Erwartet und überraschend

Was letzten Donnerstag mit dem Einbruch der weit gelaufenen Techwerte am Markt geschehen ist und sich schon am Tag vorher mit starken Abgaben bei AAPL, TSLA und CRM ankündigte, dürfte wohl mal wieder die besterwartete Entladung seit langer Zeit gewesen sein.

Denn es war offensichtlich, dass die Techwerte bei aller berechtigten Begeisterung über deren Zukunftsaussichten, etwas zu weit vorausgelaufen waren. Eine spekulative Komponente war also vorhanden, auch wenn die Bewegungen im Kern Substanz haben.

Ich habe das letzte Woche auch hier im freien Bereich mit den Worten beschrieben:

Nur ob da nun etwas zu viel übertriebene Spekulations-Sahne oben auf den Kursen ist, das ist eine sehr berechtigte Frage, ich gehe auch eher davon aus, eine Korrektur erscheint fällig.

Es war aber auch immer klar, dass der genau Zeitpunkt der Entladung nicht im Vorfeld zu antizipieren sein würde, so eine Entladung kommt schnell, hart und plötzlich und ohne echten Auslöser - wie ein Blitz aus einem gewittrigen Himmel.

Man kann den genauen Zeitpunkt des Blitzes nicht vorhersehen, man kann ab den Marktzustand erkennen, der Blitze wahrscheinlich macht, so wie eine schwül-drückende Wetterlage im Sommer.

Und genau das war im Vorfeld zu sehen und insofern ist rein gar nichts an dieser Entladung bisher überraschend.

Ein Markt wird dann gefährlich, wenn er nicht tut, was er eigentlich sollte. Dieser Markt hat aber gerade genau das gemacht was er sollte, weswegen man diese Entladung bisher gelassen sehen kann und auf Basis der bisher vorhandenen Signale davon ausgehen, dass es nach dem Gewitter weiter im Bullenmarkt geht.

Hier sehen wir das Geschehen beispielhaft bei Apple, das schon am Mittwoch startete und am Freitag schon einen markanten "Hammer" generiert hat, die Aktie wurde wieder aggressiv gekauft:

Und im S&P500 wurde nun gerade das langfristige Ausbruchsniveau über die Februar-Hochs von oben getestet, auch das bisher ein normaler Vorgang:

Trotz dieser völlig erwartbaren, absehbaren Situation, die ich im Premium-Bereich seit 2 Wochen mehrfach und deutlich beschrieben habe, werden aber immer wieder Anleger davon auf dem falschen Fuß erwischt. So ungefähr wie jedes Jahr auch die ersten Schneeflocken immer "ganz überraschend" kommen. 😉

Das hat viel mit unserer eigenen Psyche zu tun, mit dem was wir hier im Blog liebevoll-sarkastisch "Affenhirn" nennen und die Folge davon sind dann Ärger, Reue, Unruhe etc.

Wer sich so vom Markt treiben lässt, dem nützt es dann auch nichts vorher x-mal gelesen zu haben, dass eine 10% Korrektur nun wahrscheinlich und gesund sei, wenn die geliebte Apple oder was auch immer um 10% korrigiert, schalten sich in den Hirnen die Angst & Flucht-Reflexe ein, die wenn nicht kontrolliert, garantiert zu Fehlentscheidungen führen.

Damit komme ich zu einer Erhöhung der Einstiegshürde bei Mr-Market und zu dem, was ihnen im Premium-Bereich geboten wird. Denn dort erhalten sie unter anderem eine tägliche Begleitung und Einordnung des Marktgeschehens, wenn sie so wollen, wird das "Affenhirn" von mir "an die Leine genommen" und ihm Ruhe und Gelassenheit zugesprochen. Viele profitieren sehr davon und die Community wächst zunehmend schneller.

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Zwei Schritte vor, Einer zurück.

Was man für das Anlagejahr 2020 aus historischer/statistischer Sicht erwarten kann, habe ich Ihnen hier im freien Bereich -> am 15. Dezember letzten Jahres <- nahegebracht.

Und ich habe Ihnen da an vielen historischen Charts der letzten Jahrzehnte gezeigt, dass auf ein starkes Börsenjahr wie 2019, gerne ein volatileres, aber immer noch starkes Börsenjahr folgt.

Der typische Verlauf eines Jahres mit US Präsidentschaftswahl, hat dabei eine Seitwärtsbewegung oder Korrektur im 1. Quartal, eine markante Rally nach Ostern bis in den Frühsommer hinein, eine scharfe Korrektur im Früherbst vor der Wahl und eine Rally nach der Wahl ins Jahresende.

Ob das wieder so kommt ist unklar, jede Regel hat auch ihre Abweichungen, aber es lohnt sich trotzdem, diesen typischen Verlauf im Auge zu behalten, bis man vom Marktgeschehen vom Gegenteil überzeugt wird.

Nun sind wir nach markanter Rally im ganzen letzten Quartal, im Jahr 2020 angekommen und haben als "Sahnehäubchen" nun auch noch einen eskalierenden Konflikt im Nahen Osten bekommen.

Für die Börsen ist dieser Konflikt aber nur temporär relevant, solange er eben heiss läuft. Er führt dann zu steigendem US Dollar, steigendem Gold, steigenden Ölpreisen und tendentiell wackeligen Börsen, was sich aber schnell umdreht, sobald das Risiko geringer wird oder Gewöhnung eintritt - weswegen man eher "kaufen sollte, wenn die Kanonen donnern".

Wobei auch dieser Sinnspruch - wie so viele - natürlich nichts über das Timing sagt, denn wer weiss schon, ob und wie lange nun die Kanonen im Nahen Osten donnern?

Man kann das sehr schön am Beispiel der Lufthansa sehen, denn an den Börsen profitieren natürlich vor allem Rüstungsaktien, während beispielsweise Luftfahrtgesellschaften abverkauft werden.

Die Lufthansa hatte eine saubere Wendeformation, einen Ausbruch und hat dann klassisch und geordnet entlang der 200-Tage-Linie nach unten konsolidiert, unter anderem wegen der neuen Streikproblematik.

Das sah sehr sauber und aussichtsreich aus, um aus dieser Konsolidierung wieder nach oben zu ziehen. Dann kam am Freitag die Eskalation im Nahen Osten und natürlich reagiert der Markt darauf mit Macht - eine neue Information führt immer zu einer Anpassung der Erwartungen.

