Differenzierung – die verlorene Kunst

Ein politischer Kommentar in einem Börsen- und Wirtschaftsblog?

Nein, eher nicht. Eher ein verzweifelter Ruf nach Vernunft und Differenzierung. Vernunft und Differenzierung, die im immer mehr angeheizten Klima der deutschen Republik, langsam völlig unter die Räder zu kommen scheinen.

Natürlich, mir ist völlig klar, dass dieser Beitrag kaum "Likes" und "Klicks" bekommen wird, würde ich mich nun dagegen am allgemeinen Eindreschen von "Links" auf "Rechts" und in entgegengesetzte Richtung beteiligen, wäre die Chance auf Aufmerksamkeit viel höher.

Schon vor Jahren haben wir beklagt, dass sich die Menschen durch die sozialen Medien zunehmend in ihre Filterblasen zurückziehen und nur noch Bestätigung suchen, statt ihren Geist um Erkenntnis zu erweitern - das ist aber tragischerweise nicht besser, sondern eher schlimmer geworden, Lagerdenken herrscht nun allüberall.

Auch in den Medien ist das zu beobachten, es gibt nur noch ganz wenige Medien die versuchen, eine gewisse Pluralität der Meinungen zu leben. Die Allermeisten auf beiden "Seiten" sind dagegen eindeutig einem "Lager" zuzuordnen und wehe man veröffentlicht dort etwas, was nicht dem entspricht was das eigene "Lager" lesen will, dann kommt aber der "Shitstorm" über die Redaktion.

In dieser thematischen Enge, diesem verbohrten Eingraben in eigene Wahrheiten, sind sich beide Seiten völlig gleich, beide sind aber zutiefst davon überzeugt, dass "nur die anderen" die mit dem Brett vor dem Kopf sind. Schon Heiner Geißler hat aber mehrfach darauf hingewiesen, dass die wirklichen politischen Extreme sich am Ende in ihrer Menschenverachtung wieder höchst ähnlich sind.

Beide Extreme verachten den Individualismus, die extremen Linken wollen das Individuum einer "großen Idee" unterordnen, die extremen Rechten typischer einem "großen Führer". Das Ergebnis ist für den normalen Bürger, das "Individuum" also, aber gleichermassen verheerend, denn beide Extreme lieben die wohlig-warme miefige "Volksgemeinschaft", das Ideal des sich einig an den Händen halten.

Verbunden sind diese Ideologien fast immer mit überbordender Staatsgläubigkeit und kollektivistischen Idealen - eine freie Marktwirtschaft freier ungegängelter Menschen, ist bei den Extremen nie beliebt. Und ob man nun bei der FDJ-Parade in Reih und Glied in Zwangs-Uniform mitmarschiert, oder an einem Morgenappell der HJ mit Zwangs-Uniform antreten muss, Massenveranstaltungen dieser Art sind für den jungen Menschen letzlich gleich, nur die Farben und Parolen sind unterschiedlich.

Ich will mich hier auch nicht an der "Schuld-Frage" beteiligen, woher diese aktuelle Eskalation im Lande kommt, das wird genügend an anderer Stelle umgewälzt. Ganz eindeutig und zweifelsfrei gibt es aber einen zeitlich exakt zu identifizieren Zusammenhang, der kaum Zufall sein dürfte. Noch 2014 im Sommer der Weltmeisterschaft, schien das Land friedlich und mit sich im Reinen. Sicher war da auch Einiges nur überdeckt, aber zumindest an der Oberfläche war die Welt intakt, die Gesellschaft befriedet. Die AfD war damals nach der Abspaltung der gemäßigten Lucke-Fraktion in 2015 bundesweit unter 5% und auf dem absteigenden Ast.

Und dann kam im Herbst 2015 Merkel mit der Grenzöffnung, mit der sie nach dem was man liest, gegen den Rat und die Erwartung aller Sicherheitsorgane entschieden hat. Was letztlich bis zur aktuellen Diskussion um den Chef des Verfassungsschutzes Maaßen führt, den auch dort scheint Vertrauensverlust Teil des Hintergrunds zu sein und es erscheint mir persönlich von außen auch so, als ob alte Rechnungen eine Rolle spielen. Der Journalist Robin Alexander, hat in seinem Buch "Die Getriebenen" vieles dazu beschrieben. Dort im Herbst 2015 nahm eindeutig vieles seinen Anfang, was uns nun gesellschaftlich um die Ohren fliegt, mehr will ich dazu hier gar nicht festhalten, ich würde nur wiederkäuen, was schon endlos hin und her gekaut wurde.

Aber es ist wie es ist, ich werde es hier mit einem Artikel nicht ändern. Was ich aber tun kann, ist an die verlorene Kunst der Differenzierung erinnern. Die Kunst die gute Demokraten auszeichnet, die Kunst die kluge Denker auszeichnet.

Die Welt ist nicht holzschnittartig zwischen "Gut" und "Böse" aufgeteilt, auch wenn man sich gerne einbildet zu den "Guten" zu gehören und deshalb viel Energie darauf verwendet, die "Anderen" abzuwerten, um sich selber aufzuwerten. Die Welt kennt auch nicht nur eine Wahrheit, daran glauben nur zutiefst religiöse oder ideologisierte Menschen und das hat in der Geschichte der Menschheit schon zu viel Mord und Totschlag geführt.

Die Welt ist komplex, wandelbar und vielschichtig und es gibt zu ein und derselben Sache meistens mehrere Wahrheiten, abhängig davon von welcher Seite man Licht auf sie fallen lässt. Differenzierung ist daher das Zauberwort, die Fähigkeit zur Differenzierung zeichnet alle aus, denen es wirklich um die Sache und nicht um den plumben Sieg und die Durchsetzung der eigenen Ideologie geht.

Lassen Sie mich daher zu aktuellen Themen mal abstrakte, differenzierende Sätze formulieren, die zeigen, wie schlimm es um die politische Kultur des Landes mittlerweile bestellt ist. Denn die, die diese Sätze sagen würden, würden zuverlässig in ein Ecke gestellt und stehen am Ende wahrscheinlich zwischen allen Stühlen, weil sie sich mit keinem Lager wirklich gemein machen und in der Lagerlogik jeder ein Feind ist, der keinen unbegrenzten Treueschwur leistet und sich eigenes Denken erlaubt.

  • Man kann Migration als etwas Positives für eine Gesellschaft begreifen und trotzdem gegen eine ungeordnete Migration völlig fremder Kulturkreise sein.
  • Man kann seinen türkischen Händler um die Ecke lieben und trotzdem den von archaischem Ehrverständnis getriebenen Messerstecher hassen.
  • Man kann zutiefst für die Einigung Europas sein und trotzdem das real existierende Brüsseler Europa für eine Deformation halten.
  • Man kann für eine gemeinsame Währung zueinander passender europäischer Staaten sein und trotzdem den real existierenden Euro für eine fatale Fehlkonstruktion halten.
  • Man kann die Diversität der Welt lieben und wertschätzen und trotzdem oder gerade deswegen für den Erhalt der lokalen Kulturen und gegen einen globalen Schmelztigel sein.
  • Man kann für einen Sozialstaat sein, der jedem ein auskömmliches Leben ermöglicht und trotzdem oder gerade deswegen für Leistung eintreten, dafür dass herausragende Erfolge auch zu herausragendem Wohlstand führen.
  • Man kann für mehr bezahlbare Mietwohnungen sein und trotzdem oder gerade deswegen Vermietern das Leben erleichtern und nicht erschweren.
  • Man kann die soziale Marktwirtschaft lieben und als das System erkennen, das den Menschen zuverlässig den höchsten Wohlstand beschert und trotzdem ihre Verwerfungen ernst nehmen und dort eingreifen, wo der Markt nicht mehr funktioniert.
  • Man kann für möglichst viel erneuerbare Energien sein und die Realitäten der Physik trotzdem nicht aus den Augen verlieren.
  • Man kann den menschlichen Einfluß beim Klimawandel nicht für endgültig und zweifelsfrei erwiesen halten und trotzdem aus dem Prinzip der Vorsicht alle Maßnahmen unterstützen, die mit Maß diesen Einfluß einzudämmen versuchen.

Man kann ..... ich denke Sie wissen nun was ich meine, ich könnte so weiter machen. Differenziertes Denken ist gefragt, wenn uns das Land und unsere Zukunft nicht um die Ohren fliegen soll.

Praktisch jeder dieser Sätze oben ist heute aber schwer bis teilweise praktisch unmöglich, weil die Lager eine derartige Teilabweichung nicht tolerieren würden. Im besten Fall wird so ein Satz überhört, im schlimmsten Fall bekämpft. Man muss entweder mit Haut und Haaren zu einem Lager dazu gehören oder ist ein Gegner - diese zunehmend binäre Haltung hat etwas Totalitäres, ist Zeichen einer erschreckenden Infantilisierung des politischen Diskurses und wird der komplexen Wirklichkeit nicht gerecht.

Aber all das oben kann man denken und richtig finden. Man muss das aber auch nicht so sehen, man kann das auch ganz anders sehen, klar ist aber an diesen Sätzen, dass man sehr wohl das Eine trotz des Anderen denken kann! Und genau diese Differenzierung scheint aktuell nicht mehr möglich zu sein, man wird zwangsläufig in ein Lager eingeordnet.

Dass diese differenzierten Stimmen nicht mehr durchdringen ist fatal, das führt das Land auf einen Pfad der Eskalation, der uns Angst machen sollte!

Und wenn die oberste Politik nach meiner festen Überzeugung *eine* Aufgabe hat, angefangen natürlich mit der Kanzlerin, dann ist es die Aufgabe wieder eine differenzierende Sprache zu finden und diese auch glaubwürdig zu machen, weil man den klaren Worten auch klare Taten folgen lässt.

Wenn unsere Politik dieser Aufgabe nun aber nicht gerecht wird und bisher kann ich persönlich das nicht sehen, wird sie in die Geschichtsbücher vielleicht als eine Phase des Scheitern eingehen, in der 70 Jahre Frieden und Wohlstand in der alten Bundesrepublik mutwillig und ohne zwingenden Grund beendet wurden.

"Alternativlosigkeiten" und "Basta" in all seinen sprachlichen Varianten, sind dabei für mich persönlich nichts weiter als entweder Ausdruck eigener geistiger Trägheit oder wahlweise Verachtung der differenziert denkenden, gebildeten Bürger, die man so mit sprachlichen Banalitäten abspeist.

Gute Politik für unser Land ist es definitiv nicht. Gute Politik stellt sich der Komplexität der Welt und die kennt nun einmal keine einfachen Wahrheiten und keine immer gültigen Ideologien. Was gute Politik auszeichnet, ist eine von Verantwortungsethik getragene Rationalität, die ihr Handeln konsequent an dem ausrichtet, was zu jedem Zeitpunkt das Beste für das Land und seine Bürger ist. Und vor allem dann genau das tut und durchsetzt und nicht nur darüber redet.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Fällt das Eine oder steigen die Anderen? – Die Mean Reversion und der September

Mein letzter Artikel hier im freien Bereich war Ende Juli, bevor ich im August - wie auch viele andere Börsianer - in den Ferienmodus gewechselt bin.

Nun haben wir Anfang September und auch an der Wallstreet kehren die "A-Teams" am Dienstag an ihre Handelsplätze zurück. Erst am Dienstag, weil am morgigen Montag mit "Labor Day" in den US ein Börsenfeiertag ist.

Ende Juli habe ich den August in -> Die Lage im Hochsommer <- wie folgt antizipiert:

Was kann ich mir nun also in den Herbst hinein vorstellen?

Der August und September sind durchaus kritische Monate, in denen der Markt gerne mal einen Einbruch vollführt, ich erinnere nur an den 24.08.15 mit dem markanten ETF-Flash-Crash.

Ich kann mir gut vorstellen, dass auch dieses Jahr noch ein entsprechender Aufreger und Einbruch im Spätsommer bzw Frühherbst vor uns liegt, ähnlich wie für den S&P500 eingezeichnet. Und nach diesem "Aufreger", ist dann der Weg zu S&P500 3.000 frei.

Ich sehe also keinen Grund, gerade jetzt über den August große Risiken einzugehen, das kann durchaus schmerzhaft werden. Grund den Markt generell in Frage zu stellen, sehe ich aber ebenso (noch) nicht. Die Chance, im S&P500 zum Jahresende höher zu stehen als heute, erscheint mir immer noch gut.

Nun ist diese Phase ja noch nicht vorbei, der September beginnt ja gerade erst, man kann aber schon jetzt festhalten, dass der August tatsächlich ein eher schwacher Monat war, in dem man durch Abwesenheit nichts verpasst hat - das aber mit Ausnahme der US Märkte!

Ich habe den Mitgliedern letzte Woche dieses Chart gezeigt, das eindrucksvoll visualisiert, wie sehr sich die US Märkte vom Rest der Welt abgekoppelt haben. Und das hat sich im August eher beschleunigt:

Im 2. Quartal ist das losgegangen und diese Divergenz ist massiv und in dieser Form recht selten zu beobachten, da die US Märkte in der Regel als "Hund" die Richtung vorgeben, während der Rest der Börsenwelt dann als "Schwanz" volatil wackelnd folgt.

Es ist auf jeden Fall beeindruckend, die US Märkte schlagen in diesem Jahr alles um Längen. Das war hier schon am Jahresanfang Thema, denn wenn die halbe Anlagewelt die "Unterbewertung" der europäischen Märkte als Verkaufsargument nutzt, kann es fast nur anders kommen.

Diese "Schere" hat "auch" mit der Stärke der US Wirtschaft zu tun, "auch" mit der Steuerreform und "auch" mit Trumps Handelspolitik, denn auch wenn Handelsscharmützel am Ende allen schaden, schaden sie in der aktuellen Lage doch den US relativ am wenigsten, was die Schere weiter aufgehen lässt.

Und dann habe ich noch ein Chart für Sie, welches den Januar 2018, im Leitindex S&P500 in den Vergleich zum aktuellen Geschehen stellt:

Wir sehen, dass die US Märkte langsam beginnen "heiss zu laufen", so wie das schon im Januar der Fall war - es war auch im Januar klar, dass diese Steigung nicht ewig so durchgehalten werden konnte.

Nun sind wir noch ein gutes Stück von der Überdehnung des Januar entfernt und es kann daher gut sein, dass der US Markt noch ein paar Wochen noch steiler weiterschiebt und schon viel früher als gedacht das Ziel von 3.000 im SPX erreicht, das ich wie treue Leser wissen, schon das ganze Jahr zum Jahresende erwartet habe.

Je schneller und höher der US Markt nun aber steigt, desto ausgedehnter dürfte aber auch die "Mean Reversion" werden, die Rückkehr zu Maß und Mitte.

Verwechseln Sie so eine Korrektur im Herbst aber nicht mit einer Trendwende, in den US sind alle Signale, auch die konjunkturellen Signale, weiter auf Grün und nichts spricht derzeit gegen einen starken Jahresabschluß. Was 2019 passiert, ist dann eine ganz andere Frage - diese Brücke überqueren wir aber erst dann, wenn wir vor ihr stehen - das wilde Herumraten im Vorfeld ist nicht unser Stil und führt nicht zum Erfolg. Wir *reagieren* konsequent auf den Markt, wie erraten ihn nicht, weil wir wie der Rest der Menschheit keine Glaskugel haben, die uns die Zukunft prophezeit.

Für die kommenden Wochen ist nun aber die Kernfrage, ob das Eine fallen muss oder das Andere steigen wird. Dass diese Schere noch viel weiter aufgeht, ist dagegen nicht sehr wahrscheinlich.

Ich kenne die Antwort auch nicht, kann mir aber als "Weg des maximalen Schmerzes" sehr gut vorstellen, dass erst einmal die anderen Märkte nachziehen, die Stärke sich also fortsetzt und der SPX den 3.000 nahe kommt und so viele Unentschlossene in den Markt gezogen werden. Und dann kommt die Korrektur doch noch im Herbst, die nun schon überfällig ist.

All das wird aber hier im freien Bereich nicht Thema sein, der nur ca. einmal pro Woche als "Bullauge" auf die Inhalte des Blogs dient. In der immer weiter wachsenden Mr-Market Community, bin ich nun aber wieder jeden Börsentag 2x mit Artikeln zum Markt und zur Welt und zu jeder Menge Opportunitäten bei Einzelaktien Online. Dazwischen kommen noch Videos und erklärende Artikel, die Grundlagen des Börsenhandels vermitteln.

Wenn Sie Lust haben, schauen Sie mal rein, der Ferienmodus ist vorbei und der Blog nimmt wieder Fahrt auf. Weihnachten ist ja auch nicht mehr weit, die Schokoweihnachtsmänner sind schon fertig und Printen und Lebkuchen werden wohl in Kürze unsere Läden bevölkern. 😉 Ich finde es gruselig und trauere noch dem Sommer nach, aber so wird es kommen!

Wir werden unser Augenmerk in der Community in den kommenden Woche auch wieder besonders auf stark wachsende Technologie-Aktien richten, denn Zukunft hat immer Konjunktur und vor uns liegen erhebliche gesellschaftliche Veränderungen, die auch bei den Firmen ihre Schleifspuren hinterlassen werden. Nur weil ein Geschäftsmodell nun 100 Jahre funktioniert hat, ist das keine Garantie, dass das Geschäftsmodell auch weitere 100 Jahre tragen wird. Lange Vergangenheit gaukelt uns eine Sicherheit vor, die so gar nicht existiert.

Beständig ist nur der Wandel und erfolgreich am Markt die, die den Wandel erkennen und von ihm profitieren, statt ihn zu bekämpfen.

