Ein einfaches Anlage-System für den Aktienmarkt

Lage & Szenarien vom 02.07.2023

Seit über einem halben Jahr steigen die Aktienkurse. Anleger, die den Boom verpassten, fragen sich womöglich, ob es nun endgültig zu spät ist, um noch einzusteigen? — Ich zeige heute ein Fünf-Punkte-System, bei dem es nie zu spät ist. Das System hat Chancen, es hat auch Risiken. Vor allem aber schont es die Nerven, weil es eingebaute Sicherheitsgurte hat. Ich fahre gut damit.

1. Ich werde mir klar über den Zeitraum, über welchen hinweg ich meine Aktien halten möchte. Das ist nötig, da der geplante Zeitraum die Entscheidungskriterien beeinflusst, die zu den Aktien(de)investitionen führen. Nehme ich einen mittelfristigen Zeitraum an, also mehrere Monate, dann darf ich mich zurücklehnen, Tagesereignisse spielen keine übermäßige Rolle, ich beschränke mich darauf, die allgemeine Richtung zu erkennen. Die Herausforderung dabei ist: Eben genau das zu akzeptieren. Dass es recht einfach ist. Dass es kein Spezialwissen braucht. Es geht lediglich um die grobe Marktrichtung, nicht um einen laserscharfen Blick oder gar eine tiefgründige Analyse. Die Wirklichkeit, der Markt sind zu komplex, um durchanalysiert werden zu können.

2. Ich wähle meine Aktien aus. Über mögliche Kriterien und aussichtsreiche Marktsegmente schreibe ich sonntags in Lage & Szenarien häufiger und diesmal nicht 🙂 Wichtig ist, dass es bei dem hier vorgestellten System bei mittelfristiger Perspektive weniger auf den tagesaktuellen Kurs einer Aktie ankommt, und schon gar nicht kommt es darauf an, was Experten glauben, wie sich die Kurszukunft einzelner Aktienunternehmen entwickeln wird. Die Experten wissen es nämlich auch nicht, und genau das Nichtwissen, welches ich als Privatanleger auch habe (!), verunsichert mich, gerade deswegen bin ich versucht, Experten zu lauschen. Das muss ich akzeptieren: Niemand kennt die Zukunft und an niemanden und keinen Besserwisser kann ich die Verantwortung für meine Investition abgeben und mit all meinem Unwissen und meiner Unsicherheit: kaufe ich dennoch. Und zwar eine kleine Position der auserkorenen Aktie, mögliche Einzelentscheidungskriterien habe ich sonntags häufiger vorgestellt. Jetzt passiert etwas Interessantes. Ich habe gehandelt, ich bin aus der Unsicherheitsstarre heraus, und ich habe eine Verbindung hergestellt zu der Aktie. Von jetzt an werde ich sie wirklich beachten und verfolgen und ein Gefühl für sie bekommen.

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Wie eine Minderheit märchenhafte Kursgewinne erzielt

Lage & Szenarien vom 25.06.2023

Bin ich am Aktienmarkt mittelfristig unterwegs, dann lasse ich mich von aufgeregten Tagesmeldungen nicht ablenken, ich konzentriere mich auf den eigentlichen Zustand der Wirtschaft und wie Börsenteilnehmer diesen beurteilen. Das obige Bild zeigt die Zustandseinschätzung der Börsianer, also die Lage, und es legt mir ein Szenario nahe, wie es weitergehen kann. Außerdem bietet es eine Erklärung an, warum die meisten Marktteilnehmer die aktuelle Rallye verpasst haben.

Eine Erklärung, also eine Rückschau in die Geschichte, hat den Vorteil, dass ich einen eventuell gemachten Fehler (also verpasste Gewinne) beim nächsten Mal, treten ähnliche Umstände ein, nicht wiederholen muss. Schließlich ist mir das Muster dann bekannt. Der obige Chart notiert den NYSE New Lows-Index (LOWN), näherungsweise Deutsch-Übersetzung des Indexnamens: Neue Tiefstkurse an der New York Stock Exchange. Jede Kerze im Chart stellt eine Handelswoche dar. Links zu sehen ist der Ausschlag, welchen die Pandemie-Panik im Frühjahr 2021 verursacht. Das Ereignis illustriert meine Arbeitsthese: Der Chart ist ein Unsicherheitsanzeiger, und Unsicherheit bedeutet fallende Kurse.

