Börsenjahr 2019 – Dem Optimismus eine Chance!

Ein gutes und erfolgreiches Jahr 2019, wünsche ich auch an dieser Stelle allen freien Lesern!

Seit dem letzten Artikel am 17.12. ist viel passiert und wir haben in der Community dazu auch viel besprochen. Die Grundlage eines schlechten Jahresanfangs wie beschrieben, wurde durch eine katastrophale Kommunikation des FED Chefs Powell in der Woche vor Weihnachten zerstört.

Denn die Grundlage der Vergleiche zu 2008 und 2016 war ja, dass im alten Jahr die Kurse noch zusammengehalten werden, um die Performance nicht zu versauen, dann aber im neuen Jahr das große Geld "abzuladen" beginnt.

Was aber passiert ist, ist in Folge der FED am 19.12. ein Zusammenbruch des Marktes, der mit einem Ausverkauf am Freitag vor Weihnachten und genau am Heiligabend, historische Ausmaße angenommen hatte. Je nachdem wie man rechnet, war das der schlechteste Dezember seit der großen Depression der 30er Jahre, in deren Folge dann auch Adolf Hitler an die Macht gespült wurde - oder es waren sogar die schlimmsten Börsenweihnachten überhaupt!

Damit war die Grundlage eines im alten Jahr zusammengehaltenen Marktes gar nicht da, womit uns schon vor Weihnachten klar war, dass kurzfristig eher ein Rebound anstehen würde und so ist es dann ja auch gekommen:

Klar ist nun, dass wir hier eine Situation vor uns haben, die nach einem klassischen Test der Einbruchszone bei 2.600 nachgerade schreit, der dann abgewiesen wird und zu neuen Tiefs führt. Das ist das Model das die Bären haben dürften und es ist nicht von der Hand zu weisen.

Klar ist aber auch, dass in den US alle Binnendaten eigentlich immer noch eher positiv sind. So passen solche extrem guten Arbeitsmarktdaten wie letzten Freitag, einfach nicht mit einer Rezession vor der Tür zusammen - überhaupt nicht!

Und klar ist daher auch, dass der US Markt mit seiner Korrektur der Realität schon deutlich voraus gelaufen ist. Und das weil der Markt zu zwei Themen eine negative Erwartungen entwickelt hat. Erstens zur FED, das hatte Powell Anfang Oktober ausgelöst und Mitte Weihnachten eskaliert. Zweitens zum Handelskrieg mit China, der das ganze Jahr schon seine Schleifspuren hinterlässt, siehe Apple.

Objektiv deutet in den US weiter wenig auf eine Rezession hin und *trotzdem* hat der S&P500 20% abgegeben und die stärkste Korrektur seit 2008 generiert. Und das alles nur aus Angst, dass es schlechter werden *könnte*, aus reinem Konjunktiv heraus!

Das ist nicht ungewöhnlich, der Aktienmarkt hat immer schon 9 der letzten 5 Rezessionen vorher gesagt, man sollte sich das aber klarmachen. Und genau deshalb, ist eine positive Überraschung hier wahrscheinlicher, als es die historische Erfahrung nach so massiven Einbrüchen impliziert. Man darf das bullische Szenario nicht vom Tisch wischen.

Ich will hier im freien Bereich die taktische Diskussion um das was die kommenden Woche ansteht und wie sich das auf die Kurse auswirkt, gar nicht führen. Wie das Jahr wird, weiss sowieso niemand und man kann bestenfalls die Entwicklung der kommenden Wochen richtig einschätzen. Und wenn wir das wieder wie so oft hinbekommen, ist das das Maximum was möglich ist. Man fliegt eben auf Sicht, aber gute Sicht kann schon einen Vorteil verschaffen.

Ich will hier stattdessen das ganz große Bild betrachten, wie es sich für langfristigen Investoren darstellt. Viele Anleger haben ja in den letzten Jahren immer gesagt, dass sie dann bei der nächsten Korrektur endlich einsteigen würden.

Ich habe mich darüber immer lustig gemacht, weil die Erfahrung sagt, dass die die in den letzten Jahren immer gezögert haben, es in der Korrektur erst recht nicht können, weil dann die Nachrichtenlage so negativ ist. Dann wird wieder gezögert und am Ende passiert das Gleiche wie 2009 oder 2013 oder 2016, man wartet auf den "ganz großen Crash", der aber dummerweise statistisch nur alle paar Jahrzehnte mal kommt, der letzte liegt jetzt 10 Jahre zurück.

Schauen wir doch mal, wo wir in 2019 nun stehen:

  • Kann diese Korrektur sich ausweiten, der S&P500 bis zur 2016er Ausbruchzone fallen und damit 30-40% korrigieren? Eindeutig ja!
  • Kann der DAX wieder vierstellig werden? Eindeutig ja!
  • Kann eine Einigung zwischen US und China scheitern und ein heißer Handelskrieg entstehen? Eindeutig ja!
  • Kann Italien zu einem Bruch der Eurozone führen? Eindeutig ja!
  • Kann die Konjunktur in Deutschland als Folge einer Mischung von gesellschaftlicher Larmoyanz und Selbstverstümmelung endgültig in eine Rezession abkippen? Eindeutig ja!
  • Können die Probleme mit Krediten in den Emerging Markets sich zu einer neuen Kreditkrise ausweiten? Eindeutig ja!

Und so weiter, ich könnte mit anderen Themen weitermachen. Das alleine sagt uns aber gar nichts, denn diese Aussagen hätte ich auch vor 2 Jahren am Anfang von 2017 mehr oder weniger so machen können und Sie wissen ja, wie gnadenlos die Börsen in 2017 hoch geschoben haben.

Entscheidend ist nicht, dass diese Risiken existieren, entscheidend ist wie wahrscheinlich sie sind und wie viel davon schon im Markt eingebacken ist!

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Was ist ein gleitender Durchschnitt?


Mr-Market liefert tägliche Aktualität, Hintergründe und Ausblicke, wir besprechen langfristige Investments ebenso wie Trades und tauschen uns in Foren und Community aus. Und das mehrmals börsentäglich.

Mr-Market erklärt aber auch Grundlagen, ja auch die absoluten Basics für jeden Anleger. Und das auf eine Art und Weise, die die theoretischen Konstrukte am Beispiel erlebbar macht.

Hier ist ein Beispiel eines solchen Artikels von Anfang Oktober, in dem die absoluten Grundlagen zu gleitenden Durchschnitten vermittelt werden.

Sie wissen das alles schon? Bestimmt, aber lesen Sie trotzdem mal, vielleicht bringt die Darstellung im Gesamtkontext Sie ja doch auf den einen oder anderen Gedanken.

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Was ein Durchschnitt ist, wissen Sie sicher. Man nehme X Zahlen, addiere diese zusammen und teile die Summe durch X. Und schon hat man den ungewichteten Durchschnitt der Zahlen. Wenn man jetzt einzelne der Zahlen nach irgend einer Logik noch höher gewichtet als andere, bekommt man einen gewichteten Durchschnitt.

