Von Konsequenz – Wann man verkaufen muss

Der folgende Grundlagen-Artikel erschien letzten November im Premium Bereich und wurde für den freien Bereich nur marginal bei Referenzen überarbeitet.

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Wir sprechen oft über Setups und richtige Einstiege, wir sprechend über Techniken wie Stops, mit denen wir unser Risikomanagement gestalten.

Aber wissen wir eigentlich wann wir verkaufen *müssen*, mit der Betonung auf *müssen*?

Und vor allem, ist uns klar, dass es dafür eine universelle Antwort gibt? Eine Antwort, gegen die wir andauernd verstossen und auch deswegen in unangenehme Situation geraten?

Eine universelle Antwort für alle Arten von Handelsgeschäften, von Intraday-Trades bis zu mehrjährigen Investments, kann natürlich nur generisch sein - ist aber trotzdem wichtig.

Diese Antwort ist sehr schlicht und einfach. Hier ist sie:

Grund des Einstiegs und Grund des Ausstiegs bilden eine logische Einheit, das eine folgt aus dem anderen.

Für Stops habe ich das Prinzip in einem Grundlagen-Artikel den Mitgliedern schon nahe gebracht:

-> Grundlagen der Stops III - Das Spiegelbild der Strategie <-

Darin heisst es:

Stop sind also immer das Spiegelbild der Strategie.

Wer keine Strategie und kein Setup hat, kann auch keine sinnvollen Stops haben!

...

Denken Sie also daran, wenn Sie sich das nächste Mal den Kopf zermartern, wo Sie denn nun den Stop hinsetzen sollen. Denn wenn Sie diese Frage plagt, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass das nur ein Indiz für ein weit schwerer wiegendes Problem ist: fehlende oder mangelnde Strategie!

Sie lösen das Problem dann auch nicht, in dem Sie "irgendwohin" einen Stops setzen. Sie lösen es nur, in dem Sie sich klar darüber werden, warum Sie diese Position eingegangen sind, was Sie davon erwarten und wann diese Erwartungen sich eindeutig als unzutreffend heraus gestellt haben. Genau das nennt man ein Setup. Wer ein präzise definiertes Setup hat, hat auch einen logischen Stop.

Das Prinzip ist aber universell und auch ganz logisch, denn egal ob Sie Daytrader oder Investor sind, es gab ja einen Grund, warum Sie eine Position eingegangen sind, Sie haben damit eine Erwartung verbunden.

Und diese Erwartung hängt wiederum von Kriterien oder Geschehnissen ab, die entweder eintreffen oder eben nicht.

Ihr Trade oder Ihr Investment ist genau dann gescheitert, wenn diese Erwartungen sich als falsch heraus gestellt haben! Das ist der Moment, an dem man verkaufen *muss* und sich die Lage nicht mit Hopium schön reden darf.

Bei einem Daytrader, der vielleicht gerade den Schub nach einer wichtigen Nachricht spielt, ist es die Erwartung, dass die Nachricht zu einer direktionalen Bewegung führt. Diese Bewegung will er dann mitnehmen, bis sie dreht. Er *muss* verkaufen, wenn entweder der Schub nicht kommt oder der Schub ausläuft. Beide Bedingungen sind das Spiegelbild der Absicht, mit der der Trade eröffnet wurde.

Bei einem SwingTrader, der eine mehrwöchige Ausbruchsbewegung spielen will, ist es die Erwartung, dass die Bewegung nun nicht mehr unter das Ausbruchsniveau zurückfällt und nach oben Fahrt aufnimmt. Und deshalb *muss* er verkaufen, wenn das passiert, was nicht passieren darf.

Bei einem Positionstrader, der eine mehrmonatige Mean-Reversion einer verprügelten Aktie spielen will, liegt die Erwartung vor, dass die Aktie eine Bodenbildung abgeschlossen hat und die Tiefststände nicht mehr sehen wird. Deshalb *muss* er verkaufen, wenn die Aktie doch zu neuen Tiefs läuft.

Bei einem Investor, der eine Aktie wegen ihres stabilen Dividendenwachstums kauft, *muss* diese Position in Frage gestellt und nach einiger Zeit verkauft werden, wenn das Wachstum verschwindet und das Management von seinem stabilen Pfad abweicht und das Geld für sinnlose Projekte zu verschleudern beginnt.

Bei einem Investor, der eine Aktie wegen ihres herausragenden Managements und dessen Track-Records kauft und lange halten will, *muss* diese Position in Frage gestellt und nach einiger Zeit verkauft werden, wenn dieses Management unter dubiosen Umständen das Weite sucht oder es zu Machtkämpfen kommt, die das Unternehmen belasten.

Ich könnte mit beliebigen Beispielen weitermachen, das Prinzip ist universell. Die Absicht und die Erwartungen, mit denen man eine Position eröffnet, sind auch die Kriterien, wann diese Position zu schliessen ist.

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Der Edge des Volumenschubes

Wenn Sie schon länger im freien Bereich um Mr-Market "herumschleichen" ;), dann kennen Sie das folgende Interview bestimmt.

Wenn aber nicht, will ich Sie noch einmal auf das Interview aufmerksam machen, das ich letztes Jahr dem Traders´ Magazin gegeben habe.

Denn zuletzt habe ich hier im freien Bereich wenig zum Thema Trading geschrieben, dabei nimmt es in der Community und in meinen Artikeln im Premium-Bereich auch einen wichtigen Raum ein, denn wir haben hier alles vom Daytrader bis zum Langfristinvestor versammelt, vom Anfänger bis zum Fondsmanager.

Vor einem Jahr hatte ich Ihnen das Interview schon -> in diesem Artikel <- gezeigt und das mit einem Video mit Jens Rabe verbunden, das auch noch sehenswert ist. Hier ist es erneut:

-> Interview Michael Schulte Traders´ Magazin 08-2018 <-

Wenn Sie dieses Interview nun lesen, dann wird Ihnen dabei eine Strategie begegnen, mit der ich schon länger erfolgreich operiere. Ich nenne es die "Volumenschub-Strategie" und wie bei vielen meiner Strategien, antizipiere ich im Vorfeld vielleicht, agiere aber idR nicht. Agiert wird idR erst reaktiv, *nachdem* der Markt eine Richtung gewiesen hat.

Denn wenn eine Aktie nach einer fundamental bedeutenden Nachricht zu einem massiven Satz ansetzt, dann würden die Meisten instinktiv denken: "Oh Schade, verpasst. Nun ist die schon zu weit gelaufen".

Was sagen Sie nun, wenn ich behaupte, dass bei kluger Selektion wirklich substantieller Schübe, in vielleicht 60-70% der Fälle auf den ersten Schub eine weitere, mehrere Tage andauernde Aufwärtsphase folgt? Und dass kaum einer dieser Schübe sofort am Folgetag wieder zusammenbricht? So dass man weit überwiegend seinen Stop ins Grüne ziehen kann?

Und was sagen Sie, dass vielleicht 20% dieser Schübe, die schon im Grünen sind, dann nicht nur ein paar Tage steigen und mit geringem Gewinn ausgestoppt werden, sondern in eine sehr profitable Wochen- und Monate andauernde Aufwärtsbewegung münden?

Dann würden Sie als Trader sich wohl die Finger lecken, weil das ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis bedeutet.

Schauen Sie mal in das Interview, da sind vergangene Beispiele von Tesla (TSLA) aus dem April 2013, NVidia (NVDA) aus dem Frühjahr 2016 und Exact Sciences (EXAS) aus dem Sommer 2016, die damals alle so Live auch im Blog Thema waren.

Aber hinterher ist immer gut Quatschen 😉 - viel interessanter ist doch, was gerade passiert. Und in der aktuellen, starken Marktphase, finden sich auch eine ganze Reihe Fälle dieser Art.

Ich zeige Ihnen nun mal drei Beispiele aus den letzten Wochen, die nach dem ersten Schub weiter gestiegen sind. Jedes dieser Beispiele war konkret und Live im "Hari Live Stream" Thema. Die Setups sind ein paar Wochen alt, weil man ja nur so genügend Zeitablauf bis zur Gegenwart hat, um sehen zu können, was daraus geworden ist.

Letztlich sind es aber einfach "Teaser" um Ihnen zu vermitteln, was wir in der Community auch machen, denn in dem Stil gibt es ganz viele Setups, in fast jedem, täglichen Live Stream, sind Setups dieser Art.

Und natürlich klappt nicht jedes Setup so perfekt wie diese drei, zu den Wahrscheinlichkeiten nach meiner Erfahrung, habe ich mich oben ja geäussert. Erfolgreiches Trading ist nie der eine große "Supertrade", sondern ist Statistik, die vielen Trades, von denen die einen scheitern und die anderen gelingen, die aber wegen des Edge in Summe eine gute Performance erzeugen.

Schauen Sie sich mal diese drei Teaser mit -> Finviz-Charts <- an, um ein Gefühl für die Art dieses Setups zu bekommen:

United Health (UNH) am 15.10.19 im Stream

Centene (CNC) am 23.10 im Stream

Crispr (CRSP) am 12.11. im Stream

Das Muster dieser Schübe ist bestimmt zu sehen, trotzdem gibt es ein paar Dinge, auf die man achten sollte, denn nicht jeder Schub hat die gleiche Substanz.

Es wird Sie sicher nicht überraschen, dass ich das hier jetzt nicht im Detail ausbreite, sondern auf den Premium-Bereich verweise, in dem wir über so Fälle im Forum auch diskutieren können.

Was ich Ihnen mit diesem Beitrag nur zeigen wollte ist, dass derzeit auch eine glückliche Zeit für Trader ist und dass neben dem Investieren, in Mr-Market das Trading auch einen breiten Raum einnimmt.

Wobei ich zum Trading schon klar warnen will, dass mehr Anleger sich das zutrauen, als dafür geschaffen sind. Für die Mehrheit der Anleger ist ruhiges Investieren der richtige Weg, alleine schon zeitliche Verfügbarkeit begrenzt die Möglichkeiten in einer Art und Weise, mit der viele nicht rechnen. Das Zerrbild vom Cohiba rauchenden Trader, dem mit Notebook am Strand anstrengungslos die Dollars zufallen, ist sowieso genau das - ein Zerrbild.

Erfolgreiches Trading im kompetitiven Markt ist sehr harte Arbeit, die Minderheit die es wirklich beherrscht und die typischen Anfängerfehler "überlebt", hat dann aber viel Spaß damit.

Es gibt viele Wege nach Rom. Keiner ist aber ohne Mühen, Lernen und geistige Anstrengung zu begehen.

Die Community lebt gerade davon, dass sie keine "Dogmen" kennt und man von unterschiedlichen Sichten auf den Markt profitiert.

Wer glaubt dogmatisch den alleinigen Pfad zum Anlageerfolg vertreten zu müssen, beweist damit vor einem reflexiven Markt, sowieso nur die eigene Beschränktheit und eine Dominanz des Egos, die im Ringen mit dem Markt eigene Gefahren in sich birgt.

Was funktioniert ist richtig, auf den Nenner kann man einen undogmatischen Zugang zum Markt bringen. Und für manche sind solche Setups "richtig", für andere wiederum das Investieren nach DGI in wachsende Dividenden-Werte.

Beides kann funktionieren, wenn man es richtig macht. Aber auch nur, wenn man es richtig macht. Geschenkt wird einem am Markt gar nichts.

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Der „Gründler“ und der „Measured Move“

Der folgende Artikel erschien am 10.07.17 im Premium-Bereich und wurde nur marginal angepasst.
Er ist zeitlos gültig und erklärt, warum mathematische Präzision beim Börsenhandel eher hinderlich ist und es mehr auf den Umgang mit Wahrscheinlichkeiten und Daumenregeln ankommt.

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Es gibt eine gewisse Art von Denkstrukturen, die sich ganz besonders schwer am Markt tun. Wir nennen das immer den "Gründler", das ist der durchweg gebildete, gut ausgebildete Anleger, der aber - zum Beispiel als Ingenieur - in Fachdisziplinen zu Hause ist, in denen man die Dinge exakt "messen" kann und in denen die Investition in eine noch tiefergehende, feingliedrige Analyse, zusätzliche Erkenntnisse verschafft.

Das ist auch bei allen "Dingen" und Naturgesetzen so, die nach replizierbaren und berechenbaren Mechanismen funktionieren. Die Charakteristika eines Automotors kann man messen. Und wenn man dann am Folgetag wieder zur Testinstallation tritt und die Messung erneuert, nur im Detailgrad vertieft, wird man - von geringen und auch wieder replizierbaren und berechenbaren Umwelteinflüssen wie Temperatur abgesehen - wieder zum nahezu identischen Ergebnis kommen, nur eben mit einem höheren Detailierungsgrad.

Dieses Prinzip, durch tiefere Analyse zu besseren Ergebnissen zu kommen, weil das Objekt der Untersuchung eben ein zuverflässig replizierbares Verhalten nach festen Naturgesetzen zeigt, ist bei diesen "Gründlern" so tief in die Denkstrukturen eingegraben, dass es unreflektiert auf den Aktienmarkt übertragen wird.

Deswegen ist auch das gerade in Deutschland gerne verbreitete -> Zerrbild des Value-Investing <- bei diesen Anlegern so beliebt, obwohl es gar nicht mehr so wie dargestellt funktionieren kann. Benjamin Grahams Buch "The intelligent Investor", das diesem Blog auch seinen Namen gab, ist immer noch ein Meilenstein der Börsengeschichte. Aber die darin dargestellten Methoden können im Jahr 2019 nur einen viel kleineren Edge als damals generieren - wenn überhaupt, weil alles für jeden mit einem Fingerklick verfügbar ist, wofür ein Graham viel Fleiss in Bibliotheken aufbrachte und sich damit einen Vorteil gegenüber dem Rest der Herde verschaffte.

Die Illusion, durch intensives Studium der öffentlichen Zahlen eines Unternehmens sich einen Vorteil am Markt zu verschaffen, ist für die Denkstrukturen des Gründlers aber so attraktiv, dass er von diesen Logiken geradezu angezogen wird. Und deshalb werden sie natürlich auch vermarktet, sie verschaffen Abonnenten und bei Fonds zufliessende Gelder.

Nur dummerweise funktioniert der Markt nicht so und was jeder mit einem Klick zur Verfügung hat, verschafft keinen Vorteil mehr. Der Markt ist ein -> reflexives <-, selbstreferentielles soziales System, was bedeutet dass wenn man zu lange "misst", die Messung unsinnig wird, weil der Markt sich schon längst weiterbewegt hat.

Es ist nicht Thema dieses Artikels, in die reflexiven Mechanismen einzusteigen, klar ist nur, dass der Typus "Gründler" mit seinem Ansatz zwangsläufig scheitern muss und es regelmässig auch tut.

Es geht eben nicht um die Tiefe der Messung, es geht darum die systemischen Tendenzen und Richtungen schnell und grob zu erfassen, so dass man daraus mit Wahrscheinlichkeit einen profitablen Schluss ziehen kann.

Lassen Sie mich das Prinzip als Metapher an einem weiteren, chaotischen System beschreiben, das *weniger* komplex als der Aktienmarkt ist und trotzdem immer noch zu komplex ist, um vollständig "berechenbar" zu sein: Das Wetter.

Stellen wir uns vor wir stehen auf einer Wiese und über uns ziehen die Wolken an uns vorbei. Der Wind frischt auf und die Frage ist, wie wird das Wetter?

Der "Gründler" würde im übertragenen Sinne hingehen, von den Wolkentürmen Schnappschüsse machen und diese aufwändig vermessen. Eine halbe Stunde später macht er wieder Schnappschüsse, vermisst diese wieder und wundert sich, dass diese so völlig anders sind. Dann fängt er an zu theoretisieren, warum die einen Wolkentürme zu den anderen geworden sind und was das bedeuten könnte. Während er theoretisiert, ist das Wetter aber schon wieder ganz anders geworden. Der Wind hat nachgelassen, die Wolkendecke ist geschlossen und ein leiser Nieselregen hat eingesetzt.

