Sommerferien

Dieser Blog ist im August im Ferienmodus, im freien Bereich wird es in dieser Zeit keine neuen Artikel geben. Im Premium-Bereich schreibe ich ca. 1x pro Woche und bin locker im Forum aktiv, aber auch da sind die Aktivitäten deutlich heruntergefahren. Administrativ läuft der Blog im August normal weiter, weil ja auch die Server laufen und ich bin administrativ normal erreichbar. Ab 31.08. geht der Blog dann wieder mit Vollgas los.

Hudson River bei Poughkeepsie ca 1989 mit Catskill-Mountains, 2 Stunden N von NY

Der August ist auch der ideale Monat zum temporären Abschalten, auch die Politik und die Wallstreet ist in dieser Zeit in den Ferien, wer nicht "wegjettet" weilt als Händler auf seinem Landsitz in den "Hamptons" oder zu Hause auf der Veranda im "Mid-Hudson-Valley" oder den anderen schönen Regionen rund um New York.

Das erste Bild habe ich mal in den 80ern im Spätwinter auf einer Dienstreise vom noch eisbedeckten -> Hudson-River <- gemacht, der Nähe Poughkeepsie (Mid-Hudson-Valley) nach Süden Richtung New York fliesst und am Ende die Wall Street erreicht. Dahinter sieht man die landschaftlich wunderschönen Berge der "Catskill Mountains", in denen sich auch Natty Bumppo (Lederstrumpf) herumgetrieben haben soll.

Das zweite Bild zeigt Anfang der 90er die damals noch stehenden Twin-Tower vom Hudson Highway Richtung Süden.

Hudson Parkway Richtung Wallstreet ca. 1991 - ja, da standen die Twin-Tower noch ;

Falls Sie mit dem Gedanken spielen zu Mr-Market dazu zu stossen, ist der August auch die ideale Zeit, sich in Ruhe einzulesen, denn hier erwarten sie im Premium-Bereich derzeit 4.000 Artikel die in den letzten 8 Jahren entstanden sind - davon viele grundsätzlicher Natur und auch heute noch interessant. Hinzu kommen alleine im seit 2015 eröffneten neuen Forum rund 70.000 Beiträge, davon 12.000 von mir.

Sie sehen, man muss sich erst einmal einlesen und wenn neue Mitglieder dann den Premium-Bereich sehen, ist die erste Reaktion bei vielen auch eher das Gefühl von der Menge des Contents "erschlagen" zu werden und sich zurecht finden zu müssen. Weswegen ein paar ruhige Wochen der Vorbereitung eine feine Sache sind, bevor es dann im September in Richtung US Wahl und Jahresende so richtig los geht. Ein August ist eben in jedem Jahr dabei, am Anfang macht er mehr Sinn für Neueinsteiger.

Was den Markt angeht, hat der aktuell noch vor allem die laufende Quartalssaison im Blick, auch wenn nun der US-China Konflikt etwas hereinspukt. Im August, nach dem Höhepunkt der Quartalssaison in der kommenden Woche, in der dann auch die FED hinzu kommt, wird sich der Fokus des Marktes dann langsam auf die US Wahl verschieben und spätestens ab September wohl das Hauptthema sein, das den Markt umtreibt.

Wenn man historische Daten nimmt, ist der August statistisch ein richtungsloser Börsenmonat, in dem man wirklich mal Pause machen kann. In US-Wahljahren dagegen wie diesem, gibt es statistisch gerne noch einen starken August und im September/Oktober dann Vorsicht vor den Wahlen und Markt-Schwäche, die sich dann ab November nach der Wahl, in der Regel positiv zum Jahresende auflöst.

Nun ist dieses Jahr stark vom Corona-Virus überlagert, weswegen man statistische Tendenzen nicht einfach für bare Münze nehmen und 1zu1 übertragen sollte, das wissen um diese typische Herbst-Delle vor US-Wahlen, kann aber im Hinterkopf nicht schaden.

Vor Biden selber hat der Markt keine große Angst, wenn dann eher davor, dass dieser vom linken Flügel der Demokraten abhängig wird und damit Abgaben, Steuererhöhungen und Regulierung drohen. Weswegen die Wahl des/der Vizepräsident/in dieses Jahr besondere Bedeutung haben wird, Biden hat den Namen für Anfang August angekündigt.

Diese Wahl ist also ein abstraktes Risiko für die Märkte, die mit einem knappen Sieg Bidens eher kein großes Problem haben, mit einem Erdrutschsieg der Demokraten dann aber doch, der auch den Senat für die Demokraten erobern würde. Denn dann würde der linke Flügel der Demokraten in seinen Forderungen gestärkt und es wären keine Kompromisse mit den Republikaner mehr nötig, was in keinem Fall börsenfreundlich sein wird.

Der Markt liebt es, wenn die Steuern gesenkt werden und er ansonsten von Politik in Frieden gelassen wird, denn der Markt ist unpolitisch und bewertet zukünftige Firmengewinne und nicht gesellschaftliche Entwicklungen. Die Steuern sind in den US schon markant gesenkt und eine gegenseitige Blockade beider Kammern bei der Gesetzgebung wäre nun das, was der Markt bei einem Sieg Biden bevorzugen würde.

Auf jeden Fall gibt es je nach Sieger bestimmte Sektoren, die klar vom Einen oder Anderen profitieren, wie beispielsweise Clean Energy von Biden. Eine genauere Analyse der "Biden-Aktien" haben wir schon im Premium-Bereich besprochen, das ist ein Thema, das jeder Anleger im Herbst im Hinterkopf haben muss. An der Entwicklung bestimmter Sektoren wird man teilweise indirekt die Umfragewerte ablesen können bzw die Umfragewerte beeinflussen die Sektoren - das ist vor jeder US Wahl so.

Der übergeordnete Trend des Marktes ist aber bisher weiter bullisch, was zentral mit den Billionen zu tun hat, die via Notenbanken und Staaten auf den Markt geschmissen werden. In einem -> Tweet von Tom McClellan <- den ich schon verlinkt hatte, hat dieser dazu die richtigen Worte gesagt:

There are only 2 fundamentals that matter to the overall stock market:
1. How much money is there?
2. How much does that money want to be invested?

Und im Grundlagen-Artikel -> Warum steigen (und fallen) Kurse eigentlich? <- habe ich das vor Wochen hier auch ausführlich thematisiert:

Machen Sie sich das unbedingt klar, der entscheidende Treiber der Märkte ist Angebot und Nachfrage! Und die Nachfrage hängt wiederum mit der freien Liquidität zusammen, die Anlagenotstand hat.

Solange also freie Liquidität dringend eine Anlagemöglichkeit braucht, entsteht ein Nachfrage-Überhang und die Kurse werden mittelfristig weiter steigen, egal was irgendwelche Fundamentaldaten sagen. Und Politik und Notenbanken tun derzeit alles dafür, dass das so bleibt.

Auch für den Rest des Jahres, sollten wir diesen Mechanismus nicht vergessen. Es ist nicht der alleinige Faktor der den Markt bestimmt, aber der langfristig Bestimmende. Das größte Risiko ist nun fraglos die Politik, denn ein Erdrutschsieg der Demokraten würde sich natürlich auch auf die FED auswirken.

Auch wenn wir die Politik nun im Auge haben müssen, sollten wir trotzdem die FED nicht bekämpfen, denn ob uns deren aktuelle, leise und scheibchenweise Implementierung einer faktischen -> Modern Monetary Theorie (MMT) <- behagt oder nicht, hat für die Konsequenzen in unseren Depots keine Relevanz.

Wir dürfen das als Bürger sehr wohl sehr kritisch sehen, dürfen diese Sicht aber nicht mit unseren Anlageentscheidungen vermischen, denn als Anleger gilt es mit dem Trend zu gehen und die Vorteile aus etwas zu ziehen, was man als Bürger nicht verhindern kann. Die Wahrheit liegt auf dem Platz und wer intelligent dem Markt folgt erzielt bessere und nachhaltigere Resultate, als der Wahrsager mit Ego, der sich gerne auch Prognostiker oder Crash-Guru nennt.

Nutzen wir also den August um durchzuatmen, den Kopf frei zu bekommen, mal Dinge zu lesen für die sonst keine Zeit ist und uns auf das Jahresende an den Börsen gedanklich vorzubereiten. Denn das wird extrem spannend und bewegt, wenigstens das kann ich garantieren.

Ich werde jetzt genau das tun und wünsche Ihnen auch einen schönen August!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Vom Fischen und dem Zeitpunkt der Jagd



Es gibt Investoren und es gibt Trader. Die Grenze verläuft fliessend und viele wollen gerne Investoren sein, verhalten sich dann aber in der ersten Krise wie schlechte Trader, man könnte auch sagen wie aufgescheuchte Hühner. Aber das soll heute nicht Thema sein.

Die gängige Logik für Investoren ist bekannt, man muss primär *im* Markt sein und nicht draussen, um an seinen langjährigen Gewinnen teilhaben zu können. Für viele unerfahrene Anleger ohne echtes Marktverständnis, ist sowieso Kaufen und Liegenlassen im Zweifel die bessere Strategie, als etwas timen zu wollen, obwohl Erfahrung und Mittel dafür völlig fehlen und die Psyche mit diesen Anlegern Rodeo tanzt.

Allerdings auch nur, wenn man eine belastbare Strategie für das Risikomanagement, den "Check" besitzt, denn wer will schon bei General Electric oder noch schlimmer Enron einfach liegenlassen? Dieser Tage könnte man dann noch Wirecard zur Liste hinzufügen. 😉

Aber selbst wenn sie statt Einzelaktien einen ganz breiten ETF zB auf den MSCI World gewählt haben, habe ich schon dargestellt, dass Anleger bei schweren Krisen mit 70% Minus das dann mit großen Depots auch nicht durchhalten können. Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis eben, egal ob mit Einzelaktie oder ETF. Weswegen völlig unbedarfte Anleger ihr Geld lieber in kompetente, dritte Hände geben sollten, auch wenn diese Hände natürlich auch nur mit Wasser kochen und selber Fehler machen.

Das soll heute aber alles nicht Thema sein, heute geht es um den aktiven Anleger, umgangssprachlich auch Trader genannt, denn auch jemand der eine Aktie oder einen ETF ein Jahr hält und dabei langfristige Trendbewegungen spielt ist letztlich ein Trader, wenn auch mit langfristigem Zeithorizont.

Ein Grundproblem das viele unerfahrene Trader und allgemein Anleger dabei haben, ist das sogenannte "Overtrading", der Versuch aus dem Markt etwas oder mehr herauszupressen, als da in Realität vorhanden ist. Und das soll heute Thema sein.

Es ist ja auch so verlockend, wir kennen es doch von "normaler" Arbeit, dass wenn wir mehr Energie hereinstecken, da in der Regel auch bessere Ergebnisse herauskommen. Wenn man sich also im normalen Leben um 19 Uhr Abends hinsetzt um etwas zu arbeiten, dann kann man da auch produktiv sein, weil man nun Zeit investiert.

Was den Markt angeht, ist das aber grundfalsch!

Der Markt muss gar nichts und wir können nur dann etwas aus dem Markt holen, wenn er bereit ist uns etwas zu geben! Dem Markt gegenüber ist Demut gefragt und die Erkenntnis dass wir kleine Nußschalen sind, die nur aufheben können, was der Markt für uns fallen lässt.

Das ist nicht unähnlich der echten Jagd, der echte Jäger kann auch nicht erzwingen, dass Wild genau dann aus dem Gebüsch kommt wenn er auf Lauer liegt, er braucht die Demut den richtigen Moment abzuwarten.

Aus den Märkten kann mal also nichts herausholen, nur weil man beschliesst sich jetzt hinzusetzen und traden zu wollen und diese Weisheit kannte schon der berühmte Jesse Livermoore:

Play the market only when all factors are in your favor. No person can play the market all the time and win. There are times when you should be completely out of the market, for emotional as well as economic reasons.

Denn Faktum ist, dass im Markt oft lange Zeit nicht viel zu holen ist, es sind wenige Phasen im Jahr von maximal wenigen Monaten, in denen man bei starken direktionalen Bewegungen dabei sein muss. Im Rest könnte man mit den Gewinnen sozusagen am Strand liegen und Cohiba rauchen - wir wollen doch den Klischees der Anleger zum Thema Börsianer entsprechen, oder? 😉

Diese Aussage gilt durchaus auch für echte Investoren, nur agieren die nicht in einem Zeithorizont, der mehrfaches, taktisches Rein- und Raus innerhalb eines Jahres wirklich sinnvoll macht. Die halten in so volatilen Seitwärtsphasen ihr Positionen einfach, hedgen sie vielleicht. Der Trader aber spielt mit dem Markt.

Wir haben doch zwei so potentiell profitable Phasen gerade erlebt. Ènde Februar ging es an den Märkten massiv herunter und kluge Investoren haben diesen Absturz mit diversen Methoden des Risikomanagements gedämpft, während Trader davon sogar profitiert haben.

Dann drehte der Markt Ende März und nun konnte die Jagd nach oben bald losgehen. Kluge Investoren haben in den folgenden Wochen selektiv akkumuliert und Trader haben Aktien geritten, die sich seitdem teilweise verdreifacht haben. Mit -> Thor (THO) <- habe ich ihnen erst vor Kurzem einen derartigen Fall gezeigt.

Klar war aber bald eindeutig, das war eine kritische Phase des Jahres, eine Phase in der massiv zu gewinnen und zu verlieren war, eine Phase in der man als Anleger hellwach sein musste.

Es wird aber auch wieder Phasen geben, in denen die Märkte weitgehend seitwärts eiern und wenig zu holen ist und in diesen Phasen macht es keinen Sinn durch "Overtrading" etwas erzwingen zu wollen, was gar nicht da ist.

Dann sollte man im übertragenen Sinne einfach "Fischen" gehen, etwas was auch Jesse Livermore mit diesem berühmten Satz schon wusste:

Dann präsent sein, wenn etwas zu holen ist und gelassen das Leben geniessen, wenn nicht. Das wäre doch kein schlechtes Leben für einen Trader, der diese Phasen brauchbar erkennen kann, oder? 😉

Das Problem dabei ist natürlich, woran erkennt man, dass man in der einen oder anderen Phase ist?

Ich sage aus Überzeugung, das kann man! Ich mache es den Mitglieder doch seit Jahren vor! Das ist aber keine Frage eines einzelnen Indikators, sondern das Ergebnis eines gewachsenen Marktverständnis und um den Mitgliedern das zu vermitteln, bin ich im Premium-Bereich da.

Man kann den Markt aber *nicht* vorher erraten, woher genau wollten sie denn im Vorfeld wissen, dass der Markt genau am 21./24.02. massiv zu fallen beginnt? Darin, in diesem Hang die Zukunft erraten zu wollen, líegt ein weiterer, grundsätzlicher Fehler der meisten Anleger. Aber auch das ist ein anderes Thema, das ich schon mehrfach adressiert habe.

Lösen sie sich vom Raten und konzentrieren sie sich auf das Beobachten des Spiels auf dem Platz!

Dann erkennen sie kurz *nach* dem Beginn, nicht vorher, dass nun eine kritische, volatile Phase begonnen hat. Danach, nicht davor und das genügt völlig! Man konnte das schon kurz nach dem 21./24.02 sehen, es war recht eindeutig.

Dann erkennen sie einen starken Trend wenn sie mittendrin sind und sich eine Folge von höheren Tiefs und Hochs ergibt, so wie das aktuell noch der Fall ist. Wenn man statt zu raten einfach nur auf das Chart schaut, ist das Signal of deutlich.

Und sie erkennen auch eine Phase der Richtungslosigkeit, wie sie oft mal über den Sommer eintritt und dann gehen sie eben Fischen.

Sie gehen aber nicht für einen festen Zeitraum Fischen, den sie schon vorher festgelegt haben - das wäre wieder Raten und morgen kann ja theoretisch eine Bombe platzen - sie gehen fischen so lange wie es ruhig bleibt Und wenn sich das ändert, werden sie wieder aktiv.

Auch bei ihren Pausen und beim "Fischen" machen sie sich also demütig vom Markt abhängig, der meldet sich schon lautstark durch stark steigende Volatilität wenn er in Bewegung gerät und ihre Aufmerksamkeit unbedingt erforderlich ist.

Man kann gute Phasen auch antizipieren, was aber nicht mit "sicher wissen" gleichzusetzen ist. Aber es gibt sinnvolle Kriterien die helfen, solche attraktiven Phasen besser zu erkennen.

Gute, profitable Momente aus Sicht des Gesamtmarktes finden sich zum Beispiel oft, wenn diese vier Dinge zusammen kommen:

  • Der Markt hat schon korrigiert und dreht nach oben oder er bricht aus einer Seitwärtsbewegung aus. Heisst, der Markt *beginnt* eine potentiell grössere Aufwärtsbewegung.
  • Das Sentiment ist skeptisch und zögerlich, die Anleger sind unterinvestiert, viele Absicherungen sind im Markt.
  • Die "Powers that be" - also zB die Notenbanken - haben gleichgerichtete Interessen und werden den Markt absehbar treiben bzw absichern.
  • Die Statistik (zB Saisonalität) bläst als Rückenwind in die Segel.

Genau das war mehr oder weniger Ende März der Fall. Wer da kein flatterndes Huhn war, hatte die Chance sichtbar vor sich. Und es war auch im Oktober 2019 der Fall und hat die Rally des 4. Quartals eingeläutet.

Sicher kann man auch andere Kriterien anlegen, ein spezialisierter Trader - zum Beispiel auf Volatilität - wird ganz andere Kriterien dafür haben, wann der Markt für ihn interessant ist. Das oben sind nur Beispiele. Und am Ende muss immer der Beweis vom Markt selber kommen, das Wild muss auch wirklich aus dem Gebüsch kommen, sonst war das "Rascheln" der Indikatoren ein Fehlsignal.

Das Fazit für Trader ist:

Sie sollten *nicht* permanent im Markt sein. Sie sollten *nicht* traden, nur weil sie sich vor den Schirm gesetzt haben, um etwas zu finden. Weder Langeweile, noch die Suche nach "Rache", sind sinnvolle Motivatoren für neue Positionen.

Man nennt das wie gesagt auch "Overtrading", wenn zu viele Setups gemacht werden, nur damit man überhaupt etwas macht.

Sie tun als Trader gut daran, sich Kriterien dafür zurecht zu legen, wann sie überhaupt im Markt sind.

Und es spricht nichts dagegen, dass Sie 6 Monate im Jahr dann *gar nichts* machen. Im Gegenteil, solche Auszeiten deuten darauf hin, dass Sie Ihre Kräfte bündeln können.

Legen Sie sich nicht nur Watchlisten und Einstiege zurecht, sondern auch eine Logik, *wann überhaupt* Sie im Markt unterwegs sind und wann Sie alle Positionen schliessen und abseits stehen.

Gehen sie auch öfter mal "Fischen", gute Trader erkennt man auch daran, dass sie wissen wann es Zeit dafür ist

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Was zu tun war und nun zu tun ist


Vor einem guten Monat, am 20. April diesen Jahres, habe ich ihnen hier im freien Bereich einen Artikel geschrieben, auf den ich zu Beginn zurückschauen möchte.

Er hiess -> Vom ewigen V und vom Stockpicking <- und seine Kernaussage war, dass man schon damals zugreifen konnte, weil Aktien- und Sektorpicking das Entscheidende in dieser sich sehr selektiv auswirkenden Krise ist! Festgemacht hatte ich das damals am Vergleich der starken Charts von ABT und AMZN gegenüber den schwer getroffenen BA und CCL.

In dem Artikel hatte ich mit Bezug auf das andauernde Weltuntergangsgerede der Crashpropheten auch geschrieben:

Aber dieser Moment ist Spekulation und nicht zwingend heute, weswegen auch die Perma-Bären und Crash-Propheten wohl wieder Unrecht haben werden, die seit 10 Jahren einen Crash vorhersagen aus Gründen, die auch jetzt wieder nicht maßgeblich sind. Das hindert sie natürlich nicht, den aktuellen Crash für sich zu deklamieren, auch wenn Ende 2019 natürlich niemand dieses Szenario auf dem Radar für 2020 hatte. Aber Haupsache irgendein Crash, damit man "Recht gehabt" rufen kann und die gläubigen Jünger werden auch dem folgen - passt doch. 😉

Und genau das haben wir erlebt, medial bekannte "Talking Heads" haben sich nicht entblödet, sich mit der Vorhersage des Crash zu brüsten. Und allgemeine Vorhersagen zu einem Crash irgendwann - aus ganz anderen Gründen und typischerweise mit der Geldpolitik der EZB und der Eurozone verknüpft - taugen nur für schlichte Gemüter als Testimonial.

Besonders witzig ist in dem Zusammenhang, dass wenn man mal die absehbaren Kollateralschäden in der Zukunft ignoriert, der massive Stimulus von Notenbanken und Staaten ja tatsächlich einen schweren Crash verhindert hat. Wäre hier ein nicht-expansiver Ansatz wie in den 30er Jahren gefahren worden, als der Goldstandard in abgewandelter Form nach der Konferenz von Genua 1922 noch galt, würden wir gerade in die große Weltwirtschaftskrise schliddern, die vor 100 Jahren dann unter anderem den Braunauer Gröfaz hervorgebracht hat. Theoretisch kann die auch noch kommen wenn einiges schlecht läuft, aber zunächst wurde sie verhindert.

Man sieht daran wieder, wie das Geschäftsmodell dieser Leute funktioniert und ich kann ihnen nur raten: Halten Sie ihr Depot davon fern!

Ich selber habe 2019 wie der Rest der Welt von einem Corona-Vírus nicht die leiseste Ahnung gehabt, war aber im Januar schon durch die Nachrichten aus China aktiviert und mir der Gefahr bewusst, war im Februar extrem vorsichtig und irritiert, dass die Märkte das Virus noch ignorieren - siehe meine Dissonanz - und bin dann mit dem Blog am 21./24.02.20 sofort in die Defensive gegangen und kaufe seit Ende März scheibchenweise Qualität zu, wie ich ihnen das ja auch hier im freien Bereich nahegelegt habe.

Ich habe also keine sowieso nicht existente Glaskugel bemüht, sondern einfach konsequent *reagiert*.

Und das Ergebnis ist, dass das Depot schon wieder deulich im Grünen ist und den Einbruch mehr als voll aufgeholt hat und 2019 war trotzdem ein ausgezeichnetes Jahr mit hohen zweistelligen Prozent-Gewinnen - im Gegensatz zu den Permabaeren, zu denen ich jetzt kein weiteres Wort mehr verlieren will.