Klar ist aber auch, dass diese negative Belastung wieder verschwindet, falls und sobald sich der Rauch im Nahen Osten verzieht und die Lufthansa dann wieder ihre alte Grundstruktur ohne diese Sonderthematik aufnehmen wird. Man kann hier also Chancen sehen, weiss aber trotzdem nicht, wie tief dieser Nahost-Effekt noch geht, weil wir eben nicht wissen, was die Mullahs und Trump als Nächstes machen werden:

Diesen Einfluss von kriegerischen Geschehnissen auf die Kurse, müssen wir also zur Kenntnis nehmen, dürfen ihn aber auch nicht überbewerten, weil er eher temporär ist.

Wichtiger für das große Bild ist aber weiter die innere Marktmechanik der großen Indizes und über die will ich nun ein paar Worte verlieren. Denn jetzt, mit dem Beginn des neuen Jahres, steigen die Risiken deutlich, dass dieser Markt mal wieder in eine unvermeidliche Korrektur läuft.

Sollte der Markt nun einfach weiter steigen, zum Beispiel weil der Rauch in Nahost sich schnell verzieht, würde es die Schärfe und Fallhöhe der Korrektur sogar nur erhöhen, so wie das auch Anfang 2018 zu beobachten war:

Völlig unabhängig vom Geschehen in Nahost, sollten wir nach einem tollen 4. Quartal in 2019 nun also etwas mehr taktische Vorsicht an den Tag legen.

Verwechseln Sie diese taktische Warnung für die kommenden Wochen aber nicht mit einem grundlegend bärischen Blick auf 2020. Zu einem gesunden Markt gehört einfach, dass er nach zwei Schritten vorwärts auch wieder einen zurück geht und danach ist der Weg für weitere Hochs wieder frei. Das ist gesund und völlig natürlich, eine baldige Korrektur - vielleicht nun durch Nahost in Gang gesetzt - ist also aus emotionaler Sicht nicht zu befürchten, sondern zu wünschen!

Glauben Sie aber auch nicht, dass man den Beginn der Korrektur auf den Tag genau erkennen kann, das ist einfach Unsinn und jede Minute des Grübelns darüber vergeudet. Dieser Markt kann nun durchaus Nahost schnell abschütteln und doch noch Wochen aufwärts laufen, so wie er das schon 2018 gemacht hat, es würde aber die Notwendigkeit und Unvermeidlichkeit der Korrektur nur erhöhen.

Beginnen wir das Jahr 2020 an der Börse nun also mit etwas mehr taktischer Vorsicht, begrüssen wir eine Korrektur freudig, wenn sie denn kommt und dann können wir in frischer Luft wie nach einem Sommergewitter, wieder optimistisch in die Zukunft schauen.

Auch in 2020 gilt, dass wir als mündige Anleger das Gebrabbel der Crash-Propheten weiter dahin entsorgen sollten, wohin es in der Regel gehört: in den Mülleimer. Diese Leute haben oft treffende Problembeschreibungen und wenn sie dabei bleiben würden und Demut zeigen könnten, wären ihre Gedankengänge sogar lesenswert.

Das Problem entsteht aber durch die Hybris der Prognose, etwas was wiederum nötig ist, um möglichst viele Schafe an die Kassen zu bringen, die sich dann im Besitz des Wissens einer "Geheimloge" wähnen und doch nur bei ihren Ängsten abgeholt wurden.

Dieser Blick ins Gekröse mit Jahreszahlen verursacht massiven Schaden in den Depots der gläubigen Anleger, denn selbst wenn die Problembeschreibungen richtig sind, kann ein System, von dessen Überleben die Existenz so vieler "Eliten" abhängt, problemlos noch 10 oder 20 Jahre weiter machen und in dieser Zeit die Kurse vervielfachen.

Verwechseln Sie eine richtige Problembeschreibung also bitte nicht mit einer zeitlichen Prognose, das sind zwei völlig verschiedene paar Schuhe. Und ich habe Ihnen das schon oft gesagt und es bleibt am Markt auch für 2020 wahr:

Zu früh ist nur ein anderes Wort für Falsch!

Aber wenn Sie hier schon länger mitlesen, dann renne ich jetzt offene Türen ein und wenn Sie sogar im Premium-Bereich Mitglied sind, dann haben Sie erlebt, wie wir im letzten Jahr mit einfachen Depots 40% und mehr Gewinn verbucht haben, während die Jünger des nahen Weltuntergangs sich dafür gut fühlen durften. 😛

Auch für das Jahr 2020 gilt also:

Wir folgen dem Markt. Wir raten nicht, wir bekämpfen den Markt nicht, wir reagieren auf den Ton, den er vorgibt.

Und wenn wir dann von 40% Gewinn ein paar Prozent wieder abgeben, bevor wir den neuen Ton hören können, dann ist das genau gut so und liegt im System.

Das Jahr 2020 hat gute Chancen ein Jahr der Überraschungen zu werden, ein Jahr das vielleicht wieder einen positiven Kurssaldo liefert, aber doch weit stärkere Pirouetten liefert, als 2019.

Wir nähern uns so einem Jahr am Besten wieder Schritt für Schritt und die Augen immer in der Gegenwart, bei der nächsten Biegung des Weges. So wird auch 2020 wieder ein profitables Jahr werden.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Drama – Liebe – Wahnsinn

Ich weiss nicht, ob Sie noch zu der Generation gehören, die sich noch an die alten "Väter der Klamotte" Folgen erinnert - damals als man als moderner Mensch noch vor dem Fernseher sass. Heute wird das mehr und mehr zum Medium derer, die das Internet als "Neuland" betrachten oder sich wie zuletzt Uli Hoeness, damit zu profilieren glauben, dass sie -> noch nie ins Internet geschaut hätten <-.

Diese "Väter der Klamotte" Folgen hatten am Anfang einen Vorspann, der unter dem Motto "Drama - Liebe - Wahnsinn" stand, wer sich nicht erinnert, kann das zum Beispiel -> hier <- bei Youtube tun.

Wenn Sie den Bildern folgen, sehen Sie schnell, dass es eine wunderbare Beschreibung des abgelaufenen Börsen-August ist, viel Drama, am Ende aber wenig Ergebnis:

In meinen Worten hier im freien Bereich vor den Ferien, hatte ich ja genau so eine volatile, richtungslose Seitwärtsbewegung über den August erwartet. Allerdings hat der größte Präsident aller Zeiten mit seiner völlig überraschenden Eskalation der Handelsgespräche Anfang August dafür gesorgt, dass diese etwas tiefer und volatiler ausgefallen ist, als erwartet.