Was hat es dem "Gründler" nun gebracht, die Wolken im Detail zu vermessen? Ich sage es Ihnen, er wurde nass. 😉

Ein "Bauer" steht neben ihm. Er hebt seinen Daumen in den Wind, schnuppert herum, schaut zum Horizont und sagt das Wetter wird so und so und wendet sich ab. Und die Wahrscheinlichkeit dass der Bauer die Wetterentwicklung besser voraussagt, ist verdammt hoch.

Was ist der Unterschied? Der Bauer erkennt die grossen systemischen Linien, weil er Erfahrungsmuster die in mehreren Jahrzehnten gewachsen sind, auf die Wetterlage anwendet. Die Details interessieren ihn dabei nicht. Er muss nicht wissen wie gross die Wolken nun genau sind, er muss auch nicht die exakte Windstärke und Richtung kennen und auch nicht den auf einen Kommapunkt berechneten Feuchtigkeitsgehalt.

Es reicht, die grossen Linien der Entwicklung, die Muster einer typischen Wetterentwicklung, schnell zu erkennen und man erreicht damit eine hohe Prognosegüte mit minimalem Aufwand und kann sofort handeln, während der "Gründler" noch rechnet.

Natürlich kann auch mal etwas passieren, was nicht in das Muster des Bauern passt, aber damit muss man leben.

Wetter ist eben keine exakte Wissenschaft und Börse auch nicht! Beide bemühen sich um stochastische Annäherungen und nicht um Exaktheit.

Wie beim Wetter ist es auch an der Börse. Das Ziel ist nicht eine 100% Exaktheit der Analyse und Prognose zu erreichen, das ist sowieso nicht möglich, weil der Markt sich permanent weiterbewegt.

Das Ziel ist, mit 20% des Aufwands 80% der weiteren Entwicklung halbwegs passend zu antizipieren. Und nicht anders herum!

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Vom Zappeln, Verdrängen und der besten Strategie


Der folgenden Text erschien im Premium-Bereich im Oktober 2018 im Rahmen einer grösseren Thematik. Hier stelle ich Ihnen den Kerntext zur Verfügung, der sich um unsere Psychologie als Anleger dreht.

Am Ende folgt dann noch ein aktueller Nachtrag meinerseits.

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Das Fiese und gleichzeutig Schöne am Markt ist, dass er - wenn wir das hören wollen und es nicht verdrängen - uns aufzeigt, wie stark wir doch von Ängsten getrieben sind.

Wenn wir im Markt sind, haben wir Angst es könnte eine Korrektur geben und wir Geld verlieren.

Wenn wir aus dem Markt heraus sind, haben wir Angst er könnte uns weglaufen und wir den Einstieg verpassen.

Wenn wir gerade eingestiegen sind, mit der Absicht diese Position als Investment lange zu halten, macht uns das schnelle Minus an den folgenden Tagen doch nervös und wir fragen uns, ob wir nicht gleich wieder aussteigen sollten.

Wenn wir dann aber ausgestiegen sind, haben wir wieder Angst, es könnte genau jetzt drehen und "unsere" Aktie uns weglaufen.

Wenn wir gerade eingestiegen sind, mit der Absicht diese Position als Investment lange zu halten, macht uns das schnelle Plus an den folgenden Tagen doch nervös und wir fragen uns, ob wir die Gewinne nicht sichern sollten.

Ich könnte endlos weitermachen, ich denke wenn wir ehrlich sind, kennen wir das alle. Das genau ist unser "Affenhirn" und der Markt zeigt uns durch seine Rückkopplung via Kurse unsere Fratze im Spiegel. Und wir sollten nicht glauben, dass dieses unser Verhalten auf den Markt begrenzt sei, nein es ist Teil unseres normalen Verhaltens, nur zeigt es uns der Markt mit der Rückkopplung über die Kurse wie im Brennglas.

Einen Weg zu finden, sich darüber zu erheben, ist die Kernaufgabe, vor der wir alle stehen. Wer diesen Weg findet und die Ruhe ihn zu beschreiten entwickelt, hat eine gute Chance für konsistenten Erfolg an den Märkten. Wer diesen Weg nicht findet, ist chancenlos und wírd nur mit Glück auch mal Erfolge sehen, die man sich dann schönreden kann.

Es gibt zwei klassische Arten, wie wir damit umgehen, die beide eine Form von Selbstbetrug sind und nicht funktionieren. Es sind aber die Wege die die meisten gehen, weil es vermeintlich die einfachsten Wege sind.

Da haben wir auf der einen Seite die, die sich ihrer Affenfratze im Spiegel eigentlich gar nicht stellen wollen. Diese versenken sich in ihre Emotionen, lassen sich von ihnen treiben und versuchen durch Kompensationshandlungen ihre Emotionen zu befriedigen. Und natürlich redet man sich die Kompensationshandlungen dann vor sich selber schön.

Das führt zu einem Stil den ich immer "zappelig" nenne, sobald so ein emotionaler Trigger kommt, meint man was "tun" zu müssen, um sich selber das Gefühl zu geben, noch Herr der Lage zu sein. Wenn man einfach nur in den Wald gehen und Holz hacken würde, wäre das ja sinnvoll und würde vor allem keinen Schaden anrichten. Am Markt aber, richtet es Schaden an und es ist dieser Typus, der nie bei seinen Absichten bleibt, sondern wie ein Baum im Sturm hin und her gebogen wird und sich das noch schön redet.

Neben den zappeligen Anlegern mit mangelnder Impulskontrolle, haben wir auf der anderen Seite aber die Verdränger. Das sind die, die einen Trade als langfristiges Investment umdefinieren wenn er schlecht läuft, aber auch die, die sich schönreden, wie sehr sie sich doch über den nächsten 50% Crash freuen werden, weil sie billiger kaufen können. Natürlich können sie es in Realität dann nicht, der Vorteil der Verdränger ist aber, dass ihr Selbstbetrug nicht sofort vom Markt aufgedeckt werden kann, weswegen dieser Ansatz lange "zu funktionieren" scheint.

Zu dieser Kategorie gehören auch die, die komplett aus dem Markt, auf den richtigen Einstiegspunkt warten. Nur kommt der nie und wenn er kommt, ist die Lage so katastrophal, dass man sich nicht traut, denn eine katastrophale Lage kann immer noch desaströser werden und jeder Kurs kann sich noch einmal halbieren, auch der, der schon 50% gefallen ist.

In dem man sich einredet, man würde "weise" an der Seitenlinie warten, pflegt man auch sein Ego und betrügt sich selber, auch hier kann der Markt den Selbstbetrug aber erst viel später aufdecken, weswegen die Methodik des Verdrängens eindeutig die beliebteste ist und von vielen geflegt wird - natürlich auch ohne echten Erfolg. Denn letztlich ist diese Haltung nichts anderes als eine große, selbstgefällige Prognose, dass der Markt noch einmal auf Kurse kommen wird, die man sich wünscht. Man kann sich dabei vor sich selber auch so wunderbar als Teil einer wissenden Minderheit produzieren, die im Markt sieht, was andere nicht sehen können, die wie Schafe in ihren Untergang laufen. Nur dummerweise muss der Markt gar nichts und macht gerne das Gegenteil dessen, was wir uns wünschen. Und wer am Ende das Schaf ist, darüber entscheiden alleine die Kurse.

Beide "Methoden" sind letztlich Ersatzhandlungen. Man stellt sich dem wahren Problem nicht, weil es zu schwierig und schmerzhaft ist und pflegt den eigenen Emotionshaushalt mit Placebos. Man optimiert eben nicht das Verhalten als Anleger, man optimiert den eigenen Emotionshaushalt. Erfolg geht so nicht.

Erfolg kommt nur, wenn wir einen Weg finden, diese emotionalen Bedürfnisse an anderer Stelle als im Markt abzufackeln und wir uns bei unseren Handlungen einer klar definierten Strategie verpflichten. Mit der Strategie kommt dann im Laufe der Zeit auch Sicherheit und mit dem Gefühl der Sicherheit kommt am Ende auch emotionale Ruhe. Die können wir aber nur erreichen, wenn wir uns darauf einlassen und mal an etwas halten. Und die können wir nur im Umgang mit dem Markt erreichen, nicht ohne Impulskontrolle indem wir jeder Zuckung hinterher rennen, aber auch nicht außerhalb, in dem wir uns vor uns selbst als "weiser Außenseiter" produzieren, wo wir doch nur simple Verdränger und Vermeider sind.

Aktueller Nachtrag 24.11.19:

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Yes he can!

Während im Premium-Berech die Marktlage tägliches Thema ist, äussere ich mich im freien Bereich eher selten dazu und konzentriere mich auf grundsätzliche Fragen. Das mache ich, weil zur Marktlage eben auch der konzeptionelle Kontext gehört und den kann man in einem Artikel nicht vermitteln, das würde dann nur als typische, lächerliche "Prognose" interpretiert werden, von denen ich mich fern halte.

Ab und zu würdige ich aber die große Lage auch im freien Bereich, zuletzt war das -> Anfang September in "Drama, Liebe, Wahnsinn" <- und -> Anfang Juli in "Sommer Tango" <- der Fall.

Und schon -> Anfang April in "Hochschmelzen - Melt-Up! <- hatte ich Ihnen das folgende Szenario für den weiteren Jahresverlauf gezeigt:

Aber nach einem notwendigen Luftholen, gibt es derzeit wenig was dagegen spricht, dass der Markt in 2019 so eine Entwicklung wie unten im Chart nimmt und in einem angedeuteten Trendkanal, der seit 2011 Bestand hat, weiter nach oben schmilzt:

Wie man so etwas mitnimmt, aber trotzdem nach unten wachsam bleibt, war zuletzt oft Thema in der Community. Hier im freien Bereich will ich es damit bewenden lassen, Ihnen erneut zu raten, sich von den Perma-Bären nicht in eine negative Stimmung drücken zu lassen. Wenn die Kurse wirklich fallen, ist es früh genug bärisch zu werden.

Erinnern Sie sich, was ich Ihnen zuletzt zum -> Ankereffekt <- geschrieben habe und warum wir solchen starken Charts wie oben instinktiv misstrauen - was aber ein Fehler ist. Erinnern Sie sich, wie ich Ihnen vor einem guten Monat in -> (Zehn) Jahre zurück und die Lehren daraus <- das große Bild gezeigt habe. Oder erinnern Sie sich, wie ich Anfang 2019 dazu aufgerufen habe, -> dem Optimismus eine Chance zu geben <-.

Das war wahrscheinlich der beste Rat, den Ihnen anlagetechnisch jemand hat im Frühjahr geben können, denn die leichte Sommerdelle ist ebenso gekommen, wie die Rally danach. Sie können in der Projektion ja mal einzeichnen, wo wir aktuell 7 Monate später sind und das ist bei 3.100 ziemlich genau auf der lila Linie.

Nun sind wir mitten in der Jahresendrally und ich sage Ihnen auf den Kopf zu, dass viele von Ihnen wieder bärische Gedanken haben wie "das ist doch schon zu weit gelaufen". Natürlich befeuert von diversen Nachfolgern des Nostradamus, die so zwar keinen müden Penny am Markt verdienen können, aber jede Menge Klicks generieren, weil sie die Anleger bei ihren Ängsten abholen.

Jetzt schauen wir mal auf den aktuellen S&P500, das kann doch nicht so weitergehen?

Der Markt ist ein wunderbares, reflexives System, in dem das was jeder denkt, zwangsläufig mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch sein muss.

Sie glauben also, der S&P500 könnte jetzt nicht einfach weiter steigen? Ich sage Ihnen: Yes he can!

Verwechseln Sie das aber nicht mit einer Prognose, das ist keine. Er *kann* heisst nur, dass er kann, nicht dass er muss. Aber starke Trends tendieren dazu länger weiter zu laufen, als man sich vorstellen kann.

Schauen Sie mal was Ende 2017 passiert ist, da war der Index schon das ganze Jahr gestiegen und trotzdem gab es keine Pause zum Jahresende. Erst nach der Aufwärtsbeschleunigung im Januar 2018, kam dann ab Februar die unvermeidliche "Mean Reversion":

Demgegenüber sieht die Lage diesen Herbst 2019 weit solider aus. Der Index steígt gerade erst aus der Sommerkorrektur, das Sentiment ist kurzfristig optimistisch, aber mittelfristig immer noch nicht euphorisch und die Notenbanken drücken auf den Stimulus, als ob es kein Morgen mehr geben würde.

Kann dieser Markt trotzdem bald ein Top bilden und dann zu fallen beginnen? Sicher kann er das, keinen Zweifel! Aber der Fokus darauf ist unsinnig, weil man diesen Satz immer sagen kann.

Unsicherheit ist integraler Bestandteil des Marktes und immer vorhanden. Alles was wir haben sind Wahrscheinlichkeiten, nicht mehr. Wer damit nicht umgehen kann und nach absoluter Sicherheit sucht, sollte sich besser vom Markt fern halten.

Die besten Momente sind also die, in denen die Wahrscheinlichkeiten für einen Anstieg deutlich höher sind, als für eine Korrektur. Das war Anfang Oktober so und war im Premium-Bereich Thema. Und wie Sie meinen Artikeln oben entnehmen können, war dieser Jahresverlauf das ganze Jahr das präferierte Szenario.

Heute sind wir mitten in der Jahresendrally und die hat so viel Momentum, dass sie mit 70% Wahrscheinlichkeit wohl bis zum Jahresende weiter laufen wird. Die 30% verteilen sich ua auf ein Szenario, in dem das Hoch schon Anfang Dezember erreicht wird und verschiedene andere, recht unwahrscheinliche Szenarien.

Und klar ist auch, dass ein kleiner Dip, eine kleine 2-3% Korrektur, nun jederzeit kommen kann und überfällig ist. Dieser Dip wird aber höchst wahrscheinlich im Sinne BTFD wieder gekauft, weil zu viele genau darauf warten.

Summa Summarum sollten Sie als Anleger sich fragen, ob Sie an diesem hervorragenden Anlagejahr genügend partizipiert haben. Machen Sie sich klar, dass man die Crash-Geschichten, die Sie vom Anlegen abhalten, Anfang diesen Jahres genau so hätte schreiben können. Und 2017 hat man sie schreiben können und 2016 auch.

Das Narrative vieler Crash-Propheten vom von den Notenbanken verbogenen Markt, für den irgendwann der Preis zu zahlen ist, ist ja nicht perse falsch. Das Problem ist das "Irgendwann", das auch erst in 10 Jahren kommen kann. Diese Risiken im Hinterkopf zu haben ist also gut, danach zu handeln, während der Markt mit Macht nach oben rennt, ist aber einfach nur idiotisch.

So ein starker Markt dreht nicht einfach an einem Tag auf dem Fuß, so einen Markt nach unten zu drehen ist ein Prozess, wie die Wende eines großen Tankers. Diesen Prozess kann man sehen, wenn man seine Zeit nicht für Orakel und Propheten verbraucht, sondern einfach genau hinschaut was passiert.

Statt Ihre Ängste am "Welt-Crash" zu befriedigen und heftig zu nicken, wenn Ihr Bias wieder Futter bekommt, wäre also Zuversicht und ein rationaler Blick auf das Marktgeschehen die bessere Wahl gewesen, die Ihre Depots nun 20-30% höher dastehen lassen würde. Dann kann man dem "Crash" beruhigter entgegensehen, wenn er irgendwann mal kommt.

Weniger festgefahrene Meinung, mehr demütige Marktfolge. Weniger Crash-Gurus, mehr Beobachtung der Realität - das hätte in 2019 das Depot erblühen lassen. Innovation und Fortschritt bringt die Welt voran, fraglos immer wieder unterbrochen von sehr schmerzhaften Korrekturen, aber die Richtung ist klar und -> hier ist sie! <-.

Wie wird 2020? Nach so einem Jahr sicher schwieriger, zumal die US Wahl so brutal und giftig werden wird, wie wohl keine Wahlschlacht vorher. Je schneller und stärker wir nun ohne Pause steigen, desto klarer wird in 2020 auch eine unvermeidliche Korrektur kommen, ganz wie Anfang 2018.

