Weniger ist oft mehr

Lage & Szenarien vom 29.01.2023 von Frank Sauerland

Wir sind in Aufregung. Überall sehen wir ernste Probleme. In der Ukraine ist Krieg. Die Weltwirtschaft bockt, das Klima wird heiß diskutiert.

Als Zeitgenosse beschäftigen mich diese und andere Probleme. Man spricht darüber, wählt, will verändern. Als Aktienanleger dürfen die hereinstürzenden Probleme mich aber nicht zu kurzatmigen Entscheidungen verleiten. Bin ich bei Aktien mit einem weiteren Zeithorizont unterwegs, dann hilft mir ein Blick auf das obige Chartbild, um die richtige Perspektive zu finden.

Der Chart beginnt links mit dem Jahr 2013 und endet rechts mit der aktuellen Handelswoche. Jedes Stäbchen stellt eine Woche im US-Traditionsindex Dow Jones (DJI) dar. Die farbigen Linien sind zusätzlich eingeblendet, um weitere große Handelsplätze rund um den Erdball abzubilden. Von oben nach unten verfolgen die Linien die Kursentwicklungen des japanischen Marktes (NKY), der australischen Börse (AORD) und des europäischen Euro Stoxx 50 (SX5E). - Links beginnt der Chart bei 0 Prozent, rechts ist die Skala mit den erzielten Gewinnprozenten. Vier Erkenntnisse:

Aktienkurse steigen normalerweise. Das mag man fast nicht glauben nach dem schlimmen Aktienjahr 2022, das gerade hinter uns liegt, aber auf lange Sicht steigen Aktien zumeist. Der Chart zeigt es.

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Einfach ist oft lukrativ

Lage & Szenarien vom 22.01.2023 von Frank Sauerland

Meist kann ich das Verfahren schlank halten, mit welchem ich für mich als Privatinvestor interessante Aktien herausfiltere. Dazu schaue ich mir Bilder an und nutze Normalverstand. Das obige Bild zeigt eine mustergültige Kerzenreihe in aufsteigender Folge. Besser geht’s nicht, ruft einem das Bild zu: Kauf mich, du brauchst keine weiteren Geschäftsberichte und keine Analysten, um zu sehen, dass mein (Aktien-)Laden läuft. Es handelt sich um den Chart der Lufthansa.

Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr hob bereits Mitte Dezember letzten Jahres zum dritten Mal seit dem Sommer die Gewinnprognose an, und der Lufthansa-Aktienkurs macht bisher nicht den Eindruck, zur Landung ansetzen zu wollen. Die Story, warum die Lufthansa so erfolgreich ist, ist flach einfach: Nach monate- und jahrelangem Lockdown wollen die Leute wieder fliegen.

Gerade einfache Investment-Storys sind oftmals lukrativ. Ein Bedarf ist da, eine Firma hat die Mittel, ihn zu befriedigen zu einem Preis, den die Kunden bereit sind zu bezahlen. Die Firma ist börsennotiert, ich kann Anteile erwerben, um Nutznießer erwarteter Gewinne zu sein.

Ich sprach oben vom Bildergucken und vom Verstandeseinsatz. Einen ersten Blick habe ich auf das Bild geworfen, jetzt kommt der Normalverstand hinzu. Dessen Einsatz ist an der Börse oft ratsam, weil man dort von verdammt schlauen Leuten umgeben ist, die einen zu gern über den Tisch ziehen würden, weil sie den Gewinn machen wollen, den man eigentlich für sich selbst eingeplant hat.

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Die DAX-Rallye

Lage & Szenarien vom 15.01.2023 von Frank Sauerland

Am 11.12.2022 schrieb ich an dieser Stelle sinngemäß zum deutschen Leitindex DAX: „Wenn jetzt die Entscheidung fällt, dann kann es schnell gehen.”

Die Entscheidung fiel und es ging schnell.

Der DAX hat seit Jahresbeginn 7,5 Prozent dazugewonnen. Wer flugs reagierte, sitzt auf satten Gewinnen. Aber egal, ob Gewinner oder Zögerer, beide stehen vor demselben Problem: Wie geht es nun weiter?

Dazu schaue ich mir den Chart oben an — und bei der Gelegenheit ein kurzer Einschub, da ich bei Facebook immer wieder zu hören bekomme: „Schon in Ordnung, ist interessant. Aber Charttechnik ist so gar nicht meins. Das ist doch Kaffeesatzlesen.”