Den Höhepunkt erreichte das Geschehen dann am Freitag 23.08., als Trump für einen Moment überzogen hat und der Markt ihn mit massiven Abgaben bestraft hat, als er glaubte im Sinne "I hereby order" einfach alle Firmen auffordern zu können, sich aus China zurück zu ziehen.

Erlebt haben wir in dem Moment aber auch, wer Trump wirklich im Griff hat und das sind die US-Indizes, wenn die fallen, dann reagiert er, denn er will eine Wahl gewinnen. Und so hat er über das Wochenende den Hebel umgelegt, den Fehler korrigiert und die Geschichte von den anrufenden Chinesen kreiert. Und da die Chinesen letztlich mitgespielt haben, hat es den Markt gedreht.

Für die Frage, wie das nun in den Indizes weiter geht, ist das alles eher ohne Belang, denn der Übergang vom Sommer in den Herbst, börsentechnisch markiert durch den US Feiertag "Labor Day", ist aus Sicht der Marktlage ein wenig so wie ein Neuanfang zu sehen.

Selten haben die Kursbewegungen des Sommers dann noch Bedeutung und Aussagekraft für die kommenden Wochen, dieser Tag ist wie ein Schnitt, an dem ein neuer Abschnitt beginnt, der Abschnitt der zum Jahresende hinführt.

Unterstützt wird dieser Effekt dadurch, dass nach dem heutigen "Labor Day" die "A-Teams" wieder an die Handelstische zurückkehren, das Volumen steigt deutlich gegenüber dem August und der Markt wird wieder mehr von grundlegenden Richtungen getrieben, während er im Hochsommer gerne in der Hand technischer Spielereien ist.

Wenn ich nun hier im freien Bereich ganz oberflächlich in die kommenden Wochen schauen soll, sind die folgenden Ausssagen zur Einordnung wichtig, die ich Ihnen nun einfach so zur Verfügung stelle und Sie auf Ihre Bedürfnisse übersetzen müssen. Tiefere Diskussionen und Einblicke gibt es nur in der Community, der Blog geht nun wieder in den Normalmodus über - mit in der Regel 2 Artikeln pro Tag.

(1) Wichtig für uns als Anleger ist nun, was bis zum Jahresende passiert und nicht, was 2021 passieren "könnte".

(2) Das ganze Gerede um "Inverted Yield Curve" und mögliche Rezessionen ist nun auch irrelevant, selbst wenn in den US in 2020 eine kommt, können die Kurse trotzdem zum Jahresende steigen. Oder mit anderen Worten "zu früh ist nur ein anderes Wort für falsch".

(3) Von der typischen Saisonalität her, kommen mit September und Oktober nun riskante und schwierige Monate, bevor dann im November typischerweise die Jahresendrally einsetzt. Nachdem das Jahr 2018 mit seinem Einbruch bis Heiligabend völlig aus diesem Muster gefallen ist, spricht viel dafür, dass dieses Jahr wieder typischer wird.

(4) Die Erwartungen der Anleger und deren Stimmung, wechseln aktuell zwischen skeptisch bis bärisch. Praktisch alle Indikatoren, die das Sentiment messen, zeigen einen hohen Anteil Skepsis und kaum jemanden, der schlícht bullisch zum Jahresende ist. Das ist eher ein Kontraindikator.

(5) Medial wurden alle bärischen "Säue" endlos durch das Dorf getrieben. Eine kommende Rezession wurde aus allen Blickwinkeln immer und immer wieder beleuchtet. Starke Kursbewegungen beruhen aber auf Überraschungen, weil anderes schon teilweise in den Kursen ist.

(6) "The Powers that be", die Notenbanken und die hohe Politik, haben alle ein Interesse daran, diesen Markt am Laufen zu halten. Selbst für die Chinesen und Xi gilt das wohl, die am Ende rational immer noch sicherer damit fahren würden, jetzt mit einem Schwäche zeigenden Trump einen Deal zu machen, als das Risiko zu gehen, nach der US Wahl einem von Wiederwahl-Erwägungen befreiten Trump gegenüber zu stehen, der dann noch viel aggressiver agieren kann und wird.

(7) EZB (nächste Woche) und FED (übernächste Woche) werden nach aller Wahrscheinlichkeit den Markt stimulierende Beschlüsse fällen. Schaden wird es ihm nicht, wobei die Frage immer ist, wie weit das von den schon eingepreisten Erwartungen abweicht.

(8) Ein echtes Risiko wäre eine Eskalation in Hongkong, Hongkong ist ein wesentlicher Handelsplatz mit erheblichen Auswirkungen auf die Märkte.

(9) Technisch gesehen, hat die volatile Range des August den Boden für eine direktionale Ausbruchsbewegung nach oben oder unten gelegt, wobei diese Range durchaus im September noch etwas andauern könnte.

In Summe sind das keine so schlechten Voraussetzungen für ein positives Jahresende mit neuen Hochs, vorher bleibt es aber wohl volatil. Ein Einbruch und eine Rezession kann in 2021 trotzdem kommen, das Geld wird aber nun mit dem verdient, was in den kommenden Wochen und Monaten passiert und nicht mit medialen Spekulationen und Hirngespinsten.

Diese medialen Spekulationen dienen nun einmal primär dazu Klicks zu generieren, wer gerade am Finanzmarkt das nicht auseinander halten kann, wird immer wieder wie die Sau zur Tränke geführt, nur um dann abgeschlachtet zu werden.

Ich wünsche einen erfolgreichen Start in den Lauf zum Jahresende, die Weihnachtsmänner kommen schon bald in die Regale der Einzelhändler! 😛

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Auf in die Hamptons!

Als ich das letzte Mal hier im freien Bereich das ganz große Bild des Marktes betrachtet habe, war das im Artikel -> Sommer-Tango <- am 01.07. - also vor genau einem Monat.

Meine Worte waren da:

Nun richten sich die Augen des Marktes auf die FED Ende Juli, von einer Zinssenkung um einen Viertelpunkt kann aus Sicht des heutigen Wissensstands ausgegangen werden. Die EZB kommt eine Woche vorher und wird wohl auch Maßnahmen ankündigen, um im "Race to the Bottom" der Währungen nicht den Kürzeren zu spielen.

Man kann das finden wie man will und man kann berechtigterweise der Ansicht sein, dass diese Notenbankpolitik Wahnsinn ist, es ändert aber nichts daran, dass damit bis auf weiteres die Marktsignale auf Grün bleiben und man zum Jahresende 2019 weiter latent optimistisch sein kann.