Beim Kursverlauf an der Börse ist es ganz ähnlich. Addieren wir die letzten 20 Schlusskurse der letzten 20 Tage und teilen diese Summe durch 20, dann wir haben einen Durchschnitt gebildet. Und wenn wir das nun für jeden Tag machen, jeweils immer für die letzten 20 Tage, dann haben wir einen gleitenden Durchschnitt gebildet, auch *Simple Moving Average* oder *SMA* genannt.

So einfach ist das, hier ist der SMA20 in blau im Chart des S&P500 zur Zeit der Lehman-Krise dargestellt. Dieses und die folgenden Charts sind übrigens zur Vergrößerung klickbar:

Dieser 20er-gleitende-Durchschnitt glättet also den Kursverlauf, weil er jeweils die letzten 20 Zeitpunkte zusammenfasst und daraus einen Durchschnitt bildet. Diese Durchschnittspunkte werden verbunden und fertig ist die Linie des 20er SMA!

Bevor ich hier weiter mache, will ich mit einer Fehlkonzeption aufräumen, die mancher vielleicht hat und die fatal ist, weil sie zu völlig falschen Schlußfolgerungen führt. Denn wenn wir die Durchschnittsgröße von 20 Äpfeln bilden, ist es naheliegender Weise ein "Apfeldurchschnitt". Wenn wir aber die Durchschnittsgröße von 20 Birnen bilden, ist es ein "Birnen-Durchschnitt" und eben *kein* "Apfel-Durchschnitt".

Und auch bei Charts bezieht sich ein gleitender Durchschnitt daher *immer* auf die Dimension des Charts. Wenn im Chart ein Punkt oder eine Kerze pro Tag dargestellt wird, ist es ein 20-Tage-Durchschnitt, auch 20-Tage-Linie genannt. Wenn es aber ein Chart wie oben mit Wochenkerzen ist, ist es ein 20-Wochen-Durchschnitt, bzw eine 20-Wochen-Linie, wenn man die Punkte miteinander verbindet!

Wer also in einem Chart mit Wochenkerzen eine 200-Tage-Linie darstellen will, sollte sich daran erinnern, dass die meisten Handelswochen 5 Handelstage haben und weiss dann, dass eine 40-Wochen-Linie näherungsweise einer 200-Tage-Linie entsprechen muss, weil eben 40*5=200 ist.

Nun zurück zum obigen Chart, das also die 20-Wochen-Linie im Sinne des einfachen gleitenden Durchschnitts - des SMA20 - darstellt.

Wenn wir uns klar machen, was ein Durchschnitt der letzten 20 Zahlen bedeutet, dann ist klar, dass der Durchschnitt dann exakt auf dem Niveau der letzten (aktuellen) Zahl stehen wird, wenn es in den 20 Punkten vorher keine große Bewegung gab und diese nur um die letzte Zahl herum fluktuiert sind.

Im Chart wäre das ein Kursverlauf seitwärts, der in den letzten 20 Punkten (hier Wochen) wenig direktionale Bewegung hatte. Genau diesen Fall sehen wir Ende 2007 im Chart mit "SMA auf Kurs" bezeichnet, als der Markt 2007 kurz vor Weihnachten noch durch Window-Dressing zusammen gehalten wurde.

Wenn aber eine starke Bewegung einsetzt, wenn also die 20 Punkte vor dem aktuellen Tag immer tiefer oder höher gegangen sind, *muss* der gleitende Durchschnitt zwangsläufig immer *nachlaufen*, weil der Durchschnitt logischerweise in Richtung des Trends höher (bei fallendem Trend) oder tiefer (bei steigendem Trend) sein muss.

Diesen Effekt sehen wir im Chart im November 2008 und im August 2009, als wir jeweils starke direktionale Bewegungen hatten und der gleitende Durchschnitt daher zwangsläufig immer nachlaufen muss.

Was zeigt uns also ein gleitender Durchschnitt? Ganz trivial, den geglätteten Kursverlauf. Und die Glättung wird umso stärker, je länger man den Bereich der Durchschnittsbildung macht. Ein SMA50 ist also deutlich stärker geglättet als ein SMA20.

Fertig, mehr "Geheimnis" gibt es erst einmal nicht. Wenn Sie das verstanden haben, haben Sie auch sofort verstanden, worin der Sinn eines gleitenden Durchschnitts liegt. Denn wir erleben doch gerade derzeit wieder, wie der Markt mal einen Tag steigt und einen Tag fällt und am Ende nicht viel passiert. Und wenn wir langfristig agieren, dann wollen wir uns doch von diesem Hin- und Her nicht verrückt machen lassen.

Genau hier liegt der Sinn einer Darstellung eines SMA, wenn man daran sein Handeln ausrichtet. Wenn wir nur dann agieren, wenn der SMA ein Signal liefert und *nicht* auf jeder Zuckung im Verlauf, dann glätten wir genau dieses unnötige Geschaukel und bekommen eine ruhigere Hand.

Und so ein Signal kann in beide Richtungen gehen, es kann ein Ausstiegssignal sein, oder ein Einstiegssignal. Gerade bei bekannten Durchschnitten wie der 50-Tages-Linie zum Beispiel, laufen nach oben trendende Aktien mit denen gerne oberhalb synchron, so dass ein touchieren der Linie ein Kaufsignal sein kann.

Konkret gesagt, ist das Agieren auf Basis des SMA also ein ideales Tools für Investoren, die eine ruhige Hand suchen und sich nicht vorschnell verrückt machen lassen wollen.

Wie lange man glättet, entscheidet dann darüber, wie stark man temporäre Dellen aussitzen will, aber damit auch, wie viel "Verspätung" man bei echten Abwärtsbewegungen hat.

Fügen wir zu obigem Chart doch mal den SMA50 in Rot hinzu, dann sehen wir schnell, dass dieser später zu fallen beginnt und viel später erst den Tiefpunkt erreicht:

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Einen Schritt weiter

Wir haben Sonntag Mittag und die Nachrichten vom G20 Gipfel vom -> temporären Waffenstillstand zum Handelskonflikt <- sind noch nicht alt.

Letzte Woche Montag habe ich Ihnen hier unter dem Titel -> Jetzt oder Nie <- dargestellt, dass der US Markt an der Klippe zu einem mittelfristigen Bärenmarkt stand. Es hätte nicht viel gefehlt diesen abstürzen zu lassen und für die Bullen war es eine Situation, in der sie entweder in den Ring steigen mussten oder sozusagen für immer schweigen.

Es gibt ja den netten Spruch "Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter" und genau so ist es gekommen, nur dass die Bullen eine 180 Grad Wende vom Abgrund weg erzwungen haben, auf den letzten Drücker sozusagen.