Zunächst bin ich mir nicht sicher, ob ich mich mit dem Titel „Charttechniker” schmücken dürfte. Letztlich bin ich nur ein Privatanleger, der versucht, etwas Menschenverstand bei der Geldanlage zu benutzen. Ein Chart kann dazu ein praktisches Hilfsmittel sein, welches in grafisch aufbereiteter Form vergangene Kurse darbietet. Etwas weniger kaffeesatziges als alte Kursnotierungen von Aktien kann ich mir kaum vorstellen. Kurse sind harte, oft genug schmerzhafte Realität.

Charts haben zudem eine Sicherheitsbegrenzung, immer auf der rechten Seite. Es ist der jeweils letzte Handelstag, danach geht es nicht weiter. Sie bilden nur ab, was ist. Sie zeigen eine objektive Lage.

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Der Bär auf der Schaukel

Lage & Szenarien vom 08.01.2023 von Frank Sauerland

Das hat mich überwältigt. Die Beteiligung an der kleinen Umfrage in der Lage & Szenarien-Ausgabe vom Neujahrssonntag war riesig.

Zwei Fragen stellte ich.

a) Im Vergleich zum Jahresbeginn 2023: Um wie viele Prozent höher oder tiefer wird der amerikanische Börsenindex S+P 500 am Jahresende 2023 stehen?

b) Gleiche Frage, aber bezogen auf den deutschen Leitindex DAX.

Die Antworten hatten eine enorme Bandbreite, von minus 50 Prozent bis plus 50 Prozent war alles dabei, und ein Leser traute sich sogar, bis auf die zweite Nachkommastelle zu prognostizieren. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das ernst gemeint war …

Viele Umfragebeteiliger haben ihre Prognosen mit spannenden und fundierten Überlegungen erläutert, und zu Anfang habe ich zurückgemailt, dass ich darauf im Einzelnen am heutigen Sonntag eingehen werde. — Da ahnte ich noch nicht, dass die Lawine der Rückmeldungen erst am Anschwellen war … In den folgenden Tagen wurde mir klar, dass nicht das Eingehen auf einzelne Thesen, Beobachtungen und Begründungen den größten Nutzen für uns alle als Privatanleger bringen würde. Sondern die Gesamtschau, der Eindruck.

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Entscheidend ist, was hinten rauskommt

Lage & Szenarien vom 01.01.2023 von Frank Sauerland

Traditionell sind zum Jahreswechsel Finanzmarkt-Prognosen angesagt. In etwa dieser Art: So wird das neue Börsenjahr werden und zwar aus diesen und jenen Gründen. Finanzberater und Börsenjournalisten bringen allerlei Bedenkenswertes, manchmal sogar Amüsantes zu Papier. Adressat der Jahreskursvorhersagen ist zumeist der gemeine Privatanleger. Manchmal liest der Privatanleger die Geistesergüsse der Experten sogar, und er wird sich seinen Teil denken. Genau hier, beim Denken, wird es interessant. Denn was veröffentlichte Banker, Ökonomen und Experten über die Zukunft von 2023 börsendenken, kann ich nachlesen.

Aber was börseninteressierte und -erfahrene Leser und Anlagepraktiker für die kommenden Monate erwarten oder befürchten, das weiß ich nicht.

Dabei ist genau das interessant: Wie wir „normalen” Privatanleger die Lage einschätzen, und welches für uns das wahrscheinlichste Börsen-Szenario für das Jahr 2023 ist.

Um das für uns in Erfahrung zu bringen, habe ich mir eine kleine Umfrage ausgedacht. Dabei machen wir es uns einfach und lassen die Pirouetten aus, welche die Kurse auch 2023 schlagen werden. Für die Lage & Szenarien-Umfrage interessant ist lediglich das Börsenkurs-Ergebnis zum Jahresende. Viele mittelfristig orientierte Anleger dürften ähnlich denken: Entscheidend ist, was am Ende rauskommt.

Die Prognose-Umfrage an meine Leser umfasst nur zwei Fragen.

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Das Desaster der Cathie Wood

Lage & Szenarien vom 18.12.2022 von Frank Sauerland

Der Kurs ging steil in Zeiten der Pandemie: Cathie Woods ETF ARK Innovation machte Anleger reich, und Cathie Wood als Managerin des ETFs avancierte zur Star-Investorin, fast zu einem Guru mit gläubiger Gefolgschaft. Man glaubte an ihr Mantra: Sie investiere in Unternehmen, welche das Potential haben, die Welt zu verändern.