Denn als der LOWN hochschießt, stürzen damals die Kurse. Schon im April 2020 ist die Panik vorbei, der LOWN verfällt komplett und verharrt von da an bis in den Herbst des Folgejahres auf Tiefständen. In dieser Zeit erzielen Anleger, abzulesen beispielsweise im US-Standardindex S+P 500, geradezu märchenhafte Gewinne. Es liegt in der Natur märchenhafter Kursgewinne, dass nur eine Minderheit sich ihrer erfreuen kann, da die Mehrheit der Marktteilnehmer außen vor bleibt, beziehungsweise sich in eine laufende Rallye teuer einkaufen muss. Gerade das befeuert sie ja. Der LOWN zeigt an, dass die Panik im April 2020 vorbei ist, die Anleger sind sogar so weit weg von einer Panik, wie man es sich nur vorstellen kann. Dennoch verharrt die Mehrheit der Anleger zunächst an der Seitenlinie und verpasst damit Kursgewinne.

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Die Aktien-Rallye ist da — und nun?

Lage & Szenarien vom 18.06.2023

Die Kurse schießen durch die Decke. Besonders im Technologie-Sektor geht es heiß her. Da werde ich als Aktienanleger ganz kühl, drehe zuerst die Meinungen ab, dann die Nachrichten. Geld macht Fakten. Auf die Fakten konzentriere ich mich: Sieben Kursbilder schaue ich mir an, immer im gleichen Maßstab, im gleichen Zeitraum. Wie von selbst entsteht in der Sektoren- und Spezialitätenbesichtigung ein Lagebild und mein Szenario.

Der XLB Materials Select Sector (Bild oben, Wochenstäbchen) bildet den Preisverlauf nordamerikanischer Grundstoffe nach: Nicht indem er die Grundstoffpreise selbst verfolgt, sondern indem er die Kursentwicklung der Grundstoffunternehmen wie Sherwin Williams, Dow usw. verfolgt. Links im Chart zu sehen ist der Covid-Absturz, dann kommt der Wiederaufstieg. Seitdem: unauffällig … Moment, da ist ein Tief im Oktober letzten Jahres und die zwei folgenden diesjährigen Tiefs sind höher … negativ ist das nicht. Begreife ich Grundstoffe als Grundlage, als Fundament einer Wirtschaftsentwicklung, so ist das Fundament - abseits der täglichen Aufgeregtheiten - gut gegossen und ausgehärtet.

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Wohin die Angst uns führt

Lage & Szenarien vom 11.06.2023

Zuerst schalte ich die Nachrichten aus. Dann koppele ich mich ab von Meinungen. Anschließend gestehe ich mir ein, dass mir heute unbekannt ist, was morgen passieren wird oder übermorgen oder nächsten Monat. Der Boss von Goldman Sachs weiß es übrigens auch nicht. Auch nicht die EZB-Bossin. Kein Mensch weiß es.

Nun bin ich bereit für obiges Bild. Es berichtet mir von menschlicher Angst und wohin diese uns führt. Anschließend blende ich Aktienkurse ein in das Bild der Angst und ein möglicher Pfad zu Aktiengewinnen, den alle Anleger suchen und wenige finden, wird sichtbar.

Der VIX-Index oben stellt die Schwankungsbreite von 500 großen US-Aktien dar (Details).

Der VIX lässt sich als Angst-Index begreifen. Je höher sein Ausschlag, desto größer ist die Angst der Anleger. Haben Anleger Angst, dann verkaufen sie hastig, was Aktienkurse unruhig werden lässt, sie schwanken heftiger und der VIX schlägt aus. In der Vergangenheit war es zumeist so, dass bei steigendem VIX der Kurs des großen US-Aktienindex S+P 500 fiel. Umgekehrt: Fiel der VIX, stieg zugleich der S+P 500. — Warum sollte sich der Mechanismus ausgerechnet ab heute ändern?

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Die Macht der Angst

Lage & Szenarien vom 04.06.2023

Das sind drei reale Gefahren, davor darf ich als Aktienanleger die Augen nicht verschließen:

  1. Eine Rezession kommt und wird die Aktienkurse nach unten ziehen.
  2. Wir haben weiterhin eine Inflation, und Inflation belastet die Kurse.
  3. Im Wirbel um die Künstliche Intelligenz (KI) läuft der Technologie-Sektor in eine Übertreibung hinein.