Aber genau darüber wie das möglich war, will ich nun mit ihnen sprechen, denn in dem Artikel stand am 20.04.20 sehr deutlich:

Und deshalb sollten wir erkennen, dass die Indizes oder breiten ETFs in dieser Krise sekundär sind, denn die bilden den grauen Schnitt ab. Stockpicking zählt in dieser Krise, denn das Virus ist in seinen Auswirkungen extrem selektiv!

Mit Aktien wie ABT oder AMZN mussten wir auch gar nicht darüber grübeln, ob die Ansteckungszahlen wieder steigen und die Märkte nun doch erneut nach unten abknicken, ober ob die Märkte das nun erreichte Niveau stabilisieren können.

Es spielt schlicht keine Rolle, wenn wir die richtigen Aktien haben!

Das war Mitte April und wir haben nun viele Topwerte, die mittlerweile auf oder nahe der Allzeithochs stehen und das war absehbar, weil es klare Profiteure der Krise sind.

Besonders die mittelgroßen Software-Aktien schiessen dabei neben dem Healthcare & Biotech-Sektor den Vogel ab. Hier sind mit Docusign (DOCU) und Everbridge (EVBG) zwei schöne Beispiele, beide wurden bei uns im Blog intensiv begleitet, bei beiden gibt es sehr gute Gründe *warum* diese so erfolgreich sind. Von einem Covid-Crash ist da schlicht nichts zu sehen:

Aber auch bei ganzen Sektoren kann ich ihnen diese Spreizung eindrucksvoll zeigen, vergleichen Sie mal den US ETF XBI der den Biotech-Sektor abbildet zum US ETF XLI, der die Industriewerte abbildet:

Ein beeindruckender Unterschied oder? Runter ist im allgemeinen Ausverkauf der ETFs alles gegangen, dann hat der Markt das Stock- und Sektorpicking begonnen und differenziert.

Das war, was zu tun war, der Job kluger Anleger war zu differenzieren, was vom Virus profitiert und was nicht.

Und damit komme ich zu dem, was nun zu tun ist.

Wir wissen nicht, ob wir beim Virus im Herbst/Winter eine zweite Welle erleben werden. Wir kennen die Zukunft nicht und es nützt auch nichts diese erraten zu wollen. Jeder der uns nun mit der Bugwelle der Pseudosicherheit erzählen will, dass das Virus dieses oder jenes sei und eine zweite Welle nicht mehr kommen oder alternativ ganz schlimm werden wird, ist für mich eher ein Scharlatan mit Agenda, der nur selektiv Informationen aufnimmt und weitergibt. Solche "Prognosen" helfen uns nicht weiter, sie befriedigen nur das Bedürfnis nach vermeintlich einfachen Antworten, die aber von der Realität schnell enttarnt werden.

Denn objektiv besteht weiter erhebliche Unsicherheit, auch in der Wissenschaftsgemeinde und viele Auswirkungen werden nun erst langsam öffentlich bekannt, so zum Beispiel auch dass das Virus zu guten Teilen eine -> schwere Gefäßerkrankung <- ist.

Wir müssen das aber auch gar nicht wissen, denn wir wissen jetzt schon genug um sinnvolle Anlage-Entscheidungen zu treffen:

Erstens wissen wir, dass das Virus im Verlauf von 1-2 Jahren wahrscheinlich endgültig beherrscht werden wird, sei es mit Impfungen oder sei es mit Medikamenten. Es ist *nicht* der große Weltkiller, wenn auch keineswegs nur eine normale Influenza sondern weit tödlicher.

Zweitens wissen wir, dass wir den größten Stimulus der Weltgeschichte erleben, der koordiniert von Notenbanken und Staaten über uns ausgegossen wird und wenn sie den Artikel -> Warum steigen (und fallen) Kurse eigentlich <- aufmerksam gelesen haben, dann wissen sie, dass Kurse wegen eines Nachfrageüberhangs steigen und der kann auch von schierer Liquidität ausgelöst werden.

Drittens wissen wir, dass das Virus viele Umbrüche massiv beschleunigt, innerhalb eines Jahres wird verändert, was sonst 3 oder 5 Jahre gedauert hätte. Und das Virus bereinigt auch, es verdrängt alte Geschäftsmodelle und verschafft neuen Modellen den Durchbruch, die oben geannnte DOCU ist so ein Beispiel mit ihrer elektronischen Signatur.

Und das sind die einfachen, aber entscheidenden drei Punkte.

Wegen Erstens und Zweitens dürfen wir bei aller berechtigten Vorsicht vor einer zweiten Welle keinesfalls zu bärisch sei, die Welt steht eher vor einem Wachstumsschub, denn einer schweren Depression!

Stellen sie sich doch mal das zur 2. Welle umgedrehte Extremszenario vor, stellen sie sich vor das Virus verschwindet nun, die Wirtschaft läuft wieder an und das mit der historisch unvergleichlichen Geldschwemme im Rücken. Ich sage ihnen was dann passiert: S&P500 4.000! Und auch das ist ein Risiko und zwar für alle, die nun zu zögerlich sind!

Es wäre deswegen auch völlig falsch gewesen mit dem Wiedereinstieg zu warten, weil vielleicht eine zweite Welle kommt, denn genau das war ja sinnloses Raten, man legt sich so auf ein Szenario fest und wenn das nicht eintritt, hat man die anlagetechnische A****karte gezogen. So geht intelligente Geldanlage *nicht*!

Richtig war mit dem Markt mit hoch zu gehen und selektiv und Stück für Stück Qualität wieder aufzubauen, von unten aber langsam Absicherungen nachzuschieben, für den Fall dass die zweite Welle doch kommen sollte.

Richtig ist also weiterhin ein abgesicherter Optimismus und nicht das Warten auf eine zweite Welle, die vielleicht kommt, vielleicht aber eben auch nicht!

Und wegen Drittens muss uns das Virus auch gar nicht mehr interessieren, wenn wir auf die richtigen Aktien und Sektoren setzen, die mit ihren Geschäftsmodellen Zukunft atmen. Denn mit Covid gewinnt alles was:

  • Online abgewickelt werden kann
  • Die IT herstellt, die für Online benötigt wird (Cloud etc)
  • Reisen individuell ohne Aufenthalt in Massenverkehrsmitteln oder Massen-Hotels organisiert
  • An modernsten Wirkstoffen und Verfahren forscht
  • Die Medizintechnik und das Laborequipment für diese Forschung herstellt
  • Von den absehbaren, riesigen Stimulusprogrammen der Staaten profitiert
  • usw und so fort

Diese Gedanken müssen sie jetzt weiter denken. Das ist nun zu tun! Diese Gedanken waren seit Ende März richtig und sind bestimmt auch noch über den Sommer richtig!

Machen Sie sich klar, dass das Virus die Wirtschaft in einem Sprung einige Jahre in die Zukunft katapultiert, weil es schon bestehende Entwicklungen kurzschliesst und beschleunigt. Das Virus ist für die Welt letztlich ein Innovationsprogramm, weil die Umstände Innovation erzwingen, das war schon in allen Krisen so.

Und Anleger die in der Lage sind diesen Wandel zu erkennen und darauf zu setzen, statt tote Anlagepferde weiter zu reiten, nur weil diese eine lange Historie besitzen, haben durch das Virus auch jetzt immer noch immense Chancen vor sich!

Und jetzt denken Sie mal nach und identifizieren die Marktführer dieser Sektoren, dann haben sie gute Kandidaten für ihr Depot. Oder stossen sie zu unserer Community dazu, denn wir tun genau das und haben auch viele Firmen im Fokus mit positiven Sekundäreffekten von Covid. So verbergen sich zum Beispiel hinter dem "individuellen Reisen ohne Massenverkehrsmittel" auch ganz konkrete Überlegungen, die der Markt auch schon hat, weil die Kurse dort schon deutlich anspringen.

Also, die Gefahr einer zweiten Welle ist keineswegs gebannt, aber es macht keinen Sinn auf sie zu warten, weder im April noch jetzt. Stattdessen sind kluge Anleger selektiv optimistisch und sichern sich für den Fall des Falles nach unten ab.

Wenn man so agiert, braucht man kein Herumraten und muss auch nicht hinterher deklamieren, was man vorher alles gewusst haben will. Kluges Beobachten und Reagieren mit ruhiger Hand genügt dagegen, man muss es nur tun und da stehen wir Menschen uns oft selber im Weg.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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11 Wahrheiten der Krise

Eine Krise bringt die Wahrheit an den Tag, das ist eine alte Weisheit, die wir auch in diesen Monaten wieder erleben dürfen.

Vielen von uns wird es in den letzten Wochen so gegangen sein, dass wir manch öffentliche Person plötzlich aus einem ganz anderen Blickwinkel erlebt haben, als wir ihn bisher kannten.

Auch politische Frontlinien wurden viele Wochen lang durcheinander gewirbelt und individuelle ethische Grundüberzeugungen wurden viel wichtiger als Maßgabe für das eigene Handeln, erst in den letzten Wochen haben sich die politischen Lager dann wieder die Diskussionshoheit erkämpft.

Auch im privaten Umfeld hat bei vielen die Krise die Wahrheit ans Licht gebracht. Wir wissen nun viel eher, wer zuverlässig ist und wer nur an sich denkt. Wir wissen nun wer hilfsbereit und wer rücksichtslos ist. Wir wissen wer emphatisch und wer nur eine selbstverliebte Egobombe ist. Und wir wissen wer rational und wissenschaftlich denkt, die Komplexität und das teilweise Nichtwissen akzeptierend und wer lieber den Aluhut aufsetzt, weil er dringend einfache Antworten in einer zu komplexen Welt braucht.

Aber gerade auch bei der Geldanlage hat die Krise ein paar Wahrheiten wieder ans Tageslicht gebracht und Fehlentwicklungen sowie Lebenslügen enttarnt, was auch kein Wunder ist, viele Anleger sind nun im Markt, die erst nach 2009 dazu gekommen sind und ergo nie eine echte Krise erlebt haben.

Lassen Sie mich daher mal zusammenfassen, welche 11 Wahrheiten diese Krise bisher wieder besonders herausgearbeitet hat:

Erstens, es gibt kein absolute Sicherheit am Markt, jede Aktie, egal wie stabil in der Vergangenheit, kann bei der für sie "richtigen" Krise in existenzielle Nöte geraten.

Zweitens, zu erstens passend, stures Buy&Hold ist eine Lüge. Ruhiges Investieren ist richtig, es braucht aber immer den "Check", das Risikomanagement bei extremen Veränderungen. Auch Buffett hat das nun vollzogen und alle Fluglinien mit Verlust rausgehauen und den Kauf als Fehler bezeichnet. Ruhiges Buy&Hold&Check ist in Ordnung, blindes Buy&Hold ohne Check eine Lüge. Das gilt auch für Sektoren und damit Sektoren-ETFs, siehe Buffetts Entscheidung zu Airlines generell.

Drittens, eine Aktie die massiv gefallen ist und keine Lebenszeichen sendet, ist nicht "billig", sondern ein Pleitekandidat, mit dem man *alles* verlieren kann. Das kann man mit Sektoren-ETFs abmildern, aber auch nicht ganz ausschliessen, wenn ein ganzer Sektor ins Trudeln kommt.

Viertens, es ist gar nicht so schwierig einem schweren Einschlag wie Ende Februar aus dem Weg zu gehen, man muss es nur tun und die Technik dafür beherrschen. Wenn eine Vase von der Tischkante kippt, erkennen wir das Risiko auch sofort und sind in der Lage schnell zu handeln, dieser Absturz war nicht viel anders.

Fünftens, Risikomanagement ist in schweren Krisen Pflicht, wer nichts getan hat und jetzt wo die Kurse schon wieder ein gutes Stück hochgekommen sind denkt, dass doch alles nicht so schlimm gewesen sei, hat überhaupt nicht begriffen, dass ihn nicht die eigenen Fahigkeiten, sondern nur das pure Glück des historisch einmaligen Stimulus von Notenbanken und Staaten gerettet haben. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen, ohne die einmalige Geldschwemme von Staaten und Notenbanken, wären wir nun in einer schweren Depression, es gäbe reihenweise Pleiten, Firmen würden wie Dominosteine kippen und die Kurse wären 60-70% von den Hochs gefallen!

Sechtens, nach dem Absturz wieder in den Markt zu kommen ist schwieriger als rauszukommen, weil man ohne Glaskugel nie den perfekten Boden erwischt. Man sollte es auch gar nicht versuchen, sondern den Vorteil des vermiedenen Absturzes mitnehmen und in Scheibchen schön stufenweise wieder aufbauen. Denn unser Job als Investoren ist vor allem investiert zu sein, den schweren Krisen aber zumindest teilweise aus dem Weg zu gehen.

Siebtens, es ist Liquidität und der daraus entstehende Anlagedruck der Märkte bewegt, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt müssen Märkte steigen, egal wie die fundamentalen Daten aussehen. Denn der Markt ist *nicht* die Ökonomie, er war es nie und wird es nie sein.

Achtens, Dividenden waren nie, sind nicht und werden nie der neue Zins sein. Dividenden sind nichts weiter als der Sekundäreffekt von hohem Cashflow und guten Gewinnen. Nur gute, dauerhaft wachsende Firmen, können auch dauerhaft wachsende Dividenden ausschütten. Konzentrieren Sie sich also nicht auf die Dividendenhöhe, sondern darauf beständig wachsende Unternehmen zu finden! Ob diese dann eine Dividende zahlen ist nett und lobenswert, aber am Ende sekundär, siehe Amazon und viele Topaktien ohne relevante Dividende.

Neuntens, Kurse entstehen aus Erwartung, beim Markt im Zeithorizont von Monaten bis zu ca. einem Jahr. Es ist also Zukunft die an den Börsen gehandelt wird und nur Aktien mit guter Zukunft werden in Krisen auch relative Stärke und Stabilität zeigen. Alte Kennzahlen, Dividenden, Meriten der letzten Jahrzehnte, das hat in einer neuen Krise alles keine Relevanz, wenn es an Zukunft fehlt. Eine aussichtsreiche Zukunft und absehbares Wachstum stabilisiert Kurse, keine Lorbeeren der Vergangenheit!

Zehntens, Krisen sind wunderbare Zeiträume um zu lernen, Fehler zu erkennen und sich als Anleger weiterzuentwickeln. In Krisen können wir wachsen, aber nicht jeder schafft es das Wachstum zuzulassen. Denn Beharren, Sturheit, das Ego und irrationale Ängste sind unsere Feinde dabei, der Wahrheit ins Auge zu schauen, das Problem im Spiegel zu identifizieren und für uns Schlüsse zu ziehen. So ist jeder Anleger in dieser Krise seines eigenen Glückes Schmied und nicht die Umstände, denn auch diesen Crash von März hätte man so oder so durchleben können, der Unterschied liegt in uns und nicht in bösen Mächten.

Elftens, das Auf und Ab gehört zu den Märkten wie der Morgen zum Abend und das Yin zum Yang. Ohne den Abend würde es keinen Morgen geben und ohne den Crash keine Jahre der steigenden Kurse. Rein aus Anlegersicht, die mit unserer Sicht als Bürger nicht deckungsgleich sein muss, sollten wir diesen Crash des März also begrüssen und ihn für unsere Depots umarmen. Er ist wie ein frischer Gewitterguss nach einem drückend-schwülen Sommertag und der historisch einmalige Stimulus lässt "befürchten", dass uns wieder lange Hitzeperioden an den Börsen bevorstehen werden.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Warum steigen (und fallen) Kurse eigentlich?



Auch unter Anlegern die sich mit der Börse beschäftigen, gibt es oft eine erstaunliche Wissenlücke, die deshalb so erstaunlich ist, weil sie mit dem grundlegenden Verständnis zu tun hat, wie Kurse am Markt überhaupt entstehen.

Gehört hat jeder schon mal davon, dass "Angebot und Nachfrage" die Kurse bewegen und man spricht umgangssprachlich von "Zuflüssen" oder "Abflüssen" im Markt und von "Kaufdruck" oder "Abgabedruck", ohne darüber nachzudenken.

Wenn die Anleger dann aber anfangen darüber nachzudenken, stocken Sie oft und stellen fest, dass da irgendwo noch ein großes Wissens-Loch sein muss. Und dann kommen Fragen wie die, wie denn dem Markt überhaupt Geld zufliessen kann, weil jedem Verkäufer doch ein Käufer gegenüber steht? Das Geld im Markt muss doch also gleichgeblieben sein? Oder?

Denken Sie mal darüber nach. 😉

Zunächst einmal ist völlig richtig: Wenn man nur eine Transaktion betrachtet und ein Verkäufer eine Aktie einem Käufer für exakt den derzeitigen Marktpreis verkauft, fliesst dadurch dem Markt weder "Geld zu", noch bewegen sich dadurch die Kurse. Durch den Verkauf einer Aktie wird dem Markt also weder Geld hinzugefügt, noch abgezogen, die Aktie wechselt den Besitzer und fertig.

Ist das Gerede von "Liquiditätsdruck" und "Zuflüssen" also Unfug?

Nein, weil diese Sicht oben viel zu statisch ist. In Wirklichkeit stehen sich an einem geregelten Handelsplatz - auch Börse genannt - Tausende von Käufern und Verkäufern in einer Aktie gegenüber und jeder will irgendetwas.

Wenn sich die gleiche Zahl an Verkäufern und Käufern mit gleichem Volumen gegenübersteht - von nun an "Angebot" und "Nachfrage" genannt - bewegt das den Kurs auch nicht. Die ganzen Transaktionen laufen, die Aktien wechseln den Besitzer und dem Markt fliesst weder etwas zu, noch fliesst etwas ab.

Jetzt stellen wir uns aber ein Ungleichgewicht vor, da ist vielleicht zur Aktie gerade eine sensationelle Nachricht hereingekommen und ganz viele wollen so schnell wie möglich nun die Aktie im Depot haben. Dummerweise haben aber auch die potentiellen Verkäufer diese Nachricht mitbekommen und wollen plötzlich nicht mehr verkaufen, oder nur zu weit höheren Preisen.

Nun stehen an der Börse also Massen an potentiellen Käufern nur wenigen Verkäufern gegenüber. Und jetzt passiert letztlich etwas Ähnliches, wie das was Sie ähnlich auch von einer Auktion von EBay kennen - viele Käufer treiben den Preis.

Der Druck in dem großen Überhang an Käufern ist also immens "zum Schuss" zu kommen und dafür werden von der Nachfrage höhere Preise geboten, um die anderen aus dem Feld zu schlagen.

Am Ende bekommt ein Käufer nach dem Algorithmus der Börse den Zuschlag, die Transaktion findet statt und die Aktie wechselt den Besitzer, aber eben zu einem *höheren Preis* als noch vor einer Minute.

Dieser Preis-Mechanismus läuft aber in den elektronischen Systemen in Sekundenschnelle tausendfach automatisiert ab, weswegen die Kurse sich zu bewegen scheinen, obwohl es nur tausende solcher kleinen Einzeltransaktionen sind, die den Kurs als einzelne Transaktion nur mininal bewegt haben.

Und damit ist dem Markt auch Geld "zugeflossen", denn die Aktie, die vorher vielleicht 50 Milliarden Marktkapitalisierung hatte, ist durch einen Anstieg um 2% nun auf 51 Milliarden gewachsen. Diese eine Milliarde Differenz ist jetzt *zusätzlich* im Markt gebunden, man könnte also sagen, diese sei "dem Markt zugeflossen".

Der Gedankenfehler der bei der obigen Frage gemacht wird, ist aber zu glauben, dass das Geld real in den Markt "injiziert" würde. Insofern ist das Wort vom "Zufluss" eigentlich missverständlich und im engen Sinne falsch!

Denn injiziert wurde hier gar nichts, der höhere Preis durch den gestiegenden Kurs wurde vom Verkäufer vereinnahmt. Denn der Druck von Anlagegeld, das sich in erhöhter Nachfrage zeigt, hat zu höheren Preisen geführt, womit der *Buchwert* der vorhandenen Aktien höher bewertet wird. "Geflossen" ist also im engen Sinne nichts, aber der Druck der Nachfrage treibt den Buchwert der Bestände nach oben - so ist es sprachlich präzise richtig.

Die Bilder von "Liquiditätsdruck" und "Zufluss" der zu höheren Preisen führt, sind also im engen Sinne falsch bzw missverständlich, beschreiben aber den wirtschaftlichen Effekt bezogen auf das Gesamtsystem völlig richtig und werden daher zurecht verwendet. Nachfrage-Druck lässt die Preise steigen und macht alle Besitzer dieser Güter damit "reicher" in den Büchern. Ob aus dem Buchgewinn ein echter Gewinn wird, weiss jeder aber erst, wenn er die Aktie wirklich verkauft.

Dieser letzte Hinweis ist wichtig, denn alles ist erst einmal "Buchwert", bis jemand bereit ist dafür wirklich etwas zu zahlen.

Briefmarkenbesitzer sollten das gut kennen, denn wer sammelt heute noch Briefmarken? Weil das so ist, ist die Nachfrage eingebrochen und damit sitzen viele auf theoretischen Buchwerten, die aber keine realen Werte sind, weil ihnen niemand das real zu den Katalogpreisen abkaufen wird.

Auch für Immobilien gilt das und auch für Gold, die vermeintlichen "wahren Werte" sind auch erst einmal nur Buchwerte, denn wenn heute über Nacht jemand eine Atomumformung erfinden würde, mit der man Gold nahezu kostenlos konstruieren kann, würde niemand mehr Gold kaufen, die Nachfrage also kollabieren und der realer Wert sich daher schnell der Null annähern.

Alles ist also Buchwert, bis jemand real dafür kauft und es gibt daher auch keine andere objektive Wahrheit als diesen Preis, der real gezahlt wird. Diese Kurs-Differenzen an Märkten, machen an einem aktiven Handelstag mit 1 oder 2% Index-Bewegung Milliarden an Buch-Effekt in den Depots aus. Milliarden!

Die Aussagen von "Kaufdruck", oder "Liquiditätsdruck" sind also im Ergebnis zutreffend. Zutreffend ist auch, dass dem Markt umgangssprachlich dadurch Kapital "zufliesst", weil sich der Wert der Bestände in den Büchern (Depots) erhöht.

Ich versuche das mal mit einem absurden Beispiel zu erklären.