Unvorsichtig sollte man nicht werden, das ist aber eine Platitüde, weil das darf man nie, niemand kennt die Zukunft und Überraschungen sind immer möglich.

Wenn man sich nun aber Marker unter den heutigen Kursen zurechtlegt, die dann im Falle des Falles ein Signal setzen, dann kann man solange diese Marker nicht in Gefahr geraten, als Anleger weiter den Sommer-Tango tanzen!

Und wissen Sie was? Viel geändert hat sich nicht, wir können noch immer den Sommer-Tango tanzen, sollten aber nun durchaus mit einer kleinen Schwächephase rechnen, die vielleicht 5% Minus ausmachen könnte, können danach zum Jahresende aber weiter optimistisch sein.

Es wäre also kein Wunder, wenn sich der S&P500 diesen August irgendwie im Bereich dieser Box bewegen würde. Würde der S&P500 den unteren Rand ereichen, wären das rechnerisch 4,3% Minus von heute. Im September sehen wir dann weiter:

Die EZB hat zwar letzte Woche vordergründig noch nichts getan, einen weiteren Schub in die Negativzinsen oder sogar eine Neuaufnahme des Asset-Aufkaufprogrammes, für den Herbst aber sprachlich vorbereitet.

Und die FED hat gestern die allseits erwartete erste Zinssenkung mit einem Viertelpunkt in Gang gesetzt und damit einen ausgewogenen Spagat zwischen dem Druck Trumps und der eigentlich immer noch gut laufenden Konjunktur versucht.

So ein Spagat geht aber fast immer schief, Trump dürfte unzufrieden sein und der Markt, der zumindest teilweise noch still und heimlich auf einen halben Punkt gehofft hatte, dürfte auch nicht ganz happy sein.

Das ist auch ein psychologisches Problem, denn der Markt hoffte auf den Einstieg in eine längere Zinssenkungsphase, weiss aber auch, dass die FED solche Phasen fast immer kraftvoll mit einem halben Punkt Erstsenkung eingeleitet hat. Und auch in der Pressekonferenz hat Jerome Powell mal wieder Erwartungen enttäuscht, davon kann man bei ihm fast zuverlässig ausgehen - die Eloquenz ist ihm offensichtlich nicht in die Wiege gelegt.

Insofern ist das Gestern, gemessen an den Erwartungen, wohl für alle Seiten zu wenig gewesen. Die Einen halten diese Senkung schon für übertrieben, weil es keinen klar sichtbaren Anlaß dafür gibt, die Anderen halten die Senkung für zu wenig. Die Chance, dass nach diesem FED-Entscheid die oben genannte Sommer-Korrektur als klassische "Sell-the-News" Reaktion in Gang kommt, ist also nun vorhanden!

Aber wie auch immer, das sind einfach die typischen Anpassungen der Erwartungen nach der FED und die sollte man gelassen betrachten, wichtig ist, dass der "Race to the Bottom" einfach in die nächste Runde geht. Die Anpassung der Kurse wird sich wohl heute und am morgigen Freitag noch ausschaukeln, dann wird auch hier mehr Ruhe einkehren und der echte Sommerhandel beginnen. Eine kleine Korrektur wäre aber nun nicht nur fällig, sondern auch äusserst gesund und sollte von allen begrüsst werden, die nach dem Urlaub zum Jahresende Chancen suchen wollen.

In diesem Sommerhandel haben sich die "A-Teams" der Wallstreet nun bald in ihre diversen Villen und Resorts verabschiedet, wie zum Beispiel die berühmten -> Hamptons <- auf Long Island, nicht so weit von New York entfernt und mit dem Hubschrauber vom Südende Manhattans schnell erreichbar. 😉

An den Handelstischen sitzen im August nur die "B-Teams", das sind die gegeelten Jünglinge, die gerne einen Hubschrauber hätten. 😛 Und das Volumen ist deutlich geringer als sonst.

Dieser Sommerhandel kennt selten eine echte Richtung, kann durch das geringere Volumen aber sehr volatil werden, ich erinnere nur an den berühmten ETF-Flash-Crash vom 24.08.15.

Auch ich verabschiede mich nun in den Sommerurlaub, da ich keinen Hubschrauber habe, ganz normal in die Ferien, wie das bürgerliche Mitteleuropäer halt so tun. 🙂

Der Blog läuft weiter, es gibt auch neue Beiträge, aber im August nur spärlicher als normal. Ab Anfang September geht es dann wieder mit Vollgas in Richtung 2020.

Nun wünsche ich allen, die wie ich jetzt erst in die Ferien starten, schöne Sommerferien! Und allen anderen wünsche ich bald einen beschwingten Start hinein in den Wettlauf bis Weihnachten. Die Schokoladen-Weihnachtsmänner sind schon längst produziert, wenigstens das bleibt, wie es schon immer war. 😛

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Die Marktlage Ende Februar

Kommende Woche mit den bayrischen Faschingsferien, ist auch dieser Blog im Ferienmodus, es gibt dann im freien Bereich keinen Artikel.

Daher will ich heute auch mal einen groben Blick auf die Marktlage werfen, mein letzter Kommentar dazu hier im freien Bereich ist ja hier in -> Das endlose Zögern und die Unsicherheit <- auch schon wieder 3 Wochen her.

Seitdem hat der Leitindex S&P500 auch die 200-Tage-Linie genommen und klopft nun an die Verlaufshochs des letzten Oktobers und Novembers an. Hinter uns liegt seit dem 26.12.18 eine brutale Stärkephase ohne grössere Pausen, die sich Weihnachten kaum jemand hätte vorstellen können.

Erneut wurde damit das bewahrheitet, was ich Ihnen vor mehr als einem Monat in -> Der neue, alte Markt - Alles wie immer? <- geschrieben habe:

Der Markt ist also ganz der Alte geblieben, aber die Bewegungen laufen länger, uniformer und störrischer als in der Vergangenheit, einer Vergangenheit in der Menschen primär einzelne Aktien gehandelt haben.

....

Dieses Herumraten ist sowieso Unfug und in diesem veränderten Markt erst recht. Viel profitabler ist es, eine grundlegende Richtungs- oder Logikänderung abzuwarten und dann erst auf diese aufzusatteln, denn diese dauert im aktuellen Markt länger als früher und läuft uniformer in die gleiche Richtung, als wir uns vorstellen können.