Aber damit beschäftigen sich kluge Anleger, wenn es so weit ist. Nun geht es darum, an dieser Stärke des Marktes teilzuhaben und sie nicht zu bekämpfen. Wir leben im Hier & Jetzt, in der Holzkiste landen wir unvermeidlich und noch früh genug. Wir sollten einfach aus Angst vor dem Tod das Leben nicht vergessen - das gilt auch für die Geldanlage.

Und wann diese bullische Phase zu Ende geht, sagen uns keine Prognosen, sondern der Markt selber, in dem er zu fallen beginnt.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz.

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Der Messerträger, die Glatze und das Gesicht des Chinesen

Der folgende Artikel erschien im September 2018 im Premium-Bereich und thematisiert unsere menschliche Mustererkennung und was das für uns als Anleger bedeutet.

Der Inhalte wurde nur marginal um interne Referenzen und den Einstieg angepasst, der sich nur aus Kenntnis von Foreneinträgen des Premium-Bereiches ergeben würde. Ansonsten steht er Ihnen hier nun unverändert zur Verfügung:

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In diesem Artikel geht es um die Mustererkennung, die in unserer Gesellschaft gerne als "Bauchgefühl" abgewertet wird, dem die "hochwertigere", analytische "Ratio" gegenüber steht. Das sind Denkstrukturen, wie sie in technischen Berufen trainiert werden, die aber an der Börse eher hinderlich sein können und auch nicht der Realität entsprechen.

Um das zu erklären, werde ich hier einen weiten Bogen von der Savanne, über die aktuelle, politische "Rassismus-Diskussion", bis hin zu Setups in Charts schlagen. Denn das Erstaunliche ist, dass die Musterkennung einer der, wenn nicht sogar *DIE* beeindruckendste Geistesleistung von uns Menschen ist und trotzdem wird sie von kaum jemandem verstanden und auch nicht thematisiert. Die Einen pflegen lieber den Glauben an eine objektive Rationalität, die aber kaum jemand von uns je hat und die anderen graben im Esoterischen nach "Bauchgefühlen" und "höheren Eingebungen", die in der Regel auch ganz profane Ursachen haben.

Was da aber wie ein Elefant im Raum in der Mitte steht, ein Elefant den die Gesellschaft praktisch nicht erkennt, ist die Mustererkennung und die daraus resultierende, instinktiv schnelle Einordnung von Situationen, die als zentrale, evolutionär immens wichtige Fähigkeit, unser Verhalten im Leben in hohem Maße beeinflusst.

Machen wir eine Rückblende 100.000 Jahre nach Afrika. Da sind unsere Vorfahren in der Savanne und da sind auch Löwen und alle streiten sich um die selben Wasserlöcher. Und die natürliche, evolutionäre Selektion ist noch massiv am Werk, nur der Mensch kann seine Gene weitergeben, der nicht schon in jungen Jahren stirbt. Denn sterben kann man nicht nur an Krankheiten, sondern auch daran einen Löwen nicht erkannt und ihm nicht weit aus dem Weg gegangen zu sein.

Weil das so ist, sind Menschen besonders wachsam was Löwen angeht und wenn man aus Erfahrung oder von den Eltern gelernt hat, dass an einem Wasserloch sich immer wieder Löwen einfinden, wird man sich diesem nur äusserst vorsichtig nähern.

Aber schon so nahe ans Wasserloch zu gehen, dass man einen Löwen im Gebüsch perfekt sehen kann, ist viel zu gefährlich. Also haben kluge Menschen schon damals sich nach Indikatoren gerichtet, die signalisieren dass da wohl ein Löwe sein könnte. Und wenn die anschlugen, ging man nicht hin, auch wenn der Indikator immer wieder Fehlsignale generierte.

Wenn man so will, haben die Urmenschen auf Tiere bezogen ein "Racial Profiling" betrieben und haben sozusagen die Seite gewechselt, wenn ein Löwe im Gebüsch auch nur wahrscheinlich war. Und genau die, die sich so verhalten haben, haben eher überlebt als die, die es immer genau wissen wollten und argumentierten: "Es könnte ja auch ein vollgefressener Löwe oder nur eine Hyäne sein, man muss ja nicht immer gleich Panik schieben". Der Satz ist in der Savanne nur bis zum ersten Fehler wahr, danach ist das Thema final erledigt. 😛

Übrigens kleiner Exkurs in die Gegenwart zum mittlerweile missbrauchten und dadurch entleerten Begriff des "Rassismus". Wie beim Löwen, wer mehrfach hört, immer wieder liest oder sogar selber erfahren hat, dass junge männliche Migranten aus dem Magreb gerne Messer bei sich tragen und diese benutzen, geht unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Aussagen instinktiv auf die andere Straßenseite, wenn eine solche Gruppe ihm feixend und selbstbewusst entgegen kommt. Ob das objektiv gerechtfertigt ist, ist ohne Belang, alleine das Hörensagen als Erfahrungswissen genügt.

Und sich so zu verhalten ist kein Rassismus, sondern einfach nur das instinktive Überlebensmodell der Mustererkennung, das über hundertausende Jahre in uns hinein "gemendelt" wurde. Ein "Rassist" ist vielleicht der, der solche pauschalen Kategorisierungen ganzer Gruppen in die Welt setzt, aber nicht der, der einfach nur auf ein subjektiv empfundenes Gefahrenpotential reagiert.

Der gleiche Mensch geht übrigens auch auf die andere Straßenseite, wenn ihm deutsche Glatzen in Springerstiefeln entgegen kommen. Diskriminierung oder Rassismus ist das nur für Verwirrte, für die Fremdwörter Glückssache sind. Es ist vielmehr einfach evolutionsgerechter Umgang mit empfundenen Risiken und an keine besondere Gruppe gebunden und auch gegen keine Gruppe gezielt gerichtet.

Jetzt sind wir aber auch soziale Wesen und es ist es trotzdem sozial für eine Gesellschaft sinnvoll, ja es bringt eine Gesellschaft in Form von frischen Ideen sogar voran, dass wir in einem *sicheren Environment* diesen Reflex der Vorsicht überwinden und auf fremde Menschen offen zugehen. Denn vielleicht ist das ja kein Messerträger und keine aggressive Glatze, sondern eigentlich ein richtig netter Kerl und auch das kommt auch bei jungen Männern aller Coleur immer wieder und immer öfter vor! 😉

Daran erkennt man übrigens auch den Unterschied zwischen dem wahrlich Xenophoben und dem sich normal verhaltenden Menschen. Der echte Rassist, wird den anderen Menschen auch im sicheren Environment ablehnen und nicht auf ihn zugehen, weil der ja vermeintlich "minderwertig" sei. Der normale Mensch wird sich dagegen öffnen und auf den anderen zugehen. Das alles in einen Topf zu werfen, wie es zuletzt vermehrt passiert, ist so neben der Realität, dass es kaum mehr zu ertragen ist.

Aber in einer dunklen Gasse, in einer eben nicht sicheren Situation, dann wenn da ein Löwe am Wasserloch liegen könnte – steckt man die potentielle Gefahr in eine Schublade, weicht man aus und das ist genau richtig so und wurde von der Evolution aus gutem Grund so trainiert. Da ist kein "Racial Profiling", sondern schlicht instinktives, situationsadäquates Risikomanagement.

Die Bereitschaft einer potentiellen Gefahr mit Zuwendung und Öffnung zu begegnen, setzt also eine sichere Umgebung voraus, die die gefühlten Risiken ausschaltet. Erst dann kann man sich öffnen und das ist höchst normal und nur das, was uns die Evolution aus gutem Grund als Überlebensverhalten mitgegeben hat.

Weswegen ja der Weg der US Gesellschaft mit Waffen für alle im Kern falsch ist und weswegen das Gewaltmonopol des Staates so unendlich wichtig ist und es so verheerend ist, wenn dieser dabei Schwäche zeigt wie in Deutschland. Genau das zersetzt die Gesellschaft mehr als alles andere.

Denn nur da, im "sicheren Raum", wo man sicher weiss, dass der potentiell gefährliche Gegenüber keine Waffe und dunklen Absichten mit sich trägt, kann man sich ihm öffnen. Nur eine sich sicher fühlenden Gesellschaft, kann eine offene, vertrauensvolle Gesellschaft sein. Das hat übrigens vor einiger Zeit auch Lindner von der FDP mit seinem verunglückten Beispiel von der Schlange vor dem Bäcker gesagt und wurde dafür auch von Leuten kritisiert, die diesen wichtigen Unterschied offensichtlich nicht begreifen wollen oder können.

Die Unsicherheit ob jemand anders gefährlich ist, erzeugt dagegen Misstrauen und zerstört eine Gesellschaft, weswegen es so viele Normen und Rituale in allen Kulturen gibt, die letztlich Sicherheit und Gemeinsamkeit vermitteln sollen. Wer das durch moralische Appelle ersetzen will und auch noch etablierte Normen negiert, hat zur menschlichen Natur und menschlichen Gesellschaften herzlich wenig verstanden und legt die Axt an diese.

Nun fragen Sie sich vielleicht, was das mit der vorherigen Frage zu tun hatte und die Antwort ist eine ganze Menge, denn es geht hier auch eindeutig um Mustererkennung.

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Der Affe und das Risiko



Der folgende Artikel erschien im Premium-Bereich im April 2019. Einer der Links darin verweist auf weitere Artikel im Premium-Bereich und ist daher im freien Bereich nicht aufrufbar. Der Artikel selber steht ihnen nun hier aber unverändert zur Verfügung.

Lesen Sie wie sich Homo Erectus in der Savanne verhalten hat und warum unsere natürlichen Instinkte im Wesentlichen immer noch so funktionieren und für die Börse deplatziert und kontraproduktiv sind.

Und lesen Sie auch, warum die Crash-Propheten genau mit diesem Affen in uns, ihre Klicks generieren.

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In mehr als 8 Jahren Blog, muss man bestimmte Dinge zwangsläufig wiederholen, es ist ja nicht so, dass sich das Börsengeschehen jedes Jahr völlig verändert und man muss das Rad auch nicht immer neu erfinden.

Ein so ein Thema ist dabei unser "Affenhirn", der ironisch-liebevolle Begriff, unter dem wir hier all unsere evolutionären Verhaltensgrundlagen zusammenfassen, die so gar nichts mit dem "Sapiens" des Homo Sapiens zu tun haben.

Andere nennen das das "Neandertalergehirn" und die Evolutions-Biologen kennen dagegen das -> Reptiliengehirn <-, das in uns allen steckt und auf noch einer tieferen Ebene als das "Affenhirn" unser Verhalten steuert.

Letztlich sind das alles nur Worte die beschreiben, dass unsere vermeintliche Ratio nur eine dünne Firniss ist und wir in weit höherem Maße von diesen "älteren" Gehirnarrealen und unseren evolutionären Reflexen bestimmt werden, als wir uns klar machen.

Insofern ist auch wichtig zu sehen, dass es dabei nicht nur um unser Verhalten an der Börse, sondern generell im Leben geht. Nicht nur Börsianer verhalten sich immer wieder wie "Affen" (Neandertaler), sondern alle Menschen, ohne Ausnahme. Der Vorteil - und die große Schwierigkeit der Börse - ist nur, dass uns durch die direkte Rückkopplung der Kurse permanent vor Augen geführt wird, wie teilweise idiotisch und völlig irrational unser Verhalten ist. Und vor allem, wie wir uns dabei immer selber im Wege stehen.

Wenn man so will, hält uns die Börse permanent den Spiegel vor und wir haben nur zwei Alternativen:

Entweder sagen wir "Börse ist Scheiße", weil wir die Fratze des Affen im Spiegel nicht ertragen und finden allerlei Ausreden oder stellen uns auf eine moralische erhöhte Stufe, in dem wir die anderen "Zocker" nennen. Das beruhigt die arme Affenseele in uns und wärmt das getroffene Ego, ein Affe bleibt es trotzdem.

Oder wir stellen uns der Fratze und beginnen zu verstehen und unsere Ratio zu benutzen, um uns darüber zu erhöhen. Das ist schwierig und bleibt das ganze Leben ein beständiger Kampf. Und es ist trotzdem der Weg, der uns auch über die Börse hinaus, bei Entscheidungen immens weiter bringen kann und uns reifer und erfolgreicher macht.

Viele Facetten hat dieses Affenhirn, viele haben wir in den vergangenen Jahren besprochen. Heute möchte ich in aller Deutlichkeit unsere Aufmerksamkeit auf unser Risiko-Empfinden richten, denn das ist eines der zentralen Hindernisse für praktisch alle Anleger, die gerne die Performance des Marktes mitnehmen wollen, aber immer wieder von Ängsten vor der nächsten Krise davon abgehalten werden - Aktien sind gefährlich, ja, ja. 😉

Es muss doch auch einen Grund dafür geben und kann kein Zufall sein, dass praktisch alle Menschen, auch die Börseninteressierten, an Wenden des Marktes in beiden Richtungen immer viel zu lange zögern - Zu lange zögern los zu lassen und zu lange zögern, wieder einzusteigen. Es muss doch einen Grund geben, warum die Geschichten vom nächsten Crash immer viel mehr Leser finden, als Geschichten wie ich sie erzähle, Geschichten von langsamer, inkrementeller Verbesserung, die zwar mal von Krisen unterbrochen wird, aber letztlich am Ende nach oben führt.

Nehmt den größten Idioten unter den Crash-Propheten, der seit Jahren den Lesern von der kommenden Katastrophe vorfabuliert und die Depots seiner Jünger mehrfach geschrottet hat, er wird auch heute ohne Probleme ein Vielfaches an Leser finden, als jemand wie ich mit meinen komplexen und im Mittel eher optimistischen Botschaften. Das kann kein Zufall sein und ist kein Zufall!

Mehr als 90% der Bevölkerung und bestimmt immer noch 60-70% der Börseninteressierten, denken immer noch falsch zum Thema Börse und sorgen sich mehr vor der nächsten Korrektur, als davor die immensen Chancen zu vergeigen.

Und rational kann man das wohl kaum nennen, denn rational ist das die Realität:

Und das ist logarthmisch dargestellt, absolut gesehen ist die Steigung kaum mehr darstellbar und selbst wenn man die Inflation herausrechnet, ist die Steigung beeindruckend.

Das ist die Realität und über 90% der Bürger halten Aktien für gefährlich. Und auch die Mehrheit der Anleger hat permanent "die Hose voll", siehe die locker hundert Memes, die wir in den letzten 8 Jahren gemeinsam schon erlebt haben, warum dieser Markt bald zusammenbrechen muss. Irgendwann wird mal eines recht bekommen, das muss einfach rein statistisch so sein. Schwachsinn bleibt es trotzdem, dem über Jahre hinterher zu laufen, nur weil irgendwann mal eines eintreffen *könnte*.

Wie passt das zusammen? Wir sind doch "Sapiens"? Oder etwa doch nicht?

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Avoid it or Exploit it – Gewinnen im Zeitalter der Algos

Der folgende Artikel erschien schon im April 2017 im Premium-Bereich, ist aber nach wie vor aktuell und wurde nur marginal um ein paar interne Referenzen bereinigt.

Denn er beschreibt, wie wir mit der zunehmenden Dominanz algorithmischer System im Börsenhandel umgehen sollten und an dieser grundlegenden Einschätzung hat sich seitdem nichts geändert.

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Was ich Ihnen nun schreibe, ist eigentlich trivial. Es ist so trivial, dass man sich fragen muss, ob man das noch einmal in einen Artikel schreiben sollte.

Aber vielleicht muss man es gerade deshalb immer wieder aufschreiben, damit man es sich wirklich bewusst macht und das will ich deshalb heute tun.

Denn wir haben zuletzt viel zur zunehmenden Dominanz der Algos an den Märkten gehört. Wir haben gelernt, wie diese V-Reversals und Fakeouts zum Standard gemacht haben und wie sie Trends dehnen und stabilisieren, weil sie noch die "Extra-Meile" gehen, die sich ein ängstlicher Mensch schon nicht mehr trauen würde.

Und emotional liegt da so ein Geschmäckle vom Spätherbst der Menschheit in der Luft, so als ob das Ende menschlicher Erfolge an den Märkten in Kürze bevor stehen würde.