Ich wünsche einen guten Start in den Börsenherbst!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Muss man als Euro-Anleger seine Dollar Positionen absichern?



Im Forum der Community sind auch immer wieder grundlegende Fragen, die es Wert sind, in einem Artikel beantwortet zu werden.

Erfahrene Anleger haben oft den positiven Wunsch, ihr diversifiziertes Depot auch in den Währungen der Welt auf mehrere Beine zu stellen. Dazu haben wir hier schon Vieles besprochen.

Was aber, wenn jemand den gegenteiligen Wunsch hat? Was wenn der Besitz ausländischer Währungen auch als Risiko betrachtet wird und nicht nur als Chance zur Diversifizierung? Es gibt ja sogar von Fonds- oder ETF-Abietern oft spezielle "währungsgehedgte" Varianten, die diesen Wunsch befriedigen. Was ist davon zu halten?

Was also, wenn der Anleger sich fragt, ob er sich vor Währungsschwankungen absichern oder diese zumindest etwas abmildern sollte? Da halten viele Anleger doch US Werte in Euro und ein starker Euro bringt dann Kursgewinne manchmal wieder auf Null.

Sollte sich so ein Anleger also mit Währungsabsicherung (Hedging) beschäftigen?

Um die Frage aufzurollen, muss ich zunächst etwas ganz Grundsätzliches wiederholen. Denn jeder ist der Meinung er wüsste was eine Währung ist, aber ist das wirklich so?

Denn wenn wir den "Wert" einer Sache betrachten, müssen wir diese in einem Maßstab betrachten. Bei den Arabern gab es mal eine Zeit, in der alles in Kamelen ausgedrückt wurde, auch der Wert von Menschen. Dieses provokante Beispiel einer Währung, der Kamel-Währung, dient jetzt nicht nur der Auflockerung, sondern hat trotzdem Sinn, denn die "Kamelwährung" war eben auch eine, in ihr wurde Wert ausgedrückt.

Und genau darin liegt das Dilemma von Währungen. Wenn wir uns als Bürger des Euros oder des Schweizer Franken, oder in Deutschland sozialisiert mit der stabilen D-Mark, über den Wert einer Sache unterhalten, drücken wir das immer implizit in unserer Währung als "objektivem Maßstab" für Wert aus. Und das ohne darüber nachzudenken und ohne uns bewusst zu machen, dass es ein höchst schwammiger Wertmaßstab ohne jede Objektivität ist.

Wenn also ein typischer Anleger sieht, dass die Kursgewinne an der Wallstreet durch einen steigenden Euro in seinem Euro-Depotausweis fast auf Null gebracht werden, schliesst er daraus, dass das nicht gut ist und er gegensteuern muss. Diese "Null" scheint also als objektiver Wertmaßstab wahrgenommen zu werden. Aber ist das wirklich so?

Wären wir dagegen Bürger eines Entwicklungslandes und hätten einen persönlichen Erfahrungshorizont darin, dass die eigene Währung permanent an Wert verliert und gleichzeitig eine Hochinflation herrscht, wie zum Beispiel in Brasilien, würden wir ganz anders reden. Wir würden dann versuchen den Wert einer Sache in einer stabileren Währung auszudrücken und diese als Wertmaßstab benutzen - dem US Dollar zum Beispiel.

Also, den Wert einer Währung kann man immer nur in einer anderen Währung ausdrücken. Deshalb gibt es Währungspaare, wie wollte man auch den Wert des Euro in Euro ausdrücken, das Ergebnis wäre immer nur 1. Gold kann man als XAUUSD also in Dollar ausdrücken, den Euro als EURUSD in Dollar und so weiter.

Was passiert also, wenn ein Asset - zum Beispiel eine Aktie - in Euro gerechnet fällt und gleichzeitig in Dollar gerechnet steigt, eben weil EURUSD stark steigt? Ist das Asset dann mehr "wert" oder "weniger" wert oder spielt das gar keine Rolle?

Die Antwort ist keineswegs so einfach wie es scheint, sie liegt vielmehr im Auge des Betrachters.

Aus Sicht einer fiktiven Weltwährung wie der -> Sonderziehungsrechte des IWF <-, also aus Sicht von jemandem der theoretisch in den wichtigen Ländern der Welt mit Lokalwährungen kauft, hat sich der objektive Wert des Assets kaum verändert, denn in der "Weltwährung" ist er gleich geblieben. Die beste Entsprechung dieser "Weltwährung" ist übrigens Gold mit seiner vieltausendjährigen Geschichte.

Aus Sicht von jemandem aber, der alle Kosten in Euro begleichen muss, hat sich die Kaufkraft des Assets (der Wert) für anderen Waren verringert, wobei das auch nur teilweise für Waren gilt, die auch im Euro hergestellt werden. Denn wenn die Ware aus dem Dollarraum eingeführt wird, hat sich der Preis bei der Einfuhr verringert, was in einer theoretisch ideal preisreagiblen Welt, den "Wertverlust" des eigenen Zahlungsmittels komplett ausgleicht.

Aber wie auch immer, wenn man im Euroraum Ausgaben hat und diese mit dem Wert des Assets begleichen will, ist der "Wertverlust" subjektiv real.

An dieser Stelle haben wir daher auch den ersten Fall, für den eine Währungsabsicherung Sinn macht und auch von Firmen genutzt wird. Eine Firma die ihre Waren ins Ausland verkauft und mit den Einnahmen die Gehälter ihrer Mitarbeiter bezahlen will, will sich vielleicht nicht von Währungsschwankungen abhängig machen und "hegded" daher ihre zukünftigen Verkäufe. Das ist übrigens das Kernthema des Futures und Optionsmarktes, aus diesem berechtigten Bedürfnis heraus, die Zukunft schon heute absichern zu können, ist er ursprünglich entstanden.

Für einen privaten Anleger wäre das aber nur ein relevantes Szenario, wenn dieser seine laufenden Ausgaben für Leben und Wohnen aus nicht in Euro notierenden Einnahmen bestreiten müsste. Dann wäre ein Gedanke an Währungshedging sinnvoll, denn für den Preis von nicht unerheblichen Gebühren schliesst man dann Währungsrisiken aber auch Chancen aus.

Für einen privaten Anleger der im Euroraum lebt und arbeitet und durch die Arbeit genug verdient, um seinen Ausgaben zu bestreiten, besteht dieser Grund und damit der Bedarf an Währungsabsicherung aber eher nicht!

Gäbe es denn einen anderen Grund Auslandswährungen abzusichern - zu "hedgen"? Ja, bei Klumpenrisiken, wenn man zu stark von den Währungsentwicklungen abhängig ist und die Risiken nicht tragen kann.

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Eine andere Bilanz des Zustands Europas – 7 Jahre nach der Eurokrise

Bald 7 Jahre ist es her, dass die Eurokrise im Herbst 2011 massiv ihr hässliches Haupt erhoben hat. Und nun im Jahr 2018, befindet sich Europa wieder in einer existentiellen Krise, die nur vordergründig auf einer ganz anderen Problematik beruht.

Denn hintergründig, sind nach meiner Ansicht die gleichen Mechanismen am Werk, die 2011 erst die Lage haben so eskalieren lassen: Formelkompromisse, Machterhalt, wirtschaftliches Analphabetentum, Schaufensterpolitik, Etatismus und Kuhhändel, sind die Stichworte dieses Politikstils, der die Lösung nicht in der Substanz, sondern im kleinsten gemeinsamen Nenner findet.

Ohne diese Mechanismen, statt dessen mit zupackenden, pragmatischen, realitätsbezogenen Maßnahmen im europäischen Geiste, hätte es zu dieser Strukturkrise Europas in 2018 nie kommen müssen. Denn auch die Migrations-Krise hat wenn man sie ohne Scheuklappen betrachtet, logische Lösungsansätze, die sich allerdings wie jeder Realismus, nicht mit Hypermoralismus vertragen. Viele negative Entwicklungen die Europa in den letzten Jahren erlebt hat - der Brexit gehört auch dazu - sind nach meiner Ansicht letztlich die Folge des oben beschriebenen Politikstils.

Und viel Wasser ist seit dem Herbst 2011 den Rhein herabgeflossen und viel Papier wurde mit wohlklingenden Formulierungen bedruckt, wie der Euro doch so wunderbar "gerettet" wurde, alles ganz fundiert vom Ende her gedacht - schon klar.

Auch zum Thema Griechenland dringen nun Nachrichten zu uns, dass das Land ja die Krise überwunden hätte. Das glaubt zwar nur, wer der Grundrechenarten nicht fähig ist, da sich aber die Öffentlichkeit herzlich wenig für die Hintergründe dieser Behauptung interessiert, kann man alles Mögliche zur gefühlten Wahrheit umdefinieren.

Das soll jetzt hier aber nicht Thema sein, weil mit länglichen Argumentationen, mit Zahlen und Herleitungen, erreicht man nur die kleine Minderheit, die sowieso schon von alleine in der Lage ist, die Insolvenzverschleppung in Griechenland zu erkennen. Einen Aha-Effekt, erreicht man bei der Mehrheit so nicht.

Ich will mich daher dem europäischen Problem mal auf ganz andere Art und Weise nähern, vielleicht ist das ja eindrucksvoller, gerade weil es nicht argumentiert, sondern nur etwas zeigt.

Wir wissen, dass die Aktienmärkte der Vorlaufindikator der Wirtschaft sind und ihre Kursentwicklung in der Regel ein getreuliches Bild der wirtschaftlichen Leistungskraft abgeben. Wenn die Aktienmärkte am Boden sind wie 2008, dann gibt es in der Regel auch ein substantielles Problem in der Weltwirtschaft. Und wenn sie auf Höchstständen sind, zeigt es wie die Wirtschaft "brummt".

Ich denke das ist unstrittig, auch wenn die Kursentwicklung nicht alleine davon abhängt. Aktienmärkte sind primär von Zukunftserwartungen geprägt und werden auch von schierer Liquidität bewegt, trotzdem bleibt es dabei, dass sie auch ein Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung sind, denn in ihnen werden die Wachstum- und Gewinnerwartungen mit einem Preisschild versehen.

Deshalb wäre es doch mal eine gute Idee zu schauen, wie sich denn die US Aktienmärkte und die europäischen Aktienmärkte seit 2011 im Vergleich entwickelt haben. Ich meine, wenn ich den Tenor einiger Medien nehme, müsste es doch klar sein. Dann haben wir in den US ein dysfunktionales, politisches System am Werk, das mit Donald Trump seinen Höhepunkt der Lächerlichkeit erreicht hat. Kurz, knapp und flapsig gesagt, da drüben scheinen ja nur "Idioten" am Werk zu sein. Nur gut, könnte man da meinen, dass wir in Europa leben, wo wir so gut, nachhaltig und wirtschaftsfreundlich geführt werden - immer vom Ende her gedacht natürlich! Und besser als die "Amis", verstehen wir die Welt ja sowieso. Oder nicht? 😉

Also schauen wir mal und vergleichen seit 2011 den großen S&P500 Index der 500 größten US Unternehmen und den Eurostoxx 50 Index, der 50 grössten europäischen Unternehmen:

Upps! Da muss wohl jemand die Skala vertauscht haben, kann das wirklich sein, dass die US Märkte so nach oben geflogen sind und die europäische Wirtschaft nicht vom Fleck kommt?

Das kann doch nicht sein, so gut wie wir regiert werden und so furchtbar die US!

Halt, da gibt es ja einen Fehler im Vergleich, die Indizes werden in Landeswährung verglichen und da es ja zwischen Euro und Dollar auch Währungseffekte gibt, sollte man den Vergleich fair auf Basis eines Maßstabs, einer Währung also, machen.

Nun gut, machen wir das in der Weltwährung Dollar und nehmen auf beiden Seiten ETFs aus dem Dollarraum, womit die Vergleichbarkeit perfekt gegeben ist. Wir nehmen den größten S&P500 ETF SPY und auf der anderen Seite den größten Eurostoxx 50 ETF FEZ. Und nun schauen wir mal, nun wird man die Leistung unserer europäischen Rettungspolitiker bestimmt sehen können:

Autsch, das ist ja noch schlimmer? Und an dieser Stelle verlasse ich den Boden des obigen Sarkasmus wieder und werde wieder ernst.

Denn es ist tatsächlich schlimmer, weil der Euro in der Zeit zum Dollar weiter gefallen ist, sprich an Außenwert verloren hat, sprich alle Besitzer von Eurobeständen im Vergleich zu Dollarbesitzern ärmer geworden sind.

Da haben Sie also den Vergleich der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa im Vergleich zu den USA aus Sicht der Kursentwicklung der größten Unternehmen. Und selbst wenn man ein paar Faktoren wie Liquidität aus der Gleichung nimmt, bleibt immer noch genügend Differenz übrig, um das zu einem Dokument der europäischen Schwäche zu machen.

Da sehen Sie, wie gut die Eurozone wirklich "gerettet" wurde. Sie wurde am Leben gehalten, das stimmt. Die Musik wirtschaftlicher Expansion und Innovation, findet aber woanders statt und zwar da drüben über dem Atlantik, wo aus Sicht vieler Europäer die "Idioten" wohnen - je wirtschaftsferner der Autor, desto zuverlässiger wird dieses Urteil gefällt.

Warum der Aufschwung in Europa so jämmerlich ist, hat mit vielen Faktoren zu tun, im Saldo aber mit den Strukturproblemen und Lebenslügen dieses Brüsseler Europas und des Euros, die sich politisch wie oben zeigen.

Dass sich Großbritannien bei der Gestaltung des Brexits nun gerade in den Fuß schießt, ist dabei kein Gegenargument, denn deren politische Vertreter sind auch nicht anders als unsere. Und sich aus dem Brüsseler Verordnungsgewirr zu lösen, wäre eine Aufgabe für einen echten Entfesselungskünstler, den die Briten aber derzeit nicht an der Spitze haben. Die Klebrigkeit des Brüsseler Verordnungsgewirrs und die Schwierigkeit sich daraus zu lösen, sagt aber nichts über die Qualität desselben aus. Die Qualität im Sinne der Auswirkungen auf die Unternehmen, können wir oben im Chart bewundern.

Europa hat einfach ganz tiefgehende strukturelle Probleme, die unter anderem in strukturellen Fehlkonstruktionen wie dem Euro begründet sind, die aber permanent nur mit Formelkompromissen und "weißer Salbe" zugeschmiert werden. Ich nenne das einfach strukturelles Politikversagen, ein anderes Wort fällt mir dafür nicht ein.

Und wissen Sie eigentlich, was das ganz Schreckliche an den obigen Charts ist?

Ich sage es Ihnen: Unsere Leitzinsen sind immer noch bei Null. Was machen wir eigentlich im nächsten Abschwung, der so sicher wie das Amen in der Kirche kommt?

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Divide et Impera!

Vor uns liegt die große Woche des medialen Rauschens, die von geopolitischen und finanzpolitischen Themen geprägt sein wird.

Begonnen hat es schon gestern, mit dem G7 Desasters im Sinne -> Er kam sah und wirbelte <-.

Wird das überhaupt Auswirkungen auf die Märkte haben? Selektiv ja, wir sehen es heute früh ja schon an den Autowerten, die Trump direkt attackiert. Global gesehen aber eher nein, denn auf den G7 als Format zu verzichten, macht die Welt nicht schlechter und verringert den Gewinn keines Unternehmens auch nur um einen Cent. Genau genommen hat Trump meine Sympathie den zweiten Tag zu "schwänzen", denn diese Themen mit allgemeinen Absichtserklärungen sind genau das, was diese Gipfel zu so einer lächerlichen Ansammlung von Formelkompromissen macht.

Problematischer ist da langfristig schon der Mangel an Verbindlichkeit der aus Trump spricht, der den gleichen Menschen gerade noch zum Himmel loben und kurz danach via Twitter verdammen kann. Mangelnde Verbindlichkeit ist Gift für Beziehungen und Vertrauen und auf Vertrauen in Berechenbarkeit, beruht letztlich auch jede Investition und damit die Weltwirtschaft.

Gleichzeitig ist genau das im Sinne "divide et impera" aber Trumps Machtmittel, das er schon in seiner Zeit als Immobilien-Mogul immer wieder angewandt hat. Wenn man Stimmen aus seinem Umfeld folgt, fühlt er sich wohl mit etwas Chaos um ihn herum, weil das verhindert, dass echter Widerstand entsteht und er dann um so leichter seiner Eingebung folgen kann. Insofern ist das Bild das Merkel Pressekorps zum Gipfel veröffentlich hat wirklich treffend. Aber nicht so wie es sich das Pressekorps wünschte, sondern in dem es zeigt wie Trump grinsend sitzt, während die anderen diskutieren. Divide et Impera!

Kurzfristig für ein paar Jahre funktioniert diese Methode auch ganz hervorragend. Langfristig wird sie für die Welt und auch die Weltwirtschaft sehr gefährlich sein. Denn Verbindlichkeit - und nicht Chaos - ist das zentrale Fundament auf dem Investitionen blühen - oder nicht. Man nennt das auch das "Investitionsumfeld".

Der G7 war ja aber nur Ouvertüre, wir haben am Dienstag das Treffen Trump-Kim, das auf den Markt dann eine Auswirkung haben würde, wenn es im Dissenz und mit Beschimpfungen enden würde.