Solche Gefahren machen mir Angst. Angst ist mächtig. Sie vernebelt mir Wissen und dämpft Rationalität. Der Chart oben zeigt den SOX, den amerikanischen Index für die börsennotierte Halbleiter-Industrie. Auch dort, wo ich den Pfeil eingezeichnet habe, herrschte Angst bei Anlegern:

Es war der Sonntag vor zwei Wochen und die USA standen kurz vor der Pleite. Denn US-Präsident und Opposition konnten sich nicht auf eine Erhöhung der amerikanischen Staatsschuldengrenze einigen. Eine US-Pleite hätte die Aktienkurse weltweit abstürzen lassen; besonders betroffen wären Tech-Titel gewesen, welche zumeist viel Zukunftshoffnung in den Kursen haben. Dazu kamen - auch vor zwei Wochen schon - die oben genannten drei Angstgründe. Dennoch schrieb ich am 21. Mai 2023 zum SOX-Chart: Halbleiter-Sektor vor dem Abflug.

Heute steht der SOX-Indexkurs höher. Das letzte Stäbchen rechts im obigen Chart notiert den Kursstand vom Freitag, 2. Juni, dem derzeit letzten Handelstag.

Wo die Angst groß ist, sind große Gewinne möglich. Gründe:

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Der aktuelle Gewinn-Sektor im Aktienmarkt

Lage & Szenarien vom 21.5.2023

Punkt eins. Es geht bergauf. Das sagte ich vor zwei Wochen an dieser Stelle und positionierte mich entsprechend. Denn: „Kaum wird Powell deswegen eine Rezession herbeizinsen wollen, also die Zentralbankzinsen immer weiter anheben, um die Inflation zu bekämpfen und Banken krachen zu lassen (…) Für mich ist wahrscheinlich, dass die Fed den aktuellen Zinserhöhungszyklus stattdessen auslaufen lassen wird und zwar ohne davon groß Aufhebens zu machen.” (Zitat Lage & Szenarien vom 7.5.23)

Am Wochenende räumte Jerome Powell, Chef der US-Zentralbank Fed, das Thema gefühlt für die Börse ab, indem er öffentlich darüber nachdachte, dass „unser Leitzins möglicherweise nicht so stark steigen muss, wie es sonst nötig wäre, um unsere Ziele zu erreichen.” Das Thema schaffte es kaum noch in die Nachrichten.

Punkt zwei. Die USA machen pleite. Am 1. Juni, also in rund 9 Tagen. Befürchtet weltöffentlichkeitswirksam US-Finanzministerin Janet Yellen. US-Präsident Biden und Repräsentantenhaus-Sprecher McCarthy nutzten in den letzten Tagen die Chance, sich in dem alle Jahre wieder aufgeführten Dramolett als Budget- und Staatsretter in Szene zu setzen. Sie würden sich einigen, sagten sie, und die Staatsschuldengrenze hochschrauben. Neueste Wendung: Man einigte sich doch nicht, man vertagte sich. — Crash-Aficionados läuft da ein wohliger Schauer über den Rücken. Einige Anleger wollen allerdings während der Theaterpause im Foyer erfahren haben, dass es im Finanzministerium eine Schatulle und ein Telefon gebe. Spezielle Rücklagen birgt die Schatulle, sie ist natürlich nur im Fall der Fälle zu öffnen. Alternativ ließe sich auf das Telefon zurückgreifen, mit dem sich auf verbalem Wege Gesetzesänderungen anregen lassen oder - schneller noch - einige lockernde Verordnungen.

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Das Gradierwerk

Ein Non-Lage & Szenarien vom 14.5.2023

Es waren die späten 1990er-Jahre. Die Kurse kannten nur einen Weg, nach oben. Bald handelte gefühlt jeder an der Börse. Denn keiner wollte der Dumme sein, der arbeitete, statt reich zu werden. Als die Notierungen in Frankfurt und New York endgültig steil gingen, begrüßten wir uns im Büro am Morgen nicht länger mit einem „Moin!”, sondern wir riefen uns Gewinnsummen zu, die unsere Depots über Nacht (!) gemacht hatten. Wir Ahnungslosen waren angekommen in der finalen Milchmädchenhausse.