Ehrlich gesagt, ich halte das für übertrieben und vor allem das menschliche Gehirn für unterschätzt. Denn wir sind gigantisch gute "Mustererkennungsmaschinen" und bis die Algos da mithalten können, werden noch Jahrzehnte vergehen. In anderen Bereichen, wo es auf schiere Rechenkraft und Disziplin ankommt, sind die Algos aber schon an uns vorbei gezogen.

Womit wir beim Kern von Weisheiten sind, die die Menschheit schon seit Jahrtausenden kennt, wenn es um den Kampf gegen starke oder manchmal übermächtige Gegner geht, auch Sun Tzu ist dabei eine gute Quelle. Der Kern dabei ist, das Schlachtfeld zu bestimmen, also nicht den Kampf nach den Regeln des Gegners zu führen, sondern ihm sein eigenes Spiel aufzuzwingen. Wenn Maschinen viel schneller als wir rechnen und Daten verarbeiten, wären wir eben dumm auf diesem Spielfeld mit ihnen konkurrieren zu wollen.

Was wir als Anleger also tun müssen, kann man ganz leicht in nur fünf englische Worte pressen:

Avoid it or exploit it

Etwas holperig in Deutsch: Vermeide es oder nutze es aus.

Das aktuelle Agieren der Algos findet scheinbar vor allem auf den kurz- und mittleren Zeitebenen statt, in denen bestehende Muster und Mechanismen "abgeschöpft" werden. Das führt eben zu länger andauernden Trends und es führt zu dieser scheinbaren Ruhe im Markt. Auch konzentriert sich das Algo-Geschehen noch in den liquiden Instrumenten, also den Indizes selber, aber auch den grossen ETFs oder gross kapitalisierten Aktien.

Die eine Taktik wäre also, dem einfach aus dem Weg zu gehen. Denn wer mittel- bis langfristig einzelne Aktien klug selektiert und sich von den grossen Trends leiten lässt, ist von den Algos bisher kaum tangiert. Ich meine damit Trends, wie sie zum Beispiel zuletzt im Premium-Bereich in Artikeln zur Trendfolge gezeigt wurden, also Trends die man mit Wochen- oder Monatskerzen betrachtet und die von einer fundamentalen Sicht auf die Aktie unterlegt sind.

Wer so agiert, wer so ein Investment-Depot führt, kann die Algos bisher ignorieren. Avoid it!

Es geht aber noch einfacher, denn ich sagte ja, dass die Algos aktuell bestehende Marktstrukturen auf der kurz- und mittelfristigen Ebene eher stabilisieren, weil sie eben ganz grundsätzlich und stur den Krug immer wieder zum Brunnen tragen, bis er bricht. Und dieses Wissen kann man ausnutzen. Exploit it!

Ein ganz einfaches und klassisches Beispiel, habe ich hier seit Wochen und Monaten immer wieder thematisiert, nämlich die Tatsache, dass frühe Schwäche im SP500 derzeit zuverlässig von den BTFD Programmen im Laufe des Handels gekauft wird. Dieses Muster ist uns also bekannt und es wäre ein Leichtes und höchst profitabel gewesen, das auszuschöpfen.

Warum haben viele das nicht getan? Ich glaube neben zeitlichen Gründen, die vielen von uns Intraday-Handel unmöglich machen, ist vermutlich auch richtig, dass viele von uns noch nicht ausreichend opportunistisch im Sinne "exploit it" denken. Zu viele versuchen trotz meiner permanenten Reden immer noch ängstlich oder hoffnungsvoll herum zu raten, wie die Kurse morgen sein werden.

Und diese menschlichen Mechanismen von Gier und Angst, kennen die Maschinen zu Genüge und versuchen sie mit Methoden wie Fakeouts abzuschöpfen. Warum also spielen wir freiwillig deren Spiel mit? Wollen wir freiwillig weiter Lämmer sein, die zur Schlachtbank geführt werden, nur weil der Affe in uns mal wieder rumort?

Nein, wer klug ist, schöpft die Muster ab, die uns die Algos offenbaren und der Kauf der Tiefs des SP500 spätestens zur Handelsmitte, ist so ein Muster, das höchst profitabel war und immer noch ist.

Ich habe Ihnen mal mit 10-Minuten-Kerzen hier das SP500 Chart der letzten 7 Handelstag mitgebracht. An *jedem* Tag, an wirklich *jedem* Tag, auch gestern, konnte man profitieren oder ging an einem Tag neutral aus dem Markt, wenn man die Tiefs im frühen Handel kaufte und kurz vor Handelsschluss verkaufte. Die Kaufpunkte sind markiert:

Die algorithmische Logik dabei ist recht einfach:

Wenn der SP500 mit einem Gapdown eröffnet und sofort zu steigen beginnt, kaufe sofort. Wenn der SP500 sofort zu fallen beginnt, kaufe das erste markante Tief danach.

Nun sind die Punkte im Eifer des Gefechts nicht so perfekt zu identizieren wie im Nachhinein, wenn immer "gut schnacken" ist. Am algorithmischen Detail muss man also feilen. Das Grundprinzip die Tiefs der ersten Handelshälfte zu kaufen, war aber fast jeden Tag gültig.

So ist also im SP500 seit Monaten ein wunderbar profitables Muster vor unserer Nase. Und genau dieses Muster, wird wohl aktuell von den Algos gespielt, genau deshalb läuft es so stabil ab. Und was hindert uns daran, das auszuschöpfen (exploit it)?

Wenn wir ehrlich sind und die Zeit für Intraday-Handel haben, eigentlich Nichts. Nur wir selber stehen uns im Weg. Denn statt wie ein Algo einfach auf die statistische Wahrscheinlichkeit und das eingefahrene Muster bei jedem Dip zu setzen, grübeln wir lieber angstvoll darüber nach, ob dieses eine Mal nun der Fall ist, in dem die Regel bricht? Und wenn schon, dafür hat man Stops, alles was zählt ist der statistische Edge der Wiederholung und der ist da.

Unsere Gehirne sind also brilliante Mustererkennungsmaschinen, die erkennen so ein Muster sofort. Leider sind wir aber auch "Affen", die von Ängsten getrieben werden, weil diese Ängste für das Überleben in der Savanne vorteilhaft war. An der Börse verhindert es aber die Chancen auch diszipliniert zu ergreifen, die unsere Gehirne schon erkannt haben - wir zögern und zagen sozusagen zu lange sorgenvoll herum.

Aber auch dafür und auch für Berufstätige gibt es eine potentielle Lösung. Denn wir können ja selber rudimentäre Algos schreiben und so eine Logik zum BTFD-Kauf von Schwäche im SP500, mit Verkauf kurz vor Handelsschluss, sollte für des Programmierens kundige, so schwer nicht umzusetzen sein. Und dann lässt man das laufen, solange es funktioniert. Und wenn es nicht mehr funktioniert, zieht man zum nächsten Muster. Das ist das Verhalten eines "Algos", das ist angepasstes Verhalten. Das ist opportunistisches Verhalten, wie wir es an den Tag legen müssen, wenn wir von den Algos profitieren wollen.

Fazit:

Avoid it or Exploit it

Die Algos sind Faktum, sie werden nicht mehr verschwinden. Sie werden sich weiter wandeln und "intelligenter" werden, von echter Intelligenz sind sie aber weit entfernt und unsere menschliche Mustererkenunng ist immer noch an Geschwindigkeit weit überlegen.

Entweder gehen wir den Algos aus dem Weg, haben grundsätzlich keine Stops im System und führen ein Investmentdepot nach den Prinzipien der Trendfolge und des Positionsgrössenmanagements. Dann brauchen wir uns um die Algos noch keine Gedanken zu machen und eher profitieren wir davon, dass diese Trends eher dehnen und stabilisieren.

Oder wie nutzen die Algos aus, in dem wir die Muster die diese spielen, auch selber abschöpfen. Der BTFD Reflex Intraday im SP500 ist so ein triviales Beispiel, es gibt derer viele, wenn wir unsere Mustererkennung mal anschmeissen. Auch die hier oft besprochenen Volumenausbrüche aus langen Seitwärtsbewegungen funktionieren ja immer wieder hervorragend. Und was funktioniert ist gut und was nicht funktioniert, ignorieren wir.

Wichtig dafür, ist die opportunistische Haltung im Sinne, dass wir machen was funktioniert und es einstellen, wenn es nicht mehr funktioniert. Um "Recht haben" geht es auch im Zeitalter der Algos nicht. Nur um das Plus im Depot und das erzielt man am Einfachsten mit dem Markt und mit den Algos.

Avoid it or Exploit it

Ja, das ist eigentlich trivial. Aber sind wir darin wirklich konsequent? Wenn nein, hat dieser Artikel doch Sinn gehabt.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Warum Aktien „sicher“ sind!

Deutschland ist ein Land der Festgeld-, Lebensversicherungs- und Immobilien-Fans, die Aktienkultur im Land ist dagegen völlig unterentwickelt. Dabei sind Aktien nach meiner Erfahrung das beste Asset, um langfristige, zuverlässige Wertsteigerung zu erhalten. Wenn in Deutschland die Vermögensschere immer weiter aufgeht, hat das auch mit dieser unsinnigen Fixierung breiter Bevölkerungsschichten auf vermeintliche "Sicherheit" in Zinsanlagen zu tun.

Und der wesentliche Grund für diese Verzerrung, ist die - völlige verfehlte - Wahrnehmung, dass diese obigen, anderen Anlageformen ja "sicher" seien, die Anlage in Aktien dagegen aber "unsicher".

Viele versuchen dagegen anzuschreiben, man erreicht die Mehrzahl dieser Menschen aber nicht, selbst nicht in Zeiten von Minuszinsen und Enteignungsdebatten, in denen es keinen Zins mehr gibt und Immobilien-zur-Geldanlage-Besitzer zu "bösen Spekulanten" gemacht werden, die man auf diverse Art und Weise gängeln und am Ende enteignen kann.

Zuletzt habe ich im Artikel -> Aktien sind unsicher und die Welt ist eine Scheibe <- sarkastisch dagegen angeschrieben, heute will ich das wieder tun.

Und ich will es mit (hoffentlich) eindrucksvollen Übersichten tun, die gerade die Mehrheit der Aktienverächter mal unbedingt sehen sollten.

Meine Bitte an Sie als aktienaffine Leser ist also, diesen Artikel zu streuen. Wenn Sie da einen Freund oder Bekannten haben, der mit dem "Aktien sind so unsicher" Argument daher kommt, dann geben Sie ihm/ihr diesen Artikel bitte mal zu lesen.

Zunächst einmal schauen wir mal, wie sich Aktien wirklich langfristig entwickeln. Der einzige Index, den es genau so schon über 100 Jahre wirklich gibt ist der DOW und so wähle ich mal diesen zur Visualisierung, auch wenn ich mir -> der Mängel wohl bewusst bin <-.

Hier ist der DOW über mehr als 100 Jahre in logarithmischer Darstellung. Alle folgenden Chart sind "klickbar", man kann sie also vergrößern:

Beeindruckend, oder? Wir sehen die drei großen Korrekturphasen, in denen in Summe nicht so viel zu holen war und wir sehen mit einem Blick, was das für die aktuelle Lage impliziert.

Und nun frage ich Sie:

Ist eine Investition, die trotz Weltwirtschaftskrise, 2. Weltkrieg, Koreakrieg, Kaltem Krieg, Vietnam, Internet-Blase und Lehman über 100 Jahre so eine Entwicklung genommen hat, nun "unsicher"?

Merken Sie, wie Sie von kurzfristigen Ängsten davon abgehalten werden, langfristig das Richtige zu tun?

Sie können ja mal spasseshalber ausrechnen, was daraus geworden wäre, wenn Ihre Eltern bei Ihrer Geburt 10.000 $ für Sie investiert hätten.

Und bitte bedenken Sie, in der Darstellung fehlt die Wirkung der Inflation und die Dividenden, die noch oben auf die Kursgewinne darauf kommen. In Summe gleichen sich beide Effekte mit 2-3% pro Jahr ungefähr aus, weswegen die obige Darstellung ein getreues Abbild der wirklichen Vermögenssteigerung ist.

Wir halten also fest, eine langfristige Investition in den DOW - oder andere große Aktienindizes - hätte zu erheblichen, objektiven Wohlstandsgewinnen geführt, die weit über einen reinen Inflationseffekt hinaus gehen. Und diese Entwicklung wird trotz diverser Dellen so weiter gehen.

Der Grund dafür ist etwas, was keine Zinsprodukte, kein Gold und keine Immobilien leisten können. Denn mit einer Investition in Produktiv-Vermögen wie Aktien, nimmt man an den Wohlstandsgewinnen Teil, die durch Innovation und Fortschritt geschaffen werden. Und diese sind erheblich, vergleichen Sie mal das Leben vor 100 Jahren und heute!

Wirtschaft ist eben kein Nullsummenspiel und die in der aktuellen Weltuntergangsszene beliebte Geschichte von den Grenzen des Wachstums, beruht auf einem völligen Unverständnis und begrenztem "First-Level-Thinking", worum es bei Wachstum wirklich geht - denn das kennt faktisch keine Grenzen.

Selbstverständlich sind bestimmte Resourcen der Erde begrenzt, ein einfaches Beispiel ist Öl. Und selbstverständlich kann man das nicht unbegrenzt verbrennen und selbstverständlich sind damit "Grenzen" da, ebenso wie bei sauberer Luft und frischem Wasser. Auch das Bevölkerungswachstum muss begrenzt werden, der Planet hat nicht unbegrenzt Platz.

Das ist aber eine Binsenweisheit und hat mit Wirtschaftswachstum nur dann zu tun, wenn man wie ein Nomade und Ureinwohner denkt, für den die Resourcen damit aufhören, dass er alle Büsche in der Umgebung abgepflückt und alle Wildtiere in der direkten Umgebung geschossen hat.

Die sogenannnte Weissagung der Crow im Sinne "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann“ ist keine Weisheit, sondern die beschränkte Weltsicht von Nomanden und Ureinwohnern, die Innovation und Fortschritt nicht kennen und in ihrer begrenzten, statischen Gedankenwelt leben.

Denn Innovation und Forschritt sind faktisch unendlich, zwar durch die Gesetze des Universum begrenzt, aber von denen sind wir so weit entfernt, wie eine Kuh von einer Mondreise, weswegen es für die Menschheit aktuell keine fühlbaren Grenzen des Fortschritts gibt.

So kann und wird Öl durch andere Energieformen ersetzt werden und Wasser kann gereinigt und wieder aufbereitet werden. Heute noch notwendige Stoffe wie Kobalt, werden durch billige Ersatzstoffe ersetzt werden und heute vermeintlich Alternativloses, wird ebenso nutzlos werden, wie Pferde-Droschken mit Einführung des Automobils. So war es seit dem Beginn der Aufklärung und so wird es weiter sein, außer wir wollen freiwillig wieder wie die Ureinwohner leben.

Resourcen sind natürlich absolut begrenzt, die Innovation und der Fortschritt aber nicht. Und am Ende stehen bessere Verfahren und Methoden, die weit effektiver funktionieren als Pferdekutschen und deshalb kennt Wirtschaftswachstum prinzipiell keine Grenzen - weil es Innovation gibt. Das zu verstehen, erfordert aber systemisches "Second-Level-Thinking", die Welt und der Fortschritt sind mehrdimensional und nicht statisch.

Und Aktien sind als Anteile an forschenden und sich entwickelnden Unternehmen das Anlagevehikel der Wahl, um an diesem Fortschritt und seinen daraus resultierenden Wohlstandsgewinnen Teil zu haben. Und deshalb sind Aktien langfristig allen "statischen" Anlageformen überlegen.

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Warum gibt es eigentlich Aktiensplits?

Der folgende Grundlagenartikel für Anfänger, ist am 15. Mai diesen Jahres im Premium Bereich erschienen und wurde für den freien Bereich nur marginal angepasst.

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Die Frage nach dem Sinn von Aktiensplits ist eine, die jeder ernsthafte Marktteilnehmer beantworten können muss. Dieser Artikel widmet sich den dazu gehörenden Grundlagen.