Wenn ich das Treffen Trump-Kim aus der Perspektive des Sentiments betrachte, dann hat es in meinen Augen einen optimistischen Überhang. Es sind hohe Erwartungen damit verknüpft und es ist keineswegs sicher, dass das so kommt. Alleine das Treffen selber ist für Kim ein riesiger Erfolg, selbst wenn er nach einer Minute "empört" wieder abreisen würde. Kim hat also wenig zu verlieren und deswegen ist das Risiko einer Enttäuschung in meinen Augen durchaus vorhanden. Wenn es zu einem Erfolg führt, dürfte es daher nur eine geringe Reaktion der Märkte geben, wenn es scheitert, eine stärkere.

Dann haben wir am Mittwoch die FED, die den Markt schon auf eine weitere Zinserhöhung vorbereitet hat und am Donnerstag die EZB, die beginnt den Markt auf ein Ende des Anleihenkauf-Programms einzustimmen. Es wird spannend sein zu sehen, wie Draghi das mit der einen Hand tut und versuchen wird, es mit der anderen Hand zum Wohle der Zinsentwicklung in Italien wieder einzufangen. Von beiden Notenbank-Events dürfte der EZB-Termin der deutlich spannendere sein.

Wir haben diese Woche aber auch noch die Bank of Japan (BoJ) und eine Unmenge wichtiger ökonomischer Daten, Inflationsdaten, Retail Sales und Industrie-Produktion.

In Summe ist unglaublich viel los und das trifft auf einen zuletzt wieder sehr resilienten Markt, der zum für ihn auch wichtigen Thema "Handel" bisher zum Schluß gekommen ist, dass das ein Thema ist das Sorgen rechtfertigt, aber "not yet", außer in selektiven Fällen wie den deutschen Autobauern, aber selbst diese Reaktion ist noch verhalten. "It doesn´t matter until it matters".

Vor allem ist aber diese Woche in kurzer Folge zu viel los, um den Verlauf zu antizipieren. Die Auswirkungen auf die Kurse vorher sagen zu wollen, ist daher sinnlos und vermessen und deswegen sollten wie es gar nicht erst versuchen.

Wichtig ist aber sich an die Resilienz des Marktes zu erinnern und daran zu erinnern, das dieser immer noch im "it doesn´t matter" Modus ist. Wir tun also gut daran, den medialen Nachrichten nicht zu viel Bedeutung beizumessen und auf den Markt selber zu schauen.

Und ich wäre keineswegs überrascht, wenn am Ende der Woche in den Kursen gar nicht so viel passiert wäre. Zumindest ist das das Muster der letzten 2 Jahre.

Was ich Ihnen -> zur Lage Anfang Mai <- geschrieben habe, ist also immer noch gültig:

Und im ganz großen Bild bleibt es dabei, wir sind in einer Seitwärts-Bewegung im ersten Halbjahr, die im zweiten Halbjahr dann gut S&P500 3.000 erreichen könnte. Das alles aber eingebettet in eine ganz normale, größere Konsolidierung, die die immensen Gewinne seit Anfang 2016 erst verarbeiten muss, bevor es weiter hoch gehen kann.

Und das Chart des Leitindex S&P500 sieht immer noch so aus und die Konjunkturdaten der US weisen nach oben, während sich in Europa eine leichte konjunkturelle Delle andeutet:

Ist das ein Grund Panik zu schieben? Nein.

Ist das ein Grund dem medialen Rauschen als Investor große Aufmerksamkeit zu schenken? Nein.

Wir sollten besser dem Markt selber Aufmerksamkeit schenken. Wenn etwas passiert, dass dessen Erwartungen schwer enttäuscht und dieses Bild verändert, werden wir es schnell in den Kursen sehen und genau dann ist der Zeitpunkt darauf zu reagieren.

Kluge Anleger raten nicht im Vorfeld herum, weil sie dann in 9/10 Fällen zu früh reagieren. Sie reagieren statt dessen im einen 1/10 Fall zügig im Sinne eines vorher durchdachten Plans, wenn sich etwas Relevantes in Bewegung setzt. So sollten wir auch an diese Woche des medialen Rauschens heran gehen.

Ihr Hari

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Warum ich vom Platzen des Euros ausgehe und trotzdem noch ganz entspannt bin

Letzte Woche haben wir wieder erlebt, wie die Eurokrise erneut ihr Haupt erhoben hat. Auch ich konnte das nicht übersehen, während ich gemütlich 2 Wochen meinen Pfingsturlaub verbracht habe.

Nichts davon ist wirklich überraschend, viele haben - mich eingeschlossen - schon wie eine Gebetsmühle über das Problem geschrieben. Nur die Politik im Raumschiff Berlin will davon nichts wissen und träumt abgehoben weiter von "Rettungspaketen", die rein gar nichts retten, sondern nur die berühmte verrostete Kanne, einfach etwas weiter die Straße herunter treten - "kicking the can down the road".

Als Beispiel für längst Gesagtes, kann man zum Beispiel mal meine harten Worte vom 29.06.2012 lesen:
-> Ein historischer Tag, das Ende Deutschlands so wie wir es kennen <-

Oder auch am 06.07.2012:
-> Zum Thema Merkel und Sinn - Von getroffenen Hunden und Weltökonomen <-

Oder auch am 17.02.2015:
-> Der Euro und der Grexit - Der Kern des Problems <-

Reicht nicht? Dann schauen Sie mal am 05.06.2015 in den folgenden Artikel hinein:
-> Griechenland - es ist nicht mehr zu ertragen! <-

Ich denke das ist erschöpfend und das alleine hier bei mir. Und dabei habe ich keineswegs das Copyright auf diese Art Argumentation, es gibt mehr als genügend kluge Köpfe, die seit Jahren mehr oder weniger das Gleiche sagen.

Das beweist aber Eines ganz eindeutig. Nichts an dem, was in Italien gerade passiert, ist überraschend. Man muss eher schon in einer bornierten Parallelwelt leben, das überraschend zu finden.

Ich muss jetzt hier auch nicht erneut ausführlich herleiten, was die strukturellen Gründe für die Unwuchten im Euro sind, das wurde alles schon erschöpfend getan. Man kann sich da kurz und knapp halten:

Es ist schlicht eine ökonomische Schnappsidee, divergente Volkswirtschaften in das Korsett einer gemeinsamen Währung zu stecken, ohne einen Ausgleichsmechanismus zu etablieren.

Der natürliche Ausgleichsmechanismus ist der Wechselkurs unterschiedlicher Währungen und der wurde mit dem Euro abgeschafft. An diese Stelle würde in einem gemeinsamen Staat der Ausgleich durch Wirtschaftsförderung, eine gemeinsame Finanzregierung und die Schuldenunion treten. Auch wir hier in Deutschland haben eine Schuldenunion, denn die prosperierende Region München zahlt und haftet zum Beispiel via Bund mit für die Schulden, die in den chronisch dysfunktionalen Stadtstaaten Berlin und Bremen gemacht werden. Müsste Berlin alleine Anleihen begeben, ohne auf die Solidität des Bundes zurück greifen zu können, wären Zinsen wie in den schlimmsten Jahren der Lira fällig. Das ist die Realität Berlins als theoretisch selbstständige Einheit.

Das ist aber im Rahmen des Staatsgebildes Deutschland alles im Sinne Solidarität und gemeinsamer Staat gewollt und richtig so und es gibt ja - zumindest auf dem Papier - eine funktionierende, zentrale Wirtschaftsregierung, die für den Ausgleich zwischen starken und schwachen Regionen sorgt.

Wie gesagt auf dem Papier, denn dass auch das in einer Demokratie nicht immer funktioniert, zeigt nicht nur wie Berlin und Bremen immer weiter absacken und sich dann auf Jammern und Forderungen an andere verlegen, sondern zeigt auch Italien, dessen norditalienisches Kraftzentrum den Mezzogiorno trotz jahrzehntelanger Subventionen auch nicht auf die Beine gebracht hat.

Aber wenigstens theoretisch, macht in einem gemeinsamen Staatswesen mit gemeinsamer Regierung eine "Schuldenunion" Sinn. Ein Europa selbstständiger Staaten aber, ohne gemeinsame Führung, denen der Wechselkurs als Ausgleichsmechanismus genommen wurde, ist einfach grosser, ökonomischer Schwachsinn. Und solange die Staaten jeder für sich eigene Entscheidungen treffen, würde eine Schuldenunion nur dazu führen, dass sich die Einen gnadenlos auf Kosten der Anderen bereichern.

Man kann das Eine nicht ohne das Andere haben. Eine gemeinsame Währung und die Vergemeinschaftung von Schulden, ist nicht der Start wie beim Euro, sondern der Schlußpunkt der Intergration in ein neues Staatswesens mit gemeinsamer Wirtschafts- und Finanzregierung.

Die Väter des Euro haben das auch gewusst und im Prinzip Hoffnung das Pferd vom Schwanz her aufgezäumt und darauf gesetzt, dass der Euro diese Konvergenz erzwingen würde. Genau das ist aber nicht passiert und deshalb ist der Euro in meinen Augen jetzt schon gescheitert und alles was EZB und Brüssel da noch veranstalten, ist letztlich eine Form von Insolvenzverschleppung, an deren bitterem Ende alle nur noch auf das wettbewerbsfähigste Mitglied der Währungsunion als "last man standing" zeigen werden: Deutschland.

Das Geschwür, das da nun in Italien endgültig sichtbar wurde, wird also nicht mehr weggehen, weil die ökonomischen Prinzipien, die es haben entstehen lassen, sich nicht wegbeten lassen und es deshalb in dieser fehlkonstruierten Gemeinschaftswährung immer weiter eitern wird. Ausser die Währungsunion und ihre Prinzipien wandelt sich ganz grundsätzlich - so wie jetzt, geht es auf jeden Fall nicht mehr weiter.

Trotzdem wird das Problem noch lange von ganz viel weißer Salbe überdeckt werden und EZB wie EU - unsere "Bundesraute" mittemang - werden noch viele Verrenkungen machen, die am Ende das Leiden nur verlängern. Auch die Schuldenunion wird auf die eine oder andere Art und Weise kommen obwohl ihr die politische Grundlage fehlt, genau genommen ist sie via Target ja schon da und auch das muss erst weiter eitern, bevor das Furunkel platzen kann.

Gerade Deutschlannd wird diese Entwicklung "between a rock and a hard place" bringen, also in einen Schraubstock zwingen. Denn auf der einen Seite stehen die immer unverhohleneren Erpressungsversuche zur Finanzierung der im Süden angehäuften Defizite, die Target-Salden als Druckmittel. Auf der anderen Seite steht aber Trump mit seinem Druck auf den Handelsüberschuß und nun raten Sie mal, was den Handelsüberschuß weiter drastisch anheizen und die sowieso schon vorhandene Überhitzung der deutschen Industrie weiter steigern wird: ein fallender Euro! Sic!

Zwischen diesen beiden Polen wird Deutschland massiv unter Druck geraten, man muss kein Prophet sein, um das zu erkennen. „Nebenschauplätze“ wie eine von der Türkei ausgehende Bankenkrise sind dabei nur Brandbeschleuniger - Brüssel und EZB haben es sträflich versäumt, das europäische Bankensystem wirklich grundlegend neu aufzustellen.

All das ist wie gesagt nichts Neues und können Sie an vielen Stellen so lesen. Nur wird dann von einigen, die das richtig erkennen, ein massiver anlagetechnischer Fehler gemacht: Man geht wegen dieser Aussichten aus dem Markt.

Und das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter ein Fehler, weil es die Zeitkomponente fatal missinterpretiert. Dazu habe ich auch vor einem halben Jahr hier geschrieben: -> Zu früh ist nur ein anderes Wort für falsch <-

Denn EZB und Brüssel haben wohl noch mehrere Umdrehungen der alten Medizin in Petto, bevor sie endlich vor ökonomischen und damit politischen Gesetzmäßigkeiten kapitulieren müssen. Die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, dass es weiter im Text geht und mehr weisse Salbe auf immer deutlichere Risse der Währungsunion geschmiert wird.

Geben wir uns also keiner Illusion hin, bei der Trägheit politischer Systeme - zumal wenn so viele Eigeninteressen der damit verbundenen "Eliten" im Spiel sind - kann das noch locker 5 oder 10 Jahre weiter "eitern" und sich trotzdem wenig ändern, nur der Druck im System dabei steigen.

Gleichzeitig sind die Wirtschaftsdaten aus den US und fast der ganzen Welt aktuell aber weiter gut und konterkarieren im Weltmassstab das europäische Problem. Wir werden also kurz- bis mittelfristig volatileres Hin- und Her erleben und die Aktien Europas werden weiter nicht der Ort sein, an dem die großen Gewinne gemacht werden. Wir werden den DAX sich schnell mal nach unten bewegen sehen, wir werden aber deswegen alleine eher *nicht* sofort die große Krise und damit auch eher *nicht* das Ende des Bullenmarktes an der Wallstreet erleben!

Und letztlich hat uns der Markt letzte Woche genau diese Botschaft gegeben. Er hat uns mit der Reaktion am letzten Dienstag gezeigt, dass er die Risiken kennt und keineswegs sorglos ist. Und er hat uns mit der folgenden Beruhigung gezeigt, dass er auch weiss, dass das Ding zwar weiter schwärt, man auf Sicht von Monaten aber noch keine ernsten Sorgen haben muss.

Und so gehen wir mit einem Markt in den Frühsommer, der wieder seine Stärke bewiesen hat und der gerade im Momentum-Bereich letzte Woche eine ganze Reihe ausgezeichneter Setups offenbart hat. Das ist nicht das Verhalten eines Bärenmarktes, die Indizes lassen den Markt eher schwächer aussehen, als er in Wirklichkeit ist.

Ich bin also weiter eher verhalten optimistisch zum Jahresende 2018 und verbleibe in meinem großen Bild des Jahres 2018, das die Seitwärtsbewegung noch bis in den Hochsommer fortschreibt, man dann aber spätestens im Herbst von einem Ausbruch hin zu S&P500 3.000 ausgehen kann!

Und trotzdem halte ich es für wahrscheinlich, dass der Euro am Ende an innerem Eiter zu Grunde gehen wird oder sich so grundlegend wandeln muss, dass es nicht mehr der heutige Euro ist, sondern wir endlich eine funktionsfähige Währungsunion haben. Beides wird nicht ohne massive Schmerzen abgehen. Das ist aber kein Widerspruch zur bullischen Sicht oben, weil völlig unterschiedliche Zeitebenen betroffen sind.

Wir tanzen also weiter auf dem Vulkan, was bleibt uns auch anderes übrig? Was die Politik in Europa an Verleugnung von ökonomischen Realitäten zelebriert, lehrt einem gesunden Zynismus und Galgenhumor.

Nächste Woche wird uns Herr Draghi bei der EZB Sitzung dann bestimmt auch wieder erklären, dass wir hier in Deutschland uns nur völlig unsinnig aufregen. Das stimmt auch, bis er im Herbst 2019 abtritt, wird der Laden bestimmt mit Nullzinsen zusammen gehalten. Sein Nachfolger darf dann die Folgen aufwischen.

Die Deutschen wünschen sich ja gerade, dass ein Deutscher der nächste EZB-Präsident wird. Ich halte das für einen Fehler, denn durch eine Person wird sich nichts ändern. Im Gegenteil, die Folgen der Nullzinspolitik Draghis, werden beim ökonomisch unbedarften europäischen Durchschnittswähler dann an den Deutschen festgemacht. Das Problem ist systemisch, wenn man wirklich etwas ändern wollte, wäre es viel wichtiger bei den Stimmrechten im Rat zu beginnen, die Deutschland derzeit auf eine Stufe mit Malta setzen.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Wer hat Angst vorm bösen Trump?

Dieser Tage kann man wieder fasziniert beobachten, wie Differenzierung auf der Strecke bleibt, wenn es um die Person Trump geht.

Da hat der Mann nun Strafzölle für Aluminium und Stahl verkündet, etwas was er schon länger angekündigt hatte.

Völlig klar war, dass die deutschen, sogenannten "Mainstream-Medien (MSM)" darauf einschlagen würden. Egal was Trump macht, es wird immer darauf eingeschlagen, weil es in der Person Trump in einem Paket daherkommt, das auch bei Wohlmeinenden eher Abscheu ob dieser hohlen Ansammlung an Ego und Selbstlob hinterlässt.

Und für die Politik ist es eine wohlfeile, bigotte Gelegenheit, sich mal wieder als Verteidiger des Freihandels zu inszenieren, dabei sind genau die gleichen Politiker schnell mit einer Subvention an der Hand, wenn es nur der heimischen Industrie im Wahlkreis dient.

Ist also alles nur deshalb falsch, nur weil es von einer fraglos wenig sympathischen Person gesagt wird?

Aber auch umgedreht können wir die Tage beobachten, dass genau die, die sich zurecht über den moralischen Absolutismus der MSM ärgern, dann manchmal umgedreht in die gleiche Falle gehen und pauschale Urteile fällen.

Ist also alles nur deshalb falsch, weil es von den Mainstream-Medien und der Politik kommt und sich gegen Trump wendet?

Die Antwort ist in beiden Fällen *Nein*.

Wer nun unreflektierte Jubelgesänge auf Trumps Zoll-Politik verfasst - und ich habe da am Wochenende in anderen Blogs so allerlei gelesen - ist keinen Deut besser als die, die er kritisiert. Denn die Antwort zum Thema Handel ist komplex, differenziert, keineswegs einfach und nicht Schwarz/Weiss.

Zunächst einmal sei daran erinnert, dass der weltweite Freihandel ein scheues Reh ist und nur funktionieren kann, wenn alle Beteiligten einen multilateralen, kooperativen Ansatz fahren. Schert nur ein wichtiger Spieler aus, ist es damit vorbei.

