ein als wir. In den Kursen ist also als Ergebnis der Schwarmintelligenz "Markt" die bestmögliche "Prognose" für ein Unternehmen schon enthalten.

Ich denke beide Weisheiten sind akzeptiert. Warum aber, ist dann so ein Chart wie zB bei Danaher (DHR) überhaupt möglich? Und warum hat sich das noch niemand gefragt?

Wenn der Markt doch so klug ist und in die Zukunft schaut, warum ist ihm dann nicht gleich klar, dass Danaher Jahr um Jahr weiter wachsen wird? Warum hat der Markt dem Unternehmen dann nicht schon 2015 80 USD zugebilligt?

Die Antwort ist wichtig, denn Sie hat mit einer Art "blindem Fleck" des Marktes zu tun. Einem "blinden Fleck" aus dem wir als Investoren einen Vorteil ziehen können. Und ein "Blinder Fleck" der dazu führt, dass die Strategie "Solid Growth" zu kaufen, in meinen Augen langfristig alle anderen Strategien schlägt.

Denn wenn der Markt in die Zukunft schaut, ist ja die Frage "wie weit schaut er"? Die Antwort hängt natürlich vom Anleger ab.

Ein DayTrader kauft heute, weil er die Aktie heute Abend höher erwartet.

Ein SwingTrader kauft heute, weil er die Aktie in 2 Wochen höher erwartet.

Ein mittelfristiger "Investor" kauft heute, weil er die Aktie in einem Jahr höher erwartet.

Aber kauft jemand, weil er die Aktie in 10 Jahren höher erwartet?

Ich behaupte kaum jemand, diese Zukunft ist einfach zu weit weg, um dazu sinnvoll eine Meinung zu haben. Eigentlich ist ein Jahr von jetzt ein sinnvoller Zeitraum der Erwartung, der ja auch durch das Management mit seinen Forecasts immer abgedeckt wird.

Bis zu einem Jahr, kann man also mit einiger Bodenhaftung in die Zukunft einer Aktie schauen, danach wird es immer wildere Spekulation.

Und der Markt diskontiert diese Zukunft ja, was heisst, dass er Erwartungen an eine Zukunft in drei oder fünf Jahren sehr stark diskontiert. Was in anderen Worten bedeutet, dass diese kaum mehr in den Kurs einfliessen.

Und genau da haben wir den "blinden Fleck". Heisst konkret:

Die Erwartungen die in den Kursen stecken, reichen in der Regel nicht über 1 Jahr, maximal 2 Jahre hinaus. Weiter schaut der Markt mit seinen Erwartungen nicht, bzw die ferne Zukunft ist zu diskontiert.

Und deshalb entsteht ein Chart wie bei Danaher, weil der Markt jedes Jahr wieder "überrascht" ist, dass es doch so beständig weiter geht und seine Erwartungen daher weiter hoch schiebt.

Und genau daraus entsteht ein Edge für Investoren, wenn diese sich darauf konzentrieren, Aktien zu selektieren, die ein beständiges, solides Wachstum liefern. Aktien die ein Geschäftsmodell haben, bei denen Wachstum keine einmalige Aufwallung, sondern ein integraler, in die Unternehmens-DNA eingewobener Zustand ist.

Solche Aktien unterschätzt der Markt in der Gegenwart, weil er die Zukunft zu stark diskontiert. Solche Aktien sind sozusagen "Value", weil der Markt sie nicht ausreichend würdigt.

Die im Artikel oben genannten Aktien fallen in diese Kategorie. Aber auch viele der Big-Tech Konzerne wie zB eine Microsoft würde ich in diese Kategorie einordnen:

Wer langfristig investieren will und dabei einen überdurchschnittlichen Ertrag erzielen will, sollte daher sein Augenmerk auf "Solid Growth" richten. Auf Unternehmen, die beständiges Wachstum in ihrer DNA haben.

Das Gründeln bei Gurken und die Wette auf einen Rebound ist dagegen ein netter Trade, aber bedenken Sie, von der Rebound-Chance im nächsten Jahr weiss der Markt ja auch und bewertet sie in den Kursen. Bei solchen Aktien ringen wir also mit dem Markt um die "richtige" Bewertung.

Wenn wir aber Unternehmen identifizieren, die von ihrer Unternehmens-DNA her beständig wachsen und auch einen breiten Burggraben haben - sprich nicht so leicht zu attackieren sind - dann wird der Markt diese langfristig unterschätzen.

Deshalb entsteht ein Chart wie bei Amazon, obwohl schon vor 10 Jahren jeder ahnen konnte, dass Amazon auf dem Weg zur Dominanz im weltweiten Handel ist:

Der Markt unterschätzt beständiges Wachstum (Solid Growth), weil er die Zukunft jenseits von einem Jahr zu stark diskontiert. Und das ist unsere Chance als Investoren, wenn wir solche Unternehmen identifizieren können.