Auch vor einem Monat wäre es also richtig gewesen, dem Trend weiter zu folgen, hier ist der heutige Stand:

Ein Geruch von 2017 liegt nun in der Luft, als es auch beständig nur nach oben ging und man über Monate auf ein Retracement wartete, das dann nie kam.

Dieses Mal haben wir aber eine andere Grundlage, man sieht im Chart sehr gut, dass die Bewegung unter die 2.600er Zone, die Anfang Dezember begann, eine "Anomalie" war.

Denn eigentlich war der Markt am 03.12.18 mit dem G20 Treffen bereit, einen Boden zu finden und in das traditionell starke Jahresende zu wechseln. Was dann ab dem 04.12. kam, waren aber brutale Abgaben des großen Geldes, die auf zwei Faktoren beruhten, die sich gegenseitig bedingen:

Einerseits machten Rezessionsängste die Runde, die aber unsubstantiiert waren. Ich erinnere als ein Beispiel nur an das ganze Gerede um die invertierte Zinskurve, das ich schon letzten Sommer kritisch kommentiert habe. In einem reflexiven Markt reicht es aber, dass die einen verkaufen, damit auch andere verkaufen und sich die Karawane in Bewegung setzt.

Andererseits machte die FED mehrere kommunikative Fehler, von denen Jerome Powell in der FED-Sitzung vor Weihnachten den Allergrößten gemacht hat und damit die obigen Ängste erst richtig befeuert hat. Powell wurde vom Markt schwer bestraft und schon wenige Tage danach merkte man, wie die FED versuchte zurückzurudern.

Mittlerweile sind die unmittelbaren Rezessions-Ängste wieder vom Tisch, das Geraune von einer Rezession in der Zukunft gibt es immer und hat als Geraune ohne harte Daten, keinen gesteigerten Wert. Und die FED hat sich 180 Grad gedreht und ist nun so taubenhaft, wie man nur sein kann. Natürlich ist das in die Zukunft hinein ein Problem, weil nun Mittel schon verschenkt wurden, aber es hat eben diese Rally befeuert.

Was wir oben im Chart vor uns sehen, ist also kein 2017, es ist die Korrektur einer Anomalie, einer Fehlbewertung des Marktes, die zu einem guten Stück mit der Richtungsänderung der FED zu tun hat. Ein schönes Sprichwort zum Vorlaufindikator Aktienmarkt sagt ja:

The stock market hat predicted 9 of the past 5 recessions

Das war also wieder so ein Fall, der Vorlaufindikator des Marktes ist höchst sensibel und ahnt Ungemach immer lange *vor* den ökonomischen Daten, was aber das Risiko in sich birgt, dass nicht jeder Warnung dann auch wirklich ein Problem folgt. Trotzdem lohnt es sich den Markt ernster zu nehmen als ökonomische Daten, denn es gab keine Rezession, die der Markt nicht als Erster gerochen hat, nur sind leider auch ein paar Fehlsignale dabei, wie im Dezember.

Nun sind wir also eigentlich nur da, wo wir auch ohne diesen verrückten Dezember und Januar hätten sein müssen, streichen Sie den Bereich unter der grünen Unterstützung einfach gedanklich weg. 😉

Stand heute haben wir also einen sehr starken Markt, der nun aber klar überkauft ist und im Bereich ca 2.800 im S&P500 in eine erneute Widerstandszone läuft.

Von hier ein Rücksetzer in den kommenden 2 Wochen, wäre also alles andere als ein Wunder, der Markt ist aber so stark, dass man davon ausgehen kann, das die Unterstützung um 2.600 mit Präferenz auch bei einem Retracement halten wird.

Gleichzeitig zeigen andere Märkte, die ja teilweise das ganze Jahr 2018 im Bärenmarkt waren, nun auch klare Lebenszeichen, schauen Sie zum Beispiel mal auf die Struktur die sich im MDAX aufbaut, das sieht auch nicht so schlecht aus:

Summa Summarum ist die Lage geprägt von:

  • einem sehr starken Markt, dem mittelfristig noch Einiges zuzutrauen ist. Starke Märkte sterben nicht so schnell, wie wir oft erlebt haben.
  • kurzfristig einer überkauften Marktlage, so dass ein markantes, scharfes Retracement nun jederzeit um die Ecke kommen kann.
  • den Handelsgesprächen als dem großen Katalysator - ein Sell-the-News Effekt nach Abschluss einer eigentlich positiven Einigung, wäre kein Wunder, nachdem der Markt nun wochenlang in Hoffnung hochgeschoben ist.
  • einer starken Unterstützung im S&P500 bei ca. 2.600, die wenn sie überhaupt erreicht wird, mit Präferenz halten sollte.
  • anderen Weltmärkten in Europa und den Emerging Markets, die seit Anfang 2018 im Bärenmarkt waren und nun erhebliches Aufholpotential besitzen.
  • diversen abstrakten Risiken wie Brexit, den "Mueller Tapes", der Kreditsituation in China usw, die immer als gute Argumente der Bären dienen, aber der Regel "it doesn´t matter until it matters" unterliegen.

Wir sollten also kurzfristig etwas mehr Vorsicht an den Tag legen und auch mal mit einem scharfen Retracement rechnen, können aber mittelfristig für 2019 weiter positiv sein.

Und gibt es einen Faktor, der das ganze Gebäude zum Einsturz bringen könnte und uns in eine noch schlimmere Korrektur als im Dezember drücken? Ja zwei sogar!

Einerseits eine von Italien ausgehende Zerstörung der Eurozone. Ich rechne damit nicht in naher Zukunft, vorher wird die EZB noch "everything and the kitchen sink" auf das Problem werfen und auch Dinge wie noch tiefere Negativzinsen angehen. Und erst dann irgendwann in der Zukunft, ist die Eurozone wohl "reif", weil die Spannungen dann unerträglich werden.

Darauf jetzt zu wetten, wäre also wohl ein Verlustgeschäft, denn -> zu früh ist am Markt nur ein anderes Wort für falsch <-

Andererseits ein Scheitern der Handelsgespräche. Wenn diese Gespräche in Vorwürfen und einem Handelskrieg zwischen US und China enden sollten, dann wird das Gebäude kippen, davon bin ich überzeugt und dann sehen wir die Tiefs vom Dezember wieder.

Nur wie wahrscheinlich ist das? Xi wie Trump haben nun ein Incentive sich zu einigen und insbesondere Trump will in gut 18 Monaten wiedergewählt werden und kann daher keine Rezession gebrauchen, die seine Wähler im "Rostgürtel" besonders hart treffen würde.