Und es sei daran erinnert, dass Handel eben kein Nullsummenspiel ist, sondern vom freien Handel am Ende alle profitieren. Das ist völliger Konsens bei praktisch allen Wirtschaftsfachleuten und Ökonomen, gleich welcher ökonomischer Denkrichtung. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel.

Im Übrigens bestätigen die weltweiten Daten zur Wohlstandsentwicklung seit Fall des eisernen Vorhangs eindrucksvoll diese Sicht. Die Welt ist im Gesamten gesehen durch den Handel erheblich wohlhabender geworden, Armut und Hunger wurden eindrucksvoll zurück gedrängt, wenn auch noch nicht beseitigt. Alle Daten auf Ebene der ganzen Welt, zeigen statistisch in diese Richtung.

Um diesen kooperativen Ansatz am Leben zu erhalten, wurde die World Trade Organisation (WTO) gegründet, deren "Rechtsprechung" sich alle fortgeschrittenen Handelsnationen unterwerfen um den kooperativen Ansatz mit Leben zu füllen. Dabei lassen die Regeln der WTO sehr wohl Zölle und Handelsschranken zu, sie müssen sich aber selektiv als Gegenmaßnahme gegen andere Vertragsverletzungen richten und genau das ist der entscheidende Punkt, der bei Trumps Ansatz zu kritisieren ist.

Kommen wir also zu Trumps Zöllen und der Angst vor einem Handelskrieg, ich will mal versuchen das Ganze aus meiner Sicht rational und ohne Schwarz/Weiss-Denken aufzudröseln. Und ob Trump charakterlich dieses oder das ist, sollte bei einer rationalen Bewertung seiner Politik keine Rolle spielen.

Erstens, ist es richtig, dass China zwar den Freihandel im Munde führt und wie in Davos 2017 auch immer wieder nützliche Idioten in der westlichen Wirtschaft findet, die dieser Propaganda zujubeln, weil sie Dollarzeichen in den Augen haben - faktisch aber ganz harte Macht- und Industriepolitik betreibt, die sich um die Regeln der WTO nur dann kümmert, wenn es dem eigenen Vorteil dient. Man muss nur beispielsweise schauen, wie China die eigenen Branchen mit einer gesetzlich erzwungenen 51% Zwangsmehrheit gegen ausländischen Einfluß schützt, während man sich gleichzeitig in Europa einkauft, wo solche Schutzmauern nicht existieren. Das ist eindeutig asymetrische Industrie-Kriegsführung, die den blauäugigen und kurzfristig profitverliebten westlichen Eliten noch auf die Füße fallen wird.

Zweitens, ist es fraglos richtig, dass die gewaltigen Überkapazitäten die China aus innenpolitischen Gründen in vielen Industriebereichen - wie auch Stahl und Aluminium - am Leben erhält, eigentlich ein Skandal sind und mit Marktwirtschaft rein gar nichts zu tun haben.

Drittens, ist es daher folgerichtig und nicht zu kritisieren, dass sich andere Volkswirtschaften dagegen mit Zöllen abschotten, die WTO lässt das ausdrücklich zu und ein Handelskrieg ist das damit nicht. Europa tut es und wenn Trump nun Zölle nur gegen China wenden würde, wär daran nichts zu kritisieren.

Viertens, ist es fraglos richtig, dass auch in der EU hier und da Doppelmoral in Sachen Handel herrscht, im Großen und Ganzen hält sich die EU aber an die WTO Regeln und betreibt kein weltweites Einfluss-Powerplay damit wie China und die USA.

Fünftens, ist auch das Handelsverhältnis der US zu Europa im Saldo eher von Fairness geprägt. Da Trump Autozölle zum Thema gemacht hat sei daran erinnert, dass die EU 10% Importzölle für US Fahrzeuge nimmt, die US aber nur 2,5% Importzölle für PKW, dafür aber 25% für Vans und Trucks. Im Saldo gleicht sich das wieder aus, was im Handel genau Fairness bedeutet.

Sechtens, wenn dann zwischen EU und US eine Seite einen Überschuß generiert, ist es nicht das Ergebnis unfairer Vorteile, sondern das Ergebnis besserer Produkte. Dass bei Autos die EU durch Deutschland einen klaren Überschuß besitzt, liegt an besseren Autos als sie bisher von Ford und GM produziert wurden. Erst mit Tesla dreht sich das Blatt wieder. Und dass im IT und Internet-Bereich die US-Konzerne im Sinne FAANG den Handel dominieren, liegt an den besseren Produkten des Silicon Valley, die weltweite Marktmacht haben.

Was ist also das Problem an Trumps Zöllen? Warum besteht nun Angst vor einem Handelskrieg?

Weil er eben nicht nur - nach den Regeln der WTO berechtigt und für die US überfällig - China straft. Sondern weil er die Zölle pauschal für alle erheben will, auch die, die sich an faire Regeln halten!

Genau das wäre der Sündenfall und würde gegen WTO-Regeln verstossen. Genau davor haben alle Angst, weil es dann Gegenmaßnahmen auf den Plan bringt und sich daraus ein Handelskrieg entwickeln könnte, in dem alle nur verlieren können.

Selektive Gegenmassnahmen sind absolut akzeptabel. Eine generelle Abschottungspolitik nach Autokraten-Manier, der Trump am Wochenende fatalerweise mit Drohungen in Richtung der deutschen Autobauer Nahrung gegeben hat, ist aber inakzeptabel und schadet als Allererstes Amerika selber, das seine weltweite Dominanz auf Freihandel aufbaute und nicht auf Abschottung.

Und das so zu sehen ist keineswegs "Trump-Bashing", denn:

  • Seine eigenen Wirtschaftsberater Finanzminister Steve Mnuchin und Gary Cohn wenden sich dagegen.
  • Die Republikanische Partei (GOP = Grand Old Party) ist in überwältigender Mehrheit dagegen, die Demokraten sowieso.
  • Praktisch alle Ökonomen gleich welcher Denkschule sind dagegen und das will schon was heißen wenn man weiß, wie "spinnefreind" die sich teilweise sind.

Tja und die deutschen Main-Stream-Medien schießen halt auch dagegen, weswegen die Kritik aber nicht falsch sein muss. Man kann auch aus den falschen Gründen die richtige Meinung haben.

Der Kern des Problems sind also nicht ein paar Prozent bei Stahl, das kann man als nebensächlich abhaken. Der Kern des Problems ist, dass Trump mit seinem Verhalten einen unilateralen Ansatz signalisiert und der kann das zarte, kooperative Pflänzchen des Welthandels schnell kaputt machen. Und am Ende wären wir alle ärmer.

Und geben wir uns keiner Illusion hin, das ist ein Thema, das sich im Gegensatz zu vielen medialen Säuen mal tatsächlich auf die Gewinne der Unternehmen auswirkt. Sollte der Markt also die Meinung entwickeln, dass sich hier ein Handelskrieg entwickelt, werden die Kurse stark fallen und das zurecht!

Im Moment glaubt der Markt das aber noch nicht, er setzt darauf, dass Trump von seinem Umfeld wieder in die Spur gebracht wird und es zu keiner generellen Eskalation kommt. Hoffen wir das der Markt Recht behält, dann kann 2018 noch ein gutes Aktienjahr werden.

Wer dagegen wissen will was Abschottung und Handelskriege bewirken, muss nur in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts schauen. Und was das hervor gebracht hat, wissen wir hoffentlich alle, wenn wir auch nur ein wenig geschichtliche Bildung besitzen.

Ihr Hari

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Bilanzabbau und Quantitative Easing erklärt

Die US Notenbank hat die Gegenrichtung eingeschlagen, die Zeit des immer billigeren Geldes ist erst einmal vorbei. Das hat natürlich Auswirkungen auf alle Märkte, es treibt die Zinsen und erzeugt einen ganz sachten Gegenwind für die Assetmärkte, deren Bäume daher nicht mehr so leicht in den Himmel wachsen werden, wie in den vergangenen Jahren.

Nun können sich aber viele unter Begriffen wie "Bilanzabbau" und "Quantitative Easing" nicht so richtig etwas vorstellen. Daher habe ich am 20.09.17 das mal im Premium-Bereich erklärt und stelle Ihnen diese Erklärung hier nun auch im freien Bereich zur Verfügung.

Das Thema ist immer noch virulent, denn wenn Sie aktuell davon hören, dass in den US die Anleihenrenditen steigen und die Aktienmärkte das sorgenvoll sehen, dann geht es eben auch um den nun erklärten Prozess, der am Ende einen milden Liquiditätsentzug für die Asset-Märkte zur Folge hat. Und Liquidät ist das was die Märkte treibt, denn hohe Liquidität erzeugt Nachfrage und zu geringe Liquidität einen Angebots-Überschuss.

Nur die EZB Mario Draghis hat sich noch nicht bewegt. Das dürfte Draghi seinem Nachfolger 2019 überlassen, der dann das Angerichtete schmerzhaft aufkehren darf. Denn die Südländer, insbesondere Italien, können nach den "segensreichen" Jahren der Negativzinsen nun noch weniger mit höheren Zinsen leben als schon vorher. Mission Accomplished?

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Doch, Sie hat es getan. Die FED hat wie erwartet den Einstieg in den Abbau ihrer überdehnten Bilanz verkündet und zwar 10 Milliarden USD pro Monat. -> FED gibt Startschuss <-

Für die Mitglieder, die mit dem Wort "Bilanzabbau" nicht viel anfangen können, will ich es kurz - und natürlich stark vereinfacht - erklären. Am Ende geht es nämlich nicht um die Bilanz der FED, sondern um die Liquidität im Markt.

Im Rahmen ihrer diversen Quantitative Easing (QE) Massnahmen nach der Finanzkrise, hat die FED typischerweise Anleihen aufgekauft und in ihre Bilanz genommen.

Wir stellen uns beispielhaft vor, eine Bank gibt eine Anleihe heraus, was bedeutet, die Bank bekommt Geld und zahlt dafür einen Zins an den Gläubiger, zum Beispiel Sie als Privatperson. Am Ende der Laufzeit der Anleihe, zum Beispiel nach 10 Jahren, kauft die Bank die Anleihe zurück, sprich der Gläubiger (Sie) bekommt sein Geld zurück und hat am Ende Geld wieder und Zinsen vorher kassiert. Zumindest ist das der Plan, wenn die Bank aus Griechenland oder Italien wäre, würde ich auf die Rückzahlung nicht wetten. 😉

Nun haben aber die Banken einen schlechten Ruf und müssen daher hohe Zinsen zahlen, damit jemand ihrem Rückzahlungsversprechen glaubt. Diese hohen Zinsen belasten aber ihre Ertragslage und es ist in diesem Umfeld schwierig, genügend Kapital aufzunehmen.

An dieser Stelle kommt die Notenbank ins Spiel. Die drückt nämlich an einem Ihrer Computer bildlich gesprochen auf einen Knopf, "schöpft" ein paar Milliarden Zentralbankgeld und kauft der Bank diese Anleihen ab. Die Bilanz der Notenbank wächst damit, den nun hat sie für mehrere Milliarden Anleihen (Forderungen gegen die Bank) in der Bilanz, deren Rückzahlungswahrscheinlichkeit jedes Jahr bilanziert werden will.

Nun passiert aber etwas Wundersames, die neue Alchemie der modernen Geldpolitik. Weil die Notenbank als Käufer im Markt ist, kann die Bank die Anleihen leicht absetzen, die vorher wie Sauerbier lagen. Die Zinsen sinken also, die für eine neue Anleihe angeboten werden müssen, bzw die Preise alter Anleihen steigen, die schon emittiert wurden.

Und die Notenbank druckt und druckt weiter und kauft und kauft und die Anleihenzinsen sinken und sinken. Genau das ist passiert, genau das ist Quantitative Easing, genau deshalb haben wir aktuell Nullzinsen im Markt.

Wenn man so will, ist es eine massive Unterstützung derer die Schulden haben, auf dem Rücken derer, die Geld zu verleihen haben. Und das mit Mitteln aus der elektronischen Geldschöpfung. Man darf das ruhig "Marktmanipulation" nennen, genau das ist es wohl.

Die Schuldner (Banken und Staaten) profitieren also, der Bürger der Geld anzulegen hat und die Anleihen kaufen würde, verliert. Man kann es auch Umverteilung nennen, vielleicht finden genau deshalb die "Linken" das so gut, weil sie Umverteilung immer so sehr mögen. Diese kapieren halt nur nicht, dass hier genau anders herum umverteilt wird, vom Kleinsparer zu den Assetmärkten. Eigentlich müsste die Linke die aktuelle Notenbankpolitik der EZB also bekämpfen, aber wer will solche fachlichen Petitessen beachten, wenn man per Definitionem auf der guten Seite der Geschichte steht? 😉

Nun gibt es aber einen weiteren interessanten Effekt. Und das ist der, der für die Aktienmärkte so wichtig ist: Liquidität!

Denn die Bank kann nun leicht Schulden aufnehmen und zahlt kaum was dafür. Also tut sie es in Masse und lässt das billige Geld "arbeiten". Zum Beispiel am Aktienmarkt oder mit einem Carry Trade und anderen Spekulationen. Denn faktisch ist das Darlehen, das die Bank nun gegen einen Wisch Papier von der Zentralbank aufnehmen kann, ja eine Liquiditätszufuhr. Wenn die FED also monatlich im QE für 20 Milliarden USD Wertschriften kauft, wird dem Markt faktisch 20 Milliarden Liquidität zugeführt.

Tja und Liquidität ist genau das, was den Markt mehr als alles andere treibt - Wirtschaftsdaten sind da vergleichsweise irrelevant. Wenn viel Geld nach Anlagen sucht, steigen die Preise, egal was die Wirtschaftsdaten sagen. Ein Markt wird primär von Angebot und Nachfrage bewegt und viel Liquidität schafft eben viel Nachfrage.

Deshalb hat das QE der Notenbanken die Asset-Märkte hochgepumpt und gleichzeitig den Kleinsparer geschädigt.

Und nun geht die FED her und will für 10 Milliarden USD pro Monat die Gegenrichtung einschlagen. Bei einem Portfolio im Umfang von 4.200 Milliarden USD ist das ein Nasenwasser, aber es ist auch ein Anfang und einen Liquiditätsentzug ist der Markt nicht mehr gewohnt.

Wie will die FED das machen? Nun sie will ihre Anleihen im Bestand nicht direkt verkaufen. Aber wenn sie auslaufen, wenn das Geld also im Beispiel oben von der Bank zurück fliesst, wird die FED damit nicht mehr neue Anleihen kaufen wie bisher!

Im Saldo ist das ein Liquiditätsentzug von 10 Milliarden pro Monat.

Wie der Markt darauf reagiert ist ungewiss, wir sind in völlig unerforschten Gewässern, weil die Notenbanken uns ohne demokratische Legitimierung in das grösste geldpolitische Experiment der Menschheitsgeschichte gezwungen haben. Ausgang dieses Experiments ungewiss, jeder der anderes behauptet, will uns etwas vormachen - selbstgewisse Draghis ausdrücklich eingeschlossen.

Das ist der Punkt wo wir nun stehen, was in Zukunft daraus wird, werden wir alle erleben.

Ihr Hari

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Langfristige Investments in der kommenden technologischen Revolution

Heute möchte ich mal einen ganz grundsätzlichen Zusammenhang herstellen, der in meinen Augen immer noch unterschätzt wird. Ich tue das in einer abgewandelten und gekürzten Form basierend auf einem Artikel, den ich vor Monaten im Premium-Bereich geschrieben habe. Und ich schlage damit gleichzeitig den Bogen zur Auswahl von Aktien, die für einen ganz langfristigen Investitionsansatz geeignet sind.

Die aktuell gängige, einfache Logik dazu, die ich ja auch durchaus nicht verneine, ist sich einfach solide Aktien ins Depot zu legen, die schon 100 Jahre und zwei Weltkriege überdauert haben und sich durch hohen Cashflow auszeichnen. Das sind Aktien, die man zum Beispiel "Dividenden-Aristokraten" nennt und die jeder kennt.

Um es kurz zu machen, dieser Ansatz der "Dividenden-Aristokraten" ist sicher nicht falsch, er springt aber bei wirklich langfristiger Anlage - also für die kommenden Jahrzehnte - wahrscheinlich zu kurz.

Der Grund liegt darin begründet, dass wir vermutlich einen harten, geradezu brutalen Umbruch vor uns haben, gegen den die letzten 100 Jahre eine Phase gleichbleibender Ruhe waren. Die Stichworte dazu kennen wir alle, sie lauten "künstliche Intelligenz", "Robotics", "soziale Steuerung".

Es gibt viele Auswirkungen dieser Entwicklungen, die teilweise unsere heutige Phantasie übersteigen. So wird in 50 Jahren von heute, wohl nur noch eine Elite, eine Minderheit, einer Arbeit wie heute nachgehen. Es wird vielmehr ein Privileg sein, so gebraucht zu werden, dass man nicht durch Technik ersetzbar ist.

Diese Diskussion geht gerade leidenschaftlich los und einige halten diese Erwartung für übertrieben, weil ja in der Geschichte immer wieder solche technologiegetriebenen Umbrüche am Ende nicht zu weniger Jobs, sondern nur zu anderen Jobs geführt haben. Die Industrialisierung ist dafür ja ein Beispiel.

Ich will diese Diskussion hier im Artikel gar nicht ausführlich führen, da sie nicht der Kern dieses Artikels ist. Ich persönlich halte aber die Argumentation des "wird schon nicht so wild werden" für viel zu kurz gesprungen. Denn dabei wird versucht aus der Vergangenheit die Zukunft herzuleiten und es wird der grosse Unterschied übersehen, der diesen Wandel so einmalig macht.