Die drei größten Positionen im ARK Innovation sind derzeit -> nach den bekannten Daten <- Zoom Video, Tesla und Exact Sciences. - Die Kurse von Zoom- und Tesla-Aktien halbierten sich überschlägig in diesem Jahr. Exact Sciences erlitt rund 42 Prozent Kursverlust. Das hinterlässt Spuren bei der Performance des ARK Innovation.

Der ETF, der neben den genannten Aktien weitere Anteile von Growth-Technologie-Unternehmen im Portfolio hält, verlor in diesem Jahr bisher rund 63 Prozent. Während der amerikanische S+P 500-Index, der durchaus technologielastig aufgestellt ist, seit Oktober immerhin rund 9 Prozent zulegte, arbeitet Cathie Woods ARK bestenfalls an einer Bodenbildung.

Bisher woodgläubige Investoren werden nun unruhig. In den ersten fünf Monaten des Jahres steckten sie laut -> vom WSJ <- veröffentlichten Zahlen noch weitere 1,89 Milliarden Dollar in den ETF. Nun aber schwindet offenbar der Enthusiasmus, Investorengeld fließt ab. Allein am 30. November 2022 sollen Woods Zweifler 146 Millionen Dollar aus dem ETF abgezogen haben. Das wäre der größte Tagesabfluss in diesem Jahr.

Schadenfreude ist fehl am Platz. Der ETF kann ein grandioses Comeback feiern, niemand kennt die Zukunft. Jedoch darf ich als rationaler Anleger durchaus aufmerksam werden, wenn die Anlageidee eines Investmentmanagers - und sei die Person auch noch so berühmt - dauerhaft vom Markt negiert wird. Dann, besser noch vorher, sind eigene Gedanken nötig. Statt festem Glauben und bangem Hoffen.

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Der Deutschland-Check

Lage & Szenarien vom 11.12.2022 von Frank Sauerland

Im eigenen Land sehe ich Entwicklungen genau. Zumindest glaube ich das. Vor allem Fehlentwicklungen springen mir ins Auge.

Ich kann das Phänomen als optischen Mechanismus auffassen. Was der Linse nahe ist, wird groß abgebildet. Was ihr fern ist, kommt nur klein auf das Bild.

Ich kann den Mechanismus auch zum psychologischen Effekt erklären. Ich überbewerte Fehler, welche ich gut erkenne, während ich Fehler unterbewerte, die ebenso vorhanden sind, aber in der Ferne liegen, deswegen von mir weniger bemerkt werden.

An der Börse habe ich ein Instrument, mit welchem ich versuchen kann, Unzulänglichkeiten von optischen oder psychologischen Mechanismen auszugleichen. Das Instrument ist der Kurs. Heimische und internationale Investoren handeln an der Börse aus, wie sie die Aussichten einzelner Aktienunternehmen einschätzen. Solche Einschätzungen zu einzelnen Aktien bündeln Indices zu Sektoren- oder Länderkörben, welche mir ermöglichen, einen schnellen Überblick zu bekommen.

Für die selbstständige Einschätzung einer Aktie oder eines Index’ kann es kaum eine bessere Voraussetzung geben, als dem Objekt des Interesses gegenüber kritisch eingestellt zu sein, seine Fehler übergroß zu sehen — und dann Einstellung und Fehlerbetonung auf stumm zu schalten, um so objektiv wie möglich nur die Kurse anzuschauen, um anschließend in einer Gesamtschau Schlussfolgerungen zu ziehen. Genau das werde ich versuchen, nicht als längliche Abhandlung, sondern in sonntagmorgentauglicher Knappheit und oben ist dazu der entsprechende Chart abgebildet.

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Die Rezession kommt

Lage & Szenarien vom 04.12.2022 von Frank Sauerland

Anfang Dezember darf ich einen Rückblick wagen auf das bisherige Börsenjahr 2022. Um einen Ausblick zu gewinnen auf das Börsenjahr 2023.

Der Vergleich von vier Indices bringt überraschende Einsichten. Die vier Indices sind im Chartbild oben zu sehen, das Ding sieht zunächst komplex aus, es ist aber einfach.

Links starten die vier Indices mit dem Jahresbeginn 2022. Den Börsianern steht eines der fürchterlichsten Börsenjahre bevor, welches sie erlebt haben.