Zunächst ist es wichtig zu betonen, dass jede Aktiengesellschaft das Interesse hat, den Kursverlauf zu verbessern und höhere Kurse zu erreichen. Das liegt nicht nur an den Vorständen mit ihren Optionen, sondern auch daran, dass damit die Gesellschafter (Aktionäre) glücklich gemacht werden, die dann einen Vermögenszuwachs in den Bücher haben. Und ein hoher Aktienkurs ist auch Macht, denn die Aktien können als Akquise-Währung bei Übernahmen eingesetzt werden.

Damit stellt sich doch die Frage, was ein hoher Aktienkurs überhaupt ist? Und jetzt behaupte ich einfach mal, dass wenn wir wir nun in der Bevölkerung den folgenden Multiple-Choice machen würden, die Mehrheit wohl Alternative 1 ankreuzen würde:

Firma A hat mit ihrer Aktie eine Kursnotierung von 100 Euro. Firma B hat mit ihrer Aktie B eine Kursnotierung von 50 Euro.
Welche Firma ist größer?

(1) Firma A
(2) Firma B
(3) Beide sind gleich groß
(4) Das ist so nicht zu beantworten

Und damit sind wir schon beim Hauptgrund für Aktiensplits, dem Affen ins uns allen, insbesondere dessen -> Ankereffekt <-.

Aktiensplits werden also in der Regel gemacht, um diesen Effekt auszunutzen, man könnte auch deutlicher sagen, um die geistige Begrenzung der Menschheit auszunutzen.

Denn in Wirklichkeit sagt ja der Kurs selber gar nichts aus, auch nichts über die Größe des Unternehmens und natürlich ist oben (4) die einzig richtige Antwort.

Machen wir es konkret in einer sehr fiktiven, satirischen Geschichte - oder vielleicht doch nicht fiktiv? 😛

Ein fiktives Unternehmen - die Seldon Digital AG, nachdem wir einen namhaften Hamburger Verlag kurz vor der Insolvenz übernommen haben - plant seinen Börsengang und will über den 1 Milliarde Euro einsammeln.

Zusammen mit 7 ehemals treuen Mitgliedern, die nun den Vorstand der Seldon Digital AG bilden und natürlich bis zur Halskrause mit Aktien-Optionen vollgestopft sind, beschliessen wir eine sinnvolle Stückelung von 10 Millionen ausgegebenen Aktien zum Emissionspreis von 100€.

So geht die Seldon Digital AG erfolgreich an die Börse und eiert dann kurstechnisch 2 Jahre lang mehr oder weniger seitwärts.

Nach diesen 2 Jahren, die Optionen drohen wertlos zu verfallen, kommt einer von Ihnen auf die Idee, ob wir die Aktie nicht durch einen 1:5 Aktiensplit auf 20€ bringen sollten, weil dieser optisch billigere Preis doch bestimmt mehr der eher ahnungslosen Käufer anlockt, die nur auf den Preis schauen. Außerdem sind doch bestimmt viele Abfischorders im Markt, die so in Käufe umgewandelt werden. Und über die psychologischen Schwächen der Anleger, wissen wir hier bei der Seldon Digital AG ja hervorragend Bescheid.

Und weil wir gierige Manager sind, machen wir es so, wir wandeln mit Hauptversammlungsbeschluss das Stammkapital von 10 Millionen Aktien zum Nennwert 100€ auf den Stand von 50 Millionen Aktien zum Nennwert 20€ um. Und jeder schon bestehende Aktionär findet nach Vollzug die fünffache Aktienzahl im Depot, die aber nur ein Fünftel des Preises hat - keine objektive Änderung also.

Und wissen Sie was? Diese Operation funktioniert. Die Aktie macht innerhalb von wenigen Wochen eine Aufwärtsbewegung von bis zu 10%, weil diese nun von vielen als "billiger" empfunden wird. Und viele, die die Aktie sowieso haben wollten, schlagen nun zu.

Ursache für diese Bewegung ist aber eine Illusion, ist der tobende "Affe" in den Menschen.

Das ist die Hauptmotivation der meisten Aktiensplits, ein Angriff auf unser "Affenhirn" sozusagen.

Nun schreitet die Zeit aber voran und die Seldon Digital AG beginnt tatsächlich zu wachsen, aufgrund unseres herausragenden Contents natürlich. Der Kurs steigt und steigt und erreicht 900€.

Und wieder hat einer von Ihnen eine Idee, im Wissen um die Nöte von Kleinanlegern. Sie argumentieren, dass mit bald 1.000€ für alleine eine einzige Aktie der Seldon Digital AG, ein bestimmter Typus Kleinanleger mehr oder weniger ausgesperrt wird, der vielleicht 1.000 - 2.000€ pro Aktie investieren kann und nicht mehr.

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Der Knoten im Kopf


Den folgenden Artikel, der sich um unsere psychologischen Probleme bei der Geldanlage dreht, habe ich für die Mitglieder am 28. Januar diesen Jahres geschrieben.

Sie wissen, wie es danach an den Märkten weiter gegangen ist, eine gewaltige Rally geriet in Bewegung, die in den US Indizes bis zu Allzeithochs geführt hat. Als ich das damals geschrieben habe, war das aber noch eine unbekannte Zukunft.

Insofern ist es nun aber ein halbes Jahr später besonders spannend und lehrreich, sich diesen Artikel und die Prinzipien darin vor Augen zu führen. Und sich klar zu machen, was passiert wäre, wenn man so agiert hätte.

Ich wünsche viel Spaß und gute Erkenntnisse!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Wir erleben gerade wieder ein fieses "V" des Marktes und mir ist völlig klar, dass auch einige zu spät ausgestiegen sein dürften und nun im Anstieg wieder zu lange gezögert haben.

Das ist bei Menschen fast garantiert, weil unsere Gehirne eben sind wie sie sind. Und trotzdem oder gerade deswegen, rede ich so oft darüber, weil ich Sie darüber hinweg bringen will. Die Lösung hat aber nur sekundär mit Techniken zu tun, sondern vor allem mit Selbsterkenntnis.

Und weil wir Menschen uns ungern der Wahrheit stellen, dass unser wahres Problem uns im Spiegel anstarrt, kommen dann gerne Sätze wie dass "Timing ja nicht funktioniert" oder "Hin und Her macht Taschen leer". Sorry - Bullshit!

Das was nun kommt, habe ich schon x-fach geschrieben, es ist aber immer wieder nötig. Ich bin sicher, auch jetzt wieder nach diesem Artikel, wird es bei der nächsten Korrektur wieder bei einigen schiefgehen - hoffentlich aber bei weniger Lesern. 🙂

Der Klassiker, den einige von Ihnen sicher in den letzten Monaten erlebt haben, ist doch, dass man seit Anfang Oktober trotz meiner klaren Aussagen lange gezögert hat, ob man nun verkaufen soll. Irgendwann - potentiell zu spät - hat man es dann getan.

Dann hat man seit dem bullischen Aufschlag des 26.12.18 aber wieder lange gezögert, ob man nun wieder einsteigen soll. Irgendwann - potentiell zu spät - hat man es dann getan.

Und der Saldo beider Aktionen ist negativ. Uff! Timing ist Scheiße. 😉

Nein, ist es nicht. Wer diesen Ablauf hatte, hat sich ganz klassisch selber auf dem Fuß gestanden. Überlegen Sie doch bitte mal, *was genau* Sie in beide Richtungen hat zu lange zögern lassen! Was war es?

Hmm? Kommen Sie darauf? Das ist nun ganz, ganz wichtig!

Die Antwort ist glasklar: Es war der Gedanke was morgen passiert. Es war die Angst, jetzt etwas zu machen, was sich morgen schon wieder umdreht. Es war die Unsicherheit, ob die Bewegung (erst Absturz, dann Rally) noch lange weiter geht. Es war die Angst, etwas Falsches zu machen.

Unser Kopf war also schon wieder als Glaskugel unterwegs und hat sich um ungelegte Eier gesorgt!

Reflexartig und instinktiv, haben wir unser Handeln von dem abhängig gemacht, was vielleicht in der Zukunft passiert! Nicht vom "Hier und Jetzt", von der Angst um die Zukunft! Und genau das ist unser Affenhirn, so ist es gepolt, es erfordert immense Energie das zu erkennen und noch mehr um es abzustellen.

Was aber passiert, wenn man es abstellt, kann man leicht sehen, wenn man einer klaren Strategie mit definierten Triggern folgt. Eine sehr einfache Strategie, habe ich heute schon mit der 50-Tage-Linie als Trigger gezeigt:

Ausstieg und Einstieg sind markiert, in der Mitte war einmal ein "Fakeout", bei dem man ein- und gleich wieder ausgestiegen ist.

In Summe hat diese sehr simple Strategie aber einen Vorteil generiert, ein Alpha zum Markt also!

Wenn wir uns diese Strategie nun mal als realen Mensch vorstellen, frage ich Sie:

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Positionsgrößenstrategie am Beispiel Johnson&Johnson (JNJ)



Konkrete Aussagen zu Trades und Investments sind im freien Bereich für mich schwierig, weil um diese verständlich zu machen, erst eine Menge Kontext nötig ist. Kontext der erst vermittelt werden muss. Im Premium-Bereich sind diese dagegen Alltag.

Denn das, was in den populären Börsenmedien wie selbstverständlich unter die Leute gebracht wird, ist manchmal konzeptioneller Unfug, urbane Legenden der Geldanlage sozusagen, mit dem Ziel Klicks zu generieren. Zum verfehlten Gebrauch von Bewertungsindikatoren wie KGV, KBV usw. als Timing-Indikator, habe ich mich ja beispielsweise schon ausführlich ausgelassen, auch im freien Bereich.

Falsch ist auch, dass man manchmal den Eindruck gewinnen kann, als ob Geldanlage entweder nur aus blinden Buy&Hold oder wildem Herumzocken bestehen würde, dazwischen scheint es wenig zu geben.

In Realität liegen für normale Anleger gerade da aber die Königswege, ein ruhiges Handling der eigenen Positionen nach klar definierten Regeln, die einem erlauben den Markt mitzunehmen, in den großen Krisen aber abseits zu stehen. Diese Techniken generieren nicht immer eine Überrendite, aber im ruhigen Schlaf liegt ja auch ein Wert.

Wenn man zwei Methoden zur Auswahl hat, in der einen bleibt man einfach drin, muss dann aber die Magenschmerzen nach 70% Buchverlusten in einem neuen Lehman-Crash ertragen, in der anderen kommt langfristig etwas Ähnliches heraus, dafür ist man während der Krise draussen, um den Preis dass man im Boom nicht voll investiert ist, dann werden wohl viele zurecht die zweite Variante wählen.

Denn seelischer Frieden hat insofern bei der Geldanlage schon großen, monetären Wert, als dieser den Meisten überhaupt erst ermöglicht, wirklich dabei zu bleiben. Die Straßen der Börsen sind gepflastert mit Anlegern, die sich fest vorgenommen hatten einfach durch eine Krise hindurch Buy&Hold zu machen, dann aber unter dem Druck der Katastrophenmeldungen und der Bilder von Schlangen vor Bankschaltern doch verkauft haben, zumal der Ehefrieden auch schon am seidenen Faden hing.

Wir können uns in der Regel gar nicht vorstellen, was für ein immenser, emotionaler Druck und Herdentrieb in so Phasen entsteht, wer das nicht mit großen Depots erlebt hat, die wirklich etwas bedeuten - kleine Depots die man verschmerzen könnte, sind emotional nicht das Gleiche - redet wie ein Eunuch vom Akt, ohne ihn wirklich zu verstehen.

Verkauft wurde von diesen Anlegern dann natürlich entnervt am Tiefpunkt, denn wenn die Nacht am dunkelsten ist, ist auch der emotionale Druck am höchsten - und der Morgen oft nicht mehr weit. Das zu vermeiden, hätte also großen Wert.

Ich selber nutze für meine Anlagen im Investmentdepot - nicht beim Trading, das ist eine andere Baustelle - daher eine Technik, die ich Positionsgrößenstrategie nenne. Diese habe ich mir aus Versatzstücken selber zusammengebaut und im Laufe der Zeit für meine Zwecke verfeinert.

Nichts daran ist geheimnisvoll oder prinzipiell neu, es ist das Zusammenspiel das den Unterschied macht, das auf meine Bedürfnisse angepasst ist und mit dem ich mittlerweile viel Übung und Erfahrung habe.

Diese Technik habe ich im Premium-Bereich ausführlich immer wieder erklärt, auch Videos gibt es dazu. Hier will ich nur sagen, dass es dabei darum geht, bestimmte Qualitätsaktien dauerhaft zu halten - ich verkaufe also nie in Gänze - die Positionsgröße aber abhängig vom Marktenvironment zu fluktuieren und damit im Idealfall noch eine Überrendite zu erzielen, zumindest aber den schweren Einbrüchen aus dem Wege zu gehen.

Ich bin also immer investiert und immer im Markt mit meinen Investments und fokussiere mich dabei auf Qualitätsaktien, fluktuiere mein Exposure aber mit dem Marktenvironment und bewege mich in Krisenszenarien daher weitgehend auf die Seite - wäre aber selbst in einem Lehman-Szenario nie ganz raus, sondern immer noch mit einer kleinen Basisposition investiert, so dass ich den Kontakt zu den Qualitätsaktien nicht verliere.

Diese Prinzipien zu erklären, übersteigt aber wie gesagt das, was ich hier im freien Bereich anbieten möchte, in der Community ist die Positionsgrößenstrategie aber immer wieder Thema. Und natürlich auch viele andere Techniken mit ihren Vor- und Nachteilen, es gibt ja wahrlich nicht nur diese.

Was aber für Sie im freien Bereich vielleicht interessant ist, ist ein Artikel des Premium Bereich von vor einem Jahr, vom Juni 2018, in dem ich mal am Beispiel der Qualitätsaktie Johnson&Johnson (JNJ) dargestellt hatte, was denn diese Strategie über 10 Jahre hinweg tatsächlich real bedeutet hat.

Die ganze Information ist daher in dem ausführlich kommentierten Chart, das Sie bitte Anklicken und Vergrößern müssen, um die Kommentierung lesen zu können.

Hier ist der Artikel und weiter unten das zentrale Chart, ich wünsche gute Erkenntnisse!

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Der große Knall

Vom nächsten Crash zu schreiben, ist ein faszinierendes Geschäftsmodell, das hervorragend funktioniert. Es funktioniert, weil es Ängste der Anleger bedient und es funktioniert auch wegen der Vergesslichkeit der Menschen.

Denn wenn die Voraussagen 10x falsch lagen, sind sie schnell im medialen Rauschen vergessen und niemand ordnet die Fehlaussagen dann Jahre später dem Autor noch zu. Wenn man aber wie der Blinde auch mal ein Korn gefunden hat - rein statistisch gesehen muss das ja irgendwann mal sein - kann man sich als "Guru" und "der der den 20xx Crash vorhergesagt hat" über Jahre feiern lassen und die Auflagezahlen treiben. Alles schon passiert.

Das wäre ja auch nicht schlimm, es wird auch woanders viel geschrieben und gelesen, wenn der Tag lang ist. Das Fatale ist, dass diese Vorhersagen immer wieder die Anleger vom Anlegen abhalten, weil die Ängste dominieren. Insofern sind diese Propheten die größten Feinde der Depots der Anleger, obwohl doch die Anleger das witzigerweise gerade deshalb lesen, weil sie ihre Depots schützen wollen.

Den Widerspruch kann man vielleicht am Einfachsten am normalen Leben und dem Tod erklären. Die typischen Leser von Crashpropheten, sind nach meinem Eindruck Menschen im Alter ab ca. 40 aufwärts, die durchaus gebildet sind und etwas zu verlieren haben. Aber sie sind eben typischerweise schon älter, man hat etwas zu verlieren und der Tod ist schon mehr als eine abstrakte Größe.

Und während zum Beispiel der Zusammenbruch des Euros fraglos irgendwann wahrscheinlich, aber eben nicht sicher ist, ist der Tod eine 100%ige Sicherheit für uns Sterbliche. Oder anders recht hart gesagt, wer in den fortgeschrittenen 60ern ist, muss realistisch davon ausgehen, dass ihn der Tod vielleicht vor dem nächsten Finanzcrash ereilt, über den er gerade liest.