Denn bisher war es immer so, dass Menschen die Arbeit machen mussten. So haben sich die Jobs in allen Umbrüchen immer nur verlagert, weil alte verschwanden und mit der neuen Technologie neue Jobs entstanden.

Im Saldo passte es aber wieder, auch wenn es immer wieder "abgehängte" Regionen oder Bevölkerungssschichten gab. Es "passte" deshalb, weil das Arbeitskräfteangebot prinzipiell gleich blieb bzw langsam mit der Gesamtbevölkerung stieg, nur Menschen konnten eben die Jobs machen und neue Jobs schafften bei den Menschen auch neue Nachfrage. Durch Technologie wurde also Arbeit verlagert, alte Nachfrage verschwand und neue entstand.

Was passiert aber, wenn durch künstliche Intelligenz und Robotics beliebig skalierbare Milliarden neuer Arbeitskräfte im historischen Massstab plötzlich "einfach da" sind und wettbewerbsfähiger als wir sind - und diese gleichzeitig keine Konsumenten sind (ausser Energie), diese also Arbeit übernehmen aber keine neue Konsumnachfrage schaffen?

Sicher wird auch dieser Prozess nicht über Nacht ablaufen, sondern vielleicht zwei oder drei Jahrzehnte andauern. Aber das ist historisch ein Wimpernschlag und vor allem bedeutet es, dass viele Menschen in ihrem Leben vom "System" ausgespuckt und nicht mehr gebraucht werden. Das ist nur vergleichbar dazu, dass nun eine Flotte von Raumschiffen von Aliens landet und plötzlich Milliarden Maschinenwesen auf den Planeten kommen, die uns jede Arbeit aus der Hand reissen.

Das Arbeitskräftepotential wird dadurch beliebig hochskaliert und ist nur noch durch Energie und Technologie begrenzt. Darauf die Logiken des Wandels der letzten 200 Jahre anzuwenden, bei dem die Jobs nur zwischen Menschen umverteilt wurden, ist völlig verfehlt.

Erneut, ich beschreibe das Problem hier nur grob, weil ich daraus eine Schlussfolgerung ziehen will. Die Diskussion ob das so kommt oder nicht ist sicher hochspannend, hat aber auch noch viele, viele andere Facetten. So zum Beispiel die Tatsache, dass Individualität und Freiheit durch Überwachungs-Technologie weltweit massiv unter Beschuss gerät und die, die den Menschen im Sinne -> Gustave Le Bon <- zu einem gesteuerten Schaf in der Masse machen wollen, neue schlimme Mittel in die Hand bekommen, wie in Sachen Chinas Diktatur zuletzt -> auch hier in der Süddeutschen <- zu lesen war.

Alles was ich klar machen will ist, dass vor uns ein brutaler Umbruch steht, der sich über die nächsten Jahrzehnte hinzieht und bestenfalls - wenn überhaupt - mit der ersten industriellen Revolution zu vergleichen ist. Und Technologie ist der Treibstoff dieses Umbruchs.

Dieser Umbruch wird in der Übergangszeit zu massiven, sozialen Verwerfungen und politischen Instabilitäten führen, bevor die Menschheit danach wieder ein eingeschwungenes Mass finden kann und sei es auch im sehr negativen Szenario für die Mehrheit nur die "Nährlösung" ala Matrix im Sinne "Saft und Spiele". 😉

Und dieser Umbruch wird auch vor der Unternehmenslandschaft nicht halt machen, 150 Jahre alte Unternehmen, die schon zwei Weltkriege überdauert haben, werden untergehen und ganz Anderes an ihre Stelle treten, das wir uns heute gar nicht vorstellen können.

Sicherheit gibt es nicht, alles kommt auf den Prüfstand und in die Mangel einer grossen Umwälzung mit ihren massiven soziologischen Folgen. Und die politischen Widerstände und Kämpfe gegen den Wandel werden gnadenlos und garantiert bei dem Wort "Kapitalismus" abgeladen, wo es doch vor allem der technische Fortschritt ist.

Und damit kommen wir zu meinem eigentlichen Thema, nämlich was das mit einer sehr langfristigen Geldanlage zu tun hat.

Die Antwort ist extrem viel. Denn kennen Sie noch die Manufakturen, die die Wirtschaft vor der industriellen Revolution geprägt haben? Kennen Sie die beherrschenden Hersteller von Pferdefuhrwerken, die sich auch über hunderte Jahre als "Hoflieferant" einen Namen gemacht hatten? Natürlich nicht. Der Punkt ist, die Zeit ist darüber hinweg gegangen.

Der Punkt ist aber auch, dass die letzten 100 Jahren, trotz zweier Weltkriege, relativ stabil waren, was wirtschaftlichen Erfolg angeht. Nicht nur die Autos fahren immer noch mit den gleichen Grundprinzipien wie vor 100 Jahren, auch der Verkauf und die Verteilung von Gütern aller Art, wurde bis vor wenigen Jahren, immer noch in Mehrheit mit den Methoden von vor 100 Jahren abgewickelt - Läden "an der Ecke" und deren Zulieferer aus dem Grosshandel eben. Und Unternehmen wie General Electric stellen am Ende immer noch die gleichen Dinge her, nur technologisch weiter entwickelt. Die Protagonisten des grossen, disruptiven Umbruchs dagegen, sind zwar schon da, dominieren aber noch nicht endgültig. Aber das wird sich rapide ändern.

Mein Punkt ist, die nächsten 100 Jahre werden viel brutaler als die letzten 100, einen ganz grundlegenden Wandel unseres Lebens und unserer politischen und sozialen Systeme herbei führen und deshalb ist es zu kurz gesprungen und höchst gefährlich, die erfolgreiche Existenz von Unternehmen in den letzten hundert Jahren, zum Massstab der langfristigen Geldanlage zu machen. Wer ist sich zum Beispiel sicher, dass das Prinzip Walmart überlebt? Ich nicht, ich bezweifele es sogar. Der direkten Lieferung ins Haus via Roboter/Drohnen gehört die Zukunft. Und nicht die Immobilie in der Fläche, sondern die zentrale Logistik und der extrem schnelle Umschlag machen das Rennen. Und wer will auf hohe Cashflows setzen, wenn man das Schicksal der deutschen Versorger vor Augen hat? Ich nicht.

Und noch schlimmer, der ganze - grundsätzlich auch von mir unterstützte - Ansatz der "Dividenden Aristokraten" hat leider einen grundlegenden Selektionsfehler in sich. Denn kennen Sie das -> anthropische Prinzip in der Astronomie? <-. Es besagt unter anderem, dass die Erde nur deshalb so absolut einzigartig und lebensfreundlich ist, weil wir hier sind um sie zu beobachten. Religiös wird daraus gerne ein Gottesbeweis gemacht, aber die Realität ist profaner - nur weil die Erde so lebensfreundlich ist, konnte sich Intelligenz bilden, die dann über das antropische Prinzip und Götter philosophiert. Sie *muss* also so lebensfreundlich und einzigartig sein, es geht gar nicht anders, weil wir da sind.

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Der Erkenntnisprozess von Börsen und Politik



Zum Zusammenspiel zwischen Börsen und Politik, gibt es viele Fehlkonzeptionen. Die Eine ist der Spruch von den politischen Börsen die kurze Beine haben, denn dieser ist richtig und falsch zugleich - er verkennt den wahren Zusammenhang.

Richtig ist der Satz, weil vieles von dem, was Politik so bewegt, an den weltweiten Märkten eher ein Schulterzucken auslöst.

  • Ob eine grosse Koalition oder eine Jamaika-Koalition gebildet wird? Schulterzucken bis auf geringe Branchenanpassungen.
  • Ob die AfD 5 oder 15% bei der Wahl hat? Schulterzucken.
  • Was mit "Horstie" und der CSU nun passiert? Schulterzucken.
  • Der Wirrwarr in der deutschen Bildungspolitik? Schulterzucken.
  • Ob in Deutschland 1 oder 2 Millionen Migranten dazu kommen? Schulterzucken.
  • Ob der Diesel nun in 2025, 2030 oder gar nicht verboten wird? Schulterzucken bis auf Einzelaktien.
  • Ob der Genderismus sich durchsetzt oder eine Marotte verirrter Wohlstandsbürger bleibt? Schulterzucken.
  • Die Rente mit 65, 67 oder 70? Schulterzucken.

Und so weiter und so fort. Ja, wenn es um all die Themen geht, die Politik gerne ins Schaufenster stellt, weil sie so schön greifbar sind, haben politische Börsen eher kurze Beine - das stimmt. Und selbst Krieg hat kurze Beine, solange man von einem baldigen Ende und begrenzten Folgen ausgehen kann.

Aber falsch ist der Satz auch, denn es gäbe da schon grundlegende Entwicklungen, die den Markt so richtig in Wallung bringen würden und das nicht nur kurzfristig. Und das sind die grossen tektonischen Verschiebungen.

  • Ob Deutschland weiter den (via EZB) Transfermechanismus Richtung Südeuropa stützt?
  • Ob Deutschland vom stabilen Zentrum der Währungsunion zum Wackelkandidaten wird?
  • Ob die von Macron gewünschte Vertiefung der Eurozone eine Chance hat?
  • Ob Deutschland eine wirtschaftsfreundliche Regierung bekommt oder das Gegenteil?

All das hat erhebliche Auswirkungen auf die Märkte, sobald sich da Entwicklungen anbahnen. Und das sind keine kurzfristigen Auswirkungen. Nein, was das angeht, haben politische Börsen ganz lange Beine, die Eurokrise beschäftigt uns ja nun auch seit Jahren.

Wenn man so will, schaut der Markt bei der Politik eben hinter die Fassade. Er unterscheidet zwischem dem täglichen politischen Hin und Her und den grundlegenden Entwicklungen bei den Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Finanzen. Der Rest ist den Märkten egal, das sind aus Sicht der Märkte sozusagen "Orchideenthemen für die Talkshows" oder von rein nationaler Bedeutung.

Die beste Politik ist für die Märkte eine, die gar nicht stattfindet, in der die Politik also ihre Finger aus Wirtschaft und Finanzen lässt. Diese Weisheit ist nach wie vor gültig.

Und weil das so ist, sind die Folgen der Bundestagswahl auch so spannend. Das von mir -> hier <- beschriebene Risiko eines Scheiterns der Regierungsbildung, ist mit dem gestrigen Abend erheblich wahrscheinlicher geworden. Denn die SPD hat sich aus der klein-grossen Koalition zurück gezogen und Jamaika ist alles andere als einfach und immer noch unwahrscheinlich.

Möglicherweise wird sich die SPD am Ende aus "Staatsräson" doch bitten lassen, aber eine stabile Regierungsbildung ist nun definitiv nicht mehr sicher.

Diese Erkenntnis trifft auf einen Markt, der was das angeht zu sorglos war. Und auch heute merkt man in den Kommentaren der internationalen Pressen immer wieder, dass auf den "Sieg" von Angela Merkel abgehoben wird und die anderen Entwicklungen unter dem Motto "wird schon werden" abgehakt werden. Das Zutrauen in das "weiter so" ist gross, dabei ist ein "weiter so" nach meiner Wahrnehmung endgültig vorbei.

Wir stehen nun also vor einem langsamen, inkrementellen Erkenntnisprozess der Marktteilnehmer, der stark von der Positionierung der Politik beeinflusst werden wird. Solange "Jamaika" realistisch erscheint, gibt es keinen Grund für Sorgen, diese Koalition wäre für den Markt im Saldo nicht schlechter als die "Groko".

Sobald aber im Verlauf klar werden sollte, dass Deutschland nun zum politisch unsicheren Kantonisten wird, wird das erhebliche Auswirkungen auf den Euro und die Eurozone haben.

Es wird spannend für uns werden, diesen Erkenntnisprozess nun in den nächsten Wochen zu beobachten. Politische Börsen können schon lange Beine haben, aber eben nur wenn es an das Grundsätzliche geht, an die Grundlagen von Wirtschafts- und Währungspolitik, an die Ordnungspolitik.

Mit einer Jamaika-Koalition, würde an diesen Grundlagen wenig geändert werden, es würden nur in Nuancen ein paar Schwerpunkte verschoben. Und mit einer doch klein-grossen Koalition, würde sich erst recht nichts ändern. Insofern hat der Markt recht noch ruhig zu bleiben.

Wenn aber gar keine Koalition möglich sein sollte und Deutschland auf Instabilität und Neuwahlen zusteuern sollte, dann wird das nicht folgenlos an den Börsen bleiben. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios ist nun deutlich gestiegen, das verstehen wir nun besser, als die US Investoren die vor allem in der Kategorie" Merkel denken. Dabei hat die "Rautendämmerung" mit dem gestrigen Sonntag richtig Fahrt aufgenommen.

Spannende und bewegte Zeiten liegen definitiv vor uns!

Ihr Hari

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Wenn der Gnom nicht wäre

Der Ferienmodus mit geringerer Aktivität im Blog ist vorbei, nun stehen uns die 4 aktivsten Börsenmonate des Jahres bevor und dann steht schon 2018 vor der Tür.

Mein Gott, ich erinnere mich noch genau an die Zeit, als "2001 Odyssee im Weltraum" von Stanley Kubrick noch ferne Zukunft war und ich mit grossen Augen im Kino sass. Was bin ich doch ein alter Knacker geworden.

Dass eine weitere Korrekturphase im Zeitraum September/Oktober nicht unwahrscheinlich erscheint und das Jahr trotzdem ein gutes Börsenjahr werden dürfte, habe ich Ihnen schon in -> Vom Fischen gehen <- geschrieben.

Wenn wir aber die kommenden Tage dieser Woche gerade in den eurobasierten Indizes von DAX & Co. anschauen, sind die Chancen gar nicht so schlecht, dass hier nun eine Chance nach oben besteht:

Rund um die EZB am Donnerstag und Draghis Pressekonferenz, sollte sich nämlich allerlei Erwartung entfalten, dass Draghi den Anstieg des Euros deckelt und das sollte DAX & Co. helfen. Auch die Kerze letzter Woche als "Hammer" deutet in diese Richtung.

Leider wird das Bild heute durch den Gnom aus Korea etwas verzerrt, es macht aber Sinn davon auszugehen, dass diese Sorge ebenso verfliegt wie die Fälle vorher. Sicher, wenn es wirklich zum Krieg auf der koreanischen Halbinsel kommt, ist alles anders und alle normalen Szenarien hinfällig. Dass es aber dazu kommt, ist wohl weiter nur ein Restrisiko, auf das zu setzen keinen Sinn macht.

Wenn der Gnom nicht wäre, wäre es heute also einfacher und wir hätten wohl im Grünen eröffnet. Aber das kann ja noch werden. Solange die oben eingezeichnete Unterstützung hält, kann man im DAX nach oben schauen. Darunter zieht man die Reissleine - eine recht klare Ausgangslage.

Gold macht übrigens das, was ich hier schon Ende Juli in -> Erwachen der Edelmetalle <- auf den Radar genommen habe. Auch dabei hilft der Gnom aktuell mit, wie das Edelmetall aber den Ausbruch über 1.300 USD mit einem Retest bestätigt hat, ist schon eindrucksvoll:

So weit so kurz an diesem Montag im September 2017. Einem September der bekanntermassen keinen besonders guten Ruf als Börsenmonat hat. Das muss uns aber nicht schrecken, erfolgreiche Anleger nehmen ebenso wie erfolgreiche Bergsteiger oder Kletterer den Markt/Berg immer Schritt für Schritt und Zug um Zug. Das Spintisieren über den Horizont überlassen wir denen, die gerne eine Klippe herunter stürzen, weil sie als "Hans guck in die Luft" nicht auf ihre Füsse achten.

Ihr Hari

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Bitcoin, Ethereum, die Tulpen, Panini-Bilder und Geld

Im internen Bereich war der Wunsch vorhanden, mal darzustellen warum ich mich von den Kryptowährungen noch weitgehend fern halte und diese (noch) *nicht* für ernst zu nehmendes Geld halte.

Das Interesse daran dürfte auch im freien Bereich deutlich vorhanden sein, weswegen ich Ihnen diesen Artikel nun auch hier zur Verfügung stelle, leicht angepasst, weil um interne Referenzen bereinigt und um einen Gedanken erweitert.

Viel Spass und gute Erkenntnisse wünscht Ihr Hari

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Ein Thema das immer wieder angefordert wurde, war der ganze Komplex rund um Bitcoin und Ethereum. Nun, da das Interesse so gross zu sein scheint - war es bei Tulpen übrigens auch mal 😉 - will ich mich aufraffen dazu etwas zu schreiben.

Aufraffen muss ich mich dazu, weil mich das Thema Anlage- und Tradingtechnisch noch gar nicht interessiert. Null. Nada. Ich werde Ihnen also nur erklären, warum es mich (noch) nicht interessiert, für eine Diskussion um die einzelnen, aktuellen Entwicklungen brauchen Sie einen anderen Gesprächspartner.

Und nein, natürlich ist der Bitcoin Ansatz etwas anderes als die Tulpen der -> Tulpen-Manie <-, das war nur eine Spitze, weil es Ähnlichkeiten bei der Markttechnik gibt, die mit einem zu engen Markt und ganz viel Hype zu tun haben. Die Folge ist eben eine Fahnenstange.

Aber von Anfang an.