Sie fühlte sich toll an.

Danach wurde es weniger toll. Es wurde teuer. Für manche ruinös. Im Kursabsturz der frühen 2000er-Jahre forderte die Börse nachträglich ihr Lehrgeld ein, mit Strafzinsen und Dummenzuschlag.

Um Erfahrungen reicher erlebten wir Gezausten den Wiederaufstieg der Kurse bis ins Jahr 2007 hinein. Die alten Höchstkurse waren wieder da — und die Weltfinanzkrise riss alles ein. Der Kurssturz war sogar tiefer als zuvor.

Dafür gradierten die Erfahrungen.

Die letzten Jahre: Corona-Absturz, Flutung der Märkte mit Fed-Geld und Tech-Aktien-Feuerwerk. Zinserhöhungszyklus und krachende Banken sind die Herausforderungen von heute. Ihnen begegne ich mit aufkonzentrierten Erfahrungen:

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Apples Aussichten und Bidens Beitrag

Lage & Szenarien vom 07.05.2023 von Frank Sauerland

Deutschland stürzt ab. Um 10,7 Prozent fiel der Auftragseingang der deutschen Industrie im März. Das gab das Statistische Bundesamt am Freitag bekannt. Es ist der stärkste Rückgang seit der Corona-Pandemie. Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang um 2,2 Prozent erwartet.

In die USA exportierten deutsche Unternehmen im März 10,9 Prozent weniger als im Vormonat; die Ausfuhren nach China sanken um 9,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat.

Deutsche Unternehmer beklagen hohe Energiepreise, hohe Steuern und eine ausufernde Bürokratie, sie lenken Investitionen ins Ausland um. Die Nachrichten kann ich als Anzeichen einer beginnenden Deindustrialisierung Deutschlands begreifen. Die USA locken deutsche Unternehmen mit „Ansiedlungsprämien”, gespeist aus dem Inflation Reduction Act.

Dabei stehen auch die USA nicht ohne Probleme da. Die Supermacht kämpft um ihren Status, die Wirtschaft ächzt:

  • Eine Bankenkrise frisst sich durchs System. Zuerst ging die Silicon Valley Bank unter. Die First Republic legte dann vergangenes Wochenende die zweitgrößte Bankenpleite der US-Geschichte hin. Auch die Signature Bank kam unter die Räder. - Ich erinnere mich, dass die Finanzkrise 2008 mit wenigen Bankpleiten begann ... weitere tröpfelten herein … dann wurden es immer mehr …
  • Die staatlich verordnete Schuldenobergrenze rückt in den USA näher. Einigen sich sie die verfeindeten Demokraten und Republikaner nicht bis zum 1. Juni, droht die Staatspleite.
  • Die Inflation ist weiterhin viel zu hoch. Gleichzeitig droht eine Rezession.

So, wer bis hierhin gelesen hat, der ist deprimiert. Er will nur noch auf eine Insel und sich die Decke über den Kopf ziehen.

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Was Nichtstun einbringt

Lage & Szenarien vom 30.04.2023 von Frank Sauerland

Die abgelaufene Börsenwoche war voller Aufgeregtheiten. Doch diese verschwinden bereits im Nebel der Vergangenheit. Milchige Umrisse sind noch zu erkennen, für Details müsste ich schon die Augen zusammenkneifen. Das kann ich mir sparen; letztlich tupften die Aufgeregtheiten - rückblickend gesehen - dem großen Börsenbild nur Details hinzu. Um Börsenlage und Szenario zu justieren, reicht es mir, den Chart vom letzten Sonntag hervorzuziehen.

Welchen ich bereits am Sonntag davor benutzte. Ich gehe also in die dritte Wiederholung … Letzten Sonntag betrachtete ich den zu dem Zeitpunkt aktuellen Freitagsschlusskurs des US-Aktienleitindex’ S+P 500, er lag bei 4133 Dollar, und ich machte dort im Chartbild (siehe oben) einen roten Punkt — im Vergleich zum Vorwochenfreitagsschlusskurs hatte sich wenig getan. Der Vorwochenfreitagsschlusskurs ist die letzte kleine Kerze im Chartbild, direkt über dem gebogenen Aufwärtspfeil.