Ja, die Bullen sind in den Ring gestiegen und das massiv, sie hatten aber auch eine Menge Feuerunterstützung. Letzte Woche Montag und Dienstag hat der Markt sich schon aus eigener Kraft hoch gerobbt, aber eine Rede des FED Chefs am Mittwoch Abend um 18 Uhr MEZ stand aus, die wir hier in der Community auch aufmerksam erwartet haben. Schon wenige Minuten danach, das Redemanuskript war verteilt, war klar was das bedeutete, eine massive Rally nämlich.

Denn Powell hatte seine Aussagen von Anfang Oktober wieder eingefangen, die damals deutlich am Einbruch mitgewirkt hatte. Damals sagte er: "long way below neutral." was das Niveau der Zinsen anging. Das musste man als einen steilen Zinspfad interpretieren, der Markt hatte damit für 2019 3 Erhöhungen eingepreist und hatte Sorgen entwickelt, dass die FED eine heran kriechende Rezession übersieht und überzieht.

Mit dem "just below neutral" von Mittwoch 18 Uhr, veränderte Powell den Ton erheblich und es gibt für den Markt nichts Mächtigeres, als eine Notenbank die auf die Taubenseite wechselt. Denn "neutral" heisst die Zinsen sind fast OK und den Rest sieht man dann "data dependent".

Das löste eine deutliche Rally in den US Indizes aus, die Donnerstag und Freitag bestätigt wurde. Und nun haben wir ein zweites Positivum, der obige, temporäre Waffenstillstand stellt das Optimum dar, das man realistisch erwarten konnte.

Niemand mit Verstand hat eine echte Einigung erwartet, das geht bei dem komplexen und vielschichtigen Thema schlicht nicht. Auf den Pfad des Dialogs zurück zu kehren und die Ultimaten abzuschwächen und mehr Zeit zu kaufen, ist daher das Beste was man vom Gipfel erwarten konnte.

Wir können davon ausgehen, dass der Markt das am Montag wohlwollend aufnehmen wird, denn der hatte durchaus noch Angst vor einer Eskalation. Wirklich gelöst ist durch die Verschiebung aber auch nichts, auch das wird der Markt verstehen, aber ein versöhnlicher Jahresabschluss in den US Märkten scheint nun sehr wahrscheinlich.

Im S&P500 können wir damit rechnen, dass die hier gezeigte, altuelle Ausgangslage, nach oben aufgelöst wird und am Montag der untere Lila Pfeil erobert, sowie der obere Lila Pfeil angelaufen wird:

Ich hatte Ihnen dazu schon am Freitag -> via Tweet <- geschrieben:

So, direkt unter dem 200er SMA, sieht ein Index aus, der sich auf eine Party mit Tanz vorbereitet, aber noch nicht sicher ist, ob er nicht doch schnell zum Notausgang muss, weil der Tanzpartner zu hässlich ist.

Diese Sorge um einen hässlichen Tanzpartner dürfte nun weg sein, eine Auflösung nach oben in der kommenden Woche wahrscheinlich. Wahrscheinlich ist am Montag eine Bewegung bis zum zweiten Lila Pfeil, der Nackenlinie - und danach sieht man weiter.

Und falls der unwahrscheinliche Fall eintritt und der Markt diese Vorlage nun nicht zur Rally nutzen kann, sollte man das als tiefrotes Alarmsignal betrachten, denn ein Markt der nicht tut was er sollte, ist ein gefährlicher.

Wenn Sie genauer wissen wollen was das alles bedeutet, denn die kommende Woche ist voller Ereignisse, sollten Sie zu uns dazu stossen. Hier im freien Bereich biete ich Ihnen bewusst nur einen oberflächlichen Teaser, denn ich gehöre nicht zur Fraktion die Klicks hinterher jagt, ich schreibe für Menschen, denen Mr-Market etwas wert ist.

Die kommende Woche bietet die für den DAX wichtige Sitzung der deutschen Autobauer bei Trump, sie bietet allerlei Notenbankreden und am Ende die wichtigen US Arbeitsmarktdaten. Insofern wird es auch nachdem der Markt den G20 Gipfel verarbeitet hat, diese Woche genügend spannende Entwicklungen geben. Und wir werden eine Menge Aktien besprechen, die in der Korrektur besonders vom Handelskonflikt und den Sorgen um China betroffen waren und daher nun besondere Chancen bieten.

Denn auch wenn wir immer noch nicht wissen, ob der Bullenmarkt sich mittel- und langfristig noch fortsetzt, oder wir nun schon in einer Topbildung sind, die mit einem niedrigeren Hoch als Ergebnis dieses Rebounds auslaufen wird, für uns ist jetzt einfach wichtig, dass die kommenden Wochen bis zum Jahresende kurzfristige Chancen bieten, alles weitere sieht man dann, einen Schritt nach dem anderen.

Achja, bevor ich es vergesse, wir bekommen durch den Tod des 41. Präsidenten George H. W. Bush am Mittwoch überraschend einen handelsfreien Tag in den US, der allerlei Termine durcheinander werfen wird.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Laboratorium der Selbsterkenntnis

Der letzte Monat - mal wieder der sowieso gefürchtete Oktober - hat uns ja auch an den US Märkten endlich die seit Sommer überfällige Korrektur gebracht.

Für die nächsten Wochen sind die Chancen damit gar nicht so schlecht, dass mit der Korrektur eine Grundlage für ein starkes Jahresende gelegt wurde. Risiken nach unten bleiben, wie ich das letzte Woche hier im freien Bereich in -> Wir Hochseiltänzer < - beschrieben habe, aber die Chancen eines guten Jahresendes überwiegen.

Aber darüber hinaus? Was ist über das Jahresende hinaus in 2019?

Darüber hinaus kann sich dieser scharfe Einbruch von Oktober als gesunde Korrektur herausstellen, nach der der Markt weiter im langfristigen Trend hoch schiebt:

Der Einbruch kann sich aber auch als Beginn einer größeren Topbildung herausstellen, die im S&P500 dann ungefähr so aussehen würde und an der Unfähigkeit des Marktes zu erkennen ist, dieses Jahr noch ein neues Hoch zu generieren:

Die Medien - gerade auch die sozialen Medien - verdienen Ihre Klicks und damit Ihr Geld damit, uns zu diesen beiden Varianten immer alle möglichen Theorien zu bieten. Idealerweise mit einer reisserischen Überschrift versehen, wird irgend ein Indikator in den Vordergrund geschoben um Angst und Schrecken oder Gier zu erzeugen. Und Anleger lassen sich davon "inspirieren" und beginnen in die eine oder andere Richtung loszulaufen.

Es ist ja auch so schön, wenn einem jemand die Zukunft "weissagt", schon weiland im Jahrmarkt-Zelt, haben die Gekröse-Leser immer das beste Geschäft gemacht, die den Leuten geweissagt haben, was sie gerne hören wollten. 😉

Wem es aber wirklich um ein gut laufendes Depot geht, der sollte seine Energie nicht für derart sinnlose Ratespiele verbrauchen. Der sicherste Indikator ob der Markt nun eine Topbildung vollführt oder nicht, wird die Stärke des Marktes selber sein, also wie überzeugend der aktuelle Rebound abläuft.