Ich bin Informatiker und Techie. Ich verstehe den Ansatz der Crypto-"Währungen" also voll und ganz, auch technisch. Nicht in dem Sinne, dass ich mich für die Details der Algorithmen interessiere, aber das Prinzip der Blockchain und die damit verbundene Begrenztheit und nicht beliebige Vermehrbarkeit, ist mir völlig klar.

Mein erster Satz wird sie vielleicht erstaunen, weil er zum klaren "Interessiert mich (noch) nicht" scheinbar nicht passt:

Das ganze Konzept ist intelligent, zukunftsträchtig und könnte tatsächlich die Grundlage eines zukünftigen Geldes sein.

Wow, der Hari ist ein Bitcoin Fan? Nein, ich bin ein Fan des Konzeptes. Aber das ist (noch) kein Geld, weil hier einige Irrtümer in den Köpfen interessieren.

Denn es geht ganz grundsätzlich um das was *Geld* auszeichnet und das ist primär Vertrauen. Dann wieder Vertrauen, erneut Vertrauen und dann lange nichts. Und dann erst die Vermehrbarkeit, Lagerbarkeit und viele andere Themen.

Alle Fiat-Währungen wie der Dollar sind auch beliebig vermehrbar und die Menschen trauen denen trotzdem, zumindest noch. Es gibt viele andere Dinge, die nicht beliebig vermehrbar und trotzdem kein stabiles Geld sind. Tulpen waren damals gerade eben auch nicht beliebig vermehrbar, sondern die Zwiebeln damals sehr selten und wertvoll.

Die Frage ist, was zeichnet Geld aus, damit es allseits akzeptiert wird und dauerhaft als Wertspeicher funktioniert? Was unterscheidet Geld von Tulpen? Und das hat in einer heterogenen Zivilisation immer auch mit Institutionen zu tun, an denen sich das Vertrauen festmacht. Oder wie bei Gold an vielen tausend Jahre zivilisatorischer Erfahrung und damit einem verdienten Grundvertrauen.

Die begrenzte Vermehrbarkeit ist also eher nebensächlich.

Der derzeitige Killer, der verhindert, dass Bitcoin und Co. "Geld" sein können, ist die fehlende Institution, die das Geld garantiert.

Denn es gibt einen ganz entscheidenden Unterschied zwischen Gold und Bitcoin. Gold ist Gold. Es gibt noch ein paar andere Edelmetalle, aber es gibt keine unbegrenzten Alternativen an physischen Gütern, die endlich, begrenzt und leicht lagerbar sind. Es gibt also im Bereich der lagerbaren Metalle keine sinnvolle Alternative zu den Edelmetallen.

Bitcoin aber, ist zwar in seinem System nicht beliebig vermehrbar, man kann und wird aber jederzeit beliebige "Bitcoins" daneben setzen. Ethereum ist der erste Fall. Sobald auch Ethereum hoch gestiegen ist, werden weitere folgen. Der Erfolg erzeugt weitere Alternativen - Konkurrenz belebt eben das Geschäft, drückt aber auch die Preise. 😉

Und weil zwar nicht Bitcoin selber, aber Alternativen zu Bitcoin beliebig vermehrbar sind, hält die Technik keinerlei Vergleich zu Gold und Co. stand.

Wenn man die Crypto-"Währungen" als Ganzes nimmt, sind sie eben doch beliebig vermehrbar. Die Edelmetalle sind es nicht.

Bitcoin und Co. beinhalten also durchaus die Technik und das Konzept, um daraus echtes elektronisches Geld werden zu lassen, sie sind im Moment aber eher sehr gehypte "Rabattmarken" die irgend ein Unternehmen heraus geben kann.

Auch Rabattmarken können begrenzt sein, wenn es das Unternehmen so will. Und wenn um das Unternehmen ein Hype entsteht, können auch dessen Rabattmarken stark im Preis steigen, wie auch Panini-Bilder auf dem Schulhof. Da aber jederzeit eine andere Firma eigene Rabattmarken heraus geben kann, haben sie einen rein spekulativen Wert und können durch den Hype auf dem Nebenhof jederzeit entwertet werden. Und sind als Geld ungeeignet.

Wir müssen uns immer klar machen, was Geld ist. Geld basiert auf Vertrauen. Dieses Vertrauen in den Werterhalt und die Handelbarkeit ist bei Gold in tausenden Jahren gewachsen. Bei den Fiat-Währungen wie Dollar und Euro wird dieses Vertrauen durch eine halbstaatliche Organisation erzeugt - die Notenbank - und durch den Staat gefördert, der es zum Zahlungsmittel erklärt und darauf zum Beispiel Anleihen begibt.

Dieses Vertrauen ist bei Bitcoin und Co. nicht nur noch nicht da, es ist auch (noch) ungerechtfertigt. Auf der einen Seite wird es technische "Glitches" geben, die eine Manipulation ermöglichen. Nicht im Basiskonzept selber, das erscheint mir geschlossen, sondern an den Schnittstellen, dort wo das elektronische Konstrukt in die reale Welt eintritt, wie zum Beispiel an den Handelsplätzen.

Auf der anderen Seite fehlt die glaubwürdige Institution, ich halte es für eher irreal und eine Verkennung dessen was Geld ausmacht zu glauben, dass das eine nicht-staatliche Stelle sein könnte. Das Vertrauen das mit der "Herausgabe" von Geld verbunden ist, muss immer institutionell untermauert sein - es geht einfach um zu viel. Da ist Bitcoin und Co. noch lange nicht.

Was sind die Crypto-"Währungen" also?

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Großbritannien – Estimation Nation

Heute freue ich mich besonders, Ihnen unser Mitglied der ersten Stunde "Libertin", auch im freien Bereich als neuen Kolumnisten des Blogs vorzustellen. Eine Kurzvita finden Sie -> hier <-.

Libertin hat sich in seiner Kolumne "Libertannica" vor allem Großbritannien verschrieben, da er als regelmäßigen Pendler zwischen den Ländern, viel Zeit vor Ort verbringt. Dabei hat er sich aber auch die Distanz und den unabhängigen Blick des Ausländers bewahrt.

Innenansichten aus Großbritannien, werden für uns in den kommenden Jahren besonders wichtig sein, da das Geschehen nach dem Brexit in seinem potentiellen Erfolg wie Mißerfolg, massive Auswirkungen auf Deutschland und die europäische Union haben wird. Unabhängig davon, ist der Finanzplatz London sowieso mit einer Reihe hoch spannender und attraktiver Unternehmen bestückt.

Libertins Kolumne soll den Bogen von Landeskultur, Alltagserfahrungen und Politik bis zu den Finanzmärkten schlagen und so die Mr-Market-Mitglieder mit Einsichten und Opportunitäten zum Vereinigten Königreich bereichern.

Nun wünsche ich Ihnen viel Spass bei einem Artikel der Libertannica! Ihr Hari

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Nationalcharakter? Ein engstirniges Wort, zu recht veraltet. Doch die Abwehr von Stereotypien darf andererseits nicht blind machen für Unterschiede und Eigenheiten. „Andere Länder, andere Sitten“ - das ist zwar komplett abgegriffen, trifft es aber schon eher. Auch Gesellschaften, die begrifflichen Nachfolger der Völker, haben schließlich geteilte Sichtweisen, Denk-, Kommunikations- und Gefühlsmodelle, bestehen sogar in gewisser Weise geradezu aus ihnen. Und nicht immer verlaufen die Trennlinien zwischen den Denkstrukturen entlang der bekannten Klischees, mit denen sich die Nationen das Nachdenken über ihre Nachbarn einfach machen.

Oft sind diese Dinge daher schwer zu fassen. Wenn ich in meiner Kolumne „Libertannica“ hier solche Eigenheiten Großbritanniens aufgreife, dann gehe ich wohl oder übel von subjektiven Eindrücken aus, ohne Anspruch auf universale empirische Gültigkeit, ein Zickzack mal den Klischees entlang, mal quer zu ihnen.

Schwer zu fassen ist für mich auch folgendes Thema, das mir aber wichtig vorkommt, mir immer wieder auffällt - eigentlich eher ein Bündel von Themen. Ich will es versuchsweise unter dem – nicht wertend gemeinten – Stichwort „(Un-)Genauigkeit“ ansprechen. Zu diesem unübersichtlichen Bündel gehörten auch das britische „Durchwursteln“, von dem hier schon die Rede war, die Pragmatik, die Flexibilität, das Zugleich von puritanischer Strenge und Permissivität, sowie vieles mehr. Aber irgendworan muß man die Sachen ja aufhängen.

Ist Genauigkeit eine Zier? Oder schlägt Präzision prompt in lähmende Pedanterie um? Der aufdringlich oft zitierten deutschen Pünktlichkeit steht in der englischen Welt eine seltener erwähnte Laxheit entgegen, eine oft verblüffend nonchalante Einstellung, mit einem vielsagenden Idiom vielleicht zu bezeichnen als „a cavalier attitude“. Aber Achtung, die folgenden Beispiele und Gedanken sind willkürlich und ohne Gewähr...

Erstmals beobachten kann der Neuankömmling dies gleich bei der Wohnungssuche, zumindest wenn es sich um eine Mietwohnung handeln soll. Die große Überraschung: In den Anzeigen findet sich keine Angabe der Fläche. Wohnungen werden nach der Anzahl der Zimmer eingeteilt und allenfalls noch mit einem Adjektiv als „groß“ oder „geräumig“ beschrieben. Die Größe muß der Makler auf Nachfrage erst einmal nachschlagen und hat womöglich keine befriedigende Antwort. Die Idee, gar einen Quadratmeterpreis auszurechnen, erscheint dann vollends als neurotische Pfennigfuchserei. Das mag nun auch damit zusammenhängen, daß Mieten in UK traditionell einen Ruf als Übergangslösung genießt, daher ja auch die Häufigkeit möblierter Wohnungen am Mietmarkt: Vielleicht muß man es da nicht so genau sein wie beim Immobilienerwerb. Trotzdem ist dieses Wischi-Waschi aus deutscher Sicht erstaunlich.

Die Ungenauigkeit hat dabei aber eine ganz wichtige positive Dimension: die Großzügigkeit. Das zeigt sich etwa im Kernbereich des britischen gesellschaftlichen Miteinanders, beim Pub-Besuch. Die allerwichtigste kulturelle Lektion für jeden ausländischen Gast ist die vorauseilende Bereitschaft zum Bestellen von Runden. Geiz ist hier eine unaussprechlich üble Erzsünde, total ungeil.

Die Runden wecheln zwar im Lauf des Abends ab, aber keinesfalls wird penibel mitgezählt, ob man auch auf seine Kosten gekommen ist, wenn man aufbricht. Der Abgrund an Peinlichkeit ist erreicht, wenn ein deutscher Besucher dem Rundenholer verschämt eine Fünfpfundnote hinstreckt, um das eigene Bier auszulösen. Oh no! Wobei hinter dieser Großzügigkeit ein subtiles Wertesystem am Wirken ist, das das Verhalten unmerklich reglementiert. Wer sich notorisch vor seinen Runden drückt, wird irgendwann dann doch auffallen und geächtet werden. Geben und Nehmen als elegante Dialektik.

Mit diesem Widerspruch ist der Bereich der britischen Höflichkeit berührt. Selbstzurücknahme ist zentral, etwa beim zivilisisierten Schlangestehen, einer hohen Errungenschaft, über die zu spotten den notorisch rückichtslosen Deutschen nicht gut ansteht. Auch Lügen ist etwa moralisch strengstens verpönt – man erinnere sich an den allgemeinen Aufschrei hierzulande vor ein paar Jahren über den Spesenskandal im Unterhaus.

Andererseits ist im Bereich der Höflichkeit das Lügen geradezu vorgeschrieben. „How are you?“ Wehe dem, der darauf zur ehrlichen Antwort ansetzt. Er merkt nach langen Monolog-Minuten, daß das Interesse an der eigenen Gesundheit eher Konvention geschuldet war als Anteilnahme. Und dennoch ölt dieses rituelle Ballett der Unehrlichkeit das soziale Miteinander auf eine bewundernswerte Weise. Böse Zungen behaupten, es führe auch zu einer gewissen Verklemmtheit.

Einen weiteren Unschärfebereich im häuslichen Leben will ich noch anfügen: die Abrechnung mit Versorgern. Was in Deutschland allenfalls in vernachlässigten Altbauten anzutreffen ist, stellt in Großbritannien den Regelfall dar: Wohnungen ohne Wasserzähler. Berechnet wird nach „Haushaltsgröße“ - ein Schätzwert also, wobei die Fläche hier aus erwähnten Gründen eher eine Nebenrolle spielt. Über 40% der Haushalte hätten heute einen Wasserzähler, verkündet stolz der Industrieverband -> Water UK<-. Das heißt, 60% haben keinen. Shocking.

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Die Börsenwetterlage aus der Umlaufbahn

Kann man die ganz grundsätzliche, langfristige Börsenwetterlage in sechs Sätzen und mit einem Chart beschreiben? Ich glaube ja, ich versuche es mal.

Erstens, sind die konjunkturellen Signale rund um den Globus gut und sprechen derzeit gegen eine grosse Baisse. Die Lage ist besser als die Stimmung.

Zweitens, ist die Skepsis im Angesicht der vorhandenen Risiken (Trump, Handelskriege, Eurokrise, EU-Zerfall, China etc) im Markt massiv vorhanden, auch die Bullen schielen permanent zum Notausgang. Ein derartiges Sentiment spricht gegen eine grosse Baisse. Bullenmärkte enden in Euphorie und klettern dagegen eine "Wall of Worry".

Drittens, sind die Kurse nun seit Trumps Wahl permanent ohne Korrektur gestiegen, das macht den Markt anfällig. Eine scharfe Korrektur, dürfte im ersten Halbjahr 2017 nun anstehen, sollte aber den grundlegenden Aufwärtstrend eher nicht stoppen.

Viertens, sind wir gerade Zeuge eines veritablen Ausbruchs aus einer 1,5 jährigen, grossen Konsolidierung im S&P500 und das spricht trotz im ersten Halbjahr anstehender Korrektur, für prinzipiell weiter steigende Kurse und ein gutes Aktienjahr 2017.

Fünftens, befindet sich der Aktienmarkt im grossen, zyklischen Bild sicher eher im letzten Drittel und der Beschleunigungsphase eines grossen Zyklus. In dieser Phase lassen sich aber typischerweise besonders deutliche Gewinne machen. Eine Topbildung braucht Zeit und geschieht in so einem starken Markt nicht "über Nacht".

Sechstens, sind alle obigen Aussagen natürlich nur eine Momentaufnahme und stehen unter dem Vorbehalt völlig neuer, überraschender Entwicklungen, die der Markt heute nicht kennt und die dann eingepreist werden müssten. Das ist aber eine Binsenweisheit und das Restrisiko, mit dem man immer leben muss. Wer das nicht aushalten kann, ist im Markt fehl am Platz.

Ihr Hari

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Korporatismus – ein zunehmendes Übel

Die wirklich wichtigen Dinge müssen immer wieder gesagt und wiederholt werden. Und dazu gehört auch immer wieder klar zu machen, dass wir in Deutschland keinen reinen Kapitalismus und in bestimmten Teilen nicht mal mehr eine soziale Marktwirtschaft haben, sondern dass das Land immer mehr von korporatistischen Strukturen geprägt und dominiert wird, in denen geschlossene Runden und Kommissionen von Besitzstandswahrern, sich zum eigenen Vorteil organisieren und Veränderung blockieren. Das zu unser aller Nachteil, aber durchaus mit wohlgefälligem Nicken großer Teile der Bevölkerung, die in Mehrheit die wichtigen Unterschiede und Folgen der unterschiedlichen Ansätze, Wirtschaft zu organisieren, gar nicht überreißt.

Was Korporatismus ist und was er bedeutet, habe ich schon vor einem Jahr in -> Korporatismus, Volkswagen und die Subventionen für die Autoindustrie <- zu thematisieren versucht. Darüber hinaus kann ich nur erneut nachdrücklich empfehlen, diese -> ausgezeichnete und abwägende Darstellung des Korporatismus <- der Konrad-Adenauer-Stiftung zu lesen, der ich inhaltlich nichts hinzuzufügen habe. Aber ich will auch der Bundeszentrale für politische Bildung in einem -> älteren Artikel zum Korporatismus <- Raum geben, auch wenn mir der Artikel den Korporatismus zu einseitig positiv betrachtet.

Besonders schön ist aber abseits aller Theorie immer, wenn die Konsequenzen korporatistischer Interessenvermischung so wunderbar erlebbar zu Tage treten wie zuletzt. Die kapitalistischer Aufwallungen unverdächtige, gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung, hat 2016 in einer Studie aufgearbeitet, -> wie viel deutsche Vorstände im Vergleich zu durchschnittlichen Mitarbeitern verdienen <-. Der absolute Spitzenreiter mit dem Faktor 141 ist dabei - Sie ahnen es - der nach bösen Zungen sozusagen "volkseigene Betrieb" Volkswagen, der maßgeblich von Politik und Gewerkschaften beeinflusst wird wie kaum ein anderer Konzern Deutschlands. Vergleichbare, privatwirtschaftlich freiere Mitbewerber wie Daimler und BMW, haben deutlich geringere Werte. Gefolgt wird Volkswagen übrigens vom ehemaligen Staatskonzern Deutsche Post, was für eine Überraschung.

So viel zu den "segensreichen" Wirkungen korporatistischer Strukturen, der Korporatismus der real existierenden bundesdeutschen Ausprägung, ist eben etwas harsch und überspitzt gesagt für mich persönlich die Organisation derer an den Fleischtöpfen, gegen die Interessen derer, die zu diesen Kungel-Runden keinen Zugang haben. Nun ist das ohne Frage übertrieben, der Korporatismus hat abstrakt seine sinnvollen Seiten und auch sinnvolle Beiträge zur Entwicklung des Landes geleistet, aber er beginnt zu sehr zu dominieren und da liegt das Problem.