Heute setze ich einen neuen Punkt und damit Abwechslung in das Bild hineinkommt, nehme ich dieses Mal die Farbe Blau. Der S+P 500 schließt am Freitag (28.4.2023) bei 4169 Dollar, blauer Punkt mit blauem Hinweispfeil.

Die Nachrichten der gerade abgelaufenen Woche, die vergangenen Aufgeregtheiten und die Börsenmeinungen streiche ich sämtlich weg; es bleiben die nackten Fakten, also die Kurse.
Was sehe ich?

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Vom Nichtstun

Lage & Szenarien vom 23.04.2023 von Frank Sauerland

Der obige S+P 500-Chart ist vom letzten Sonntag, er ist eine Wiederholung, voriges Wochenende habe ich ihn schon einmal gezeigt und geändert habe ich heute an ihm nur eine Kleinigkeit, ich habe einen roten Punkt angebracht. Damit der Punkt zu finden ist, zeige ich mit einem roten Pfeil auf ihn. Dort, am Punkt, steht der Kurs aktuell. Viel getan hat sich nicht, der Kurs des US-Aktienleitindex’ S+P 500 hat in den abgelaufenen fünf Handelstagen ein wenig hin und her gezittert, im Ergebnis steht er fast wieder da (4133 Dollar), wo er am Freitag vor einer Woche stand, und meine letztsonntägliche Einschätzung der Lage und das Szenario bleiben bestehen. Eine Erkenntnis kommt hinzu:
Als Aktienanleger sollte ich besser auch das Nichtstun beherrschen.

Man lässt sich nicht von einströmenden Tagesneuigkeiten verrückt machen. Man wartet ab. - Vielleicht ist solche Untätigkeit eine der schwersten Disziplinen für mich als Anleger. Doch wenn sich am Markt keine neuen Trends abzeichnen, wenn der Index seitwärts geht, Unentschiedenheit herrscht, dann habe ich Geduld zu entwickeln. Bin ich mir darüber klar, für welche Zeitdauer meine Anlage geplant ist und wenn Depoteinzelwerte nicht querschießen, dann kann es das Beste sein, nichts zu unternehmen, eine zwanghafte Optimierung zu unterlassen. Die Zeit spielt sowieso für mich, sie ist der beste Optimierer. Gute Unternehmen arbeiten ständig an Verbesserungen, Fortschritt steigert die Produktivität, als Aktionär profitiere ich.

Untätigkeit ist nicht gleichbedeutend mit Unaufmerksamkeit. Kommen wichtige Nachrichten in den Markt, dann ist es meine Aufgabe zu reagieren. Dazu muss ich einschätzen können, welchen Nachrichten wichtig sind. Ein Blick auf den Chart hilft dabei. Eine Nachricht, die für mich als Anleger relevant ist, bewegt den Chart. Die meisten anderen Nachrichten darf ich als Hintergrundrauschen betrachten. Von der Parade der greinenden Experten, der Vorhersager und Rezessionswisser kann ich mich unterhalten lassen, ich kann sie auch ignorieren. Manche absehbaren Ereignisse lassen sich im Vorwege als möglicherweise wichtig klassifizieren, je nachdem wie meine Anlage aufgestellt ist.

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Das Angstspiel

Lage & Szenarien vom 16.04.2023 von Frank Sauerland

Wir lieben das Angstspiel, geradezu süchtig sind wir danach.

  • Wir hatten Angst vor Corona und trafen Angstentscheidungen
  • Wir hatten Angst vor der Inflation, welche freigebige Notenbanken produzierten, und trafen Angstentscheidungen
  • Wir hatten Angst vor steigenden Zinsen, weil hohe Zinsen immer schlecht für Aktien sind, und trafen Angstentscheidungen
  • Wir hatten Angst vor krachenden Banken und trafen Angstentscheidungen
  • Aktuell haben wir Angst vor einer Rezession und treffen Angstentscheidungen …

So kann ich mich durch Wochen und Monate und Jahre ängstigen. Nur vor einem ängstige ich mich nicht: Meinem Zeitverbrauch, während ich mich dem Angstspiel hingebe. Das ist ein Fehler, denn Zeit ist das Kostbarste, was ich besitze; unwiederbringlich verfließt sie.