Wenn der zum Jahresende neue Hochs generiert, kann man die Top-Szenarien getrost erst einmal beiseite legen. Wenn der aber schwächlich bleibt und sich jetzt in den kommenden Wochen ein Gewürge seitwärts anschließt, sollten wir das als Signal werten und für den Jahresanfang 2019 Vorsicht walten lassen.

Weit besser investiert ist Energie nun in Reflektion unseres eigenen Verhaltens in der Korrektur, denn diese stellt für uns ein Laboratorium der Selbsterkenntnis dar.

Wir können nicht beeinflussen und nicht vorhersehen, was der Markt in 2 Monaten macht, deshalb ist das Grübeln darüber vergeudete Zeit. Wir können aber beeinflussen, wie wir auf bestimmte Situationen reagieren, was wir also daraus machen, wenn der Markt dieses oder jenes zu machen beliebt.

Und da liegt der Gewinn der Zukunft, nicht in dem wir diese zu erraten versuchen, sondern in dem wir - was immer sie bietet - damit optimal umzugehen lernen.

Gerade so Phasen wie die letzten Wochen, zeigen uns dabei wer wir wirklich sind und wo wir zu ängstlich oder zu gierig agieren. Und das Fiese und gleichzeitig Schöne am Markt ist, dass er - wenn wir das hören wollen und es nicht verdrängen - uns aufzeigt, wie stark wir doch von Ängsten getrieben sind. Wir müssen uns dazu aber ehrlich im Spiegel anzuschauen und uns die Zeit nehmen, darüber zu reflektieren. Das tun die Wenigsten, die lesen lieber die nächste Weissagung. 😉

Schauen wir doch auf die letzten Wochen zurück und prüfen, was in uns los war. Viele unter Ihnen kennen das doch:

Wenn wir im Markt investiert sind, haben wir Angst es könnte eine Korrektur geben und wir Geld verlieren.

Wenn wir aus dem Markt ganz heraus sind, haben wir Angst er könnte uns nach oben weglaufen und wir den Einstieg verpassen.

Wenn wir gerade eingestiegen sind, mit der Absicht diese Position als Investment lange zu halten, macht uns das schnelle Minus wie auch das schnelle Plus an den folgenden Tagen doch nervös und wir fragen uns, ob wir nicht gleich wieder aussteigen sollten bzw wir die geringen Gewinne nicht lieber mitnehmen sollten.

Wenn wir dann aber ausgestiegen sind, haben wir wieder Angst, es könnte genau jetzt drehen und "unsere" Aktien uns weglaufen.

Ich könnte endlos weitermachen, ich denke wenn wir ehrlich sind, kennen wir das alle. Das genau ist unser "Affenhirn" und der Markt zeigt uns durch seine Rückkopplung via Kurse dessen Fratze im Spiegel. Und wir sollten nicht glauben, dass dieses unser Verhalten auf den Markt begrenzt sei, nein es ist Teil unseres normalen Verhaltens, nur zeigt es uns der Markt mit der Rückkopplung über die Kurse wie im Brennglas.

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Wir Hochseiltänzer

Der US Markt hat in den letzten zwei Wochen die Unterstützungszone der Tiefs vom Frühjahr wieder angelaufen und danach ab letzten Dienstag einen erwartbaren und gut handelbaren Rebound gestartet.

So ein erster Rebound kommt bei stark überverkaufter Marktlage recht zuverlässig, er stellt aber in der Regel noch keinen belastbaren Boden da. Zu einem ausgewachsenen Bärenmarkt gehören eben solche "Snapper" (Ein Schnappen des Gummibandes) nach oben zuverlässig dazu, sie sind dann aber ebenso zuverlässig zu verkaufen - Sell the f***ing Rebound (STFR).

Damit sich nach einem derart scharfen Einbruch überhaupt ein belastbarer Boden bilden kann, ist idealerweise noch ein Retest der Tiefs nötig und genau dieser ist nun vielleicht ab Ende letzter Woche in Bewegung geraten.

Jetzt muss das zweite, höhere Tief nicht genau so aussehen wie oben eingezeichnet, es kann schon deutlich höher drehen und nur schwach ausgeprägt sein, oder die Tiefs können noch einmal marginal in einem "Undercut" unterschritten werden. Das Bild oben visualisiert nur die Grundstruktur, um die es hier diese Woche gehen wird.

Mit den US Zwischenwahlen, deren Ergebnisse nach MEZ in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch eintrudeln werden, existiert dafür auch ein absehbarer Katalysator, der diesen Test mitentscheiden dürfte. Allerdings nur, wenn die Überraschung Realität wird und die Demokraten beide Häuser erobern - das wahrscheinlichere Szenario eines Patt, eines demokratischen Repräsentantenhauses und eines weiter republikanischen Senats, ist dagegen wohl schon in den Kursen.

Damit befindet sich der Markt nun an einer entscheidenden Wendemarke, vermutlich diese Woche wird die Entscheidung fallen, ob der Markt einen Boden findet und damit einen starken Jahresabschluß einleitet, oder ob diese bisher begrenzte Korrektur sich zu etwas Größerem und Schlimmerem ausweitet.

Genau an dieser Stelle tendieren schwankende Anleger dann dazu, sich von anderen Stimmen vermeintliche "Sicherheit" zu holen und geraten so in die Fänge der Einen, die den großen Weltuntergang herbeischreiben, oder der Anderen, für die das eine große, sichere Chance auf steigende Kurse ist.

Wenn Sie auch dazu gehören und solche Weissagungen hier suchen, muss ich Sie enttäuschen. Ja, wir haben im Premium-Bereich die ganze letzte Woche - mit Rally ab Dienstag und Beginn eines Retracement ab Donnerstag - ganz ausgezeichnet getroffen, das aber nicht weil wir eine Glaskugel für die Zukunft hatten, sondern weil die Marktsignale bestimmte Entwicklungen impliziert haben und der Markt sich sauber an diesen technischen Pfad gehalten hat.

Und genau das ist auch jetzt die Lage, wie immer besteht eine seriöse Marktbetrachtung auch jetzt nicht aus Gewissheiten, sondern nur aus Wahrscheinlichkeiten für verschiedene Szenarien.

Ich werde hier im freien Bereich auch nicht auf die Details der aktuellen Lage, ihre Chancen und Risiken eingehen. Wem meine täglichen Marktbetrachtungen wichtig sind und wer in so einer Lage Guidance, Grundlagen und aktuelle Setups sucht, der kann ja zu uns in der Community dazustossen. Für alle anderen habe ich im freien Bereich einmal die Woche ein paar selektive Hinweise, denn Mr-Market funktioniert eben nicht über Klicks, Klicks und Statistiken bei Google interessieren uns nicht. "Börsenpropheten" die sich über Klicks finanzieren, gibt es wie Sand am Meer, ich wünsche da viel Erfolg.