Das Tragische dabei ist, dass die große Mehrheit der Bürger ja Korporatismus gar nicht definieren kann, weil ja immer nur platt das Etikett "Kapitalismus" auf alle Fälle geklebt wird, in denen sich Individuen einen "goldenen Hintern" verdienen können, der objektiv nicht zu rechtfertigen zu sein scheint. Auch das Gehalt des Ex-VW-Chefs Winterkorn wird so gerne als "Exzess des Kapitalismus" verunglimpft, dabei fußt es nach meiner bescheidenen Meinung ja gerade nicht auf Wettbewerb, sondern auf korporatistischen Strukturen.

Alles was mit "runden Tischen" zu tun hat, ist für Otto Normalbürger halt irgendwie immer gut, weil damit das warme Gefühl von Konsens und "Händchenhalten" verbreitet wird. Dass diese "runden Tische" aber sehr oft zu unwirtschaftlichen Kompromissen zu Lasten nicht am Tisch sitzender Dritter neigen, wird nicht begriffen. Denn die Organisation in Koordinationsrunden, ist per Definitionem eine elitäre und exklusive, die andere Marktkräfte und Teilnehmer auszuschließen versucht und daher strukturell besitzstandswahrend und konservierend wirkt. Runde Tische sind selten gute Ordnungspolitik, und mit sozialer Marktwirtschaft haben sie bestenfalls am Rande zu tun. Die Durchlässigkeit für Aufsteiger und Paradigmenbrecher wird so auch nicht gefördert, sondern die korporatistische Tradition deckelt solche systemändernden Bestrebungen. In meinen Augen ist das einer der großen Webfehler der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte in Deutschland und bestimmt auch ein Grund, warum Firmen wie Tesla mit ihrer disruptiven Kraft bei uns gar nicht entstehen können.

Nun kenne ich an dieser Stelle natürlich sofort die Widerspruchs-Reflexe, die bei solchen Aussagen aufkommen. Gerne wird dann darauf verwiesen, dass die Sozialpartnerschaft doch ein Erfolgsmodell Deutschlands sei, soziale Marktwirtschaft eben, statt ungezügeltem Kapitalismus und dem reinen Recht des (wirtschaftlich) Stärkeren. Stimmt, das IST definitiv ein Erfolgsmodell. Der Widerspruch der keiner ist zeigt aber, dass von dem Argument gar nicht die Essenz des Korporatismus verstanden wird, weil die permanente, platte Demagogie, die jede Fehlentwicklung reflexartig und pauschal einem finsteren Bösewicht namens "Kapitalismus" zuordnet, differenziertes Denken stark erschwert.

Die soziale Marktwirtschaft definiert ja gerade den Ausgleich unterschiedlicher Interessen, dafür müssen diese sich aber offen und klar gegenüberstehen, damit zwischen denen dann ebenso offen ein Kompromiss gefunden werden kann. Auf gut Deutsch, die Interessen von Unternehmens-Eignern und Gewerkschaften sind erst einmal klar getrennt und aus diesen klaren und definierbaren Gegensätzen heraus, erzeugt die soziale Marktwirtschaft dann einen Ausgleich. DAS war tatsächlich ein Erfolgsmodell.

Dieses Modell wurde aber zunehmend verbogen, was man an der ->paritätischen Mitbestimmung <- der Gewerkschaften in den Aufsichtsräten großer Konzerne wunderbar beobachten kann. Statt diesen natürlichen Gegensatz zwischen den Unternehmenseignern und den Beschäftigten herauszuarbeiten und dann offen miteinander zu versöhnen, wurden Gewerkschaften einfach 50% der Sitze in den Aufsichtsräten zugeordnet. Der natürliche Gegensatz wurde damit in die Unternehmensspitze verlagert und wird dort nun in kleinen Runden im Aufsichtsrat aussortiert. Wie zu erwarten war, hat das aber eher nicht zu besseren Aufsichtsratsentscheidungen geführt, sondern nur dazu, dass Entscheidungen im kleinen Kreis von Untergruppen wie dem "Präsidium" ausgehandelt werden und dabei ganz natürlich auch das Konsens-Prinzip des "eine Hand wäscht die andere" zum Tragen kommt, welches kleinen sozialen Gruppen eben nun einmal zu eigen ist. Im durchschnittlichen Gemeinderat eines Dorfes ist es auch nicht anders.

Anders als so, kann man die inhärente Blockierung einer 50% zu 50% Gegenüberstellung im Aufsichtsrat ja auch gar nicht systematisch auflösen, man könnte böse sagen, die Kungelei ist politisch gewollt. Alles was in Hinterzimmern und kleinen Ausschüssen und Kreisen weniger Mächtiger aussortiert wird, ist eben per Definitionem nicht transparent und auch nicht marktwirtschaftlich, sondern eher die Herrschaft weniger Privilegierter über die Mehrheit. Ein Umstand, den mittlerweile selbst gemeine Aufsichtsräte hinter der Hand als unerfreulich empfinden, wenn die wesentlichen Entscheidungen im „Präsidium“ vorbereitet werden und sie nur noch als Abstimm-Staffage dienen.

Die Wirtschaft hat gelernt, sich mit der paritätischen Mitbestimmung zu arrangieren, weil die Macht der Gewerkschaften in Deutschland zu groß ist, und sie werden keinen Vorstand mehr finden, der offen dagegen auftritt, weil es sinnlos ist und nur Ärger macht. Sie werden aber auch kaum einen Unternehmer finden, der daran Gutes findet, wenn hinter vorgehaltener Hand offen gesprochen wird. Dabei sollte übrigens die Besetzung von 50% der Sitze im Aufsichtsrat durch Gewerkschaften nicht mit dem Betriebsrat in einen Topf geworfen werfen. Letzterer macht Sinn und wirkt in der Regel positiv auf den Betriebsfrieden; in Aufsichtsräten haben Gewerkschaften dagegen nichts verloren, davon bin ich persönlich weiter fest überzeugt. Und wenn man dieses deutsche, korporatistische Sondermodell anderen Unternehmern aus fast jedem Land der Welt erklärt, schauen sie einen oft fassungslos und ungläubig an, als ob man von einem anderen Planeten kommt. Auch wenn große Unternehmen von einer deutschen AG in eine europäische SE umfirmieren, spielt diese Thematik oft eine Rolle, auch wenn es aus politischer Korrektheit selten offen gesagt werden wird. So können Unternehmen knapp unterhalb der Grenze von 2.000 Beschäftigten in Deutschland nämlich durch SE-Umwandlung das Hineinwachsen in die paritätische Mitbestimmung vermeiden.

Erneut, damit das klar ist: es geht bei meiner Argumentation nicht darum, einen Ausgleich zwischen den Interessen des Kapitals und der Arbeitnehmer zu verhindern, im Gegenteil. Diesen zu orchestrieren ist ungemein wichtig und der große Standortvorteil einer wahrlich sozialen Marktwirtschaft. Die Kernfrage ist aber, ob dieser Gegensatz im Sinne einer sozialen Marktwirtschaft offen und transparent durch die Politik aufgelöst und ausgeglichen, oder im Sinne des Korporatismus in geschlossenen Runden mit gegenseitiger „Handwaschung“ gleich ausgetreten wird, ohne diesen Gegensatz je offen zu Tage treten zu lassen - außer eben "rituell" kurz vor Wahlen. Genau diese "Handwaschung", diese stillen Kompromisse, sind eine Kernfolge des Korporatismus, dieser Tendenz, alles in Kommissionen und halbstaatlichen Organisation aushandeln zu lassen, die strukturell besitzstandswahrend wirken. Die SPD liebt diese Kommissionen mit ihrem Habitus des Gemeinschaftlichen, die real existierende CDU ist aber auch nicht mehr viel besser.

Echte soziale Marktwirtschaft hat es zunehmend schwer, auch weil es schlicht an Bildung und Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und damit die gesellschaftliche Unterstützung fehlt. Und der Vater dieser sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard, würde mit seinen Ansichten heute wohl als "Marktradikaler" verunglimpft und an den medialen Pranger gestellt - auch das sagt viel über die Entwicklung, die wir genommen haben. Eine Wirtschaft aber, in der Vitamin B, das Parteibuch, der Zugang zur Politik und die Zugehörigkeit zur richtigen Kommission zum entscheidenden Faktor wird, ist eine Wirtschaft die erstarrt und ihre Wettbewerbskraft verliert.

Dass das in Deutschland derzeit noch nicht der Fall ist, liegt nicht an der real existierenden Politik, sondern primär an einer noch existierenden positiven Parallelwelt eines gesunden Mittelstands, der sich von diesem politisch-korporatistischen Zerrbild von Wirtschaft soweit fernhält, wie es nur irgendwie möglich ist. Wenn man so will, haben wir in Deutschland also zwei Arten von Wirtschaft. Eine reale, gelebt und geprägt von echten Unternehmertypen, die ganz wesentlich für unseren Wohlstand und die Steuereinnahmen verantwortlich ist. Und ein bei der Politik und großen Teilen der Bürger beliebtes Zerrbild von Wirtschaft, das aus Kommissionen, Räten, halbstaatlichen Organisationen und Verbänden beruht. Ein Zerrbild, das aber nicht begreifen kann, dass die eigenen Fleischtöpfe nur so lange gefüllt und warm bleiben, wie man denen, die die Fleischtöpfe füllen - den wahren Trägern des Wohlstands - nicht zu stark das Wasser abgräbt.

Nehmen Sie also das Wort "Korporatismus" bitte in Ihren Wortschatz auf. Wir haben davon schon viel zu viel im Land, auch wenn er in der richtigen Dosis hier und da ohne jede Frage mal sinnvoll sein kann. Nicht jede Kommission ist schlecht und auch ein runder Tisch kann in einzelnen (Konflikt-) Situationen durchaus wertvoll sein. Aber der institutionalisierte Hinterzimmer-Kompromiss ist schädlich - wie alles, was zu viel genossen wird, am Ende giftig wird. Und denken Sie jedes Mal an das Wort und seine Konsequenzen, wenn irgendwo wieder eine "Kommission" initiiert wird, in die Politik den ureigenen Job verlagert. Das Motto der Zukunft müsste eben "mehr soziale Marktwirtschaft wagen" lauten und nicht "mehr Kommissionen wagen".

Und es sollte auch "mehr Politik wagen" lauten, denn eine Politik, die Entscheidungen für die sie selber gewählt wurde in Kommissionen verlagert, um ihnen den Anstrich der Objektivität zu geben, statt sich selber dafür zu exponieren, zeigt nur ihre eigene Entbehrlichkeit. Im Übrigen wird die politische Tendenz dann über die Auswahl der Kommissionsmitglieder sichergestellt, das Ergebnis ist absehbar, jeder glaube sozusagen nur dem „Gutachten“, das er selber bestellt hat. Dem Bürger wurde aber Sand der „Objektivität“ in die Augen gestreut, wo stattdessen Besitzstände gewahrt und politische Interessen gesichert werden.

Ich habe leider wenig Hoffnung, dass sich das ändert, ohne dass wir einen „Reset“ auf sozusagen „Demokratie 2.0“ bekommen, der näher am partizipativen Modell der Schweiz ist. Die aus Steuergeldern finanzierten Frösche ohne gesellschaftliche Wertschöpfung werden ihren warmen Teich hart verteidigen. Womit wir auch bei dem strukturellen Problem dahinter sind, das der renommierte Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim in seinem lesenswerten Werk -> Die Hebel der Macht <- hervorragend herausgearbeitet hat.

Ihr Hari

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Der Mutmacher

Wir haben ja nun einen neuen Bundespräsidenten, der sich als "Mutmacher" versteht. Was ist immer das heisst, "Mut" ist ja eine ebenso schöne Leerformel wie "Gerechtigkeit" - entscheidend ist eher, womit man die Leerformel füllen will.

Das mit dem "Mutmachen" von jemandem wie Steinmeier, der sein ganzes Berufsleben im öffentlichen Dienst in der Politik verbracht hat und auf eine abgesicherte Staats-Pension herab schauen kann, ist aber eine interessante Haltung. Den selbstständigen Unternehmer, der gegen überbordende Staats-Bürokratie kämpft und um jeden Kunden ringt, kann er nicht meinen, dazu fehlt der Bezug. Den Arbeitnehmer mit Mini-Rente (die aber ist sicher ;)), der jeden Euro umdreht und am stärksten unter dem schwachen Euro leidet, kann er auch nicht meinen, auch dazu fehlt der Bezug.

Aber vielleicht will er ja der Politik "Mut machen", mal sinnvolle Ordnungspolitik zu betreiben und an die langfristige Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit des Landes sowieso seine staatstragenden, steuerzahlenden Bürger zu denken. Dann fände ich das mit "Mut machen" richtig gut, alleine mir fehlt der Glaube an diese Interpretation. Wir werden sehen, womit diese Worthülse gefüllt werden wird.

Weil wir es aber gerade mit dem Mutmachen haben, will ich auch Ihnen als Anleger ein wenig "Mut" machen.

Denn ich denke Sie bemerken es auch, dass eine Art Beruhigung einzutreten scheint, was die Fragezeichen rund um Steinmeiers "Hassprediger" Donald Trump angeht. Aussenpolitisch wurde in diversen Terminen zuletzt Berechenbarkeit und eine gewisse Stetigkeit bewiesen. Die all zu grossen Sorgen, dass Trump die Welt sofort total auf den Kopf stellen würde, dürften übertrieben gewesen sein. Er wird sie schon auf den Kopf stellen, das ist recht wahrscheinlich, es dauert nur länger. 😉

Für den Markt ist das positiv, denn der kann sich damit zunächst auf die wirtschaftlichen Konsequenzen der Politik Trumps konzentrieren und diese sind für die US zunächst positiv. Und mit dem Versprechen aggressiver Steuersenkungen, gibt es nun auch einen neuen "Buy the Rumor" Katalysator. Irgendwann werden auch diese Hoffnungen und Versprechungen einen Realitätscheck machen müssen und dieser wird wohl nicht uneingeschränkt positiv ausgehen und mit einer Korrektur enden, aber dieser Tag ist wohl nicht heute.

Diesem eher bullischen Aufwärtsdruck der von der Wallstreet kommt, steht dagegen die berechtigte Sorge gegenüber, dass es den Euro und Europa zerlegt, denn die systemimmanenten Spannungen werden grösser. Zwischen diesen beiden Polen muss der Markt nun navigieren, wobei die US mit ihrer Politik eindeutig der grösste Gorilla im Raum sind. Insofern kann man in den kommenden Wochen in den US von einer eher positiven Marktentwicklung ausgehen, die aber immer wieder durch Schreckmomente und sorgenvolle Aufwallungen unterbrochen wird, die eher aus Europa kommen werden und die hiesigen Märkte belasten.

Im Leitindexx S&P500, sehen wir ganz eindeutig einen bestehenden und immer wieder bestätigten Aufwärtstrend seit Trump gewählt wurde:

Dieser Trend hatte zuletzt nachgelassen, durch die Hoffnung auf Steuersenkungen aber letzte Woche wieder Fahrt aufgenommen. Aber ganz egal wie wir das interpretieren, wir stellen uns *nicht* gegen so einen Trend. So einen Trend geht man mit, bis er irgendwann bricht und dann erst steigt man aus. Alleine die Frage wie sehr man sich dabei exponiert, ist diskussionswürdig. Und in Anbetracht der erhöhten Risiken, dürfte etwas erhöhter Cash, derzeit weiter keine schlechte Idee sein.

Ich kann das hier im freien Bereich nicht oft genug wiederholen, es bringt nichts sich gegen den Markt zu stellen und klüger als dieser sein zu wollen. Die wichtige Fähigkeit für Börsenerfolg ist nicht, mit der nicht vorhandenen Glaskugel schon heute wissen zu wollen, wann dieser Markt in eine Korrektur wechselt. Die Kunst ist, wenn es passiert, dann schnell und konsequent zu handeln. So wie es auch die Kunst war, nach der Wahlnacht von Trump schnell und konsequent zu handeln, danach war noch mehr als genug Zeit den steigenden Kursen zuzuschauen. Abwärts geht es am Markt zwar immer etwas schneller als aufwärts, das Prinzip ist aber das Gleiche.

Übrigens, was Gold macht, sieht weiter sehr konstruktiv aus, ganz besonders wenn man sich vor Augen führt, dass die Wallstreet gerade "Risk ON" spielt, was für Gold eher ein Kontraindikator ist. Wer sich gegen Wirrungen und Irrungen rund um den Euro etwas absichern will, ist hier wahrscheinlich ganz gut aufgehoben:

Geben wir also den Steinmeier, haben wir Mut! 😉

Ihr Hari

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Gold und der Dollar – Die Situation ist da!

Manchmal liegt in der Kürze die Würze und so soll es heute auch sein.

In all den letzten Wochen, seit Gold so langsam wieder nach oben zu kriechen begann, habe ich darauf hingewiesen, dass Gold nicht wirklich Eigenleben hatte, sondern seine Zuckungen alleine inverses Abbild des Dollars waren.

Und solange Gold kein Eigenleben hat, gibt es auch keinen Grund von echter Stärke zu sprechen. Bis vor ca. einer Woche.

Denn seit dem steigt Gold trotz wieder steigendem Dollar. Die Situation ist da!