Wie stellen uns eine Aktie mit 50 Milliarden € Marktkapitalisierung vor. Am Tag werden an der Börse aber nur 100 Millionen € Volumen gehandelt.

Da wir in dem Beispiel eine Diktatur sind, hat der große Zampano beschlossen, dass Verkäufe von Aktien "un" sind - wahlweise "un-deutsch", "un-sozial", "un-progressiv" oder was auch immer. Wer verkauft, wird also an die Wand gestellt, weswegen es nur eine minimale Zahl ganz mutiger Verkäufer gibt.

Gleichzeitig kann aber nur der in dem Land etwas werden, der sich mit Aktien eindeckt. Weswegen nun ein massiver Überhang an Nachfrage existiert und dieser die Kurse stark steigen lässt.

Nehmen wir nun an, dass an diesem Tag wieder 100 Millonen € gehandelt werden und die Kurse mangels Verkäufern um 10% steigen. In Summe wurden dann also ca. 110 Millionen € gehandelt.

Objektiv additiv "zugeflossen" ist dem Markt dabei gar nichts, die 110 Millonen und darunter die 10 Millonen Anstieg, wurden unter glücklichen Verkäufern verteilt, die damit von dann ziehen.

Durch diese Kurssteigerung, hat sich die Marktkapitalisierung der Aktie aber um 5 Milliarden € nach oben geschoben! Jeder der die Aktie im Depot hat, wurde also massiv "reicher", reiner Buchgewinn natürlich, denn erst beim Verkauf wird sich zeigen, ob da wirklich jemand real das Geld für diesen Preis auf den Tisch legt.

10 Millionen zusätzliches Kapital, das über das normale Maß hinaus in Käufe injiziert wurde - die 10% Anstieg bezogen auf das tägliche Handelsvolumen - haben also einen Buchgewinn von 5 Milliarden bei den Anlegern erzeugt. Cooles Ding oder? Aber genau das ist Börse. 😀

Der Transmissionsriemen der das ermöglicht, sind die tausenden "Kurs-Matches" die von den Ordersystemen der Börse in jeder Sekunde durchgeführt werden und die bei Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage zu sich bewegenden Kursen und damit einer Veränderung der Marktkapitalisierung führen.

Ich wiederhole also, es ist durchaus "Liquiditätsdruck", der zu einem Überhang von Nachfrage führen kann und dann steigen die Preise und damit auch die Buchbewertung der Aktien, die schon irgendwo im Besitz sind.

Das Bild von "Kaufdruck" und "zufliessender Liquidität" ist also zutreffend, auch wenn es oft fehlinterpretiert wird und mit dem Handelsvolumen als Ganzes verwechselt wird oder geglaubt wird, dass die Gelder der Käufer an die Unternehmen oder in den Markt "fliessen" würden. Nein, die "fliessen" nur an die Verkäufer, entscheidend ist der Kurseffekt!

Klar ist damit aber auch:

Nur Angebot und Nachfrage bewegen *direkt* die Kurse an einem freien Markt. Punkt!

Und Angebot und Nachfrage entsteht typischerweise, weil sich Erwartungen an die Zukunft verändern, die zu einer Handlung verleiten. Insofern kann man auch ganz legitim sagen, dass primär Erwartungen die Kurse bewegen und der Markt damit gedanklich permanent in der Zukunft schwebt.

Denn all die anderen Dinge, die für Kursbewegungen angeführt werden, bewegen die Kurse nur *indirekt*, über den Transmissionsriemen der Erwartungen, die Angebot und Nachfrage erzeugen.

Gute Quartalszahlen erhöhen eben beispielsweise die Nachfrage und eine Schreckensmeldung erhöht das Angebot, weil sich die Erwartungen verändern. Machen Sie sich bitte klar, dass Sie selber auch genau so funktionieren. Sie sehen eine Meldung, diese macht sie auf etwas aufmerksam, verändert also ihre Erwartungen und Sie beschliessen zu kaufen oder verkaufen. Und in Folge steigen oder fallen die Kurse und die Marktkapitalisierung ändert sich.

So funktioniert Börse, womit auch klar ist, welchen grundlegenden Fehler ganz viele Perma-Bären machen, die sich von fundamentalen Ängsten vor schlimmen Krisen zum Kampf gegen den Markt verleiten lassen.

Etwas vereinfach gesagt, stellen wir uns die schlimmste Krise vor, die es gibt, die Welt geht unter! Stellen wir uns weiter vor, in diese Krise beginnen die Notenbanken jeden Tag Billionen zu "schöpfen" und damit massiv am Aktienmarkt auf Kauftour zu gehen. Aktuell sind wir da ja schon fast.

Die Kurse werden dann steigen, weil die Nachfrage das vorhandene Angebot überwältigt. Die Kurse werden mitten in der schlimmsten Krise der Menschheit steigen, denn der Markt ist *nicht* die Wirtschaft!

Welche Nebeneffekte das hat und ob außer den Notenbanken dann irgend jemand etwas davon hat, ist eine ganz andere Frage, aber die Kurse werden steigen!

Machen Sie sich das unbedingt klar, der entscheidende Treiber der Märkte ist Angebot und Nachfrage! Und die Nachfrage hängt wiederum mit der freien Liquidität zusammen, die Anlagenotstand hat.

Solange also freie Liquidität dringend eine Anlagemöglichkeit braucht, entsteht ein Nachfrage-Überhang und die Kurse werden weiter steigen, egal was irgendwelche Fundamentaldaten sagen. Und Politik und Notenbanken tun derzeit alles dafür, dass das so bleibt.

Fundamentaldaten sind also nicht unwichtig, aber für die täglichen Marktbewegungen sekundär.

Primär ist der Kauf- oder Verkaufsdruck, also die Menge an Kapital, die sich in Bewegung setzen will - Angebot und Nachfrage eben. Fundamentaldaten haben darauf einen Einfluss, weil sie Erwartungen verändern, sind aber nicht der einzige wichtige Faktor der auf die Erwartungen wirkt.

Ich hoffe, ich konnte den Zusammenhang deutlich machen. Alles leitet sich aus Angebot und Nachfrage ab.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Vom ewigen V und vom Stockpicking


Es gibt mittlierweile eine halbe Anlegergeneration, nämlich alle die seit 2009 in den Markt gekommen sind, die Börsenkrisen nur noch so kennen, dass jedweder Einbruch sofort in Form eines "V" wieder aufgeholt wird.

Kein Wunder dass es bei denen viele Stimmen gibt, die Risikomanagement für völlig nutzlos halten, weil sie kennen halt nichts anderes und haben nie erlebt wie es ist, sich wie 2000-2003 drei Jahre lang durch einen langen Bärenmarkt zu quälen, einen langen, langen Tunnel bei dem jedes Licht immer nur die Scheinwerfer des entgegenkommenden Güterzuges sind.

Dass sich das so geändert hat, hat natürlich einen offensichtlichen Grund und das sind die immer aggressiveren Stimulus-Maßnahmen von Staaten und Notenbanken, die nun ein historisch absolut einmaliges Ausmaß erreicht haben - es wird eigentlich nur noch über Billionen und nicht mal mehr von Milliarden gesprochen.

Irgendwann wird dieser Mechanismus sich überdehnt haben und alle die auf das "Rettungs-V" warten, werden ihr ganz grausames, anlagetechnisches Armageddon erleben. Ein Hauch dieses Gefühls war ja im März schon in der Luft, aber nach 30-40% Verlust drehte der Markt dann doch wieder nach oben - noch einmal gutgegangen. 😉

Aber dieser Moment ist Spekulation und nicht zwingend heute, weswegen auch die Perma-Bären und Crash-Propheten wohl wieder Unrecht haben werden, die seit 10 Jahren einen Crash vorhersagen aus Gründen, die auch jetzt wieder nicht maßgeblich sind. Das hindert sie natürlich nicht, den aktuellen Crash für sich zu deklamieren, auch wenn Ende 2019 natürlich niemand dieses Szenario auf dem Radar für 2020 hatte. Aber Haupsache irgendein Crash, damit man "Recht gehabt" rufen kann und die gläubigen Jünger werden auch dem folgen - passt doch. 😉

Noch haben Notenbanken und Staaten aber ein paar Drehungen in ihren Schrauben drin und können nachlegen, ein Umstand von dem ich wie Sie wissen für die nächste Krise sowieso fest ausgegangen war.

Und bevor diese permanente Steigerung der "Rettungsversuche" gegen die Decke prallt, wird es sicher noch Helikoptergeld und massenweise Aktienkäufe der Notenbanken auf breiter Front geben. Solange wir das noch nicht gesehen haben und auch noch keine breiten Schuldenschnitte, sind die "Powers that be" eher nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen.

Wir haben also auf der einen Seite eine Krise die so gewaltig und einmalig ist, dass diese ohne diesen massiven Stimulus locker für eine längere, schwere Depression gut wäre.

Wir haben auf der anderen Seite aber den nach historischen Maßstäben gewaltigsten Stimulus von Staaten und Notenbanken, den dieser Planet in der Neuzeit je gesehen hat.

Das ist wie die zwei Sumo-Ringer *Depression* gegen *Mega-Stimulus* im Clinch und es gibt keine historischen Vergleichsmaßstäbe, wer da den Sieg davontragen wird.

Faktum ist, dass der Markt mit dem Rebound nun der positiven Verlaufs-Erwartung folgt und nur dieser. Der Markt geht also davon aus, dass uns nun ein "New-Normal" bevorsteht, in dem das Wirtschafts-Leben weitergeht, zwar gedämpft aber doch in vielen Bereich nahezu normal - bis es dann eine Impfung gibt.

Das ist optimistisch, aber ist aktuell das dominierende Mantra, ähnlich wie Anfang Februar das Mantra war, dass das Virus eine rein chinesische Angelegenheit sei. So ein Mantra kann sich eben später durchaus als falsch herausstellen, Ray Dalio wird beispielsweise nun sicher peinlich sein, wie er Anfang Februar das Virus kleingeredet hat.

Hier der SPY als Abbild des Leitindex S&P500:

Es kann aber auch sein, dass sich das aktuelle Mantra als richtig herausstellt und sich von hier die Infektions- und Todeszahlen trotz Erleichterungen stabilisieren. Wenn das so sein sollte, ist der Markt auch dem aktuellen Niveau sinnvoll bewertet, weil man ja den Stimulus nicht vergessen darf. Wenn das so ist, werden wir die Tiefs vom 23.03. also nicht mehr wiedersehen.

Sollte diese Annahme sich aber als falsch herausstellen, wird es noch einmal brutal nach unten gehen und es ist alleine der Verlauf der Infektionen, der dabei der wesentliche Katalysator ist, weil dann alle Erleichterungen zurückgedreht werden müssen und dann kommt die richtige wirtschaftliche Depression erst.

Nun könnte man ja sagen, das sei ja völlig unberechenbar und dann könne man ja gar nichts machen. Aber diese Aussage ist selbst auf Basis der Indizes falsch. Denn der Rebound war Ende März sehr wohl zu erkennen und man konnte ihn mitnehmen - gezielt, selektiv, scheibchenweise - und nun ein mittleres Exposure im Depot haben, das dem Risiko angemessen ist.

Es gibt aber noch einen ganz anderen Effekt und das ist die Tatsache, dass uns die Indizes hier sowieso nur begrenzt weiterhelfen. Denn der Markt selektiert sehr wohl und das ganz massiv. Und solange nicht die ganze Welt in eine Depression abrutscht, sind die Firmen auch höchst unterschiedlich getroffen.

Schauen Sie hier Boeing (BA) oder Carnival Corp (CCL), Flugzeuge und Schiffsreisen. Für beide ist die Lage ein Desaster und die Aktien sind weiter toxisch, bei beiden stehen theoretisch Staatshilfen zum Überleben im Raum, die die Alt-Aktionäre dann schwer treffen würden:

Kein "V" weit und breit, oder?

Und nun schauen Sie hier Abbott Labs (ABT) und Amazon (AMZN), zwei Aktien die bei uns zum Investment-Universum gehören:

Das ist kein "V" mehr, das ist ein Raketenstart!

Man kann fast nicht glauben, dass alle 4 Aktien Bluechips des gleichen Index sind, aber so ist es!

Das sind zwei Seiten der gleiche Medaille des Marktes, die in den Indizes dann zu dem aktuellen Rebound führt.

Und deshalb sollten wir erkennen, dass die Indizes oder breiten ETFs in dieser Krise sekundär sind, denn die bilden den grauen Schnitt ab. Stockpicking zählt in dieser Krise, denn das Virus ist in seinen Auswirkungen extrem selektiv!

Mit Aktien wie ABT oder AMZN mussten wir auch gar nicht darüber grübeln, ob die Ansteckungszahlen wieder steigen und die Märkte nun doch erneut nach unten abknicken, ober ob die Märkte das nun erreichte Niveau stabilisieren können.

Es spielt schlicht keine Rolle, wenn wir die richtigen Aktien haben!

Und die immense Chance die dieser Crash mit seiner Unsicherheit generiert hat, ist in den Charts von Aktien wie ABT und AMZN auch perfekt zu sehen.

In der Panikphase Anfang März hat der Markt alles rausgehauen, weil breite ETFs und Fonds einfach alles abgestossen haben. Damit wurde aber auch Top-Qualität grundlos rausgeworfen und wer Ende Februar die Reissleine gezogen hat und dann scheibchenweise diese Qualität eingesammelt hat, kann sich nun nicht beklagen und hat ein großes Alpha zum Markt generiert!

Konzentrieren Sie sich also auf die richtigen Aktien und Sektoren, achten Sie auf die Charts, die haben diese Botschaften durchaus wie oben.

Kaufen Sie Stärke und glauben Sie nicht das "billige" Gurken schnell wieder steigen. Denken Sie mal ernsthaft darüber nach, wie lange es dauern wird, bis beispielsweise Touristik und Luftfahrt wieder in den Normalbetrieb können. Denn das wird erst nach einer Impfung, also wohl erst 2021 sein.

Aber andere Aktien und Sektoren sind kaum betroffen und es ist unser Job als Anleger uns darauf zu konzentrieren. Ob eine Aktie ein "Aristokrat" war oder irgend eine andere schöne, Sicherheit vorgaukelnde Vergangenheits-Schablone besass, spielt dabei keine Rolle, das ist alles Marketing.

Eine Aktie ohne Zukunft ist nicht investierbar, egal wie ihre Vergangenheit war. Und dieses Virus wird in der Welt einiges verändern.

So einfach ist das. Börse bewertet Zukunft, nur darum geht es an den Märkten und Vergangenheit ist kalter Kaffee. Und "past performance is not indicative of future results", wie auch diese Krise wieder eindrucksvoll bei vielen Aktien beweist.

Zum Abschluß will ich den 96-jährigen -> -> Charlie Munger <-<- in einem aktuellen Interview zitieren:

“Nobody in America’s ever seen anything else like this,” said Mr. Munger. “This thing is different. Everybody talks as if they know what’s going to happen, and nobody knows what’s going to happen.”

Halten Sie sich also von allen fern, die Ihnen nun eine "Sicherheit" verkaufen wollen, die gar nicht existiert.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Von Maß und Mitte

Heute will ich mal abseits von konkreten Kursen ein grundsätzliches Problem beleuchten, das wir uns gerade mit den diversen Notmaßnahmen, insbesondere der Notenbanken und Staaten einhandeln.

Frau Merkel hat ja im Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Krise von "Maß und Mitte" gesprochen, die wir in der Krise finden sollten. Eine Aussage die konkret für die epidemiologischen Fragen eher deplatziert erscheint, denn wenn man eine Pandemie eindämmen will, ist "Maß und Mitte" am Thema vorbei, dann geht es eher um "be fast and have no regrets" wie es WHO Director Michael Ryan -> hier <- beschrieben hat.

Wenn es aber um staatliche Rettungs-Billionen geht, ist "Maß und Mitte" wirklich eine sinnvolle Grundhaltung, leider läuft es weltweit nun eher umgedreht.

Bei den epidemiologischen Maßnahmen wurde eher zu lange gezögert und nun gibt es - nach nicht mal einer Woche Lockdown - schon wieder wildes mediales Geschnatter vom Ende des Lockdowns, das derzeit verfrüht und deplatziert ist, da alle gemeldeten Neuinfektionen heute, sich in der Regel noch *vor* dem Lockdown angesteckt haben.

Bei den fiskalischen Maßnahmen aber, schmeisst man derzeit mit "Rettungsbillionen" um sich und wirft jegliche Form von fiskalischer Disziplin über den Haufen, weil die Krise die Gegner in der Argumentation schwächt. Eine Lage frischen Schnees an "Rettungsmaßnahmen" legt sich über die Länder und die Frage ist berechtigt, ob diese tatsächlich notwendig sind.

Es scheint dabei jedes Gefühl für "Maß und Mitte" abhanden gekommen zu sein und an vielen Stellen scheint die Notlage einfach nur als Einfallstor und Hebel zu dienen, um alte poltische Wunschvorstellungen nun durchzudrücken, so zum Beispiel bei der Transferunion und den Eurobonds.

Versuchen wir uns der Sache doch mal rational und nicht ideologisch zu nähern und betrachten die Frage, ob diese massiven Maßnahmen nun wirklich notwendig sind.

Wenn wir davon ausgehen, dass wir nun noch monatelang in einer Art Lockdown leben müssen, dann würde ich diese Maßnahmen im Kern auch unterstützen, auch wenn wir selbst dann viele unsinnige Mitnahme- und Kollateraleffekte erleben werden. Aber es macht Sinn, dann den totalen Zusammenbruch der vernetzten Wirtschaft zu verhindern und es macht keinen Sinn, gesunde Unternehmen nur wegen kurzfristiger Liquiditäts-Engpässe Pleite gehen zu lassen. Grunsätzlich hat dieser Ansatz also durchaus meine Unterstützung, solange eben "Maß und Mitte" gewahrt bleiben und die Gesellschaftsordnung nicht gleich mit der "Rettung" mit ausgekehrt wird.

Und es gibt sowieso viele kleine Unternehmer, Selbstständige, Künstler und so weiter, die bei längerem Lockdown ohne Verschulden in ein Liquiditätsloch fallen werden und dass man diesen ermöglicht unbürokratische Notkredite aufzunehmen, ist nicht zu kritisieren und völlig richtig. Ein Notkredit ist ja auch kein Geschenk, er hilft einfach über eine unverschuldete Krisenphase hinweg. Bis hierhin unterstütze ich den Rettungsansatz im Notfall ausdrücklich!

Nur beginnt die Politik ja aber schon ziemlich eindeutig von einer Teil-Auflösung des Lockdowns nach Ostern zu sprechen, insbesondere für die Jüngeren, weil "das Land das nicht aushalte".

Da ist durchaus etwas dran, ich kann die Logik nachvollziehen, weil irgendwann tatsächlich die negativen Folgen des Lockdowns größer sind, als die Folgen des Virus selber. Für eine Zeit von 3 Wochen wäre das falsch, diese Zeit kann eine gesunde Volkswirtschaft im Lockdown definitiv durchstehen, bei 3 Monaten hätte ich aber auch meine Zweifel.

Das Dumme und Ärgerliche ist aber, dass wenn man wirklich nach 3 Wochen wieder "aufmacht", viele der fiskalischen Nothilfen *nicht nötig sind* und sogar *kontraproduktiv* sind!

Denn sagen wir es mal deutlich, zeitlich begrenzte Krisen gehören zur Wirtschaft und sind gesund, weil sie wie eine Gesundheitspolizei die schwächsten Unternehmen aussortieren und daher danach wieder mehr Freiraum für die Gesunden schaffen. Die wirtschaftlichen "Zombies" werden dahin überführt, wo sie hingehören - in die Holzkiste, auch Insolvenz genannt und das ist volkswirtschaftlich genau richtig so!

Ein Unternehmen aber, das derzeit so schwach auf der Brust ist, dass es nicht einmal 3 Wochen aus den eigenen Reserven und Banklinien überleben kann, hat meiner Meinung nach *eine Rettung nicht verdient*.

Diese Aussage gilt auch ausdrücklich für die Gesellschafter und Manager, die zu dieser Schwäche des Unternehmens potentiell beigetragen haben, in dem Gewinne zu schnell privatisiert wurden und nicht als Notreserve im Unternehmen belassen wurden, weswegen eine Sozialisierung der Pleite auch nun höchst unfair für den Rest der Gesellschaft wäre.

Insofern habe ich nun doch ein Problem mit den Rettungsbillionen, die so freizügig gestreut werden. Entweder fahren wir nun einen konsequenten Lockdown, der sich primär nach epidemiologischen Vorgaben richtet und durchaus lange dauern kann, dann bin ich prinzipiell *für* einen selektiven Rettungsansatz. Oder wir stellen die Wirtschaft in den Vordergrund, gehen schon nach 3 Wochen wieder in Richtung Normalmodus und dann sehe ich keinen Grund Steuergelder für Firmen zu verbrauchen, die ein Überleben nicht verdient haben.

Ich habe ehrlich großen Zweifel, ob wir die Interventionisten und "Retter" wieder loswerden, die die Krise nun auf den Plan gerufen hat. Dass zu einer gesunden Wirtschaft auch ein gesunder Ausleseprozeß gehört, hat keine Lobby in Politik und Bevölkerung, der Reflex ist immer, schon längst überflüssig gewordene "Zombies" mit dem Argument der Arbeitsplatzsicherung noch durchzuschleppen, nicht verstehend, dass man damit viel mehr neue Arbeitsplätze an anderen Stellen torpediert und die Zombies am Ende doch Pleite gehen, nachdem man Steuermilliarden da versenkt hat.

Wie schnell solch unsinniger Mißbrauch aufkommt, können wir zum Beispiel bewundern, wenn beispielsweise ein hoch liquider Weltkonzern wie Adidas - ermöglicht durch das -> neue Covid-19-Abmilderungs-Gesetz <- - nun -> einfach für geschlossene Läden keine Miete mehr zahlt! <-

Adidas, die vergleichsweise in Liquidität schwimmen, bekommen also einen Hebel sich einen Vorteil zu ergattern und nutzen ihn sofort. Andere werden folgen, die es auch nicht nötig haben und sich unsolidarisch einfach einen Vorteil ergattern. Der Vermieter aber, der vielleicht wirtschaftlich viel schwächer als Adidas dasteht, hat dagegen den schwarzen Peter gezogen.

Adidas ist ein schönes Beispiel für die Negativeffekte von mit heisser Nadel gestrikten "Notfall-Gesetzen". Das kann keiner gut finden und zeigt, dass die Rettungsarie schon Schlagseite hat.