Was ich Ihnen aber für die kommende Woche auch im freien Bereich mitgeben will - ganz "umsonst" sozusagen 😉 - ist dass Chance und Risiken an dieser Unterstützung nicht gleichverteilt sind - das sind sie auch selten.

Es gibt derzeit viele Parameter die darauf hindeuten, dass die etwas höheren Wahrscheinlichkeiten auf der Seite eines bevorstehenden Rebounds zum Jahresende sind.

Ob dieser Rebound - falls er kommt - dann am Ende neue Hochs schafft und den Bullenmarkt damit bestätigt, oder ob er mit niedrigerem Hoch den Beginn einer großen Topbildung auslöst, ist eine Frage der wir uns dann am Jahresende stellen, wenn es soweit ist und nicht heute. Aber hier und heute spricht mehr für eine Bodenbildung vor einem starken Jahresende, als für das Gegenteil.

Ist damit nun alles in Butter und wir kaufen uns nun in diesen Markt wieder mit Karacho ein? Leider ist das nicht so einfach, denn das Risiko ist asymetrisch auf die negative Seite verlagert.

Dass wir die eingezeichnete Unterstützung verlieren, ist zwar weniger wahrscheinlich, als dass wir mit einem höheren Tief nach oben wegziehen. Wenn es aber anders kommen sollte, würde die Abwärtsbewegung viel dynamischer ablaufen, als die Aufwärtsbewegung.

Denn diese Widerstandszone haben alle im Auge und wenn der Markt da durchfällt, werden alle versuchen sich in Deckung zu bringen und das schafft die Grundlage für einen massiven Ausverkauf, der dann durchaus crashartigen Charakter annehmen könnte.

Ja, Sie haben richtig gehört - crashartigen Charakter! Aber eben nur, wenn wir die Unterstützung verlieren, dann ist das Risiko erheblicher Schmerzen real, weil dann alle zum gleichen Ausgang streben werden, der dann schnell verstopft sein könnte.

Beides ist eben wahr und sich alleine auf eine Seite festzulegen, macht keinen Sinn! Wir haben nun gute Chancen auf einen Rebound zum Jahresende. Diese Aufwärtsbewegung ist wahrscheinlicher als ein sofortiger, erneuter Einbruch. Wenn der Einbruch aber doch kommt, wird er sehr viel schneller erhebliche Schmerzen bereiten, als die Aufwärtsbewegung Wohlbefinden verbreiten kann.

Das ist ein asymetrisches Risiko, auf dem wahrscheinlichen Pfad ist weniger zu holen, als auf dem unwahrscheinlichen Pfad zu verlieren.

Das ist die Realität dieser Woche, was wirklich passieren wird, weiss im Vorfeld nur der liebe Gott oder Scharlatane.

Damit haben Anleger nun zwei Möglichkeiten, prinzipiell damit umzugehen.

Die Einen warten nun an der Seitenlinie ab, wohin die Reise geht. Wenn der Markt durchfällt sind sie sicher, wenn er steigt, satteln sie später auf. Der Preis dieser "sicheren" Variante ist, dass man die ersten Prozent einer Aufwärtsbewegung verpasst und erst dann einsteigen kann, wenn ein Doppelboden wirklich eindeutig zu sehen und bestätigt ist.

Die Anderen wollen die Chancen jetzt aber nutzen, was sehr legitim ist und müssen sich daher am Verhalten anderer orientieren, die ebenso mit erheblichen Risiken hantieren.

Da haben wir doch die Hochseiltänzer im Zirkus, die die Zuschauer positiv beeindrucken wollen, für den Fall eines Fehltritts ja aber nicht sofort mit Genickbruch sterben wollen. Diese haben daher ein Sicherheitsnetz unter ihren Kunststücken gespannt, das sie im Falle eines Falles auffangen wird. Ohne das, kann man als Mensch dem sein Leben lieb ist, solche akrobatischen Kunststücke nicht riskieren.

Und das ist, was ich heute auch allen Anlegern mitgeben will, die diese mögliche Rally zum Jahresende schon jetzt ergreifen und nicht warten wollen. Schaffen Sie sich ein Sicherheitsnetz für den Fall, dass der Markt die Tiefs von Montag letzter Woche im S&P500 doch wieder unterschreiten wird. Denn das wird dann dringend nötig sein und es kann dann sehr schnell, sehr übel nach unten werden, weil alle gleichzeitig zum Ausgang strömen werden.

Wir müssen also das Beste hoffen und uns auf das Schlimmste vorbereiten. Einseitige Weissagungen, dass der Markt "sicher" das Eine oder das Andere tun wird, sind schlicht unseriös. Die Zukunft besteht aus Wahrscheinlichkeiten und wenn man diese Ernst nimmt, kann man die Zukunft auch sehr gut handeln - wie ein Hochseiltänzer.

Denken Sie daran, dass gute Chancen immer mit erhöhten Risiken einhergehen. Das ist nicht nur an der Börse so. Man darf sich von den Risiken nicht blockieren lassen und sollte Chancen auch mal ergreifen, man darf dabei die Risiken aber nicht ignorieren, sondern muss darauf eine bewusste Antwort haben.

Das nennt man ein "Risikomanagement" und das ist in der aktuellen Marktlage zwingend nötig. Alleine "Hopium" zu atmen, ist keine Strategie.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Lawinenkunde

An den US Märkten hat Mitte letzter Woche eine schon lange überfällige Korrektur eingesetzt, die im S&P500 mit der 50-Tage-Linie und dem Ausbruchsniveau zu neuen Hochs, schon die erste wichtige Unterstützung erreicht hat.

Ob die US Märkte hier schon wieder drehen oder noch bis zur 200-Tage-Linie unter 2.800 korrigieren - oder sogar noch tiefer - soll hier im freien Bereich nicht Thema sein. Klar ist aber, dass die US Konjunktur in ausgezeichnetem Zustand ist und unabhängig davon wie tief das noch geht, die Chance hoch ist, dass wir hier die willkommene, kaufbare Korrektur vor uns haben, auf die so viele den ganzen Sommer gewartet haben.

Thema hier und heute ist die Frage, ob man solche Einbrüche im Vorfeld erahnen kann. Und die Antwort ist Ja und Nein. Mit den wilden Prognosen, die permanent einen einzelnen negativen Faktor zum Elefanten aufblasen, ganz bestimmt nicht - ich habe darüber schon oft geschrieben, diese dienen der Klickgenerierung, sonst nichts. Mit einer aufmerksamen Beobachtung dessen, was vor unseren Augen passiert, aber sehr wohl.

Genau das ist mir letzte Woche wieder gelungen, als ich punktgenau am Dienstag, bevor der Markt am Folgetag zu fallen begann, eine Warnung im Sinne erhöhter Aufmerksamkeit ausgesprochen habe.