Also, die Lage ist mal wieder schwierig aber nicht hoffnungslos. 😉 Dem -> Optimismus sollte mittelfristig weiter eine Chance gegeben werden <-, auch wenn kurzfristig nun erhöhte Vorsicht sinnvoll ist.

Und wenn doch eines der großen Desaster wie oben eintritt, dann sollte man *dann* darauf zügig und konsequent reagieren und nicht versuchen im Vorfeld auf etwas zu wetten, dessen Eintreffen völlig im Ungewissen ist.

Ich wünsche gute Entscheidungen und schöne Faschingsferien!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Börsenjahr 2019 – Dem Optimismus eine Chance!

Ein gutes und erfolgreiches Jahr 2019, wünsche ich auch an dieser Stelle allen freien Lesern!

Seit dem letzten Artikel am 17.12. ist viel passiert und wir haben in der Community dazu auch viel besprochen. Die Grundlage eines schlechten Jahresanfangs wie beschrieben, wurde durch eine katastrophale Kommunikation des FED Chefs Powell in der Woche vor Weihnachten zerstört.

Denn die Grundlage der Vergleiche zu 2008 und 2016 war ja, dass im alten Jahr die Kurse noch zusammengehalten werden, um die Performance nicht zu versauen, dann aber im neuen Jahr das große Geld "abzuladen" beginnt.

Was aber passiert ist, ist in Folge der FED am 19.12. ein Zusammenbruch des Marktes, der mit einem Ausverkauf am Freitag vor Weihnachten und genau am Heiligabend, historische Ausmaße angenommen hatte. Je nachdem wie man rechnet, war das der schlechteste Dezember seit der großen Depression der 30er Jahre, in deren Folge dann auch Adolf Hitler an die Macht gespült wurde - oder es waren sogar die schlimmsten Börsenweihnachten überhaupt!

Damit war die Grundlage eines im alten Jahr zusammengehaltenen Marktes gar nicht da, womit uns schon vor Weihnachten klar war, dass kurzfristig eher ein Rebound anstehen würde und so ist es dann ja auch gekommen:

Klar ist nun, dass wir hier eine Situation vor uns haben, die nach einem klassischen Test der Einbruchszone bei 2.600 nachgerade schreit, der dann abgewiesen wird und zu neuen Tiefs führt. Das ist das Model das die Bären haben dürften und es ist nicht von der Hand zu weisen.

Klar ist aber auch, dass in den US alle Binnendaten eigentlich immer noch eher positiv sind. So passen solche extrem guten Arbeitsmarktdaten wie letzten Freitag, einfach nicht mit einer Rezession vor der Tür zusammen - überhaupt nicht!

Und klar ist daher auch, dass der US Markt mit seiner Korrektur der Realität schon deutlich voraus gelaufen ist. Und das weil der Markt zu zwei Themen eine negative Erwartungen entwickelt hat. Erstens zur FED, das hatte Powell Anfang Oktober ausgelöst und Mitte Weihnachten eskaliert. Zweitens zum Handelskrieg mit China, der das ganze Jahr schon seine Schleifspuren hinterlässt, siehe Apple.

Objektiv deutet in den US weiter wenig auf eine Rezession hin und *trotzdem* hat der S&P500 20% abgegeben und die stärkste Korrektur seit 2008 generiert. Und das alles nur aus Angst, dass es schlechter werden *könnte*, aus reinem Konjunktiv heraus!

Das ist nicht ungewöhnlich, der Aktienmarkt hat immer schon 9 der letzten 5 Rezessionen vorher gesagt, man sollte sich das aber klarmachen. Und genau deshalb, ist eine positive Überraschung hier wahrscheinlicher, als es die historische Erfahrung nach so massiven Einbrüchen impliziert. Man darf das bullische Szenario nicht vom Tisch wischen.

Ich will hier im freien Bereich die taktische Diskussion um das was die kommenden Woche ansteht und wie sich das auf die Kurse auswirkt, gar nicht führen. Wie das Jahr wird, weiss sowieso niemand und man kann bestenfalls die Entwicklung der kommenden Wochen richtig einschätzen. Und wenn wir das wieder wie so oft hinbekommen, ist das das Maximum was möglich ist. Man fliegt eben auf Sicht, aber gute Sicht kann schon einen Vorteil verschaffen.

Ich will hier stattdessen das ganz große Bild betrachten, wie es sich für langfristigen Investoren darstellt. Viele Anleger haben ja in den letzten Jahren immer gesagt, dass sie dann bei der nächsten Korrektur endlich einsteigen würden.

Ich habe mich darüber immer lustig gemacht, weil die Erfahrung sagt, dass die die in den letzten Jahren immer gezögert haben, es in der Korrektur erst recht nicht können, weil dann die Nachrichtenlage so negativ ist. Dann wird wieder gezögert und am Ende passiert das Gleiche wie 2009 oder 2013 oder 2016, man wartet auf den "ganz großen Crash", der aber dummerweise statistisch nur alle paar Jahrzehnte mal kommt, der letzte liegt jetzt 10 Jahre zurück.

Schauen wir doch mal, wo wir in 2019 nun stehen:

  • Kann diese Korrektur sich ausweiten, der S&P500 bis zur 2016er Ausbruchzone fallen und damit 30-40% korrigieren? Eindeutig ja!
  • Kann der DAX wieder vierstellig werden? Eindeutig ja!
  • Kann eine Einigung zwischen US und China scheitern und ein heißer Handelskrieg entstehen? Eindeutig ja!
  • Kann Italien zu einem Bruch der Eurozone führen? Eindeutig ja!
  • Kann die Konjunktur in Deutschland als Folge einer Mischung von gesellschaftlicher Larmoyanz und Selbstverstümmelung endgültig in eine Rezession abkippen? Eindeutig ja!
  • Können die Probleme mit Krediten in den Emerging Markets sich zu einer neuen Kreditkrise ausweiten? Eindeutig ja!

Und so weiter, ich könnte mit anderen Themen weitermachen. Das alleine sagt uns aber gar nichts, denn diese Aussagen hätte ich auch vor 2 Jahren am Anfang von 2017 mehr oder weniger so machen können und Sie wissen ja, wie gnadenlos die Börsen in 2017 hoch geschoben haben.

Entscheidend ist nicht, dass diese Risiken existieren, entscheidend ist wie wahrscheinlich sie sind und wie viel davon schon im Markt eingebacken ist!