Abgesehen davon sollten wir uns keiner Illusion hingeben, jemand wird die Rechnung für diese "Rettungen" nach der Krise präsentiert bekommen und ich kann Ihnen auch heute schon sagen wer das ist: nicht Adidas, der Profiteur, sondern die sogenannten "Reichen", womit präzise gesagt über 80% der Leser dieses Blogs gemeint sein dürften, weil der absurde, vom Bild einer wohlig-warm-miefig-gleichgerichteten "Volksgemeinsschaft" geprägte Reichenbegriff bei uns ja jeden umfasst, der sich erdreistet schon ein überdurchschnittliches Gehalt zu beziehen oder - Gott bewahre - unternehmerisch erfolgreich zu sein. Die vielen kleinen Leistungsträger der Gesellschaft werden also dafür blechen, Weltkonzerne die sich einen schlanken Fuß machen dagegen garantiert nicht!

Wer also gut gewirtschaftet hat und als Unternehmen Reserven gebildet hat, wird durch die "Rettungen" doppelt gestraft. In der Krise wird ihm der Vorteil gegenüber den verantwortungslosen Gesellen genommen, weil diese dank Hilfe trotzdem überleben können und der Markt nicht bereinigt wird. Nach der Krise wird es höhere Sondersteuern auch für die geben die keine Hilfe brauchten, weil man ja vermeintlich so von der "Rettung" profitiert hat.

Dass am Ende genau dieser Mechanismus einer Volkswirtschaft schadet, weil er Moral Hazards generiert und Fehlverhalten fördert, ist völlig klar, wird aber weder verstanden noch will es jemand hören.

Erneut, damit es da keine Missverständnisse gibt, ich bin ja nicht gegen liquiditätssichernde Notmaßnahmen, man darf aber in der "Rettungswut" auch nicht über das Ziel hinaus schiessen.

Aber auch im Grösseren sehen wir diese Mechanismen, wenn wir -> von der Aggressivität des italienischen Premiers <- lesen, der nun vermutlich die große Chance sieht, eine Vergemeinschaftung der Schulden via Eurobonds durchzusetzen.

Die Krise ist dabei nach meiner Einschätzung nur ein Mittel, das mit großer moralischer Inbrunst für den eigenen Vorteil genutzt werden soll, denn Italien hat ja derzeit gar kein Problem Schulden für die Krise aufzunehmen, die EZB und die EU haben schon längst alle Schleusen und Begrenzungen geöffnet. Aber mit den Folgen höherer Zinsen sollte man dann auch leben, so wie es sich gehört, zumal diese durch die Aufkaufprogramme der EZB doch sowieso schon weit unter den realen Marktzins gedrückt werden.

Was hier versucht wird ist für mich verwerflich und hat mit der Krise nichts zu tun. Auch hier haben wir die Parallelität zum obigen Thema des Moral Hazards, wer als Staat bisher solide gewirtschaftet hat, hat am Ende den Nachteil davon und soll dem Schuldensünder sein bisheriges Verhalten finanzieren, weil der "gerettet" werden muss. In dem Zusammenhang erinnere ich wieder daran, dass das statistische Vermögen von Italienern höher als von Deutschen liegt, ein Umstand der gerne verschwiegen wird und auch der Umverteilung im Euro geschuldet ist - ich habe darüber in der Vergangenheit schon öfter geschrieben.

Jetzt höre ich gleich die Stimmen, die an die "Solidarität mit Italien" appellieren, was aber beim Thema Eurobonds völlig am Thema vorbei ist.

Mangelnde Solidarität haben wir in Europa tatsächlich und ich empfinde es als eine Schande. Das ist aber die konkrete Solidarität bei Masken, bei Schutzanzügen, bei Atemgeräten, bei übernommenen Patienten und auch bei Hilfsgeldern die direkt ins Gesundheitssystem gehen.

Hier fehlte es zuletzt deutlich an Solidarität, wo sind denn die Lastwagen-Kolonnen gewesen, die nach Norditalien Hilfsmaterial aus Österreich, Deutschland, Dänemark, Polen etc transportiert haben? Ich habe keine gesehen und das ist etwas, worüber der italienische Premier tatsächlich wütend sein darf, das wäre echte Solidarität gewesen. In der Krise ist sich scheinbar jeder selber der Nächste und kein Mensch braucht so ein Europa, das sobald es eng wird, gleich wieder nur an sich selber denkt.

Das darf man kritisieren, das muss man kritisieren, mit dem Wunsch individuell gemachte Schulden zu vergemeinschaften, hat das alles aber rein gar nichts zu tun und macht auch keinen Patienten gesund, der nun in der Intensivmedizin um jeden Atemzug ringt.

Das Virus nun als Hebel zu benutzen um Widerstände zu beseitigen, ist politisch geschickt, aber ebenso zerstörerisch für die europäische Solidarität, wie absurde Auslieferungsstops für Masken in befreundete Nachbarländer.

Machen wir es doch mal konkret und wischen diese ganzen Girlanden weg, die gerne zur Vernebelung des Kerns benutzt werden.

Stellen Sie sich vor, Sie haben in Ihrem Wohnhaus in der Krise einen Nachbarn, mit dem Sie solidarisch sein wollen. Der Nachbar ist selbstständig, hat weniger Geld als Sie und wird durch die Krise so schwer getroffen, dass er Probleme hat sich nun notwendige Medikamente, Desinfektionsmittel und so weiter zu kaufen.

Wenn Sie dem nun die Tür zuknallen, sind Sie ein unsolidarischer Holzklotz und sollten sich schämen! Die Solidarität gebietet es, dass Sie dem etwas von ihren gebunkerten Desinfektionsmittel abgeben und ihm auch an anderer Stelle unter die Arme greifen. Daran gibt es keinen Zweifel, wer das nicht tut, handelt egoistisch und unsozial.

Nun machen Sie das aber, der Nachbar erdreistet sich aber trotzdem an Ihre Tür zu bollern und Sie mit moralischem Unterton laut aufzufordern, nun mitzukommen und bei seiner Bank für seine Schulden zu bürgen, weil wir ja in der Krise alle im gleichen Boot sitzen würden. Hallo?

Was würden Sie tun? Ihm die Tür zuknallen und vielleicht die Polizei rufen und richtig so!

Wer Schulden für Ausgabenprogramme und Versprechungen an Wähler macht, muss auch später für die Konsequenzen gerade stehen und kann diese nicht an Dritte abladen. Es muss immer eine Einheit der Verantwortung geben.

Wer dieses Grundprinzip schleifen will, zerstört langfristig unser Wirtschaftssystem und unseren Wohlstand und ersetzt es durch eine Kleptokratie, in der der Stärkste, Lauteste und Skrupeloseste die Macht hat. Auch eine Pandemie kann dafür keine Ausrede sein!

Man kann also sehr wohl Eurobonds einführen, aber genau dann wenn man das italienische Staatswesen auflöst und einer Euro-Zentralregierung überantwortet. Dort ist dann die Entscheidung und die Verantwortung für die Folgen wieder in einer Hand, so wie es richtig ist. Dass aber italienische Politiker an Ihre Wahl-Klientel Versprechungen machen, deren Folgen deutsche Wähler dann mitzufinanzieren haben oder natürlich auch umgedreht, ist in jeder Hinsicht indiskutabel und verwerflich und hat mit der Corona-Krise absolut nichts zu tun!

Sie sehen, unerkannt von der Öffentlichkeit, die auf das Virus starrt, fehlt es der wirtschaftlichen und finanzpolitischen Diskussion nun in meinen Augen zunehmend an "Maß und Mitte".

Davor bekomme ich zunehmend Sorge, die Geister die man rief, wird man dann nicht mehr los.

Ihr Michael Schulte (Hari)

Vom Boden



Es ist bei großen Krisen immer das Gleiche. Bei jeder kleinen Gegenbewegung sind sofort einige da, die einen Boden wittern und die Aktien nun für Schnäppchen halten. Bei 10% Minus, bei 20%, bei 30% und so weiter.

*Irgendwann* haben diese zu zappeligen und vorschnellen Käufer auch Recht, irgendwann entwickelt sich aus einem finalen Ausverkauf auch wirklich ein Boden, dumm ist nur, dass man das erst hinterher weiss und Kurse in schweren Krisen gerne tiefer fallen, als man sich zu Beginn vorstellen konnte.

Dabei ruhig zu bleiben und nicht zu schnell FOMO zu erliegen - der "Fear Of Missing Out" - hilft uns auch ein typischer Ablauf solcher Korrekturen, nennen wir es das "Standard-Modell". In dem Modell setzt nach einem massiven Ausverkauf eine starke Gegenbewegung ein, die typischerweise bis maximal zur Hälfte des Absturzes nach oben schiebt. Beim S&P500 würde das aktuell Potential bis etwa 2.800 begründen.

Danach entwickeln sich im Standardmodell neue Zweifel, lassen die Kurse erneut fallen, die Ausverkaufstiefs testen und im Idealfall drehen die Kurse dann vorher und dann ist der Boden da. Dann, nicht am Ende des ersten Ausverkaufs!

Weswegen es eben wenig Grund gibt, permant von FOMO getrieben in ein fallendes Messer hinein zu greifen, nur weil man meint, nun seien die Kurse weit genug gefallen.

Ja, erste Teilkäufe bei echten Qualitätsaktien können durchaus Rationalität haben, da man den exakten Boden sowieso nie trifft, macht ein scheibchenweiser Einstieg sowieso Sinn. Aber das wirkliche Einstiegssignal kommt eben nicht am Ende des ersten Absturzes, es kommt im Standard-Modell erst später danach.

Und auch klar ist, dass das Standardmodell nur in vielleicht 60-70% der Fälle richtig ist, Wert hat es trotzdem, sich daran zu erinnern.

Damit stellt sich vielen nun natürlich die Frage, wann dieser Zeitpunkt denn beim aktuellen Geschehen rund um Covid-19 gekommen ist?

Gerne werden dann eindimensionale Antworten gegeben oder man orientiert sich am eigenen Risikoempfinden, das aber sowieso nicht sychron mit dem Markt ist und daher ungeeignet.

Es wird nicht bis zum Ende der echten Krise dauern und auch nicht bis wir als Bürger aus dem Lockdown heraus dürfen, bis der Markt einen neuen Morgen riecht. Es genügt schon, dass ein Abflauen der Infektionen absehbar ist und der Markt wird mit neuem Zutrauen wieder steigen.

Und dabei kann uns nun der Lockdown immens helfen, der nun auch bei uns in Europa in Gang ist. Man kann nur hoffen, dass auch die US bald durchgreifende Maßnahmen beschliessen, denn erst ab dann besteht eine Chance, dass drei Wochen später die Fallzahlen zu fallen beginnen.

Gerne wird dann eindimensional argumentiert, dass ja diese Maßnahmen in der Wirtschaft viel mehr Schaden anrichten würden als das Virus. Das ist aber grundfalsch, denn die Wirtschaft kann mit planbaren Auszeiten gut umgehen, nicht aber mit monatelanger Unsicherheit. Eine 2-monatige Auszeit werden die meisten Firmen mit ihren Reserven überleben, ein unplanbares Chaos den Rest des Jahres dagegen nicht.

Ein Lockdown zieht auch den Moment der maximalen Unsicherheit nach vorne, genau das was wir gerade erleben. Wir sind dann persönlich betroffen und die Börsen rauchen ab, mehr gefühlte Krise geht gar nicht. Das Maximum der Angst ist aber auch gerne der Moment, an dem der Markt seine Tiefs auslotet.

Natürlich ist das Virus nach dem Lockdown nicht weg, das ist doch völlig klar und natürlich geht die Durchseuchung weiter, die entscheidende Frage ist aber ob chaotisch oder geordnet und der Umgang der Gesellschaft mit dem Problem ist nach dem Lockdown ein ganz anderer.

Es hat sich dann ein neuer "Modus Operandi" gefunden, wie das Leben mit verringerten Sozialkontakten weiter geht. Auch die Diskussionen um die Notwendigkeit der Maßnahmen sind weg. Kliniken und Firmen haben dann auch einen neuen Operationsmodus gefunden, der zwar wirtschaftlich gedämpft ist, aber das Leben weitergehen lässt.

Letztlich geht es darum, *jetzt* dem Monster der exponentiellen Entwicklung den Kopf abzuschlagen und damit ein handelbares Plateau zu erreichen, mit dem wir dann eben 1-2 Jahre leben müssen, bis Impfungen da sind.

Und genau das kann dieser Lockdown nun schaffen, je schneller er auch in den US kommt, desto besser.

Dass man dafür 2 unnötige Wochen noch gewartet hat und den Karneval noch hat laufen lassen, obwohl der Verlauf absehbar war, ist eigentlich unverzeihlich aber aus Sicht der Politik verständlich, wenn man sich selbst jetzt noch die Ignoranz von Teilen der Bevölkerung anschaut, was "Social Distancing" angeht.

In dem Zusammenhang empfehle ich uns allen mal -> dieses kurze Video von WHO Direktor Michael Ryan <- anzuschauen.

Was er mit "Be fast, have no regrets" als richtige Haltung in Krisensituationen beschreibt, entspricht dem was wir an der Börse "If panic, panic first" nennen und dessen Wahrheit im Absturz ja wieder bewiesen wurde.

Genau so ist es mit dem Containment dieses Virus, das genau dann perfekt gelingt und die ökonomischen Folgen minimiert, wenn man sofort konsequent agiert, wie es Taiwan beispielhaft getan hat und trotz der Nähe zu China nun kaum betroffen ist. Wer dagegen aus Angst vor wirtschaftlichen Folgen zu lange zögert, wird diese Folgen erst richtig schmerzhaft bekommen.

Wir werden nun also in Europa 2-3 Wochen stark steigende Fallzahlen erleben, die 2 wöchige Inkubationszeit plus die ca. 1 Woche die es braucht, bis der Zustand der schwer getroffenen Patienten sich dramatisch verschlechtert, werden ihre unerbittliche, mathematische Wirkung entfalten. Da ist schon Realität und unvermeidbar, das ist die Folge der Fehler die schon gemacht wurden.

Danach aber im April, besteht die Chance dass sich die Fallzahlen wie in China und Südkorea stabilisieren. Das alleine wird dem Markt schon immens gut tun und genau das ist der Punkt. Sobald dieser neue Modus Operandi gefunden ist, den China gerade im Begriff ist herauszufinden, wird der Markt vielleicht einen Boden finden können, denn das ist durchaus eine belastbare Grundlage.

Jeder weiss ja, dass das Problem sowieso vorbei ist, sobald Impfungen da sind und/oder die Durchseuchung der Bevölkerung hoch genug ist und damit ein Herdenschutz existiert. Wenn die Welt auf dem Weg dahin ein Plateau findet, geordnet mit immer wieder aufflammenden Neuansteckungen umzugehen, ist auch das eine belastbare Grundlage und der Markt wird schon steigen, weil er das Ende und die Impfungen schon vorweg nimmt.

Dann werden auch die massiven Liquiditätschübe der Notenbanken und die staatlichen Ausgabenprogramme ihre Wirkung entfalten. Die können zwar niemanden gesund machen und auch den Lockdown nicht verkürzen, aber den wirtschaftlichen Wiederaufstieg extrem beschleunigen und verstärken, weswegen Vergleiche mit dem langsamen Rebound nach der spanischen Grippe wohl falsch sind.

Heute, Montag früh, scheinen die massiven Maßnahmen der Notenbanken noch das Narrative der allgemeinen Panik zu bestätigen, ihre Wirkung werden sie trotzdem haben, nur verzögert, weil es erst Hoffnung an der Front der Infizierten braucht.

Heisst konkret für eine Bodenbildung:

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Covid-19 und der Zeithorizont

Krisen wirken an der Börse wie ein reinigendes Gewitter. Sie decken Schieflagen auf, bestrafen Fehleinschätzungen und bringen die Erwartungen wieder auf ein angemessens Maß, von dem aus sich wieder ein belastbarer Aufwärtstrend in Gang setzen kann.

So wird das auch mit der aktuell begonnenen Corona-Krise sein, Firmen mit zu geringer Kapitaldecke in den betroffenen Sektoren werden in die Pleite kippen und Anleger denen der Sinn fehlt exponentielle Entwicklungen zu begreifen, werden immensen Druck spüren.

Im Umgang mit so Situationen ist dabei extrem wichtig, sich über den -> Zeithorizont <- der eigenen Absichten im Klaren zu sein und alles was man zum Thema liest darauf zu überprüfen, ob die Aussagen sich überhaupt darauf beziehen.

Nehmen wir an, ich würde jetzt von fallenden Kursen sprechen, dabei aber unausgesprochen die kommende Woche meinen. Welche Bedeutung hätte diese Aussage für jemanden, der langfristig anlegen will? Ich sage es Ihnen: Keine!

Genau dieses Hinterfragen passiert aber in der Regel *nicht*. Die große Mehrheit der Anleger ist sich des Problems noch nicht einmal bewusst, sondern interpretiert mediale Aussagen ohne Nachdenken im eigenen Kontext, auch wenn diese sich gar nicht darauf beziehen.

In Folge lässt sich der Investor dann von kurzfristigen Korrekturen aus der Bahn werfen und der Trader lässt sich von einem profitablen Trade abhalten, weil das Unternehmen langfristig wenig Zukunft hat.

Das ist aber falsch und ein zentrales Problem, gerade in so emotional schwierigen Krisenphasen wie aktuell!

Denn die Realität ist, dass der Markt kurzfristig steigen kann, mittelfristig fallen und langfristig weiter steigen! Und alle drei Aussagen können gleichzeitig *wahr* sein und wer das aber miteinander vermengt, wird nur Fehler machen und Verluste ernten.

Sie werden jetzt vielleicht denken "aber ich doch nicht". Das kann sein, dann gratuliere ich Ihnen, das Risiko ist aber hoch, dass Sie sich dabei etwas vormachen. Und das will ich Ihnen jetzt beweisen.

Denn ich habe nun am gestrigen Freitag zum dritten Mal -> hier bei Twitter <- meine Version des klassischen Sentiment-Zyklus eingestellt, der in Krisen von vielen Anlegern durchlaufen wird.

Der hat übrigens nichts direkt mit einem Kursverlauf zu tun, wie das vielfach hinein interpretiert wird, er stellt dagegen unsere emotionalen Schwankungen dar, mit denen wir Menschen bei dynamischen Entwicklungen eher hinterher laufen und ist auch für zyklische Krisen abseits der Börsen oft zutreffend.

Aber lassen wir das mal beiseite, der von mir implizierte - aber bewusst nicht explizit gesagte - Zeithorizont ist natürlich mittelfristig und bezieht sich auf die Krise rund um Covid-19, die im besten Fall in wenigen Wochen vorbei ist, im schlechtesten Fall aber viele Monate bis ein Jahr und über den nächsten Winter hinweg andauern wird - bis Impfungen am Horizont auftauchen.

Wenn Sie auf die Antworten in allen Tweets schauen - für die ich mich ausdrücklich bedanke - finden Sie eine erstaunliche Breite der Einschätzung, es scheint keinerlei Konsens zu geben.

Wenn man aber genauer hinschaut erkennt man, dass viele ohne nachzufragen den *Zeithorizont* subjektiv einordnen und zwar alleine basierend auf ihrer eigenen Wahrnehmung.

So gab es bei den ersten beiden Frage-Runden Stimmen, die schon "Panik" sahen, während zB die aktuellen -> AAII Daten der US Privatanleger <- noch viel zu viel Optimismus und Beschwichtigung zeigen.

Trotzdem können diese "Panik-Wertungen" absolut zutreffend sein, wenn man sich nur auf der kurzfristigen Zeitebene bewegt und die Frage nur für die erste Abwärtsphase beantwortet, die vorletzte Woche durchgelaufen ist. Da waren wirklich Panik-Effekte am Markt sichtbar, aber eben nur bezogen auf einen kurzfristigen Zyklus, der aber in weit längere Zyklen eingebettet ist.

Andere sagten, dass wir mangels Euphorie noch im Anstieg sind und gar nicht in der emotionalen Abwärtsbewegung.

Auch das kann durchaus wahr sein, wenn man sich den langfristigen Hut aufsetzt, denn dieser Bulle hat noch gar keine Euphorie gesehen. Und ich persönlich gehe hier auch von einem temporären, zyklischen Bärenmarkt aus, der aber in einen übergeordneten sekularen Bullenmarkt eingebettet ist. Auf gut Deutsch: Auch das geht vorbei!

Ja und dann haben wir natürlich auch die mit dem inneren Drang, der Welt mitzuteilen wie "cool" sie aktuell noch sind. Die gehören auch ganz typisch zu diesen Zyklen, auch wenn sie glauben nicht Teil davon zu sein, denn die Motivation das mitzuteilen kommt natürlich auch aus unserem Emotionshaushalt. Alles was wir tun hat eine Motivation, auch Kommentare in sozialen Medien.

Ich persönlich erwarte auf aktuellem Wissensstand nicht, dass wir hier mit Covid-19 ein Lehman-Szenario vor uns haben, denke aber schon, dass diese Korrektur und ihr Auslöser das Potential haben zu etwas Größerem als nur einer 08/15 Korrektur zu werden - wie sie im typischen Börsen-Jahr regelmässig 1-3 mal auftreten. Das Potential, nicht die Gewissheit, die Zukunft ist unbestimmt - weswegen man aber die aktuelle Krise ernst nehmen sollte.

Übrigens ist es ja völlig richtig Ruhe zu bewahren, wenn man eine langfristige Anlage-Strategie fährt, auch diese Krise wird vorbeigehen. Und es ist auch wichtig und völlig richtig nach vorne zu schauen und zu erkennen, dass diese Krise *immense Anlage-Chancen* schafft, wie wir sie teilweise seit 2009 nicht gesehen haben! Wer jetzt also Liquidität erzeugt hat, die er später wieder investieren kann, hat allen Grund für Vorfreude und nicht für Angst!

Auch dabei spielt aber der Zeithorizont eine entscheidende Rolle, denn wenn Sie sich ein Lehman-Szenario mit 70% Minus vorstellen, braucht man einen sehr langen Zeithorizont von mindestens 10 Jahren um voll investiert noch zuverlässig gelassen sein zu können.

Der 65-Jährige, der bald mit dem Depot seine Rente beginnen wollte, hat dann ein erhebliches Problem - zumindest ein emotionales Problem, selbst wenn die Ausschüttungen nicht gesenkt würden. Und der Familienvater in den 40ern, der in 6 Monaten das Haus der Familie damit finanzieren wollte, hat auch ein Problem und zwar ein massives, bei dem "Coolness" keine Option ist.