Da man hinterher ja immer klüger ist und gerne hinterher so getan wird, als ob schon vorher Klarheit herrschte, habe ich Ihnen daher den fraglichen Artikel aus dem Premium-Bereich von Dienstag auch hier im freien Bereich freigeschaltet. Um Ihn lesen zu können, müssen Sie aber zumindest im Blog registriert sein, es gibt ja keinen Grund jedem Bot der Welt darauf Zugriff zu geben. 😉

Lesen Sie also meine Worte von Dienstag im Premium-Bereich: -> Aufrecht im Sessel <-

Am Abend des gleichen Tages, sagte dann FED-Chef Jerome Powell ein paar Sätze zu weiteren Zinserhöhungen, die man als überraschend falkenhaft interpretieren konnte und das Ungemach setzte sich ab Mittwoch in Gang - die Anleihen-Renditen stiegen und die Aktienmärkte wechselten in den Korrekturmodus.

Dieser Ablauf ist eine wunderbare Gelegenheit Ihnen hier im freien Bereich erneut zu zeigen, was die kompetente Analyse der Markttechnik leisten kann und was nicht. Denn es gibt dazu eine wunderbare Analogie und das ist die Lawinenkunde.

Denn im Winter lesen Sie jeden Tag Vorhersagen zum Lawinenrisiko und wenn das sehr hoch ist, sollte man besser keine Skitouren abseits der gesicherten Pisten unternehmen.

Die Fachleute, die solche Lawinenwarnungen ausprechen, raten dabei auch nicht über die Zukunft herum, sie behaupten nicht zu wissen, was in 4 Wochen passieren wird, weil das weiss sowieso niemand.

Diese Fachleute analysieren den Zustand der Schneedecke im "Hier und Jetzt" in der Gegenwart, genau das was der Markttechniker macht, wenn er sich die Marktmechanik im "Hier und Jetzt" anschaut.

Diese Analyse der Schneedecke ist objektiv, rational und reproduzierbar, im Sinne dass sie nach objektiven Parametern erfolgt. Wenn die Schneedecke sehr labil ist, wird für einen Hang vielleicht eine Lawinenwarnung ausgesprochen.

Die Warnung alleine sagt uns aber noch nicht, ob dann tatsächlich eine Lawine abgeht. Denn dafür braucht es einen Katalysator, wie zB eine Erschütterung durch Sturm. Es kann sehr wohl auch sein, dass dieser Katalysator ausbleibt und sich die Schneedecke stabilisiert und die Lawinengefahr wieder verschwindet.

Wenn so eine Lawinengefahr wieder verschwindet, ohne dass es zum Abgang kommt, war deswegen die Lawinenwarnung vorher aber nicht sinnlos, so diese kompetent durchgeführt wurde.

Genau das Gleiche kann kompetent ausgeübte Markttechnik leisten und können Sie beobachten, wenn Sie lesen, was ich am Dienstag sagte, als die Kurse noch auf Allzeithochs waren und was danach passiert ist.

Es geht dabei *nicht* darum, über die Zukunft herumzuraten, wie das bei der "Prognosiritis" so gerne gemacht wird und viel Schaden in den Depots der Anleger anrichtet. Es geht darum, das Spiel auf dem Spielfeld der Märkte genau im Blick zu haben, zu sehen wie stabil die "Schneedecke" des Marktes ist, die sich aus Angebot und Nachfrage speist. Und auch dafür gibt es Parameter und Erfahrungswerte, die uns dazu Indikatoren liefern, dann aber immer noch kompetent eingeordnet werden müssen.

So konnte man am Dienstag sagen, dass der Markt nun riskant wird, weil offensichtlich in seiner Mechanik Unwuchten (Divergenzen) auftraten. Deswegen war aber immer noch nicht klar, dass eine Korrekturbewegung wirklich kommen würde, dafür brauchte es den Katalysator.

Genau diesen Katalysator hat Jerome Powell dann geliefert und dass er schon einen Tag später kam, war reiner Zufall und keine "Verdienst" meinerseits. Wäre der Katalysator ausgeblieben, wären wir heute vielleicht immer noch auf Höchstständen, die Gefahr wäre weiter gestiegen und alle würden sich anschauen und denken, dass die Warnung unnötig war. Die Analyse der Lawinenlage, wäre aber nicht weniger richtig gewesen.

Nehmen Sie diese Analogie der Lawinenkunde also bitte mit, wenn Sie von kompetenten Quellen über die Marktmechanik lesen. Die Warnung vor einer labilen Hanglage wird nicht dadurch falsch, dass es doch stabil bleibt und nichts die Lawine auslöst. Und eine kompente Lagebeurteilung hat immer mit den Beobachtungen der Geschehnisse in der Gegenwart zu tun und *nicht* mit irgendwelchen feuchten Träumen darüber, was man denkt die Märkte machen "müssten".

Die Märkte müssen nämlich gar nichts, auch ein Schneehang muss gar nichts, beide sind aber immer in bestimmten Zuständen, die einen bestimmten Ausgang statistisch bevorzugen. Und diese Zustände kann man erkennen, wenn man genau hinschaut und den Kopf nicht stattdessen in den Wolken der Zukunft hat.

Die Wahrheit liegt eben auf dem Platz. Nicht nur beim FC Bayern, sondern auch an den Märkten.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Die Lage im Hochsommer

Als ich hier im freien Bereich -> im Mai <- das letzte Mal einen kurzen Blick auf die allgemeine Marktlage geworfen habe - etwas was ich im Premium-Bereich praktisch täglich mache - habe ich Ihnen dabei Sätze wie folgt geschrieben:

Nun hat der S&P500 zum dritten Mal die Trendlinie und 200-Tage-Linie erfolgreich getestet und ist wieder unter Volumen nach oben abgeprallt. Das sieht gar nicht so schlecht aus:

Und im ganz großen Bild bleibt es dabei, wir sind in einer Seitwärts-Bewegung im ersten Halbjahr, die im zweiten Halbjahr dann gut S&P500 3.000 erreichen könnte. Das alles aber eingebettet in eine ganz normale, größere Konsolidierung, die die immensen Gewinne seit Anfang 2016 erst verarbeiten muss, bevor es weiter hoch gehen kann.

Das ist mehr oder weniger das Bild, das ich seit Jahresanfang vertrete. Und was hat es nun gebracht, den ganzen Säuen hinterher zu laufen, die die Bären seit Jahrenanfang durchs Anlagedorf treiben? All den "tollen", medial so wunderbar klickbaren Geschichten, warum der Markt gerade jetzt zusammen brechen "muss"?

Ich sage es erneut, der Markt muss gar nichts und ein Trend ist ein Trend. Das nennt man eine ruhige Hand.

Und wissen Sie was, das war nicht nur richtig, ich könnte es Ihnen auch heute wieder schreiben. 😉

Seit Mai wurde dann eine ganze Reihe weiterer "Säue" durchs Anlagedorf getrieben, mit denen medial begründet wurde, warum der Markt nun drehen "muss" - irgendwas muss man ja auch schreiben.