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Was ist ein gleitender Durchschnitt?


Mr-Market liefert tägliche Aktualität, Hintergründe und Ausblicke, wir besprechen langfristige Investments ebenso wie Trades und tauschen uns in Foren und Community aus. Und das mehrmals börsentäglich.

Mr-Market erklärt aber auch Grundlagen, ja auch die absoluten Basics für jeden Anleger. Und das auf eine Art und Weise, die die theoretischen Konstrukte am Beispiel erlebbar macht.

Hier ist ein Beispiel eines solchen Artikels von Anfang Oktober, in dem die absoluten Grundlagen zu gleitenden Durchschnitten vermittelt werden.

Sie wissen das alles schon? Bestimmt, aber lesen Sie trotzdem mal, vielleicht bringt die Darstellung im Gesamtkontext Sie ja doch auf den einen oder anderen Gedanken.

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Was ein Durchschnitt ist, wissen Sie sicher. Man nehme X Zahlen, addiere diese zusammen und teile die Summe durch X. Und schon hat man den ungewichteten Durchschnitt der Zahlen. Wenn man jetzt einzelne der Zahlen nach irgend einer Logik noch höher gewichtet als andere, bekommt man einen gewichteten Durchschnitt.

Beim Kursverlauf an der Börse ist es ganz ähnlich. Addieren wir die letzten 20 Schlusskurse der letzten 20 Tage und teilen diese Summe durch 20, dann wir haben einen Durchschnitt gebildet. Und wenn wir das nun für jeden Tag machen, jeweils immer für die letzten 20 Tage, dann haben wir einen gleitenden Durchschnitt gebildet, auch *Simple Moving Average* oder *SMA* genannt.

So einfach ist das, hier ist der SMA20 in blau im Chart des S&P500 zur Zeit der Lehman-Krise dargestellt. Dieses und die folgenden Charts sind übrigens zur Vergrößerung klickbar:

Dieser 20er-gleitende-Durchschnitt glättet also den Kursverlauf, weil er jeweils die letzten 20 Zeitpunkte zusammenfasst und daraus einen Durchschnitt bildet. Diese Durchschnittspunkte werden verbunden und fertig ist die Linie des 20er SMA!

Bevor ich hier weiter mache, will ich mit einer Fehlkonzeption aufräumen, die mancher vielleicht hat und die fatal ist, weil sie zu völlig falschen Schlußfolgerungen führt. Denn wenn wir die Durchschnittsgröße von 20 Äpfeln bilden, ist es naheliegender Weise ein "Apfeldurchschnitt". Wenn wir aber die Durchschnittsgröße von 20 Birnen bilden, ist es ein "Birnen-Durchschnitt" und eben *kein* "Apfel-Durchschnitt".

Und auch bei Charts bezieht sich ein gleitender Durchschnitt daher *immer* auf die Dimension des Charts. Wenn im Chart ein Punkt oder eine Kerze pro Tag dargestellt wird, ist es ein 20-Tage-Durchschnitt, auch 20-Tage-Linie genannt. Wenn es aber ein Chart wie oben mit Wochenkerzen ist, ist es ein 20-Wochen-Durchschnitt, bzw eine 20-Wochen-Linie, wenn man die Punkte miteinander verbindet!

Wer also in einem Chart mit Wochenkerzen eine 200-Tage-Linie darstellen will, sollte sich daran erinnern, dass die meisten Handelswochen 5 Handelstage haben und weiss dann, dass eine 40-Wochen-Linie näherungsweise einer 200-Tage-Linie entsprechen muss, weil eben 40*5=200 ist.

Nun zurück zum obigen Chart, das also die 20-Wochen-Linie im Sinne des einfachen gleitenden Durchschnitts - des SMA20 - darstellt.

Wenn wir uns klar machen, was ein Durchschnitt der letzten 20 Zahlen bedeutet, dann ist klar, dass der Durchschnitt dann exakt auf dem Niveau der letzten (aktuellen) Zahl stehen wird, wenn es in den 20 Punkten vorher keine große Bewegung gab und diese nur um die letzte Zahl herum fluktuiert sind.

Im Chart wäre das ein Kursverlauf seitwärts, der in den letzten 20 Punkten (hier Wochen) wenig direktionale Bewegung hatte. Genau diesen Fall sehen wir Ende 2007 im Chart mit "SMA auf Kurs" bezeichnet, als der Markt 2007 kurz vor Weihnachten noch durch Window-Dressing zusammen gehalten wurde.

Wenn aber eine starke Bewegung einsetzt, wenn also die 20 Punkte vor dem aktuellen Tag immer tiefer oder höher gegangen sind, *muss* der gleitende Durchschnitt zwangsläufig immer *nachlaufen*, weil der Durchschnitt logischerweise in Richtung des Trends höher (bei fallendem Trend) oder tiefer (bei steigendem Trend) sein muss.

Diesen Effekt sehen wir im Chart im November 2008 und im August 2009, als wir jeweils starke direktionale Bewegungen hatten und der gleitende Durchschnitt daher zwangsläufig immer nachlaufen muss.

Was zeigt uns also ein gleitender Durchschnitt? Ganz trivial, den geglätteten Kursverlauf. Und die Glättung wird umso stärker, je länger man den Bereich der Durchschnittsbildung macht. Ein SMA50 ist also deutlich stärker geglättet als ein SMA20.

Fertig, mehr "Geheimnis" gibt es erst einmal nicht. Wenn Sie das verstanden haben, haben Sie auch sofort verstanden, worin der Sinn eines gleitenden Durchschnitts liegt. Denn wir erleben doch gerade derzeit wieder, wie der Markt mal einen Tag steigt und einen Tag fällt und am Ende nicht viel passiert. Und wenn wir langfristig agieren, dann wollen wir uns doch von diesem Hin- und Her nicht verrückt machen lassen.

Genau hier liegt der Sinn einer Darstellung eines SMA, wenn man daran sein Handeln ausrichtet. Wenn wir nur dann agieren, wenn der SMA ein Signal liefert und *nicht* auf jeder Zuckung im Verlauf, dann glätten wir genau dieses unnötige Geschaukel und bekommen eine ruhigere Hand.

Und so ein Signal kann in beide Richtungen gehen, es kann ein Ausstiegssignal sein, oder ein Einstiegssignal. Gerade bei bekannten Durchschnitten wie der 50-Tages-Linie zum Beispiel, laufen nach oben trendende Aktien mit denen gerne oberhalb synchron, so dass ein touchieren der Linie ein Kaufsignal sein kann.