Aber in so extremen Krisen werden dann bei einigen Unternehmen auch Ausschüttungen gesenkt oder fallen ganz aus und dass ein Unternehmen bei der letzten Krise stabil war beweist dann wenig, weil bei einer langen Pandemie andere Unternehmen in existenzielle Nöte geraten werden, als bei einer Finanzkrise. Jede Krise ist eben anders. Oder mit anderen Worten, Schlangen vor Banken gibt es in der Pandemie weniger, weil die Leute Schlangen gerade vermeiden wollen. 😛

Schlimm wäre übrigens, wenn eine Pandemie zur Kreditkrise führt, dann wird es in Kombination richtig übel, aber da sind wir noch nicht, das sind noch abstrakte Risiken.

Auch bei den Betonungen der Coolness ist also eigentlich klar, dass diese ohne Aussage zum persönlichen Zeithorizont wertlos sind, denn auch völlig berechtigte Coolness braucht einen zeitlichen Kontext.

Sie sehen daran, wie unterschiedlich man diese Grafik werten kann, je nachdem auf welcher Zeitebene sich die Gedanken bewegen. Und Sie sehen, wie wir fast alle auf mediale Aussagen reagieren, ohne uns ernsthaft zu fragen, ob das medial Gesagte überhaupt zu unserem eigenen Zeithorizont passt und darauf überhaupt bezogen war.

Die mediale Schlagzeile "Der Crash steht bevor" schreckt uns also auf und viele denken dann nicht darüber nach, wie weit dieser Crash denn in der Zukunft liegt und was bis dahin alles passieren kann und ob dieses Risiko derzeit überhaupt Relevanz hat. Wäre es anders, würden nicht Heerscharen an Anlegern seit 10 Jahren den diversen Crash-Propheten hinterherlaufen, während der Markt weit überwiegend gestiegen ist und man die aufkommende Corona-Krise problemlos jetzt erkennen und darauf reagieren konnte.

Fazit:

Das fehlende Bewusstsein über den eigenen Zeithorizont und die fehlende Differenzierung, auf welche Zeitebene sich Aussagen Dritter beziehen, ist ein zentraler und in der Regel teurer Fehler, den sehr viele Anleger machen.

Gerade in Krisen wie aktuell, ist es absolut essentiell, dass Sie sich über *Ihren* Zeithorizont bewusst werden, der mit *Ihren* Plänen und Absichten im Einklang stehen muss.

Und dann sollten Sie sich nicht von jeder Schlagzeile aufschrecken lassen, sondern nur von denen, die sich wirklich auf Ihre Zeitebene beziehen!

Ach ja - wenn ich nächsten Freitag die Frage zum Sentiment-Cycle wieder stelle, dann wissen Sie, dass diese sich eindeutig auf den Krisenverlauf rund um Covid-19 und die damit verbundenen Auswirkungen an den Märkten bezieht.

Die Frage hat also einen mittleren Zeithorizont im Sinne Wochen bis Monate, aber weder Tage noch Jahre.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Wie ist das möglich?

Kann sich der Markt wirklich so "irren"? Wie ist das möglich? Soll der nicht immer Recht haben?

Das ist die Frage, der ich mich heute im Angesicht der Entwicklung der letzten Woche nähern will:

Denn die Mr-Market-Mitglieder in der Community wissen genau, dass ich seit Ende Januar darüber irritiert war, dass der Markt die offensichtlichen, aus dem Virus erwachsenden Risiken nicht einpreisen wollte.

Und auch Sie hier im freien Bereich haben das von mir in -> Die große Disssonz <- deutlich vor dem Absturz gehört.

Wie kann sich der Markt also so "irren"?

Das Problem ist, dass das Wort "Irren" dabei falsch benutzt wird, denn bei den meisten Dingen im Leben weiss man erst hinterher, ob eine Einschätzung ein Irrtum war oder nicht. Hinterher ist man immer klüger.

Der Markt war - wie heute auch noch viele Bürger bei uns - fest in der SARS/MERS Analogie gefangen, nach der so eine Pandemie schnell vorbei ist und kaum Folgen für die Wirtschaft hat. Das war ja auch eine naheliegende Annahme, wenn man im Leben bisher keine anderen Erfahrungen als diese schnell begrenzten Ausbrüche hat.

Ähnlich ist die Analogie zur Influenza einzuordnen, die immer noch fröhlich durch die sozialen Medien läuft, wenn man nichts anderes kennt, ordnet man es da halt ein. Aussagen der Virologen, dass das Virus um Faktoren tödlicher zu sein scheint, werden dann verdrängt.

Ich habe in den letzten Wochen unzählige Charts mit Vergleichen zu SARS, MERS und Ebola gesehen und auch namhafte Investoren wie Ray Dalio haben die Auswirkungen lautstark als -> übertrieben <- bezeichnet und das noch zu einem Zeitpunkt, wo der Markt eigentlich noch gar nicht darauf reagiert hatte. All das hat dieses Narrative gefestigt und so ist die Anlagewelt mit der Logik unterwegs gewesen, dass das Virus begrenzt und temporär bleibt. Nur war die falsch, wie wir heute wissen.

War das also ein "Irrtum"? Im Nachhinein vielleicht ja, aber es hätte ja auch stimmen können. Europäer hätten weniger empfänglich sein können, das Virus hätte in China bleiben können, die Chinesen bekommen es in den Griff und fertig. Erst *jetzt* wissen wir, dass das ein falsches Narrative war. Vorher haben nur vereinzelte Marktteilnehmer wie ich damit gehadert.

Das ist alles völlig normal, denn Kurse werden aus Erwartungen gemacht und die beruhen eben auf Erklärungsmodellen. Und wenn ein Erklärungsmodell sich überraschend als falsch herausstellt, muss der Markt eine ganz schnelle und ganz harte Risikoanpassung vollziehen.

Und genau das hat er vorletztes Wochenende getan, nachdem die Nachrichten aus Korea, Iran und Italien das alte Narrative völlig zerstört haben. So etwas kommt vor, nicht oft, aber es kommt vor. Und dann ist es auch normal, dass so eine Anpassung der Erwartungen schnell und hart vollzogen wird.

Der Spruch vom "Markt der immer Recht hat" wird also missverstanden. Recht haben ist nichts Absolutes und auch die Wissenschaft kennt keine absoluten Wahrheiten. Zumal die Zukunft immer offen ist. Vielleicht wäre das Virus ja auch auf China begrenzt geblieben und wir hätten gemerkt, dass das westliche Genom viel weniger ansteckungsanfällig ist. Auch das hätte eben sein können, ist aber nicht so gekommen.

Der Satz will eigentlich etwas anderes sagen, dass es nämlich keinen anderen Maßstab als den gezahlten Preis gibt, weil wenn ein Gut zu einem Preis den Besitzer wechselt, war genau das der aktuelle Wert aus Sicht des Käufers.

Wenn ich nicht die Erfahrung gehabt hätte, trotz meiner großen Dissonanz dabei zu bleiben und wegen der sichtbar beginnenden Korrektur schon am Freitag vor 10 Tagen für die Mitglieder einen "Gelben Alarm" auszurufen und massiv abzubauen, was hätte mir es denn genützt, die Risiken des Virus besser eingeschätzt zu haben als der Marktkonsens?

Ich sage es Ihnen: Nichts! Ich hätte die Rally verpasst und es wäre keineswegs ausgemacht gewesen, dass ich dann den Einbruch besser behandelt hätte als jetzt. Erst jetzt, hinterher, kann man von "Recht haben" sprechen.

Nehmen wir doch mal die Permabären, die seit 2009 davon schwafeln, dass dieser Bullenmarkt ja "falsch" sei und in einem unvermeidlichen Crash enden wird. Nun stellen wir uns mal theoretisch vor, das würde auch real in 2021 passieren.

Haben die dann "Recht" gehabt? Blödsinn, kompletter Quatsch, dazwischen lagen 200, 300% Gewinn an denen man teilhaben konnte. Nein, die haben 12 Jahre lang *Unrecht* gehabt und am Ende als blindes Huhn auch mal ein Korn gefunden!

"Zu früh ist eben nur ein anderes Wort für falsch!"

Der Markt hatte also "Recht", als er das Virus als temporär und begrenzt eingeordnet hat. Nun hat er wieder "Recht", als er erkennt, dass die Folgen doch weit gravierender sind.

Der Satz "Der Markt hat immer Recht" drückt also nicht aus, dass der Markt immer die Zukunft kennt und immer die Erwartungen hat, die dann auch wirklich eintreffen.

Er sagt nur, dass wir keinen besseren Preis haben, als den der vom Markt durch Angebot und Nachfrage ausgehandelt wird, denn genau zu dem Preis, hat etwas seinen Besitzer gewechselt. Offensichtlich war das zu dem Zeitpunkt für zwei Seiten also genau der richtige Wert.

Also .....

Wie haben in der letzten Woche im Markt einen scharfen Wechsel des Narratives erlebt, der eine scharfe Korrektur erzeugt hat, die so hart war wie zuletzt 2008! Je nachdem wie der weitere Verlauf der Pandemie sich darstellt, besteht nun durchaus das Risiko wirtschaftlicher Kollateralschäden durch (mangels Kunden) Pleite gehende Firmen - zunächst vor allem in der Touristik, später vielleicht auch in anderen Sektoren.

Daraus kann - wenn wir Pech haben - sogar eine neue Kreditkrise und in Folge eine Eurokrise erwachsen. Auch das wird aber erst die Zukunft zeigen und ist nur eine Möglichkeit.

Und der Markt wird auch das mit einem Narrative bewerten und dadurch Kurse machen, die solange "richtig" sind, bis sie durch eine veränderte Erwartung verändert werden.

Der Markt hat also weiter "immer Recht". Einen besseren Maßstab zur Wertermittlung von Gütern haben wir eben nicht und bei den Preisen von Masken und Desinfektionsmitteln sehen wir ja auch, dass diese Wertermittlung hervorragend funktioniert.

Oder ist Ihnen ein Desinfektionsmittel jetzt etwa nicht mehr wert als vor 2 Monaten? Ich denke wenn Sie sich nichts vormachen, werden Sie sagen: Ja!

Was ist also der "Wert" einer Sache? Genau das, was gerade *jetzt* jemand dafür bereit zu Zahlen ist. Und genau das misst der Markt als ultimativer Richter. Morgen ist das aber vielleicht nicht mehr der Wert, sondern ein anderer.

Es gibt keinen "objektiven" und "absoluten" Wert einer Sache, das ist eine reine Illusion. Was glauben Sie zum Beispiel, was Ihre teure für 10.000€ den Quadratmeter gekaufte Immobilie in München noch wert wäre, wenn hier theoretisch die Arbeitslosenzahl über ein ganzes Jahrzehnt auf 20-30% klettert und sich die Menschen wie in der Weltwirtschaftskrise an offenem Feuer auf der Straße wärmen - nicht viel!

"Wert" ist also immer relativ und niemand nimmt diese Bewertung besser vor, als das freie Spiel von Angebot und Nachfrage. Im Nachhinein kann sich diese Wertermittlung aber als unzutreffend herausstellen, weil sich Rahmenparameter ändern und das erkannt wird. Dann ist der "Wert" ein anderer, "ríchtig" ist er aber immer noch, weil "richtig" sich immer nur auf das Hier und Jetzt bezieht!

Noch kurz zur Lage:

Sie entnehmen dem Artikel ja, dass wir bei Mr-Market diesen Einbruch hervorragend umgangen haben. Wir waren schon im Vorfeld skeptisch, am Freitag vor 10 Tagen kam dann die Warnung und viele konnten ihr Exposure da anpassen und haben in der Korrektur so ein Alpha von 10-20% generiert.

Nun geht es um die Frage, ob und wann dieser Einbruch einen Boden findet, das wird das uns begleitende Thema der kommenden Wochen sein.

Diese Korrektur ist insofern anders als vorherige Kredit- oder Konjunkturkrisen, als die Macht der Notenbanken hier begrenzt ist. Denn mit Liquidität kann man weder Kranke heilen, noch stehende Produktionsstraßen wieder ins Rollen bringen. Die Notenbanken werden mit Sicherheit aggressiv reagieren und der Markt darauf positiv reagieren, aber ob das reicht, ist die große Frage!

Denn man kann mit Liquidität die Folgen einer Pandemie mindern, aber sie nicht beenden. Dieser Unterschied ist nun wichtig, ich warne daher vor zu einfachen Analogien, wie vorher schon bei SARS/MERS. Diese Diskussion führen wir aber in der Community und nicht hier.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Die große Dissonanz

Sie wissen aus vielen Artikel hier auf Mr-Market, wie wichtig es ist, sich nicht dem Markt entgegenzustellen und diesen zu bekämpfen, sondern ihm zu folgen. Viele, viele Jahre haben wir in der Community so profitiert und das Depot vervielfacht, während die, die glaubten klüger als der Markt zu sein und Crash-Gurus hinterher gelaufen sind, dabei ihre Depots ins Minus gedrückt haben.

Trotzdem gibt es Momente, in denen auch ich eine Dissonanz spüre, ein großes Loch zwischen dem was der Markt macht und dem, was ich glaube er normalerweise tun *würde* bzw *sollte*. Das kommt selten vor, aber es kommt vor und dann ist es fast immer eine Sondersituation, die für alle schwer einzuschätzen ist.

Und so einen Moment haben wir gerade im Zuge des Corona-Virus, der außerhalb Chinas zwar bisher noch im Griff zu sein scheint, aber innerhalb Chinas noch keineswegs beherrscht wird, sondern sich weiter ausbreitet.

Wer das visualisiert dargestellt sehen will, kann das -> hier bei John Hopkins <- jederzeit tun.

Dabei muss man nun zwei Dinge auseinander halten. Unsere eigenen Ängste, dass wir wie die Mitarbeiter bei Webasto angesteckt werden, sind die eine Sache. Darum geht es hier nicht und die Börse interessiert sich auch nicht für Individuen, außer sie sind Präsidenten mit Millionen an Followern bei Twitter.

Was die Börsen aber interessiert sind leerstehende Fabriken, stillgelegte Bänder, Zwangsferien und eine Störung der Lieferketten.

Und genau das haben wir zunehmend in China, der Werkbank der Welt und werden wir bei Fortschreiten des Virus in China schon bald auch hier mit Lieferschwierigkeiten bemerken, weil Vorprodukte fehlen. Auch das Gesundheitswesen steht unter diesem Risiko, weil in China auch Fabriken für Grundstoffe stehen, die zur Medikamentenproduktion benötigt werden und nur schwer zu ersetzen sind.

Vergleiche zu SARS sind dabei schief und leiten auf einen falschen Pfad, SARS hatte nicht so hohe Fallzahlen und hat sich nicht so ausgebreitet, wie der neue Corona-Virus.

Eine Reihe von Firmen haben schon vor Problemen wegen zusammenbrechender Lieferketten und fehlender Vorprodukte gewarnt oder ihre Fabriken in die Zwangsferien geschickt, Tesla, Apple, Nintendo und viele andere sind schon dabei. Und weitere werden folgen, mit jedem Tag mehr.

Alles hängt nun von der weiteren Entwicklung der Ansteckungszahlen ab, die an einem kritischen Punkt sind, denn langsam müssten sich nun Chinas Abschotttungsmaßnahmen bemerkbar machen, wenn sie tatsächlich eine positive Wirkung haben, es sind jetzt bald 3 Wochen seit dem Beginn vergangen.

Nun sind die Börsen ja aber dafür bekannt, dass sie als Seismographen schon kleine Risiken im Vorfeld erahnen und abstrakt in die Kurse einbacken. Börsen sind die besten Frühindikatoren die wir haben, die hören sozusagen schon das Gras wachsen.

Warum passiert das dann beim Virus nicht? Warum wurde die startende Korrektur, die vom Virus getriggert wurde schon aggressiv gekauft, obwohl es keinerlei Entwarnung und auch keine sich abflachenden Fallzahlen gibt?

Zum Einen spielt sicher eine Rolle, dass die Ausbreitung bisher weitgehend auf China beschränkt werden konnte. Wenn in Europa oder China die Fallzahlen hoch gehen sollten, wird das aber zu einer anderen Börsen-Reaktion führen.

Und wenn man die neuen Erkenntnisse ernst nimmt, nach denen das Virus bis 9 Tage auf Klinken und Handgriffen überleben kann und die Infizierten auch mit nur minimalen Symptomen ansteckend sind, erscheint es unwahrscheinlich, dass das Virus wirklich auf China begrenzt bleiben kann.

Aber selbst wenn man vom positiven Fall einer Begrenzung auf China ausgeht, bleibt doch die immense Gefahr für die Lieferketten, die der Markt aktuell einfach zu ignorieren scheint. Täglich kommen nun neue Nachrichten von Unternehmen herein, die in ihren Liefer- und Produktionsketten Probleme haben oder diese befürchten. Noch ignoriert der Markt das weitgehend.

Und genau dabei dürfte zum Anderen das frische Geld der Notenbanken eine Rolle spielen. FED, PBOC (People Bank of China) und wie sie alle heissen, fluten die Märkte mit Liquidität und Liquidität treibt.

Ich habe an anderer Stelle schon erklärt, dass selbst im Armageddon, im Weltuntergang, Kurse theoretisch steigen könnten, wenn die Notenbanken nur genug "drucken" und alles an Assets aufkaufen, was bei Drei nicht auf dem Baum ist.

Es ist diese Liquidität, die die Kurse wieder treibt und die Ängste vor ausfallenden Lieferketten in einer vernetzten Weltwirtschaft überlagert.

Und genau da liegt nun meine persönliche Dissonanz.

Denn ich bin nicht sicher, ob Liquiditätsspritzen noch helfen, wenn echte Waren einfach fehlen, wenn Medikamente nicht mehr lieferbar sind. Die Notenbanken haben hohe Macht, sie sind aber nicht allmächtig, weil man Geld nicht essen kann.

Eine Notenbank kann weder eine Pandemie mit einem erneuten Quantitative Easing (QE) bekämpfen, noch kann sie kranke Arbeiter wieder gesund machen, sie kann bestenfalls die wirtschaftlichen Folgen mindern, das wars dann aber schon.

In nun 30 Jahren, in denen ich an der Börse unterwegs bin, habe ich Demut gelernt dem Markt zuzuhören und ihn nicht zu bekämpfen. Diese Haltung hat seit 2009 zu hohen Gewinnen geführt, die andere verpasst und bekämpft haben.

Deshalb stellen wir uns bei Mr-Market auch nicht gegen die aktuelle Stärke und sind dabei. Allerdings haben wir ein wenig Luft heraus genommen, Teil-Gewinne mitgenommen und stehen sozusagen "Gewehr bei Fuss", um die eigenen Positionen abzusichern.

Denn ich traue dem Geschehen nicht, ich sehe die Lieferketten nun in Gefahr, wenn der Anstieg der Fallzahlen jetzt nicht ganz schnell endet und danach sieht es nicht aus. Und ich frage mich, wann der Markt durch die herabrieselnde Liquidität anfängt hindurch zu schauen und beginnt die zumindest große Konjunktur-Delle zu sehen, die da nun aus China kommen könnte - wenn nicht mehr.

Und über die Lieferketten hinaus, stellt sich ja vielleicht bald auch die Frage nach der Stabilität des chinesischen Systems, denn Repression kann man nur so lange aufrecht erhalten, solange die Vertreter der Repression selber nicht betroffen sind. Es gibt nicht viele Szenarien, die so ein ausgefeiltes System zum Einsturz bringen können, eine landesweite Gesundheitskrise gehört aber dazu.

Manchmal hat man eben eine Dissonanz zum Markt, daran ist nicht Anormales, das gehört dazu. Es ist wichtig diese zu erkennen und dabei eine rationale Schlußfolgerung zu ziehen. Man darf sehr wohl höhere Vorsicht walten lassen, das ist rational.

Nur *gegen* den Markt stellen sollte man sich nicht, denn der hat immer Recht - bis er die Richtung wechselt und dann wieder Recht hat. 😉

Ich halte höhere Wachsamkeit - nicht Panik, Wachsamkeit - in den kommenden Wochen nun für geboten, die Risiken sind nun deutlich erhöht, während sie das im ganzen 4. Quartal 2019 nicht waren.

It doesn´t matter until it matters.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Die Lust am großen Untergang

Der Weltuntergang hat wieder Konjunktur. Im Finanzmarkt kennen wir das ja zu Genüge, jedes Jahr hat seine "Propheten", die mit dem Wort vom "Crash" zuverlässig Aufmerksamkeit und Klicks bekommen. Meistens sind damit wirtschaftliche Interessen verbunden, denn "Crash sells" und zwar so gut wie kaum etwas anderes. Das hat mit unseren evolutionären Prägungen zu tun, die uns zwingen bestimmte Risiken überzubewerten, aber das ist eine andere Geschichte für andere Artikel. Aber klar ist, dass sich Anleger von diesen Stories sozusagen am evolutionären Nasenring durch die Manege ziehen lassen.

Aber auch in anderen Bereichen des Lebens, fährt die Apokalypse-Industrie ja gerade Vollgas, ich muss das nicht ausführen, wir erleben das ja medial täglich und auch als wohlmeinender, rationaler Mensch, der fossile Energieträger aus vielen sinnvollen Gründen einfach nur schnell abschaffen und ersetzen will, kann man nur den Kopf über diese völlig überdrehten Übertreibungen schütteln. Die Apokalypse-Industrie ist derzeit im Schnappatmungs-Modus und wenn man historische Vorlagen nimmt, kommt danach wahrscheinlich Erschöpfung und Abstumpfung bei den Einen und Radikalisierung mit selbstermächtigter Gewalt bei den anderen.

Aber das soll hier jetzt nicht weiter Thema sein, es passt nur ins Bild unserer Gesellschaft. Hier reicht uns schon der Blick auf die börsenorientierte Apokalypse-Industrie und da war vor einigen Jahren im Manager Magazin Online ein sehr schöner Artikel zu den Denkstrukturen von "Untergangspropheten", die unser Finanzsystem und die westliche Welt im allgemeinen vor einer historischen Zäsur sehen. Bitte lesen Sie hier über eine -> Expedition in die Welt der Untergangspropheten <-.