Wenn ich jetzt eine Liste machen müsste, würde es mir leichter fallen und wäre kürzer aufzuschreiben, worum sich der Markt noch *nicht* gesorgt hat, denn es war fast alles vertreten, von geopolitischen Sorgen über Handelskonflikte, politische Sorgen bis zu Konjunktursorgen.

Wie ist aber ein Markt zu werten, der das alles abschütteln kann? Sie ahnen es, eher stark, nicht schwach!

Und es ist ja keineswegs so, dass zum Beispiel der Handelkonflikt ohne Auswirkungen wäre, schauen Sie hier, wie es den chinesischen Markt in 2018 zerlegt hat, dargestellt am ETF ASHR:

Das Thema ist also wichtig, nur aus Sicht des Marktes eben für die US Industrie bisher noch keine wirkliche Gefahr.

Die letzte mediale Sau, die derzeit noch nachklingt, war dann die Sorge um eine inverse Zinsstrukturkurve, die ein recht guter Indikator für eine kommende Rezession ist.

Ich habe hier einen -> alten Link aus 2005 <-, der nicht nur ganz gut erklärt worum es da geht, sondern an dem Sie auch das Datum genau wahrnehmen sollten.

Denn Ende 2005 wurde die Zinsstrukturkurve in den US damals invers - etwas was heute noch gar nicht der Fall ist, es wird derzeit nur darüber spekuliert. Dann dauerte es aber noch 2 Jahre bis Ende 2007, bis eine Rezession Realität wurde und 2008 in das Lehman-Desaster überging.

Wir haben heute eine solche Situation aber noch gar nicht und es ist unklar, ob sie überhaupt eintritt. Dann haben wir 2018 gerade in Sachen Anleihenzinsen sowieso eine historisch einmalige, von den Notenbanken "manipulierte" Situation, bei der keiner sicher sagen kann, ob die Signale der Zinsstruktur noch die gleiche Gültigkeit haben. Und selbst wenn man das alles bejaht, haben wir von nun an vielleicht noch 2 Jahre lang Kursanstiege, wie zwischen 2005 und 2007.

Was hilft uns diese Diskussion also dabei, die richtige Anlage-Entscheidung für die kommenden Monate zu treffen? Sie ahnen es: Nichts. Nur für Klicks ist das Thema derzeit gut.

Wir sollten in bewährter Manier also lieber schauen, was der Markt macht, der praktisch alle Nachrichten und Spekulationen verarbeitet, auch und gerade die aktuelle Wirtschaftsdaten und auch die Vorlauf-Indikatoren.

Hier ist das aktuelle Bild des Leitindex S&P500, den letzten Artikel zur Lage im Mai mit den obigen Kommentaren habe ich markiert:

Meine spöttischen Worte von Mai, hatten also kein so schlechtes Timing. Wenn Sie die geschlängelte Kurve in Blau sehen, ist das übrigens keine konkrete Projektion des Verlaufs.

Es soll nur symbolisieren, dass wir vielleicht bis in den Herbst eine Fortsetzung der volatilen Seitwärtsphase haben - einen bald kommenden Einbruch im August bzw September durchaus eingeschlossen - die Chancen dann aber gut sind, zum Jahresende im Sinne des blauen Sterns die 3.000 im S&P500 zu erreichen.

Und ob wir dann in 2019 eine Rezession und größere Korrektur bekommen, das weiss ich nicht und mache mir auch keine Gedanken um ungelegte Eier. Viel wichtiger ist im Hier und Jetzt dieses Sommers, die Aufstellung für die kommenden Monate richtig hinzubekommen, alles weitere ergibt sich dann. Wer jetzt über 2019 spekulieren will, kann das gerne tun, Geld verdient wird so am Markt aber eher nicht.

Weit unklarer und wackeliger ist übrigens die Lage im DAX als im S&P500. Hier kann man sich ebenso eine große SKS als Wendeformation und Vorbote einiger Schmerzen vorstellen, wie auch ein weiteres Seitwärtsgeschaukel bis zum Jahresende:

Es nützt nichts, die Auflösung erraten zu wollen, wichtiger ist zu erkennen, dass die Lage im DAX aktuell indifferent ist, während sie in den US Indizes mittelfristig weiterhin eher bullischen Charakter hat - wohl wissend, dass auch dort kurzfristig die Korrekturgefahr steigt.

Was kann ich mir nun also in den Herbst hinein vorstellen?

Der August und September sind durchaus kritische Monate, in denen der Markt gerne mal einen Einbruch vollführt, ich erinnere nur an den 24.08.15 mit dem markanten ETF-Flash-Crash.

Ich kann mir gut vorstellen, dass auch dieses Jahr noch ein entsprechender Aufreger und Einbruch im Spätsommer bzw Frühherbst vor uns liegt, ähnlich wie für den S&P500 eingezeichnet. Und nach diesem "Aufreger", ist dann der Weg zu S&P500 3.000 frei.

Ich sehe also keinen Grund, gerade jetzt über den August große Risiken einzugehen, das kann durchaus schmerzhaft werden. Grund den Markt generell in Frage zu stellen, sehe ich aber ebenso (noch) nicht. Die Chance, im S&P500 zum Jahresende höher zu stehen als heute, erscheint mir immer noch gut.

Damit verabschiede ich mich auch im freien Bereich in den Ferienmodus des August, in dem es im Blog nur sporadische Updates geben wird. Ab Anfang September geht es hier wieder mit voller Energie Richtung Herbst und Jahresende.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Eine andere Bilanz des Zustands Europas – 7 Jahre nach der Eurokrise

Bald 7 Jahre ist es her, dass die Eurokrise im Herbst 2011 massiv ihr hässliches Haupt erhoben hat. Und nun im Jahr 2018, befindet sich Europa wieder in einer existentiellen Krise, die nur vordergründig auf einer ganz anderen Problematik beruht.

Denn hintergründig, sind nach meiner Ansicht die gleichen Mechanismen am Werk, die 2011 erst die Lage haben so eskalieren lassen: Formelkompromisse, Machterhalt, wirtschaftliches Analphabetentum, Schaufensterpolitik, Etatismus und Kuhhändel, sind die Stichworte dieses Politikstils, der die Lösung nicht in der Substanz, sondern im kleinsten gemeinsamen Nenner findet.

Ohne diese Mechanismen, statt dessen mit zupackenden, pragmatischen, realitätsbezogenen Maßnahmen im europäischen Geiste, hätte es zu dieser Strukturkrise Europas in 2018 nie kommen müssen. Denn auch die Migrations-Krise hat wenn man sie ohne Scheuklappen betrachtet, logische Lösungsansätze, die sich allerdings wie jeder Realismus, nicht mit Hypermoralismus vertragen. Viele negative Entwicklungen die Europa in den letzten Jahren erlebt hat - der Brexit gehört auch dazu - sind nach meiner Ansicht letztlich die Folge des oben beschriebenen Politikstils.