Finden können wir solche Unternehmen vor allem in den Sektoren, in denen Innovation zu Hause ist. Eher nicht bei Zyklikern, die schwanken langfristig nur und sind für 2-3 Jahre in einem Zyklus ein toller, langfristiger Trade, aber kein Investment, das einen "blinden Fleck" des Marktes ausnutzt.

Und woran erkennen wir solche Unternehmen im Chart? An permanenten Allzeithochs und *nicht* daran, dass sie um 50% eingebrochen sind!

Ihr Hari

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Der Punkt der erschöpften Erwartungen

Der folgende grundsätzliche Beitrag, erschien schon vor 2 Wochen am 13.10. in Hari Live. Mittlerweile notiert Öl wieder unter 50 USD und die antizipierte Korrektur scheint im Gange zu sein

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Heute will ich nur ganz kurz an einen zentralen Mechanismus erinnern, der den Markt auszeichnet. Einen Mechanismus, den wir unbedingt verstehen müssen.

Es ist der Punkt der erschöpften Erwartungen, der Punkt, an dem alle "guten" Nachrichten im Kurs sind und nun eine Leere eintritt, die ersten Zweifeln Raum gibt.

Denn der Markt wird ja von Erwartungen bewegt und *nur* von Erwartungen. Eine Nachricht die schon erwartet wurde, ist "alter Käse" und nicht mehr kursbewegend. In dem Moment aber, in dem Informationen den Markt erreichen, die eine Neubewertung der Zukunft erlauben, gerät dieser in Bewegung - seine Säfte beginnen sozusagen zu fliessen. 😉

Bei Öl können wir das gerade wunderbar beobachten. Der Newsflow war sehr positiv, die Einigung zwischen Saudi Arabien und Iran, Daten über den anziehenden Verbrauch und zuletzt Aussagen aus Russland, man würde sich bei der Förder-Begrenzung beteiligen, waren jedes Mal ein Schub, der zu einer Anpassung der Erwartungen führte und den Kurs getrieben hat.

Genau bis zu der Stelle, an der nun der grosse Ausbruch aus der iSKS anstehen würde:

wti-13-10-16-wochenkerzen

Und genau jetzt, versiegt der Strom der guten Nachrichten, denn was sollte denn jetzt auch noch kommen? Jetzt muss erst einmal geliefert werden und den Ankündigungen müssen echte Taten folgen. Es gibt also keine Nachrichten mehr, die den Markt zu einer positiven Anpassung der Erwartungen zwingen und das gibt nun Zweifeln Raum, sich Bahn zu brechen.

Sind das vielleicht nicht nur Worte, die da zu Förderbegrenzungen gesprochen wurden? Reicht die Disziplin der OPEC-Mitglieder aus, um die Ankündigungen wahr werden zu lassen? -> Will Putin den Öl-Deal wirklich? <-

Eine Hausse stirbt eben in der Euphorie. Sie läuft in dem Moment aus, in dem sich alles am Besten anfühlt, weil gerade alle positiven Nachrichten zusammen gekommen sind. Denn wenn alle positiven Nachrichten zusammen gekommen sind, können keine schnell mehr nachkommen und wenn keine mehr nachkommen, werden sich die Erwartungen nicht mehr nach oben verschieben und die Kurse können nicht mehr steigen.

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Der Punkt der erschöpften Erwartungen



Heute will ich nur ganz kurz an einen zentralen Mechanismus erinnern, der den Markt auszeichnet. Einen Mechanismus, den wir unbedingt verstehen müssen.

Es ist der Punkt der erschöpften Erwartungen, der Punkt, an dem alle "guten" Nachrichten im Kurs sind und nun eine Leere eintritt, die ersten Zweifeln Raum gibt.

Denn der Markt wird ja von Erwartungen bewegt und *nur* von Erwartungen. Eine Nachricht die schon erwartet wurde, ist "alter Käse" und nicht mehr kursbewegend. In dem Moment aber, in dem Informationen den Markt erreichen, die eine Neubewertung der Zukunft erlauben, gerät dieser in Bewegung - seine Säfte beginnen sozusagen zu fliessen. 😉

Bei Öl können wir das gerade wunderbar beobachten. Der Newsflow war sehr positiv, die Einigung zwischen Saudi Arabien und Iran, Daten über den anziehenden Verbrauch und zuletzt Aussagen aus Russland, man würde sich bei der Förder-Begrenzung beteiligen, waren jedes Mal ein Schub, der zu einer Anpassung der Erwartungen führte und den Kurs getrieben hat.