Das Verrückte daran ist, ich gebe einigen der Ansichten ja im Kern Recht bzw. ich halte diese für durchaus denkbar und keineswegs für unmöglich - einige Ansichten sogar für wahrscheinlich. Und viele dieser Leute sind intelligent, seriös und voller Erfahrung in wirtschaftlichen und finanziellen Dingen. Auf jeden Fall mit weit mehr Erfahrung, als der durchschnittliche Wähler, der sich lieber über Orchideenthemen ereifert, sich von der Politik einlullen lässt und am Nasenring durch die Gegend geführt wird, statt die historischen Zeiten zu erkennen, in denen wir leben. Wir konnten das ja viele Jahre beobachten, wie über Deutschland bewusst ein Schleier der Ruhe und Normalität gelegt wurde, weil man halt im Schlafwagen am besten die Macht erhält.

Trotzdem machen die im Artikel dargestellten Menschen in meinen Augen einen massiven und grundlegenden Fehler. Und es ist der gleiche Fehler, den auch viele Aktienanleger machen, wenn sie sich in eine Aktie verlieben und sich auf bestimmte Prognosen versteifen. Und deshalb schreibe ich in diesem Artikel ausführlich zu dieser Geisteshaltung.

Denn wenn man beispielsweise die Entscheidung schon heute "in die Pampa" zu ziehen und einen "Bunker" zu bauen als eine Investitionsentscheidung in eine Aktie betrachtet, dann verhält diese Entscheidung sich so, wie der Anleger, der einen festen Glauben in den Turnaround einer Aktie entwickelt und diese hält und hält und hält, während sie fällt und fällt und fällt. Einfach weil sein Glaube unerschütterlich ist.

Das man so an der Börse nicht erfolgreich sein kann und Glauben hier nichts verloren hat, dürfte Lesern dieses Blogs mittlerweile völlig klar sein. Und selbst wenn der Anleger dann irgendwann Recht bekommt, muss man ihn fragen warum er sein Kapital vorher jahrelang in einem "loosing Trade" gebunden hat und damit nichts Besseres gemacht hat. Denn es wäre ja immer noch früh genug gewesen in diese Aktie zu springen, wenn sie denn tatsächlich dreht. Den Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern hat man schon alleine dadurch, dass man sich der Möglichkeit des Drehens wohl bewusst ist. Alleine dadurch wird man zu den Ersten gehören, die die Chance erkennen, wenn sie denn da ist. Das jahrelange Warten vorher, hat dagegen nur Verluste produziert und zwar monetärer wie emotionaler Art.

Und es gibt einen weiteren wichtigen Aspekt. Unser Leben ist begrenzt und 10 Jahre im mittleren Lebensabschnitt - in dem man gereift und voller Wissen, aber noch ohne Krankheiten und Maleschen - sein Leben gestalten kann, sind eine Menge unwiederbringliche Zeit. Selbst also wenn in 10 Jahren das Armageddon kommt, die öffentliche Ordnung zusammen bricht und wir alle nur noch Rüben essen - macht es dann Sinn, die 10 Jahre davor in Angst zu verschenken ? Macht das die Jahre danach irgendwie besser ? Im Endeffekt begeht man so frühzeitig Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

Die folgende Gedankenhaltung ist deshalb nach meiner Erfahrung auch für die Geldanlage ganz entscheidend:

(1) Versteifen wir uns nicht auf eine einzelne mögliche Zukunft, auch wenn sie noch so überzeugend daher kommt. Behalten wir einen offenen Geist, der Möglichkeiten und Opportunitäten erkennt. Die Welt ist weit komplexer und die Interdependenzen zu mannigfaltig, als das man mit 2 oder 3 Variablen eine zuverlässige Sicht auf die Zukunft erstellen könnte.

(2) Vergessen wir bei allem berechtigten Nachdenken über die Zukunft nicht im "Hier und Jetzt" zu leben, denn diese Zeit kommt nicht wieder. Was haben wir davon, wenn wir zwar kurz vor unserem Lebensende "Recht" bekommen, aber vorher nie gelebt haben und für unsere Lieben keine Zeit hatten ? Auf die Börse übertragen heisst das, wir nehmen die Chancen des "Hier und Jetzt" wahr und vergeuden unser Portfolio nicht im Warten auf prognostizierte Ereignisse der Zukunft.

(3) Den Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen Menschen erzeugen wir nicht, in dem wir zu früh auf eine Prognose aufspringen. Zu früh ist nur eine andere Form von Falsch! Den Wettbewerbsvorteil haben wir, wenn wir uns der Möglichkeiten bewusst sind und so einen Wechsel erkennen, wenn er kommt. Und in dem wir uns so schneller anpassen können als die anderen. Wenn der Umbruch kommt, denn das ist vorher keineswegs sicher. Unser Vorteil ist also die wache Beobachtung und nicht die vorschnelle Handlung!

Wenn wir diese Denkstrukturen haben, haben wir die Grundvoraussetzung, um an den Finanzmärkten erfolgreich sein zu können. Denn dort müssen wir opportunistisch die Chancen ergreifen, die sich uns bieten. Und um diese zu erkennen, müssen wir vorher in Möglichkeiten denken - eben nicht in Weissagungen und vermeintlichen Sicherheiten.

Wenn wir aber an der Börse so agieren wie die, die sich schon heute in den Bunker zurück ziehen, wird Erfolg unmöglich sein. Und wir werden in einem "Loosing Trade" bis zum bitteren Ende sitzen. Und dann, wenn wir dann emotional am Boden sind und endlich verkauft haben - dann tritt der Fall doch ein, auf den wir so lange gewartet haben. Wer hat je gesagt, dass das Schicksal auf uns Rücksicht nimmt?

Lassen Sie uns heute also den möglichen Untergangs-Realitäten mit Überzeugung und Selbstbewusstsein ins Gesicht lachen. Lassen Sie uns heute die Vorbereitungen auf die verschiedenen Zukunftsalternativen treffen, die wir mit sinnvollem, begrenzten Aufwand heute durchführen können. Aber lassen Sie uns erst dann beherzt und gezielt zupacken und uns festlegen, wenn es wirklich nötig wird und der Mantel des Schicksals vorbei kommt! Mehr als ein paar wenige, gezielte Notfall-Vorbereitungen, sind bei einer prinzipiell offenen Zukunft eher sinnlos. Wichtiger ist, die Möglichkeiten der Zukunft zu durchdenken und sich so in gedanklicher Offenheit vorzubereiten.

Der Gewinn wird hier und heute gemacht. Und das Glück kann auch im hier und heute gefunden werden !

So......

Und nach diesen Worten muss ich Ihnen nun gestehen, dass ich Sie bewusst hinters Licht geführt habe. 😉

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Zwei Schritte vor, Einer zurück.

Was man für das Anlagejahr 2020 aus historischer/statistischer Sicht erwarten kann, habe ich Ihnen hier im freien Bereich -> am 15. Dezember letzten Jahres <- nahegebracht.

Und ich habe Ihnen da an vielen historischen Charts der letzten Jahrzehnte gezeigt, dass auf ein starkes Börsenjahr wie 2019, gerne ein volatileres, aber immer noch starkes Börsenjahr folgt.

Der typische Verlauf eines Jahres mit US Präsidentschaftswahl, hat dabei eine Seitwärtsbewegung oder Korrektur im 1. Quartal, eine markante Rally nach Ostern bis in den Frühsommer hinein, eine scharfe Korrektur im Früherbst vor der Wahl und eine Rally nach der Wahl ins Jahresende.

Ob das wieder so kommt ist unklar, jede Regel hat auch ihre Abweichungen, aber es lohnt sich trotzdem, diesen typischen Verlauf im Auge zu behalten, bis man vom Marktgeschehen vom Gegenteil überzeugt wird.

Nun sind wir nach markanter Rally im ganzen letzten Quartal, im Jahr 2020 angekommen und haben als "Sahnehäubchen" nun auch noch einen eskalierenden Konflikt im Nahen Osten bekommen.

Für die Börsen ist dieser Konflikt aber nur temporär relevant, solange er eben heiss läuft. Er führt dann zu steigendem US Dollar, steigendem Gold, steigenden Ölpreisen und tendentiell wackeligen Börsen, was sich aber schnell umdreht, sobald das Risiko geringer wird oder Gewöhnung eintritt - weswegen man eher "kaufen sollte, wenn die Kanonen donnern".

Wobei auch dieser Sinnspruch - wie so viele - natürlich nichts über das Timing sagt, denn wer weiss schon, ob und wie lange nun die Kanonen im Nahen Osten donnern?

Man kann das sehr schön am Beispiel der Lufthansa sehen, denn an den Börsen profitieren natürlich vor allem Rüstungsaktien, während beispielsweise Luftfahrtgesellschaften abverkauft werden.

Die Lufthansa hatte eine saubere Wendeformation, einen Ausbruch und hat dann klassisch und geordnet entlang der 200-Tage-Linie nach unten konsolidiert, unter anderem wegen der neuen Streikproblematik.

Das sah sehr sauber und aussichtsreich aus, um aus dieser Konsolidierung wieder nach oben zu ziehen. Dann kam am Freitag die Eskalation im Nahen Osten und natürlich reagiert der Markt darauf mit Macht - eine neue Information führt immer zu einer Anpassung der Erwartungen.

Klar ist aber auch, dass diese negative Belastung wieder verschwindet, falls und sobald sich der Rauch im Nahen Osten verzieht und die Lufthansa dann wieder ihre alte Grundstruktur ohne diese Sonderthematik aufnehmen wird. Man kann hier also Chancen sehen, weiss aber trotzdem nicht, wie tief dieser Nahost-Effekt noch geht, weil wir eben nicht wissen, was die Mullahs und Trump als Nächstes machen werden:

Diesen Einfluss von kriegerischen Geschehnissen auf die Kurse, müssen wir also zur Kenntnis nehmen, dürfen ihn aber auch nicht überbewerten, weil er eher temporär ist.

Wichtiger für das große Bild ist aber weiter die innere Marktmechanik der großen Indizes und über die will ich nun ein paar Worte verlieren. Denn jetzt, mit dem Beginn des neuen Jahres, steigen die Risiken deutlich, dass dieser Markt mal wieder in eine unvermeidliche Korrektur läuft.

Sollte der Markt nun einfach weiter steigen, zum Beispiel weil der Rauch in Nahost sich schnell verzieht, würde es die Schärfe und Fallhöhe der Korrektur sogar nur erhöhen, so wie das auch Anfang 2018 zu beobachten war:

Völlig unabhängig vom Geschehen in Nahost, sollten wir nach einem tollen 4. Quartal in 2019 nun also etwas mehr taktische Vorsicht an den Tag legen.

Verwechseln Sie diese taktische Warnung für die kommenden Wochen aber nicht mit einem grundlegend bärischen Blick auf 2020. Zu einem gesunden Markt gehört einfach, dass er nach zwei Schritten vorwärts auch wieder einen zurück geht und danach ist der Weg für weitere Hochs wieder frei. Das ist gesund und völlig natürlich, eine baldige Korrektur - vielleicht nun durch Nahost in Gang gesetzt - ist also aus emotionaler Sicht nicht zu befürchten, sondern zu wünschen!

Glauben Sie aber auch nicht, dass man den Beginn der Korrektur auf den Tag genau erkennen kann, das ist einfach Unsinn und jede Minute des Grübelns darüber vergeudet. Dieser Markt kann nun durchaus Nahost schnell abschütteln und doch noch Wochen aufwärts laufen, so wie er das schon 2018 gemacht hat, es würde aber die Notwendigkeit und Unvermeidlichkeit der Korrektur nur erhöhen.

Beginnen wir das Jahr 2020 an der Börse nun also mit etwas mehr taktischer Vorsicht, begrüssen wir eine Korrektur freudig, wenn sie denn kommt und dann können wir in frischer Luft wie nach einem Sommergewitter, wieder optimistisch in die Zukunft schauen.

Auch in 2020 gilt, dass wir als mündige Anleger das Gebrabbel der Crash-Propheten weiter dahin entsorgen sollten, wohin es in der Regel gehört: in den Mülleimer. Diese Leute haben oft treffende Problembeschreibungen und wenn sie dabei bleiben würden und Demut zeigen könnten, wären ihre Gedankengänge sogar lesenswert.

Das Problem entsteht aber durch die Hybris der Prognose, etwas was wiederum nötig ist, um möglichst viele Schafe an die Kassen zu bringen, die sich dann im Besitz des Wissens einer "Geheimloge" wähnen und doch nur bei ihren Ängsten abgeholt wurden.

Dieser Blick ins Gekröse mit Jahreszahlen verursacht massiven Schaden in den Depots der gläubigen Anleger, denn selbst wenn die Problembeschreibungen richtig sind, kann ein System, von dessen Überleben die Existenz so vieler "Eliten" abhängt, problemlos noch 10 oder 20 Jahre weiter machen und in dieser Zeit die Kurse vervielfachen.

Verwechseln Sie eine richtige Problembeschreibung also bitte nicht mit einer zeitlichen Prognose, das sind zwei völlig verschiedene paar Schuhe. Und ich habe Ihnen das schon oft gesagt und es bleibt am Markt auch für 2020 wahr:

Zu früh ist nur ein anderes Wort für Falsch!

Aber wenn Sie hier schon länger mitlesen, dann renne ich jetzt offene Türen ein und wenn Sie sogar im Premium-Bereich Mitglied sind, dann haben Sie erlebt, wie wir im letzten Jahr mit einfachen Depots 40% und mehr Gewinn verbucht haben, während die Jünger des nahen Weltuntergangs sich dafür gut fühlen durften. 😛

Auch für das Jahr 2020 gilt also:

Wir folgen dem Markt. Wir raten nicht, wir bekämpfen den Markt nicht, wir reagieren auf den Ton, den er vorgibt.

Und wenn wir dann von 40% Gewinn ein paar Prozent wieder abgeben, bevor wir den neuen Ton hören können, dann ist das genau gut so und liegt im System.

Das Jahr 2020 hat gute Chancen ein Jahr der Überraschungen zu werden, ein Jahr das vielleicht wieder einen positiven Kurssaldo liefert, aber doch weit stärkere Pirouetten liefert, als 2019.

Wir nähern uns so einem Jahr am Besten wieder Schritt für Schritt und die Augen immer in der Gegenwart, bei der nächsten Biegung des Weges. So wird auch 2020 wieder ein profitables Jahr werden.

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Wie das Anlagejahr 2020 wird

Das Anlagejahr 2019 war für uns hier auf Mr-Market ausgezeichnet. Wir waren frühzeitig ab Januar bei der Rally dabei und selbst Sie hier im freien Bereich, hätten das auch sein können.

Schauen Sie mal, was ich Ihnen zum Beispiel hier schon am 07. Januar 2019 zum Jahresanfang geschrieben habe, im Lauf des Januar hat sich das bullische Bild dann zunehmend klar entwickelt:
-> Börsenjahr 2019 - Dem Optimismus eine Chance geben <-.

Und danach war mein Tenor in vielen Artikeln immer wieder positiv, die Sie gerne hier nachlesen können. Niemand wusste am Jahresanfang konkret und auf den Punkt, wie gut es 2019 tatsächlich laufen würde - dass das Glas halbvoll war und die Chancen die Risiken überwogen, war aber schon da klar zu sehen. Unser Fokus auf die US Märkte, war dabei in 2019 goldrichtig, dort musste man sein, dort gab es viel zu holen.

Nun stehen die drei Mitgliederdepots ohne jede Anpassung seit dem Jahresanfang bei ca. 40% Plus, einzelne Mitglieder haben mit langfristig laufenden Depots auch 80% Gewinn, andere "nur" 10-20% je nach Strategie. Man darf das also mit Fug und Recht ein gutes Anlagejahr nennen, das uns mit der klaren Wende aus dem "Loch" von Heiligabend 2018 heraus, im Januar dann sogar ein recht deutliches Kaufsignal gegeben hat, denn die besten Gewinne sind oft die nach einem bedeutenden Tief, aus dem Loch heraus - so auch 2009.

Damit stellt sich doch die Frage, wie das Anlagejahr 2020 wird und wir finden in den Medien ja auch wieder die diversen Weissagungen mit konkreten Kurszielen der Analysten der Banken, die wie immer eher Spökenkiekerei und Marketing sind. Von den diversen Crash-Gurus, brauche ich dabei ja gar nicht erst reden, jetzt aber kommt der große Crash nächstes Jahr bestimmt - diese Aussage ist seit 2009 jedes Jahr zu hören, nur die Jahreszahl muss man dann alle 12 Monate wieder ändern. 😛

Aber da ich ja in der Überschrift so vollmundig davon geschrieben habe, wie das Anlagejahr 2020 wird, wollen Sie nun bestimmt von mir eine Zahl zum Jahresende 2020 hören. Oder?

Habe ich Sie nun "erwischt"? Wenn ja, wenn Sie das hier jetzt wirklich erwarten, dann haben Sie vermutlich noch nicht viel auf Mr-Market gelesen.

Denn meine klare Antwort ist: Ich habe keine Ahnung! 😀

Denn Erfolg am Markt, auch der von 2019, kam und kommt nicht vom *Raten* mit einer Glaskugel, sondern primär vom intelligenten *Folgen*. Aber das ist ein anderes Thema, das ich hier oft genug thematisiert habe.

Falls Sie nun gleich wegklicken wollen, ist das in Ordnung. Machen Sie das bitte, das ist gut so!

....

So, nachdem alle auf der Suche nach konkreten Zahlenprognosen für das Jahresende 2020 weg sind, kann ich mit allen anderen, die noch dabei sind, ja jetzt mal über ein paar substantielle Dinge zum Thema reden. 😉

Natürlich kennen wir den Verlauf von 2020 nicht und es macht auch keinen Sinn, irgendwelche Fundamentaldaten hochzurechnen. Selbst der "Dot Plot" der FED über die weitere Zinsprojektion, ist erfahrungsgemäß über 12 Monate das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt ist.

Aber wir können zwei Dinge tun. Wir können erstens mal schauen, wie denn in der Vergangenheit Börsenjahre nach ähnlichem Vorlauf waren. Und wir können zweitens schauen, was denn an wichtigen Themen für 2020 schon absehbar ist und uns darauf gedanklich vorbereiten, in dem wir Szenarien durchdenken.

Zum Zweiten will ich heute hier im freien Bereich nicht schreiben, das besprechen wir im Premium-Bereich. Eines der Hauptthemen wird dabei die US-Wahl sein, die wohl so aggressiv und "giftig" verlaufen wird, wie keine andere zuvor.

Der für die Börsen absehbar wichtigste Faktor, wird dabei neben dem fortdauernden US-China Handelskonflikt, der in 2020 weiter schwären wird, wohl die Vor-Auswahl des demokratischen Präsidentschafts-Kandidaten sein. Sollte es jemand wie Bloomberg werden, den die Börse mag, wird diese sich entspannt zurücklehnen und werden sich die Kurse nur wenig vom politischen Klamauk beeinflussen lassen. Sollte es aber jemand wie Warren werden und ein Sieg von Warren in Reichweite rücken, dürften die US-Börsen darauf mit Volatilität und Abgaben reagieren.

Aber das soll wie gesagt hier jetzt nicht Thema sein, ebensowenig wie die Folgen des Brexit, die Folgen einer zunehmenden Abgrenzung und Blockbildung im Bereich der IT, eine mögliche Rotation weg von den US Titeln nach Asien und marginal auch Europa, oder die weitere Entwicklung in der deutschen, politischen Landschaft. Das sind alles eigene Themen für 2020, die separat besprochen werden wollen.

Was ich Ihnen heute hier im freien Bereich zeigen will ist, wie sich Börsenjahre *nach* so einem Jahr wie 2019 in der Vergangenheit entwickelt haben.

Und wie kann man 2019 charakterisieren? Ganz einfach.

Erstens war es ein Jahr, das mit hohen Gewinnen auf eine bedeutende Korrektur folgte. 2018 hatten wir am Tiefpunkt Heiligabend 2018 im S&P500 ca. 20% Minus gegenüber den Jahreshochs von Ende September 2018. Das ist schon mal ein Wort.

Zweitens war es ein Jahr, in dem die Kurse ohne größere Korrekturen, weit überwiegend hochgekrochen sind.

Man könnte weitere Faktoren hinzufügen, wie das Jahr im Präsidentschaftszyklus zum Beispiel, aber das macht mir die Auswahl schon wieder zu eng und statistisch insignifikant. Lassen wie es doch mal bei den beiden Parametern und gehen einfach zeitlich rückwärts:

2016 hatte die scharfe Korrektur am Jahresanfang, die als Korrektur Phase aber schon mit dem ETF-Flash Crash im August 2015 begann. Der Rest des Anlage-Jahres war trotz Brexit toll, 2017 wurde dann mit beständigem Anstieg nach Trumps Wahl noch besser:

2013 war nach dem Auslaufen der Eurokrise und dem Beginn diverser QE der Notenbanken ein superbes Jahr, 2014 war dann volatiler, aber noch deutlich positiv:

2009 war nach dem Tiefpunkt der Lehman-Krise im März ein sensationelles Jahr, 2010 war dann deutlich schwieriger, aber immer noch klar positiv:

2003 war das Jahr, in dem die Börsen die 2000er Internet-Blase hinter sich gelassen haben und markant wieder zu steigen begannen. 2004 war deutlich schwächer, aber immer noch ruhig und positiv:

Weiterlesen ...

Yes he can!

Während im Premium-Berech die Marktlage tägliches Thema ist, äussere ich mich im freien Bereich eher selten dazu und konzentriere mich auf grundsätzliche Fragen. Das mache ich, weil zur Marktlage eben auch der konzeptionelle Kontext gehört und den kann man in einem Artikel nicht vermitteln, das würde dann nur als typische, lächerliche "Prognose" interpretiert werden, von denen ich mich fern halte.

Ab und zu würdige ich aber die große Lage auch im freien Bereich, zuletzt war das -> Anfang September in "Drama, Liebe, Wahnsinn" <- und -> Anfang Juli in "Sommer Tango" <- der Fall.

Und schon -> Anfang April in "Hochschmelzen - Melt-Up! <- hatte ich Ihnen das folgende Szenario für den weiteren Jahresverlauf gezeigt:

Aber nach einem notwendigen Luftholen, gibt es derzeit wenig was dagegen spricht, dass der Markt in 2019 so eine Entwicklung wie unten im Chart nimmt und in einem angedeuteten Trendkanal, der seit 2011 Bestand hat, weiter nach oben schmilzt:

Wie man so etwas mitnimmt, aber trotzdem nach unten wachsam bleibt, war zuletzt oft Thema in der Community. Hier im freien Bereich will ich es damit bewenden lassen, Ihnen erneut zu raten, sich von den Perma-Bären nicht in eine negative Stimmung drücken zu lassen. Wenn die Kurse wirklich fallen, ist es früh genug bärisch zu werden.