Eine der wichtigsten Aufgaben für mich als Investor ist daher, das Angstspiel zu erkennen, seine Regeln zu lernen und den wahrscheinlichen Ausgang des Spiels zu wissen. Denn das Spiel hat, wie jedes traditionelle Spiel, einen Gewinner und einen Verlierer, und ich sollte mich als Investor möglichst auf der Gewinnerseite befinden.

Der Verlierer ist in der Mehrzahl der Spielrunden der ängstliche Investor. Der Gewinner ist immer der Spiel- und Angstmacher. Er eröffnet das Spiel, indem er Angst schürt. Anschließend befeuert er das Spielgeschehen mit neuen Angstdetails. Gerade die Details machen süchtig. Immer mehr will ich über sie erfahren, da das Detailwissen mich vermeintlich sicherer macht bei meinen Investitionsentscheidungen. Dabei ist und bleibt - auch bei allem Detailwissen - jede Entscheidung zu Aktienkäufen und -verkäufen unsicher, da offen ist, was morgen in der Welt passieren wird.

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Die richtigen Branchen haben die richtigen Aktien

Lage & Szenarien vom 09.04.2023 von Frank Sauerland

Mit wenigen eigenen und ausgesuchten fremden Gedanken identifiziere ich als Aktienanleger zügig gewinnträchtige Branchen sowie mögliche Gewinner-Aktien. Dazu werfe ich zuerst einen Blick auf die Finviz-Balkendarstellung der Sektoren-Performance. Das entsprechende Diagramm ist oben zu sehen. Sektoren-Auswertungen anderer Anbieter funktionieren ähnlich gut.

Ich möchte mit einer mittelfristigen Perspektive anlegen, daher schaue ich mir die mittelfristige Entwicklung der Sektoren an. Bei anderen geplanten Anlagedauern ergeben sich andere Sektorenbilder und andere Schlussfolgerungen.

Das obige Diagramm gibt mir eine aktuell berechnete „Hitliste”. An der Spitze steht der Technologie-Sektor. Er brachte im vergangenen Halbjahr bis zum letzten vorösterlichen Handelstag eine Gewinnentwicklung von 15 Prozent.

Die zweitbeste Entwicklung weist der Sektor Grundstoffe auf. An dritter Stelle steht der Sektor Standardkonsumartikel, auf dem vierten Platz sind Kommunikationsleistungen usw.

Aus einer derartigen Sektorenübersicht kann ich ableiten, was bisher mittelfristig im Trend gelegen hat, und da Trends eine Zeit lang laufen (sonst wären es keine Trends), ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es noch einige Zeit weiter so geht. — Auf den ersten Blick ist das keine durchschlagende Erkenntnis. Ein Trend funktioniert eben so lange, bis er bricht …

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Wo sich die Gewinner-Aktien verstecken

Lage & Szenarien vom 02.04.2023 von Frank Sauerland

Das obige Stäbchendiagramm ist wertvoll, so läppisch es auch daherkommt. Es zeigt

  • warum die meisten Anleger die falschen Aktien kaufen
  • warum sie die falschen Aktien kaufen müssen
  • warum es der Mehrheit schwer fällt, am Aktienmarkt Gewinne zu erzielen
  • wo die richtigen Aktien zu finden sind
  • welche Schlussfolgerung ich als Aktienanleger ziehe.

Das Diagramm skizziert die Ergebnisse eines Zahlenwerks des J.P. Morgan Asset Managements. Es veranschaulicht die Verteilung des annualisierten Gesamtgewinns einzelner Aktien, wenn dieser in Beziehung gesetzt wird zum Russell 3000-Index. Beobachtet wird der Zeitraum von 1980 bis 2020.

Das Diagramm zeigt also, welche US-Aktien besser abschnitten und welche schlechter im Vergleich zum Index, dem Russell 3000, einem der weltweit größten Aktienindices.

Auf der Hochkantachse am linken Rand ist die Anzahl der Aktien aufgetragen, welche das jeweilige Gewinnniveau erreichen. Auf der Linie unten ist der prozentuale Gewinn/Verlust der Aktien gegenüber dem Maßstab abzulesen.