Und das kann fast nur Eines bedeuten, wenn Dollar und Gold gleichzeitig steigen: Risk Off!

Die Ursachen sind auch klar, die Eurokrise erhebt wieder ihr Haupt, gerade habe ich etwas retweetet, das zeigt wie die Spreads zwischen Italien und Deutschland wieder aufgehen. Die Wahlen in den Niederlanden und vor allem Frankreich werfen ihren Schatten voraus.

Und Griechenland? Das ist natürlich das gleiche Desaster wie schon vor Jahren, nur dass unser hart erarbeitetes Steuergeld dort in inkompetenten und sinnlosen Rettungsversuchen verschleudert wurde. Die "Kredite" werden wir selbstverständlich nie wiedersehen. -> Der Euro und der Grexit - Der Kern des Problems <-

Da kann man nur hoffen, dass dieser dank der Hoffnung auf Trumps Politik (noch) erstaunlich stabile Aktien-Markt, nicht das Schicksal des Truthahns vor sich hat. Peter Brandt hatte dazu vor vielen Jahren eine nette Parallele: -> The surprising correlation between a turkey and a short gamma trader <-

Suprise! 🙂

Ihr Hari

PS:

Für alle Anfänger und Angst-Getriebenen. Das heisst *nicht* jetzt alles zu verkaufen. Auch ein Truthahn kann bei Thanksgiving verschont werden und noch ein Jahr vor sich haben. Denn noch ist der Trend hoch, das sollten wir nie vergessen.

Aber es heisst nun sehr aufmerksam zu sein und dann konsequent zu agieren, falls hier die Kurse durch die wichtigen Unterstützungen schneiden. Und die sind nicht mehr so weit entfernt. Denn ein Fallbeil fällt schneller, als steigende Kurse steigen - das war schon immer so an der Börse.

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Kriechender Zweifel

Was ist nicht alles über Trump geschrieben worden. Das Wort Trump ist eines der meistgeschriebenen der letzten Monate und die Person polarisiert auf eine brutale Art und Weise, wie wir das bei einem Spitzenpolitiker schon lange nicht mehr erlebt haben.

Und während dieser ganzen Zeit, ist der Markt ruhig gestiegen und gestiegen. Einfach nur gestiegen, frei nach dem Motto: "Lass doch all die aufgeregten Moralisten sabbeln, wir verdienen lieber Geld".

Bis Heute.

Aber jetzt könnte sich das ändern. Könnte - Konjunktiv. Aber zum ersten Mal seit seiner Wahl könnte es sich tatsächlich ändern.

Nicht wegen seiner angekündigten oder absehbaren Wirtschaftspolitik. Sicher, da sind Risiken dass daraus ein Handelskrieg erwächst. Aber da scheint der Markt eher gelassen zu sein und das aus gutem Grund. Denn der Kern des Wahlversprechens Trumps an seine Gefolgschaft, ist dass er wieder industrielle Jobs in die US holt.

Dabei kann etwas Druck und harte Verhandlungen nicht schaden, um einen besseren Deal zu bekommen, aber am Ende wird er das tun, was gut für Amerikas Wirtschaft ist und ein allgemeiner Handelskrieg ist es nicht. Und weil das logisch und nachvollziehbar ist, sitzen die Aktionäre von US Unternehmen ohne starke internationale Verpflichtungen da nun eher entspannt und freuen sich auf die Infrastruktur-Programme die da kommen mögen. Und die Indizes stehen nahe der Höchststände.

Diese Haltung beruht aber auf einer Annahme. Der Annahme, dass Trump bei aller konfrontativ, aggressiven Rhetorik, im Kern ein rational agierender, auf ein konkretes Ziel zusteuernder Deal-Maker ist, der schon weiss, was er tut.

Mit dem als Prämisse, kann man die medialen Wellen schulterzuckend aussitzen und sich auf das konzentrieren, was am Finanzmarkt interessiert: Mit der neuen "World of Donald" Geld zu verdienen.

Was aber wenn Trump gar nicht rational ist? Was, wenn er real so ist, wie er wirkt, wenn er sich narzzistisch selbst lobt und extrem dünnhäutig auf jeden kleinen Kratzer am Ego reagiert? Was wenn er gar kein wirtschaftliches Ziel für Amerika mit taktischen Mitteln verfolgt, sondern vor allem nur sein Ego überhöhen will?

Dann sind wir in einem anderen Spiel. Und dieses Spiel würde dem Markt nicht mehr gefallen, denn er könnte nicht mehr entspannt sich aufs Geld verdienen konzentrieren, sondern müsste damit rechnen, dass alle Pläne auf die man Multi-Millionen gesetzt hat, am nächsten Morgen obsolet sein können, weil jemand "The Donalds" Ego zu nahe gekommen ist.

Ein erster kleiner Zweifel, wurde vor Kurzem mit der chaotischen Umsetzung der Einreise-Beschränkungen gesetzt. Nicht die Beschränkungen an sich sind für den Markt das Problem, sondern die chaotische Umsetzung, die auf wenig Professionalität schliessen lässt. Wenn man das auf zukünftige, für den Markt wichtige Projekte überträgt, hat es keine vertrauenerweckenden Implikationen.

Aber gestern wurden weitere Zweifel gesäht, ein abgebrochenes, aggressives Gespräch mit dem australischen Premier, das wohl so stattgefunden hat, da auch aus Australien unter der Hand Bestätigungen kommen. Vorwürfe an mit Japan, Deutschland und Australien, mehrere treue und wichtige Verbündete gleichzeitig, so als ob es nicht genügen würde, sich nun mit Mexiko, China und dem bewusst zündelnden Mullah-Regime im Iran anzulegen.

Das vermittelt nicht das Bild von rationalem Handeln, von taktischer Finesse, sondern eher von gefühlsgetriebenem "Umsichschlagen". Und diese Wirkung ist fatal, sie kriecht wie Kälte in die Knochen und säht Zweifel.

Noch will der Markt glauben und vertrauen. Und wenn Trump nun tatsächlich rational und mit strategischem Weitblick die Politik umsetzt, die er versprochen hat und wenn wirtschaftliche Erwägungen wieder Dominanz über moralische Weltverbesserungs-Kategorieren erlangen, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Schaden der US Börsen sein und wir werden da in den kommenden Jahren noch eine erstaunliche Kraftentfaltung erleben, die den S&P500 auf Höhen führt, die wir uns heute nicht vorstellen können.

Aber der Zweifel ist nun gesät und wenn sich dieses Bild nun in den kommenen Tagen festigt, dann ist die Korrektur wohl nicht weit, die sowieso irgendwann in den kommenden Wochen und Monaten einsetzen sollte. Die kommenden Tage kommt es also aus Börsensicht noch mehr auf Trumps Verhalten an, die Frage ist: Har er einen Plan, oder schlägt er emotionsgetrieben um sich?

Seien wir also nun sehr aufmerksam, ob die Stimmung am Markt kippt. Erwartung und das dafür nötige Vertrauen ist alles am Markt und an Erwartung steckt nun Einiges in den Kursen. Wenn Vertrauen aber bröselt, wird es sehr schnell sehr übel.

Trump kann sich weiter jeden Tag mit der Presse anlegen und 3 Stunden am Tag seine Einschaltquoten kommentieren, das interessiert den Markt nicht. Aber wenn er den Eindruck vermittelt, dass er keinen taktischen Plan verfolgt und die genannten Absichten nicht mit der nötigen taktischen Raffinesse umgesetzt werden, dann ist das sehr börsenrelevant.

Kurzfristig sollten wir dazu im S&P500 diese Linie im Auge behalten, die seit dem Jahresanfang Bestand hat und den Ausbruch von einem Rückfall trennt:

Wenn diese Linie fällt, steigt das Risiko. Solange wir darüber sind, darf man weiter darauf setzen, dass wir noch einen Schluck aus der "Kurspulle" vor uns haben, bevor die zwangsläufige Gravitation ihr Recht einfordern wird.

Ihr Hari

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Die Euro-Krise erhebt wieder ihr Haupt

Vielleicht haben Sie ja mitbekommen, dass Mr-Market seit Kurzem unter @HariMrMarket nun auch bei Twitter ist. Ich nutze den Dienst zweiteilig. Einerseits um den Premium-Mitgliedern, die selber bei Twitter sind, neue Artikel anzukündigen. Andererseits aber auch, um immer mal wieder interessante Infos auch an Sie im freien Bereich weiter zu geben. Die Tweets werden rechts auf Mr-Market direkt eingeblendet, das ist Ihnen bestimmt schon aufgefallen.

In dem Zusammenhang habe ich übrigens festgestellt, wie faszinierend gering die Durchdringung von Twitter bei gebildeten und gut verdienenden Menschen ist, denn um die handelt es sich bei den Premium-Mitglieder fast durchweg. Zum Start hatten gerade mal 5% der Mitglieder wohl einen Twitter-Acount, mittlerweile haben einige alleine deswegen einen angelegt, es ist aber immer noch eine klare Minderheit. Das ist für die Twitter-Aktie ein interessantes Thema, hier nun aber zurück zum Kern dieses Artikels, dem Euro.

Denn wenn Ihnen Mr-Market bei Twitter aufgefallen ist, haben Sie bestimmt auch schon diverse Tweets der letzten Zeit gesehen, die sich um ein zentrales Thema drehen: Die Eurokrise erhebt wieder ihr Haupt.

Hier dazu ein paar Links:

-> Sentix Euro Break-up Index <-

-> Political Risks emerge <-

-> Renditespanne zu Frankreich und Italien weiter sich <-

-> Draghis abwegige Auslegung der Inflation <-

Insbesondere letzterer Artikel weist auf einen unterschätzten Vorgang hin, denn Mario Draghi hat bei seiner letzten Pressekonferenz eine Menge dafür getan, um sich in seiner bekannt herablassend-süffisanten Art und Weise, diverse sprachliche Ausreden und grossen Spielraum zu generieren, um die Nullzinspolitik auch dann weiter führen zu können, wenn die Inflation in Deutschland schon weit über 2% liegen wird.

Auch dass Sabine Lautenschläger nun deutlich dem -> Ende des billigen Geldes das Wort redet <- und Weidmanns Bundesbank zeitnah eine Studie veröffentlicht, nach der -> die EZB bewusst den Euro schwächt <-, darf man ebenso wie Draghis rabulistische Verrenkungen als klares Indiz dafür werten, dass unter der Oberfläche der EZB die Friktionen wieder massiv steigen und der Richtungskampf tobt. Wo Mario Draghi dabei steht, braucht wohl keine weitere Erklärung.

Und das zu einem Zeitpunkt, in dem in Kerneuropa, in Frankreich, Niederlanden und Deutschland, wichtige Wahlen anstehen. Insofern dürfte Draghi sich auch wieder der Unterstützung der deutschen Regierung sicher sein, das Feuer um jeden Preis auszutreten, denn Frau Merkel kann garantiert nicht gebrauchen, dass im Wahlkampf zu Tage tritt, dass Griechenland weiter ein schwarzes Loch ist und der Euro kein bischen "gerettet" ist, sondern nur mit Steuerzahlergeld temporär ruhig gestellt.

Ich will hier im freien Bereich nicht tiefer einsteigen, die Thematik wird uns dieses Jahr in der Community sicher massiv beschäftigen, denn schon alleine der Umgang der Anleger mit der Inflation, die dann bei Nullzinsen eine Negativrendite von 2% generieren wird, ist ein Thema zu dem man Bücher schreiben könnte.

Und wenn derzeit beruhigend auch von Draghi betont wird, dass die aktuelle Inflation ja nur aus Basiseffekten der Rohstoffpreise resultiert, ist das einerseits richtig und gleichzeitig eine Nebelkerze. Denn es gibt im aktuellen, weltweiten Umfeld ganz grundlegende inflationäre Entwicklungen vor denen man Sorge haben muss, vor dem Basiseffekt ohne Frage nicht. Darüber aber an anderer Stelle und in anderem Rahmen in Kürze mehr.

Ich will hier nur darauf verweisen, was ich hier 2015 in -> Der Euro und der Grexit - Der Kern des Problems <- geschrieben habe:

Der Euro versucht in eine Währung zu pressen, was nicht zusammen gehört. Griechenland und Deutschland können nicht in einer gemeinsamen Währung sein, wenn es nicht eine einheitliche Regierung und gemeinsame Kultur gibt. Das ist die grosse Lebenslüge des Euros. Er ist eine fatale Fehlkonstruktion, die den Spaltpilz an Europa legt, aber kaum einer in der Politik traut sich, es zu sagen und daraus die logischen Konsequenzen zu ziehen.

Und diese meine Erkenntnis ist wahrlich nicht neu, wer mag muss nur nachlesen, was 62 nahmhafte Professoren 1992 und später 160 Professoren 1998 in den Maastricht Manifesten gesagt haben.
Lesen Sie einfach noch einmal im PDF Download von -> Prof. Ohr Uni Göttingen <-: -> Die Maastricht Manifeste im Wortlaut <-

Sehr lesenswert auch ein aktueller Artikel der NZZ, der auch über Prof. Ohr verlinkt ist: -> Plädoyer für eine flexiblere Eurozone <-

Einfluss auf den politischen Entscheidungsprozess hatte es damals nicht, wen interessiert auch das "Geschwätz" von Fachleuten. Insofern muss man auch heute befürchten, dass das Gewürge um den Euro unverändert weiter geht, man wird den Krug eben zum Brunnen tragen, bis er bricht. Dann aber werden alle Verantwortlichen mit weltschwerer Miene in die Kameras schauen und treuherzig wahlweise ihrem "Entsetzen" oder ihrer "Besorgnis" Ausdruck geben, natürlich verbunden mit dem Hinweis, dass man nun nicht den "Rattenfängern" nachlaufen dürfe. Sie sehen, ich habe doch eine Glaskugel. 😉

Machen Sie es trotzdem gut, lassen Sie uns das Leben geniessen, wir haben nur das eine.

Ihr Hari

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Die Infrastruktur-Aktien der „World of Donald“



Wenn man über das weite, wellige Meer der Börsen-Ozeane navigieren will, dann hilft es dabei ungemein, den Wind im Rücken zu haben. Denn gegen den Wind anzukreuzen, ist weit schwieriger und geht langsamer voran, als wenn der Wind von Hinten in die Segel bläst.

In diesem Sinne, ist mit Donald Trump ein Anlagethema mit grossem Rückenwind-Potential entstanden, das viele hier in Deutschland und Europa wohl noch nicht so richtig auf dem Radar haben. Es sind die absehbaren Investitionen in die US Infrastruktur, denn diese ist in weiten Teilen hoch marode.

Bei vielen Themen, die Trump im Wahlkampf angekündigt hat, ist derzeit noch völlig offen, ob diese sich wirklich so realisieren werden. Wird Trump einen Handelskrieg mit China beginnen? Niemand weiss das heute genau.

Aber dass die Infrastruktur dringendst eine Auffrischung braucht, das ist unstrittig und sonnenklar und war ja auch Teil des Programms von Hillary Clinton. Das wird also kommen, weil es wirklich alternativlos ist. Schon vor über 20 Jahren war es so, dass wenn Sie beispielsweise vom John F Kennedy Airport in New York durch Queens nach Norden fuhren, sie in dem Brachland vor der Bronx das Gefühl hatten, eher ein Drittweltland zu durchqueren. Das ist heute nicht besser geworden und in weiten Teilen Amerikas zu "bewundern".

Es ist auch deshalb so sicher, weil es wunderbar in Trumps Politik des "America First" und der neuen Arbeitsplätze im Lande passt. Es wird also jede Menge Aufträge gerade für einheimische Firmen des Bau- und Infrastruktur-Sektors geben. Und natürlich werden auch alle profitieren, die Grundstoffe für den Bau herstellen wie Stahl, Aluminium oder Beton. Bei der Auftragsvergabe brauchen sich dann deutsche Mittelständler aber wohl nicht zu grosse Hoffnungen machen, selbst wenn sie die besseren Produkte und Leistungen haben. Denn wenn die Auftragsvergabe öffentlich erfolgt, was oft der Fall sein wird, wird "America First" der entscheidende Massstab sein.

Bei so viel Rückenwind, macht es doch Sinn, sich mal mit Aktien des Sektors zu befassen. Zwei Namen, die Sie potentiell noch nie gehört haben, obwohl das Werte mit einer Marktkapitalisierung im Milliarden-Bereich sind, will ich Ihnen heute auch im freien Bereich nahe bringen:

Quanta Services (PWR)

Das Kürzel "PWR" steht für Power und das aus gutem Grund. Denn wie Sie der -> Unternehmenshomepage <- entnehmen können, ist das Unternehmen mit seinen 24.000 Mitarbeitern und 7,5 Milliarden USD Umsatz, unter anderem auf den Aufbau, Betrieb und Service der Stromnetze spezialisiert. Und gerade in dem Bereich, gibt es in den US jede Menge Modernisierungsbedarf, wer die windschiefen Holzbalken kennt, auf denen Stromleitungen manchmal durchhängend durch die Gegend geführt werden, weiss was ich meine. 😉

Im Chart (alle Charts stammen von -> Finviz <-) sieht man schnell, dass der kluge Markt diese Chancen sofort erkannt hat und erst gestern gab es einen gewaltigen Schub, der mit ersten Erlassen Trumps zu tun haben dürfte:

Aber trotzdem, die Aktie ist immer noch nicht mit übertriebenen Gewinnerwartungen bewertet, ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,76 kündet davon, das für Dienstleister nicht untypisch ist. PWR dürften die Winde der WoD weiter klar in die Segel blasen.

Kommen wir zum zweiten Unternehmen:

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