Erinnern Sie sich, was ich Ihnen zuletzt zum -> Ankereffekt <- geschrieben habe und warum wir solchen starken Charts wie oben instinktiv misstrauen - was aber ein Fehler ist. Erinnern Sie sich, wie ich Ihnen vor einem guten Monat in -> (Zehn) Jahre zurück und die Lehren daraus <- das große Bild gezeigt habe. Oder erinnern Sie sich, wie ich Anfang 2019 dazu aufgerufen habe, -> dem Optimismus eine Chance zu geben <-.

Das war wahrscheinlich der beste Rat, den Ihnen anlagetechnisch jemand hat im Frühjahr geben können, denn die leichte Sommerdelle ist ebenso gekommen, wie die Rally danach. Sie können in der Projektion ja mal einzeichnen, wo wir aktuell 7 Monate später sind und das ist bei 3.100 ziemlich genau auf der lila Linie.

Nun sind wir mitten in der Jahresendrally und ich sage Ihnen auf den Kopf zu, dass viele von Ihnen wieder bärische Gedanken haben wie "das ist doch schon zu weit gelaufen". Natürlich befeuert von diversen Nachfolgern des Nostradamus, die so zwar keinen müden Penny am Markt verdienen können, aber jede Menge Klicks generieren, weil sie die Anleger bei ihren Ängsten abholen.

Jetzt schauen wir mal auf den aktuellen S&P500, das kann doch nicht so weitergehen?

Der Markt ist ein wunderbares, reflexives System, in dem das was jeder denkt, zwangsläufig mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch sein muss.

Sie glauben also, der S&P500 könnte jetzt nicht einfach weiter steigen? Ich sage Ihnen: Yes he can!

Verwechseln Sie das aber nicht mit einer Prognose, das ist keine. Er *kann* heisst nur, dass er kann, nicht dass er muss. Aber starke Trends tendieren dazu länger weiter zu laufen, als man sich vorstellen kann.

Schauen Sie mal was Ende 2017 passiert ist, da war der Index schon das ganze Jahr gestiegen und trotzdem gab es keine Pause zum Jahresende. Erst nach der Aufwärtsbeschleunigung im Januar 2018, kam dann ab Februar die unvermeidliche "Mean Reversion":

Demgegenüber sieht die Lage diesen Herbst 2019 weit solider aus. Der Index steígt gerade erst aus der Sommerkorrektur, das Sentiment ist kurzfristig optimistisch, aber mittelfristig immer noch nicht euphorisch und die Notenbanken drücken auf den Stimulus, als ob es kein Morgen mehr geben würde.

Kann dieser Markt trotzdem bald ein Top bilden und dann zu fallen beginnen? Sicher kann er das, keinen Zweifel! Aber der Fokus darauf ist unsinnig, weil man diesen Satz immer sagen kann.

Unsicherheit ist integraler Bestandteil des Marktes und immer vorhanden. Alles was wir haben sind Wahrscheinlichkeiten, nicht mehr. Wer damit nicht umgehen kann und nach absoluter Sicherheit sucht, sollte sich besser vom Markt fern halten.

Die besten Momente sind also die, in denen die Wahrscheinlichkeiten für einen Anstieg deutlich höher sind, als für eine Korrektur. Das war Anfang Oktober so und war im Premium-Bereich Thema. Und wie Sie meinen Artikeln oben entnehmen können, war dieser Jahresverlauf das ganze Jahr das präferierte Szenario.

Heute sind wir mitten in der Jahresendrally und die hat so viel Momentum, dass sie mit 70% Wahrscheinlichkeit wohl bis zum Jahresende weiter laufen wird. Die 30% verteilen sich ua auf ein Szenario, in dem das Hoch schon Anfang Dezember erreicht wird und verschiedene andere, recht unwahrscheinliche Szenarien.

Und klar ist auch, dass ein kleiner Dip, eine kleine 2-3% Korrektur, nun jederzeit kommen kann und überfällig ist. Dieser Dip wird aber höchst wahrscheinlich im Sinne BTFD wieder gekauft, weil zu viele genau darauf warten.

Summa Summarum sollten Sie als Anleger sich fragen, ob Sie an diesem hervorragenden Anlagejahr genügend partizipiert haben. Machen Sie sich klar, dass man die Crash-Geschichten, die Sie vom Anlegen abhalten, Anfang diesen Jahres genau so hätte schreiben können. Und 2017 hat man sie schreiben können und 2016 auch.

Das Narrative vieler Crash-Propheten vom von den Notenbanken verbogenen Markt, für den irgendwann der Preis zu zahlen ist, ist ja nicht perse falsch. Das Problem ist das "Irgendwann", das auch erst in 10 Jahren kommen kann. Diese Risiken im Hinterkopf zu haben ist also gut, danach zu handeln, während der Markt mit Macht nach oben rennt, ist aber einfach nur idiotisch.

So ein starker Markt dreht nicht einfach an einem Tag auf dem Fuß, so einen Markt nach unten zu drehen ist ein Prozess, wie die Wende eines großen Tankers. Diesen Prozess kann man sehen, wenn man seine Zeit nicht für Orakel und Propheten verbraucht, sondern einfach genau hinschaut was passiert.

Statt Ihre Ängste am "Welt-Crash" zu befriedigen und heftig zu nicken, wenn Ihr Bias wieder Futter bekommt, wäre also Zuversicht und ein rationaler Blick auf das Marktgeschehen die bessere Wahl gewesen, die Ihre Depots nun 20-30% höher dastehen lassen würde. Dann kann man dem "Crash" beruhigter entgegensehen, wenn er irgendwann mal kommt.

Weniger festgefahrene Meinung, mehr demütige Marktfolge. Weniger Crash-Gurus, mehr Beobachtung der Realität - das hätte in 2019 das Depot erblühen lassen. Innovation und Fortschritt bringt die Welt voran, fraglos immer wieder unterbrochen von sehr schmerzhaften Korrekturen, aber die Richtung ist klar und -> hier ist sie! <-.

Wie wird 2020? Nach so einem Jahr sicher schwieriger, zumal die US Wahl so brutal und giftig werden wird, wie wohl keine Wahlschlacht vorher. Je schneller und stärker wir nun ohne Pause steigen, desto klarer wird in 2020 auch eine unvermeidliche Korrektur kommen, ganz wie Anfang 2018.

Aber damit beschäftigen sich kluge Anleger, wenn es so weit ist. Nun geht es darum, an dieser Stärke des Marktes teilzuhaben und sie nicht zu bekämpfen. Wir leben im Hier & Jetzt, in der Holzkiste landen wir unvermeidlich und noch früh genug. Wir sollten einfach aus Angst vor dem Tod das Leben nicht vergessen - das gilt auch für die Geldanlage.

Und wann diese bullische Phase zu Ende geht, sagen uns keine Prognosen, sondern der Markt selber, in dem er zu fallen beginnt.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Die Fördertürme des 21. Jahrhunderts und das Investieren



Eigentlich ist erfolgreiches Investieren ziemlich einfach und dann ist es auch wieder verflucht schwierig. Wobei wir uns die Schwierigkeiten vor allem selber machen, mit Verhaltensweisen wie Zappeligkeit, fehlender Gelassenheit und fehlender Konsequenz.

Und die "kostenlosen" Medien zum Thema Börse tun ja auch alles dafür, dass die Leser permanent zappelig bleiben, weil nur so für sie Klicks zu generieren sind, von denen sie primär leben. Also müssen Parallelen zu diversen Vergangenheits-Krisen aufgebauscht werden, Themen hochgejubelt und dann wieder in den Boden gestampft werden und allerlei "Narratives" in die Welt gesetzt werden, nachdem ja dieser oder jener Indikator ganz unzweifelhaft Schlimmes ankündigt.

Erinnern Sie sich zum Beispiel an die "Inverted Yield Curve" und die damit verbundenen Rezessions-Weissagungen? Schon vor einem halben Jahr wurde diese Sau durchs Dorf getrieben und hat unbedarfte Anleger davon abgehalten, an den Anstiegen des Jahres 2019 teilzuhaben. Anfang September habe ich dazu hier in -> Drama - Liebe - Wahnsinn <- mit deutlichen Worten wie folgt geschrieben:

(2) Das ganze Gerede um "Inverted Yield Curve" und mögliche Rezessionen ist nun auch irrelevant, selbst wenn in den US in 2020 eine kommt, können die Kurse trotzdem zum Jahresende steigen. Oder mit anderen Worten "zu früh ist nur ein anderes Wort für falsch".

(5) Medial wurden alle bärischen "Säue" endlos durch das Dorf getrieben. Eine kommende Rezession wurde aus allen Blickwinkeln immer und immer wieder beleuchtet. Starke Kursbewegungen beruhen aber auf Überraschungen, weil anderes schon teilweise in den Kursen ist.

Diese medialen Spekulationen dienen nun einmal primär dazu Klicks zu generieren, wer gerade am Finanzmarkt das nicht auseinander halten kann, wird immer wieder wie die Sau zur Tränke geführt, nur um dann abgeschlachtet zu werden.

Und wo sind wir nun? Wieder auf Allzeithochs. Was wohl doch nicht so falsch, lieber das Spiel auf dem Platz zu beobachten, statt den Schallmeienklängen der "Prognostiker" zu lauschen. 😛

Wie einfach Investieren ist und wie schwierig gleichzeitig - und warum für Sie die richtigen Informationsquellen absolut entscheidend sind - will ich Ihnen nun an einem Beispiel zeigen.

Vor einem guten Jahr, am 21.10.2018, habe ich Ihnen im Artikel -> Die Fördertürme des 21. Jahrhunderts und die Illusion der Sicherheit <- den Semiconductor-Sektor als die neuen "Fördertürme" - also den unverzichtbaren Sektor - nahegebracht und dabei besonders auf die "Schaufelhersteller" abgehoben, die nicht von einzelnen Produkten abhängen, sondern die Chipindustrie mit Produktionsanlagen ausstatten.

Bitte lesen Sie den Artikel noch einmal, um die Logik nachzuvollziehen, es schadet sicher nicht und hält sie vielleicht auch davon ab, Plattheiten wie "gegessen wird immer" hinterher zu laufen, denn Kleidung braucht es auch immer und trotzdem gehen Ladenketten gerade Pleite, weil ein Geschäftsmodell eben auch damit zu tun, *wie* Waren zum Kunden gebracht werden.

In dem Artikel sagte ich zur Chipindustrie Folgendes:

Aber egal ob Daten nun das Öl des 21. Jahrhunderts sind oder nicht, es gibt "Fördertürme", die auch für Daten benötigt werden, die aber auch alles andere fördern können, was das 21. Jahrhundert braucht. Und diese "Fördertürme" sind Chips!

Beachten Sie also, dass wir den Wendepunkt nicht kennen. Der kann erst in einem Jahr kommen, aber auch schon diese Woche, denn der Sektor zeigt kurzfristig aktuell erste Anzeichen einer Bodenbildung.

Wir müssen den Wendepunkt aber auch nicht kennen, den exakten Boden trifft man sowieso nie. Wir müssen einfach akzeptieren, dass wir die ersten paar Prozent einer Wende verpassen - unsere Aufgabe ist nicht im Vorfeld herumzuraten, sondern dann beherzt zuzupacken, wenn die Wende real da ist! Und dann ist noch mehr als genug Potential vorhanden, in der nächsten Aufwärtsphase kann sich der Sektor kurstechnisch problemlos wieder verdoppeln.

Klar ist also, dass dieser aktuelle Abwärtszyklus massive Chancen generiert, denn eines ist so klar, wie etwas in einer sich immer schneller wandelnden Welt nur klar sein kann:

Den Chips gehört die Zukunft und die wenigen Ausrüster, die der Chipindustrie ihre "Schaufeln" zur Verfügung stellen, werden noch lange, lange stark wachsen, auch wenn dieses Wachstum - wie in den letzten 30 Jahren von Lam Research (LRCX) zu sehen - immer in großen Aufwärtswellen vonstatten geht.

Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück, der Charakter jedes aufwärts strebenden Marktes. Die Chipausrüster machen gerade einen Schritt zurück, danach dürften hier erhebliche Chancen liegen.

Und nun schauen wir mal, was aus diesen drei Chipausrüstern im letzten Jahr geworden ist. Hier sind sie, der Tag des Artikels ist markiert:

Gewinne von 60-100% innerhalb eines Jahres sind das Ergebnis und das mit großen, bei Kennern des Sektors bekannten Aktien, die vergleichsweise "sicher" sind, weil sie in Breite Technologien anbieten und keine "One-Product-Firms" sind. Wow!

Eigentlich ganz einfach, oder?

Damit kommen wir zum schwierigen Teil, denn ich sage Ihnen nun auf den Kopf zu, dass die große Mehrheit von Ihnen an dieser Bewegung *nicht* partizipiert hat.

Warum?

Weiterlesen ...

Weltgeschichtliche Gezeitenwende



Dieser grundlegende Artikel erschien im Mai diesen Jahres im Premium-Bereich und zeigt, dass wir uns bei Mr-Market auch jenseits von Börse und Finanzen mit Grundsätzlichem beschäftigen.

Der Artikel wurde nur marginal um interne Referenzen bereinigt und steht Ihnen im freien Bereich nun nahezu unverändert zur Verfügung.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Die Gedanken, die ich heute mit Ihnen teilen will, habe ich eigentlich alle schon geäussert, in kurzen Kommentaren, in Streams, oder im Forum. Nur nicht als ein zusammenhängender Gedankengang und heute will ich den aufschreiben.

Denn das was gerade in der Welt passiert, erscheint mir so bedeutend - auch für unsere Anlagen bedeutend - dass ich dem Thema einen eigenen Artikel widmen will, damit es genügend Aufmerksamkeit bekommt und wir auch idealerweise in eine spannende Diskussion dazu einsteigen.

Denn in den letzten Jahrzehnten, eigentlich seit dem Fall des eisernen Vorhangs vor knapp 30 Jahren, hat die Welt nur eine Richtung gekannt, das Zusammenwachsen. Gerade auch im Handel hat man das gemerkt, neue Absatzmärkte wurden erschlossen, für die Firmen wurden große, neue Umsatzpotentiale erschlossen. Und der Aufstieg Chinas, wäre ohne freien Handel gar nicht denkbar gewesen, denn nur so konnte China erst zur Werkbank der Welt aufsteigen und sich dann gezielt Technologien aneignen, deren Eigenentwicklung ansonsten eher Jahrzehnte gedauert hätte.

Der Welthandel war also eine Win-Win-Situation für alle und gerade China hat davon am meisten profitiert, weil es Jahrzehnte des technologischen Aufholens einfach überspringen konnte und ihm der Westen dafür in einer Mischung aus Wohlwollen und Naivität, noch den roten Teppich ausgelegt hat.

Ich persönlich vermute, dass wir nach knapp 30 Jahren gerade das Ende dieser weltgeschichtlichen Phase erleben und in eine neue Phase eintreten. Und der derzeit laufende Handelskonflikt, ist nur ein Symptom einer weit generellen Entwicklung, das Pendel schwingt sozusagen zurück.

Der Grund ist, dass das Zusammenwachsen der Welt überdreht hat, es ist zu schnell, zu übertrieben abgelaufen und die Gegenbewegung hat schon begonnen.

Auf der gesellschaftlichen bzw politischen Ebene, erleben wir das mit dem Aufstieg von Identität stiftenden Bewegungen in allen politischen Lagern, die offensichtlich das Herz der Menschen erreichen.

Auf der "rechten" Seite nennen sich diese "Identitär" und vertreten einen "Ethnopluralismus", der den alten Rassenbegriff durch eine kulturelle Identität ersetzt, diese aber wie beim alten Rassebegriff auch gegen "Verfremdung" beschützen und zu anderen Kulturen deutlich abgrenzen will. Es ist diese Ähnlichkeit der Abgrenzung zu anderen, die der Denkschule den Vorwurf des "Rassismus" einbringt.

Wenn man so will, ist der "Ethnopluralismus" die politische Entsprechung zum allgemein akzeptierten Bild einer multipolaren Welt, die aus wenigen, mächtigen Blöcken besteht. Und diese Blöcke haben eine hohe kulturelle Identität, wie eben "der Westen" gegenüber China und seinen Satelliten. Das zu erkennen, heisst ja aber noch nicht, die Kulturen gegen andere abzuschotten, insofern gibt es bei dieser Denkschule viele Facetten, von denen einige harmlos und andere nahe an alter Rassenlogik sind.

Auf der "linken" Seite, wird in extremer Form eine entgrenzte Welt im Sinne "Niemand ist illegal Nirgendwo" vertreten, gleichzeitig entfaltet die Linke aber auch massiv Identität stiftende Aktivitäten, die sich in immer feiner ziselierten Minderheiten zeigen, zu denen man sich zugehörig fühlen und durchaus aggressiv zu anderen abgrenzen kann.

Wenn man so will ist das ein Widerspruch in sich, denn in einer entgrenzten, "flachen" Welt, sollte die Betonung des "Anderssein" gar nicht mehr nötig sein. Das wärmt aber nicht das Herz der Menschen, die sich als soziale Wesen zu einer (idealerweise herausgehobenen) Gruppe zugehörig fühlen wollen, weswegen auf der Linken die "Minderheiten" spriessen, zu denen sich jeder irgendwie zugehörig fühlt.

Dieses irreale Menschenbild, war schon einer der Widersprüche des Sozialismus. Die Menschen wollen aber gar nicht alle "gleich" sein, sondern legen großen Wert darauf "besonders" und "anders" zu sein. Sie wollen nur nicht, dass es anderen besser geht als ihnen. In einer gemässigten Form ist das eine positive Triebfeder sich zu engagieren, in einer übersteigerten Form, nennt man das auch Neid. 😉

Beide Denkschulen, die Identitären wie die Identitätsströmungen, fussen aber imho auf einem Grundbedürfnis der Menschen, dem Zugehörigkeitsgefühl zu einer halbwegs homogenen Gruppe. Gerade auch in der Abgrenzung zu anderen, definieren wir soziale Wesen ja unser Selbst, denn wer wir sind, wird auch dadurch definiert, zu welcher Gruppe wir gehören.

Nebenbei gesagt, ist der neue Aufstieg religiösen Denkens nach meinem Eindruck auch Folge dieser Suche nach Identität, denn Religionen stiften sozialen Zusammenhalt und erlauben sich gegen "die Anderen" abzugrenzen und zu "erheben".

Insofern ist der politische Aufstieg dieser Denkschulen auf beiden Seiten Ausdruck einer zu weit und zu schnell gegangenen Entgrenzung der Welt in den letzten Jahrzehnten, für die auf der Linken der "weltweite Kapitalismus" und auf der Rechten die "Entgrenzungs-Ideologie" verantwortlich gemacht wird.

Ich denke beide Seiten haben da nicht ganz Unrecht, die Welt hat sich einfach zu schnell aufeinander zu bewegt und da wir als Menschen noch keine globale Identität besitzen - die bräuchte wohl die Herausforderung bzw Gefahr von außen, die "Aliens" sozusagen - werden menschliche Urbedürfnisse der Zugehörigkeit derzeit nicht ausreichend befriedigt und brechen sich Bahn. Die unterschiedlichen politischen Label sind aber nur Ausprägungen, des gleichen Grundproblems, auch wenn das beide Seiten vehement abstreiten werden.

Ein etablierter, saturierter Bürger in einem homogenen, kulturellen Umfeld, braucht diese Denkschulen auf beiden Seiten nicht, weil er sich eingebettet in einer Identität stiftenden Kultur wohl fühlt, die ihn umgibt. Er kann Fremden daher aufgeschlossen und interessiert gegenüber treten und braucht sich auch nicht über Kleingruppen oder die Zugehörigkeit zu einer konstruierten Minderheit definieren.

Das war zum Beispiel eher die Welt der Bundesrepublik vor dem Fall des eisernen Vorhangs, sie hatte zwar auch etwas Spiessiges, es gab aber genügend bürgerliche Stabilität um einen herum, so dass nicht Zugehörigkeit und Abgrenzung, sondern die Neugier und das persönliche Erobern der Welt, erstrebenswert erschienen.

Auch auf der Linken gab es diese Identitätspolitik damals nicht so stark, dabei waren doch spezifische Gruppen wie beispielsweise LGBT, damals unter weit stärkerem Druck als heute und damals noch wirklich gesellschaftlich geächtet.

Wenn man so will, steigt das Ausmaß der lautstark deklamierten Identität, mit der sinkenden Diskriminierung dieser Gruppen. Ein Widerspruch in sich, der eben nur wie oben als die Befriedigung eines menschlichen Grundbedürfnisses erklärt werden kann.

Denn in einer flachen Welt würde es genügen, dass alle genügend Toleranz haben, um jedem seine Vorlieben zu lassen und niemanden deswegen zu diskriminieren. Die neuzeitliche Obsession, sich über immer kleinere Spezialgruppen zu definieren, die wir ja auch bei den -> mittlerweile bis zu 60 <- phantasierten "Geschlechtern" finden, ist für mich nur vor dem Hintergrund der Lust an der eigenen Identität, der Abgrenzung zu anderen also, zu erklären.

Zusammenfassend kann man in meinen Augen sagen, dass viele Menschen die "Entgrenzung" der Welt der letzten Jahrzehnte als einen unguten Stressfaktor empfinden. Die einen suchen kulturelle Identität, die anderen Zugehörigkeit zu einer Subgruppe (Minderheit), beide versuchen aber nach meinem Eindruck ein unbewusstes Unbehagen aufzulösen, das uns fast alle befallen hat, weil es eben menschlich ist. Jemand der gelassen und selbstbewusst in sich ruht, muss sich weder schnell vor Fremden fürchten, noch seine Identität über die Zugehörigkeit zu immer kleineren Minderheiten definieren.

Diese Parallelität einer Identitätssuche in beiden politischen Lagern, würde natürlich vehement bestritten werden, weil jeweils immer nur die anderen "bekloppt" sein können. Auch das ist ja Identität, wie bei verfeindeten Fussballvereinen. Ich bin aber sicher, wenn man mal unvoreingenommen darüber nachdenkt, wird man ähnliche, höchst menschliche Instinkte hinter diesen Mechanismen finden.

Der Mensch braucht Zugehörigkeit und Zugehörigkeit kommt mit Abgrenzung.