Das wollen wir als Menschen aber alle nicht hören, weswegen wir es erfolgreich verdrängen. Oder mit anderen Worten, obwohl wir *sicher* wissen, dass der Tod gar nicht mehr so weit weg ist, hält uns das nicht davon ab, das Leben zu geniessen. Im Gegenteil, es wird umso wertvoller, je zerbrechlicher es wird.

Und nun frage ich Sie: Warum hören wir dann auf anzulegen, nur weil vielleicht irgendwann ein Crash kommen wird? So wie der Tod in der Regel nicht ohne Vorwarnung und Vorlauf kommt, kommt der Crash schon gar nicht ohne Vorentwicklung und langsam steigende Spannung im System daher.

Warum also, warten wir nicht ab, bis diese Spannungen sichtbar werden und fangen dann erst an, unsere Anlagen in Sicherheit zu bringen?

Warum glauben wir stattdessen immer wieder, dass uns irgendein "Guru" eine Jahreszahl zum nächsten Crash sagen kann oder den Ablauf vorhersagen kann?

Das hat schon etwas Merkwürdiges.

Gerade beim Thema des Zusammenbruchs des Euros, bin ich doch jemand, der das Problem genau sieht und auch von einem *RESET* ausgeht, der uns irgendwann ereilen wird. Ich habe oft darüber geschrieben, so zuletzt auch in
-> Europa, der Euro und die Trauerarbeit <-. Daraus ein Zitat:

Klar ist aber, dass der real existierende Euro mit seiner inneren Fehlkonstruktion, Europa nicht mehr eint, sondern auseinander treibt.

Klar ist auch, dass eine Währungsunion immer am Ende eines politischen Einigungsprozesses stehen muss und nicht am Anfang. .....

Die Chance der einigenden Wirkung, wurde aber wohl im ersten Jahrzehnt des neues Jahrtausends vertan. Damals als die positiven Effekte der Währungsunion noch überwogen und Südeuropa einen Boom durch stark fallende Kreditzinsen bescherte, war der ideale Zeitpunkt. Jetzt sind die Scherkräfte und ihre politischen Profiteure schon da.

Diese Chance wird also wohl nicht wieder kommen, da bleibt in meinen Augen nur Illusion und Trauerarbeit. Je früher wir diese Illusion beenden und der Wahrheit ins Auge schauen, desto besser.

Optimistisch ist das definitiv nicht, was den Euro angeht. Aber der Zeitpunkt ist eben völlig unklar, wann diese inneren Scherkräfte sich in einer nicht mehr beherrschbaren Krise entladen und da finde ich es schon "putzig", wenn dann eine höchst legalistische Argumentation gefahren wird, die den Crash aus konkreten Verpflichtungen und Bilanzierungsregeln herleitet.

Frei nach dem Motto: "Die Welt wie wir sie kennen geht unter, aber alle halten sich im Untergang an die Regeln". Eher putzig, diese Vorstellung.

Das könnte aber nur Realität sein, wenn in der "großen Krise" diese Regeln noch etwas wert wären, das wird aber nicht der Fall sein.

Wir müssen uns klar machen, dass die EZB nun die Bankenaufsicht hat. Die EZB kann technisch gesehen jederzeit Geld aus dem Nichts in beliebiger Höhe schöpfen, sie kann technisch gesehen Banken unter Zwangsverwaltung nehmen, von denen riesige Anleihen ausgeben lassen und die dann selber aufkaufen und die Banken damit faktisch kapitalisieren.

Wir müssen uns weiter klar machen, dass Politik und Notenbank schon in der weit weniger kritischen Eurokrise 2011/2012 bewiesen haben, dass Regeln und Gesetze wenig interessieren und kreativ gedehnt bis übergangen werden, wenn es mal wirklich eng wird.

Und wir müssen uns klar machen, welcher Druck entsteht, wenn der "große Knall" wirklich bevor steht und alle Mächtigen ausnahmslos - von Notenbanken, über Politik bis zur Großfinanz und Großindustrie - *gleichgerichtete Interessen* haben werden, diesen Knall um jeden Fall zu verhindern.

In so einer Situation werden Dinge passieren, die heute weder legal, noch vorstellbar sind. Die politische Dimension ist um Faktoren grösser, als irgendwelche bilanztheoretischen Überlegungen.

Oder mit anderen Worten, bevor dieses System untergeht, wird es noch um sich schlagen und gerade der IWF unter der neuen EZB-Chefin Lagarde, hat sich da schon einige Dinge ausgedacht, die bisher undenkbar waren.

Wir müssen einfach akzeptieren, dass dieser Ablauf so einer schweren Krise *völlig unvorhersehbar* ist und der Zeitpunkt, zudem alle kreativen Maßnahmen erschöpft sind erst recht. Das kann 2020 sein oder auch erst 2034 und keine Jahreszahl ist besser als eine andere.

Und auf einen völlig unvorhersehbaren Ablauf kann man sich eben nicht gezielt vorbereiten und Empfehlungen von Einzelmaßnahmen sind eher unseriös, wenn es mehr als reine Beispiele unter vielen sind.

Alles was in dieser prinzipiellen Unsicherheit bleibt - und das haben wir im Premium-Bereich in der "Armageddon-Reihe" schon vor Jahren intensiv thematisiert - ist eine gesunde Diversifizierung mit deutlichen Anlage-Schwerpunkten jenseits des Euros und jenseits von Schuldverschreibungen (Zinspapieren) und Bargeld, sowie ein wacher Geist, der mit gesunder Skepsis die Augen offen hält.

Wenn wir das aber haben, sollten wir lieber die Sonne und unser Leben geniessen und die aktuelle Rally mitnehmen, statt über einen Crash zu grübeln. Zumal die reale Gefahr hier und heute eher ein bullischer "Melt-Up" ist, also eine massive Rally, die dann einen Panikcharakter bekommt.

Die aktuelle "Gefahr" ist also der Crack-Up Boom, über den ich bei Tichy schon im Sommer 2016 geschrieben habe: -> Katastrophenhausse - Crack-Up-Boom <-.

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Wie funktionieren eigentlich Anleihen?



Anleihen sind für Otto Normalanleger immer weniger Thema, kein Wunder bei Zinsen im Minusbereich im Euroraum. Grundsätzlich gehören Anleihen aber durchaus als sinnvoller Baustein in ein ausgewogenes Investment-Depot.

Und nun sind in den US die Zinsen der 10-jährigen Staatsanleihen sogar wieder in den 2-3% Bereich gestiegen und es ist ein Moment in der nicht zu fernen Zukunft vorstellbar, ab dem die Renditen in eine kommende Rezession hinein wieder fallen werden und Anleihen zu besitzen, dann wieder besonders attraktiv sein wird.

Gleichzeitig merke ich aber immer wieder, dass vielen Anlegern die Grundlagen fehlen, um Anleihen wenigstens im Ansatz zu verstehen. Gerade die "verdrehte Kursstellung" - Anleihen fallen wenn Zinsen steigen - und die Frage was ein Kurs abweichend von 100 bedeutet, löst immer wieder Verwirrung aus.

Damit ergibt sich doch logisch die sinnvolle Aufgabe, Ihnen diese absoluten Basics rund um Anleihen zu vermitteln. Wenn Sie schon länger mit Anleihen handeln, können Sie den Artikel überspringen, Sie werden hier nichts finden, was Sie nicht schon längst wissen.

Das Besondere hier ist ja aber, dass mehr als eine abstrakte Erklärung nach Lehrbuch geliefert wird - die können Sie überall selber nachlesen. Und diese Erklärungen haben oft das Problem, dass sie mit neuen Begrifflichkeiten mehr neue Fragen aufwerfen, als sie beantworten. Nein, hier werden die Themen mit Beispielen aus dem bekannten Leben aufgebaut und so soll es auch bei Anleihen sein.

Wir fragen uns also: Wat is ene Anleihe?

Da stelle mer uns janz dumm und stellen uns vor, wir wollten im superteuren Oberbayern ein grösseres Haus erwerben und das von einer Bank finanzieren lassen. Da braucht man dann schnell mal 1,5 Millionen, denn ein Quadratmeter Grund alleine, geht dort für 700 bis 1.000€ über den Tresen.

Eigentlich ist man sich ja sicher, dass man diese Finanzierung stemmen kann, aber die blöde Bank will natürlich "Sicherheiten" - man hat aber dummerweise keine zu bieten. So sinnt man nach einer anderen Finanzierung und kommt auf den Gedanken eine "Anleihe" zur Finanzierung heraus zu geben.

Eine Anleihe ist nichts weiter als eine institutionell konstruierte Schuldverschreibung, eine Art Schuld-Urkunde also, die ein Rückzahlungs- und Zinsversprechen enthält und demjenigen als Gegenleistung in die Hand gedrückt wird, der Ihnen Geld zu leihen bereit ist.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass in der Realität kein Häuslebauer eine Anleihe herausgeben wird, weil es sich erstens wegen der immensen Konstruktions-Kosten (Prospekt ua) nicht lohnt und zweitens auch andere institutionelle Hürden existieren.

Theoretisch ist das aber vorstellbar und wir tun nun mal so, als würden Sie zur Finanzierung Ihres Hauses eine Anleihe heraus geben. Der große Vorteil der Anleihe ist nämlich, Sie brauchen keine weiteren Sicherheiten. Sie bieten den Geldgebern einen Zins und die überlegen sich ganz frei, ob der Zins ihnen hoch genug ist, um damit auch das Risiko abzudecken, dass sie den Kredit (hier als Anleihe) nicht zurück zahlen können.

Das "Emissionsvolumen" ist ja klar, es wird 1,5 Millionen betragen, die Summe die Sie benötigen. Nun stellt sich die Frage der "Stückelung", also der kleinsten Einheit, in der Ihnen jemand einen "Teilkredit" geben kann.

Würden Sie die Stückelung weiter bei 1,5 Millionen belassen, wären Sie weiter im "Bank-Szenario", denn Sie hätten dann nur einen einzigen Gläubiger, so wie die Bank.

Da Sie aber glauben, dass Freunde und Nachbarn Ihnen auch Geld leihen werden, setzen Sie die Stückelung auf 1.000 Euro herab, so dass jeder sich beteiligen kann, der mag. Es werden also 1.500 Stücke Ihrer Anleihe a 1.000€ Nominalwert ausgegeben.

Bleibt die Laufzeit und der Zins. Die Laufzeit soll 10 Jahre betragen, danach versprechen Sie Ihren Gläubigern die Rückzahlung. Und beim Zins machen Sie im Vorfeld eine Umfrage, was denn die Mehrheit gerade noch so eben akzeptieren wird. Sie orientieren sich dabei an Vergleichswerten und kommen zum Ergebnis, einen Zins (Koupon) von 6% anzubieten.

Denn der Zins muss höher als beim Bankdarlehen sein, da Sie ja hinter der Anleihe keine Sicherheiten hinterlegen. Genau das ist eben der Umstand, den all die Privatanleger nicht verstanden haben, die "Mittelstandsanleihen" für eher lächerliche Zinssätze wie 6% gezeichnet haben, im Irrglauben das sei viel. Die Realität ist aber, dass viele dieser Firmen eben keinen Kredit von der Bank bekommen haben, in privaten Anlegern haben sie aber einen "greater fool" gefunden, der ihnen Geld für einen gegenüber dem Risiko viel zu kleinen Zins geliehen hat.

Aber zurück zu Ihnen und den 6%. Klar, wenn Sie nun ein Staat oder eine Bank wären, könnten Sie nun auch Anleihen mit 1% Zins ausgeben und diese würden ihnen trotzdem aus der Hand gerissen, weil die Notenbank dann Ihre Anleihe gleich mit frisch gedrucktem Geld aufkauft. Aber dieses Privileg haben wir kleine "Hanswürste" halt nicht, das ist nur den "Systemrelevanten" vorbehalten - einige sind eben gleicher als gleich. 😉

Sie aber wissen von Ihren Umfragen, dass für 6% Zins sich wohl in Ihrem Freundeskreis und Nachbarschaftsumfeld genügend Menschen finden, die Ihre Anleihe "zeichnen" und damit Ihre Privatplatzierung (Emission) ein Erfolg wird und gelingt.

Und so geschieht es, Ihre Anleihe ist voll ausgegeben, Sie haben 1,5 Millionen € Darlehen von Freunden und Nachbarn erhalten und haben dafür den Kreditgebern (Gläubigern) eine Schuldverschreibung in Form einer verbrieften Urkunde ausgegeben, in der Sie Rückzahlung und Zins zusichern.

Punkt. Das ist eine Anleihe. Das machen Unternehmen und Staaten im Prinzip genau so. Jetzt geht Ihre Geschichte aber weiter.

Denn 5 Jahre geht alles gut und Sie werden in Ihrer Nachbarschaft besonders liebevoll begrüsst und wenn Sie auf der Straße spazieren gehen, machen die Nachbarn einen besonders großen Bogen mit dem Auto, keiner will doch risikieren, dass der umgefahren wird, dem man Geld geliehen hat. 😉

Dann aber, im 6. Jahr, beginnt ein böses Gerücht in der Nachbarschaft umzulaufen, Sie haben Ihren Job verloren! Wären Sie jetzt Griechenland, würden Ihnen in der Metapher die Steuereinnahmen wegbrechen, mit dem gleichen Ergebnis.

Ihre Nachbarn beginnen hinter Ihrem Rücken zu flüstern, denn jedem ist klar, dass Sie nun vielleicht Ihre Anleihe nicht bedienen können, sprich den Zins nicht zahlen und vielleicht sogar die Rückzahlung nicht leisten. Und dummerweise haben Ihre Nachbarn ja keine weiteren Sicherheiten, die haben nur dieses Blatt Papier, diese Urkunde. Das macht nervös.

Lange wird nur geflüstert und Sie, der Sie tatsächlich den Job verloren haben, versuchen den Schein zu wahren. Dann aber an einem Abend, klopft es kräftig an die Tür. Der bärbeissige Nachbar drei Häuser weiter steht vor Ihnen und verlangt lautstark sein Geld zurück, er will seinen Kredit *jetzt sofort* zurück gezahlt haben.

Sie aber lehnen ab, Sie müssen ablehnen, denn die Anleihe ist ein Dokument, von dem man nicht einfach abweichen kann, denn das definiert den Rückzahlungstermin eindeutig und rechtsverbindlich für alle. Der Nachbar zieht am Ende wütend und mit Drohungen von dannen und Sie verwünschen sich, das mit der Anleihe je gemacht zu haben. Sie haben aber eine Idee, Sie rufen dem Nachbarn zu, dass dieser seine Teile der Anleihe ja an jemand anderen verkaufen könnte!

Ein Lächeln geht über dessen Gesicht und schon am Folgetag sehen Sie, wie der mit anderen Nachbarn verhandelt. Nur dummerweise für ihn, sind die anderen Nachbarn ja auch nicht doof und wissen um Ihren Jobverlust. 10.000€, also 10 Stücke, hat der bärbeissige Nachbar 3 Häuser weiter in Sie investiert, die anderen geben ihm aber aufgrund der höheren Risiken keine vollen 10.000 für die Anleihe mehr.

Lange wird verhandelt und am Ende einigt man sich auf einen Abschlag von 20%. 8.000€ bekommt Ihr Besucher und die Anleihe geht an einen anderen Nachbarn über. Dieser bärbeissige Nachbar wird Ihnen seinen Verlust nie vergessen.

Ihre Anleihe hat also zu 80% des Nominalwertes den Besitzer gewechselt, weil Ihre Finanzkraft nicht mehr so zweifelsfrei war, wie bei Emission der Anleihe.

Als Einwurf dürfen Sie hier einen weiteren Lernsatz aufnehmen, Anleihen werden immer in Prozentwerten des Nominalwertes gehandelt und haben keine "Kurse" im eigentlichen Sinne des Wortes, wie Sie das von Aktien kennen.

Die Jahre vergehen und Sie haben mal einen Job und mal keinen und Ihre Nachbarn zittern wie die Gläubiger Griechenlands. Zeitweilig wechselten weitere Anleihen den Besitzer und das nur noch für 70%, das Zutrauen Ihrer Nachbarn wurde also geringer.