Genau bis zu der Stelle, an der nun der grosse Ausbruch aus der iSKS anstehen würde:

wti-13-10-16-wochenkerzen

Und genau jetzt, versiegt der Strom der guten Nachrichten, denn was sollte denn jetzt auch noch kommen? Jetzt muss erst einmal geliefert werden und den Ankündigungen müssen echte Taten folgen. Es gibt also keine Nachrichten mehr, die den Markt zu einer positiven Anpassung der Erwartungen zwingen und das gibt nun Zweifeln Raum, sich Bahn zu brechen.

Sind das vielleicht nicht nur Worte, die da zu Förderbegrenzungen gesprochen wurden? Reicht die Disziplin der OPEC-Mitglieder aus, um die Ankündigungen wahr werden zu lassen? -> Will Putin den Öl-Deal wirklich? <-

Eine Hausse stirbt eben in der Euphorie. Sie läuft in dem Moment aus, in dem sich alles am Besten anfühlt, weil gerade alle positiven Nachrichten zusammen gekommen sind. Denn wenn alle positiven Nachrichten zusammen gekommen sind, können keine schnell mehr nachkommen und wenn keine mehr nachkommen, werden sich die Erwartungen nicht mehr nach oben verschieben und die Kurse können nicht mehr steigen.

So funktioniert der Markt. So funktioniert das auch bei Öl. Der "Punkt der erschöpften Erwartungen" wurde gerade erreicht. Und deshalb dürfte Öl von hier erst einmal konsolidieren, so wie ich das in Blau als Szenario angemalt habe, ausser da kommt nun etwas ganz Überraschendes, womit niemand gerechnet hat.

Dass diese Konsolidierung genau hier, genau an der Nackenlinie, einsetzt, ist kein Zufall. Nicht das Muster schreibt dem Markt vor, was er zu tun hat, sondern das Muster *ist* der Markt. Das Muster bildet das Spiel von Angebot und Nachfrage ab und weil es ist, wie es ist, ist es auch logisch, dass die Zweifel genau hier kommen. Genau dort, wo sie schon in der Vergangenheit kamen.

Für Öl gibt es nun zwei Varianten, die die Zukunft bringen kann. In der einen Variante, lassen die OPEC Mitglieder den Worten Taten folgen. Sie liefern also. Dann wird Öl den Verlauf in Blau nehmen und nach einer anstehenden Konsolidierung nach oben ausbrechen.

In der anderen Variante, werden sich die Worte als "Gerede" heraus stellen, die Lagerbestände steigen stark und alle OPEC Mitglieder fördern was das Zeug hält. Dann bricht diese potentielle iSKS zusammen.

Was wird passieren? Das wissen wir nicht, die Zukunft ist nicht geschrieben. Die Markttechnik sagt uns aber, wann wir damit rechnen müssen, dass eine Bewegung erst einmal ausläuft und in eine Konsolidierung wechselt. Und der Punkt bei ÖL scheint jetzt zu sein, der "Punkt der erschöpften Erwartungen".

Wenn Ihnen dieser Mechanismus nicht klar war, dann sollten sie ihn sich nun unbedingt klar machen. Denn so funktioniert der Markt, über Erwartungen und nicht über den Inhalt von Nachrichten. Nachrichten sind nur dann relevant, wenn sie die Erwartungen verändern.

Übrigens, heute Nachmittag um 17 Uhr kommen wie immer die Erdöllagerbestände, unter anderem aus Cushing (Oklahoma). Die werden den Markt wie immer bewegen - aber nur, wenn sie von den Erwartungen abweichen. 😉

Ihr Hari

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BASF – wie Muster uns helfen – und wie nicht

Vor einer guten Woche, hatte ich Ihnen im Artikel -> Drei Plus für BASF <- die eindrucksvolle Ausbruchschance bei BASF nahe gebracht.

Am 03.10.16, sah das Chart so aus:

basf-03-10-16

Nun heute am 12.10.16 so:

basf-12-10-16

Das kann man wohl einen Volltreffer nennen. Ein klares Kaufsignal und ein klarer Ausbruch.

Nun würde andere sich vielleicht damit brüsten, dass Sie das ja "gesehen" haben und dabei all die Fälle unterschlagen, in denen so Strukturen eben nicht aufgehen, obwohl sie ähnlich aussichtsreich aussahen.

Genau da setzt dann auch die - etwas naive - Kritik von unerfahrenen Anlegern an, die Markttechnik gerne perse als Hokuspokus abtun und damit nur zeigen, wie weit sie selber vom Verständnis des selbstreferentiellen (reflexiven) Marktes entfernt sind.

Beide - die die so tun, als könnten sie so Ausbrüche zuverlässig vorher sagen, wie auch die, die Markttechnik perse als Hokuspokus abtun - sitzen dabei einem grundlegenden Missverständnis auf.

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