Die Auswirkungen dieser Bedürfnisse, können wir auf jeden Fall überall im westlichen Politbetrieb wiederfinden. Auch Trump ist selbstverständlich Produkt dieser Entwicklung, er ist eine Reaktion auf Entgrenzung und mangelnden Halt.

Ebenso wie übrigens die Aggressivität der "Schneeflöckchen" gegen alles, was die eigene Weltsicht in Frage stellen könnte, ein Symptom dieser Haltlosigkeit und der Identitätssuche ist. Denn man kann nur dann offen und aufgeschlossen anderen Gedankenwelten begegnen, wenn man selber auf stabilem, psychologischem Grunde steht.

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Drama – Liebe – Wahnsinn

Ich weiss nicht, ob Sie noch zu der Generation gehören, die sich noch an die alten "Väter der Klamotte" Folgen erinnert - damals als man als moderner Mensch noch vor dem Fernseher sass. Heute wird das mehr und mehr zum Medium derer, die das Internet als "Neuland" betrachten oder sich wie zuletzt Uli Hoeness, damit zu profilieren glauben, dass sie -> noch nie ins Internet geschaut hätten <-.

Diese "Väter der Klamotte" Folgen hatten am Anfang einen Vorspann, der unter dem Motto "Drama - Liebe - Wahnsinn" stand, wer sich nicht erinnert, kann das zum Beispiel -> hier <- bei Youtube tun.

Wenn Sie den Bildern folgen, sehen Sie schnell, dass es eine wunderbare Beschreibung des abgelaufenen Börsen-August ist, viel Drama, am Ende aber wenig Ergebnis:

In meinen Worten hier im freien Bereich vor den Ferien, hatte ich ja genau so eine volatile, richtungslose Seitwärtsbewegung über den August erwartet. Allerdings hat der größte Präsident aller Zeiten mit seiner völlig überraschenden Eskalation der Handelsgespräche Anfang August dafür gesorgt, dass diese etwas tiefer und volatiler ausgefallen ist, als erwartet.

Den Höhepunkt erreichte das Geschehen dann am Freitag 23.08., als Trump für einen Moment überzogen hat und der Markt ihn mit massiven Abgaben bestraft hat, als er glaubte im Sinne "I hereby order" einfach alle Firmen auffordern zu können, sich aus China zurück zu ziehen.

Erlebt haben wir in dem Moment aber auch, wer Trump wirklich im Griff hat und das sind die US-Indizes, wenn die fallen, dann reagiert er, denn er will eine Wahl gewinnen. Und so hat er über das Wochenende den Hebel umgelegt, den Fehler korrigiert und die Geschichte von den anrufenden Chinesen kreiert. Und da die Chinesen letztlich mitgespielt haben, hat es den Markt gedreht.

Für die Frage, wie das nun in den Indizes weiter geht, ist das alles eher ohne Belang, denn der Übergang vom Sommer in den Herbst, börsentechnisch markiert durch den US Feiertag "Labor Day", ist aus Sicht der Marktlage ein wenig so wie ein Neuanfang zu sehen.

Selten haben die Kursbewegungen des Sommers dann noch Bedeutung und Aussagekraft für die kommenden Wochen, dieser Tag ist wie ein Schnitt, an dem ein neuer Abschnitt beginnt, der Abschnitt der zum Jahresende hinführt.

Unterstützt wird dieser Effekt dadurch, dass nach dem heutigen "Labor Day" die "A-Teams" wieder an die Handelstische zurückkehren, das Volumen steigt deutlich gegenüber dem August und der Markt wird wieder mehr von grundlegenden Richtungen getrieben, während er im Hochsommer gerne in der Hand technischer Spielereien ist.

Wenn ich nun hier im freien Bereich ganz oberflächlich in die kommenden Wochen schauen soll, sind die folgenden Ausssagen zur Einordnung wichtig, die ich Ihnen nun einfach so zur Verfügung stelle und Sie auf Ihre Bedürfnisse übersetzen müssen. Tiefere Diskussionen und Einblicke gibt es nur in der Community, der Blog geht nun wieder in den Normalmodus über - mit in der Regel 2 Artikeln pro Tag.

(1) Wichtig für uns als Anleger ist nun, was bis zum Jahresende passiert und nicht, was 2021 passieren "könnte".

(2) Das ganze Gerede um "Inverted Yield Curve" und mögliche Rezessionen ist nun auch irrelevant, selbst wenn in den US in 2020 eine kommt, können die Kurse trotzdem zum Jahresende steigen. Oder mit anderen Worten "zu früh ist nur ein anderes Wort für falsch".

(3) Von der typischen Saisonalität her, kommen mit September und Oktober nun riskante und schwierige Monate, bevor dann im November typischerweise die Jahresendrally einsetzt. Nachdem das Jahr 2018 mit seinem Einbruch bis Heiligabend völlig aus diesem Muster gefallen ist, spricht viel dafür, dass dieses Jahr wieder typischer wird.

(4) Die Erwartungen der Anleger und deren Stimmung, wechseln aktuell zwischen skeptisch bis bärisch. Praktisch alle Indikatoren, die das Sentiment messen, zeigen einen hohen Anteil Skepsis und kaum jemanden, der schlícht bullisch zum Jahresende ist. Das ist eher ein Kontraindikator.

(5) Medial wurden alle bärischen "Säue" endlos durch das Dorf getrieben. Eine kommende Rezession wurde aus allen Blickwinkeln immer und immer wieder beleuchtet. Starke Kursbewegungen beruhen aber auf Überraschungen, weil anderes schon teilweise in den Kursen ist.

(6) "The Powers that be", die Notenbanken und die hohe Politik, haben alle ein Interesse daran, diesen Markt am Laufen zu halten. Selbst für die Chinesen und Xi gilt das wohl, die am Ende rational immer noch sicherer damit fahren würden, jetzt mit einem Schwäche zeigenden Trump einen Deal zu machen, als das Risiko zu gehen, nach der US Wahl einem von Wiederwahl-Erwägungen befreiten Trump gegenüber zu stehen, der dann noch viel aggressiver agieren kann und wird.

(7) EZB (nächste Woche) und FED (übernächste Woche) werden nach aller Wahrscheinlichkeit den Markt stimulierende Beschlüsse fällen. Schaden wird es ihm nicht, wobei die Frage immer ist, wie weit das von den schon eingepreisten Erwartungen abweicht.

(8) Ein echtes Risiko wäre eine Eskalation in Hongkong, Hongkong ist ein wesentlicher Handelsplatz mit erheblichen Auswirkungen auf die Märkte.

(9) Technisch gesehen, hat die volatile Range des August den Boden für eine direktionale Ausbruchsbewegung nach oben oder unten gelegt, wobei diese Range durchaus im September noch etwas andauern könnte.

In Summe sind das keine so schlechten Voraussetzungen für ein positives Jahresende mit neuen Hochs, vorher bleibt es aber wohl volatil. Ein Einbruch und eine Rezession kann in 2021 trotzdem kommen, das Geld wird aber nun mit dem verdient, was in den kommenden Wochen und Monaten passiert und nicht mit medialen Spekulationen und Hirngespinsten.

Diese medialen Spekulationen dienen nun einmal primär dazu Klicks zu generieren, wer gerade am Finanzmarkt das nicht auseinander halten kann, wird immer wieder wie die Sau zur Tränke geführt, nur um dann abgeschlachtet zu werden.

Ich wünsche einen erfolgreichen Start in den Lauf zum Jahresende, die Weihnachtsmänner kommen schon bald in die Regale der Einzelhändler! 😛

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Nix mit Hamptons – Wer schickt Trump mal zum Golfen?

So geht es manchmal, immer wieder habe ich auch hier betont, was für ein wunderbares Werkzeug die Markttechnik ist, um den Zustand des Marktes im Hier und Jetzt zu erkennen, während diese gleichzeitig - ganz entgegen anders lautender Unterstellungen - rein gar nichts über die Zukunft weiss und auch nicht behauptet, darüber etwas zu wissen.

Woher soll die Markttechnik auch wissen, was sich die Mächtigen der Welt gerade im stillen Kämmerlein ausdenken? Die Markttechnik weiss "nur", was der Markt in Gänze weiss. Unter der Voraussetzung, dass es keine grundlegenden Überraschungen gibt, liefert die Markttechnik also ein getreues Abbild der Erwartungen der Marktteilnehmer und erlaubt uns daher, uns weit besser aufzustellen, als das mit reinem Herumraten möglich wäre.

Gleichzeitig kann aber eine völlig neue Information, eine Überraschung, diese Gleichung immer wieder verändern und zu einem neuen Gleichgewicht führen, weil sich die Erwartungen - und damit die Kurse - anpassen.

Genau das können wir gerade beobachten. In -> Auf in die Hamptons <- hatte ich am Donnerstag nicht nur meinen Urlaubsbeginn beschrieben, sondern auch, dass viele der Trader und Investoren der Wallstreet, sich nun in einen Urlaub verabschieden ..... wollten, muss man nun wohl sagen.

Am Donnerstag schien auch alles für einen ruhigen Sommerhandel bereit, die FED hatte geliefert, eine milde "Sell the News" Reaktion hatte eingesetzt und alles war bereit für ein müdes Geschiebe in einem trägen August, in dem die meisten Politiker und Notenbanker auch Urlaub machen und keinen Schaden anrichten können.

Klar war zu dem Zeitpunkt auch, dass der Markt durchaus korrekturreif war, ich hatte Ihnen ca. 5% als vorstellbaren Umfang für den August genannt. Und beim Thema Handel schien erst einmal Ruhe zu sein und neue Verhandlungen sich bis in den Spätherbst zu ziehen.

Auf jeden Fall hat *niemand* und wahrscheinlich wirklich niemand - scheinbar nicht einmal die Chinesen - damit gerechnet, dass das Handelsthema plötzlich - gerade jetzt im August - in eine heisse Phase eintritt.

Und dann kam Trump.

Auch in seiner eigenen Administration war seine Eskalation dem Vernehmen nach umstritten, er scheint sich aber nach Berichten über die Bedenken des Umfeldes hinweg gesetzt zu haben. Und noch in der Nacht von Donnerstag auf Freitag letzte Woche, hat Trump neue Zölle in den Raum gestellt und damit ganz klar alle überrascht und China mehr oder weniger aggressiv mitgeteilt: "Don´t bullshit me!"

Das hat eine Menge verändert und generiert eine neue Lage für den August. Ich bin sicher, viele professionelle Investoren, die sich gerade in den Urlaub - in die Hamptons - aufmachen wollten, haben Donald Trump da verflucht und verfluchen ihn heute erneut.

Für Trader und für "Proprietary Trading Firms", also große Eigenhändler, ist das kein Problem. Man schliesst im Urlaub halt alle seine Positionen und gut ist es. Im September geht es dann wieder los.

Für Investoren aber, für kleine Investoren wie uns und große Investoren zum Beispiel in "Family Offices", gibt es nun aber dank Donald Nachdenkbedarf - man kann das Geschehen nicht einfach ignorieren.

Nicht ignorieren umsomehr, als China heute mit einer bewussten Abwertung des Yuan gekontert hat und damit eine aggressivere Tonlage als bisher anschlägt.

Auch China ruft Trump also "don´t bullshit us!" zu und so haben wir hier nun zwei Fahrzeuge, die im Chicken-Game aufeinander zurasen und wir werden gespannt beobachten, wer als erster die Nerven verliert und ausweicht.

China scheint nun auf Zeit spielen zu wollen und glaubt scheinbar ernsthaft, nach der Wahl in einer besseren Position zu sein, weil Trump dann weg ist. Ich halte das für ein gefährliches Spiel, kann aber aktuelle Verärgerung über die Art verstehen, wie Trump hier einseitig mit Erpressungsversuchen agiert, nur weil der andere Verhandlungspartner sich nicht so bewegt, wie er gerne möchte.

Zu Verhandlungen gehören halt zwei, die beide ihre Interessen wahren müssen. Ob man so Verhandlungen führen kann, ob am "Art of the Deal" etwas dran ist oder es nur Geblubber war, werden wir im Kino der Geopolitik bald erleben.

Aber wie auch immer, für die Märkte ist das eine *Neue Lage*, plötzlich ist im eigentlich volumenarmen August ein heisser Handelskonflikt mit aggressiven Währungsmanipulationen im Gange - gerade in dem Moment, in dem man sich in den Urlaub verabschieden wollte.

Das erfordert eine Neubewertung und die Risiken sind damit eindeutig höher, als sie es mit den 5% Korrekturpotential im trägen August-Handel gewesen wären.

Trotzdem hat sich in meinen Augen nichts Grundlegendes geändert, vorbehaltlich der Annahme, dass diese Eskalation auf politischer Seite begrenzt bleibt und nicht weiter hocheskaliert wird.

Der Markt war schon korrekturbereit, nur erhöht die neue Lage das Risiko weiter. In einem ausgedehnten, heissen Handelskonflikt, in dem theoretisch nun die US mit aggressiven Maßnahmen gegenhalten und protektionistischer PingPong einsetzt, sind und waren immer eher 10-20% Korrektur auf der theoretischen Agenda, wie auch letzten Herbst. Nur war damit bisher diesen August überhaupt nicht zu rechnen.

Donald Trump hat das in seinem unermesslichen Ratschluss nun einfach mit einem Fingerschnippen verändert. Ich denke viele Profi-Investoren, die nun einen ruhigen Urlaub beginnen wollten und nun stattdessen Anrufe Ihrer Kunden beantworten müssen, wünschen Donald Trump nun sehnsüchtig auf den Goldplatz und weg aus Washington. 😉

Die Lage bleibt also die Alte, nur dass sich das Korrekturpotential im August erhöht hat. Die 5% die ich nannte, wurden nun mit der unteren Begrenzung der "August-Box" schon heute 05.08. Stand 17:15 MEZ erreicht.

Ein typischer Verlauf wäre nun von hier ein Rebound und dann wird die Frage beantwortet, ob es diese 5% schon waren oder sich die Korrektur wie eingezeichnet nach einem Rebound noch im August zu den Tiefs von März und Mai ausdehnt:

Ich kann Ihnen nicht sagen, ob es bei 5% bleibt oder 10% werden, ich werde jetzt auch wirklich mal Ferien machen und lasse Trump nun herumwüten, so viel er will.

Natürlich wird viel vom weiteren politischen Verlauf abhängen, aber früher oder später kommt nach so einem mehrtägigen Ausverkauf ein scharfer Rebound nach oben - wahrscheinlich ausgelöst durch Spekulationen, dass die FED nun doch aggressiver zu Werke geht - Trump hat heute ja schon -> lautstark danach verlangt <-

China dropped the price of their currency to an almost a historic low. It’s called “currency manipulation.” Are you listening Federal Reserve? This is a major violation which will greatly weaken China over time!

Fazit:

Trumps für alle überraschende Eskalation genau Anfang August, hat die Lage verändert und die Risiken diesen August erhöht. Am prinzipiellen und schon vorher vorhandenen Bíld einer notwendigen und mittelfristig kaufbaren Sommer-Korrektur, ändert das aber nach meiner Einschätzung erst einmal nicht viel.

Revidieren müssten man diese immer noch positive Sicht, wenn sich China und US nun wirklich aggressiv ineinander verhaken sollten, denn die aktuellen Kursstände passen nicht zu einer massiven weltweiten Rezession, die aus einem heissen Handelskrieg resultierten könnte. Insofern preisen die Märkte gerade Teile dieses Risikos ein, weil es nun von "undenkbar" auf "schlimmstenfalls möglich" nach oben geschnellt ist - dank Trump.

Die Frage ist halt, wie wahrscheinlich das ist?

Das kann und muss jeder für sich selber beantworten, wir haben alle keine Glaskugel. Ich halte dieses extrem negative Szenario aber immer noch für unwahrscheinlich, weil damit niemand etwas gewinnt und insbesondere Trump immer noch eine Wahl gewinnen will und eine Rezession dabei ungefähr so gebrauchen kann wie Syphilis oder Tripper.

So ... jetzt bin ich wirklich weg. Halten Sie die Ohren steif und lassen Sie sich nicht Bange machen! Korrekturen gehören zum Markt dazu und ohne Korrekturen, würde es nie attraktive Kaufkurse geben.

Wer kurzfristig tradet, mag eine Korrektur ebenso wie eine Hausse, weil er in beide Richtungen profitieren kann.

Wer langfristig anlegt, kann sich über Korrekturen freuen, weil er bei seinen Qualitätswerten zu besseren Kursen nachlegen kann.

Nur wer gerne Investor wäre, bei jeder Schwankung aber sofort ganz kalte Füsse bekommt, für den ist jede derartige Korrektur eine Qual. Wenn das so ist, liegt die Lösung darin sich klar zu werden, was man sein will - Trader oder Investor - und sich diszipliniert einer Strategie zu verschreiben, die dann regelbasiert zu sinnvollen Handlungen führt.

Viel Erfolg und schöne Ferien!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Auf in die Hamptons!

Als ich das letzte Mal hier im freien Bereich das ganz große Bild des Marktes betrachtet habe, war das im Artikel -> Sommer-Tango <- am 01.07. - also vor genau einem Monat.

Meine Worte waren da:

Nun richten sich die Augen des Marktes auf die FED Ende Juli, von einer Zinssenkung um einen Viertelpunkt kann aus Sicht des heutigen Wissensstands ausgegangen werden. Die EZB kommt eine Woche vorher und wird wohl auch Maßnahmen ankündigen, um im "Race to the Bottom" der Währungen nicht den Kürzeren zu spielen.

Man kann das finden wie man will und man kann berechtigterweise der Ansicht sein, dass diese Notenbankpolitik Wahnsinn ist, es ändert aber nichts daran, dass damit bis auf weiteres die Marktsignale auf Grün bleiben und man zum Jahresende 2019 weiter latent optimistisch sein kann.

Unvorsichtig sollte man nicht werden, das ist aber eine Platitüde, weil das darf man nie, niemand kennt die Zukunft und Überraschungen sind immer möglich.

Wenn man sich nun aber Marker unter den heutigen Kursen zurechtlegt, die dann im Falle des Falles ein Signal setzen, dann kann man solange diese Marker nicht in Gefahr geraten, als Anleger weiter den Sommer-Tango tanzen!

Und wissen Sie was? Viel geändert hat sich nicht, wir können noch immer den Sommer-Tango tanzen, sollten aber nun durchaus mit einer kleinen Schwächephase rechnen, die vielleicht 5% Minus ausmachen könnte, können danach zum Jahresende aber weiter optimistisch sein.

Es wäre also kein Wunder, wenn sich der S&P500 diesen August irgendwie im Bereich dieser Box bewegen würde. Würde der S&P500 den unteren Rand ereichen, wären das rechnerisch 4,3% Minus von heute. Im September sehen wir dann weiter:

Die EZB hat zwar letzte Woche vordergründig noch nichts getan, einen weiteren Schub in die Negativzinsen oder sogar eine Neuaufnahme des Asset-Aufkaufprogrammes, für den Herbst aber sprachlich vorbereitet.

Und die FED hat gestern die allseits erwartete erste Zinssenkung mit einem Viertelpunkt in Gang gesetzt und damit einen ausgewogenen Spagat zwischen dem Druck Trumps und der eigentlich immer noch gut laufenden Konjunktur versucht.

So ein Spagat geht aber fast immer schief, Trump dürfte unzufrieden sein und der Markt, der zumindest teilweise noch still und heimlich auf einen halben Punkt gehofft hatte, dürfte auch nicht ganz happy sein.

Das ist auch ein psychologisches Problem, denn der Markt hoffte auf den Einstieg in eine längere Zinssenkungsphase, weiss aber auch, dass die FED solche Phasen fast immer kraftvoll mit einem halben Punkt Erstsenkung eingeleitet hat. Und auch in der Pressekonferenz hat Jerome Powell mal wieder Erwartungen enttäuscht, davon kann man bei ihm fast zuverlässig ausgehen - die Eloquenz ist ihm offensichtlich nicht in die Wiege gelegt.

Insofern ist das Gestern, gemessen an den Erwartungen, wohl für alle Seiten zu wenig gewesen. Die Einen halten diese Senkung schon für übertrieben, weil es keinen klar sichtbaren Anlaß dafür gibt, die Anderen halten die Senkung für zu wenig. Die Chance, dass nach diesem FED-Entscheid die oben genannte Sommer-Korrektur als klassische "Sell-the-News" Reaktion in Gang kommt, ist also nun vorhanden!

Aber wie auch immer, das sind einfach die typischen Anpassungen der Erwartungen nach der FED und die sollte man gelassen betrachten, wichtig ist, dass der "Race to the Bottom" einfach in die nächste Runde geht. Die Anpassung der Kurse wird sich wohl heute und am morgigen Freitag noch ausschaukeln, dann wird auch hier mehr Ruhe einkehren und der echte Sommerhandel beginnen. Eine kleine Korrektur wäre aber nun nicht nur fällig, sondern auch äusserst gesund und sollte von allen begrüsst werden, die nach dem Urlaub zum Jahresende Chancen suchen wollen.

In diesem Sommerhandel haben sich die "A-Teams" der Wallstreet nun bald in ihre diversen Villen und Resorts verabschiedet, wie zum Beispiel die berühmten -> Hamptons <- auf Long Island, nicht so weit von New York entfernt und mit dem Hubschrauber vom Südende Manhattans schnell erreichbar. 😉

An den Handelstischen sitzen im August nur die "B-Teams", das sind die gegeelten Jünglinge, die gerne einen Hubschrauber hätten. 😛 Und das Volumen ist deutlich geringer als sonst.

Dieser Sommerhandel kennt selten eine echte Richtung, kann durch das geringere Volumen aber sehr volatil werden, ich erinnere nur an den berühmten ETF-Flash-Crash vom 24.08.15.

Auch ich verabschiede mich nun in den Sommerurlaub, da ich keinen Hubschrauber habe, ganz normal in die Ferien, wie das bürgerliche Mitteleuropäer halt so tun. 🙂

Der Blog läuft weiter, es gibt auch neue Beiträge, aber im August nur spärlicher als normal. Ab Anfang September geht es dann wieder mit Vollgas in Richtung 2020.

Nun wünsche ich allen, die wie ich jetzt erst in die Ferien starten, schöne Sommerferien! Und allen anderen wünsche ich bald einen beschwingten Start hinein in den Wettlauf bis Weihnachten. Die Schokoladen-Weihnachtsmänner sind schon längst produziert, wenigstens das bleibt, wie es schon immer war. 😛

Ihr Michael Schulte (Hari)

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