Je näher aber die 10 Jahre kamen, desto mehr verstummten die Sorgen, denn wenn Sie bisher nicht die Pleite erklärt haben und alle Zinsen pünktlich gezahlt haben, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es auch in den letzten Monaten nicht passiert, und Sie die Schulden (Anleihe) auch zurück zahlen können.

Am Ende zahlen Sie ihre Schulden alle zurück und Sie werden in der Nachbarschaft wieder ohne Getuschel gegrüsst. Nur der bärbeissige Nachbar drei Häuser weiter hat immer noch einen finsteren Blick, denn seine 2.000€ Verlust sind ganz real.

So..... soweit die kleine Geschichte.

Wir fassen also die ersten Lerninhalte zusammen:

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Europa, der Euro und die Trauerarbeit

Dieses Wochenende ist Europawahl. Schon vor 3 Wochen habe ich hier beschrieben, -> was mich an der real existierenden EU nervt <-.

Heute möchte ich ergänzend noch eine Abhandlung zu Währungen im Allgemeinen und dem Euro im Speziellen mit Ihnen teilen. Diese wurde schon am 21.02. im Premium-Bereich veröffentlicht und erklärt wie Währungen funktionieren und welche Effekte im Speziellen der Euro hat.

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Zuletzt wurde mir wieder bewusst, dass der Euro am 01.01.2002 eingeführt wurde und nun also als einzige Währung 17 Jahre unter uns ist, als Doppelwährung in Form von Buchgeld, sogar schon seit 20 Jahren.

Wenn man davon ausgeht, dass Menschen sich bis sie ca. 20 Jahre alt sind, nur höchst selten für solche trockenen Themen interessieren - da pulsen eher die Hormone 😛 - gibt es mittlerweile viele Leser hier bis ca. einem Alter von 40 Jahren, die in ihrem Leben nie bewusst eine andere Währung und ihre Mechanismen erlebt haben - für die "Geld" und "Währung" in ihrem erwachsenen Leben also immer mit dem Euro gleichbedeutend waren.

Auch der Fehler, dass man "Wert" von Dingen automatisch in Euro ausdrückt, ohne sich bewusst zu machen, dass Währungen keinen Wert haben und selber der Maßstab sind, ist die Folge davon, dass man nie den aktiven Umgang mit anderen Währungen und Wechselkursen erlebt hat.

Glauben Sie mir, jemand in Venezuela weiss dagegen immer auch, was eine Sache in Dollar "wert" ist, auch wenn die Währung dort gar kein Zahlungsmittel ist. 😉

Da erscheint es mir doch sinnvoll, der Frage von Währungen mal auf den Grund zu gehen. Wir fragen uns also:

Wat is ene starke Währung und warum is det gut? Da stelle mer uns janz dumm.....

Zunächst einmal ganz wichtig, keine Währung hat einen Wert an sich, weil Wert ja immer in Währung ausgedrückt wird. Währung ist selber der Maßstab für Wert. Man kann die Länge eines Meters auch nicht in Metern ausdrücken, da wäre das Ergebnis immer 1.

Eine Aussage, dass eine Ware soundsoviel "wert" ist, ist also genau genommen sinnlos, ohne zu sagen in welcher Währung - außer der Gegenüber geht auch ganz selbstverständlich von der gleichen Währung aus. Und auch die Aussage, dass etwas "teurer" wurde ist so sinnlos, denn wenn eine Währung abwertet, kann etwas darin "teuer werden" und in einer anderen Währung trotzdem "billiger".

Es gibt bei Währungen einfach keinen objektiven, absoluten Maßstab für Wert, nur relativ zueinander, als Währungspaar wie EURUSD, kann man die relativen Wertveränderungen ausdrücken.

Einem idealen, objektiven Maßstab, kommen zwei Dinge noch am Nächsten. Einerseits Gold und Silber das -> alteste Geld der Welt <-. Andererseits die -> Sonderziehungsrechte des IWF <-, die so etwas wie ein Durchschnitt der großen Weltwährungen sind.

Für unsere täglichen Zwecke sind beide Maßstäbe aber nicht relevant, weswegen wir den Wert von Geld immer in einer anderen Währung ausdrücken müssen. Währungen haben also immer nur relativ gesehen "Wert". Daher die Währungspaare wie EURUSD oder eben XAUUSD für Gold in Dollar.

Wenn man das verstanden hat, wird vieles einfacher. Denn dann wird klar, dass es immer vorteilhaft ist, in einer Währung zu sein, die relativ zu den anderen Währungen an Wert gewinnt.

Und wenn eine Währung wie der Euro durch die Notenbank-Politik abgewertet wird, ist es besser in jeder anderen, relativ stärkeren Währung zu sein. Wenn die eigene Währung stark ist und regelmässig aufwertet, besteht dieser Grund dagegen nicht.

Genau *das* war vor dem Euro die Realität, als die D-Mark permanent zu Franc und Lira aufgewertet hat und in der Stabilität bestenfalls der Schweizer Franken mithalten konnte.

Denn viele europäische Währungen schwangen in freien Wechselkursen zueinander und bildeten die jeweilige Wirtschaftskraft und Solidität des Währungsraumes ab. Und da die D-Mark extrem stark war, wollten alle ihr Geld in D-Mark anlegen und die Lira und den Franc verkaufen.

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Wie reagiert die Börse auf kriegerische Konflikte?



In der Community hatte sich am letzten Freitag eine Diskussion um die Lage im Nahen Osten entfaltet, die von so allgemeinem Interesse sein dürfte, dass ich dazu auch im freien Bereich schreiben möchte.

Dabei geht es mir primär darum, Grundprinzipien klar zu machen, denn es gibt weit verbreitete Missverständnisse darüber, wie und warum Börsen Preise bilden.

Zur aktuellen, konkreten Lage um den Iran, will ich mich hier nicht äußern, das können Sie alles medial nachlesen. Faktum ist, dass die Spannungen steigen und wir alle nun rätseln dürfen, wer da nur pokert und wer es ernst meint.

Auch die konkreten Risikobereiche eines potentiellen Krieges um den Iran, können Sie leicht selber herausfinden, Stichworte "Nahost-Flächenbrand", "Atomwaffen" etc.. Alles keine Stichworte, die man gerne hört.

Die Frage hier im Artikel ist dagegen ganz abstrakt gestellt und der Iran ist nur ein aktuelles Beispiel:
Wie reagiert die Börse auf kriegerische Konflikte?

Es gibt dazu ja auch das Bonmot "Kaufen, wenn die Kanonen donnern" und da ist durchaus was dran, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Zunächst einmal ist entscheidend, dass man versteht, warum sich Kurse bewegen. Die meisten glauben, Kurse würden die Gegenwart bewerten, das ist aber *falsch*!

Denn Aktienkurse preisen ganz grundsätzlich Zukunfts-Erwartungen an wirtschaftliche Entwicklungen ein, die sich auf die Unternehmen auswirken.

Das ist alles was man tief durchdringen muss, dann ist auch die Reaktion auf Konflikte klar.

Märkte sind dabei reine Preisfindungsmaschinen für die im Index enthaltenen Unternehmen, keine moralischen Bewertungsmaschinen

Wenn wir uns also mal als Beispiel den Verlauf des S&P500 zum Irakkrieg 2003 anschauen, dann sehen wir das:

Nun dürfen wir nicht glauben, dass hier nur der Irakkrieg im Zeitraum auf die Kurse gewirkt hat, die Haupttreiber sind auch damals weiter Konjunktur und Notenbanken gewesen. Aber die Kriegssorgen waren eben Teil des Bildes und haben es verändert.

Wir sehen, dass der Tiefpunkt praktisch mit dem Kriegsbeginn zusammenfällt, was es öfters gibt und worauf auch die Daumenregel "Kaufen, wenn die Kanonen donnern" beruht.

An diesem Bild können wir nun aber ein paar wichtige Erkenntnisse festmachen:

Erstens, dieses Chart sagt gar nichts über den Irak aus. Es bewertet nur die wirtschaftlichen Erwartungen an die Unternehmen die im S&P500 sind.

Wenn ein Krieg auf die Unternehmen keine Auswirkungen hat, bewegen sich die Kurse auch nicht. Zur Zukunft des Iraks oder der Sinnhaftigkeit dieses Krieges, der am Ende auf einer großen Lüge fusste, macht dieses Chart also *nicht die klitzekleinste Aussage!*

Zweitens, wir sehen wie Erwartungen die Märkte bewegen. Mit dem Irak-Krieg waren Sorgen einer Ausweitung bis zum Konflikt der Großmächte verbunden. Auch die Frage ob die Ölfelder des Nahen Ostens in Flammen aufgehen, sorgte die Märkte im Vorfeld und liess via Erwartungen die Kurse im Vorfeld fallen. Denn all das würde sich dann auf Unternehmen des S&P500 auswirken und deshalb wurden die Erwartungen im Vorfeld düsterer und die Kurse fielen.

Drittens, innerhalb von Tagen, wurde der durchschlagende Sieg der US-Truppen klar, weswegen diese Sorgen ausgepreist wurden und die Erwartungen an das Geschäft der Unternehmen im S&P500 sich normalisierte. Deshalb stiegen die Kurse wieder.

Erneute, eine Aussage über den Irak ist damit in keinster Weise verbunden gewesen! Der Irak ist nicht Teil des S&P500, also bewertet der Markt den Irak auch nicht.

Ich wiederhole also:

Aktienkurse preisen ganz grundsätzlich Zukunfts-Erwartungen an wirtschaftliche Entwicklungen ein, die sich auf die Unternehmen des Index auswirken.

Sonst nichts!

Wenn beispielsweise ein schrecklicher Krieg mit tausenden Toten zwischen verfeindeten Stämmen in Afrika losbricht, der aber ohne wirtschaftliche Effekte auf Lieferketten etc ist, interessiert das die Kurse gar nicht, weil es keine Auswirkungen auf die Unternehmen hat. Es gibt dann viele Gründe diesen Krieg zu verdammen und Mitgefühl zu haben, es gibt vielleicht auch Gründe zu helfen, die Börse wertet aber nur die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Unternehmen, so wie die Mathematik die Toten zählt.

Wenn aber auch nur das kleinste Risiko existiert, dass die Lieferketten wegen eines Konfliktes gestört werden könnten, fallen die Kurse schon bevor es passiert, weil die Erwartungen der erhöhten Unsicherheit angepasst werden.

So funktioniert Börse. So funktioniert Mathematik. So funktioniert alles, was Dinge "misst" und die Aktienmärkte bewerten (messen) letztlich wirtschaftliche Effekte auf Unternehmen. Sie geben der zukünftigen Entwicklung eines Unternehmens ein Preisschild.

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Der nicht so geheimnisvolle Stillhalter und warum es am Hexensabbat zunehmend ruhiger wird



Der folgende Grundlagenartikel erschien im Premium-Bereich vor 2 Jahren im März 2017 und wurde nur marginal angepasst, um alte Links auf damalige Aktualität zu bereinigen.

Irgendwie ist der Hexensabbat - der Tag an dem einmal im Quartal gleichzeitig Optionen auf Aktien sowie Optionen und Futures auf Indizes verfallen - auch nicht mehr, was er mal war und mit dem dramatischen Titel "Hexensabbat" ausgedrückt wurde. Ich kann mich in den letzten Jahren nicht mehr an viele Termine erinnern, zu denen "Triple-Witching" die berühmten "wilden Ritte" gezeigt hat.

Mit Ruhe meine ich damit nicht das Volumen an diesen Tagen, das ist natürlich immer noch weit überdurchschnittlich hoch, ich meine die wilden, direktionalen Kursausschläge, die nach meinem subjektiven Eindruck merkbar nachgelassen haben.

Man kann natürlich nur spekulieren, warum sich das geändert hat und die OpEx (OptionsExpiration, Verfallstag) "ruhiger" wurde und die Gründe dürften vielfältig sein. Aber zumindest eine qualifizierte Spekulation, kann man begründet machen, dafür muss man aber verstehen, worum es bei der OpEx geht und vor allem wer die sogenannten "Stillhalter" sind.

Um diese "Stillhalter" ("Option Writer") und ihre Motivation, wird nämlich manchmal ein unnötiges mediales Geraune veranstaltet, dessen Sinn nach meinem Eindruck auch manchmal ist, bei Unwissenden den Eindruck eines besonderen "Experten" zu erzeugen.

Die Antwort ist nämlich keineswegs geheimnisvoll. Wenn Sie als Anleger eine Put-Option auf den DAX kaufen wollen, heisst dass ja, dass Sie das Anrecht erwerben zu einem Zeitpunkt X den DAX zu einem Preis Y zu verkaufen. Das ist die "Option", das Recht genau das zu tun und dieses Recht hat einen Preis, den Preis der Option. So einfach ist das zunächst.

Wenn Sie nun ein bischen weiter denken, stellt sich sofort die Frage, von wem Sie diese Option denn kaufen, denn Sie brauchen ja eine Gegenpartei. Bei den bei kleineren Privatanlegern bekannteren "Optionsscheinen" - die sozusagen Derivate echter Optionen sind - ist das klar, das ist die Emissionsbank, die den Optionsschein begibt und die Preise stellt.

Und genau diese Gegenpartei ist der "Stillhalter". Es ist die Partei, die diese oben beispielhaft genannte Put-Option auf den DAX "schreibt". Der Unterschied in der Begrifflichkeit - schreiben vs emittieren - kommt daher, dass Optionen völlig standardisiert sind, während bei Optionsscheinen sich der Emittent die Parameter frei nach Gusto auswählt. "Schreiben" heisst also, dass man in einer fest definierten, standardisierten Option - zB eben DAX Put 12.000 - die Rolle des Stillhalters einnimmt, der die Option begibt. Diese Rolle ist zum Emittenten des Optionsscheins ähnlich, aber nicht identisch, weil die Menge der Freiheiten was man "begibt", bei echten Optionen eben wesentlich geringer ist.

Diese Partei, der Stillhalter, hat zwangsläufig das gegenläufige Interesse zu Ihnen als Käufer der Put Option auf den DAX. Während Sie in dem Beispiel als Käufer der Option den DAX abwärts wünschen, hat der Stillhalter - die Gegenpartei - im gleichen Volumen das Interesse, den DAX oben zu halten. Und da es bei Optionen um fixe Marken geht die den Unterschied machen, kommt es dabei sehr digital auf den Kampf an, ob der DAX am Ende oberhalb oder unterhalb der für die Option relevanten Marke schliesst.

Wir halten also fest, bei klassischen Optionen zählt die fixe Marke im Sinne Hopp oder Flop am Ende, es sind alle Ausstattungsmerkmale der Option standardisiert und darüber hinaus wird der Preis der Option nicht vom Emittenten (Stillhalter) gestellt, sondern ergibt sich im freien Spiel der Marktkräfte an dafür spezialisierten Handelsplätzen (Terminbörsen), zum Beispiel der Eurex.

Wenn wir uns das vor Augen halten, wird noch unklarer, was das Gerede über die geheimnisvollen, mächtigen "Stillhalter" soll, denn am Ende stehen sich doch zwangsläufig völlig identische Volumina gegenüber. Für eine bestimmte Marke im DAX wie zum Beispiel 12.000, muss doch das Volumen, das auf einen Kurs über 12.000 hofft, identisch zu dem sein, das auf einen Kurs unter 12.000 hofft. Und das ist auch so, das Volumen ist identisch.

Der Unterschied entsteht dadurch, dass in der Vergangenheit natürlich die Stillhalter vor allem Grossadressen wie Banken waren, die also Optionen in grossen Volumina begeben haben, denen aber viele kleine (unerfahrenere) Optionskäufer entgegen standen.

Und aus diesem Ungleichgewicht entstand Macht. Denn nun stellen Sie sich mal vor, der DAX steht knapp unter 12.000, es ist noch 30 Minuten Zeit bis zum Verfall der Option und der Stillhalter ("Big Money" mit hohen Volumina in dieser Option) hat das Interesse dass der DAX knapp über 12.000 schliesst, damit die Option verfällt. Es ist klar was passiert, "Big Money" gibt dem DAX mit seiner "Feuerkraft" einen "Stups" und freut sich über einen Abschluss über 12.000.