Und viel Wasser ist seit dem Herbst 2011 den Rhein herabgeflossen und viel Papier wurde mit wohlklingenden Formulierungen bedruckt, wie der Euro doch so wunderbar "gerettet" wurde, alles ganz fundiert vom Ende her gedacht - schon klar.

Auch zum Thema Griechenland dringen nun Nachrichten zu uns, dass das Land ja die Krise überwunden hätte. Das glaubt zwar nur, wer der Grundrechenarten nicht fähig ist, da sich aber die Öffentlichkeit herzlich wenig für die Hintergründe dieser Behauptung interessiert, kann man alles Mögliche zur gefühlten Wahrheit umdefinieren.

Das soll jetzt hier aber nicht Thema sein, weil mit länglichen Argumentationen, mit Zahlen und Herleitungen, erreicht man nur die kleine Minderheit, die sowieso schon von alleine in der Lage ist, die Insolvenzverschleppung in Griechenland zu erkennen. Einen Aha-Effekt, erreicht man bei der Mehrheit so nicht.

Ich will mich daher dem europäischen Problem mal auf ganz andere Art und Weise nähern, vielleicht ist das ja eindrucksvoller, gerade weil es nicht argumentiert, sondern nur etwas zeigt.

Wir wissen, dass die Aktienmärkte der Vorlaufindikator der Wirtschaft sind und ihre Kursentwicklung in der Regel ein getreuliches Bild der wirtschaftlichen Leistungskraft abgeben. Wenn die Aktienmärkte am Boden sind wie 2008, dann gibt es in der Regel auch ein substantielles Problem in der Weltwirtschaft. Und wenn sie auf Höchstständen sind, zeigt es wie die Wirtschaft "brummt".

Ich denke das ist unstrittig, auch wenn die Kursentwicklung nicht alleine davon abhängt. Aktienmärkte sind primär von Zukunftserwartungen geprägt und werden auch von schierer Liquidität bewegt, trotzdem bleibt es dabei, dass sie auch ein Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung sind, denn in ihnen werden die Wachstum- und Gewinnerwartungen mit einem Preisschild versehen.

Deshalb wäre es doch mal eine gute Idee zu schauen, wie sich denn die US Aktienmärkte und die europäischen Aktienmärkte seit 2011 im Vergleich entwickelt haben. Ich meine, wenn ich den Tenor einiger Medien nehme, müsste es doch klar sein. Dann haben wir in den US ein dysfunktionales, politisches System am Werk, das mit Donald Trump seinen Höhepunkt der Lächerlichkeit erreicht hat. Kurz, knapp und flapsig gesagt, da drüben scheinen ja nur "Idioten" am Werk zu sein. Nur gut, könnte man da meinen, dass wir in Europa leben, wo wir so gut, nachhaltig und wirtschaftsfreundlich geführt werden - immer vom Ende her gedacht natürlich! Und besser als die "Amis", verstehen wir die Welt ja sowieso. Oder nicht? 😉

Also schauen wir mal und vergleichen seit 2011 den großen S&P500 Index der 500 größten US Unternehmen und den Eurostoxx 50 Index, der 50 grössten europäischen Unternehmen:

Upps! Da muss wohl jemand die Skala vertauscht haben, kann das wirklich sein, dass die US Märkte so nach oben geflogen sind und die europäische Wirtschaft nicht vom Fleck kommt?

Das kann doch nicht sein, so gut wie wir regiert werden und so furchtbar die US!

Halt, da gibt es ja einen Fehler im Vergleich, die Indizes werden in Landeswährung verglichen und da es ja zwischen Euro und Dollar auch Währungseffekte gibt, sollte man den Vergleich fair auf Basis eines Maßstabs, einer Währung also, machen.

Nun gut, machen wir das in der Weltwährung Dollar und nehmen auf beiden Seiten ETFs aus dem Dollarraum, womit die Vergleichbarkeit perfekt gegeben ist. Wir nehmen den größten S&P500 ETF SPY und auf der anderen Seite den größten Eurostoxx 50 ETF FEZ. Und nun schauen wir mal, nun wird man die Leistung unserer europäischen Rettungspolitiker bestimmt sehen können:

Autsch, das ist ja noch schlimmer? Und an dieser Stelle verlasse ich den Boden des obigen Sarkasmus wieder und werde wieder ernst.

Denn es ist tatsächlich schlimmer, weil der Euro in der Zeit zum Dollar weiter gefallen ist, sprich an Außenwert verloren hat, sprich alle Besitzer von Eurobeständen im Vergleich zu Dollarbesitzern ärmer geworden sind.

Da haben Sie also den Vergleich der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa im Vergleich zu den USA aus Sicht der Kursentwicklung der größten Unternehmen. Und selbst wenn man ein paar Faktoren wie Liquidität aus der Gleichung nimmt, bleibt immer noch genügend Differenz übrig, um das zu einem Dokument der europäischen Schwäche zu machen.

Da sehen Sie, wie gut die Eurozone wirklich "gerettet" wurde. Sie wurde am Leben gehalten, das stimmt. Die Musik wirtschaftlicher Expansion und Innovation, findet aber woanders statt und zwar da drüben über dem Atlantik, wo aus Sicht vieler Europäer die "Idioten" wohnen - je wirtschaftsferner der Autor, desto zuverlässiger wird dieses Urteil gefällt.

Warum der Aufschwung in Europa so jämmerlich ist, hat mit vielen Faktoren zu tun, im Saldo aber mit den Strukturproblemen und Lebenslügen dieses Brüsseler Europas und des Euros, die sich politisch wie oben zeigen.

Dass sich Großbritannien bei der Gestaltung des Brexits nun gerade in den Fuß schießt, ist dabei kein Gegenargument, denn deren politische Vertreter sind auch nicht anders als unsere. Und sich aus dem Brüsseler Verordnungsgewirr zu lösen, wäre eine Aufgabe für einen echten Entfesselungskünstler, den die Briten aber derzeit nicht an der Spitze haben. Die Klebrigkeit des Brüsseler Verordnungsgewirrs und die Schwierigkeit sich daraus zu lösen, sagt aber nichts über die Qualität desselben aus. Die Qualität im Sinne der Auswirkungen auf die Unternehmen, können wir oben im Chart bewundern.

Europa hat einfach ganz tiefgehende strukturelle Probleme, die unter anderem in strukturellen Fehlkonstruktionen wie dem Euro begründet sind, die aber permanent nur mit Formelkompromissen und "weißer Salbe" zugeschmiert werden. Ich nenne das einfach strukturelles Politikversagen, ein anderes Wort fällt mir dafür nicht ein.

Und wissen Sie eigentlich, was das ganz Schreckliche an den obigen Charts ist?

Ich sage es Ihnen: Unsere Leitzinsen sind immer noch bei Null. Was machen wir eigentlich im nächsten Abschwung, der so sicher wie das Amen in der Kirche kommt?

Ihr Michael Schulte (Hari)

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