Die Erkenntnisse, die ich aus der Betrachtung der 15 Stäbchen ziehe, sind einfach, jedoch umstürzend und stellen manche Investmentstrategie in Frage.

Zunächst und bitter: Die Mehrzahl der Aktien macht Verlust. Zu sehen ist das an den höheren Stäbchen auf der linken Seite des Diagramms. Die allermeisten Aktien machen 10 Prozent Verlust (Pfeil).

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Die Bank und das Vertrauen

Lage & Szenarien vom 26.03.2023 von Frank Sauerland

Das Foto zeigt eine Geldburg, gebaut aus Stein und Glas und Metall. Zwei kleine Türen riskiert die Burg, damit Kunden hinein gelangen können. Einwohner des Provinzstädtchens kritisieren das Aussehen der Sparkasse. Unbewusst jedoch verstehen sie es, gerade deswegen sind sie Kunden. Sie haben ihr Geld in die Burg gebracht. Dort ist es sicher. Eine Burg flößt Vertrauen ein.

Einer der großen Feinde jeder Burg ist das Feuer.

„Es greift rapid um sich; es ist anteckend und unersättlich; es kann überall entstehen, sehr plötzlich; es ist zerstörend”, charakterisiert Elias Canetti, der Analyst der Massen, das Feuer und vergleicht es mit Menschenmassen: „Alle diese Eigenschaften des Feuers sind die der Masse.” Feuer und Massen gleichen sich, sie greifen „mit der größten Heftigkeit um sich. Ihrer Ansteckung können wenige widerstehen.”

Vorletzte Woche loderte es bei der Silicon Valley Bank, dann bei der First Republik, letztes Wochenende bei der Credit Suisse. Das Vertrauen brannte, Kundenmassen flohen, zogen Geldmassen ab. „Masse kann überall entstehen, wo Menschen beisammen sind, ihre Spontaneität und Plötzlichkeit sind unheimlich”, so Canetti. „Die Masse kann zerstörend sein. Sie sucht sich einen Feind.” Der neue heißt: Deutsche Bank.

Am Freitag brach der Kurs der deutschen Vorzeigebank zeitweise um über 10 Prozent ein, erholte sich zögernd und schloss in New York schließlich mit einem moderaten 3-Prozent-Minus. Im Tagesverlauf hatte sich der deutsche Kanzler genötigt gesehen, vor der Weltöffentlichkeit beruhigende Worte zu der Bank, die den Namen seines Landes trägt, zu äußern — ein beispielloser Vorgang.

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Lahme Wirtschaft, lahme Kurse

Lage & Szenarien vom 19.03.2023 von Frank Sauerland

Der Weltuntergang ist abgesagt. Wieder einmal. Zumindest an der Börse. Powell rettet, Lagarde rettet, die Schweizerische Nationalbank rettet. Whatever it takes. Die Strauchelkandidaten der abgelaufenen Woche, die Silicon Valley Bank, die First Republic, die Credit Suisse, sie werden auch mit Zentralbankgeld wieder fit gespritzt. An die Credit Suisse robbt sich in diesen Stunden die Schweizer Großbank UBS als möglicher finaler Problemlöser heran.

Dennoch bleiben wir Anleger misstrauisch und das aus guten Gründen.

Große Marktteilnehmer befürchten, dass weitere Regionalbanken in den USA in kommenden Wochen und Monaten wegen der beispiellosen Zinsherhöhungen der US-Zentrankbank Fed in Schwierigkeiten geraten können und zwar auf ähnliche Weise, wie es der Silicon Valley Bank passiert ist: Kunden verlieren Vertrauen, tauschen sich untereinander in Windeseile über WhatsApp, SMS, Socialmedia-Kanäle aus, womöglich verstärken sie sich dabei gegenseitig in ihren Ängsten. So entsteht ein moderner Bank-Run. Er führt kaum zu Zusammenbrüchen, auch eine großflächige Bankenkrise wird es nicht geben, der Untergang des Systems bleibt aus, denn Zentralbanken und Regierungen agieren heute anders als zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise oder der Finanzkrise 2007, sie sind besser geworden, sie legen das Rettungsbesteck offen vor, damit wir es besichtigen und uns beruhigen können. Der VIX, der Schwankungsbreiten-Index der Aktienkurse, zeigt die sedierte Lage schön:

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