Das genau ist, was zum "Hexensabbat" früher manchmal passiert ist, das war der ausgetragene Kampf der Beteiligten, der zu wilden Bewegungen geführt hat, gerade in den letzten Stunden.

Die besondere Macht der Stillhalter entstand also dadurch, dass diese gebündelte Interessen haben, während sich die vielen tausend einzelnen Options-Käufer ja nicht organisieren können. Es ist wie bei einer Schlacht im Prinzip gleich grosser Heere, bei denen das eine aber eine intelligente, straffe Führung hat und das andere ziellos ohne Anführer vor sich hin wuselt. Der Sieger steht schon vorher fest.

Wenn Sie nun mitgedacht haben, wird Ihnen aber schnell klar, dass die gleiche Grossbank die diese 12.000er Put Option auf den DAX geschrieben hat, diverse andere Optionen im Markt hat, die vielleicht gegenläufige Interessen generieren.

Solange alle diese Optionen in ähnlichen Volumina existieren, gleichen sich die widerstreitenden Interessen wieder aus, womit die Grossbank eben kein besonderes Richtungsinteresse hat.

Und das ist auch der Kern. Besonderes Richtungsinteresse entsteht immer bei den Marken, bei denen die Optionsvolumina stark über den Durchschnitt hinaus ragen. Diese Marken sind besonders umkämpft, wenn sich der Hexensabbat nähert.

Und nun, da wir verstanden haben was ein Stillhalter ist und warum die in der Vergangenheit etwas "machtvoller" waren - es also Sinn machte sich an deren Interessen zu orientieren - können aufmerksame Leser und fixe Denker auch sofort erahnen, was eine sinnvolle Erklärung neben anderen dafür ist, dass die OpEx zunehmend ruhiger wird.

Denn die Welt, in der Stillhalter nur Gross-Adressen waren, denen viele kleine "dumme" Anleger gegenüber standen, ist definitiv vorbei. Die Vielzahl der leistungsfähigen, elektronischen Broker die nun überall existieren, haben dazu geführt, dass auch "normale" Trader wie Sie und ich, mit "normalen" Depots das Schreiben von Optionen zu ihrer Strategie gemacht haben. In dieser Strategie lebt man dann vor allem von der Optionsprämie, wie ein Geldverleiher vom Zins.

Das Schreiben von Optionen wurde also in den letzten Jahren zunehmend demokratisiert und dieser Prozess dauert an. Damit stehen sich nicht mehr so simpel ein paar wenige riesige Stillhalter und Massen kleinere Käufer gegenüber, die "Heere" auf beiden Seiten nähern sich in ihrer Struktur an. Damit verschwindet aber auch der eine grosse Vorteil im Sinne eines gleichgerichteten Interesses, der den Stillhaltern bisher einen Vorteil im Ringen um eine Marke gewährt hat. Und so wird die OpEx ruhiger und normaler und verhält sich zunehmend wie der breite Markt auch. Nur das massiv gesteigerte Volumen, zeichnet sie immer noch aus.

Das Obige ist eine Theorie, ausdrücklich nur eine Theorie, warum sich das Verhalten des Marktes am Hexensabbat scheinbar beruhigt, was die wilden Ausschläge angeht. Aber zumindest ist es eine durchdachte Theorie.

Es spielen sicher auch andere Faktoren herein, auch die zunehmende Dominanz der Volumen der US Anleger ist sicher Thema. Die haben ihre OpEx erst Abends nach MEZ, sie dominieren den deutschen Markt aber trotzdem und beeinflussen indirekt den DAX, der der Schwanz des Hundes S&P500 ist. Und je kleiner der durchschnittliche Stillhalter im Verhältnis zum Marktvolumen des DAX wird, desto weniger ist dieser in der Lage, einen zielgerichteten Einfluss auf den Verlauf zu nehmen.

So weit ein kurzer, oberflächlicher Ausflug in die Welt des Hexensabbat und der Optionen, ich hoffe es hebt ein paar Schleier und hilft beim Verständnis. Ein grosses Geheimnis, zu dem die Stillhalter aus naheliegendem Eigeninteresse der Selbstdarstellung medial manchmal gemacht werden, ist das Geschehen an den Terminbörsen wie der Eurex definitiv nicht.

Und auch dieses Geschehen an den Terminbörsen ist eben dem Wandel des Marktes unterworfen - Regeln die am Markt vor 20 Jahren galten, müssen nicht zwingend heute noch völlig identisch gelten. Der Markt ist immer im Wandel, wie die Welt!

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Die Marktbreite – Stock Market vs Market of Stocks



Der folgende Grundlagenartikel erschien im Premium-Bereich schon am 05. Februar diesen Jahres, also vor fast 3 Monaten. Er erklärte ein Grundprinzip und zeigte gleichzeitig auf, warum wir optimistisch in die Zukunft schauen und von einem "V" im Markt ausgehen konnten.

Genau so ist es gekommen, der S&P500 ist in Schlagdistanz der Allzeithochs und das "V" ist Realität geworden.

Jetzt können auch Sie im freien Bereich mal das Grundprinzip studieren und ich empfehle Ihnen, sich die aktuelle Marktlage mal auch mit dieser Methodik anzuschauen. Was lernen Sie dann daraus?

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Eines der Worte und Konzepte, das Ihnen bei der Beschäftigung mit der Börse früher oder später begegnet, ist die Marktbreite, Market Breadth in Englisch.

Die gängige Interpretation lautet: Hohe Marktbreite ist bullisch und geringe ist bärisch, aber ist das wirklich (noch) so?

Dieser Frage will ich heute in diesem Grundlagenartikel nachgehen und da stelle mer uns janz dumm und fragen: Wat is ene Marktbreite?

Die Antwort liegt in dem Unterschied zwischen dem Begriff des Stock Market (Aktienmarktes) und dem Market of Stocks (Markt der Aktien) begründet.

Der erste Begriff, der "Stock Market", bezeichnet den Markt als Ganzes, so wie ihn die Indizes aufzeichnen. Wenn wir den Leitindex S&P500 als Beispiel nehmen, bekommen wir mit einer Zahl den Durchschnitt über die 500 größten Aktien des US Marktes und damit faktisch mit einem Wert einen Blick auf den gesamten US Aktienmarkt.

Allerdings ist das eben nur ein Index, ein Durchschnitt, wie ein Blick auf einen ganzen Wald. Ein ganzer Wald sieht von außen auch durchweg grün aus, einzelne Bäume darin, können aber sehr wohl krank sein und verrotten. Der Blick auf den Wald zeigt uns nicht einmal, von welcher Art (Sektor im Aktienmarkt) die Bäume sind, es ist einfach nur eine grüne Wand, deren Ausdehnung man sehen kann und fertig.

Im Gegensatz dazu, ist ein Wald aber nichts weiter als die Ansammlung unzähliger unterschiedlicher Bäume von unterschiedlichem Charakter und unterschiedlicher Gesundheit. Und so ist es auch mit dem S&P500 und dem Markt, denn der Markt ist in Realität kein Stock Market (Aktienmarkt), sondern ein Market of Stocks (Markt der Aktien).

Jetzt gibt es im Wald große und kleine Bäume und in einem Index wie dem S&P500 ist das besonders prägnant, weil da Schwergewichte wie Apple (AAPL) oder Amazon (AMZN) den Index dominieren, während viele kleinere Aktien faktisch keinen merkbaren Einfluss auf den Index haben.

Das liegt daran, dass der S&P500 nach der Marktkapitalisierung gewichtet ist, je größer der Marktwert, desto stärker Einfluss auf den Index.

Michael Batnick hat -> hier in einem lesenswerten Artikel Mitte 2018 <- mal eine Grafik erstellt, die eindrucksvoll aber auch tückisch ist, wenn man nicht genau hinschaut.

Sie zeigt das Gewicht im S&P500 der 5 größten Aktien, das gleichgroß ist, wie das der 282 kleinsten Aktien. Das ist schon eindrucksvoll. Sie zeigt aber *nicht*, dass die 5 größten die Hälfte des Index ausmachen, was viele gedankenlos herein interpretiert haben, weil alle mittelgroßen Aktien fehlen.

Trotzdem ist es ein eindrucksvolles Chart, denn 5 sind so wichtig wie 282 andere Aktien.

Und genau hier kommt die Marktbreite ins Spiel. Denn stellen Sie sich nun mal als Gedankenexperiment vor, der S&P500 würde nur aus diesen 5 ganz großen und 282 kleinen Aktien bestehen.

Und nun stellen wir uns weiter vor, der Index mäandriert um die Nulllinie.

Im ersten Fall sind die 5 Aktien im Plus und alle 282 im Minus. Im zweiten Fall sind die 5 Aktien im Minus und alle 282 im Plus.

Und nun frage ich Sie, welcher Fall ist "gesünder" bzw "bullischer"? In welchem Fall würde Sie eher von einem starken Aktienmarkt ausgehen?

Ich denke die Antwort ist klar, wenn alle 282 kleinen Aktien im Plus sind! Denn dann läuft es in der Breite der US Wirtschaft gut. Dass die 5 großen im Minus sind, kann dagegen Gründe haben, die spezifisch in den Aktien selber begründet sind und mit der Stärke der Wirtschaft und des Marktes nichts zu tun haben!

Sehen Sie, genau jetzt haben Sie prinzipiell das Konzept der Marktbreite verstanden.

Denn die Marktbreite misst die Anzahl der steigenden und fallenden Aktien (ohne Gewichtung) und stellt diese gegenüber. Ein Markt, der weit überwiegend steigt, kann also kein schlechter Markt sein, auch wenn die Indizes noch vor sich hin dümpeln. Und ein Markt der überwiegend fällt, ist ein gefährlicher Markt, weil er nur noch von wenigen großen Aktien zusammengehalten wird.

Die klassische Art diese Marktbreite zu messen, ist die sogenannte Advance/Decline Linie, die das Verhältnis von steigenden zu fallenden Aktien misst. Ich habe Ihnen dieses Konzept hier schon in -> die Weisheit der Advance/Decline (AD) Linie <- nahegebracht.

Eine andere Art die Marktbreite zu messen, ist die Anzahl der Aktien zu messen, die ein 52 Wochen-Hoch bzw Tief erreichen.

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Der Ankereffekt und unser „Affenhirn“

Der folgende Artikel erschien im Premium Bereich am 19.02.19. Er wurde nur minimal umgestellt, um Referenzen zu bereinigen, die nur im Premium-Bereich bekannt sind.

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Gerade am Anfang, beim Einstieg in ein Wissensgebiet, haben die einfachsten Erkenntnisse und Regeln den größten Effekt. Auch bei Mr-Market kommen immer wieder neue Mitglieder dazu, die von einer lange Anlagegeschichte erzählen, in der sie auf keinen grünen Zweig gekommen sind.

Auch wenn diese Mitglieder sich vielleicht schon 20 oder 30 Jahre mit der Börse beschäftigen, sind sie dann faktisch Anfänger, wenn sie nie einen erfolgreichen Zugang zum Markt gefunden haben. Und die Bereitschaft sich so zu sehen und sozusagen mal einen gedanklichen Reset zu machen, erleichtert dann, einen eigenen Erfolgspfad zu finden.

Der Klassiker sind dabei Anleger, die sich seit 2009 nicht in den Markt getraut haben und jetzt nach 10 Jahren wieder langsam damit warm werden - wo doch jetzt das Chance/Risiko-Verhältnis definitiv schlechter ist, als noch 2009. Aber auch Anleger sind der Klassiker, deren Depot aus "Dauergurken" besteht, alles "Falling Angels" die in der Vergangenheit mal toll waren, dann vermeintlich mit "Rabatt" gekauft wurden, aber seitdem nie mehr auf die Beine gekommen sind.

Diese Klassiker des Verhaltens haben einen gemeinsamen Nenner und das ist der -> Ankereffekt in der Psychologie <-, eine der fiesesten Ausprägungen dessen, was wir hier etwas provozierend unser evolutionäres Affenhirn nennen.

Ich sage Ihnen klar und deutlich: Wenn Sie das, was ich Ihnen nun sage und zeige, akzeptieren und Ihr Handeln tatsächlich ändern können, wird sich Ihr Anlageerfolg alleine deswegen, ohne großen Aufwand deutlich verbessern!

Erfolg mit einem Fingerschnippen, das wollten Sie doch schon immer, oder? Den gibt es natürlich nie, aber die folgende Erkenntnis kann Ihnen trotzdem sehr helfen.

Sie werden aber sehen, dass das gar nicht so einfach ist, sich im Mindset umzustellen, denn der "Affe" in uns tobt und tobt und da der "Affe" evolutionärer Teil von uns ist, werden Sie ihn auch nie wirklich loswerden. Ihre Aufgabe ist, seine Fehleinschätzungen zu erkennen und in Zukunft zu vermeiden.

Was sagt der Ankereffekt also theoretisch? Ich zitiere leicht umgebaut die Wikipedia:

Menschen werden bei bewusst gewählten Zahlenwerten von momentan vorhandenen Umgebungsinformationen beeinflusst, ohne dass ihnen dieser Einfluss bewusst wird. Die Umgebungsinformationen haben Einfluss selbst dann, wenn sie für die Entscheidung eigentlich irrelevant sind. Die Folge ist eine systematische Verzerrung in Richtung des Ankers.

Hört sich sehr theoretisch an? Nun dann machen wir es mal konkret. Atmen Sie tief durch und lassen Sie den Affen in sich frei. Schauen Sie auf die Charts und sagen Sie instinktiv, ob Sie da ohne Nachzudenken eher eine Chance oder ein Risiko sehen:

Das sind alles instinktiv Chancen, weil das Aufholpotentiel so hoch ist, oder? Es sind übrigens Nvidia (NVDA), General Electric (GE) und Bausch Health Corp (BHC), ehemals Valeant.

In allen drei Fällen schreit uns das Chart geradezu an, dass das eine Chance sei. Und das liegt *nur* an dem Anker der alten Hochs. Weswegen das Chart von GE hier auch am wenigsten schreit, weil die Vergangenheit nicht ganz so glorios aussieht.

Machen Sie sich auch mal den Spaß und gucken Sie sich die drei Aktien auf kürzeren Zeitebenen an, so dass die "glorreiche Vergangenheit" nicht mehr sichtbar ist. Die Wirkung ist gleich eine ganz andere.

Die Vergangeheit ist aber kein Maßstab, wie vielen Anlegern die Telekom schmerzhaft beigebracht hat, die seit nun bald 20 Jahren im Depot dümpelt, die Hoffnung auf alte Zeiten stirbt zuletzt. 😉

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Zwei umfangreiche Interviews

Heute habe ich statt des gewohnt langen Textes, zwei umfangreiche Interviews für Sie. Das erste in einem Magazin, das zweite als Video.

Letzten Sommer hat das Traders´ Magazin mit mir ein langes Interview geführt, das im Magazin volle 9 Seiten ausmacht und einen Bogen über alle Aspekte meiner Markt-Erfahrungen herstellt.

Ich bin nun in der Lage, Ihnen dieses Interview als Auszug zur Verfügung zu stellen, bitte lesen Sie im PDF:

-> Interview Michael Schulte Traders´ Magazin 08-2018 <-

Letzte Woche war ich dann mal wieder bei Jens Rabe von -> Optionsstrategien.com <- zu Gast.

Während es im Interview oben mit dem Magazin primär um Anlage- und Handelsthemen ging, haben Jens Rabe und ich frei über "Gott und die Welt" gesprochen und bewusst mal direkte Anlagethemen nur am Rande betrachtet.

Wir haben wie bei jedem unserer Gespräche frei geplaudert, ohne dass mir die Fragen vorher bekannt waren. Ich lege darauf Wert, weil nur so ein Interview authentisch wird - der Versprecher gehört wie das Ringen nach Worten halt dazu. Vorher überlegte, einstudierte Antworten, braucht in Interviews wirklich niemand.

Theman waren unter anderem: Fundamentalanalyse, IBM, General Electric, Trump, der Handelskonflikt, die Autoindustrie, Autonomes Fahren, das Finanzsystem usw und so fort.

Nun viel Spaß beim Anschauen!

Ihr Hari

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