Natürlich existieren Börsenjahre, die noch schlimmer verlaufen sind. Aber aus biologischen und vor allem aus materiellen Gründen kennen die meisten Börsianer solche Jahre aus eigenem Erleben nicht, und das ist schon einer der Gründe, warum das Jahr 2022 gefühlt so fürchterlich ist: Es fehlt die Übung, mit solchen Jahren umzugehen. Wer das Jahr bis heute depotmäßig überlebt hat, der gehört zu den Könnern. Die erzielte Rendite ist fast nachrangig; es zählt, weiter dabei sein zu können. Ein wenig ist es wie bei dem bösen Spruch über Motorradfahrer: Es gibt alte Motorradfahrer und es gibt schnelle Motorradfahrer, aber alte schnelle Motorradfahrer gibt es nicht.

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Warum bloßes „Buy and Hold“ ein Fehler ist

Lage & Szenarien vom 27.11.2022 von Frank Sauerland

Die Gigaset AG stellt Telefone und Alarmtechnik im westfälischen Bocholt her. Vor Jahrzehnten standen in vielen deutschen Haushalten schnurlose Telefone der Firma. Die Gigaset AG schaffte es während der letzten Tage, sich in börseninteressierten Kreisen mit einer Ad hoc Meldung in Erinnerung zu bringen.

Angekündigt wird die Meldung von Jana Greyling, dem „Manager Corporate Communications und Investor Relations” von Gigaset, unter anderem mit den Worten „Grund hierfür sind (…) eine kurzfristig verbesserte Materialsituation in Q4 sowie erste positive Erträge aus Verkaufspreisanpassungen.”

Nachgeschoben wird der Meldung eine Äußerung des Gigaset-CFO Thomas Schuchardt: „Entsprechend positiv bewerten wir die bessere Materialverfügbarkeit zum Ende des Jahres und die daraus zu erwartende Umsatzsteigerung.”

Greylings Einleitung und Schuchardts Schluss geben der Ad hoc Meldung einen positiven Klang. Ein potentieller Investor geht wohl gestimmt aus der Lektüre des gereichten Textpäckchens heraus. Communications Manager und CFO haben gute Arbeit geleistet und daran ist nichts Falsches. Sie haben die ihnen qua Jobbeschreibung gestellte Aufgabe erfüllt.

Meine Aufgabe habe ich erst noch zu lösen. Sie lautet anders als die eines CFO oder eines Pressesprechers.

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Das Kurs-Gebirge

Lage & Szenarien vom 20.11.2022 von Frank Sauerland

Wie die Zeichnung eines Gebirges sieht das obige Chartbild aus. Jedes Stäbchen steht für eine Woche, die Reihung der Stäbchen ergibt den Kursverlauf des Holz-Futures in den USA. Nun scheint der amerikanische Holzpreis für einen deutschen Privatmann mit Aktieninteressen ähnlich wichtig zu sein wie der bekannte Sack Reis, welcher in China umkippt. Doch damit wäre der Holzpreis unterschätzt.

Für mich ist er ein praktischer Marktanzeiger. In ihm konzentrieren sich Knappheiten, Geldpolitik und Erwartungen in einem Kurs. Bei der Preisbildung des Holz-Futures kämpfen menschliche Verzagtheit und Zuversicht auf der Börsenbühne miteinander. Das Hin-und-her-Wogen des Kampfes ist spannend. Sobald der Holzpreis ins Verhältnis gesetzt wird zu Aktienkursen, gibt die unorthodoxe Verbindung Einblicke in Marktbefindlichkeiten und erlaubt einen Ausblick darauf, wie es weitergehen kann am Markt. Einen wahrscheinlichen Ausblick wird ein Investor immer als Gewinnchance begreifen.

Ich beginne die Gebirgsbesteigung auf der linken Chartseite im Februar 2020 kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Der Holzpreis startet bei null Prozent. Holz wird in den USA mehr noch als bei uns beim Bau von Einfamilienhäusern benutzt sowie ähnlich wie bei uns zur Konstruktion von Hallen und Dachstühlen. Holz wird nachgefragt, wenn Zuversicht herrscht, wenn Unternehmer etwas unternehmen, da sie glauben, in der Zukunft mit ihrer Unternehmung Gewinn zu erwirtschaften. Als das Corona-Virus sich ausbreitete, war der Glaube an die Zukunft erschüttert und Gewinne in Non-Softwarebranchen waren schwer vorstellbar, der Holzkurs brach ein, innerhalb von vier Wochen um 40 Prozent.

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