Konkret gesagt, ist das Agieren auf Basis des SMA also ein ideales Tools für Investoren, die eine ruhige Hand suchen und sich nicht vorschnell verrückt machen lassen wollen.

Wie lange man glättet, entscheidet dann darüber, wie stark man temporäre Dellen aussitzen will, aber damit auch, wie viel "Verspätung" man bei echten Abwärtsbewegungen hat.

Fügen wir zu obigem Chart doch mal den SMA50 in Rot hinzu, dann sehen wir schnell, dass dieser später zu fallen beginnt und viel später erst den Tiefpunkt erreicht:

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Einen Schritt weiter

Wir haben Sonntag Mittag und die Nachrichten vom G20 Gipfel vom -> temporären Waffenstillstand zum Handelskonflikt <- sind noch nicht alt.

Letzte Woche Montag habe ich Ihnen hier unter dem Titel -> Jetzt oder Nie <- dargestellt, dass der US Markt an der Klippe zu einem mittelfristigen Bärenmarkt stand. Es hätte nicht viel gefehlt diesen abstürzen zu lassen und für die Bullen war es eine Situation, in der sie entweder in den Ring steigen mussten oder sozusagen für immer schweigen.

Es gibt ja den netten Spruch "Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter" und genau so ist es gekommen, nur dass die Bullen eine 180 Grad Wende vom Abgrund weg erzwungen haben, auf den letzten Drücker sozusagen.

Ja, die Bullen sind in den Ring gestiegen und das massiv, sie hatten aber auch eine Menge Feuerunterstützung. Letzte Woche Montag und Dienstag hat der Markt sich schon aus eigener Kraft hoch gerobbt, aber eine Rede des FED Chefs am Mittwoch Abend um 18 Uhr MEZ stand aus, die wir hier in der Community auch aufmerksam erwartet haben. Schon wenige Minuten danach, das Redemanuskript war verteilt, war klar was das bedeutete, eine massive Rally nämlich.

Denn Powell hatte seine Aussagen von Anfang Oktober wieder eingefangen, die damals deutlich am Einbruch mitgewirkt hatte. Damals sagte er: "long way below neutral." was das Niveau der Zinsen anging. Das musste man als einen steilen Zinspfad interpretieren, der Markt hatte damit für 2019 3 Erhöhungen eingepreist und hatte Sorgen entwickelt, dass die FED eine heran kriechende Rezession übersieht und überzieht.

Mit dem "just below neutral" von Mittwoch 18 Uhr, veränderte Powell den Ton erheblich und es gibt für den Markt nichts Mächtigeres, als eine Notenbank die auf die Taubenseite wechselt. Denn "neutral" heisst die Zinsen sind fast OK und den Rest sieht man dann "data dependent".

Das löste eine deutliche Rally in den US Indizes aus, die Donnerstag und Freitag bestätigt wurde. Und nun haben wir ein zweites Positivum, der obige, temporäre Waffenstillstand stellt das Optimum dar, das man realistisch erwarten konnte.

Niemand mit Verstand hat eine echte Einigung erwartet, das geht bei dem komplexen und vielschichtigen Thema schlicht nicht. Auf den Pfad des Dialogs zurück zu kehren und die Ultimaten abzuschwächen und mehr Zeit zu kaufen, ist daher das Beste was man vom Gipfel erwarten konnte.

Wir können davon ausgehen, dass der Markt das am Montag wohlwollend aufnehmen wird, denn der hatte durchaus noch Angst vor einer Eskalation. Wirklich gelöst ist durch die Verschiebung aber auch nichts, auch das wird der Markt verstehen, aber ein versöhnlicher Jahresabschluss in den US Märkten scheint nun sehr wahrscheinlich.

Im S&P500 können wir damit rechnen, dass die hier gezeigte, altuelle Ausgangslage, nach oben aufgelöst wird und am Montag der untere Lila Pfeil erobert, sowie der obere Lila Pfeil angelaufen wird:

Ich hatte Ihnen dazu schon am Freitag -> via Tweet <- geschrieben:

So, direkt unter dem 200er SMA, sieht ein Index aus, der sich auf eine Party mit Tanz vorbereitet, aber noch nicht sicher ist, ob er nicht doch schnell zum Notausgang muss, weil der Tanzpartner zu hässlich ist.

Diese Sorge um einen hässlichen Tanzpartner dürfte nun weg sein, eine Auflösung nach oben in der kommenden Woche wahrscheinlich. Wahrscheinlich ist am Montag eine Bewegung bis zum zweiten Lila Pfeil, der Nackenlinie - und danach sieht man weiter.

Und falls der unwahrscheinliche Fall eintritt und der Markt diese Vorlage nun nicht zur Rally nutzen kann, sollte man das als tiefrotes Alarmsignal betrachten, denn ein Markt der nicht tut was er sollte, ist ein gefährlicher.

Wenn Sie genauer wissen wollen was das alles bedeutet, denn die kommende Woche ist voller Ereignisse, sollten Sie zu uns dazu stossen. Hier im freien Bereich biete ich Ihnen bewusst nur einen oberflächlichen Teaser, denn ich gehöre nicht zur Fraktion die Klicks hinterher jagt, ich schreibe für Menschen, denen Mr-Market etwas wert ist.

Die kommende Woche bietet die für den DAX wichtige Sitzung der deutschen Autobauer bei Trump, sie bietet allerlei Notenbankreden und am Ende die wichtigen US Arbeitsmarktdaten. Insofern wird es auch nachdem der Markt den G20 Gipfel verarbeitet hat, diese Woche genügend spannende Entwicklungen geben. Und wir werden eine Menge Aktien besprechen, die in der Korrektur besonders vom Handelskonflikt und den Sorgen um China betroffen waren und daher nun besondere Chancen bieten.

Denn auch wenn wir immer noch nicht wissen, ob der Bullenmarkt sich mittel- und langfristig noch fortsetzt, oder wir nun schon in einer Topbildung sind, die mit einem niedrigeren Hoch als Ergebnis dieses Rebounds auslaufen wird, für uns ist jetzt einfach wichtig, dass die kommenden Wochen bis zum Jahresende kurzfristige Chancen bieten, alles weitere sieht man dann, einen Schritt nach dem anderen.

Achja, bevor ich es vergesse, wir bekommen durch den Tod des 41. Präsidenten George H. W. Bush am Mittwoch überraschend einen handelsfreien Tag in den US, der allerlei Termine durcheinander werfen wird.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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